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		<title><![CDATA[Lost the plot - Alle Foren]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2026 20:51:15 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Taléia Santos]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2696</link>
			<pubDate>Sat, 01 Aug 2026 09:38:33 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=575">Taléia Santos</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Taléia Santos</div>
  <div class="p3">I'll wait on mountain tops in Paris, cold<br />
J'veux pas mourir toute seule</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">Quem me ama, me aguenta.</div>
    </div>
    <img src="https://s1.directupload.eu/images/260730/pe2rx6nn.png"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>rea</div>
      <div>Alter // 28 Jahre</div>
      <div>
        Job // Tänzerin & Barista</div>
      <div>
        Pizza // Pepperoni & Jalapeño</div>
      <div>
        Ava // Camila Cabello</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://s1.directupload.eu/images/260730/b3a2at5e.gif"><br />
      </div>
      Die hat einen an der Waffel, lautet das Urteil vieler. Und das nur, weil sie damals den Schlüsseldienst kommen liess, weil ihre Freundin nicht Zuhause war und Taléia keinen Schlüssel hatte. Weil es auch nicht ihre Wohnung war. Kleinlich, wenn man sie fragt. Meins und deins, das funktioniert in ihrer Welt nicht so. Teilen ist eine Lebenseinstellung, kein Schwarz und Weiss Prinzip. Ist man mit ihr befreundet, hat man automatisch Anrecht auf fast alles, was ihr gehört. Schminkzeug, Klamotten, Kühlschrankinhalt. Umgekehrt erwartet sie dasselbe. Ihr Verständnis von Grenzen ist... anders. Dass sie deswegen schon mal als übergriffig bezeichnet wurde - kam vor, löste Drama aus. Das kann sie gut. Drama. Laut und leidenschaftlich. Wenn sie sich unbeachtet, übergangen oder zurückgesetzt fühlt. Dabei meint sie es nur gut, meistens jedenfalls, mit fast allen, glaubt zu wissen, was gut für ihre Freunde ist und organisiert ungefragt deren Leben. Sie mischt sich wirklich in alles ein. Macht Zahnarzttermine aus (Bleaching, was kostet das bei Ihnen?), cancelt Tinderdates (Baby, sein Sternzeichen ist Steinbock, das passt GAR NICHT zu dir! Der betrügt dich bei der ersten Gelegenheit mit einer Jungfrau), bestellt Pakete (dein Shampoo war leer, ich hab' dir Extra-Repair bestellt, es ist SO nötig). Hat man es sich mit ihr verscherzt, dann ist sie wahlweise ignorant oder toxic af. Besonders oft kommt das aber nicht vor, im Grunde ihres Herzens ist Taléia ein People Pleaser, sie erträgt es nicht, wenn jemand sie nicht mag. Das nährt ihre Unsicherheit, das Gefühl, nicht gut genug zu sein, weil vielleicht sind ihre Main Character Vibes ein bisschen eingebildet?! Sie bemüht sich, ist für ihre Freunde da (ein bisschen zu sehr, vielleicht), macht sie zum Mittelpunkt ihres Lebens, weil alleine sein, das kann sie nicht. Sie hat zwar ihre eigene Bleibe, aber die Stille der Räume macht sie nervös. Also quartiert sie sich überall ein, greift in Tagesabläufe, Strukturen und Wohnungseinrichtungen ein. Oft planlos, aber immer mit vollem Einsatz.<br />
    </div>
    <div class="p8">Eu avisei.</div>
    Temperamentvoll, leidenschaftlich & begeisterungsfähig: Taléia ist alles und gibt alles, immer, hundert Prozent, bei Freude, Liebe, Enttäuschungen, Wut. Vor allem bei der Wut. Halbe Sachen sind nicht ihr Ding (ausser bei Oberteilen, Crop Tops und so!), ebenso wenig wie vernünftige Entscheidungen, weil sie ist halt auch impulsiv und launisch. <i>Intensiv</i>, könnte man es fast zusammenfassen. Heute schwört sie Stein und Bein auf Plan A, morgen erzählt sie mit derselben Überzeugung, dass Plan B schon immer IHR PLAN gewesen ist. Meinungen ändert sie wie ihre Unterwäsche, mindestens einmal täglich, reflektiert wird später. Wenn überhaupt.<br />
Sie ist  auch loyal und fürsorglich, aber auch das ETWAS zu sehr. Wenn du krank bist, steht sie ungefragt mit Suppe, Tee, einer Wärmeflasche und drei Packungen Medikamenten (mindestens eins davon verschreibungspflichtig, wie auch immer sie das anstellt) vor deiner Haustür, auch wenn du deine Ruhe wolltest. Drei Tage umsorgt sie dich, danach verpasst sie dir einen Tritt in den Arsch, wenn du genug gelitten hast und gefälligst wieder am Leben teilnehmen sollst. Ja, sie trägt ihr Herz auf der Zunge, ist resolut, direkt und schonungslos ehrlich, spricht aus, was andere höchstens denken (denkt dafür öfters einfach gar nicht) und ist gleichzeitig eine Dramaqueen vor dem Herrn. Sprichst du so mit ihr oder fühlt sie sich übergangen, unbeachtet oder ungerecht behandelt, reagiert sie mit tränenfeuchten Augen, einem dramatischen Abgang inklusive Blick über die Schulter und gerne einem verletzenden Satz. Fünf Minuten später steht sie dann wieder vor der Tür, weil sie noch ihr Handy-Ladekabel holen wollte. Sie ist ein bisschen Main Character, wobei keine Arroganz dahintersteckt, sondern die in der frühen Kindheit verankerte Ansicht, dass das Leben eine grosse Telenovela ist und jeder Tag mindestens eine dramatischen Szene und einen emotionalen Monolog verdient.<br />
Grenzen sind ein Konzept, das sie hauptsächlich von Weltkarten kennt. Sie ruft dich 10x an, wenn du nicht rangehst, bombardiert sie dich mit der doppelten Anzahl an WhatsApp Nachrichten und organisiert nebenbei dein Leben ungefragt mit. Da werden auch mal Tinder-Dates abgesagt, weil der Typ irgendwie Shady wirkt oder sein Sternzeichen nicht passt. Dabei hasst sie selbst wenig mehr, als bevormundet zu werden. Stolz und rechthaberisch ist sie nämlich auch (wann kommen wir eigentlich zu den positiven Eigenschaften?). Hilfe kann sie nur dann annehmen, wenn sie selbst drum gebeten hat und zu ihren Lieblingssätzen gehört <i>Ich habs dir ja gesagt</i>. Ob sie es tatsächlich gesagt hat oder nicht, ist ein unwichtiges Detail. Erstaunlicherweise kommt es im Umgang mit ihr immer wieder zu Streit. Damit geht sie kreativ und spontan um, manchmal trägt sie dir tagelang etwas nach, ignoriert dich oder ist einfach toxic af. Manchmal auch nicht. Aber: brauchst du sie danach trotzdem und wirklich (wofür??), dann ist sie da und bringt gleich Essen für fünf mit. Fürsorge, wie gesagt. Und sie hat einen ausgeprägten Beschützerinstinkt, den man eigentlich nur als übergriffig bezeichnen kann. Sie ist fest davon überzeugt, dass ihren Freunden grundsätzlich immer etwas Schlimmes passieren kann und die Welt zwar ein buntes, aber eben auch ein gefährliches Pflaster ist. First Dates ihrer Freundinnen müssen (ihrer Meinung nach) deswegen immer während ihren Schichten in ihrer Starbucks Filiale stattfinden. Damit sie ein Auge drauf haben und eingreifen kann, falls der Typ komisch guckt, falsch kaut oder - Gott bewahre - Sandalen trägt. Natürlich ist Taléia dabei VÖLLIG unauffällig, läuft nur alle fünf Minuten mit einem Lappen am Tisch vorbei und guckt dabei so zuckersüss-aggressiv, dass jedem klar sein sollte, dass sie sich bereits das Kennzeichen gemerkt hat. Dass sie nach der Verabschiedung eine Standortfreigabe verlangt, versteht sich von selbst.<br />
<br />
Taléia ist kein zurückhaltendes Mauerblümchen, im Gegenteil. Das ist aber manchmal mehr Schein als Sein, weil sie eigentlich fast immer zweifelt, ob sie gut genug ist. Leistung und Emotion sind bei ihr eine Einheit; läuft privat etwas schief oder fühlt sie sich ungeliebt, wirkt sich das meist unmittelbar auf ihre Performance aus. Sie beneidet andere manchmal um deren Stabilität, um ein geregeltes Leben, funktionierende Beziehungen, pünktlich bezahlte Stromrechnungen. Gleichzeitig ist sie ausgesprochen grosszügig, bis hin zur Selbstaufgabe. Sie teilt alles mit dir. Klamotten, Essen, Make Up, das letzte Stück Pizza, ihre Wohnung, deine Wohnung. Freundschaften mit ihr würden einen Ehevertrag benötigen. <br />
Dass sie nicht mit Geld umgehen kann, macht die Sache nicht einfacher. Sie verdient okay-ish, aber eben nicht viel, gibt aber gerne viel aus. Teure Sneaker, ein Outfit, das sie eigentlich gar nicht braucht. Trotzdem reicht es zum Leben, aber nicht, um Rücklagen zu bilden. Sie leiht sich ohne Scheu kleine Beträge von ihren Freunden (an dem Punkt fragt man sich vielleicht, wer sich das freiwillig antut?!), zwanzig Pfund hier, dreissig Pfund da, und vergisst danach völlig, dass sie jemandem etwas schuldet. Dahinter steckt keine Berechnung, sondern Chaos, Optimismus, Nachlässigkeit. Wer sein Geld wieder sehen möchte, muss es ausdrücklich zurückfordern. Mit der Gefahr, dass sie dramatisch reagiert, weil sie sich ungeliebt fühlt.<br />
Sie glaubt an Zeichen, Tarotkarten und Geister und kann nicht nachvollziehen, wie jemand so fahrlässig sein kann, dies nicht zu tun. Taléia wurde katholisch erzogen, Religion spielt für sie aber eine untergeordnete Rolle und sie flucht erstaunlich viel. Fairerweise entschuldigt sie sich direkt danach bei Gott, Jesus oder ihrem Gesprächspartner, manchmal auf portugiesisch, manchmal Englisch. Das spricht sie inzwischen fliessend, aber nicht akzentfrei und vor allem am Telefon mit ihrer Familie sehr laut, weil sie denkt, dass der andere sie sonst nicht hören kann.<br />
Sie mag chaotisch wirken, aber Unordnung macht sie wahnsinnig. Ist sie bei dir zu Besuch (oder temporär eingezogen), räumt sie deine Wohnung auf, sortiert das Bücherregal nach Farbe, wäscht deine Klamotten und sortiert dabei grosszügig (weil sie das ist!) aus, was dir nicht mehr steht weil du zugenommen hast oder die Farbe aus der Mode gekommen ist oder aus tausend anderen Gründen. Kommt direkt in den Spendensack. Danach wird geputzt, inklusive Türrahmen und Fenster. Sie ist die Mutter, die bei dir zu Besuch kommt und absurde Stellen nach Staub absucht. Als Gegenzug für ihre Dienste kannst du sie gerne zu Terminen oder der Arbeit fahren. Sie hasst öffentliche Verkehrsmittel, besitzt aber selbst keinen Fahrschein und ihr technisches Verständnis von Autos reicht ungefähr so weit, dass sie weiss, dass es keine Flugzeuge sind, weil sie keine Flügel haben.<br />
<br />
LIKES # Barfuss tanzen auf warmem Asphalt # Regennächte # die Stimme ihrer Mutter am Telefon, auch wenn sie sich oft anschreien # Telenovelas, die sie mitlebt, kommentiert und eine Meinung zu jeder Figur hat # Schutzamulette # Haaröl mit Kokosduft # leuchtende Nagellackfarben # spontane Komplimente, die machen sie sehr glücklich # Freundschaftsbänder # Tanzvideos auf TikTok # süss riechende Kerzen # Gummibärchen<br />
DISLIKES # Wasser mit Kohlensäure # langweilige Kleidung in gedeckten Farben # langsame Entscheidungen, das macht sie verrückt # Stille in einem Raum # Ämter, Vermieter und Behörden und die dazugehörigen Gänge # lange, ernsthafte Gespräche # catcalls, da wird sie ausfällig <br />
<br />
    <div class="p8">Você vai me agradecer depois.</div>
    - 8. August 1989: Taléia kommt in São Paulo als zweites Kind zur Welt, zwei jüngere Geschwister folgen in den nächsten Jahren. Sie wächst zwischen hupenden Autos, Strassenhändlern und frittierten Teigbällchen auf. Ihr Vater fährt Bus, ihre Mutter ist Schneiderin. Das Geld ist knapp, die Familie muss mit wenig auskommen und alles wird geteilt. Spielsachen, Klamotten, Zimmer, Bett. <br />
- 1995: Früh entdeckt sie ihre Liebe zur Musik und zum Tanz. Sie liebt Bewegung, tanzt überall, wo Musik ist; auf Strassenfesten, in der Schule, in der Kirche, in der heimischen Küche. Wenn sei glücklich ist, wirbelt sie herum, wenn sie traurig ist, tanzt sie, während dicke Krokodilstränen über ihre Wangen rinnen. Und auch wenn das Geld dafür <i>eigentlich</i> nicht vorhanden ist, bettelt sie so lange, bis ihre Eltern ihr den Besuch einer Tanzschule ermöglichen. Zunächst macht sie Capoeira, wenig später kommen Hip-Hop und Latin Fusion dazu. Die Schule läuft nebenbei, sie ist nicht dumm, aber sie findet es nicht so wichtig, mit Zahlen und Buchstaben umzugehen und Dinge zu lernen, die vor tausend Jahren geschehen sind. <br />
- 2003: Mit 14 kennt sie jede Gasse und jede Churrascaria der Stadt (von aussen, das Geld reicht nicht für einen Besuch), hat jene aber noch nie verlassen. Ihre Eltern wünschen sich einen bodenständigen Beruf für sie, Lehrerin vielleicht, einen Bürojob. Apothekerin. Alles davon findet sie langweilig, sie möchte eine Bühne, Licht, Applaus und ein bisschen Glitzer, ein bisschen Bewunderung. Familiärer Streit ist damit vorprogrammiert, aber am Ende des Tages muss sie sich geschlagen geben. Nach einem mässigen Schulabschluss beginnt sie 2006 die Ausbildung zur Frisörin. Nicht, weil sie will, sondern weil sie muss, ihre Eltern sind nicht länger bereit, ihr das Tanzen zu finanzieren.<br />
- 2009: Ein lokaler Tanzwettbewerb verändert alles. Taléia gewinnt und strahlt mit den Scheinwerfern um die Wette, während einer der Juroren, der aus Chicago kommt, nach der Siegerehrung von Chancen und Talenten und Kontakten in die Staaten schwafelt. Sie versteht mit ihrem Schulenglisch nicht einmal die Hälfte, aber das ist egal. Ihre Eltern sind entsetzt, sie ist begeistert, als der Typ ihr einen Platz ihr einen Platz an einer Tanzschule in Chicago vermittelt. Dank eines Teilstipendiums werden ein Teil der Ausbildungsgebühren übernommen; Miete und Lebensunterhalt muss sie selbst finanzieren. Taléia kündigt ihren Job und nur ein paar Wochen später erreicht sie mit einer kleinen Reisetasche und ganz vielen Träumen die Metropole am Lake Michigan.<br />
- 2009-2011: Mit drei andern Tänzern teilt sie sich eine Wohnung (normal), die so klein ist, dass man den Kühlschrank als Couchtisch nutzt. Für Taléia, die in beengten Verhältnissen gross geworden ist, stellt das kein Problem dar, im Gegensatz zu ihren Mitbewohnern, die es nicht okay finden, dass die Brasilianerin ihr Tupperware Essen wegfuttert und dafür grosszügig klarstellt, dass ihr Kleiderschrank für alle zur Verfügung steht. Naja. Sie ist eh nicht viel Zuhause; Unter der Woche verbringt sie die meiste Zeit an der Tanzschule. Techniktraining, Choreografien, Krafttraining, Workshops und erste Castings bestimmen ihren Alltag. Daneben jobbt sie abends als Kellnerin und gibt am Wochenende Hip-Hip-Unterricht für Kinder. Sie ist überarbeitet, müde, pleite und trotzdem glücklich. Das Geld, das sie verdient, gibt sie aus, ohne gross darüber nachzudenken (Zukunft, hallo??). Meistens für Sneaker. Oder Snacks. <br />
- 2011: Es geht aufwärts. Immer häufiger wird sie für kleinere Jobs gebucht. Erst Workshops und lokale Shows, später Musikvideos, Bühnenauftritte und Werbespots. Und sie verliebt sich, natürlich in einen Tänzer, natürlich in einen Latino. Die Beziehung endet nur wenige Monate später, mit viel Lärm und Drama, zerbrochenen Lampen und Herzen. <br />
- 2013: Der grosse Durchbruch, oder zumindest sieht es danach aus. Taléia wird als Background-Tänzerin für die Welttournee von Usher engagiert. Zum ersten Mal in ihrem Leben reist sie richtig herum, sieht Orte, von denen sie noch nie gehört hat. Sie lebt aus dem Koffer und tanzt in ausverkauften Hallen. Es ist alles, wovon sie je geträumt hat, aber es ist auch anstrengender, unbeständiger und weit weniger glamourös, als sie es sich vorgestellt hat.<br />
- 2014: Bürokratie, Formulare, Fristen, das sind allesamt böhmische Dörfer für Taléia. Als sie merkt, dass ihr Visum ausläuft, ist es zu spät, ihre Versuche, eine Verlängerung zu beantragen, scheitern. Die Krokodilstränen sind so echt wie das Rückflugticket nach São Paulo. Sie kommt bei ihren Eltern unter, teilt sich ein Zimmer mit ihrer kleinen Schwester, diskutiert jeden Tag mit ihrer Mutter und fragt sich, was sie aus ihrem Leben machen soll. Zeitweise arbeitet sie wieder als Frisörin, aber sie sehnt sich nach diesem andere Leben, das sie kennengelernt hat. <br />
- 2015: Im dramatischen Glauben, die Welt habe sie vergessen, ruft ein alter Bekannter aus Chicago an: In Manchester suche ein Freund von ihm eine Lehrerin für Latin-Workshops. Taléia zögert keine Sekunde, auch wenn Manchester nicht so shiny und glittery ist wie Chicago. <br />
- 2016: Entsprechend fühlt sich die Stadt in England vorerst wie eine Zwischenstation an. Sie gibt Workshops, springt als Tänzerin bei kleineren Produktionen ein und arbeitet meistens sechs Tage pro Woche. Sie lernt jemanden kennen, verliebt sich Hals über Kopf und zieht viel zu schnell mit ihm zusammen. Die Beziehung hält keine fünf Monate und erneut steht sie vor Scherben, zumal der Kerl ihr ihre wenigen Ersparnisse abgeknöpft hat.<br />
- 2017: Inzwischen wohnt sie in einem One Bedroom Apartment in Oldham. Sie hat keine Festanstellung, wird immer mal wieder für Shows, Werbeproduktionen oder Musikvideos gebucht, sie gibt Kurse und Unterricht, aber alles als Freelancerin. Entsprechend gibt es Monate, in denen sie genug verdient, aber in den meisten reicht es nicht. Deswegen hat sie eine 40%-Teilzeitstelle bei Starbucks, um über die Runden zu kommen.<br />
  </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Taléia Santos</div>
  <div class="p3">I'll wait on mountain tops in Paris, cold<br />
J'veux pas mourir toute seule</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">Quem me ama, me aguenta.</div>
    </div>
    <img src="https://s1.directupload.eu/images/260730/pe2rx6nn.png"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>rea</div>
      <div>Alter // 28 Jahre</div>
      <div>
        Job // Tänzerin & Barista</div>
      <div>
        Pizza // Pepperoni & Jalapeño</div>
      <div>
        Ava // Camila Cabello</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://s1.directupload.eu/images/260730/b3a2at5e.gif"><br />
      </div>
      Die hat einen an der Waffel, lautet das Urteil vieler. Und das nur, weil sie damals den Schlüsseldienst kommen liess, weil ihre Freundin nicht Zuhause war und Taléia keinen Schlüssel hatte. Weil es auch nicht ihre Wohnung war. Kleinlich, wenn man sie fragt. Meins und deins, das funktioniert in ihrer Welt nicht so. Teilen ist eine Lebenseinstellung, kein Schwarz und Weiss Prinzip. Ist man mit ihr befreundet, hat man automatisch Anrecht auf fast alles, was ihr gehört. Schminkzeug, Klamotten, Kühlschrankinhalt. Umgekehrt erwartet sie dasselbe. Ihr Verständnis von Grenzen ist... anders. Dass sie deswegen schon mal als übergriffig bezeichnet wurde - kam vor, löste Drama aus. Das kann sie gut. Drama. Laut und leidenschaftlich. Wenn sie sich unbeachtet, übergangen oder zurückgesetzt fühlt. Dabei meint sie es nur gut, meistens jedenfalls, mit fast allen, glaubt zu wissen, was gut für ihre Freunde ist und organisiert ungefragt deren Leben. Sie mischt sich wirklich in alles ein. Macht Zahnarzttermine aus (Bleaching, was kostet das bei Ihnen?), cancelt Tinderdates (Baby, sein Sternzeichen ist Steinbock, das passt GAR NICHT zu dir! Der betrügt dich bei der ersten Gelegenheit mit einer Jungfrau), bestellt Pakete (dein Shampoo war leer, ich hab' dir Extra-Repair bestellt, es ist SO nötig). Hat man es sich mit ihr verscherzt, dann ist sie wahlweise ignorant oder toxic af. Besonders oft kommt das aber nicht vor, im Grunde ihres Herzens ist Taléia ein People Pleaser, sie erträgt es nicht, wenn jemand sie nicht mag. Das nährt ihre Unsicherheit, das Gefühl, nicht gut genug zu sein, weil vielleicht sind ihre Main Character Vibes ein bisschen eingebildet?! Sie bemüht sich, ist für ihre Freunde da (ein bisschen zu sehr, vielleicht), macht sie zum Mittelpunkt ihres Lebens, weil alleine sein, das kann sie nicht. Sie hat zwar ihre eigene Bleibe, aber die Stille der Räume macht sie nervös. Also quartiert sie sich überall ein, greift in Tagesabläufe, Strukturen und Wohnungseinrichtungen ein. Oft planlos, aber immer mit vollem Einsatz.<br />
    </div>
    <div class="p8">Eu avisei.</div>
    Temperamentvoll, leidenschaftlich & begeisterungsfähig: Taléia ist alles und gibt alles, immer, hundert Prozent, bei Freude, Liebe, Enttäuschungen, Wut. Vor allem bei der Wut. Halbe Sachen sind nicht ihr Ding (ausser bei Oberteilen, Crop Tops und so!), ebenso wenig wie vernünftige Entscheidungen, weil sie ist halt auch impulsiv und launisch. <i>Intensiv</i>, könnte man es fast zusammenfassen. Heute schwört sie Stein und Bein auf Plan A, morgen erzählt sie mit derselben Überzeugung, dass Plan B schon immer IHR PLAN gewesen ist. Meinungen ändert sie wie ihre Unterwäsche, mindestens einmal täglich, reflektiert wird später. Wenn überhaupt.<br />
Sie ist  auch loyal und fürsorglich, aber auch das ETWAS zu sehr. Wenn du krank bist, steht sie ungefragt mit Suppe, Tee, einer Wärmeflasche und drei Packungen Medikamenten (mindestens eins davon verschreibungspflichtig, wie auch immer sie das anstellt) vor deiner Haustür, auch wenn du deine Ruhe wolltest. Drei Tage umsorgt sie dich, danach verpasst sie dir einen Tritt in den Arsch, wenn du genug gelitten hast und gefälligst wieder am Leben teilnehmen sollst. Ja, sie trägt ihr Herz auf der Zunge, ist resolut, direkt und schonungslos ehrlich, spricht aus, was andere höchstens denken (denkt dafür öfters einfach gar nicht) und ist gleichzeitig eine Dramaqueen vor dem Herrn. Sprichst du so mit ihr oder fühlt sie sich übergangen, unbeachtet oder ungerecht behandelt, reagiert sie mit tränenfeuchten Augen, einem dramatischen Abgang inklusive Blick über die Schulter und gerne einem verletzenden Satz. Fünf Minuten später steht sie dann wieder vor der Tür, weil sie noch ihr Handy-Ladekabel holen wollte. Sie ist ein bisschen Main Character, wobei keine Arroganz dahintersteckt, sondern die in der frühen Kindheit verankerte Ansicht, dass das Leben eine grosse Telenovela ist und jeder Tag mindestens eine dramatischen Szene und einen emotionalen Monolog verdient.<br />
Grenzen sind ein Konzept, das sie hauptsächlich von Weltkarten kennt. Sie ruft dich 10x an, wenn du nicht rangehst, bombardiert sie dich mit der doppelten Anzahl an WhatsApp Nachrichten und organisiert nebenbei dein Leben ungefragt mit. Da werden auch mal Tinder-Dates abgesagt, weil der Typ irgendwie Shady wirkt oder sein Sternzeichen nicht passt. Dabei hasst sie selbst wenig mehr, als bevormundet zu werden. Stolz und rechthaberisch ist sie nämlich auch (wann kommen wir eigentlich zu den positiven Eigenschaften?). Hilfe kann sie nur dann annehmen, wenn sie selbst drum gebeten hat und zu ihren Lieblingssätzen gehört <i>Ich habs dir ja gesagt</i>. Ob sie es tatsächlich gesagt hat oder nicht, ist ein unwichtiges Detail. Erstaunlicherweise kommt es im Umgang mit ihr immer wieder zu Streit. Damit geht sie kreativ und spontan um, manchmal trägt sie dir tagelang etwas nach, ignoriert dich oder ist einfach toxic af. Manchmal auch nicht. Aber: brauchst du sie danach trotzdem und wirklich (wofür??), dann ist sie da und bringt gleich Essen für fünf mit. Fürsorge, wie gesagt. Und sie hat einen ausgeprägten Beschützerinstinkt, den man eigentlich nur als übergriffig bezeichnen kann. Sie ist fest davon überzeugt, dass ihren Freunden grundsätzlich immer etwas Schlimmes passieren kann und die Welt zwar ein buntes, aber eben auch ein gefährliches Pflaster ist. First Dates ihrer Freundinnen müssen (ihrer Meinung nach) deswegen immer während ihren Schichten in ihrer Starbucks Filiale stattfinden. Damit sie ein Auge drauf haben und eingreifen kann, falls der Typ komisch guckt, falsch kaut oder - Gott bewahre - Sandalen trägt. Natürlich ist Taléia dabei VÖLLIG unauffällig, läuft nur alle fünf Minuten mit einem Lappen am Tisch vorbei und guckt dabei so zuckersüss-aggressiv, dass jedem klar sein sollte, dass sie sich bereits das Kennzeichen gemerkt hat. Dass sie nach der Verabschiedung eine Standortfreigabe verlangt, versteht sich von selbst.<br />
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Taléia ist kein zurückhaltendes Mauerblümchen, im Gegenteil. Das ist aber manchmal mehr Schein als Sein, weil sie eigentlich fast immer zweifelt, ob sie gut genug ist. Leistung und Emotion sind bei ihr eine Einheit; läuft privat etwas schief oder fühlt sie sich ungeliebt, wirkt sich das meist unmittelbar auf ihre Performance aus. Sie beneidet andere manchmal um deren Stabilität, um ein geregeltes Leben, funktionierende Beziehungen, pünktlich bezahlte Stromrechnungen. Gleichzeitig ist sie ausgesprochen grosszügig, bis hin zur Selbstaufgabe. Sie teilt alles mit dir. Klamotten, Essen, Make Up, das letzte Stück Pizza, ihre Wohnung, deine Wohnung. Freundschaften mit ihr würden einen Ehevertrag benötigen. <br />
Dass sie nicht mit Geld umgehen kann, macht die Sache nicht einfacher. Sie verdient okay-ish, aber eben nicht viel, gibt aber gerne viel aus. Teure Sneaker, ein Outfit, das sie eigentlich gar nicht braucht. Trotzdem reicht es zum Leben, aber nicht, um Rücklagen zu bilden. Sie leiht sich ohne Scheu kleine Beträge von ihren Freunden (an dem Punkt fragt man sich vielleicht, wer sich das freiwillig antut?!), zwanzig Pfund hier, dreissig Pfund da, und vergisst danach völlig, dass sie jemandem etwas schuldet. Dahinter steckt keine Berechnung, sondern Chaos, Optimismus, Nachlässigkeit. Wer sein Geld wieder sehen möchte, muss es ausdrücklich zurückfordern. Mit der Gefahr, dass sie dramatisch reagiert, weil sie sich ungeliebt fühlt.<br />
Sie glaubt an Zeichen, Tarotkarten und Geister und kann nicht nachvollziehen, wie jemand so fahrlässig sein kann, dies nicht zu tun. Taléia wurde katholisch erzogen, Religion spielt für sie aber eine untergeordnete Rolle und sie flucht erstaunlich viel. Fairerweise entschuldigt sie sich direkt danach bei Gott, Jesus oder ihrem Gesprächspartner, manchmal auf portugiesisch, manchmal Englisch. Das spricht sie inzwischen fliessend, aber nicht akzentfrei und vor allem am Telefon mit ihrer Familie sehr laut, weil sie denkt, dass der andere sie sonst nicht hören kann.<br />
Sie mag chaotisch wirken, aber Unordnung macht sie wahnsinnig. Ist sie bei dir zu Besuch (oder temporär eingezogen), räumt sie deine Wohnung auf, sortiert das Bücherregal nach Farbe, wäscht deine Klamotten und sortiert dabei grosszügig (weil sie das ist!) aus, was dir nicht mehr steht weil du zugenommen hast oder die Farbe aus der Mode gekommen ist oder aus tausend anderen Gründen. Kommt direkt in den Spendensack. Danach wird geputzt, inklusive Türrahmen und Fenster. Sie ist die Mutter, die bei dir zu Besuch kommt und absurde Stellen nach Staub absucht. Als Gegenzug für ihre Dienste kannst du sie gerne zu Terminen oder der Arbeit fahren. Sie hasst öffentliche Verkehrsmittel, besitzt aber selbst keinen Fahrschein und ihr technisches Verständnis von Autos reicht ungefähr so weit, dass sie weiss, dass es keine Flugzeuge sind, weil sie keine Flügel haben.<br />
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LIKES # Barfuss tanzen auf warmem Asphalt # Regennächte # die Stimme ihrer Mutter am Telefon, auch wenn sie sich oft anschreien # Telenovelas, die sie mitlebt, kommentiert und eine Meinung zu jeder Figur hat # Schutzamulette # Haaröl mit Kokosduft # leuchtende Nagellackfarben # spontane Komplimente, die machen sie sehr glücklich # Freundschaftsbänder # Tanzvideos auf TikTok # süss riechende Kerzen # Gummibärchen<br />
DISLIKES # Wasser mit Kohlensäure # langweilige Kleidung in gedeckten Farben # langsame Entscheidungen, das macht sie verrückt # Stille in einem Raum # Ämter, Vermieter und Behörden und die dazugehörigen Gänge # lange, ernsthafte Gespräche # catcalls, da wird sie ausfällig <br />
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    <div class="p8">Você vai me agradecer depois.</div>
    - 8. August 1989: Taléia kommt in São Paulo als zweites Kind zur Welt, zwei jüngere Geschwister folgen in den nächsten Jahren. Sie wächst zwischen hupenden Autos, Strassenhändlern und frittierten Teigbällchen auf. Ihr Vater fährt Bus, ihre Mutter ist Schneiderin. Das Geld ist knapp, die Familie muss mit wenig auskommen und alles wird geteilt. Spielsachen, Klamotten, Zimmer, Bett. <br />
- 1995: Früh entdeckt sie ihre Liebe zur Musik und zum Tanz. Sie liebt Bewegung, tanzt überall, wo Musik ist; auf Strassenfesten, in der Schule, in der Kirche, in der heimischen Küche. Wenn sei glücklich ist, wirbelt sie herum, wenn sie traurig ist, tanzt sie, während dicke Krokodilstränen über ihre Wangen rinnen. Und auch wenn das Geld dafür <i>eigentlich</i> nicht vorhanden ist, bettelt sie so lange, bis ihre Eltern ihr den Besuch einer Tanzschule ermöglichen. Zunächst macht sie Capoeira, wenig später kommen Hip-Hop und Latin Fusion dazu. Die Schule läuft nebenbei, sie ist nicht dumm, aber sie findet es nicht so wichtig, mit Zahlen und Buchstaben umzugehen und Dinge zu lernen, die vor tausend Jahren geschehen sind. <br />
- 2003: Mit 14 kennt sie jede Gasse und jede Churrascaria der Stadt (von aussen, das Geld reicht nicht für einen Besuch), hat jene aber noch nie verlassen. Ihre Eltern wünschen sich einen bodenständigen Beruf für sie, Lehrerin vielleicht, einen Bürojob. Apothekerin. Alles davon findet sie langweilig, sie möchte eine Bühne, Licht, Applaus und ein bisschen Glitzer, ein bisschen Bewunderung. Familiärer Streit ist damit vorprogrammiert, aber am Ende des Tages muss sie sich geschlagen geben. Nach einem mässigen Schulabschluss beginnt sie 2006 die Ausbildung zur Frisörin. Nicht, weil sie will, sondern weil sie muss, ihre Eltern sind nicht länger bereit, ihr das Tanzen zu finanzieren.<br />
- 2009: Ein lokaler Tanzwettbewerb verändert alles. Taléia gewinnt und strahlt mit den Scheinwerfern um die Wette, während einer der Juroren, der aus Chicago kommt, nach der Siegerehrung von Chancen und Talenten und Kontakten in die Staaten schwafelt. Sie versteht mit ihrem Schulenglisch nicht einmal die Hälfte, aber das ist egal. Ihre Eltern sind entsetzt, sie ist begeistert, als der Typ ihr einen Platz ihr einen Platz an einer Tanzschule in Chicago vermittelt. Dank eines Teilstipendiums werden ein Teil der Ausbildungsgebühren übernommen; Miete und Lebensunterhalt muss sie selbst finanzieren. Taléia kündigt ihren Job und nur ein paar Wochen später erreicht sie mit einer kleinen Reisetasche und ganz vielen Träumen die Metropole am Lake Michigan.<br />
- 2009-2011: Mit drei andern Tänzern teilt sie sich eine Wohnung (normal), die so klein ist, dass man den Kühlschrank als Couchtisch nutzt. Für Taléia, die in beengten Verhältnissen gross geworden ist, stellt das kein Problem dar, im Gegensatz zu ihren Mitbewohnern, die es nicht okay finden, dass die Brasilianerin ihr Tupperware Essen wegfuttert und dafür grosszügig klarstellt, dass ihr Kleiderschrank für alle zur Verfügung steht. Naja. Sie ist eh nicht viel Zuhause; Unter der Woche verbringt sie die meiste Zeit an der Tanzschule. Techniktraining, Choreografien, Krafttraining, Workshops und erste Castings bestimmen ihren Alltag. Daneben jobbt sie abends als Kellnerin und gibt am Wochenende Hip-Hip-Unterricht für Kinder. Sie ist überarbeitet, müde, pleite und trotzdem glücklich. Das Geld, das sie verdient, gibt sie aus, ohne gross darüber nachzudenken (Zukunft, hallo??). Meistens für Sneaker. Oder Snacks. <br />
- 2011: Es geht aufwärts. Immer häufiger wird sie für kleinere Jobs gebucht. Erst Workshops und lokale Shows, später Musikvideos, Bühnenauftritte und Werbespots. Und sie verliebt sich, natürlich in einen Tänzer, natürlich in einen Latino. Die Beziehung endet nur wenige Monate später, mit viel Lärm und Drama, zerbrochenen Lampen und Herzen. <br />
- 2013: Der grosse Durchbruch, oder zumindest sieht es danach aus. Taléia wird als Background-Tänzerin für die Welttournee von Usher engagiert. Zum ersten Mal in ihrem Leben reist sie richtig herum, sieht Orte, von denen sie noch nie gehört hat. Sie lebt aus dem Koffer und tanzt in ausverkauften Hallen. Es ist alles, wovon sie je geträumt hat, aber es ist auch anstrengender, unbeständiger und weit weniger glamourös, als sie es sich vorgestellt hat.<br />
- 2014: Bürokratie, Formulare, Fristen, das sind allesamt böhmische Dörfer für Taléia. Als sie merkt, dass ihr Visum ausläuft, ist es zu spät, ihre Versuche, eine Verlängerung zu beantragen, scheitern. Die Krokodilstränen sind so echt wie das Rückflugticket nach São Paulo. Sie kommt bei ihren Eltern unter, teilt sich ein Zimmer mit ihrer kleinen Schwester, diskutiert jeden Tag mit ihrer Mutter und fragt sich, was sie aus ihrem Leben machen soll. Zeitweise arbeitet sie wieder als Frisörin, aber sie sehnt sich nach diesem andere Leben, das sie kennengelernt hat. <br />
- 2015: Im dramatischen Glauben, die Welt habe sie vergessen, ruft ein alter Bekannter aus Chicago an: In Manchester suche ein Freund von ihm eine Lehrerin für Latin-Workshops. Taléia zögert keine Sekunde, auch wenn Manchester nicht so shiny und glittery ist wie Chicago. <br />
- 2016: Entsprechend fühlt sich die Stadt in England vorerst wie eine Zwischenstation an. Sie gibt Workshops, springt als Tänzerin bei kleineren Produktionen ein und arbeitet meistens sechs Tage pro Woche. Sie lernt jemanden kennen, verliebt sich Hals über Kopf und zieht viel zu schnell mit ihm zusammen. Die Beziehung hält keine fünf Monate und erneut steht sie vor Scherben, zumal der Kerl ihr ihre wenigen Ersparnisse abgeknöpft hat.<br />
- 2017: Inzwischen wohnt sie in einem One Bedroom Apartment in Oldham. Sie hat keine Festanstellung, wird immer mal wieder für Shows, Werbeproduktionen oder Musikvideos gebucht, sie gibt Kurse und Unterricht, aber alles als Freelancerin. Entsprechend gibt es Monate, in denen sie genug verdient, aber in den meisten reicht es nicht. Deswegen hat sie eine 40%-Teilzeitstelle bei Starbucks, um über die Runden zu kommen.<br />
  </div>
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Jewgeni Alvarez]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2695</link>
			<pubDate>Sat, 25 Jul 2026 18:19:36 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=574">Jewgeni Alvarez</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2695</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Jewgeni Alvarez</div>
  <div class="p3">ain′t nothin' but a heartache</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">Am I your fire?<br />
Your one desire?</div>
    </div>
    <img src="https://i.pinimg.com/control1/1200x/06/52/82/065282f8e79b7ccda386db0fd404d829.jpg"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>telfi</div>
      <div>Alter // 45 Jahre</div>
      <div>
        Job // Schulsozialarbeiter</div>
      <div>
        Pizza // Marinara</div>
      <div>
        Ava // Oscar Isaac</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://64.media.tumblr.com/3af662b110cd405061ed56c88c2e69b4/659816de8bbba746-0a/s500x750/f6fab28f2775f42742595fdd6dfc5a7c5c293bd1.gif"><br />
      </div>
      Männlich, 45y, 3 Katzen, spricht fliessend Englisch, Russisch, Spanisch und Bullshit. Ich bin Schulsozialarbeiter, habe mir dieses Leben ausgesucht, meine Berufung wird mich irgendwann umbringen. Entweder, weil ich an einem frühen Herzinfarkt sterbe oder den falschen Jugendlichen aufs Korn genommen habe. Ich hatte schonmal einen Zirkel in der Schulter stecken – da war ich noch Lehrer. Schiebe es darauf. Als Schulsozialarbeiter woll-müssen viele Jugendliche zu mir. Als Lehrperson – vor allem wenn du Französisch unterrichtest – bist du nur gearscht. Ich hab’ versucht Kunst nicht wie eine It-Mom mit Pastamodellen an Kinder zu bringen. Mässig geklappt, sagen die einen. Ich finde, ich habe immer noch Erfolg damit auch jetzt in meinem kleinen Büro. Da stehen Pflanzen – kein Marihuana – und an der Wand hängen Fotos von meinen Katzen, als wäre ich ein stolzer Vater. Mein letztes Date meinte: <i>Bist schon Daddy-Material</i>. Wenn sie mit Daddy die sexy Art meint, stimme ich ihr voll und ganz zu. Aber ich setze definitiv keine Kinder in diese Welt – der Trick ist es Frauen zu daten, die gerade abgelehnt haben ihre Eier einzufrieren, weil sie keine Mom-Pooch wollen. Oder ich date ganz einfach richtige Daddys. Du siehst: Ich bin angenehme Gesellschaft, lern' mich kennen, ich mal dir eine kleine Blume auf eine Serviette und wir sehen wohin das führt.  <br />
    </div>
    <div class="p8">Das Leben eines Sowjets.</div>
Starre ich? Mit einem Blinzeln versuche ich weniger intensiv zu wirken, während Ayaz seine rote Vier auf den Kartenstapel zwischen uns gleiten lässt – nonchalant. Ayaz ist cool, er ist ein Anführer und er wurde schon von zwei Schulen geschmissen. Jetzt sitzt er hier und spielt mit mir Karten, während wir sprechen. <b> «Ich habe gehört gestern ist was passiert»</b>, ich versuche auch nonchalant zu sein – das liegt mir in den russischen Genen. <i><b> «War n’ Hurensohn»</b></i> Für Ayaz sind alle Hurensöhne, die erfolgreicher im Leben sind als er. Ich verstehe das, war mit 15 auch so. Meine Mutter war mit 15 schwanger. Ayaz glaubt auch nicht wirklich an Verhütung, aber er hat auch gerade nichts am Laufen. Oder? <b> «Wie geht es Valdina?»</b> - <i><b> «Was soll mit der sein?»</b></i> - also nichts mehr am Laufen. Ich lege eine Karte ab. Ich sehe viel von Ayaz in meinem jüngeren Ich. Er ist frustriert, er weiss nicht wo er hingehört und man unterschätzt ihn. Er könnte mir hier ein Auto zerlegen, da bin ich mir sicher. Nur braucht es das in Mathematik nicht – da will man von ihm wissen für was die Variable x steht. Und wenn er es endlich herausgefunden hat, fragt der Lehrer nach der zweiten Lösung. <br />
Ich spreche Russisch, Englisch, Spanisch und Jugendlich. Oder sollte ich einfach sagen menschlich? Ich liebe meinen Job als Schulsozialarbeiter, aber er laugt mich auch aus. Ich brauche am Abend Abstand davon, dann drehe ich mir selbst einen Joint und denke darüber nach, wie ich mit Vanessa erst gerade darüber gesprochen habe, dass ihre Ängste auch vom Gras noch verstärkt werden können. Selbstmedikation – nichts Gutes. Ach, ich sehne mich nach dem Gefühl, wie meine Finger das Papier rollen. <i> «Wieso sind Sie eigentlich nicht mehr Lehrer»</i> - <b> «Ich wollte was verändern»</b>, checkte Ayaz nicht, checke ich grad auch nicht nur. Spreche ich damit einem Lehrer ab, dass er das kann? Ich spreche vor allem mir ab, dass ich das als Kunstlehrer konnte. Malen ist für mich aber immer noch ein guter Rückzugsort. Erinnert mich daran, wie ich mit Steinen einfach als Kind auf Strassen draussen gekritzelt habe, erinnert mich an die sowjetsche Schule in Perm, erinnert mich daran, wie oft ich alleine zuhause gewesen bin, weil meine Mutter gearbeitet hat. Erinnere mich daran, wie meine Grossmutter mich an den Ohren zu meinem Grossvater gezogen hat, weil sie es für eine unnütze Beschäftigung hielt. Dann hat er mit mir das 1x1 geübt. <br />
Dabei war ich allen immer zu wild, wenn ich nicht gerade gekritzelt habe. Ich schiebe das heute auf meine spanischen Gene – haben sich echt nicht mit den Russischen vertragen. Als hätte man Paella und Stroganoff zusammengerührt. Aber: Ich war sogar Mitglied der Young Pioneer. Mein rotes Halstuch bedeutet heute für niemanden mehr etwas. Ich male wirklich viel mit roter Farbe: Sollte ich das mit meinem Therapeuten besprechen? <br />
<br />
<br />
Es ist Nachmittag.<br />
Ayaz ist nach Hause und ich bin auf dem Weg zu meiner Mutter. Als ich mit 17 zu meinem Vater nach London gezogen bin, blieb sie in Russland. Mein Weg war lange bis zur pädagogischen Ausbildung. War noch nicht Sozialarbeiter, als meine Mutter auch nach England kam. Unsere Beziehung ist liebevoll. Aber emotional wie diese Halsketten, die man nie mehr anziehen kann, weil sie sich verknotet haben. Sie wohnt in Manchester, neue Familie, neue Kinder. Neuer Mann. Reicher Mann. Die Nachbarn kennen ihren Namen nicht einmal; ist halt die Russin, die sich den Reichen geangelt hat. Dabei ist er sogar noch jünger. Und sie färbt sich die Haare rot -  da haben wir’s wieder: Rot. <br />
Ich bin ein Beobachter, nicht immer gewesen. Meine Kindheit und Jugend hat mich zu einem gemacht. Ich breche unter Freunden aus, trinke zu viel, bin ein anderer Mensch: Laut, ausgelassen. Wobei mit meinen Katzen bin ich das auch: Sasha, Blini und Kira. Kann nicht Nein sagen zu Streunern – Menschen und Tiere. Naja vor allem Katzen. Hatte mal eine Taube – Sasha hat sie gefressen. Hat nicht funktioniert. Genauso wie die Beziehung zwischen mir und: <b> «Aaaaaaalbert</b> - <b><i> «Jeeeewgeni</i></b> er trägt Polo mit Krokodil. Ich trage T-Shirt vom Designer Secondhand. Er ist 55. Meine Mutter 60. Sieht besser aus, als er. Englische Männer sehen ab 50 manchmal aus, als hätte man sie wie ein Gummiband zu oft gestretcht. Er ist bei der freiwilligen Feuerwehr – vielleicht macht das auch die Hitze mit seinem Gesicht. Weiss selbst nicht genau, wieso ich mich gedanklich jetzt wieder wie ein eifersüchtiger 15-jähriger benehme. Kann das nicht auf meine Hormone schieben. Oder? Ich klopfe Misha meinem Halbbruder auf die Schulter, Vera rennt an mir vorbei. Richtig kurzer Rock. Würde ihr gerne was Längeres zum Anziehen empfehlen – grossbrüderliche Gefühle. Dabei mag ich kurze Röcke bei Frauen doch sehr. Aber das ist was anderes. <b> «Privet, mam»</b>, ich umarme meine Mutter und drücke ihr nonchalant den Blumenstrauss in die Hände. Ich rieche was: <b> «Pachnet borschtschom»</b>  - <i><b> «Setz dich.»</b></i> Sie sieht streng aus, aber schnüffelt dann doch an den Blumen und stellt sie verliebt in eine Vase. Es ist wie immer anders hier, als wenn ich meinen Vater besuche. Hier wird es erst laut nach dem dritten Shot. Die Flasche Wodka steht auf dem Tisch, als wären wir in einer sehr inszenierten Theaterszene einer russischen Familie. <b> «Tolko odin»</b>, ich weise auf die Flasche, habe nachher noch ein Date. Sie ist Ende Zwanzig. Irgendwie stehe ich auf jüngere Frauen. Bei Männern ist mir das egal – das sollte ich nicht laut aussprechen. Passiert aber schon auch. <br />
Wieso ich bevorzugt mit Jugendlichen aus schwierigen Familien oder mit Migrationshintergrund arbeite? Ich muss nicht lange überlegen. Ich sehe einige der Gründe vor mir, andere wohnen in London. Ich war nie vollständig russisch. Zu wenig für meine Grosseltern, zu viel für die Engländer. Ich spreche spanisch, aber ich lebe nicht spanisch. Mein Alltag ist Englisch. Aber ich verstehe Albert nicht wirklich. Ich grinse ihn trotzdem an. Er ist eigentlich ein guter Mann, akzeptiert meine Mutter so, wie sie ist, steht hinter ihr und zeigt der Nachbarschaft den Mittelfinger, wenn sie dumm schwatzen. Aber dieses Heile-Familie-Ding macht mich wahnsinnig. Nicht nur mich. Auch Vera und Misha. Darum hat’s bei mir ein Bett mehr. Vera hat vor ein paar Monaten mal ein paar Wochen bei mir gelebt. Misha kommt, wenn er einen Tapetenwechsel braucht. Ich fühle mich uralt, wenn sie bei mir sind – weil ich ihr Vater sein könnte und nicht ihr Bruder.<br />
<br />
Ich kritzle vor mich hin. Bin nach einem langen Tage endlich nach Hause gekommen. Ich mag meinen kleinen Hinterhof, habe ihn mit einem Katzennetz einzäunen lassen. Blini hat es trotzdem schon ein paar Mal geschafft auszubrechen. Er geht aber nur zwei, drei Meter weiter bis er wieder zurückkommt und so tut, als ob ich ihn jetzt nicht mehr reinlassen würde. Bin gesellschaftlich eigentlich ein ganz Süsser. Mag es unter Leuten zu sein, aber manchmal da geniesse ich es alleine. Eine Tasse Tee, ein Glas eingelegte Gurken, Cracker – nicht Crack. Nicht, dass ich nicht schon ausprobiert habe – immer noch <u>kein Crack</u> - aber nach dem Tripp in der U-Bahn vor drei Monaten brauchte ich mal wieder jemanden der mir sagt, dass ich Ü40 bin. Und darum sind jetzt Tee und Eingelegtes wieder in. Mein Date war ganz okay – bisschen zu viel Make-Up, zu wenig Wangenknochen. Habe sie um knapp nach Halbzehn nach Hause gebracht, kurz gewartet, aber sie wollte mich nicht reinbitten. War eigentlich ganz froh, Sex mit unsicheren Frauen ist anstrengend.  Sitze ja jetzt hier wie die Nachbarschaftshexe von den Simpsons mit meinen Katzen. Texte trotzdem einem <i>Freund</i>: Bock? <br />
Ist erst Halbelf und Morgen ist Samstag.<br />
 </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Jewgeni Alvarez</div>
  <div class="p3">ain′t nothin' but a heartache</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">Am I your fire?<br />
Your one desire?</div>
    </div>
    <img src="https://i.pinimg.com/control1/1200x/06/52/82/065282f8e79b7ccda386db0fd404d829.jpg"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>telfi</div>
      <div>Alter // 45 Jahre</div>
      <div>
        Job // Schulsozialarbeiter</div>
      <div>
        Pizza // Marinara</div>
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        Ava // Oscar Isaac</div>
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    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://64.media.tumblr.com/3af662b110cd405061ed56c88c2e69b4/659816de8bbba746-0a/s500x750/f6fab28f2775f42742595fdd6dfc5a7c5c293bd1.gif"><br />
      </div>
      Männlich, 45y, 3 Katzen, spricht fliessend Englisch, Russisch, Spanisch und Bullshit. Ich bin Schulsozialarbeiter, habe mir dieses Leben ausgesucht, meine Berufung wird mich irgendwann umbringen. Entweder, weil ich an einem frühen Herzinfarkt sterbe oder den falschen Jugendlichen aufs Korn genommen habe. Ich hatte schonmal einen Zirkel in der Schulter stecken – da war ich noch Lehrer. Schiebe es darauf. Als Schulsozialarbeiter woll-müssen viele Jugendliche zu mir. Als Lehrperson – vor allem wenn du Französisch unterrichtest – bist du nur gearscht. Ich hab’ versucht Kunst nicht wie eine It-Mom mit Pastamodellen an Kinder zu bringen. Mässig geklappt, sagen die einen. Ich finde, ich habe immer noch Erfolg damit auch jetzt in meinem kleinen Büro. Da stehen Pflanzen – kein Marihuana – und an der Wand hängen Fotos von meinen Katzen, als wäre ich ein stolzer Vater. Mein letztes Date meinte: <i>Bist schon Daddy-Material</i>. Wenn sie mit Daddy die sexy Art meint, stimme ich ihr voll und ganz zu. Aber ich setze definitiv keine Kinder in diese Welt – der Trick ist es Frauen zu daten, die gerade abgelehnt haben ihre Eier einzufrieren, weil sie keine Mom-Pooch wollen. Oder ich date ganz einfach richtige Daddys. Du siehst: Ich bin angenehme Gesellschaft, lern' mich kennen, ich mal dir eine kleine Blume auf eine Serviette und wir sehen wohin das führt.  <br />
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    <div class="p8">Das Leben eines Sowjets.</div>
Starre ich? Mit einem Blinzeln versuche ich weniger intensiv zu wirken, während Ayaz seine rote Vier auf den Kartenstapel zwischen uns gleiten lässt – nonchalant. Ayaz ist cool, er ist ein Anführer und er wurde schon von zwei Schulen geschmissen. Jetzt sitzt er hier und spielt mit mir Karten, während wir sprechen. <b> «Ich habe gehört gestern ist was passiert»</b>, ich versuche auch nonchalant zu sein – das liegt mir in den russischen Genen. <i><b> «War n’ Hurensohn»</b></i> Für Ayaz sind alle Hurensöhne, die erfolgreicher im Leben sind als er. Ich verstehe das, war mit 15 auch so. Meine Mutter war mit 15 schwanger. Ayaz glaubt auch nicht wirklich an Verhütung, aber er hat auch gerade nichts am Laufen. Oder? <b> «Wie geht es Valdina?»</b> - <i><b> «Was soll mit der sein?»</b></i> - also nichts mehr am Laufen. Ich lege eine Karte ab. Ich sehe viel von Ayaz in meinem jüngeren Ich. Er ist frustriert, er weiss nicht wo er hingehört und man unterschätzt ihn. Er könnte mir hier ein Auto zerlegen, da bin ich mir sicher. Nur braucht es das in Mathematik nicht – da will man von ihm wissen für was die Variable x steht. Und wenn er es endlich herausgefunden hat, fragt der Lehrer nach der zweiten Lösung. <br />
Ich spreche Russisch, Englisch, Spanisch und Jugendlich. Oder sollte ich einfach sagen menschlich? Ich liebe meinen Job als Schulsozialarbeiter, aber er laugt mich auch aus. Ich brauche am Abend Abstand davon, dann drehe ich mir selbst einen Joint und denke darüber nach, wie ich mit Vanessa erst gerade darüber gesprochen habe, dass ihre Ängste auch vom Gras noch verstärkt werden können. Selbstmedikation – nichts Gutes. Ach, ich sehne mich nach dem Gefühl, wie meine Finger das Papier rollen. <i> «Wieso sind Sie eigentlich nicht mehr Lehrer»</i> - <b> «Ich wollte was verändern»</b>, checkte Ayaz nicht, checke ich grad auch nicht nur. Spreche ich damit einem Lehrer ab, dass er das kann? Ich spreche vor allem mir ab, dass ich das als Kunstlehrer konnte. Malen ist für mich aber immer noch ein guter Rückzugsort. Erinnert mich daran, wie ich mit Steinen einfach als Kind auf Strassen draussen gekritzelt habe, erinnert mich an die sowjetsche Schule in Perm, erinnert mich daran, wie oft ich alleine zuhause gewesen bin, weil meine Mutter gearbeitet hat. Erinnere mich daran, wie meine Grossmutter mich an den Ohren zu meinem Grossvater gezogen hat, weil sie es für eine unnütze Beschäftigung hielt. Dann hat er mit mir das 1x1 geübt. <br />
Dabei war ich allen immer zu wild, wenn ich nicht gerade gekritzelt habe. Ich schiebe das heute auf meine spanischen Gene – haben sich echt nicht mit den Russischen vertragen. Als hätte man Paella und Stroganoff zusammengerührt. Aber: Ich war sogar Mitglied der Young Pioneer. Mein rotes Halstuch bedeutet heute für niemanden mehr etwas. Ich male wirklich viel mit roter Farbe: Sollte ich das mit meinem Therapeuten besprechen? <br />
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Es ist Nachmittag.<br />
Ayaz ist nach Hause und ich bin auf dem Weg zu meiner Mutter. Als ich mit 17 zu meinem Vater nach London gezogen bin, blieb sie in Russland. Mein Weg war lange bis zur pädagogischen Ausbildung. War noch nicht Sozialarbeiter, als meine Mutter auch nach England kam. Unsere Beziehung ist liebevoll. Aber emotional wie diese Halsketten, die man nie mehr anziehen kann, weil sie sich verknotet haben. Sie wohnt in Manchester, neue Familie, neue Kinder. Neuer Mann. Reicher Mann. Die Nachbarn kennen ihren Namen nicht einmal; ist halt die Russin, die sich den Reichen geangelt hat. Dabei ist er sogar noch jünger. Und sie färbt sich die Haare rot -  da haben wir’s wieder: Rot. <br />
Ich bin ein Beobachter, nicht immer gewesen. Meine Kindheit und Jugend hat mich zu einem gemacht. Ich breche unter Freunden aus, trinke zu viel, bin ein anderer Mensch: Laut, ausgelassen. Wobei mit meinen Katzen bin ich das auch: Sasha, Blini und Kira. Kann nicht Nein sagen zu Streunern – Menschen und Tiere. Naja vor allem Katzen. Hatte mal eine Taube – Sasha hat sie gefressen. Hat nicht funktioniert. Genauso wie die Beziehung zwischen mir und: <b> «Aaaaaaalbert</b> - <b><i> «Jeeeewgeni</i></b> er trägt Polo mit Krokodil. Ich trage T-Shirt vom Designer Secondhand. Er ist 55. Meine Mutter 60. Sieht besser aus, als er. Englische Männer sehen ab 50 manchmal aus, als hätte man sie wie ein Gummiband zu oft gestretcht. Er ist bei der freiwilligen Feuerwehr – vielleicht macht das auch die Hitze mit seinem Gesicht. Weiss selbst nicht genau, wieso ich mich gedanklich jetzt wieder wie ein eifersüchtiger 15-jähriger benehme. Kann das nicht auf meine Hormone schieben. Oder? Ich klopfe Misha meinem Halbbruder auf die Schulter, Vera rennt an mir vorbei. Richtig kurzer Rock. Würde ihr gerne was Längeres zum Anziehen empfehlen – grossbrüderliche Gefühle. Dabei mag ich kurze Röcke bei Frauen doch sehr. Aber das ist was anderes. <b> «Privet, mam»</b>, ich umarme meine Mutter und drücke ihr nonchalant den Blumenstrauss in die Hände. Ich rieche was: <b> «Pachnet borschtschom»</b>  - <i><b> «Setz dich.»</b></i> Sie sieht streng aus, aber schnüffelt dann doch an den Blumen und stellt sie verliebt in eine Vase. Es ist wie immer anders hier, als wenn ich meinen Vater besuche. Hier wird es erst laut nach dem dritten Shot. Die Flasche Wodka steht auf dem Tisch, als wären wir in einer sehr inszenierten Theaterszene einer russischen Familie. <b> «Tolko odin»</b>, ich weise auf die Flasche, habe nachher noch ein Date. Sie ist Ende Zwanzig. Irgendwie stehe ich auf jüngere Frauen. Bei Männern ist mir das egal – das sollte ich nicht laut aussprechen. Passiert aber schon auch. <br />
Wieso ich bevorzugt mit Jugendlichen aus schwierigen Familien oder mit Migrationshintergrund arbeite? Ich muss nicht lange überlegen. Ich sehe einige der Gründe vor mir, andere wohnen in London. Ich war nie vollständig russisch. Zu wenig für meine Grosseltern, zu viel für die Engländer. Ich spreche spanisch, aber ich lebe nicht spanisch. Mein Alltag ist Englisch. Aber ich verstehe Albert nicht wirklich. Ich grinse ihn trotzdem an. Er ist eigentlich ein guter Mann, akzeptiert meine Mutter so, wie sie ist, steht hinter ihr und zeigt der Nachbarschaft den Mittelfinger, wenn sie dumm schwatzen. Aber dieses Heile-Familie-Ding macht mich wahnsinnig. Nicht nur mich. Auch Vera und Misha. Darum hat’s bei mir ein Bett mehr. Vera hat vor ein paar Monaten mal ein paar Wochen bei mir gelebt. Misha kommt, wenn er einen Tapetenwechsel braucht. Ich fühle mich uralt, wenn sie bei mir sind – weil ich ihr Vater sein könnte und nicht ihr Bruder.<br />
<br />
Ich kritzle vor mich hin. Bin nach einem langen Tage endlich nach Hause gekommen. Ich mag meinen kleinen Hinterhof, habe ihn mit einem Katzennetz einzäunen lassen. Blini hat es trotzdem schon ein paar Mal geschafft auszubrechen. Er geht aber nur zwei, drei Meter weiter bis er wieder zurückkommt und so tut, als ob ich ihn jetzt nicht mehr reinlassen würde. Bin gesellschaftlich eigentlich ein ganz Süsser. Mag es unter Leuten zu sein, aber manchmal da geniesse ich es alleine. Eine Tasse Tee, ein Glas eingelegte Gurken, Cracker – nicht Crack. Nicht, dass ich nicht schon ausprobiert habe – immer noch <u>kein Crack</u> - aber nach dem Tripp in der U-Bahn vor drei Monaten brauchte ich mal wieder jemanden der mir sagt, dass ich Ü40 bin. Und darum sind jetzt Tee und Eingelegtes wieder in. Mein Date war ganz okay – bisschen zu viel Make-Up, zu wenig Wangenknochen. Habe sie um knapp nach Halbzehn nach Hause gebracht, kurz gewartet, aber sie wollte mich nicht reinbitten. War eigentlich ganz froh, Sex mit unsicheren Frauen ist anstrengend.  Sitze ja jetzt hier wie die Nachbarschaftshexe von den Simpsons mit meinen Katzen. Texte trotzdem einem <i>Freund</i>: Bock? <br />
Ist erst Halbelf und Morgen ist Samstag.<br />
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</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[thirty pairs of underwear]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2692</link>
			<pubDate>Sat, 18 Jul 2026 20:44:38 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=559">Charlotte Bernstein</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2692</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Lotta hatte ein Ding fürs Kofferpacken. Sie packte nach Outfit, hängte sie sich erst alle an eine Kleiderstange und ordnete sie dann wirklich logisch und platzsparend in ihrem Koffer an. Und zwischen jedem Outfithalt packte sie noch einmal ein Höschen mehr in ihren Koffer – weil schadete ja nicht. 10 Tage Mexiko plus die zwei Tage Hin-Rückflug – 30 Paar Unterhosen. Ihr Koffer war bestimmt überpackt mit Outfits und den 5 verschiedenen Arten von Badehosen – je nachdem fühlte sie sich nämlich nicht nach dem einen, aber nach dem anderen. Ihre Geheimwaffe hatte sie drin. <br />
 Die brachte ihr noch nichts auf dem viel zu langen Flug Richtung Mexico. Sie verschlief den grössten Teil vom zweiten 11-stündigen Flug. Die Beine angezogen hatte sie sich an Jesús gekuschelt und die gefühlten 5 Stunden Herr der Ringe verschlafen, die auf dem kleinen Bildschirm vor ihr liefen. Für einen Moment hatte sie nach dem Flug Angst, dass ihr Koffer verloren gegangen war, aber er war angekommen – also geriet sie nicht in eine Slip-Armut. Und während sie auf den Koffer wartete, stellten sich immer mehr Feriengefühle ein. Jesús und sie waren übers Händchenhalten hinaus – naja eigentlich schon seit ihrem ersten Aufeinandertreffen, als sie angetrunken in diesem kleinen geheimen Raum übereinander hergefallen waren. Für sie hatte es beinahe sofort geklickt. Er war ein Mann und musste auf streunender Kater machen. Obwohl – er mochte sie. Er wollte sie besser kennenlernen, austesten. Aber das alles fühlte sich auch immer noch an, als würde er sich ein Sicherheitsnetz bereithalten, falls er sich doch noch anders entschied. <br />
Nur, hier in Mexico gab es kein Sicherheitsnetz mehr.<br />
Sie hatten ein Traumzimmer, wunderschöne Pools, weisse Sandstrände und ein Nachtleben, das sie unsicher zu machen hatten. Es war romantisch – es war wenn sie jetzt nicht hier mit ihrer Kollegin war sozusagen DER Pärchenurlaub. <br />
Also: Sie waren irgendwie ein Pärchen oder? Sie spürte seine Finger in ihrer Hand, als sie an der Rezeption standen und Charlotte mit einem Grinsen kurz überwältigt von der ganzen Einrichtung war. <b> «Wow! Oder?»</b>, sie sah ihn mit grossen Augen an, steckte sich die Karten für die Hotelzimmertür ein. Und er hatte Campen gehen wollen. <br />
<br />
Sie liess Jesús die Tür hinter ihnen schliessen und atmete erst einmal durch, bevor sie sich auch nur aufs Bett fallen liess, weil eine Tagesdecke darauf lag. Sie strampelte sich die Turnschuhe von den Füssen und schielte in seine Richtung. <b> «Hast du den Pool gesehen?»</b>, dahin wollte sie nachher. Also eigentlich in einer knappen halben Stunde, wenn sie sich in ihren Bikini geworfen hatte. Sie stand wieder auf, drehte eine Tour im Zimmer, begutachtete das Bad, die abschliessbare Toilette und trat schliesslich auf den Balkon. Poolsicht – ein bisschen Meer. Sie drehte sich zu ihm, die Finger rücklings am Geländer den Blick auf ihn gerichtet. <b> «Ich hoffe du hast deinen Bikini nicht zu unterst im Koffer»</b>, sie sah ihn abwartend an. <b> «Wir sind nämlich nur so weit geflogen, damit ich dich in Badehosen sehen kann»</b>, und er sich vielleicht beflügelt von anderen Pärchen am Sandstrand einfallen liess, wie er ihr sagte, dass er mit ihr Zukunft sah. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Lotta hatte ein Ding fürs Kofferpacken. Sie packte nach Outfit, hängte sie sich erst alle an eine Kleiderstange und ordnete sie dann wirklich logisch und platzsparend in ihrem Koffer an. Und zwischen jedem Outfithalt packte sie noch einmal ein Höschen mehr in ihren Koffer – weil schadete ja nicht. 10 Tage Mexiko plus die zwei Tage Hin-Rückflug – 30 Paar Unterhosen. Ihr Koffer war bestimmt überpackt mit Outfits und den 5 verschiedenen Arten von Badehosen – je nachdem fühlte sie sich nämlich nicht nach dem einen, aber nach dem anderen. Ihre Geheimwaffe hatte sie drin. <br />
 Die brachte ihr noch nichts auf dem viel zu langen Flug Richtung Mexico. Sie verschlief den grössten Teil vom zweiten 11-stündigen Flug. Die Beine angezogen hatte sie sich an Jesús gekuschelt und die gefühlten 5 Stunden Herr der Ringe verschlafen, die auf dem kleinen Bildschirm vor ihr liefen. Für einen Moment hatte sie nach dem Flug Angst, dass ihr Koffer verloren gegangen war, aber er war angekommen – also geriet sie nicht in eine Slip-Armut. Und während sie auf den Koffer wartete, stellten sich immer mehr Feriengefühle ein. Jesús und sie waren übers Händchenhalten hinaus – naja eigentlich schon seit ihrem ersten Aufeinandertreffen, als sie angetrunken in diesem kleinen geheimen Raum übereinander hergefallen waren. Für sie hatte es beinahe sofort geklickt. Er war ein Mann und musste auf streunender Kater machen. Obwohl – er mochte sie. Er wollte sie besser kennenlernen, austesten. Aber das alles fühlte sich auch immer noch an, als würde er sich ein Sicherheitsnetz bereithalten, falls er sich doch noch anders entschied. <br />
Nur, hier in Mexico gab es kein Sicherheitsnetz mehr.<br />
Sie hatten ein Traumzimmer, wunderschöne Pools, weisse Sandstrände und ein Nachtleben, das sie unsicher zu machen hatten. Es war romantisch – es war wenn sie jetzt nicht hier mit ihrer Kollegin war sozusagen DER Pärchenurlaub. <br />
Also: Sie waren irgendwie ein Pärchen oder? Sie spürte seine Finger in ihrer Hand, als sie an der Rezeption standen und Charlotte mit einem Grinsen kurz überwältigt von der ganzen Einrichtung war. <b> «Wow! Oder?»</b>, sie sah ihn mit grossen Augen an, steckte sich die Karten für die Hotelzimmertür ein. Und er hatte Campen gehen wollen. <br />
<br />
Sie liess Jesús die Tür hinter ihnen schliessen und atmete erst einmal durch, bevor sie sich auch nur aufs Bett fallen liess, weil eine Tagesdecke darauf lag. Sie strampelte sich die Turnschuhe von den Füssen und schielte in seine Richtung. <b> «Hast du den Pool gesehen?»</b>, dahin wollte sie nachher. Also eigentlich in einer knappen halben Stunde, wenn sie sich in ihren Bikini geworfen hatte. Sie stand wieder auf, drehte eine Tour im Zimmer, begutachtete das Bad, die abschliessbare Toilette und trat schliesslich auf den Balkon. Poolsicht – ein bisschen Meer. Sie drehte sich zu ihm, die Finger rücklings am Geländer den Blick auf ihn gerichtet. <b> «Ich hoffe du hast deinen Bikini nicht zu unterst im Koffer»</b>, sie sah ihn abwartend an. <b> «Wir sind nämlich nur so weit geflogen, damit ich dich in Badehosen sehen kann»</b>, und er sich vielleicht beflügelt von anderen Pärchen am Sandstrand einfallen liess, wie er ihr sagte, dass er mit ihr Zukunft sah. <br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[caught up in the riptide]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2691</link>
			<pubDate>Sat, 04 Jul 2026 23:44:00 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=544">Ronan Lynch</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2691</guid>
			<description><![CDATA[Es hätte alles anders laufen sollen, in den letzten Wochen. Das war eine Erkenntnis, die nur zu spät kommen konnte, das setzte sie voraus und trotzdem verzichtete sie in den seltensten Fällen auf den begleitenden Vorwurf, man hätte es anders machen müssen, man hätte es besser gewusst. Doch Ronan war zu sehr in sein eigenes Leben verstrickt gewesen, hatte sich mit Theo rumgeschlagen, seinem (nicht mehr ganz so) neuen Kollegen, den Ostervorbereitungen; hatte viele Gründe gefunden, sich nicht mit Josh herumschlagen zu müssen, der ihm immerhin beim gemeinsamen Osterfrühstück bei ihren Eltern gleichermaßen wenig zu sagen hatte als noch vor zehn Jahren. Möglicherweise hätte er sich mehr bemühen müssen, als der Bruder, der sein Leben geregelt hatte, und doch wusste Ronan ebenso, dass es vermutlich nichts geändert hatte. Der bloße Wille würde sie in diesem Leben nicht mehr zueinander führen — und selbst an dem scheiterte es von Seiten seines Halbbruders. Ein Wunder wäre nötig und dass die geschahen, wusste er als Mann des Glaubens zwar, doch war Ronan zu demütig, um Gottes Hand ausgerechnet in seiner Beziehung zu Josh zu erwarten. Er hatte ihn in seine Gebete aufgenommen, hatte ihm die Hand entgegengestreckt und die Tür offengehalten, selbst wenn er es in dem Wissen getan hatte, dass Josh seine Schwelle nicht passieren würde. Die Konfrontation mit Pat vor einigen Wochen hatte die Gewissheit vertieft, dass es auch bei ihm nicht anders sein würde. <br />
<br />
Und nun war es dafür auf gewisse Weise zu spät. Die Nachricht ereilte Ronan auf die gleiche Art wie vor sieben Jahren; zwischen Tür und Angel hatte er die aufgelöste Stimme seiner Mutter am Telefon und musste diesmal nicht lange rätseln, um zu wissen, worauf alles hinauslief, bevor sie es aussprach. Das Gefühl in seiner Brust war dennoch dasselbe wie damals in Oscott. Das jähe Ziehen, kaum gedämpft von dem zynischen <i>'Ich habe es doch gewusst'</i>, das niemandem zum Sieger kürte. Josh war zurück im Gefängnis und eigentlich hatte sich nichts verändert, für ihn immerhin nicht, der sich in den wenigen Wochen seiner Rückkehr keine Hoffnungen gemacht hatte, weil es dafür keinen Boden gab. Er hatte sich für ihn gefreut, für die Familie, hatte darüber hinaus aber nicht die Augen davor verschließen können, wie fatal Joshuas Lebensstil für eben diese Menschen und sich selbst sein würde, insbesondere auch für Pat, so viel hatte ihre Meinungsverschiedenheit im März verdeutlicht (Ronan vermied das Wort <i>Streit</i> so vehement, dass er darüber schon die eine oder andere Diskussion hatte führen müssen). Natürlich hatten sie sich darüber nicht ausgesprochen, so wie sie sich auch in der Vergangenheit nie ausgesprochen hatten und diese brillante Familientechnik hatte sich zwar bewährt, sie aber auch beide an genau diesen Ort gebracht, an dem sich zumindest Ronan nicht wohl fühlte. Warum diese Erkenntnis ausgerechnet jetzt kam, konnte er sich auch nicht ganz erklären, vielleicht hatte Joshs beidseitige Rückkehr an der Stelle doch mehr ausgelöst als er sich ins Bewusstsein rufen konnte. Was auch immer es war, Ronan stand jetzt hier, vor diesem Pub, und begegnete seinem Bruder an dem Ort, der ihm wohl am Heiligsten war.<br />
<br />
Es war nicht seine gewohnte Umgebung, trotzdem bildete sich Ronan ein, in diesem Laden nicht hervorzustechen wie ein Pinguin in der Wüste, bei dem sich niemand ganz sicher war, wie er dort hingekommen war und wie man ihn möglich unauffällig wieder loswurde — aber immerhin war Ronan auch Ire gewesen, bevor er Pastor geworden war.<br />
Suchen musste er seinen Bruder immerhin nicht und so blieb ihm nichts anderes, als die letzten Meter zur Theke zu überbrücken und sich mit einem gedeckten Lächeln über einen Barhocker zu schieben, der ruckelte, sobald er das Gewicht verlagerte. <b>"Scheuchst du mich fluchend aus dem Laden, wenn ich dich nach einem Glas Spätburgunder frage?"</b>, fragte er, die Mundwinkel schief gekräuselt. <B>"Ein Guinness, bitte."</b> Ronan legte seine Hände auf der Bar ab, streifte sogleich einen klebrigen Fleck und zog sie unzufrieden zurück zu sich, hängend an seinem Körper als hätte man ihm nicht ganz beigebracht, wie man sich hier zu verhalten hatte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Es hätte alles anders laufen sollen, in den letzten Wochen. Das war eine Erkenntnis, die nur zu spät kommen konnte, das setzte sie voraus und trotzdem verzichtete sie in den seltensten Fällen auf den begleitenden Vorwurf, man hätte es anders machen müssen, man hätte es besser gewusst. Doch Ronan war zu sehr in sein eigenes Leben verstrickt gewesen, hatte sich mit Theo rumgeschlagen, seinem (nicht mehr ganz so) neuen Kollegen, den Ostervorbereitungen; hatte viele Gründe gefunden, sich nicht mit Josh herumschlagen zu müssen, der ihm immerhin beim gemeinsamen Osterfrühstück bei ihren Eltern gleichermaßen wenig zu sagen hatte als noch vor zehn Jahren. Möglicherweise hätte er sich mehr bemühen müssen, als der Bruder, der sein Leben geregelt hatte, und doch wusste Ronan ebenso, dass es vermutlich nichts geändert hatte. Der bloße Wille würde sie in diesem Leben nicht mehr zueinander führen — und selbst an dem scheiterte es von Seiten seines Halbbruders. Ein Wunder wäre nötig und dass die geschahen, wusste er als Mann des Glaubens zwar, doch war Ronan zu demütig, um Gottes Hand ausgerechnet in seiner Beziehung zu Josh zu erwarten. Er hatte ihn in seine Gebete aufgenommen, hatte ihm die Hand entgegengestreckt und die Tür offengehalten, selbst wenn er es in dem Wissen getan hatte, dass Josh seine Schwelle nicht passieren würde. Die Konfrontation mit Pat vor einigen Wochen hatte die Gewissheit vertieft, dass es auch bei ihm nicht anders sein würde. <br />
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Und nun war es dafür auf gewisse Weise zu spät. Die Nachricht ereilte Ronan auf die gleiche Art wie vor sieben Jahren; zwischen Tür und Angel hatte er die aufgelöste Stimme seiner Mutter am Telefon und musste diesmal nicht lange rätseln, um zu wissen, worauf alles hinauslief, bevor sie es aussprach. Das Gefühl in seiner Brust war dennoch dasselbe wie damals in Oscott. Das jähe Ziehen, kaum gedämpft von dem zynischen <i>'Ich habe es doch gewusst'</i>, das niemandem zum Sieger kürte. Josh war zurück im Gefängnis und eigentlich hatte sich nichts verändert, für ihn immerhin nicht, der sich in den wenigen Wochen seiner Rückkehr keine Hoffnungen gemacht hatte, weil es dafür keinen Boden gab. Er hatte sich für ihn gefreut, für die Familie, hatte darüber hinaus aber nicht die Augen davor verschließen können, wie fatal Joshuas Lebensstil für eben diese Menschen und sich selbst sein würde, insbesondere auch für Pat, so viel hatte ihre Meinungsverschiedenheit im März verdeutlicht (Ronan vermied das Wort <i>Streit</i> so vehement, dass er darüber schon die eine oder andere Diskussion hatte führen müssen). Natürlich hatten sie sich darüber nicht ausgesprochen, so wie sie sich auch in der Vergangenheit nie ausgesprochen hatten und diese brillante Familientechnik hatte sich zwar bewährt, sie aber auch beide an genau diesen Ort gebracht, an dem sich zumindest Ronan nicht wohl fühlte. Warum diese Erkenntnis ausgerechnet jetzt kam, konnte er sich auch nicht ganz erklären, vielleicht hatte Joshs beidseitige Rückkehr an der Stelle doch mehr ausgelöst als er sich ins Bewusstsein rufen konnte. Was auch immer es war, Ronan stand jetzt hier, vor diesem Pub, und begegnete seinem Bruder an dem Ort, der ihm wohl am Heiligsten war.<br />
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Es war nicht seine gewohnte Umgebung, trotzdem bildete sich Ronan ein, in diesem Laden nicht hervorzustechen wie ein Pinguin in der Wüste, bei dem sich niemand ganz sicher war, wie er dort hingekommen war und wie man ihn möglich unauffällig wieder loswurde — aber immerhin war Ronan auch Ire gewesen, bevor er Pastor geworden war.<br />
Suchen musste er seinen Bruder immerhin nicht und so blieb ihm nichts anderes, als die letzten Meter zur Theke zu überbrücken und sich mit einem gedeckten Lächeln über einen Barhocker zu schieben, der ruckelte, sobald er das Gewicht verlagerte. <b>"Scheuchst du mich fluchend aus dem Laden, wenn ich dich nach einem Glas Spätburgunder frage?"</b>, fragte er, die Mundwinkel schief gekräuselt. <B>"Ein Guinness, bitte."</b> Ronan legte seine Hände auf der Bar ab, streifte sogleich einen klebrigen Fleck und zog sie unzufrieden zurück zu sich, hängend an seinem Körper als hätte man ihm nicht ganz beigebracht, wie man sich hier zu verhalten hatte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[DON'T GO CHASING WATERFALLS]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2690</link>
			<pubDate>Fri, 03 Jul 2026 23:16:49 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=572">Destiny Okonkwo</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2690</guid>
			<description><![CDATA[<i>Süß</i>, befand Dee, während sie sich vor ihrem Spiegel von rechts nach links und wieder zurück drehte. <i>Süß und Fromm.</i> Genau das, was sie heute beabsichtigt hatte. <i>Wenn</i> sich ein sexy Priester irgendwann trotz Zölibats-Gebot in jemanden verliebte, dann ja wohl in eine süße, fromme Frau seiner eigenen Gemeinde, richtig? Sie zupfte ihre weiße Bluse nochmal zurecht, strich den langen Rock glatt und warf einen letzten Blick auf ihre Lederschuhe, bevor sie ihre frommste Tasche und ihre frommste Jacke griff und aus der Wohnung hinaus lief.<br />
Ihre Sonntage verliefen mittlerweile wie rituell: Um 8.45 Uhr ging sie aus dem Haus, damit sie Ruby zehn Minuten später an den Bahngleisen treffen konnte, von wo aus sie 45 Minuten lang in die Innenstadt fuhren. Ein kurzer Weg bis zur Kirche, in der sie mittlerweile die besten Plätze auserkoren hatten (nah genug am Altar, um Father Ronan gut sehen zu können, weit genug entfernt, um nicht aufzufallen, wenn sie sich mal wieder vielsagende Blicke zuwarfen oder den Text der Lobgesänge verhaspelten). Danach gingen sie zum Brunch und redeten sehr unkirchlich über ihre jeweilige Frustration mit Teenagern oder Bandmitgliedern, und über das gerade erlebte Wochenende, das manchmal mehr (Ruby), manchmal weniger (Destiny) wild ausfiel. Und wenn Dee dann alle paar Wochen ihre Familie besuchte, schwärmte ihre Mutter ganz entzückt über ihre liebreizend-religiöse Tochter, die regelmäßig in die Kirche ging und nach vermeintlich religiösen Werten lebte. Eine Win-Win-Win-Situation – diese Sonntage hatten in jeglichen Dimensionen ihr Leben verbessert.<br />
Mit einem Strahlen im Gesicht riss Dee deshalb schon von Weitem die Hand hoch und wedelte ihrer Freundin euphorisch zu. <b>"Father Ronan und ich"</b>, kündigte sie an, während sie zeitgleich die Arme um Ruby legte und sie fest an sich drückte. <b>"Wir hatten gestern schon ein Dreier-Date mit meinem Satisfyer."</b> Während sie darüber kicherte, löste sie sich wieder aus der Umarmung und betrachtete das weniger fromme Outfit ihrer Freundin. <b>"Was ging bei dir gestern?"</b>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Süß</i>, befand Dee, während sie sich vor ihrem Spiegel von rechts nach links und wieder zurück drehte. <i>Süß und Fromm.</i> Genau das, was sie heute beabsichtigt hatte. <i>Wenn</i> sich ein sexy Priester irgendwann trotz Zölibats-Gebot in jemanden verliebte, dann ja wohl in eine süße, fromme Frau seiner eigenen Gemeinde, richtig? Sie zupfte ihre weiße Bluse nochmal zurecht, strich den langen Rock glatt und warf einen letzten Blick auf ihre Lederschuhe, bevor sie ihre frommste Tasche und ihre frommste Jacke griff und aus der Wohnung hinaus lief.<br />
Ihre Sonntage verliefen mittlerweile wie rituell: Um 8.45 Uhr ging sie aus dem Haus, damit sie Ruby zehn Minuten später an den Bahngleisen treffen konnte, von wo aus sie 45 Minuten lang in die Innenstadt fuhren. Ein kurzer Weg bis zur Kirche, in der sie mittlerweile die besten Plätze auserkoren hatten (nah genug am Altar, um Father Ronan gut sehen zu können, weit genug entfernt, um nicht aufzufallen, wenn sie sich mal wieder vielsagende Blicke zuwarfen oder den Text der Lobgesänge verhaspelten). Danach gingen sie zum Brunch und redeten sehr unkirchlich über ihre jeweilige Frustration mit Teenagern oder Bandmitgliedern, und über das gerade erlebte Wochenende, das manchmal mehr (Ruby), manchmal weniger (Destiny) wild ausfiel. Und wenn Dee dann alle paar Wochen ihre Familie besuchte, schwärmte ihre Mutter ganz entzückt über ihre liebreizend-religiöse Tochter, die regelmäßig in die Kirche ging und nach vermeintlich religiösen Werten lebte. Eine Win-Win-Win-Situation – diese Sonntage hatten in jeglichen Dimensionen ihr Leben verbessert.<br />
Mit einem Strahlen im Gesicht riss Dee deshalb schon von Weitem die Hand hoch und wedelte ihrer Freundin euphorisch zu. <b>"Father Ronan und ich"</b>, kündigte sie an, während sie zeitgleich die Arme um Ruby legte und sie fest an sich drückte. <b>"Wir hatten gestern schon ein Dreier-Date mit meinem Satisfyer."</b> Während sie darüber kicherte, löste sie sich wieder aus der Umarmung und betrachtete das weniger fromme Outfit ihrer Freundin. <b>"Was ging bei dir gestern?"</b>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[always the same sh*t]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2687</link>
			<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 11:16:50 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=570">Sydney Stewart</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2687</guid>
			<description><![CDATA[Es gab viele Gründe, die Sydney in halbwegs regelmäßigen Abständen zurück nach Oldham trieben, zum Beispiel fünfundzwanzig verpasste oder ganz bestimmt nur <i>versehentlich</i> weggedrückte Anrufe seiner Eltern, denen früher oder später unweigerlich das schlechte Gewissen folgte, in welchem ihm nur die Wahl blieb, den neu gewonnenen Ruf als grauenhaftester Sohn zu akzeptieren oder mit einem halbherzig zwischen zwei grauenhafte Nachtschichten gequetschten Anstandsbesuch zu beweisen, dass er anders als befürchtet nicht spontan den Löffel abgegeben hatte, weil ihm irgendein Heroinabhängiger bei einem Rettungsversuch eine dreckige Nadel in die Schlagader gerammt hatte - das Denken seiner Eltern, nicht Sydneys. <br />
Die meisten Drogenabhängigen, denen Sydney im Zuge seines Jobs begegnete, waren doch ausgesprochen friedlich, wenn nicht sogar schon über eine Flasche Wasser und einen kurzen Ort zum Verweilen und ein Ohr zum Zuhören glücklich. Komplizierter waren jene, die sich am Rande ihres Bewusstseins befanden oder schlichtweg nicht mit der Sprache rausrücken wollten, was denn an diesem freudigen Freitag konsumiert worden war (entweder aufgrund des fehlenden Bewusstseinszustand oder weil sie noch nie davon gehört hatten, dass man seinen Rettungssanitäter ebenso wenig anlügen sollte, wie seinen Anwalt), aber auch die setzten nicht willkürlich zu einem Angriff an. Auch nicht in Oldham. <br />
<br />
Wie seine Eltern diesen Ort so sehr verachten konnten, aber es sie trotzdem nie woanders hinzog, war Sydney auch nach siebenundzwanzig Jahren noch ein Rätsel. Vielleicht hassten sie jeden anderen Ort nur noch mehr, Gott bewahre sie davor, in das Zentrum von Manchester zu wandern und dort persönlich von zu lauten Autos oder Veganern belästigt zu werden; vielleicht liebten sie es aber auch einfach nur, auf andere Menschen hinab zu spucken. Damit waren sie so manchen Gästen in Sydneys Rettungswagen gar nicht mal so unähnlich, aber das laut auszusprechen, würde ja auch wieder nur die Stimmung am Esstisch ruinieren. Heutzutage durfte man wirklich gar nichts mehr sagen.<br />
<br />
Naja, jedenfalls war es ein solcher Anstandsbesuche gewesen, der Sydney an diesem schönen Donnerstag (es regnete in Strömen) nach Oldham geführt hatte. Kein Einsatz, weil sich irgendein Jugendlicher hinter der Turnhalle mit einem selbstgebastelten Böller die Finger weggesprengt hatte oder jemand 'durch einen plötzlichen Schwindelanfall' in die Glastür des örtlichen Kiosks gestürzt war, mit dem Ellbogen voran, fast schon so, als hätte er mit Absicht versucht, das Glas zu zerschlagen und sich so Zugang zu dem kleinen Laden zu verschaffen (ein Schelm, wer Böses dabei denkt). <br />
Um Acht Uhr morgens hatte Sydney brav auf der Matte seiner Eltern gestanden, um gemeinsam zu frühstücken und dabei von all den schönen Dingen zu erzählen, die ihm die letzten Wochen so passiert waren, es aber auch unmöglich gemacht hatten, anzurufen, weil er natürlich heldenhaft in jeden Nachtdienst seiner kranken Kollegen eingesprungen war. Statt zu sagen, wie sehr er Charlie dafür verflucht hatte, dass er sich bei seinem Sexurlaub auf Malle mit Drüsenfieber angesteckt hatte und nun mit einem ordentlichen Fieber Zuhause flachlag (so gesehen war er im zweifachen Sinne <i>flachgelegt</i> worden) oder dass ein Großteil seiner Arbeit wenn nicht grauenhaft anstrengend, dann doch an einen Lähmungstod grenzend öde war, berichtete Sydney davon, wie er Taxi für einen Spieler von Manchester Storm gespielt und dabei Freikarten für die Playoffs geschenkt bekommen hatte - das Spiel hatte er verpasst, weil er für Charlie hatte einspringen müssen, aber sie hatten ohnehin verloren -; er erzählte von ein paar gebrochenen Knöcheln und Beinen, die aber ganz sicher wieder werden würden, von einfachen Dingen, die einen nicht das Rührei auf dem Brötchen betrachten und eine abrupte Sehnsucht nach Amnesie verspüren ließen, und dann machte er den Fehler, von der Frau zu erzählen, die letzten Dienstag noch in ihrem Rettungswagen ein Kind zur Welt gebracht hatte -- was unweigerlich zu der Frage führte, wann er denn heiraten und sie mit ein paar weiteren Enkelkindern beglücken würde. Ironisch, wenn man bedachte, dass sie ihm jahrelang eingebläut hatten, bloß nicht auch nur auf die Idee zu kommen, irgendein Mädchen zu schwängern und jetzt war er Siebenundzwanzig und es konnte ihnen plötzlich kaum schnell genug gehen. Was dachten sie denn, wie oft er sie anrufen würde, wenn er neben der Arbeit auch noch ein Kleinkind zum Umkümmern bei sich Zuhause hätte?<br />
<br />
Keine fünfzehn Minuten später hatte Sydney die Flucht ergriffen - <i>"... ein Notfall, ich muss für wen einspringen ..."</i> - aber statt zur Arbeit zu fahren, ließ ihn ein spontaner Impuls in Stefanias Straße parken. Die würde ihn ganz bestimmt nicht danach fragen, wann <i>er</i> denn mit dem Kinderkriegen anfing, was ihn gleich etwas entschlossener die Klingel mit dem Daumen malträtieren ließ. <b>"Lässt du mich rein? Ich hab auch geklaute Brötchen dabei"</b>, rief er es in die Sprechanlage, kaum dass diese mit einem Knistern verraten hatte, dass jemand den Hörer abgenommen hatte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Es gab viele Gründe, die Sydney in halbwegs regelmäßigen Abständen zurück nach Oldham trieben, zum Beispiel fünfundzwanzig verpasste oder ganz bestimmt nur <i>versehentlich</i> weggedrückte Anrufe seiner Eltern, denen früher oder später unweigerlich das schlechte Gewissen folgte, in welchem ihm nur die Wahl blieb, den neu gewonnenen Ruf als grauenhaftester Sohn zu akzeptieren oder mit einem halbherzig zwischen zwei grauenhafte Nachtschichten gequetschten Anstandsbesuch zu beweisen, dass er anders als befürchtet nicht spontan den Löffel abgegeben hatte, weil ihm irgendein Heroinabhängiger bei einem Rettungsversuch eine dreckige Nadel in die Schlagader gerammt hatte - das Denken seiner Eltern, nicht Sydneys. <br />
Die meisten Drogenabhängigen, denen Sydney im Zuge seines Jobs begegnete, waren doch ausgesprochen friedlich, wenn nicht sogar schon über eine Flasche Wasser und einen kurzen Ort zum Verweilen und ein Ohr zum Zuhören glücklich. Komplizierter waren jene, die sich am Rande ihres Bewusstseins befanden oder schlichtweg nicht mit der Sprache rausrücken wollten, was denn an diesem freudigen Freitag konsumiert worden war (entweder aufgrund des fehlenden Bewusstseinszustand oder weil sie noch nie davon gehört hatten, dass man seinen Rettungssanitäter ebenso wenig anlügen sollte, wie seinen Anwalt), aber auch die setzten nicht willkürlich zu einem Angriff an. Auch nicht in Oldham. <br />
<br />
Wie seine Eltern diesen Ort so sehr verachten konnten, aber es sie trotzdem nie woanders hinzog, war Sydney auch nach siebenundzwanzig Jahren noch ein Rätsel. Vielleicht hassten sie jeden anderen Ort nur noch mehr, Gott bewahre sie davor, in das Zentrum von Manchester zu wandern und dort persönlich von zu lauten Autos oder Veganern belästigt zu werden; vielleicht liebten sie es aber auch einfach nur, auf andere Menschen hinab zu spucken. Damit waren sie so manchen Gästen in Sydneys Rettungswagen gar nicht mal so unähnlich, aber das laut auszusprechen, würde ja auch wieder nur die Stimmung am Esstisch ruinieren. Heutzutage durfte man wirklich gar nichts mehr sagen.<br />
<br />
Naja, jedenfalls war es ein solcher Anstandsbesuche gewesen, der Sydney an diesem schönen Donnerstag (es regnete in Strömen) nach Oldham geführt hatte. Kein Einsatz, weil sich irgendein Jugendlicher hinter der Turnhalle mit einem selbstgebastelten Böller die Finger weggesprengt hatte oder jemand 'durch einen plötzlichen Schwindelanfall' in die Glastür des örtlichen Kiosks gestürzt war, mit dem Ellbogen voran, fast schon so, als hätte er mit Absicht versucht, das Glas zu zerschlagen und sich so Zugang zu dem kleinen Laden zu verschaffen (ein Schelm, wer Böses dabei denkt). <br />
Um Acht Uhr morgens hatte Sydney brav auf der Matte seiner Eltern gestanden, um gemeinsam zu frühstücken und dabei von all den schönen Dingen zu erzählen, die ihm die letzten Wochen so passiert waren, es aber auch unmöglich gemacht hatten, anzurufen, weil er natürlich heldenhaft in jeden Nachtdienst seiner kranken Kollegen eingesprungen war. Statt zu sagen, wie sehr er Charlie dafür verflucht hatte, dass er sich bei seinem Sexurlaub auf Malle mit Drüsenfieber angesteckt hatte und nun mit einem ordentlichen Fieber Zuhause flachlag (so gesehen war er im zweifachen Sinne <i>flachgelegt</i> worden) oder dass ein Großteil seiner Arbeit wenn nicht grauenhaft anstrengend, dann doch an einen Lähmungstod grenzend öde war, berichtete Sydney davon, wie er Taxi für einen Spieler von Manchester Storm gespielt und dabei Freikarten für die Playoffs geschenkt bekommen hatte - das Spiel hatte er verpasst, weil er für Charlie hatte einspringen müssen, aber sie hatten ohnehin verloren -; er erzählte von ein paar gebrochenen Knöcheln und Beinen, die aber ganz sicher wieder werden würden, von einfachen Dingen, die einen nicht das Rührei auf dem Brötchen betrachten und eine abrupte Sehnsucht nach Amnesie verspüren ließen, und dann machte er den Fehler, von der Frau zu erzählen, die letzten Dienstag noch in ihrem Rettungswagen ein Kind zur Welt gebracht hatte -- was unweigerlich zu der Frage führte, wann er denn heiraten und sie mit ein paar weiteren Enkelkindern beglücken würde. Ironisch, wenn man bedachte, dass sie ihm jahrelang eingebläut hatten, bloß nicht auch nur auf die Idee zu kommen, irgendein Mädchen zu schwängern und jetzt war er Siebenundzwanzig und es konnte ihnen plötzlich kaum schnell genug gehen. Was dachten sie denn, wie oft er sie anrufen würde, wenn er neben der Arbeit auch noch ein Kleinkind zum Umkümmern bei sich Zuhause hätte?<br />
<br />
Keine fünfzehn Minuten später hatte Sydney die Flucht ergriffen - <i>"... ein Notfall, ich muss für wen einspringen ..."</i> - aber statt zur Arbeit zu fahren, ließ ihn ein spontaner Impuls in Stefanias Straße parken. Die würde ihn ganz bestimmt nicht danach fragen, wann <i>er</i> denn mit dem Kinderkriegen anfing, was ihn gleich etwas entschlossener die Klingel mit dem Daumen malträtieren ließ. <b>"Lässt du mich rein? Ich hab auch geklaute Brötchen dabei"</b>, rief er es in die Sprechanlage, kaum dass diese mit einem Knistern verraten hatte, dass jemand den Hörer abgenommen hatte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Every child learns the earth once it splits their chin]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2689</link>
			<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 23:37:52 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=189">Jesse Ruffino</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2689</guid>
			<description><![CDATA[Es gab echt keine Regeln, die er in den Jahren hatte erkennen können, wie die Jahreszeit den Hunger von den Menschen beeinflusste. War’s ein verregneter und kalter Februar und die Leute hatten Bock auf herzhaft und sich was Gutes tun ODER sie verließen ihre Häuser nicht, weil’s draußen nass und eklig war. Scheiß Lotterie, zumindest war der holprige Januar geschafft. Heute trotz Samstag also nicht ausgebucht, keine der beiden Runden am Abend, was schade war, weil Jay am Montag einen Handwerker bezahlen musste, der ihnen die Spülmaschine reparieren sollte, die <i>gestern</i> Nacht abgeraucht war und die Küche geflutet hatte. Alles normal, heute also eine Person mehr zum Spülen abgestellt – na wen hatte es wohl zur Mittagsschicht getroffen?!<br />
<br />
Wenn man erst nen knappen Monat bei ihnen arbeitete, musste man natürlich alle Stationen mal durchlaufen, also hatte Murphy mittags rum schön spülen helfen dürfen. Gehörte zur Erfahrung dazu. Jetzt ging’s in die Abendvorbereitung und Jay machte seine Runde, weil die meisten hatten eh ihren Job und ihre Station und er selbst wollte die Lammkarrees vorbereiten – er fand’s meditativ. <br />
Er blieb stehen. Ging zwei Schritte zurück. Und registrierte: Murphys Platz leer. Sein Messer lag da, ein großer Topf voll Zwiebeln daneben, aber keine Person anwesend, die sich dafür zuständig fühlte. Hatte der nicht Prep verordnet bekommen?! Jay ging’s ja gut, er hatte einen tollen Start ins Jahr, alles tiefenentspannt, weil zum Glück musste er nicht selbst Teller spülen. Neuer Apprenti war allerdings immer so ein Thema. Na-tür-lich konnten die noch nicht alles immer sofort – aber er sah gar nicht ein, warum das zu seinem Problem werden sollte?! <b>“Wo is Bambi?“</b>, fragte er ungeduldig in die Runde, weil die waren ihm alle verdächtig ruhig und mit ihren Köpfen bei ihren Aufgaben, das machte jeden einzelnen verdächtig. War’s schon Zeit für die Äquatortaufe und die hatten ihn in die Kühlkammer gesperrt?? Die und ihre fucking Hackordnung. War ihm ja an sich egal, blabla, mussten sie alle einmal durch, aber wenn’s ihn und die Küche in der Arbeit behinderte, dann hatte Jay da richtig dolle wenig Bock drauf.<br />
<br />
Er folgte dem Nicken in Richtung Trockenlager, trommelte sich mit den Fingern einmal auf den Oberschenkel, atmete tief durch und erinnerte sich dran, dass er ein guter Chef war und Menschen nicht perfekt waren und---<b>“Ich hoffe schwer für dich, du hast die lang verschollene Asche deiner toten Großmutter hier wiedergefunden, oder isolierst dich wegen einer spontanen Diagnose von Cholera—"</b>, bot er großzügig an als Ausreden, als er die Tür zum Lager aufstieß, wo er tatsächlich Murphy sah, der in aller Seelenruhe—was?? Container neu labelte? Linsen nach Größe sortierte? Seine Mittagspause verlängerte?? <b>“Ansonsten, was zur Hölle machst du hier?!“</b> Und warum kommst du hier nicht sofort raus, achso weil Jay mit verschränkten Armen die Tür versperrte und absolut super entspannt war, keine Sorge—]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Es gab echt keine Regeln, die er in den Jahren hatte erkennen können, wie die Jahreszeit den Hunger von den Menschen beeinflusste. War’s ein verregneter und kalter Februar und die Leute hatten Bock auf herzhaft und sich was Gutes tun ODER sie verließen ihre Häuser nicht, weil’s draußen nass und eklig war. Scheiß Lotterie, zumindest war der holprige Januar geschafft. Heute trotz Samstag also nicht ausgebucht, keine der beiden Runden am Abend, was schade war, weil Jay am Montag einen Handwerker bezahlen musste, der ihnen die Spülmaschine reparieren sollte, die <i>gestern</i> Nacht abgeraucht war und die Küche geflutet hatte. Alles normal, heute also eine Person mehr zum Spülen abgestellt – na wen hatte es wohl zur Mittagsschicht getroffen?!<br />
<br />
Wenn man erst nen knappen Monat bei ihnen arbeitete, musste man natürlich alle Stationen mal durchlaufen, also hatte Murphy mittags rum schön spülen helfen dürfen. Gehörte zur Erfahrung dazu. Jetzt ging’s in die Abendvorbereitung und Jay machte seine Runde, weil die meisten hatten eh ihren Job und ihre Station und er selbst wollte die Lammkarrees vorbereiten – er fand’s meditativ. <br />
Er blieb stehen. Ging zwei Schritte zurück. Und registrierte: Murphys Platz leer. Sein Messer lag da, ein großer Topf voll Zwiebeln daneben, aber keine Person anwesend, die sich dafür zuständig fühlte. Hatte der nicht Prep verordnet bekommen?! Jay ging’s ja gut, er hatte einen tollen Start ins Jahr, alles tiefenentspannt, weil zum Glück musste er nicht selbst Teller spülen. Neuer Apprenti war allerdings immer so ein Thema. Na-tür-lich konnten die noch nicht alles immer sofort – aber er sah gar nicht ein, warum das zu seinem Problem werden sollte?! <b>“Wo is Bambi?“</b>, fragte er ungeduldig in die Runde, weil die waren ihm alle verdächtig ruhig und mit ihren Köpfen bei ihren Aufgaben, das machte jeden einzelnen verdächtig. War’s schon Zeit für die Äquatortaufe und die hatten ihn in die Kühlkammer gesperrt?? Die und ihre fucking Hackordnung. War ihm ja an sich egal, blabla, mussten sie alle einmal durch, aber wenn’s ihn und die Küche in der Arbeit behinderte, dann hatte Jay da richtig dolle wenig Bock drauf.<br />
<br />
Er folgte dem Nicken in Richtung Trockenlager, trommelte sich mit den Fingern einmal auf den Oberschenkel, atmete tief durch und erinnerte sich dran, dass er ein guter Chef war und Menschen nicht perfekt waren und---<b>“Ich hoffe schwer für dich, du hast die lang verschollene Asche deiner toten Großmutter hier wiedergefunden, oder isolierst dich wegen einer spontanen Diagnose von Cholera—"</b>, bot er großzügig an als Ausreden, als er die Tür zum Lager aufstieß, wo er tatsächlich Murphy sah, der in aller Seelenruhe—was?? Container neu labelte? Linsen nach Größe sortierte? Seine Mittagspause verlängerte?? <b>“Ansonsten, was zur Hölle machst du hier?!“</b> Und warum kommst du hier nicht sofort raus, achso weil Jay mit verschränkten Armen die Tür versperrte und absolut super entspannt war, keine Sorge—]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Like moths to your flame]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2688</link>
			<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 22:31:09 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=572">Destiny Okonkwo</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2688</guid>
			<description><![CDATA[<i>Nicht. Ihr. Ernst.</i> Langsam, ganz langsam rutschte Dee immer tiefer unter ihre Bettdecke, als wolle sie sich wie eine Schnecke in ihr Schneckenhaus zurückziehen, bis nur noch ihr Nasenrücken und die weit aufgerissenen Augen zu sehen waren. Panik spiegelte sich in ihrem Blick, mit dem sie ein riesiges, schwarzes Monster fixierte, das unheilvoll über der Glühbirne einer Stehlampe flatterte. <i>Nicht ihr fucking Ernst.</i> Es war noch viel zu früh im Jahr für Motten dieser Größe. Sie hätte sich noch mindestens sechs bis acht Wochen gegeben, bis sie wie jedes Jahr bei Sonnenuntergang vor der Frage stand: Lasse ich das Licht aus, schütze mich dadurch vor ungewünschten Besuchern, aber verwehre mir auch ein bis zwei Stunden kostbare, produktive Lebenszeit? Oder mache ich das Licht an, schließe das Fenster und schwitze in meiner Wohnung zu Tode? An diesem Abend hatte sie nicht einen einzigen Gedanken an das weit aufgerissene Fenster und die Insekten und Falter anziehende Lampe in ihrer Wohnung verschwendet, sie hatte sich in falscher Sicherheit gesuhlt, nur um jetzt wie erstarrt in ihrem Bett zu liegen und über mögliche Horrorszenarien nachzudenken. Wie wahrscheinlich war es, dass diese Motte in ihren Mund flatterte und dort Eier ablegte, wenn sie ihr zu nah kam? Zu wahrscheinlich, entschied Destiny, um sich wagemutig in den Kampf zu begeben. Stattdessen griff sie je einen Zipfel ihrer Bettdecke und versuchte mit einer schwungvollen Bewegung zugleich aus dem Bett aufzuspringen und die Decke schützend über ihren gesamten Kopf und Körper zu werfen. Und dann: Ein zielgerichteter Sprint vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer, der mit einer laut knallenden Tür endete. Sie war gerettet, fürs Erste, und der Falter so weit von ihrem Mund entfernt, dass sie es endlich wagte tief durchzuatmen.<br />
Und… nun? Sie könnte Ruby anrufen, oder Joon. Eine ihrer Kolleginnen lebte auch in der Nähe. Vielleicht… <i>fuck</i>. Das Handy lag noch im Todesraum aka motteninfestierten Schlafzimmer. Direkt neben dem Bett auf dem Nachttisch. Sie könnte auch auf dem Sofa schlafen, ging ihr durch den Kopf, aber damit ließ sich kein Problem lösen. Spätestens morgen früh musste sie an ihren Kleiderschrank, und dann hatte würde das Vieh irgendwo auf der Lauer liegen und sie angreifen. Sie ging noch drei bis sieben weitere Optionen im Kopf durch – vom Staubsauger über Deo bis hin zur Ausräucherung – ehe Destiny entschlossen nach ihrem rosanen Fleece-Hausmantel griff, ihn überwarf und in den Flur hinaus stapfte. Achtzehn Treppenstufen nach unten, bis sie vor der Wohnung ihres Nachbarn stand und dagegen klopfte. <b>"Hast du Angst vor Motten?"</b>, überfiel sie ihn direkt, als sich die Tür öffnete.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Nicht. Ihr. Ernst.</i> Langsam, ganz langsam rutschte Dee immer tiefer unter ihre Bettdecke, als wolle sie sich wie eine Schnecke in ihr Schneckenhaus zurückziehen, bis nur noch ihr Nasenrücken und die weit aufgerissenen Augen zu sehen waren. Panik spiegelte sich in ihrem Blick, mit dem sie ein riesiges, schwarzes Monster fixierte, das unheilvoll über der Glühbirne einer Stehlampe flatterte. <i>Nicht ihr fucking Ernst.</i> Es war noch viel zu früh im Jahr für Motten dieser Größe. Sie hätte sich noch mindestens sechs bis acht Wochen gegeben, bis sie wie jedes Jahr bei Sonnenuntergang vor der Frage stand: Lasse ich das Licht aus, schütze mich dadurch vor ungewünschten Besuchern, aber verwehre mir auch ein bis zwei Stunden kostbare, produktive Lebenszeit? Oder mache ich das Licht an, schließe das Fenster und schwitze in meiner Wohnung zu Tode? An diesem Abend hatte sie nicht einen einzigen Gedanken an das weit aufgerissene Fenster und die Insekten und Falter anziehende Lampe in ihrer Wohnung verschwendet, sie hatte sich in falscher Sicherheit gesuhlt, nur um jetzt wie erstarrt in ihrem Bett zu liegen und über mögliche Horrorszenarien nachzudenken. Wie wahrscheinlich war es, dass diese Motte in ihren Mund flatterte und dort Eier ablegte, wenn sie ihr zu nah kam? Zu wahrscheinlich, entschied Destiny, um sich wagemutig in den Kampf zu begeben. Stattdessen griff sie je einen Zipfel ihrer Bettdecke und versuchte mit einer schwungvollen Bewegung zugleich aus dem Bett aufzuspringen und die Decke schützend über ihren gesamten Kopf und Körper zu werfen. Und dann: Ein zielgerichteter Sprint vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer, der mit einer laut knallenden Tür endete. Sie war gerettet, fürs Erste, und der Falter so weit von ihrem Mund entfernt, dass sie es endlich wagte tief durchzuatmen.<br />
Und… nun? Sie könnte Ruby anrufen, oder Joon. Eine ihrer Kolleginnen lebte auch in der Nähe. Vielleicht… <i>fuck</i>. Das Handy lag noch im Todesraum aka motteninfestierten Schlafzimmer. Direkt neben dem Bett auf dem Nachttisch. Sie könnte auch auf dem Sofa schlafen, ging ihr durch den Kopf, aber damit ließ sich kein Problem lösen. Spätestens morgen früh musste sie an ihren Kleiderschrank, und dann hatte würde das Vieh irgendwo auf der Lauer liegen und sie angreifen. Sie ging noch drei bis sieben weitere Optionen im Kopf durch – vom Staubsauger über Deo bis hin zur Ausräucherung – ehe Destiny entschlossen nach ihrem rosanen Fleece-Hausmantel griff, ihn überwarf und in den Flur hinaus stapfte. Achtzehn Treppenstufen nach unten, bis sie vor der Wohnung ihres Nachbarn stand und dagegen klopfte. <b>"Hast du Angst vor Motten?"</b>, überfiel sie ihn direkt, als sich die Tür öffnete.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Destiny Okonkwo]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2685</link>
			<pubDate>Mon, 29 Jun 2026 08:04:46 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=572">Destiny Okonkwo</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css?family=Roboto" rel="stylesheet"><link href="https://fonts.googleapis.com/css?family=Playfair+Display" rel="stylesheet"><style type="text/css"> /*<br />
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DER CODE STAMMT VON fare thee well AUS DEM storming-gates.de<br />
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</style><div id="biene"><div class="bieneoben"></div><div class="bienebild"></div><div class="bienetitel">Destiny Okonkwo</div><div class="bieneintro"><punkt>Name</punkt><br>Liest sich zwar schön, sorgt aber seit jeher für fragende Blicke und verknotete Zungen: <i>Destiny Amara Chidi Okonkwo</i> löst nicht nur bei Starbucks-Mitarbeitenden Schnappatmung aus. Deine Schüler und Schülerinnen nennen dich deshalb nur <i>Miss O.</i> und für deine Freunde und Freundinnen bist du einfach <i>Dee</i>.<br><br><punkt>Geburtstag</punkt><br>Geboren wurdest du am <i>28. Juli 1982</i> und bist deshalb zum aktuellen Zeitpunkt <i>35 Jahre alt</i>. (Deine nigerianische Mutter würde dir jetzt einen strafenden Blick zuwerfen und dich daran erinnern, dass du zu alt bist, um noch immer unverheiratet und kinderlos zu sein.)<br><br><punkt>Beruf</punkt><br>Du unterrichtest <i>Englisch</i> und <i>Citizenship</i> an einer Brennpunktschule in Oldham. Während du im <i>Englisch</i>-Unterricht Lyrics von Stormzy dekonstruierst, um den Kids lyrische Kunst beizubringen, nutzt du <i>Citizenship</i>, um nebst trockenen Politik-Lehrplänen über Kriminalität, Diskriminierung und Polizeikontrollen im Viertel aufzuklären.<br><br><punkt>Wohnort</punkt><br>Früher wolltest du da immer hin, in die große Stadt. Hast dir ein Apartment im Zentrum mit Blick auf eine belebte Straße ausgemalt, direkt an der Ecke ein Café, bei dem du dir jeden Morgen deinen Coffee-To-Go holen kannst. Die Realität jedoch, die heißt <i>Oldham</i>, und die Aussicht aus deinem Fenster präsentiert dir nur die roten Backstein-Fassaden der Häuser gegenüber. Ist trotzdem ein Upgrade, denkst du dir jedes Mal, wenn du aus der Stadt raus fährst, um deine Eltern zu besuchen. Und so charmant wie Abebe aus dem äthiopischen Coffee Shop auf deiner Straße kann der Barista in einem hippen Café im Northern Quarter gar nicht sein.<br><br><punkt>Pizza</punkt><br>Deine absolute Lieblingspizza ist <i>Sweet & Spicy BBQ Chicken</i> – mit Barbecuesauce, Hähnchen, Jalapeños und Ananas.</div><div class="bienelinks">Wusstest du, dass Destiny...?</div><div class="bienefamilie"><div class="bienefamilietext"><punkt>» </punkt> ...noch nie eine feste Beziehung hatte und trotzdem regelmäßig die Person ist, die ihren Freundinnen Beziehungstipps geben muss?<br><punkt>» </punkt> ...eine komplette Fake-Beziehung inklusive Kennenlerngeschichte, Trennungsgrund und Auswanderung nach Australien erfunden hat, nur damit Fremde aufhören zu fragen, warum sie mit 35 Jahren noch immer Single ist?<br><punkt>» </punkt> ...eine beeindruckende Sammlung bunter Latzhosen und Overalls besitzt?<br><punkt>» </punkt> ...vor einigen Jahren in eine intensive Twilight-Phase gerutscht ist und als übergebliebenes Relikt einen Pappaufsteller von Robert Pattinson in ihrer Wohnung stehen hat?<br><punkt>» </punkt> ...ihren Schülerinnen und Schülern verbietet, sie zu googeln, weil sie panische Angst hat, jemand könnte ihren alten Tumblr-Account finden?<br><punkt>» </punkt> ...für jede Lebenslage eine passende Playlist kuratiert hat, darunter u.a. <i>Men Are Trash But Recycling Is Important</i>, <i>Experiencing Heterosexuality Against My Will</i> und <i>Male Audacity: The Soundtrack</i>?<br><punkt>» </punkt> ...zahllose Comfort-Filme und Serien hat, die sie immer und immer und immer wieder schaut?<br><punkt>» </punkt> ...für jeden Anlass die passende Grußkarte besitzt, aber nie daran denkt, sie rechtzeitig zu verschicken?<br><punkt>» </punkt> ...beim Lesen von Büchern immer mit Post-Its und verschiedenfarbigen Stiften bewaffnet ist, um jedes ansatzweise wichtige, lustige oder inspirierende Zitat zu markieren?<br><punkt>» </punkt> ...immer Self-Scan-Kassen nutzt, damit niemand den Einkauf einer dicken Frau judgen kann?<br><punkt>» </punkt> ...leidenschaftlich Torten backt und als <i>fun little side quest</i> die Hochzeits- und Geburtstagstorten für Freund*innen und Freundesfreund*innen macht?<br><punkt>» </punkt> ...eine Liste mit Babynamen besitzt, obwohl sie weder Kinder noch einen Partner hat?<br><punkt>» </punkt> ...seit Jahren behauptet, sie würde eines Tages einen Roman schreiben, aber bislang hauptsächlich Charaktere, Playlists und Pinterest-Boards erstellt hat?<br><punkt>» </punkt> ...sich versehentlich mal bei einem Schüler mit <i>Love you, bye!</i> verabschiedet hat und danach drei Wochen lang nicht mehr in seine Richtung schauen konnte?<br />
<br />
</div></div><div class="bienerechts">charakter</div><div class="bieneintro"><center><pro>loyal</pro> <pro>schlagfertig</pro> <pro>empathisch</pro> <pro>resilient</pro> <pro>kreativ</pro> <pro>humorvoll</pro> <pro>fürsorglich</pro><br><con>selbstkritisch</con> <con>stolz</con> <con>impulsiv</con> <con>dickköpfig</con> <con>misstrauisch</con> <con>eskapistisch</con><br />
</center><br />
<br><b>Also dein Charakter ist's nicht</b>, hat dir ein Dude mal beim dritten Date an den Kopf geknallt, kurz nachdem du dich (literarisch und figurativ) für ihn nackt gemacht hast. Eigentlich wolltest du nur wissen, was das jetzt zwischen euch ist; seine Antwort war ein weiterer Dämpfer für dein Selbstbewusstsein. Denn was er damit eigentlich sagen wollte: Wärst du vierzig Kilo leichter, wäre er vielleicht verknallt in dich. <i>Story of your life</i>, denn du blickst auf eine 35-jährige Karriere als Single-Frau zurück und fragst dich manchmal, ob es Konversionstherapien auch in die andere Richtung gibt – wäre alles viel leichter, wärst du einfach lesbisch.<br />
  Aber dein Charakter ist's wirklich nicht, für den kriegst du nämlich regelmäßig Komplimente. Witzig bist du, und schlagfertig. Warmherzig, freundlich, empathisch. Menschen mögen dich auf Anhieb, verlieren ihr Herz an dein schallend lautes Lachen und sehen Sicherheit in deinen großen braunen Augen. Kann also nur an deinen Afrohaaren und deinem Oberarm-Schwabbel liegen, dass dich noch nie ein Mann wirklich lieben konnte.<br />
  <b>Was macht das mit dir?</b>, wollte eine Therapeutin vor einigen Jahren von dir wissen (klar warst du schon in Therapie nach 35 Jahren <i>Body Dysmorphia</i>, hä), aber es gelingt dir nicht ehrlich mit deinen Unsicherheiten zu sein. Lieber mimst du vor Familie, Freund*innen, Schüler*innen, Kolleg*innen und insbesondere vor Fremden die starke Feministin, den selbstbewussten <i>underdog</i>, den in die Jahre gekommenen Klassenclown und diese Art von fetter Frau, die sich selber in schmalen Gängen schon mit einem humoristisch klingenden <b>Vorsicht, heiß und fettig, Platz machen!</b> ankündigt, damit du anderen die Beleidigung direkt von den Lippen klaust. Ist leichter den Elefanten im Raum selber zu benennen (<i>pun intended</i>), als ihn von fremden Menschen sezieren zu lassen.<br />
  Manchmal hast du das Gefühl dein Feminismus ist nur eine Fassade. Denn während du vor deinen Freund*innen laut krakehlst, dass die Zeiten vorbei sind, in denen du für Männer auf Diät gehst, scheiterst du im Versteckten zum wiederholten Mal an FdH, WW, 16:8 oder wie sie alle heißen. Du musst im TV nur mal wieder über <i>10 Things I Hate About You</i> stolpern und schon wird der Schmerz darüber, dass es keinen süßen Boy gibt, der <i>mostly I hate the way I don't hate you</i> zu dir sagt, <i>not even close, not even a little bit, not even at all</i>, mit einer ganzen Box Eiscreme kompensiert.<br />
  Emotionales Essen ist dein Endgegner. Du bist in eine Familie hinein geboren, in der Essen als eine Art Belohnung fungierte. Gute Noten in der Schule? Mama macht feierlich einen Braten. Du bist traurig? Mama schmiert dir ein PB&J Sandwich. Du hast Geburtstag? Mama kocht dein Lieblingsessen. Du kennst deine Mutter nur in der Küche stehend, vor ihr heiße Töpfe mit duftenden Mahlzeiten. Der Esstisch ist der Ort, an dem eure Familie auch heute noch zusammen kommt, an dem ihr lacht und eure Liebe zueinander teilt. Dein <i>Happy Place</i> quasi. Kein Wunder, dass du ne Essstörung entwickelt hast. Manchmal würdest du deiner Mutter gerne Vorwürfe dafür machen, vor allem, wenn sie dich zum wiederholten Male fragt, wann du gedenkst zu heiraten, aber du kannst ihr nicht mit einem <b>Keiner wird diesen fetten Schwarzen Körper je heiraten, Mama!</b> das Herz brechen.<br />
 Deine <i>Body Dysmorphia</i> ist etwas, das deine Mutter niemals verstehen wird, denn wenn sie dir mal wieder feierlich mitteilt, dass du zugenommen hast, schwingt da keinerlei Wertung mit. In ihrer (und deiner) nigerianischen Kultur gilt Körperfülle noch immer als Schönheitsideal. <b>Wie anders wäre dein Leben</b>, fragst du dich manchmal, <b>wenn du dort zur Welt gekommen wärst?</b> Und dann rügst du dich sofort dafür, denn was deine Eltern auf sich genommen haben, um Nigeria zu verlassen und ihren zukünftigen Kindern in Großbritannien ein besseres Leben zu ermöglichen, das steht in keinem Verhältnis zu deinen lächerlichen Selbstzweifeln.<br />
  Deine Stärke, dein Durchhaltvermögen, deine Resilienz – all das ist das Erbe deiner Eltern. Als Lehrerin bist du dafür bekannt kein Blatt vor den Mund zu nehmen und dich wie eine Löwenmutter für deine Schüler*innen einzusetzen. Selbst deine freien Tage sind gespickt von Vorbereitungen, Nachbereitungen oder Elterngesprächen. Wenn du Vernachlässigung oder Misshandlung in Familiendynamiken wahrnimmst, spürst du die Wut durch deinen gesamten Körper vibrieren. Du liebst deinen Job, selbst dann, wenn du abends mal wieder aus Stress und Überforderung bitterlich weinend auf dein Sofa fällst und dir mehr denn je wünschst, dass dich einfach mal jemand mit herbem Moschus-Duft und einem muskulösen Oberarmumfang von 45 Zentimetern in den Arm nimmt.<br><br />
<br />
</div><div class="bienelinks">lebenslauf</div><div class="bienevita"><div class="bienevitatext"><punkt>1982 – 2000</punkt><br>Geboren wurdest du im kulturell vielfältigen <b>Oldham</b>, aufgewachsen bist du im nahe gelegenen dörflichen <b>Uppermill</b>. Warum deine Eltern entschieden haben mit dir und deinen drei Geschwistern die Stadt zu verlassen, ist dir bis heute nicht ganz klar, denn ein Umzug aufs Land bedeutete nicht nur Vogelgezwitscher und Feldwege, sondern auch eine <i>all-white neighbourhood</i>, eine <i>all-white</i> Kirchengemeinde, eine <i>all-white high school</i> und <i>all-white</i> Freundinnen mit schmalen <i>all-white</i> Bäuchen und Selbsthass induzierenden <i>all-white</i> Mädchenzeitschriften. Mit 7 hat dir eine dieser Freundinnen mal gesagt, dass du zu fett bist; mit 11 hat dein erster Schwarm sich für ne andere entschieden, weil er nicht auf dicke Mädchen steht; und mit 13 hast du dir jegliche Süßigkeiten nur noch heimlich reingefahren. Hat man dich als Kleinkind noch verniedlichend <i>Wonneproppen</i> genannt, kristallisierte sich spätestens in der Pubertät heraus, dass du nicht nur sehr hartnäckiges Babyfett an dir hast, sondern einfach mit einem scheiß Stoffwechsel gestraft bist. Die Quintessenz dessen? Du wurdest zwar auf jeden Geburtstag eingeladen, dein Freundebuch war mit Herzchen, HDGDL und <b>Du bist sooo lustig</b>-Komplimenten vollgekritzelt und man hat dich dank deiner Intelligenz, Offenheit und Empathie zur Jahrgangssprecherin gewählt, aber du warst auch diejenige, die auf Partys nur mit ihren Freundinnen getanzt hat und niemals mitten in der Nacht mit einem süßen Jungen zum Knutschen auf einem Spielplatz verschwunden ist. Mit 15 hast du noch gehofft, dass die große Romanze einfach etwas später kommt; mit 17 hast du allen erzählt, dass dir die Schule gerade wichtiger ist als Jungs; und mit 18 hast du zwar die High School mit Bestnoten abgeschlossen, konntest Shakespeare analysieren, komplexe Gleichungen lösen und auf Spanisch dein Mittagessen bestellen, aber hattest noch nie ein Date, hast noch nie Händchen gehalten und noch nie jemanden geküsst.<br />
<br><br />
<punkt>2000 – 2007</punkt>
Weil du im echten Leben keine jugendliche Liebe finden konntest, hast du all die Gefühle stattdessen in den Fantasiewelten von Büchern durchlebt. Wann immer man dich nach deinen beruflichen Vorstellungen gefragt hat, war deshalb klar: Du willst Lektorin werden. Gradlinig hast du das Ziel verfolgt, dich an der Universität für <i>Englisch</i> eingeschrieben und bist in ein 8qm <i>student housing</i> Zimmer gezogen, das an eine Gefängniszelle erinnerte, nur um dort (mal wieder) mit der brutalen Realität konfrontiert zu werden: Die Verlagswelt ist nicht nur maßlos überlaufen, sondern auch elitär, schlecht bezahlt und in einer Stadt konzentriert, deren Mieten dein gesamtes zukünftiges Gehalt verschlungen hätten (London, klar). Also brauchtest du eine neue Berufung, und fandest sie inmitten zahlloser schlecht bezahlter Nebenjobs, die du ausüben musstest, weil du keinen akademischen Hintergrund oder wohlhabende Eltern hast. Bei der Arbeit als Nachhilfe-Lehrerin hast du gemerkt, dass du hinter das Pult einer Klasse gehörst.<br />
  Dieses glorifizierte <i>student life</i> war irgendwie auch nicht das, was du dir vorgestellt hast. Du hast zwar neue Freundschaften geschlossen, bist zum ersten Mal alleine verreist, hast dich irgendwie durchgeschlagen und bist erwachsen(er) geworden, aber du musstest auch Seminare besuchen, deren Titel sich deutlich schlauer anhörten als ihr tatsächlicher Inhalt, und hast gelernt, dass man drei Tage lang von Nudeln mit Butter leben kann. Echte Lebensweisheiten also. Und die große Liebe? Ebenfalls Fehlanzeige, denn leider bleiben Unsicherheiten nicht einfach im Kinderzimmer zurück und Männer verlieren nicht augenblicklich ihre Oberflächlichkeit, wenn sie die Pubertät verlassen. Wenigstens hast du in Alkohol ein Mittel gefunden, um proaktiver auf Typen zuzugehen, und konntest dadurch zum ersten Mal knutschen und schlechten Sex mit einem zweifelhaften Dude haben. Es hat Jahre gedauert, bis das auch ohne Alkohol ging.<br />
  <br><br />
<punkt>2007 – 2017</punkt>
  Mit 35 bist du weniger im Leben angekommen als du dachtest, aber glücklicher mit dem, was du hast, als die 13-jährige Destiny beim Gestalten ihres <i>Life Vision Boards</i> je vermutet hätte. Nach dem Studium hat es dich zurück nach Oldham verschlagen. Dort arbeitest du an einer Brennpunktschule als Lehrerin für den jugendlichen schlechten Einfluss, vor dem deine Eltern dich damals mit ihrem Umzug schützen wollten. Ist knochenhart, dieser Job, und manchmal sehnst du dich nach dem romantisierten Bild fleißiger Akademiker-Kinder in Uniformen, die wissbegierig an deinen Lippen hängen. Aber wenn du mal wieder einer mehrheitlich marginalisierten Schülerin eine Zukunftsperspektive gibst, die vorher keine hatte, weißt du, dass du am richtigen Ort bist.<br />
Nichts liebst du mehr als dein soziales Umfeld. Nicht nur die Jugendlichen in deiner Obhut, sondern auch deine Kolleg*innen, deine Freund*innen und deine Familie. Noch immer kommen deine Geschwister und du regelmäßig in Uppermill zusammen, damit ihr euch gemeinsam um den Esstisch quetschen und über alles und nichts diskutieren könnt: Politik, Kirche, die Nachbarschaft, wer zuletzt vergessen hat zurückzurufen. Deine Mutter kocht grundsätzlich für doppelt so viele Menschen wie tatsächlich anwesend sind und dein Vater erzählt dieselben Geschichten wie vor zehn Jahren, über die ihr alle jedes Mal wieder schallend lacht.<br />
  Auch deine Freund*innen sind längst mehr Familie als Bekanntenkreis. Für diese Menschen bist du Patentante, Notfallkontaktperson, diejenige, die nachts um halb zwei angerufen wird, wenn eine Beziehung in die Brüche geht oder ein Kind Fieber bekommt. Manchmal fragst du dich, ob du nicht versehentlich zur emotionalen <i>Support-Hotline</i> für sämtliche Menschen in deinem Umfeld geworden bist, aber ganz ehrlich? Du liebst es gebraucht zu werden. Es gibt kaum etwas Schöneres als das Gefühl, Teil eines Dorfes zu sein.<br />
  Nur romantisch und partnerschaftlich befindet sich dein Leben noch immer in einer Eiszeit. Wie erbärmlich ist es, dass das Heißeste in deinem Leben die sonntäglichen Messen in deiner neuen Kirchengemeinde sind, in der du sowieso nur bist, weil es dort einen richtig cuten Priester gibt? <b>Hot priest alert</b>, hat dir eine Freundin vor ein paar Monaten getextet. Seitdem habt ihr jeden Sonntag ein selbst ernanntes <i>Pray & Obey</i> Date in der Innenstadt. An der Hoffnung auf Liebe hältst du trotzdem fest, so wie an all den Dating Apps auf deinem Handy. Du achtest penibel drauf, dass man auf deinen Profilfotos deutlich sieht, dass du fett bist, und schreibst es gleichzeitig nochmal vor jedem Date in den Chat rein. <b>Disclaimer: Ich gehöre zu den ekligen Menschen mit einem Körperfettanteil über 35 Prozent. Bitte komm nur zum vereinbarten Treffpunkt, wenn du das aushalten kannst.</b> Ist trotzdem schon vorgekommen, dass ein Dude nach 5 Minuten das Date beendet hat, weil du irgendwie doch nicht sein <i>Typ</i> bist.<br />
Vielleicht ist es besser alleine mit fünf Katzen alt zu werden als dein Leben lang an einen Mann gebunden zu sein, denkst du dir manchmal, aber dann meldet sich wieder die Ovulation und du cravest Sex, Romantik, eine stabile Beziehung und Babys in deinem Belly. Was für eine Dystopie, in der du da lebst.<br />
</div></div><div class="bieneunten">Faceclaim: Danielle Brooks</div></div>]]></description>
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DER CODE STAMMT VON fare thee well AUS DEM storming-gates.de<br />
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</style><div id="biene"><div class="bieneoben"></div><div class="bienebild"></div><div class="bienetitel">Destiny Okonkwo</div><div class="bieneintro"><punkt>Name</punkt><br>Liest sich zwar schön, sorgt aber seit jeher für fragende Blicke und verknotete Zungen: <i>Destiny Amara Chidi Okonkwo</i> löst nicht nur bei Starbucks-Mitarbeitenden Schnappatmung aus. Deine Schüler und Schülerinnen nennen dich deshalb nur <i>Miss O.</i> und für deine Freunde und Freundinnen bist du einfach <i>Dee</i>.<br><br><punkt>Geburtstag</punkt><br>Geboren wurdest du am <i>28. Juli 1982</i> und bist deshalb zum aktuellen Zeitpunkt <i>35 Jahre alt</i>. (Deine nigerianische Mutter würde dir jetzt einen strafenden Blick zuwerfen und dich daran erinnern, dass du zu alt bist, um noch immer unverheiratet und kinderlos zu sein.)<br><br><punkt>Beruf</punkt><br>Du unterrichtest <i>Englisch</i> und <i>Citizenship</i> an einer Brennpunktschule in Oldham. Während du im <i>Englisch</i>-Unterricht Lyrics von Stormzy dekonstruierst, um den Kids lyrische Kunst beizubringen, nutzt du <i>Citizenship</i>, um nebst trockenen Politik-Lehrplänen über Kriminalität, Diskriminierung und Polizeikontrollen im Viertel aufzuklären.<br><br><punkt>Wohnort</punkt><br>Früher wolltest du da immer hin, in die große Stadt. Hast dir ein Apartment im Zentrum mit Blick auf eine belebte Straße ausgemalt, direkt an der Ecke ein Café, bei dem du dir jeden Morgen deinen Coffee-To-Go holen kannst. Die Realität jedoch, die heißt <i>Oldham</i>, und die Aussicht aus deinem Fenster präsentiert dir nur die roten Backstein-Fassaden der Häuser gegenüber. Ist trotzdem ein Upgrade, denkst du dir jedes Mal, wenn du aus der Stadt raus fährst, um deine Eltern zu besuchen. Und so charmant wie Abebe aus dem äthiopischen Coffee Shop auf deiner Straße kann der Barista in einem hippen Café im Northern Quarter gar nicht sein.<br><br><punkt>Pizza</punkt><br>Deine absolute Lieblingspizza ist <i>Sweet & Spicy BBQ Chicken</i> – mit Barbecuesauce, Hähnchen, Jalapeños und Ananas.</div><div class="bienelinks">Wusstest du, dass Destiny...?</div><div class="bienefamilie"><div class="bienefamilietext"><punkt>» </punkt> ...noch nie eine feste Beziehung hatte und trotzdem regelmäßig die Person ist, die ihren Freundinnen Beziehungstipps geben muss?<br><punkt>» </punkt> ...eine komplette Fake-Beziehung inklusive Kennenlerngeschichte, Trennungsgrund und Auswanderung nach Australien erfunden hat, nur damit Fremde aufhören zu fragen, warum sie mit 35 Jahren noch immer Single ist?<br><punkt>» </punkt> ...eine beeindruckende Sammlung bunter Latzhosen und Overalls besitzt?<br><punkt>» </punkt> ...vor einigen Jahren in eine intensive Twilight-Phase gerutscht ist und als übergebliebenes Relikt einen Pappaufsteller von Robert Pattinson in ihrer Wohnung stehen hat?<br><punkt>» </punkt> ...ihren Schülerinnen und Schülern verbietet, sie zu googeln, weil sie panische Angst hat, jemand könnte ihren alten Tumblr-Account finden?<br><punkt>» </punkt> ...für jede Lebenslage eine passende Playlist kuratiert hat, darunter u.a. <i>Men Are Trash But Recycling Is Important</i>, <i>Experiencing Heterosexuality Against My Will</i> und <i>Male Audacity: The Soundtrack</i>?<br><punkt>» </punkt> ...zahllose Comfort-Filme und Serien hat, die sie immer und immer und immer wieder schaut?<br><punkt>» </punkt> ...für jeden Anlass die passende Grußkarte besitzt, aber nie daran denkt, sie rechtzeitig zu verschicken?<br><punkt>» </punkt> ...beim Lesen von Büchern immer mit Post-Its und verschiedenfarbigen Stiften bewaffnet ist, um jedes ansatzweise wichtige, lustige oder inspirierende Zitat zu markieren?<br><punkt>» </punkt> ...immer Self-Scan-Kassen nutzt, damit niemand den Einkauf einer dicken Frau judgen kann?<br><punkt>» </punkt> ...leidenschaftlich Torten backt und als <i>fun little side quest</i> die Hochzeits- und Geburtstagstorten für Freund*innen und Freundesfreund*innen macht?<br><punkt>» </punkt> ...eine Liste mit Babynamen besitzt, obwohl sie weder Kinder noch einen Partner hat?<br><punkt>» </punkt> ...seit Jahren behauptet, sie würde eines Tages einen Roman schreiben, aber bislang hauptsächlich Charaktere, Playlists und Pinterest-Boards erstellt hat?<br><punkt>» </punkt> ...sich versehentlich mal bei einem Schüler mit <i>Love you, bye!</i> verabschiedet hat und danach drei Wochen lang nicht mehr in seine Richtung schauen konnte?<br />
<br />
</div></div><div class="bienerechts">charakter</div><div class="bieneintro"><center><pro>loyal</pro> <pro>schlagfertig</pro> <pro>empathisch</pro> <pro>resilient</pro> <pro>kreativ</pro> <pro>humorvoll</pro> <pro>fürsorglich</pro><br><con>selbstkritisch</con> <con>stolz</con> <con>impulsiv</con> <con>dickköpfig</con> <con>misstrauisch</con> <con>eskapistisch</con><br />
</center><br />
<br><b>Also dein Charakter ist's nicht</b>, hat dir ein Dude mal beim dritten Date an den Kopf geknallt, kurz nachdem du dich (literarisch und figurativ) für ihn nackt gemacht hast. Eigentlich wolltest du nur wissen, was das jetzt zwischen euch ist; seine Antwort war ein weiterer Dämpfer für dein Selbstbewusstsein. Denn was er damit eigentlich sagen wollte: Wärst du vierzig Kilo leichter, wäre er vielleicht verknallt in dich. <i>Story of your life</i>, denn du blickst auf eine 35-jährige Karriere als Single-Frau zurück und fragst dich manchmal, ob es Konversionstherapien auch in die andere Richtung gibt – wäre alles viel leichter, wärst du einfach lesbisch.<br />
  Aber dein Charakter ist's wirklich nicht, für den kriegst du nämlich regelmäßig Komplimente. Witzig bist du, und schlagfertig. Warmherzig, freundlich, empathisch. Menschen mögen dich auf Anhieb, verlieren ihr Herz an dein schallend lautes Lachen und sehen Sicherheit in deinen großen braunen Augen. Kann also nur an deinen Afrohaaren und deinem Oberarm-Schwabbel liegen, dass dich noch nie ein Mann wirklich lieben konnte.<br />
  <b>Was macht das mit dir?</b>, wollte eine Therapeutin vor einigen Jahren von dir wissen (klar warst du schon in Therapie nach 35 Jahren <i>Body Dysmorphia</i>, hä), aber es gelingt dir nicht ehrlich mit deinen Unsicherheiten zu sein. Lieber mimst du vor Familie, Freund*innen, Schüler*innen, Kolleg*innen und insbesondere vor Fremden die starke Feministin, den selbstbewussten <i>underdog</i>, den in die Jahre gekommenen Klassenclown und diese Art von fetter Frau, die sich selber in schmalen Gängen schon mit einem humoristisch klingenden <b>Vorsicht, heiß und fettig, Platz machen!</b> ankündigt, damit du anderen die Beleidigung direkt von den Lippen klaust. Ist leichter den Elefanten im Raum selber zu benennen (<i>pun intended</i>), als ihn von fremden Menschen sezieren zu lassen.<br />
  Manchmal hast du das Gefühl dein Feminismus ist nur eine Fassade. Denn während du vor deinen Freund*innen laut krakehlst, dass die Zeiten vorbei sind, in denen du für Männer auf Diät gehst, scheiterst du im Versteckten zum wiederholten Mal an FdH, WW, 16:8 oder wie sie alle heißen. Du musst im TV nur mal wieder über <i>10 Things I Hate About You</i> stolpern und schon wird der Schmerz darüber, dass es keinen süßen Boy gibt, der <i>mostly I hate the way I don't hate you</i> zu dir sagt, <i>not even close, not even a little bit, not even at all</i>, mit einer ganzen Box Eiscreme kompensiert.<br />
  Emotionales Essen ist dein Endgegner. Du bist in eine Familie hinein geboren, in der Essen als eine Art Belohnung fungierte. Gute Noten in der Schule? Mama macht feierlich einen Braten. Du bist traurig? Mama schmiert dir ein PB&J Sandwich. Du hast Geburtstag? Mama kocht dein Lieblingsessen. Du kennst deine Mutter nur in der Küche stehend, vor ihr heiße Töpfe mit duftenden Mahlzeiten. Der Esstisch ist der Ort, an dem eure Familie auch heute noch zusammen kommt, an dem ihr lacht und eure Liebe zueinander teilt. Dein <i>Happy Place</i> quasi. Kein Wunder, dass du ne Essstörung entwickelt hast. Manchmal würdest du deiner Mutter gerne Vorwürfe dafür machen, vor allem, wenn sie dich zum wiederholten Male fragt, wann du gedenkst zu heiraten, aber du kannst ihr nicht mit einem <b>Keiner wird diesen fetten Schwarzen Körper je heiraten, Mama!</b> das Herz brechen.<br />
 Deine <i>Body Dysmorphia</i> ist etwas, das deine Mutter niemals verstehen wird, denn wenn sie dir mal wieder feierlich mitteilt, dass du zugenommen hast, schwingt da keinerlei Wertung mit. In ihrer (und deiner) nigerianischen Kultur gilt Körperfülle noch immer als Schönheitsideal. <b>Wie anders wäre dein Leben</b>, fragst du dich manchmal, <b>wenn du dort zur Welt gekommen wärst?</b> Und dann rügst du dich sofort dafür, denn was deine Eltern auf sich genommen haben, um Nigeria zu verlassen und ihren zukünftigen Kindern in Großbritannien ein besseres Leben zu ermöglichen, das steht in keinem Verhältnis zu deinen lächerlichen Selbstzweifeln.<br />
  Deine Stärke, dein Durchhaltvermögen, deine Resilienz – all das ist das Erbe deiner Eltern. Als Lehrerin bist du dafür bekannt kein Blatt vor den Mund zu nehmen und dich wie eine Löwenmutter für deine Schüler*innen einzusetzen. Selbst deine freien Tage sind gespickt von Vorbereitungen, Nachbereitungen oder Elterngesprächen. Wenn du Vernachlässigung oder Misshandlung in Familiendynamiken wahrnimmst, spürst du die Wut durch deinen gesamten Körper vibrieren. Du liebst deinen Job, selbst dann, wenn du abends mal wieder aus Stress und Überforderung bitterlich weinend auf dein Sofa fällst und dir mehr denn je wünschst, dass dich einfach mal jemand mit herbem Moschus-Duft und einem muskulösen Oberarmumfang von 45 Zentimetern in den Arm nimmt.<br><br />
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</div><div class="bienelinks">lebenslauf</div><div class="bienevita"><div class="bienevitatext"><punkt>1982 – 2000</punkt><br>Geboren wurdest du im kulturell vielfältigen <b>Oldham</b>, aufgewachsen bist du im nahe gelegenen dörflichen <b>Uppermill</b>. Warum deine Eltern entschieden haben mit dir und deinen drei Geschwistern die Stadt zu verlassen, ist dir bis heute nicht ganz klar, denn ein Umzug aufs Land bedeutete nicht nur Vogelgezwitscher und Feldwege, sondern auch eine <i>all-white neighbourhood</i>, eine <i>all-white</i> Kirchengemeinde, eine <i>all-white high school</i> und <i>all-white</i> Freundinnen mit schmalen <i>all-white</i> Bäuchen und Selbsthass induzierenden <i>all-white</i> Mädchenzeitschriften. Mit 7 hat dir eine dieser Freundinnen mal gesagt, dass du zu fett bist; mit 11 hat dein erster Schwarm sich für ne andere entschieden, weil er nicht auf dicke Mädchen steht; und mit 13 hast du dir jegliche Süßigkeiten nur noch heimlich reingefahren. Hat man dich als Kleinkind noch verniedlichend <i>Wonneproppen</i> genannt, kristallisierte sich spätestens in der Pubertät heraus, dass du nicht nur sehr hartnäckiges Babyfett an dir hast, sondern einfach mit einem scheiß Stoffwechsel gestraft bist. Die Quintessenz dessen? Du wurdest zwar auf jeden Geburtstag eingeladen, dein Freundebuch war mit Herzchen, HDGDL und <b>Du bist sooo lustig</b>-Komplimenten vollgekritzelt und man hat dich dank deiner Intelligenz, Offenheit und Empathie zur Jahrgangssprecherin gewählt, aber du warst auch diejenige, die auf Partys nur mit ihren Freundinnen getanzt hat und niemals mitten in der Nacht mit einem süßen Jungen zum Knutschen auf einem Spielplatz verschwunden ist. Mit 15 hast du noch gehofft, dass die große Romanze einfach etwas später kommt; mit 17 hast du allen erzählt, dass dir die Schule gerade wichtiger ist als Jungs; und mit 18 hast du zwar die High School mit Bestnoten abgeschlossen, konntest Shakespeare analysieren, komplexe Gleichungen lösen und auf Spanisch dein Mittagessen bestellen, aber hattest noch nie ein Date, hast noch nie Händchen gehalten und noch nie jemanden geküsst.<br />
<br><br />
<punkt>2000 – 2007</punkt>
Weil du im echten Leben keine jugendliche Liebe finden konntest, hast du all die Gefühle stattdessen in den Fantasiewelten von Büchern durchlebt. Wann immer man dich nach deinen beruflichen Vorstellungen gefragt hat, war deshalb klar: Du willst Lektorin werden. Gradlinig hast du das Ziel verfolgt, dich an der Universität für <i>Englisch</i> eingeschrieben und bist in ein 8qm <i>student housing</i> Zimmer gezogen, das an eine Gefängniszelle erinnerte, nur um dort (mal wieder) mit der brutalen Realität konfrontiert zu werden: Die Verlagswelt ist nicht nur maßlos überlaufen, sondern auch elitär, schlecht bezahlt und in einer Stadt konzentriert, deren Mieten dein gesamtes zukünftiges Gehalt verschlungen hätten (London, klar). Also brauchtest du eine neue Berufung, und fandest sie inmitten zahlloser schlecht bezahlter Nebenjobs, die du ausüben musstest, weil du keinen akademischen Hintergrund oder wohlhabende Eltern hast. Bei der Arbeit als Nachhilfe-Lehrerin hast du gemerkt, dass du hinter das Pult einer Klasse gehörst.<br />
  Dieses glorifizierte <i>student life</i> war irgendwie auch nicht das, was du dir vorgestellt hast. Du hast zwar neue Freundschaften geschlossen, bist zum ersten Mal alleine verreist, hast dich irgendwie durchgeschlagen und bist erwachsen(er) geworden, aber du musstest auch Seminare besuchen, deren Titel sich deutlich schlauer anhörten als ihr tatsächlicher Inhalt, und hast gelernt, dass man drei Tage lang von Nudeln mit Butter leben kann. Echte Lebensweisheiten also. Und die große Liebe? Ebenfalls Fehlanzeige, denn leider bleiben Unsicherheiten nicht einfach im Kinderzimmer zurück und Männer verlieren nicht augenblicklich ihre Oberflächlichkeit, wenn sie die Pubertät verlassen. Wenigstens hast du in Alkohol ein Mittel gefunden, um proaktiver auf Typen zuzugehen, und konntest dadurch zum ersten Mal knutschen und schlechten Sex mit einem zweifelhaften Dude haben. Es hat Jahre gedauert, bis das auch ohne Alkohol ging.<br />
  <br><br />
<punkt>2007 – 2017</punkt>
  Mit 35 bist du weniger im Leben angekommen als du dachtest, aber glücklicher mit dem, was du hast, als die 13-jährige Destiny beim Gestalten ihres <i>Life Vision Boards</i> je vermutet hätte. Nach dem Studium hat es dich zurück nach Oldham verschlagen. Dort arbeitest du an einer Brennpunktschule als Lehrerin für den jugendlichen schlechten Einfluss, vor dem deine Eltern dich damals mit ihrem Umzug schützen wollten. Ist knochenhart, dieser Job, und manchmal sehnst du dich nach dem romantisierten Bild fleißiger Akademiker-Kinder in Uniformen, die wissbegierig an deinen Lippen hängen. Aber wenn du mal wieder einer mehrheitlich marginalisierten Schülerin eine Zukunftsperspektive gibst, die vorher keine hatte, weißt du, dass du am richtigen Ort bist.<br />
Nichts liebst du mehr als dein soziales Umfeld. Nicht nur die Jugendlichen in deiner Obhut, sondern auch deine Kolleg*innen, deine Freund*innen und deine Familie. Noch immer kommen deine Geschwister und du regelmäßig in Uppermill zusammen, damit ihr euch gemeinsam um den Esstisch quetschen und über alles und nichts diskutieren könnt: Politik, Kirche, die Nachbarschaft, wer zuletzt vergessen hat zurückzurufen. Deine Mutter kocht grundsätzlich für doppelt so viele Menschen wie tatsächlich anwesend sind und dein Vater erzählt dieselben Geschichten wie vor zehn Jahren, über die ihr alle jedes Mal wieder schallend lacht.<br />
  Auch deine Freund*innen sind längst mehr Familie als Bekanntenkreis. Für diese Menschen bist du Patentante, Notfallkontaktperson, diejenige, die nachts um halb zwei angerufen wird, wenn eine Beziehung in die Brüche geht oder ein Kind Fieber bekommt. Manchmal fragst du dich, ob du nicht versehentlich zur emotionalen <i>Support-Hotline</i> für sämtliche Menschen in deinem Umfeld geworden bist, aber ganz ehrlich? Du liebst es gebraucht zu werden. Es gibt kaum etwas Schöneres als das Gefühl, Teil eines Dorfes zu sein.<br />
  Nur romantisch und partnerschaftlich befindet sich dein Leben noch immer in einer Eiszeit. Wie erbärmlich ist es, dass das Heißeste in deinem Leben die sonntäglichen Messen in deiner neuen Kirchengemeinde sind, in der du sowieso nur bist, weil es dort einen richtig cuten Priester gibt? <b>Hot priest alert</b>, hat dir eine Freundin vor ein paar Monaten getextet. Seitdem habt ihr jeden Sonntag ein selbst ernanntes <i>Pray & Obey</i> Date in der Innenstadt. An der Hoffnung auf Liebe hältst du trotzdem fest, so wie an all den Dating Apps auf deinem Handy. Du achtest penibel drauf, dass man auf deinen Profilfotos deutlich sieht, dass du fett bist, und schreibst es gleichzeitig nochmal vor jedem Date in den Chat rein. <b>Disclaimer: Ich gehöre zu den ekligen Menschen mit einem Körperfettanteil über 35 Prozent. Bitte komm nur zum vereinbarten Treffpunkt, wenn du das aushalten kannst.</b> Ist trotzdem schon vorgekommen, dass ein Dude nach 5 Minuten das Date beendet hat, weil du irgendwie doch nicht sein <i>Typ</i> bist.<br />
Vielleicht ist es besser alleine mit fünf Katzen alt zu werden als dein Leben lang an einen Mann gebunden zu sein, denkst du dir manchmal, aber dann meldet sich wieder die Ovulation und du cravest Sex, Romantik, eine stabile Beziehung und Babys in deinem Belly. Was für eine Dystopie, in der du da lebst.<br />
</div></div><div class="bieneunten">Faceclaim: Danielle Brooks</div></div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[if life fucks you hard, just moan]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2683</link>
			<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 22:53:51 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=569">Murphy Bronson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2683</guid>
			<description><![CDATA[In Murphys Vorstellung war nichts romantischer, als mit dem Zug durch Europa zu fahren. Ihm war komplett egal gewesen, dass er für ein Ticket von Neapel nach Manchester das Vierfache an Zeit verschwendete (im Vergleich zum Flugticket), und auch den horrenden Preis bezahlte er, nun, da er es sich erst einmal in den Kopf gesetzt hatte, mit einem grenzdebilen Lächeln auf den Lippen, von dem er sich selbst einredete, dass er jedweden Schmerz kaschierte. Hätte ihm jemand sein Ticket geklaut, wäre er aufgeschmissen gewesen. Aber niemand klaute sein Ticket, alles lief nach Plan, und um sein dennoch schlechtes Gewissen ob der Geldverschwendung zu beschwichtigen, verschenkte er sein letztes Kleingeld an jemanden, der verzweifelt Geld für ein Ticket nach Rom sammelte. Danach fühlte er sich etwas besser, dabei war er genau genommen nur ärmer geworden.<br />
<br />
Das wahre Ausmaß seiner Überschätzung dieses <i>romantischen Trips</i> realisierte Murphy erst, nachdem er bereits sieben Stunden unterwegs gewesen war. Von Neapel nach Milan und von Milan nach Lugano waren noch Strecken, in denen er sich mit einem mitgebrachten Ausmalbuch, Musik und schließlich mit intensiven Gesprächen mit den Leuten in seinem Vierersitz beschäftigen konnte (er setzte sich grundsätzlich <i>immer</i> in einen Vierer, das führte zu so wundervollen Begegnungen!), aber ab Lugano hatte er Mühe, sich beim Umsteigen nicht zu verzetteln. Beinahe bekam er in Arth den Anschlusszug nach Olten nicht, weil er nur vier Minuten Umstiegszeit gehabt hätte. Und kurz vor Olten, wo ihm nur fünf Minuten blieben, um den Zug nach Basel zu bekommen, blieb der Zug auf der Strecke liegen. Er ließ sich davon nicht unnötig stressen, natürlich nicht; aber es war bereits nach einundzwanzig Uhr abends und wenn er den Zug nicht bekäme, würde er wohl oder übel erst einmal in Olten stranden. Er wusste nicht einmal, wo Olten genau war. Aber weil er ein Glückskind war, wartete der Anschlusszug tatsächlich noch auf sie, sodass er es bis nach Basel schaffte und von Basel über Nacht bis nach Köln. Aber die Gespräche wurden dürftiger, der Zug irgendwann leerer aber nicht gerade bequemlicher. Tagsüber war es im Zug zu warm gewesen, in der Nacht begann er zu frieren. Als er seine Schuhe auszog, weil seine Füße schmerzten, wurde er von der Schaffnerin zurechtgewiesen, er sei hier nicht zu Hause. Murphy konnte Köln nicht ausstehen, musste dort aber anderthalb Stunden im frühen Berufsverkehr totschlagen. Mittlerweile fühlte er sich etwas unwohl und seinen Klamotten; er hatte noch ein ganzes Stück Fahrt vor sich.<br />
Brüssel. London. Endlich saß er im letzten Zug. An der Fahrt war tatsächlich nur wenig Romantisches zu finden gewesen, auch wenn er mit mehreren Leuten fleißig Mail-Adressen ausgetauscht hatte und somit wenigstens ein paar Freundschaften dazugewonnen hatte, wenn man es denn so nennen konnte.<br />
<br />
Als er in London den Zug nach Manchester Piccadilly bestieg, war er einfach nur noch dankbar, dass es bald vorbei wäre. Lange Strecken, die er während seiner Odyssee für sich allein gewesen war, hatte er darüber nachgedacht, was er Yas und Syd sagen würde, sobald er sie wiedersah. Jetzt bekam er Muffensausen und schaltete sein Handy ein, um in der Familiengruppe zu betteln, dass ihn doch jemand abholte. Eigentlich hatte er vorgehabt, direkt zu Yasemin zu gehen, verschwitzt, dreckig, geplagt von Schuldgefühlen -- sie hätte die Nase gerümpft aber ihn schlussendlich in die Arme geschlossen und ihm sofort verziehen, weil er eine derart <i>lange, umständliche Fahrt</i> auf sich genommen hatte. Ihretwegen! Nur, um sie wiederzusehen! Aber hier im letzten Zug, zwei Stunden vor Ankunft in Manchester, dämmerte ihm langsam aber sicher, dass sie keineswegs begeistert sein würde. Also entschied er sich dafür, erst einmal zur Familie zu fahren. Nach Oldham. In die vertraute Heimat. Als sein Onkel zusagte, ihn abzuholen, war er so erleichtert, dass er frohen Mutes den Gedanken an Yasemin und Sydney weit von sich schieben konnte.<br />
<br />
Die Erleichterung kratzte ihn für einen Moment sogar so auf, dass er halbwegs munter mit seinem geschulterten Seesack auf den Bahnsteig hopste und sich durch die Menge bewegte, auf der Suche nach Hamzas vertrautem Schopf. Und sobald er diesen erblickte, kletterte sogar ein Lächeln auf seine Lippen -- klar, es war klapprig, aber ein Lächeln war ein Lächeln, egal wie erschöpft man war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[In Murphys Vorstellung war nichts romantischer, als mit dem Zug durch Europa zu fahren. Ihm war komplett egal gewesen, dass er für ein Ticket von Neapel nach Manchester das Vierfache an Zeit verschwendete (im Vergleich zum Flugticket), und auch den horrenden Preis bezahlte er, nun, da er es sich erst einmal in den Kopf gesetzt hatte, mit einem grenzdebilen Lächeln auf den Lippen, von dem er sich selbst einredete, dass er jedweden Schmerz kaschierte. Hätte ihm jemand sein Ticket geklaut, wäre er aufgeschmissen gewesen. Aber niemand klaute sein Ticket, alles lief nach Plan, und um sein dennoch schlechtes Gewissen ob der Geldverschwendung zu beschwichtigen, verschenkte er sein letztes Kleingeld an jemanden, der verzweifelt Geld für ein Ticket nach Rom sammelte. Danach fühlte er sich etwas besser, dabei war er genau genommen nur ärmer geworden.<br />
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Das wahre Ausmaß seiner Überschätzung dieses <i>romantischen Trips</i> realisierte Murphy erst, nachdem er bereits sieben Stunden unterwegs gewesen war. Von Neapel nach Milan und von Milan nach Lugano waren noch Strecken, in denen er sich mit einem mitgebrachten Ausmalbuch, Musik und schließlich mit intensiven Gesprächen mit den Leuten in seinem Vierersitz beschäftigen konnte (er setzte sich grundsätzlich <i>immer</i> in einen Vierer, das führte zu so wundervollen Begegnungen!), aber ab Lugano hatte er Mühe, sich beim Umsteigen nicht zu verzetteln. Beinahe bekam er in Arth den Anschlusszug nach Olten nicht, weil er nur vier Minuten Umstiegszeit gehabt hätte. Und kurz vor Olten, wo ihm nur fünf Minuten blieben, um den Zug nach Basel zu bekommen, blieb der Zug auf der Strecke liegen. Er ließ sich davon nicht unnötig stressen, natürlich nicht; aber es war bereits nach einundzwanzig Uhr abends und wenn er den Zug nicht bekäme, würde er wohl oder übel erst einmal in Olten stranden. Er wusste nicht einmal, wo Olten genau war. Aber weil er ein Glückskind war, wartete der Anschlusszug tatsächlich noch auf sie, sodass er es bis nach Basel schaffte und von Basel über Nacht bis nach Köln. Aber die Gespräche wurden dürftiger, der Zug irgendwann leerer aber nicht gerade bequemlicher. Tagsüber war es im Zug zu warm gewesen, in der Nacht begann er zu frieren. Als er seine Schuhe auszog, weil seine Füße schmerzten, wurde er von der Schaffnerin zurechtgewiesen, er sei hier nicht zu Hause. Murphy konnte Köln nicht ausstehen, musste dort aber anderthalb Stunden im frühen Berufsverkehr totschlagen. Mittlerweile fühlte er sich etwas unwohl und seinen Klamotten; er hatte noch ein ganzes Stück Fahrt vor sich.<br />
Brüssel. London. Endlich saß er im letzten Zug. An der Fahrt war tatsächlich nur wenig Romantisches zu finden gewesen, auch wenn er mit mehreren Leuten fleißig Mail-Adressen ausgetauscht hatte und somit wenigstens ein paar Freundschaften dazugewonnen hatte, wenn man es denn so nennen konnte.<br />
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Als er in London den Zug nach Manchester Piccadilly bestieg, war er einfach nur noch dankbar, dass es bald vorbei wäre. Lange Strecken, die er während seiner Odyssee für sich allein gewesen war, hatte er darüber nachgedacht, was er Yas und Syd sagen würde, sobald er sie wiedersah. Jetzt bekam er Muffensausen und schaltete sein Handy ein, um in der Familiengruppe zu betteln, dass ihn doch jemand abholte. Eigentlich hatte er vorgehabt, direkt zu Yasemin zu gehen, verschwitzt, dreckig, geplagt von Schuldgefühlen -- sie hätte die Nase gerümpft aber ihn schlussendlich in die Arme geschlossen und ihm sofort verziehen, weil er eine derart <i>lange, umständliche Fahrt</i> auf sich genommen hatte. Ihretwegen! Nur, um sie wiederzusehen! Aber hier im letzten Zug, zwei Stunden vor Ankunft in Manchester, dämmerte ihm langsam aber sicher, dass sie keineswegs begeistert sein würde. Also entschied er sich dafür, erst einmal zur Familie zu fahren. Nach Oldham. In die vertraute Heimat. Als sein Onkel zusagte, ihn abzuholen, war er so erleichtert, dass er frohen Mutes den Gedanken an Yasemin und Sydney weit von sich schieben konnte.<br />
<br />
Die Erleichterung kratzte ihn für einen Moment sogar so auf, dass er halbwegs munter mit seinem geschulterten Seesack auf den Bahnsteig hopste und sich durch die Menge bewegte, auf der Suche nach Hamzas vertrautem Schopf. Und sobald er diesen erblickte, kletterte sogar ein Lächeln auf seine Lippen -- klar, es war klapprig, aber ein Lächeln war ein Lächeln, egal wie erschöpft man war.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[like a stray dog]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2682</link>
			<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 17:16:53 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=570">Sydney Stewart</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2682</guid>
			<description><![CDATA[Vier Uhr morgens war eine grauenhafte Zeit, um sich durch die Straßen von Manchester zu bewegen. Alles, was einem um Vier Uhr morgens dort draußen begegnete, konnte nichts Gutes verheißen, denn es war zu spät, um noch die ausgelassene Stimmung einer heiteren Nacht in sich zu tragen, und viel zu früh, um eine Art der Romantik in sich zu tragen, wie sie manche wohl im Angesicht des Morgengrauens zu finden glaubten. <br />
<i>Fünf Uhr</i> - das war eine Zeit für Leute, die sich aus unironischer Überzeugung das 'Sonnenaufgänge beobachten' als Hobby in die Tinder Bio schrieben und glaubten, sie hätten ihr Leben im Griff, weil sie sich selbst aus unerklärlichen Gründen - ganz bestimmt keiner vorzeitig einsetzenden Midlife-Crisis - seit jeher damit quälten, zu dieser gottlosen Zeit bereits auf den Beinen zu sein, vielleicht ja um vor einem elendig langen Tag im Büro noch ein paar Kilometer an Schritten zu sammeln oder eine Runde mit dem Rennrad zu drehen (spätestens an der Stelle konnte man die Midlife-Crisis Vorwürfe aber wirklich nicht mehr von sich weisen). Ab sechs begann die Stadt aufzuwachen, Leben kehrte wieder in ihr ein, so wie es sich um zwei oder, wenn es doch etwas zu sehr ausgeufert war, spätestens um drei zur Ruhe gebettet hatte. <br />
<br />
Aber vier Uhr; um <i>vier Uhr</i> gab es nichts Gutes mehr, das passieren konnte. Um vier Uhr verloren die Leute den Verstand. Um vier Uhr ging alles den Bach herunter, also sollte Sydney sich doch eigentlich glücklich schätzen, dass ihm diese Uhrzeit heute eigentlich erspart blieb, weil seine Schicht zumindest auf dem Papier bereits um drei ihr Ende gefunden hatte. In der <i>Theorie</i> hätte er pünktlich um drei die grüne Uniform ablegen und diese Nacht für sich für beendet erklären können, ohne sich auch nur eine Minute länger als nötig über sie Gedanken machen zu müssen. In der Realität war es bereits nach vier, als ihr Wagen es zurück in die Zentrale schaffte, um ihre Schicht für beendet zu erklären und die vergangenen zwei Stunden dorthin zu verschließen, wo sie hoffentlich nie wieder darüber nachdenken, geschweige denn reden mussten. <br />
<br />
Seine Uniform landete in einer Tüte für die Reinigung, wobei Sydney einen Moment lang abwägte, ob es nicht sinnvoller wäre, sie in die nächste Tonne zu stopfen und sich einfach eine neue zu besorgen. Er wusch sich dreimal die Haare, seifte sich bestimmt ganze fünfmal den Körper ein. Als er aus der Dusche trat, fühlte er sich trotzdem noch räudig. Obwohl seine Kleidung die vergangenen zehn Stunden in einem Spind eingesperrt verbracht hatte, kam es ihm so vor, als würde auch sie nach allerlei Körperflüssigkeiten riechen, aber letztlich blieb ihm nichts anderes übrig, als sie sich überzuziehen und sich nebenbei selbst dafür zu verfluchen, am vergangenen Nachmittag ausgerechnet mit dem <i>Fahrrad</i> zur Arbeit gekommen zu sein. <br />
<br />
Zu sich selbst nachhause wären es nur knapp zehn Minuten mehr gewesen, aber ihm fehlte die Geduld und die Kraft und so war es bereits nach halb fünf, als er den Schlüssel aus seiner Hose fischte und leise im Schloss herumdrehte. Seine Tasche landete noch im Flur auf dem Boden, die Schuhe wurden abgestreift und wild verstreut. Er knipste in der Küche das Licht an, fischte sich blind irgendeine Dose aus der Tür, die er ganz bestimmt nicht eingekauft hatte, was ihm vielleicht aufgefallen wäre, wenn er dabei nicht aus Gewohnheit das Handy aus seiner Hosentasche gezogen hätte, um Instagram zu öffnen und sich dort durch die <i>Stories</i> Funktion zu wischen. <br />
Was er sah waren Ausschnitte von Geburtstagsfeiern, Memes, eine Verlobung, Clubvideos, bei denen man durch das gnadenlos übersteuernde Mikrofon doch nichts von der Musik hören konnte - allesamt Beweise dafür, wie toll dieser Freitagabend doch gewesen war. Nicht ein einziger, der sich plötzlich von fremden Körperflüssigkeiten übersät sah ... <i>Wobei</i> -- doch, da. Auf das Video eines ehemaligen Klassenkameraden, der sich auf irgendeinem Feld (<b>"Wo zur Hölle sind die?"</b>) die Seele aus dem Leib kotzte, reagierte Sydney mit einem lachenden Emoji.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Vier Uhr morgens war eine grauenhafte Zeit, um sich durch die Straßen von Manchester zu bewegen. Alles, was einem um Vier Uhr morgens dort draußen begegnete, konnte nichts Gutes verheißen, denn es war zu spät, um noch die ausgelassene Stimmung einer heiteren Nacht in sich zu tragen, und viel zu früh, um eine Art der Romantik in sich zu tragen, wie sie manche wohl im Angesicht des Morgengrauens zu finden glaubten. <br />
<i>Fünf Uhr</i> - das war eine Zeit für Leute, die sich aus unironischer Überzeugung das 'Sonnenaufgänge beobachten' als Hobby in die Tinder Bio schrieben und glaubten, sie hätten ihr Leben im Griff, weil sie sich selbst aus unerklärlichen Gründen - ganz bestimmt keiner vorzeitig einsetzenden Midlife-Crisis - seit jeher damit quälten, zu dieser gottlosen Zeit bereits auf den Beinen zu sein, vielleicht ja um vor einem elendig langen Tag im Büro noch ein paar Kilometer an Schritten zu sammeln oder eine Runde mit dem Rennrad zu drehen (spätestens an der Stelle konnte man die Midlife-Crisis Vorwürfe aber wirklich nicht mehr von sich weisen). Ab sechs begann die Stadt aufzuwachen, Leben kehrte wieder in ihr ein, so wie es sich um zwei oder, wenn es doch etwas zu sehr ausgeufert war, spätestens um drei zur Ruhe gebettet hatte. <br />
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Aber vier Uhr; um <i>vier Uhr</i> gab es nichts Gutes mehr, das passieren konnte. Um vier Uhr verloren die Leute den Verstand. Um vier Uhr ging alles den Bach herunter, also sollte Sydney sich doch eigentlich glücklich schätzen, dass ihm diese Uhrzeit heute eigentlich erspart blieb, weil seine Schicht zumindest auf dem Papier bereits um drei ihr Ende gefunden hatte. In der <i>Theorie</i> hätte er pünktlich um drei die grüne Uniform ablegen und diese Nacht für sich für beendet erklären können, ohne sich auch nur eine Minute länger als nötig über sie Gedanken machen zu müssen. In der Realität war es bereits nach vier, als ihr Wagen es zurück in die Zentrale schaffte, um ihre Schicht für beendet zu erklären und die vergangenen zwei Stunden dorthin zu verschließen, wo sie hoffentlich nie wieder darüber nachdenken, geschweige denn reden mussten. <br />
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Seine Uniform landete in einer Tüte für die Reinigung, wobei Sydney einen Moment lang abwägte, ob es nicht sinnvoller wäre, sie in die nächste Tonne zu stopfen und sich einfach eine neue zu besorgen. Er wusch sich dreimal die Haare, seifte sich bestimmt ganze fünfmal den Körper ein. Als er aus der Dusche trat, fühlte er sich trotzdem noch räudig. Obwohl seine Kleidung die vergangenen zehn Stunden in einem Spind eingesperrt verbracht hatte, kam es ihm so vor, als würde auch sie nach allerlei Körperflüssigkeiten riechen, aber letztlich blieb ihm nichts anderes übrig, als sie sich überzuziehen und sich nebenbei selbst dafür zu verfluchen, am vergangenen Nachmittag ausgerechnet mit dem <i>Fahrrad</i> zur Arbeit gekommen zu sein. <br />
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Zu sich selbst nachhause wären es nur knapp zehn Minuten mehr gewesen, aber ihm fehlte die Geduld und die Kraft und so war es bereits nach halb fünf, als er den Schlüssel aus seiner Hose fischte und leise im Schloss herumdrehte. Seine Tasche landete noch im Flur auf dem Boden, die Schuhe wurden abgestreift und wild verstreut. Er knipste in der Küche das Licht an, fischte sich blind irgendeine Dose aus der Tür, die er ganz bestimmt nicht eingekauft hatte, was ihm vielleicht aufgefallen wäre, wenn er dabei nicht aus Gewohnheit das Handy aus seiner Hosentasche gezogen hätte, um Instagram zu öffnen und sich dort durch die <i>Stories</i> Funktion zu wischen. <br />
Was er sah waren Ausschnitte von Geburtstagsfeiern, Memes, eine Verlobung, Clubvideos, bei denen man durch das gnadenlos übersteuernde Mikrofon doch nichts von der Musik hören konnte - allesamt Beweise dafür, wie toll dieser Freitagabend doch gewesen war. Nicht ein einziger, der sich plötzlich von fremden Körperflüssigkeiten übersät sah ... <i>Wobei</i> -- doch, da. Auf das Video eines ehemaligen Klassenkameraden, der sich auf irgendeinem Feld (<b>"Wo zur Hölle sind die?"</b>) die Seele aus dem Leib kotzte, reagierte Sydney mit einem lachenden Emoji.]]></content:encoded>
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		<item>
			<title><![CDATA[Sydney Stewart]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2681</link>
			<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 12:14:15 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=570">Sydney Stewart</a>]]></dc:creator>
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DER CODE STAMMT VON fare thee well AUS DEM storming-gates.de<br />
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<punkt>name</punkt> Sydney Stewart <punkt>age</punkt> 27 years<br />
<punkt>occupation</punkt> paramedic <punkt>residence</punkt> manchester<br />
<punkt>faceclaim</punkt> Callum Turner <punkt>by</punkt> Älex</div><div class="flashfeld">Er muss immer auf Achse sein, keine einzige Minute kann <b>Sydney Stewart</b> mal still sitzen oder auch nur die Klappe halten - aber vielleicht ist es auch das, was ihn wie geschaffen für den Job als <b>Rettungssanitäter</b> macht. Der Stress und die Dauerbelastung kann einem schließlich nicht zu Kopf steigen, wenn man immer wieder betont, wie sehr man das alles doch liebt; wie lebendig einen dieser <i>Kick</i> doch fühlen lässt. Dass der Job bei Weitem nicht nur aus <i>Action</i> und tollem <i>Heldentum</i> besteht, das sollte Sydney mittlerweile wohl längst begriffen haben, aber er scheitert trotzdem darin, sich vor anderen oder sich selbst einzugestehen, dass so manche Dinge durchaus Spuren hinterlassen haben. <i>Ihm fehlt doch nichts</i>, betont er es auch dann noch, wenn sich die Schatten längst tief in sein Gesicht gezeichnet haben und er an seinem freien Abend schon wieder ein wenig zu tief ins Glas geschaut hat, um bloß keinen klaren Gedanken fassen zu müssen. Ihm fehlt nichts, ihm fehlt nichts und weil ihm nichts fehlt, ist er auch immer der Typ, der auftaucht, wenn niemand anderes sonst es tut. </div><div class="flashfamilie"><center><table border=0><tr><td><img src="https://64.media.tumblr.com/cc26b7a982e51e2e3d3b8b0939318a4c/478b9338ea3e56d6-55/s540x810/4255393101c82f6bda6f067207890d134f4be9fb.gif" class="flashfamilie"></td><td width=2></td><td><img src="https://64.media.tumblr.com/39905246bc524800c45a0d341e8fcf35/335b716fc0abf8a4-af/s540x810/bc1b6272090fb721f3c5b8fa123e9243867058e3.gif" class="flashfamilie"></td><td width=2></td><td><img src="https://64.media.tumblr.com/2cce72e72bf0012d3db4ccdd74ded56c/d9bf0fcdf927bf89-47/s540x810/626707d0a2372d5255ffbeb23ed6712c1d17aae6.gif" class="flashfamilie"></td></tr></table></center><br><titel>Lebenslauf</titel> Er ist der jüngste von drei; ein <b>Stewart</b>, wohinter sich jedoch nichts Besonderes, nur ein schrecklich <i>spießbürgerliches</i> Elternhaus verbirgt. Seine Eltern gehören zu denjenigen, die sich für etwas <i>Besseres</i> halten, nur weil sie in einer der weniger heruntergekommenen Ecken von <b>Oldham</b> leben und von dort aus auf all jene hinabblicken, die ihrer Meinung nach dafür verantwortlich sind, diesen Ort zu einem Problemzentrum zu machen. <br />
Obwohl es ihnen im Grunde an nichts fehlt, sie nie die Angst vor einem leeren Kühlschrank kennen lernen müssen, ist Sydneys Aufwachsen von einer Vielzahl an Reglementierung geprägt. Die meisten davon sind ebenso kleinlich wie banal, reichen von festen Duschzeiten bis hin zu albernen Verboten, wie vom Tisch nicht aufstehen zu dürfen, wenn er nicht aufgegessen hat, oder auch mit 16 Jahren noch um spätestens 21 Uhr wieder Zuhause sein zu müssen. Schwieriger ist es, wenn Sydney Freunde mit nachhause bringen will und seine Eltern sich weigern, sie ins Haus zu lassen, weil sie eine genaue Meinung davon haben, mit welchen Kindern der Nachbarschaft er sich herumtreiben darf und mit welchen nicht. Sie machen nie ein Geheimnis daraus, wie wenig sie von dem Großteil seiner Klassenkameraden halten und während es ihm in manchen Fällen leichter zu fallen scheint, dies zu akzeptieren, wenn nicht sogar mit dem gleichen, hochnäsigen Blick durch die Straßen zu stolzieren, erscheint ihm in anderen Momenten nichts so verlockend, wie das <i>Warum</i> auf seiner Zunge, mit welcher sich so herrlich endlos erscheinende Diskussionen losbrechen lassen.<br />
<br />
Sydney ist ein gnadenloser <b>Diskutierer</b> - ob Zuhause oder in der Schule, mit triftigem Grund oder auch einfach nur aus Prinzip. Am Essenstisch versucht er sich damit als Jüngster Gehör zu verschaffen, anderswo scheint es ihm in erster Linie darum zu gehen, zu <i>gewinnen</i>, und wenn ein Streit in einer Schlägerei ausartet, nun, dann ist er vor seinen Eltern natürlich immer derjenige, der sich nur verteidigt hat. Nie gibt er zu, als erster ausgeholt zu haben - <i>schlagen tun sich immer nur die anderen</i> und seine Eltern haben ihm doch oft genug eingebläut, sich bloß nichts bei denen abzugucken. Mit dem Heranwachsen lernt Sydney somit vor allem eines: Ausreden zu erfinden und sich jeglicher Verantwortung und Schuld zu entziehen. <br />
Er testet zwar genauso wie seine Geschwister Grenzen aus, aber die genauen Ausmaße versucht er so gut wie möglich vor seiner Familie verborgen zu halten. So kommt es, dass man ihn im Frühsommer eine Woche lang nur noch mit Mütze durchs Haus laufen sieht, weil er darunter plötzlich knallgrüne Haare versteckt, er beim Rauchen immer Handschuhe trägt und sich hinterher mit einer ganzen Dose Deo einsprüht, oder sich jede Woche neue Freunde ausdenkt, bei denen er angeblich das Wochenende verbringt, weil er seinen Eltern doch schon fünfmal geschworen hat, sich nun aber wirklich von dem <b>Bronson</b> Jungen fernzuhalten, von dem sie so wenig halten. <br />
Nicht immer gehen Sydneys Geheimhaltungsversuche auf, aber wenn man ihn damit konfrontiert, dann weiß er immer einen anderen Sündenbück zu bestimmen. <i>'Murphy hat uns überredet'</i>, heißt es dann, <i>'ich hab ihnen gesagt, dass das eine blöde Idee ist'</i>, schwört er hoch und heilig, als wäre nicht oft genug er derjenige, der ihnen Ideen in die Köpfe setzt, die doch eigentlich dazu bestimmt sind, schiefzugehen.<br />
<br />
<i>Murphy, Yasemin und Sydney</i> - in dieser Kombination findet man sie jahrelang durch Oldham pilgern, immer im Dreiergepäck. Zu dritt verbringen sie die vermutlich glorreichste Zeit ihres Lebens, denn nichts wird jemals an die Momente herankommen, die sich auf ewig in Sydneys Gedächtnis eingravieren. Die Schule ist neben dem Ganzen nur nebensächlich. Seine Hausaufgaben schreibt Sydney in den Pausen von Murphy ab; die Briefe über unentschuldigte Fehlzeiten unterschreibt ihm Yasemin, die die Unterschrift seines Vaters doch perfektioniert zu haben scheint. Wenn es um die Notenvergabe geht, diskutiert er so lange mit seinen Lehrern, als ginge es um Leben und Tod, und wenn dort doch mal eine fünf auf dem Zeugnis steht, dann ist da augenscheinlich niemand so überrascht von, wie Sydney, der sich auch nicht scheut, zu behaupten, dass dies ganz bestimmt nur daran liegt, dass der Lehrer ihn nicht ausstehen kann. <br />
Sein Schulabschluss ist am Ende zwar nicht grottenschlecht, hätte aber doch durchaus besser ausfallen können, wenn er sich denn mehr Mühe gegeben hätte. Zugleich fällt es Sydney schwer, Reue dafür zu empfinden, denn letztlich genügen seine Noten für das, was er will: <i>Rettungssanitäter werden</i>.<br />
<br />
Er setzt sich diesen Traum wie viele, die es nicht besser wissen, in den Kopf, denn es ist das Versprechen von niemals gleichen Tagen und Nächten, das ihn lockt; Adrenalin und Action, die ihn reizen. Sydney will nicht einfach Lebensretter sein, sondern <i>Held</i>, aber dass der Job mehr als das ist und in vielen Stunden deutlich weniger, das wird er erst im Laufe der Jahre lernen müssen. <br />
Es ist ein schrecklicher Übermut, mit welchem er in die Berufswelt startet und der ihm erst nach und nach genommen wird. Er braucht seine Zeit, um die Ernsthaftigkeit seines Jobs zu begreifen, denn während es ihm an mancher Stelle vielleicht zugute kommt, dass er vieles tendenziell auf die leichte Schulter nimmt, wird er an anderer zum ersten Mal damit konfrontiert, <i>Verantwortung</i> übernehmen zu müssen. Da ziehen keine Ausreden oder an den Haaren herbeigezogene Lügen, auch seinen stetigen Drang zu Diskutieren muss er in entscheidenden Augenblicken ablegen. Die Entscheidungen die er trifft, <i>was er tut</i> und <i>was nicht</i>, das hat Folgen - auch wenn er oft genug nicht erfährt, was mit den Patienten geschieht, die sie im Krankenhaus abliefern, so dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als sich Stunden später, Zuhause, alleine, mit der Frage herumquälen zu müssen, ob er nicht doch etwas hätte anders oder <i>besser</i> machen können. <br />
Rettungssanitäter zu sein - das bedeutet in manchen Momenten, derjenige zu sein, der einfach nur deine Hand hält, während du ihm sturzbetrunken dein Seelenleid vorträgst, und in anderen nicht darunter zu zerbrechen, dass auch ihm in manchen Situationen die Hände gebunden sind und es schlichtweg nichts gibt, was er tun kann.<br />
<br />
Wie er persönlich damit zurecht kommt, das ist eine Frage, auf welche er doch immer die gleiche Antwort hat: ihm geht es super. <i>Ihm fehlt nichts.</i> Und zumindest auf dem Papier mag das wohl der Wahrheit entsprechen; wenn man dem Grinsen Glauben schenken mag, welches ihm nur zu leicht auf den Lippen sitzt - aber sein zunehmend gereiztes Gemüt spricht dabei ebenso für sich, wie seine Unfähigkeit, innezuhalten, eine Pause zu machen und sich tatsächlich <i>auszuruhen</i>. <br />
Sydney entwickelt eine Unrast, die ihn von einer Schicht in die nächste treibt und Urlaubstage mehr fürchten lässt, als eine katastrophale Samstagnacht. Er ist der Typ, der auftaucht, wenn niemand anderes es tut, wenn er die grüne Uniform trägt ebenso wie im Privaten. Natürlich hilft er dir auch noch bei deinem Umzug, vollkommen egal, dass er nur zwei Stunden Schlaf gefunden hat. Beim Junggesellenabschied kommt er zu spät, aber trinkt euch dann ohne zu zögern alle unter den Tisch. Er bringt dich zum Flughafen und wartet dort auch drei Stunden mit dir auf deinen Flieger, wenn es sein muss. Stellt sicher, dass du nicht um 3 Uhr morgens stundenlang in irgendeinem gruseligen Bahnhof strandest. Deine Spülmaschine kann er bestimmt auch noch reparieren. Soll er vielleicht nochmal deinen Blutzucker checken, nur um sicher zu gehen? <br />
<br />
Der Job nagt an ihm, aber er will nichts davon sehen oder hören, lieber widmet er seine Gedanken anderen und umkreist mit den Jahren doch vor allem <i>Yasemin</i> wie ein Helikopter, weil ihr schwankender, gesundheitlicher Zustand abseits seiner Arbeit zum Zentrum seiner Sorge wird. Dass er sie manchmal behandelt, als wäre sie eine seiner Patienten, lässt sie immer wieder heftig aneinander geraten, ist letztlich aber nur einer von mehreren Gründen, an welchen die Beziehung, die sie Mitte ihrer Zwanziger eingegangen sind, nach wenigen Monaten schon wieder zerbricht und sie lieber zurück zu einer bloßen Freundschaft zurückkehren lässt.<br />
Viel gestritten haben sie schon immer, nicht nur über Yasemins Gesundheit, aber oft genug war es <i>Murphy</i>, der wie ein Kleber zwischen ihnen fungiert und die Wogen wieder geglättet hat. Dass dieser sich wie aus dem Nichts zurückgezogen, Manchester, ihre Freundschaft, einfach alles wortlos hinter sich gelassen hat und schlichtweg <i>abgehauen</i> ist, nimmt ihm vor allem Sydney übel, der kein gutes Haar mehr an dem blonden Scheinengel lässt. Umso weniger gewillt ist er dann auch, dem Bronson zu verzeihen, als er nach zwei Jahren im Zuge von Yasemins Lupus Diagnose endlich zurück nach Manchester kommt und sich bei ihr einnistet, als könnte seine Anwesenheit nun noch irgendetwas besser machen; als wäre es nicht absehbar, dass er bei der nächsten Gelegenheit doch sicherlich wieder die Beine in die Hand nehmen wird. Ginge es nach Sydney, würde Murphy wieder an den Arsch der Welt verschwinden, aber Monate später steht er immer noch bei Yasemin in der Küche und dann sind es drei Teller auf dem viel zu kleinen Tisch, an welchen sie sich alle zwängen, und Sydney bleibt nichts anderes übrig, als so zu tun, als wäre das die grauenhafteste Bolognese, die er je gegessen hat. </div><div class="flashchar">loyal, einfühlsam, entschlossen, scharfzüngig, überzeugend, mutig, selbstlos, aufopferungsvoll, enthusiastisch, begeisterungsfähig, streitlustig, stur, ruhelos, kontrollsüchtig, unausgeglichen, reizbar, Angst vor dem Versagen, hochnäsig, verurteilend, überkompensierend</div><div class="flashpast"><titel style="display: flex;  justify-content: center;">Älex // Callum Turner // indirektes Gesuch</titel></div></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</font></style><link href="https://api.fontshare.com/css?f[]=general-sans@400,401,500,501,600,601,700,701&display=swap" rel="stylesheet"><style type="text/css"> /*<br />
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DER CODE STAMMT VON fare thee well AUS DEM storming-gates.de<br />
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</style><div id="flash"><div class="foben"><img src="https://64.media.tumblr.com/2b0331bc29485c2414e949531bd53253/335b716fc0abf8a4-cf/s540x810/9fee227e64cd689b18dec77fda1d34e966b7104f.gif" class="foben"><br />
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<punkt>name</punkt> Sydney Stewart <punkt>age</punkt> 27 years<br />
<punkt>occupation</punkt> paramedic <punkt>residence</punkt> manchester<br />
<punkt>faceclaim</punkt> Callum Turner <punkt>by</punkt> Älex</div><div class="flashfeld">Er muss immer auf Achse sein, keine einzige Minute kann <b>Sydney Stewart</b> mal still sitzen oder auch nur die Klappe halten - aber vielleicht ist es auch das, was ihn wie geschaffen für den Job als <b>Rettungssanitäter</b> macht. Der Stress und die Dauerbelastung kann einem schließlich nicht zu Kopf steigen, wenn man immer wieder betont, wie sehr man das alles doch liebt; wie lebendig einen dieser <i>Kick</i> doch fühlen lässt. Dass der Job bei Weitem nicht nur aus <i>Action</i> und tollem <i>Heldentum</i> besteht, das sollte Sydney mittlerweile wohl längst begriffen haben, aber er scheitert trotzdem darin, sich vor anderen oder sich selbst einzugestehen, dass so manche Dinge durchaus Spuren hinterlassen haben. <i>Ihm fehlt doch nichts</i>, betont er es auch dann noch, wenn sich die Schatten längst tief in sein Gesicht gezeichnet haben und er an seinem freien Abend schon wieder ein wenig zu tief ins Glas geschaut hat, um bloß keinen klaren Gedanken fassen zu müssen. Ihm fehlt nichts, ihm fehlt nichts und weil ihm nichts fehlt, ist er auch immer der Typ, der auftaucht, wenn niemand anderes sonst es tut. </div><div class="flashfamilie"><center><table border=0><tr><td><img src="https://64.media.tumblr.com/cc26b7a982e51e2e3d3b8b0939318a4c/478b9338ea3e56d6-55/s540x810/4255393101c82f6bda6f067207890d134f4be9fb.gif" class="flashfamilie"></td><td width=2></td><td><img src="https://64.media.tumblr.com/39905246bc524800c45a0d341e8fcf35/335b716fc0abf8a4-af/s540x810/bc1b6272090fb721f3c5b8fa123e9243867058e3.gif" class="flashfamilie"></td><td width=2></td><td><img src="https://64.media.tumblr.com/2cce72e72bf0012d3db4ccdd74ded56c/d9bf0fcdf927bf89-47/s540x810/626707d0a2372d5255ffbeb23ed6712c1d17aae6.gif" class="flashfamilie"></td></tr></table></center><br><titel>Lebenslauf</titel> Er ist der jüngste von drei; ein <b>Stewart</b>, wohinter sich jedoch nichts Besonderes, nur ein schrecklich <i>spießbürgerliches</i> Elternhaus verbirgt. Seine Eltern gehören zu denjenigen, die sich für etwas <i>Besseres</i> halten, nur weil sie in einer der weniger heruntergekommenen Ecken von <b>Oldham</b> leben und von dort aus auf all jene hinabblicken, die ihrer Meinung nach dafür verantwortlich sind, diesen Ort zu einem Problemzentrum zu machen. <br />
Obwohl es ihnen im Grunde an nichts fehlt, sie nie die Angst vor einem leeren Kühlschrank kennen lernen müssen, ist Sydneys Aufwachsen von einer Vielzahl an Reglementierung geprägt. Die meisten davon sind ebenso kleinlich wie banal, reichen von festen Duschzeiten bis hin zu albernen Verboten, wie vom Tisch nicht aufstehen zu dürfen, wenn er nicht aufgegessen hat, oder auch mit 16 Jahren noch um spätestens 21 Uhr wieder Zuhause sein zu müssen. Schwieriger ist es, wenn Sydney Freunde mit nachhause bringen will und seine Eltern sich weigern, sie ins Haus zu lassen, weil sie eine genaue Meinung davon haben, mit welchen Kindern der Nachbarschaft er sich herumtreiben darf und mit welchen nicht. Sie machen nie ein Geheimnis daraus, wie wenig sie von dem Großteil seiner Klassenkameraden halten und während es ihm in manchen Fällen leichter zu fallen scheint, dies zu akzeptieren, wenn nicht sogar mit dem gleichen, hochnäsigen Blick durch die Straßen zu stolzieren, erscheint ihm in anderen Momenten nichts so verlockend, wie das <i>Warum</i> auf seiner Zunge, mit welcher sich so herrlich endlos erscheinende Diskussionen losbrechen lassen.<br />
<br />
Sydney ist ein gnadenloser <b>Diskutierer</b> - ob Zuhause oder in der Schule, mit triftigem Grund oder auch einfach nur aus Prinzip. Am Essenstisch versucht er sich damit als Jüngster Gehör zu verschaffen, anderswo scheint es ihm in erster Linie darum zu gehen, zu <i>gewinnen</i>, und wenn ein Streit in einer Schlägerei ausartet, nun, dann ist er vor seinen Eltern natürlich immer derjenige, der sich nur verteidigt hat. Nie gibt er zu, als erster ausgeholt zu haben - <i>schlagen tun sich immer nur die anderen</i> und seine Eltern haben ihm doch oft genug eingebläut, sich bloß nichts bei denen abzugucken. Mit dem Heranwachsen lernt Sydney somit vor allem eines: Ausreden zu erfinden und sich jeglicher Verantwortung und Schuld zu entziehen. <br />
Er testet zwar genauso wie seine Geschwister Grenzen aus, aber die genauen Ausmaße versucht er so gut wie möglich vor seiner Familie verborgen zu halten. So kommt es, dass man ihn im Frühsommer eine Woche lang nur noch mit Mütze durchs Haus laufen sieht, weil er darunter plötzlich knallgrüne Haare versteckt, er beim Rauchen immer Handschuhe trägt und sich hinterher mit einer ganzen Dose Deo einsprüht, oder sich jede Woche neue Freunde ausdenkt, bei denen er angeblich das Wochenende verbringt, weil er seinen Eltern doch schon fünfmal geschworen hat, sich nun aber wirklich von dem <b>Bronson</b> Jungen fernzuhalten, von dem sie so wenig halten. <br />
Nicht immer gehen Sydneys Geheimhaltungsversuche auf, aber wenn man ihn damit konfrontiert, dann weiß er immer einen anderen Sündenbück zu bestimmen. <i>'Murphy hat uns überredet'</i>, heißt es dann, <i>'ich hab ihnen gesagt, dass das eine blöde Idee ist'</i>, schwört er hoch und heilig, als wäre nicht oft genug er derjenige, der ihnen Ideen in die Köpfe setzt, die doch eigentlich dazu bestimmt sind, schiefzugehen.<br />
<br />
<i>Murphy, Yasemin und Sydney</i> - in dieser Kombination findet man sie jahrelang durch Oldham pilgern, immer im Dreiergepäck. Zu dritt verbringen sie die vermutlich glorreichste Zeit ihres Lebens, denn nichts wird jemals an die Momente herankommen, die sich auf ewig in Sydneys Gedächtnis eingravieren. Die Schule ist neben dem Ganzen nur nebensächlich. Seine Hausaufgaben schreibt Sydney in den Pausen von Murphy ab; die Briefe über unentschuldigte Fehlzeiten unterschreibt ihm Yasemin, die die Unterschrift seines Vaters doch perfektioniert zu haben scheint. Wenn es um die Notenvergabe geht, diskutiert er so lange mit seinen Lehrern, als ginge es um Leben und Tod, und wenn dort doch mal eine fünf auf dem Zeugnis steht, dann ist da augenscheinlich niemand so überrascht von, wie Sydney, der sich auch nicht scheut, zu behaupten, dass dies ganz bestimmt nur daran liegt, dass der Lehrer ihn nicht ausstehen kann. <br />
Sein Schulabschluss ist am Ende zwar nicht grottenschlecht, hätte aber doch durchaus besser ausfallen können, wenn er sich denn mehr Mühe gegeben hätte. Zugleich fällt es Sydney schwer, Reue dafür zu empfinden, denn letztlich genügen seine Noten für das, was er will: <i>Rettungssanitäter werden</i>.<br />
<br />
Er setzt sich diesen Traum wie viele, die es nicht besser wissen, in den Kopf, denn es ist das Versprechen von niemals gleichen Tagen und Nächten, das ihn lockt; Adrenalin und Action, die ihn reizen. Sydney will nicht einfach Lebensretter sein, sondern <i>Held</i>, aber dass der Job mehr als das ist und in vielen Stunden deutlich weniger, das wird er erst im Laufe der Jahre lernen müssen. <br />
Es ist ein schrecklicher Übermut, mit welchem er in die Berufswelt startet und der ihm erst nach und nach genommen wird. Er braucht seine Zeit, um die Ernsthaftigkeit seines Jobs zu begreifen, denn während es ihm an mancher Stelle vielleicht zugute kommt, dass er vieles tendenziell auf die leichte Schulter nimmt, wird er an anderer zum ersten Mal damit konfrontiert, <i>Verantwortung</i> übernehmen zu müssen. Da ziehen keine Ausreden oder an den Haaren herbeigezogene Lügen, auch seinen stetigen Drang zu Diskutieren muss er in entscheidenden Augenblicken ablegen. Die Entscheidungen die er trifft, <i>was er tut</i> und <i>was nicht</i>, das hat Folgen - auch wenn er oft genug nicht erfährt, was mit den Patienten geschieht, die sie im Krankenhaus abliefern, so dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als sich Stunden später, Zuhause, alleine, mit der Frage herumquälen zu müssen, ob er nicht doch etwas hätte anders oder <i>besser</i> machen können. <br />
Rettungssanitäter zu sein - das bedeutet in manchen Momenten, derjenige zu sein, der einfach nur deine Hand hält, während du ihm sturzbetrunken dein Seelenleid vorträgst, und in anderen nicht darunter zu zerbrechen, dass auch ihm in manchen Situationen die Hände gebunden sind und es schlichtweg nichts gibt, was er tun kann.<br />
<br />
Wie er persönlich damit zurecht kommt, das ist eine Frage, auf welche er doch immer die gleiche Antwort hat: ihm geht es super. <i>Ihm fehlt nichts.</i> Und zumindest auf dem Papier mag das wohl der Wahrheit entsprechen; wenn man dem Grinsen Glauben schenken mag, welches ihm nur zu leicht auf den Lippen sitzt - aber sein zunehmend gereiztes Gemüt spricht dabei ebenso für sich, wie seine Unfähigkeit, innezuhalten, eine Pause zu machen und sich tatsächlich <i>auszuruhen</i>. <br />
Sydney entwickelt eine Unrast, die ihn von einer Schicht in die nächste treibt und Urlaubstage mehr fürchten lässt, als eine katastrophale Samstagnacht. Er ist der Typ, der auftaucht, wenn niemand anderes es tut, wenn er die grüne Uniform trägt ebenso wie im Privaten. Natürlich hilft er dir auch noch bei deinem Umzug, vollkommen egal, dass er nur zwei Stunden Schlaf gefunden hat. Beim Junggesellenabschied kommt er zu spät, aber trinkt euch dann ohne zu zögern alle unter den Tisch. Er bringt dich zum Flughafen und wartet dort auch drei Stunden mit dir auf deinen Flieger, wenn es sein muss. Stellt sicher, dass du nicht um 3 Uhr morgens stundenlang in irgendeinem gruseligen Bahnhof strandest. Deine Spülmaschine kann er bestimmt auch noch reparieren. Soll er vielleicht nochmal deinen Blutzucker checken, nur um sicher zu gehen? <br />
<br />
Der Job nagt an ihm, aber er will nichts davon sehen oder hören, lieber widmet er seine Gedanken anderen und umkreist mit den Jahren doch vor allem <i>Yasemin</i> wie ein Helikopter, weil ihr schwankender, gesundheitlicher Zustand abseits seiner Arbeit zum Zentrum seiner Sorge wird. Dass er sie manchmal behandelt, als wäre sie eine seiner Patienten, lässt sie immer wieder heftig aneinander geraten, ist letztlich aber nur einer von mehreren Gründen, an welchen die Beziehung, die sie Mitte ihrer Zwanziger eingegangen sind, nach wenigen Monaten schon wieder zerbricht und sie lieber zurück zu einer bloßen Freundschaft zurückkehren lässt.<br />
Viel gestritten haben sie schon immer, nicht nur über Yasemins Gesundheit, aber oft genug war es <i>Murphy</i>, der wie ein Kleber zwischen ihnen fungiert und die Wogen wieder geglättet hat. Dass dieser sich wie aus dem Nichts zurückgezogen, Manchester, ihre Freundschaft, einfach alles wortlos hinter sich gelassen hat und schlichtweg <i>abgehauen</i> ist, nimmt ihm vor allem Sydney übel, der kein gutes Haar mehr an dem blonden Scheinengel lässt. Umso weniger gewillt ist er dann auch, dem Bronson zu verzeihen, als er nach zwei Jahren im Zuge von Yasemins Lupus Diagnose endlich zurück nach Manchester kommt und sich bei ihr einnistet, als könnte seine Anwesenheit nun noch irgendetwas besser machen; als wäre es nicht absehbar, dass er bei der nächsten Gelegenheit doch sicherlich wieder die Beine in die Hand nehmen wird. Ginge es nach Sydney, würde Murphy wieder an den Arsch der Welt verschwinden, aber Monate später steht er immer noch bei Yasemin in der Küche und dann sind es drei Teller auf dem viel zu kleinen Tisch, an welchen sie sich alle zwängen, und Sydney bleibt nichts anderes übrig, als so zu tun, als wäre das die grauenhafteste Bolognese, die er je gegessen hat. </div><div class="flashchar">loyal, einfühlsam, entschlossen, scharfzüngig, überzeugend, mutig, selbstlos, aufopferungsvoll, enthusiastisch, begeisterungsfähig, streitlustig, stur, ruhelos, kontrollsüchtig, unausgeglichen, reizbar, Angst vor dem Versagen, hochnäsig, verurteilend, überkompensierend</div><div class="flashpast"><titel style="display: flex;  justify-content: center;">Älex // Callum Turner // indirektes Gesuch</titel></div></div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Murphy Bronson]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2679</link>
			<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 09:45:53 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=569">Murphy Bronson</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[</font></style><link href="https://api.fontshare.com/css?f[]=satoshi@400,401,700,701&display=swap" rel="stylesheet"><link rel="preconnect" href="https://fonts.googleapis.com"><link rel="preconnect" href="https://fonts.gstatic.com" crossorigin><link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:ital,wght@0,400;0,700;1,400;1,700&display=swap" rel="stylesheet"><style type="text/css"> /*<br />
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DER CODE STAMMT VON fare thee well AUS DEM storming-gates.de<br />
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</style><div id="diam"><div class="pattern"><div class="patternfarbe"><div class="diambox"><div class="diamboxin">Für jemanden, der immer unbedingt alles richtig machen möchte, macht <i>Murphy Bronson</i> eine Menge falsch. Nachdem er jahrelang beruflich durch die Gegend geeiert ist, ohne sich für einen klaren Lebensweg zu entscheiden, hat er sich zwar endlich für eine Leidenschaft — das <i>Kochen</i> — entscheiden können, aber geerdeter wirkt der <i>27-Jährige</i> trotzdem nicht. Er ist ein Mann, dem ständig die Sohlen brennen. Da mag er sich mit noch so großer Leidenschaft (oder Manie, kommt drauf an, wen man fragt) in seine Ausbildung im <i>Trou Normand</i> stürzen, für seine engsten Freunde wird er trotzdem immer der Kerl bleiben, der alle Zelte abbricht und türmt, wenn ihm eine fixe Idee in den Kopf kommt oder sich Probleme anbahnen oder ihm zu Hause auch nur die Decke auf den Kopf fällt.<br />
Als zuverlässig hätte ihn früher niemand beschrieben; aber seit er zurück in Manchester ist, scheint er ein neues Kapitel aufschlagen zu wollen. Sozial war er schon immer ein sanfter, aufrichtiger Charmeur mit spitzbübischem Charme, der irgendwie mit allen zurechtkommt und die Menschen um sich zu scharen weiß — aber man sagt ihm auch nach, er sei rückgratlos, nicht durchsetzungfähig und so sprunghaft, dass man ein schöner Idiot wäre, sich auf ihn zu verlassen.<br />
Mittlerweile versucht er sich viel eher der Verantwortung zu stellen und nicht nur beruflich seinen Weg zu finden, sondern auch seine Beziehung zu seinen besten Freunden wieder zu kitten, auch wenn sich das alles als nicht so einfach herausstellt, wie er sich das (in seiner bodenlosen Naivität) vorgestellt hat.</div></div></div></div><div class="diamdivider"></div><div class="diamfam"><center><table border=0><tr><td><div class="diamimg"><img src="https://64.media.tumblr.com/1156977e4312293e5508fdb66d52be1b/df4217eb26dea3df-f6/s540x810/40ba2cd3f67a32d889aeff178946979a5a7d7d75.gif" class="diamimg"></div></td><td width=5></td><td><div class="diamimg"><img src="https://64.media.tumblr.com/521a7686e628a875abe0bb7109b5e731/df4217eb26dea3df-ee/s540x810/56abbaa48dbac065a9487c96720d202e5e645710.gif" class="diamimg"></div></td><td width=5></td><td><div class="diamimg"><img src="https://64.media.tumblr.com/6c13edc35ef498fc44cf62f2a362911d/df4217eb26dea3df-69/s540x810/9b74f44227619bbfd155f2cf4eb70d9042068b46.gif" class="diamimg"></div></td></tr></table></center><br />
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Murphy stammt ursprünglich aus London, und das hört man ihm auch an — denn den, oft als <i>posh</i> abgekanzelten, Akzent hat er, obwohl er mit dreizehn Jahren von London nach Manchester umzieht, noch immer nicht abgelegt. Er ist <i>Scheidungskind</i>: seine Mutter bleibt nach der Trennung von seinem Vater in London, während Murphy, und dessen jüngere Schwester <i>Porter</i>, mit dem Papa nach <i>Manchester</i> umsiedeln. Mitspracherecht haben die Kinder dabei keins. In Manchester dauert es auch gar nicht so lang, bis sein Vater neu heiratet und Murphy noch mehr Stief- und Halbgeschwister bekommt. Er wächst in einer kunterbunten Patchwork-Familie auf, deren Verwandtschaft sich nicht nur über Manchester und London, sondern weite Teile Europas erstreckt.<br />
Die Bronsons sind ein schrecklich chaotischer Haufen, eine selbst deklarierte <i>Ansammlung von Kuriositäten</i>. Ob exzentrischer Kunstfälscher, stinknormaler Klempner, Bühnenbildner, Akademiker, professioneller Clown, Radio Host oder Trapezkünstler — in Murphys weit verstreuter aber eng geknüpfter Familie sind etwaige Talente und ein Haufen unterschiedlicher Lebenswege vertreten.<br />
<br />
Er wächst inmitten dieses Chaos’ auf, fängt im Laufe seines Lebens bestimmt zig Hobbies an und lernt im Laufe dessen leider nie, irgendetwas zu priorisieren. Als Kind ist das noch keine große Sache: er darf überall mal reinschnuppern. Möglichkeiten gibt es unendlich viele, denn die Bronsons und die weiteren Verzweigungen der Familie, die durch die Hochzeit des Vaters mit <b>Maryam Marwazi</b> noch komplizierter geworden sind, sind in Oldham gut vernetzt und in der Gemeinschaft etabliert. Die <i>Sippe</i> ist nachbarschaftlich und weltoffen, und es ist nicht ungewöhnlich, dass man am Abendbrottisch der Bronsons nicht nur die eigenen Kinder aus (zusammengerechnet) drei Ehen wiederfindet, sondern auch ein paar aufgesammelte Freunde aus der Nachbarschaft, den Priester, der vom Vater vollgeschwafelt wird, und die nette rotwangige "Tante" (ohne echte Blutsverwandtschaft), die in ihrer Handtasche nicht nur Schokolade zum Verteilen mit sich herumträgt, sondern auch einen Flachmann versteckt, an dem sie hin und wieder nuckelt.<br />
<br />
Die Bronsons sind in der Nachbarschaft für ihre immer offene Tür berühmt-berüchtigt, aber man verpönt sie auch dafür, dass die Kinder allesamt einen Freifahrtsschein vom Vater ausgestellt bekommen haben. Die fehlende Aufsicht und das rege Treiben im Haus sorgen über die Jahre hinweg für viel Freude aber auch Chaos, ebenso wie für den einen oder anderen folgenschweren Unfall. Wie zum Beispiel den Sturz gegen einen Heizkörper, von dem Murphys jüngere Schwester Porter noch immer eine blasse Narbe an der Lippe geblieben ist, die sie in jungen Jahren stolz vergleicht mit Murphys rosafarbener Keloidnarbe am Unterarm, die sich herausbildete, nachdem der damals Vierjährige sich eine Brandwurde zuzog (er wollte in Eigenregie Würstchen braten).<br />
<br />
Nicht nur hat Murphy eine Menge Halbgeschwister, sondern mit dem Einheiraten in die Familie Marwazi kommen auch noch eine Menge Cousins, Cousinen, Onkel, Tanten und natürlich Großeltern, Großonkel, Großcousins/Großcousinen und endlose Reihen an Angeheirateten hinzu ... den genauen Überblick hat niemand. In den (ja, Mehrzahl) Familien-WhatsApp-Gruppen geht es hoch her, und auch auf Familienfeiern wird es niemals langweilig, was natürlich auch mit einer Menge Konflikt einhergeht.<br />
Murphy selbst ist in seinem Teil der Familie vor allem eines: der Friedensstifter. Er mag es gerne laut aber liebevoll, und wenn tatsächlich mal Streit ausbricht, will er immer am liebsten alle zwingen, sich wieder zu versöhnen. Vielleicht hat er deshalb ein derartiges Faible für Mahlzeiten, denn an die Essensrituale in seiner Familie hat er die allerbesten Erinnerungen — zu Tisch finden bei den Bronsons nämlich nicht nur die größten Streits, sondern auch die prächtigsten Versöhnungen statt.<br />
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</div><div class="diamh"><div class="hover">
bisexuell <b>#</b> naiv <b>#</b> herzlich <b>#</b> spitzbübisch<b>#</b> sprunghaft <b>#</b> orientierungslos <b>#</b> treu aber unzuverlässig <b>#</b> harmoniesüchtig <b>#</b> gesellig <b>#</b> gefallsüchtig <b>#</b> entscheidungsunfreudig <b>#</b> tüchtig <b>#</b> insomniac <b>#</b> erstaunlich unsensibel <b>#</b> sanft <b>#</b> konfrontationsscheu <b>#</b> selbstgerecht <b>#</b> engagiert <b>#</b> nachgiebig <b>#</b> großzügig <b>#</b> unaufrichtig <b>#</b> bemüht <b>#</b> erlebnishungrig<br />
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leidenschaftlicher Radfahrer <b>#</b> liebt Kräutergärten und Straßenfeste und den Geruch von Sonnenmilch <b>#</b> Chorsänger <b>#</b> Sommerkind <b>#</b> geht gerne FKK baden und solo campen <b>#</b> läuft gerne barfuß <b>#</b> hat drei Meerschweinchen namens Pippi, Annika und Tommy <b>#</b> ein Schleckermaul <b>#</b> hält regelmäßig sein FriendsBBQ ab <b>#</b> ein Naturbursche </div></div><div class="pattern"><div class="patternfarbe"><div class="diambox"><div class="diamboxin"><b>Persönlicher Lebensweg</b> Murphys <i>Harmoniesucht</i> ist keinesfalls angeboren. Vor der Scheidung seiner Eltern hat er genauso viel Unfug gemacht wie Porter, die nach der Scheidung anfängt, systematisch und vehement zu rebellieren — selbst gegen einen Haushalt, der ihr genau genommen nur wenig verbietet.<br />
<br />
Murphy kennt das nur zur Genüge, dieses Austesten von Grenzen — in London macht er das ohne Unterlass, nur dass ihn sein engelshaft blondgelocktes Haar und sein zum Schmelzen schönes, schelmisches Grinsen stets vor Strafe schützt. Die plötzliche Trennung seiner Eltern trifft ihn jedoch unvorbereitet — denn zwischen den Eheleuten gibt es weder sichtbaren Zwist noch lauten Streit. Als sie sich trennen, trennen sie sich scheinbar einvernehmlich und als geschlossene Front. Ihre Begründung ist, dass sie sich nicht mehr auf die gleiche Weise lieben wie früher und getrennte Wege gehen wollen.<br />
<br />
Für einen knapp Zehnjährigen ist dies keine nachvollziehbare Erklärung, aber dagegen argumentieren kann er auch nicht. Er wird jedoch aufmerksamer, in sich gekehrter, und macht sich regelrecht manisch auf die Suche nach möglichen Anzeichen für Bruchstellen im Gefüge der eigenen Familie. Mit der Zeit erkennt er die unterschwelligen Spannungen, die er früher übersehen hat, und sie jagen ihm Angst ein. Er erkennt lange vor Porter, dass der erzwungene Frieden seiner Eltern eine Unmenge an Schmerz verschleiert, damit die Kinder davon nichts mitbekommen. Er glaubt lange Zeit, vielleicht sogar noch bis heute, dass der Grund für die Scheidung seiner Eltern er selbst ist — oder eher: sie Kinder sind es. Als sie nach der Scheidung zwei Jahre später mit dem Vater, der das alleinige Sorgerecht erhält, nach Manchester ziehen, bestätigt dies Murphy nur in seinen Annahmen.<br />
<br />
Trotz oder vielleicht auch <i>wegen</i> der aufregenden Veränderungen innerhalb der Familie, die nach dem Umzug nach Manchester eintreten und für eine Menge Wirbel sorgen, tut Murphy sich in seinem ersten Jahr in der neuen Stadt schwer. Nicht nur ist ihm die Nachbarschaft in Oldham fremd und die neue Realität nicht unbedingt das, was er sich ausgemalt hat, sondern auch fremdeln die Gleichaltrigen mit ihm. Ein paar Tage lang werden seine Schwester und er als interessante Neuerung fieberhaft empfangen — aber der Glanz des Neuen nutzt sich rasend schnell ab. Erst denken die Kinder aufgrund ihres Akzents, sie wären wohl mit dem Silberlöffel im Mund geboren worden, nur um sie als <i>asozial</i> und als <i> Freaks</i> abzukarten, als sie in der Nachbarschaft bekannter werden; vielleicht auch, nachdem sein Vater das erste Mal mit seinen Marionetten beim Puppenspiel auftritt. Ihr Zuhause wird als Flohzirkus bezeichnet, ihre lasche Erziehung als Störfaktor, die ungekämmten Haare als offene Beleidigung und Zeichen der Vernachlässigung — sie müssen erst mal in die Nachbarschaft reinwachsen, und das dauert. Klar, als sein Vater Maryam heiratet, werden sie zumindest von deren Verwandtschaft geduldet, aber bei manchen werden sie wohl immer anecken, fallen grundlegend aus dem Raster, sprengen das System.<br />
<br />
Murphy ist das irgendwie schon gewöhnt, aber in der ersten Zeit kostet es ihn dennoch Kraft, denn er will Frieden und Freunde und Zuneigung, genau wie alle anderen auch haben. In der Schule ist er trotz seiner Bemühungen eine Weile das liebste Opfer für gemeine Streiche — bis er sich erst mit Yasemin und über Yasemin mit Sydney anfreundet. Die beiden sind selbst Randgestalten, wenn auch aus anderen Gründen als er. Yasemin ist eine notorische Lügnerin (oder, wie sie je nach Laune behaupten würde: “Das war alles nur ein Sozialexperiment” oder “Ich befand mich in der ersten Phase der Entwicklung zu der Bühnenschauspielerin, die ich jetzt bin.”) und Sydney liebt es, zu diskutieren — er gibt immer erst dann auf, wenn er entweder als klarer Sieger hervorgeht oder eine köstliche Prügelei ausbricht.<br />
<br />
Plötzlich machen sie gefühlt alles zu dritt, wie als wären sie an den Gliedmaßen miteinander verschweißt. Nie wird Murphy wieder so eine herrliche Zeit erleben wie seine Schulzeit, denn um seine Noten macht er sich wenige Gedanken und sein ganzes Leben scheint lang und genüsslich vor ihm zu liegen, so voller ausschöpfbarer Möglichkeiten! Sowohl Yasemin als auch Sydney leben in gänzlich anderen Welten als er, aber davon will er nicht wirklich etwas wahrhaben. Beide verschleppt er regelmäßig an den Tisch der Bronsons, schleust sie in alle möglichen Familienaktivitäten und -feierlichkeiten ein. Sein erster Kuss ist mit Yasemin, aber das hält er vor Sydney geheim — warum, versteht er damals auch nicht wirklich, außer dass er Angst vor möglichen Eifersüchteleien hat oder davor, dass ihre Freundschaft auseinanderbrechen könnte.<br />
<br />
Diese massive Angst entpuppt sich erst nach ihrem Schulabschluss als berechtigt. Bereits auf dem Roadtrip nach Barcelona, den sie lang geplant und endlich in die Tat umgesetzt haben, krieselt es zwischen den dreien — es liegt etwas in der Luft, das verdächtig nach Gewitter schmeckt und von dem Murphy keine Ahnung hat, woher es kommt. Er versteht nicht, was plötzlich mit seinen besten Freunden los ist; für ihn fühlt es sich an, wie als würden sie etwas aushecken. Wie als würden sie planen, ihn einfach irgendwo auszusetzen und ohne ihn weiter zu fahren. Was sie natürlich nicht machen — viel schlimmer als das, scheinen sich Sydney und Yasemin einander anzunähern, selbst wenn Murphy das erst viel später begreift. Genau genommen <i>Jahre später erst</i>.<br />
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Jahre, in denen er herumeiert und nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll. Zu viele Möglichkeiten stehen ihm offen, und keine davon schreit, dass er sich ihr voll und ganz widmen soll. Er ist ein <i>Jack of all trades, but master of none</i> wie er im Buche steht. Für eine Weile hält er es für eine gute Idee, wie sein Vater Geigenbauer zu werden, dann wiederum überlegt er, <i>irgendwas mit Musik</i> zu machen, aber letzten Endes fängt er nur viel an und bringt nie irgendetwas zu Ende. Auch in seinen Beziehungen geht es chaotisch zu — sie sind kurzweilig, hochintensiv und dann plötzlich todeslangweilig; beim kleinsten Problem türmt er lieber, stürzt sich in die nächste <i>neue große Liebe</i>. Und während alledem ist da noch die schwierige, komplexe Freundschaft zu Sydney und Yasemin.<br />
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Irgendwie halten sie zusammen, auch wenn es mit der Zeit immer schwieriger und komplizierter wird. Selbst während der Jahre, die Yasemin Schauspiel in London studiert, strengen sie sich an und sehen einander regelmäßig. Murphy ist in ihrer Freundschaft so bemüht, wie als würde sein Leben davon abhängen. Am besten verstehen sie sich, wenn sie zu dritt sind — sind sie jedoch nur zu zweit, verschwimmen die Grenzen: dies gilt nicht nur für Murphy und Sydney, sondern auch für Sydney und Yasemin. Das wird Murphy selbst aber erst klar, als Yasemin 2014 zurück nach Manchester zieht und Knall auf Fall in einer Beziehung mit Sydney landet. Murphy scheint der Einzige in ihrem Umfeld zu sein, der das nicht hat kommen sehen. Und er reagiert … verdammt schlecht darauf. Um nicht zu sagen, dass er sich wahrhaftig zu reagieren weigert, einfach seine sieben Sachen packt und Manchester verlässt, um “sich selbst zu finden”. Niemals würde er offen zugeben, dass er die Vorstellung von Sydney und Yasemin zusammen einfach nicht erträgt, dass er sich ausgeschlossen und an der Nase herumgeführt fühlt, dass er seine besten Freunde damit glaubt verloren zu haben und zugleich nicht nur gekränktes Ego, sondern auch ein gebrochenes Herz davonträgt.<br />
<br />
Nein, er befindet sich nur auf einem Selbstfindungstrip quer durch Europa. Er hält sich auf seinen Reisen durch (vornehmlich Süd-)Europa mit Jobs in der Gastronomie über Wasser. Er arbeitet als Gemüselieferant, als Tellerwäscher, als (verflucht schlechter) Kellner, noch schlechterer Barkeeper und irgendwann als Praktikant in der Küche, der kaum was verdient aber sich zig Verbrennungen zuzieht, und schließlich als Hilfskoch. In die Lehre geht er nirgends, denn er bleibt nie sonderlich lang. Murphy hat noch immer nicht dazugelernt, er nimmt weiterhin reißaus, sobald es zu heiß unter seinen Sohlen oder seinem Hintern wird. Dabei entwickelt er auf seiner kuriosen Reise nicht nur ein schreckliches Heimweh, das ihm die Nächte raubt, sondern verliebt sich auch in die Welt des Essens — er liebt den Stress in der Küche, die klare Hierarchie und das grobschnäuzige Miteinander; er liebt es, dass in der Küche niemand Privatsphäre hat und alle alles miteinander teilen. Er lernt die harte Arbeit zu lieben, obwohl er zuvor nie ein harter Arbeiter gewesen ist, sondern ein Schlemmer, ein Genießer, einer der sich einen Sonnenbrand holt, weil er voller Wonne am Strand einschläft, und der selbst den letzten Bus verpasst und nach Hause laufen muss, weil er zu viel beim Laufen zur Haltestelle geträumt hat.<br />
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Seine Reisen finden jedoch ein abruptes Ende, als Yasemin mit Lupus diagnostiziert wird. Ihre jahrelange Leidensgeschichte hat er, der durch Europa getingelt ist, nicht mitbekommen — auch wenn sie hin und wieder in Kontakt gestanden haben. Auch nachdem Murphy erfahren hat, dass Sydney und Yasemin schon nach wenigen Monaten Beziehung wieder getrennte Wege gegangen sind, ist er nicht nach Manchester zurückgekehrt. Fast zwei Jahre mussten ins Land ziehen, und dann ist es doch erst die Diagnose Yasemins, die ihn wieder dauerhaft nach Hause lockt. Er zieht erst zu seinen Eltern nach Oldham, doch dann quartiert er sich bei Yasemin in China Town ein, um ihr eine Hilfe während der Zeit sein zu können, die sie quasi tagtäglich im Krankenhaus verbringt, auf Medikamente eingestellt wird und ihr Leben zu leben versucht.<br />
<br />
Sonderlich beliebt macht er sich damit vor allem nicht bei Sydney, der ihm, vermutlich mehr noch als Yasemin, sein Abhauen übel nimmt. Dass Murphy sich schuldig fühlt und Besserung gelobt, führt leider zu nichts, eher zu nur noch mehr Streit, dem Murphy diesmal aber nicht aus dem Weg zu gehen versucht. Zum ersten Mal in seinem Leben scheint er das Rückgrat gefunden zu haben, zu bleiben — selbst, wenn Sydney ihn nicht haben will und selbst Yasemin ihn manchmal beäugt, wie als würde sie jeden Augenblick erwarten, dass er wieder die Beine in die Hand nimmt und verschwindet. Stattdessen fängt Murphy eine Ausbildung in der Gastronomie an. Er will Koch werden, auch wenn er gnadenlos unterschätzt, wie viel Zeit und Kraft die Küche auffrisst, und selbst wenn er tierische Angst hat, auch das noch zu vermasseln.<br />
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</div></div></div></div><div class="diamfacts"><fact>murphy bronson</fact> <fact>27 years</fact> <fact>chef apprentice</fact> <fact2>mike faist,</fact2><fact2>chuls</fact2></div></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</font></style><link href="https://api.fontshare.com/css?f[]=satoshi@400,401,700,701&display=swap" rel="stylesheet"><link rel="preconnect" href="https://fonts.googleapis.com"><link rel="preconnect" href="https://fonts.gstatic.com" crossorigin><link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:ital,wght@0,400;0,700;1,400;1,700&display=swap" rel="stylesheet"><style type="text/css"> /*<br />
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DER CODE STAMMT VON fare thee well AUS DEM storming-gates.de<br />
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</style><div id="diam"><div class="pattern"><div class="patternfarbe"><div class="diambox"><div class="diamboxin">Für jemanden, der immer unbedingt alles richtig machen möchte, macht <i>Murphy Bronson</i> eine Menge falsch. Nachdem er jahrelang beruflich durch die Gegend geeiert ist, ohne sich für einen klaren Lebensweg zu entscheiden, hat er sich zwar endlich für eine Leidenschaft — das <i>Kochen</i> — entscheiden können, aber geerdeter wirkt der <i>27-Jährige</i> trotzdem nicht. Er ist ein Mann, dem ständig die Sohlen brennen. Da mag er sich mit noch so großer Leidenschaft (oder Manie, kommt drauf an, wen man fragt) in seine Ausbildung im <i>Trou Normand</i> stürzen, für seine engsten Freunde wird er trotzdem immer der Kerl bleiben, der alle Zelte abbricht und türmt, wenn ihm eine fixe Idee in den Kopf kommt oder sich Probleme anbahnen oder ihm zu Hause auch nur die Decke auf den Kopf fällt.<br />
Als zuverlässig hätte ihn früher niemand beschrieben; aber seit er zurück in Manchester ist, scheint er ein neues Kapitel aufschlagen zu wollen. Sozial war er schon immer ein sanfter, aufrichtiger Charmeur mit spitzbübischem Charme, der irgendwie mit allen zurechtkommt und die Menschen um sich zu scharen weiß — aber man sagt ihm auch nach, er sei rückgratlos, nicht durchsetzungfähig und so sprunghaft, dass man ein schöner Idiot wäre, sich auf ihn zu verlassen.<br />
Mittlerweile versucht er sich viel eher der Verantwortung zu stellen und nicht nur beruflich seinen Weg zu finden, sondern auch seine Beziehung zu seinen besten Freunden wieder zu kitten, auch wenn sich das alles als nicht so einfach herausstellt, wie er sich das (in seiner bodenlosen Naivität) vorgestellt hat.</div></div></div></div><div class="diamdivider"></div><div class="diamfam"><center><table border=0><tr><td><div class="diamimg"><img src="https://64.media.tumblr.com/1156977e4312293e5508fdb66d52be1b/df4217eb26dea3df-f6/s540x810/40ba2cd3f67a32d889aeff178946979a5a7d7d75.gif" class="diamimg"></div></td><td width=5></td><td><div class="diamimg"><img src="https://64.media.tumblr.com/521a7686e628a875abe0bb7109b5e731/df4217eb26dea3df-ee/s540x810/56abbaa48dbac065a9487c96720d202e5e645710.gif" class="diamimg"></div></td><td width=5></td><td><div class="diamimg"><img src="https://64.media.tumblr.com/6c13edc35ef498fc44cf62f2a362911d/df4217eb26dea3df-69/s540x810/9b74f44227619bbfd155f2cf4eb70d9042068b46.gif" class="diamimg"></div></td></tr></table></center><br />
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Murphy stammt ursprünglich aus London, und das hört man ihm auch an — denn den, oft als <i>posh</i> abgekanzelten, Akzent hat er, obwohl er mit dreizehn Jahren von London nach Manchester umzieht, noch immer nicht abgelegt. Er ist <i>Scheidungskind</i>: seine Mutter bleibt nach der Trennung von seinem Vater in London, während Murphy, und dessen jüngere Schwester <i>Porter</i>, mit dem Papa nach <i>Manchester</i> umsiedeln. Mitspracherecht haben die Kinder dabei keins. In Manchester dauert es auch gar nicht so lang, bis sein Vater neu heiratet und Murphy noch mehr Stief- und Halbgeschwister bekommt. Er wächst in einer kunterbunten Patchwork-Familie auf, deren Verwandtschaft sich nicht nur über Manchester und London, sondern weite Teile Europas erstreckt.<br />
Die Bronsons sind ein schrecklich chaotischer Haufen, eine selbst deklarierte <i>Ansammlung von Kuriositäten</i>. Ob exzentrischer Kunstfälscher, stinknormaler Klempner, Bühnenbildner, Akademiker, professioneller Clown, Radio Host oder Trapezkünstler — in Murphys weit verstreuter aber eng geknüpfter Familie sind etwaige Talente und ein Haufen unterschiedlicher Lebenswege vertreten.<br />
<br />
Er wächst inmitten dieses Chaos’ auf, fängt im Laufe seines Lebens bestimmt zig Hobbies an und lernt im Laufe dessen leider nie, irgendetwas zu priorisieren. Als Kind ist das noch keine große Sache: er darf überall mal reinschnuppern. Möglichkeiten gibt es unendlich viele, denn die Bronsons und die weiteren Verzweigungen der Familie, die durch die Hochzeit des Vaters mit <b>Maryam Marwazi</b> noch komplizierter geworden sind, sind in Oldham gut vernetzt und in der Gemeinschaft etabliert. Die <i>Sippe</i> ist nachbarschaftlich und weltoffen, und es ist nicht ungewöhnlich, dass man am Abendbrottisch der Bronsons nicht nur die eigenen Kinder aus (zusammengerechnet) drei Ehen wiederfindet, sondern auch ein paar aufgesammelte Freunde aus der Nachbarschaft, den Priester, der vom Vater vollgeschwafelt wird, und die nette rotwangige "Tante" (ohne echte Blutsverwandtschaft), die in ihrer Handtasche nicht nur Schokolade zum Verteilen mit sich herumträgt, sondern auch einen Flachmann versteckt, an dem sie hin und wieder nuckelt.<br />
<br />
Die Bronsons sind in der Nachbarschaft für ihre immer offene Tür berühmt-berüchtigt, aber man verpönt sie auch dafür, dass die Kinder allesamt einen Freifahrtsschein vom Vater ausgestellt bekommen haben. Die fehlende Aufsicht und das rege Treiben im Haus sorgen über die Jahre hinweg für viel Freude aber auch Chaos, ebenso wie für den einen oder anderen folgenschweren Unfall. Wie zum Beispiel den Sturz gegen einen Heizkörper, von dem Murphys jüngere Schwester Porter noch immer eine blasse Narbe an der Lippe geblieben ist, die sie in jungen Jahren stolz vergleicht mit Murphys rosafarbener Keloidnarbe am Unterarm, die sich herausbildete, nachdem der damals Vierjährige sich eine Brandwurde zuzog (er wollte in Eigenregie Würstchen braten).<br />
<br />
Nicht nur hat Murphy eine Menge Halbgeschwister, sondern mit dem Einheiraten in die Familie Marwazi kommen auch noch eine Menge Cousins, Cousinen, Onkel, Tanten und natürlich Großeltern, Großonkel, Großcousins/Großcousinen und endlose Reihen an Angeheirateten hinzu ... den genauen Überblick hat niemand. In den (ja, Mehrzahl) Familien-WhatsApp-Gruppen geht es hoch her, und auch auf Familienfeiern wird es niemals langweilig, was natürlich auch mit einer Menge Konflikt einhergeht.<br />
Murphy selbst ist in seinem Teil der Familie vor allem eines: der Friedensstifter. Er mag es gerne laut aber liebevoll, und wenn tatsächlich mal Streit ausbricht, will er immer am liebsten alle zwingen, sich wieder zu versöhnen. Vielleicht hat er deshalb ein derartiges Faible für Mahlzeiten, denn an die Essensrituale in seiner Familie hat er die allerbesten Erinnerungen — zu Tisch finden bei den Bronsons nämlich nicht nur die größten Streits, sondern auch die prächtigsten Versöhnungen statt.<br />
<br />
</div><div class="diamh"><div class="hover">
bisexuell <b>#</b> naiv <b>#</b> herzlich <b>#</b> spitzbübisch<b>#</b> sprunghaft <b>#</b> orientierungslos <b>#</b> treu aber unzuverlässig <b>#</b> harmoniesüchtig <b>#</b> gesellig <b>#</b> gefallsüchtig <b>#</b> entscheidungsunfreudig <b>#</b> tüchtig <b>#</b> insomniac <b>#</b> erstaunlich unsensibel <b>#</b> sanft <b>#</b> konfrontationsscheu <b>#</b> selbstgerecht <b>#</b> engagiert <b>#</b> nachgiebig <b>#</b> großzügig <b>#</b> unaufrichtig <b>#</b> bemüht <b>#</b> erlebnishungrig<br />
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leidenschaftlicher Radfahrer <b>#</b> liebt Kräutergärten und Straßenfeste und den Geruch von Sonnenmilch <b>#</b> Chorsänger <b>#</b> Sommerkind <b>#</b> geht gerne FKK baden und solo campen <b>#</b> läuft gerne barfuß <b>#</b> hat drei Meerschweinchen namens Pippi, Annika und Tommy <b>#</b> ein Schleckermaul <b>#</b> hält regelmäßig sein FriendsBBQ ab <b>#</b> ein Naturbursche </div></div><div class="pattern"><div class="patternfarbe"><div class="diambox"><div class="diamboxin"><b>Persönlicher Lebensweg</b> Murphys <i>Harmoniesucht</i> ist keinesfalls angeboren. Vor der Scheidung seiner Eltern hat er genauso viel Unfug gemacht wie Porter, die nach der Scheidung anfängt, systematisch und vehement zu rebellieren — selbst gegen einen Haushalt, der ihr genau genommen nur wenig verbietet.<br />
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Murphy kennt das nur zur Genüge, dieses Austesten von Grenzen — in London macht er das ohne Unterlass, nur dass ihn sein engelshaft blondgelocktes Haar und sein zum Schmelzen schönes, schelmisches Grinsen stets vor Strafe schützt. Die plötzliche Trennung seiner Eltern trifft ihn jedoch unvorbereitet — denn zwischen den Eheleuten gibt es weder sichtbaren Zwist noch lauten Streit. Als sie sich trennen, trennen sie sich scheinbar einvernehmlich und als geschlossene Front. Ihre Begründung ist, dass sie sich nicht mehr auf die gleiche Weise lieben wie früher und getrennte Wege gehen wollen.<br />
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Für einen knapp Zehnjährigen ist dies keine nachvollziehbare Erklärung, aber dagegen argumentieren kann er auch nicht. Er wird jedoch aufmerksamer, in sich gekehrter, und macht sich regelrecht manisch auf die Suche nach möglichen Anzeichen für Bruchstellen im Gefüge der eigenen Familie. Mit der Zeit erkennt er die unterschwelligen Spannungen, die er früher übersehen hat, und sie jagen ihm Angst ein. Er erkennt lange vor Porter, dass der erzwungene Frieden seiner Eltern eine Unmenge an Schmerz verschleiert, damit die Kinder davon nichts mitbekommen. Er glaubt lange Zeit, vielleicht sogar noch bis heute, dass der Grund für die Scheidung seiner Eltern er selbst ist — oder eher: sie Kinder sind es. Als sie nach der Scheidung zwei Jahre später mit dem Vater, der das alleinige Sorgerecht erhält, nach Manchester ziehen, bestätigt dies Murphy nur in seinen Annahmen.<br />
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Trotz oder vielleicht auch <i>wegen</i> der aufregenden Veränderungen innerhalb der Familie, die nach dem Umzug nach Manchester eintreten und für eine Menge Wirbel sorgen, tut Murphy sich in seinem ersten Jahr in der neuen Stadt schwer. Nicht nur ist ihm die Nachbarschaft in Oldham fremd und die neue Realität nicht unbedingt das, was er sich ausgemalt hat, sondern auch fremdeln die Gleichaltrigen mit ihm. Ein paar Tage lang werden seine Schwester und er als interessante Neuerung fieberhaft empfangen — aber der Glanz des Neuen nutzt sich rasend schnell ab. Erst denken die Kinder aufgrund ihres Akzents, sie wären wohl mit dem Silberlöffel im Mund geboren worden, nur um sie als <i>asozial</i> und als <i> Freaks</i> abzukarten, als sie in der Nachbarschaft bekannter werden; vielleicht auch, nachdem sein Vater das erste Mal mit seinen Marionetten beim Puppenspiel auftritt. Ihr Zuhause wird als Flohzirkus bezeichnet, ihre lasche Erziehung als Störfaktor, die ungekämmten Haare als offene Beleidigung und Zeichen der Vernachlässigung — sie müssen erst mal in die Nachbarschaft reinwachsen, und das dauert. Klar, als sein Vater Maryam heiratet, werden sie zumindest von deren Verwandtschaft geduldet, aber bei manchen werden sie wohl immer anecken, fallen grundlegend aus dem Raster, sprengen das System.<br />
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Murphy ist das irgendwie schon gewöhnt, aber in der ersten Zeit kostet es ihn dennoch Kraft, denn er will Frieden und Freunde und Zuneigung, genau wie alle anderen auch haben. In der Schule ist er trotz seiner Bemühungen eine Weile das liebste Opfer für gemeine Streiche — bis er sich erst mit Yasemin und über Yasemin mit Sydney anfreundet. Die beiden sind selbst Randgestalten, wenn auch aus anderen Gründen als er. Yasemin ist eine notorische Lügnerin (oder, wie sie je nach Laune behaupten würde: “Das war alles nur ein Sozialexperiment” oder “Ich befand mich in der ersten Phase der Entwicklung zu der Bühnenschauspielerin, die ich jetzt bin.”) und Sydney liebt es, zu diskutieren — er gibt immer erst dann auf, wenn er entweder als klarer Sieger hervorgeht oder eine köstliche Prügelei ausbricht.<br />
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Plötzlich machen sie gefühlt alles zu dritt, wie als wären sie an den Gliedmaßen miteinander verschweißt. Nie wird Murphy wieder so eine herrliche Zeit erleben wie seine Schulzeit, denn um seine Noten macht er sich wenige Gedanken und sein ganzes Leben scheint lang und genüsslich vor ihm zu liegen, so voller ausschöpfbarer Möglichkeiten! Sowohl Yasemin als auch Sydney leben in gänzlich anderen Welten als er, aber davon will er nicht wirklich etwas wahrhaben. Beide verschleppt er regelmäßig an den Tisch der Bronsons, schleust sie in alle möglichen Familienaktivitäten und -feierlichkeiten ein. Sein erster Kuss ist mit Yasemin, aber das hält er vor Sydney geheim — warum, versteht er damals auch nicht wirklich, außer dass er Angst vor möglichen Eifersüchteleien hat oder davor, dass ihre Freundschaft auseinanderbrechen könnte.<br />
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Diese massive Angst entpuppt sich erst nach ihrem Schulabschluss als berechtigt. Bereits auf dem Roadtrip nach Barcelona, den sie lang geplant und endlich in die Tat umgesetzt haben, krieselt es zwischen den dreien — es liegt etwas in der Luft, das verdächtig nach Gewitter schmeckt und von dem Murphy keine Ahnung hat, woher es kommt. Er versteht nicht, was plötzlich mit seinen besten Freunden los ist; für ihn fühlt es sich an, wie als würden sie etwas aushecken. Wie als würden sie planen, ihn einfach irgendwo auszusetzen und ohne ihn weiter zu fahren. Was sie natürlich nicht machen — viel schlimmer als das, scheinen sich Sydney und Yasemin einander anzunähern, selbst wenn Murphy das erst viel später begreift. Genau genommen <i>Jahre später erst</i>.<br />
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Jahre, in denen er herumeiert und nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll. Zu viele Möglichkeiten stehen ihm offen, und keine davon schreit, dass er sich ihr voll und ganz widmen soll. Er ist ein <i>Jack of all trades, but master of none</i> wie er im Buche steht. Für eine Weile hält er es für eine gute Idee, wie sein Vater Geigenbauer zu werden, dann wiederum überlegt er, <i>irgendwas mit Musik</i> zu machen, aber letzten Endes fängt er nur viel an und bringt nie irgendetwas zu Ende. Auch in seinen Beziehungen geht es chaotisch zu — sie sind kurzweilig, hochintensiv und dann plötzlich todeslangweilig; beim kleinsten Problem türmt er lieber, stürzt sich in die nächste <i>neue große Liebe</i>. Und während alledem ist da noch die schwierige, komplexe Freundschaft zu Sydney und Yasemin.<br />
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Irgendwie halten sie zusammen, auch wenn es mit der Zeit immer schwieriger und komplizierter wird. Selbst während der Jahre, die Yasemin Schauspiel in London studiert, strengen sie sich an und sehen einander regelmäßig. Murphy ist in ihrer Freundschaft so bemüht, wie als würde sein Leben davon abhängen. Am besten verstehen sie sich, wenn sie zu dritt sind — sind sie jedoch nur zu zweit, verschwimmen die Grenzen: dies gilt nicht nur für Murphy und Sydney, sondern auch für Sydney und Yasemin. Das wird Murphy selbst aber erst klar, als Yasemin 2014 zurück nach Manchester zieht und Knall auf Fall in einer Beziehung mit Sydney landet. Murphy scheint der Einzige in ihrem Umfeld zu sein, der das nicht hat kommen sehen. Und er reagiert … verdammt schlecht darauf. Um nicht zu sagen, dass er sich wahrhaftig zu reagieren weigert, einfach seine sieben Sachen packt und Manchester verlässt, um “sich selbst zu finden”. Niemals würde er offen zugeben, dass er die Vorstellung von Sydney und Yasemin zusammen einfach nicht erträgt, dass er sich ausgeschlossen und an der Nase herumgeführt fühlt, dass er seine besten Freunde damit glaubt verloren zu haben und zugleich nicht nur gekränktes Ego, sondern auch ein gebrochenes Herz davonträgt.<br />
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Nein, er befindet sich nur auf einem Selbstfindungstrip quer durch Europa. Er hält sich auf seinen Reisen durch (vornehmlich Süd-)Europa mit Jobs in der Gastronomie über Wasser. Er arbeitet als Gemüselieferant, als Tellerwäscher, als (verflucht schlechter) Kellner, noch schlechterer Barkeeper und irgendwann als Praktikant in der Küche, der kaum was verdient aber sich zig Verbrennungen zuzieht, und schließlich als Hilfskoch. In die Lehre geht er nirgends, denn er bleibt nie sonderlich lang. Murphy hat noch immer nicht dazugelernt, er nimmt weiterhin reißaus, sobald es zu heiß unter seinen Sohlen oder seinem Hintern wird. Dabei entwickelt er auf seiner kuriosen Reise nicht nur ein schreckliches Heimweh, das ihm die Nächte raubt, sondern verliebt sich auch in die Welt des Essens — er liebt den Stress in der Küche, die klare Hierarchie und das grobschnäuzige Miteinander; er liebt es, dass in der Küche niemand Privatsphäre hat und alle alles miteinander teilen. Er lernt die harte Arbeit zu lieben, obwohl er zuvor nie ein harter Arbeiter gewesen ist, sondern ein Schlemmer, ein Genießer, einer der sich einen Sonnenbrand holt, weil er voller Wonne am Strand einschläft, und der selbst den letzten Bus verpasst und nach Hause laufen muss, weil er zu viel beim Laufen zur Haltestelle geträumt hat.<br />
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Seine Reisen finden jedoch ein abruptes Ende, als Yasemin mit Lupus diagnostiziert wird. Ihre jahrelange Leidensgeschichte hat er, der durch Europa getingelt ist, nicht mitbekommen — auch wenn sie hin und wieder in Kontakt gestanden haben. Auch nachdem Murphy erfahren hat, dass Sydney und Yasemin schon nach wenigen Monaten Beziehung wieder getrennte Wege gegangen sind, ist er nicht nach Manchester zurückgekehrt. Fast zwei Jahre mussten ins Land ziehen, und dann ist es doch erst die Diagnose Yasemins, die ihn wieder dauerhaft nach Hause lockt. Er zieht erst zu seinen Eltern nach Oldham, doch dann quartiert er sich bei Yasemin in China Town ein, um ihr eine Hilfe während der Zeit sein zu können, die sie quasi tagtäglich im Krankenhaus verbringt, auf Medikamente eingestellt wird und ihr Leben zu leben versucht.<br />
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Sonderlich beliebt macht er sich damit vor allem nicht bei Sydney, der ihm, vermutlich mehr noch als Yasemin, sein Abhauen übel nimmt. Dass Murphy sich schuldig fühlt und Besserung gelobt, führt leider zu nichts, eher zu nur noch mehr Streit, dem Murphy diesmal aber nicht aus dem Weg zu gehen versucht. Zum ersten Mal in seinem Leben scheint er das Rückgrat gefunden zu haben, zu bleiben — selbst, wenn Sydney ihn nicht haben will und selbst Yasemin ihn manchmal beäugt, wie als würde sie jeden Augenblick erwarten, dass er wieder die Beine in die Hand nimmt und verschwindet. Stattdessen fängt Murphy eine Ausbildung in der Gastronomie an. Er will Koch werden, auch wenn er gnadenlos unterschätzt, wie viel Zeit und Kraft die Küche auffrisst, und selbst wenn er tierische Angst hat, auch das noch zu vermasseln.<br />
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</div></div></div></div><div class="diamfacts"><fact>murphy bronson</fact> <fact>27 years</fact> <fact>chef apprentice</fact> <fact2>mike faist,</fact2><fact2>chuls</fact2></div></div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[and like a deer in the headlights, I meet my fate]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2676</link>
			<pubDate>Sat, 06 Jun 2026 20:20:31 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=568">Lucas Ramsay</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2676</guid>
			<description><![CDATA[Ein Tag wie jeder andere. Über Manchester hing seit vier Tagen schon wieder die gleiche graue Suppe wie immer. Mit Regen hatte er kein Problem, war ja nicht so, als hätte es den weiter Norden nicht gegeben, aber dieser latente Nieselregen ging ihm so dermaßen auf den Piss, dass es nicht mal die drückende Luft brauchte, um ihm Kopfschmerzen zu bereiten. Zwei-drei Tropfen, dann verzog sich der drohende Schauer auch wieder, als hätten ihm seine Sinne einen Streich gespielt. Jetzt hockte er in der Karre und konnte ohne Scheibenwischer nichts sehen, aber für den Scheibenwischer war auch zu wenig los, man wollte ihn aktiv verarschen. <br />
Ungeduldig trommelte Luke mit den Fingern aufs Lenkrad und starrte die rote Ampel an. Die letzte Phase hätte er gepackt, wär die Tusse vor ihm nicht drei Sekunden lang panisch in den Ring mit Kupplung und Gangschaltung gestiegen und hätte den Wagen beim Anfahren gleich zweimal abgewürgt. Musste man auch erstmal schaffen. Die Leistung hatte er natürlich umgehend mit einem beherzten Hupen quittiert (sozusagen Applaus). Jetzt hockte er hier weitere 90 Sekunden an der gnadenlosesten Ampel, als wär Manchester nicht ohnehin die langsamste Stadt jemals. 30 Minuten für nicht mal drei Meilen, weil irgendein Affe im City Council beschlossen hatte, die halbe Stadt gleichzeitig aufzureißen. Luke warf seine Wasserflasche auf den Beifahrersitz und hupte als freundliche Erinnerung schon als die Ampel noch auf Orange stand. Na ging doch.<br />
<br />
Wie üblich stellte Luke den Dienstwagen dort ab, wo er eigentlich nicht stehen durfte, weil sich die Zettelritter erstmal trauen mussten, einem Polizeiauto ein Knöllchen zu verpassen (fand er). Würde bestimmt auch nicht lange brauchen, hoffte er insgeheim und sahs gleichzeitig nicht ein, so lange im Stau gestanden zu haben, nur um einem Pfaffen drei Fragen zu stellen. Da sprach er ja persönlich sogar lieber mit Junkies und Oldham'schen Straßenproleten — die waren wenigstens ehrlich in ihrer Sprache. Ne, hier hatte keiner eine komische Beziehung zum katholischen Glauben, aber da leistete ihm der Pater sicher liebend gerne Seelsorge (ha-ha).<br />
Luke kniff die Augen zusammen und sah einen Moment an der Kirchenfassade hoch, bevor er zur Tür des Pfarrhaus schlurfte und dort klingelte. Die Beichtzeiten hatte er knapp verpasst, was ein Jammer, seine Seele würde ewig verdammen (oh nein).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ein Tag wie jeder andere. Über Manchester hing seit vier Tagen schon wieder die gleiche graue Suppe wie immer. Mit Regen hatte er kein Problem, war ja nicht so, als hätte es den weiter Norden nicht gegeben, aber dieser latente Nieselregen ging ihm so dermaßen auf den Piss, dass es nicht mal die drückende Luft brauchte, um ihm Kopfschmerzen zu bereiten. Zwei-drei Tropfen, dann verzog sich der drohende Schauer auch wieder, als hätten ihm seine Sinne einen Streich gespielt. Jetzt hockte er in der Karre und konnte ohne Scheibenwischer nichts sehen, aber für den Scheibenwischer war auch zu wenig los, man wollte ihn aktiv verarschen. <br />
Ungeduldig trommelte Luke mit den Fingern aufs Lenkrad und starrte die rote Ampel an. Die letzte Phase hätte er gepackt, wär die Tusse vor ihm nicht drei Sekunden lang panisch in den Ring mit Kupplung und Gangschaltung gestiegen und hätte den Wagen beim Anfahren gleich zweimal abgewürgt. Musste man auch erstmal schaffen. Die Leistung hatte er natürlich umgehend mit einem beherzten Hupen quittiert (sozusagen Applaus). Jetzt hockte er hier weitere 90 Sekunden an der gnadenlosesten Ampel, als wär Manchester nicht ohnehin die langsamste Stadt jemals. 30 Minuten für nicht mal drei Meilen, weil irgendein Affe im City Council beschlossen hatte, die halbe Stadt gleichzeitig aufzureißen. Luke warf seine Wasserflasche auf den Beifahrersitz und hupte als freundliche Erinnerung schon als die Ampel noch auf Orange stand. Na ging doch.<br />
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Wie üblich stellte Luke den Dienstwagen dort ab, wo er eigentlich nicht stehen durfte, weil sich die Zettelritter erstmal trauen mussten, einem Polizeiauto ein Knöllchen zu verpassen (fand er). Würde bestimmt auch nicht lange brauchen, hoffte er insgeheim und sahs gleichzeitig nicht ein, so lange im Stau gestanden zu haben, nur um einem Pfaffen drei Fragen zu stellen. Da sprach er ja persönlich sogar lieber mit Junkies und Oldham'schen Straßenproleten — die waren wenigstens ehrlich in ihrer Sprache. Ne, hier hatte keiner eine komische Beziehung zum katholischen Glauben, aber da leistete ihm der Pater sicher liebend gerne Seelsorge (ha-ha).<br />
Luke kniff die Augen zusammen und sah einen Moment an der Kirchenfassade hoch, bevor er zur Tür des Pfarrhaus schlurfte und dort klingelte. Die Beichtzeiten hatte er knapp verpasst, was ein Jammer, seine Seele würde ewig verdammen (oh nein).]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[oh my God I just keep accidentally smoking another cigarette]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2673</link>
			<pubDate>Fri, 29 May 2026 22:02:35 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=541">Sookie Moon</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2673</guid>
			<description><![CDATA[<i>Was ein Tag</i> — dachte sich Sookie so ziemlich am Ende von jedem Arbeitstag, weil das so ein schönes Argument für Substanzmissbrauch war. Nein, Spaß, so ein kleines Gläschen Gin, ein spärlich-schmaler Joint, das ließ sich alles unter <i>Selbstfürsorge</i> verbuchen. Außerdem sollte sie erstmal die Kippen aus ihrem Leben streichen, bevor sie in den Kampf mit allem darüber hinaus ging (und da das nun wirklich absolut überhaupt gar nicht auf ihrer To-Do-Liste stand, konnte sie sich den Rest eigentlich auch direkt wieder sparen, hach schön, so einfach wars!).<br />
<br />
Apropos <i>Kippe</i>, es wäre ein wirklich trostloser Arbeitstag ohne den obligatorischen Abstecher zu ihrem liebsten Raucherpausen-Kumpanen. Sookie stopfte ihr Skript irgendwo zwischen Löffel und Notizblock in den Rucksack und schlenderte mit diesem ruhigen Kribbeln in der Magengegend Richtung Werkstatt. Vielleicht war er auch schon gegangen, hach bitte nicht. Glück gehabt: Da stand er, wie immer, zwischen Kabeln, Werkzeug und Holzpanelen, die ihr schon beim anschauen Splitter in die armen Fingerchen drückten. Ein winziges Grinsen huschte über ihre Lippen und Sookie richtete zur Kontrolle nochmal ihre Haare. Mit einer Selbstverständlichkeit lehnte sie sich gegen den Kleiderschrank aus <i>Hedda Gabler</i>, der die letzten Proben nicht unbeschadet überstanden hatte und jetzt leicht schief im Raum stand (wenn er auseinanderbrach musste er leider einen Hechtsprung nach vorne machen und sie (romantisch) auffangen!!). <b>"<i>'Sich anziehen'</i>, spanisch, acht Buchstaben"</b>, warf sie einen der fehlenden Hinweise des heutigen Kreuzworträtsels in den Raum, ohne ihren work husband (oder sollte sie sagen: <i>marido del trabajo</i>) zu begrüßen. <b>"Irgendwas mit -irse?"</b>, wusste sie  wenigstens und hoffte ja echt jedes Mal, mit ihrem minimalen Spanisch irgendwie Anerkennung bei ihm zu schinden. <br />
<br />
Sookie schob den Rucksack von ihren Schultern und ließ ihn gegen die Werkbank sinken, bevor sie sich auf die Kante hievte. Erst schlug sie die Beine elegant übereinander, ließ sie im nächsten Moment aber wieder sinken und mit dezenter Anstrengung über die Kante schweben. Ließ die Beine dünner aussehen, wusste jedes Teenagermädchen und merkte es sich bis ans Ende ihrer verdammten Tage. Total dumm, sollte wirklich das unwichtigste auf der ganzen Welt sein, ja ja ja, sie wusste es selbst — aber <i>irrrgg</i>, er sollte sie ja schließlich nur in ihrer besten Version sehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Was ein Tag</i> — dachte sich Sookie so ziemlich am Ende von jedem Arbeitstag, weil das so ein schönes Argument für Substanzmissbrauch war. Nein, Spaß, so ein kleines Gläschen Gin, ein spärlich-schmaler Joint, das ließ sich alles unter <i>Selbstfürsorge</i> verbuchen. Außerdem sollte sie erstmal die Kippen aus ihrem Leben streichen, bevor sie in den Kampf mit allem darüber hinaus ging (und da das nun wirklich absolut überhaupt gar nicht auf ihrer To-Do-Liste stand, konnte sie sich den Rest eigentlich auch direkt wieder sparen, hach schön, so einfach wars!).<br />
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Apropos <i>Kippe</i>, es wäre ein wirklich trostloser Arbeitstag ohne den obligatorischen Abstecher zu ihrem liebsten Raucherpausen-Kumpanen. Sookie stopfte ihr Skript irgendwo zwischen Löffel und Notizblock in den Rucksack und schlenderte mit diesem ruhigen Kribbeln in der Magengegend Richtung Werkstatt. Vielleicht war er auch schon gegangen, hach bitte nicht. Glück gehabt: Da stand er, wie immer, zwischen Kabeln, Werkzeug und Holzpanelen, die ihr schon beim anschauen Splitter in die armen Fingerchen drückten. Ein winziges Grinsen huschte über ihre Lippen und Sookie richtete zur Kontrolle nochmal ihre Haare. Mit einer Selbstverständlichkeit lehnte sie sich gegen den Kleiderschrank aus <i>Hedda Gabler</i>, der die letzten Proben nicht unbeschadet überstanden hatte und jetzt leicht schief im Raum stand (wenn er auseinanderbrach musste er leider einen Hechtsprung nach vorne machen und sie (romantisch) auffangen!!). <b>"<i>'Sich anziehen'</i>, spanisch, acht Buchstaben"</b>, warf sie einen der fehlenden Hinweise des heutigen Kreuzworträtsels in den Raum, ohne ihren work husband (oder sollte sie sagen: <i>marido del trabajo</i>) zu begrüßen. <b>"Irgendwas mit -irse?"</b>, wusste sie  wenigstens und hoffte ja echt jedes Mal, mit ihrem minimalen Spanisch irgendwie Anerkennung bei ihm zu schinden. <br />
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Sookie schob den Rucksack von ihren Schultern und ließ ihn gegen die Werkbank sinken, bevor sie sich auf die Kante hievte. Erst schlug sie die Beine elegant übereinander, ließ sie im nächsten Moment aber wieder sinken und mit dezenter Anstrengung über die Kante schweben. Ließ die Beine dünner aussehen, wusste jedes Teenagermädchen und merkte es sich bis ans Ende ihrer verdammten Tage. Total dumm, sollte wirklich das unwichtigste auf der ganzen Welt sein, ja ja ja, sie wusste es selbst — aber <i>irrrgg</i>, er sollte sie ja schließlich nur in ihrer besten Version sehen.]]></content:encoded>
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