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		<title><![CDATA[Lost the plot - S-T-U]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Fri, 01 May 2026 23:40:08 +0000</pubDate>
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			<title><![CDATA[Selva Hamadi-Marsh]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2634</link>
			<pubDate>Sun, 11 Jan 2026 13:29:47 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=560">Selva Hamadi-Marsh</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<style>.nightingale-wrapper{--nightingale-bg:url("https://i.imgur.com/9YCZM05.png");--nightingale-text:#3d2b1f;width:100%;padding-top:10px;background:0 0}.nightingale-wrapper,.nightingale-wrapper *{box-sizing:border-box}.nightingale-container{width:600px;margin:0 auto;background-image:var(--nightingale-bg);background-position:52% center;padding:5px 40px 60px;text-align:center;font-family:Literata,serif;color:var(--nightingale-text);position:relative}.nightingale-twig{position:absolute;top:0px;left:50%;transform:translateX(-50%) rotate(180deg);width:260px;pointer-events:none}.nightingale-title{font-family:Hermes,serif;font-size:68px;margin-top:30px;margin-bottom:10px;color:var(--nightingale-text)}.nightingale-subtitle{font-size:15px;font-style:italic;margin-bottom:2px;color:var(--nightingale-text)}.nightingale-caption{font-size:10px;letter-spacing:1px;text-transform:uppercase;color:var(--nightingale-text)}.nightingale-divider{display:flex;flex-direction:column;align-items:center;margin-top:255px;margin-bottom:10px;position:relative}.nightingale-line{width:1px;height:120px;background-color:#4a3b2a}.nightingale-icon-wrapper{position:relative;width:100%;max-width:600px;margin-top:10px;height:100px;display:flex;justify-content:center;align-items:center}.nightingale-icon{width:80px;height:80px;border-radius:50%;outline:1px solid #4a3b2a;outline-offset:10px;overflow:hidden;display:flex;justify-content:center;align-items:center;background-color:#fff;box-sizing:border-box;z-index:1}.nightingale-icon img{width:100%;height:100%;object-fit:cover;filter:grayscale(100%);border-radius:50%}.nightingale-icon-text{position:absolute;top:50%;transform:translateY(-50%);font-family:Literata,serif;font-size:12px;color:#4a3b2a;text-align:center;line-height:1.4;max-width:170px;width:170px}.nightingale-icon-text.left{left:calc(40% - 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klassisches Familienleben: zwei Eltern, die immer nur das Beste für ihre Kinder wollten, einen drei Jahre jüngeren Bruder und die üblichen Streitigkeiten. Deine Mutter Elli hat dir ihre Liebe für Literatur & Kunst mitgegeben, wie es sich für eine Englisch-Lehrerin auch gehört. Dein Vater Nabil hat zwar die muslimische Kultur an dich weitergeben, aber sein Sinn für Sicherheit und Beständigkeit ist an dir verloren gegangen. War sicher nicht immer einfach für ihn - hat sich als tunesischer Einwanderer in der UK sicher oft beweisen müssen: als Bürger, als Mitmensch, als IT-Spezialist. Hatte auch an dich hohe Erwartungen, aber naja - du hattest halt andere Leidenschaften; Träume, die das Wort 'zukunftssicher' ganz sicher nicht kannten.  Dafür gibts ja noch deinen Bruder Karim, der ganz brav Medizin studiert hat und deinen Vater (ok, ok - und dich auch, gibs zu) stolz macht. Für dich gab's schon als Kind nur eins: die Bühne. Hast mit tanzen angefangen - ganz klassisch Ballett für einige Jahre, dann dazu noch contemporary dance. Und dann hast du an der Schule die Schauspiel-AG entdeckt und dein Herz hat sofort höher geschlagen. Genau dein Ding. Stillsitzen und einfach nur zugucken oder zuhören war noch nie deins gewesen, du musstest selber aktiv sein. Deinen tausenden Gedanken und wirren Gefühlen irgendwie Ausdruck verleihen - gerne auch mit geborgten Worten. Warst schon damals manchmal etwas too much, etwas anstrengend. Dabei ging's dir noch nie um Aufmerksamkeit sondern um die Kunst. Deine Mom hat's immer unterstützt und dein Vater ... tja, der hat irgendwann aufgegeben, dir von Büro-Jobs und 10-Jahres-Plänen zu erzählen. Nimmt dich, so wie du bist. Zum Glück. Bist niemand, der sich für andere verdreht aber die Meinung deiner Eltern ist dir schon wichtig. <br />
<br />
<span class=dropcap>K</span>aum hast du deinen Abschluss in der Tasche, lässt du Brighton hinter dir. Nicht, weil's dir da nicht gefällt - aber gibt so viel Welt da draußen, davon musst du was sehen. Gehst nach London, wo du schon vorher für ein paar Wettbewerbe und Auftritte warst - studierst Schauspiel an der RADA und findest darin den Sinn deines Lebens. Ist nicht immer einfach, auf keinen Fall. Im Gegenteil. Ist 'ne Knochen-Arbeit, stehst nicht selten kurz vorm totalen Zusammenbruch. Lernst Texte um Texte; trainierst deinen Körper, deine Stimme, deine Ausstrahlung. Überlegst nicht nur einmal, doch alles hinzuschmeißen und Buchhalterin zu werden oder etwas ähnlich langweiliges, aber bringst es nie übers Herz und das ist auch gut so. Hast unglaublich viel Glück, dass deine Familie dich so unterstützt, das weißt du. Wohnst trotzdem in ner crappy WG, hast immer nen dummen Nebenjob und deine Beziehungen scheitern irgendwie auch immer schneller, als dir lieb ist. Bist ihnen immer zu dramatisch oder zu leidenschaftlich, zu verträumt und nicht realistisch genug. Deren Problem, sagst du dir und machst weiter dein Ding. Ist schließlich dein Leben. Kommt dir jemand blöd, zeigst du den Mittelfinger und drehst dich um. Hast eh wenig Zeit für Liebe (ein weiteres Argument von nicht nur einem Ex, egal) - verbringst den Großteil deiner Zeit auf der Bühne. Auch nach dem Studium oder gerade dann - kämpfst dich mit jeder möglichen Anstellung an jedem noch so kleinen Theater oder Schauspielhaus durch. Theaterstücke, Balletts, Musicals; egal was, Hauptsache bezahlt. Na gut, ganz so schlimm ist es nicht und du hast doch Standards - lässt dich nicht in irgendwelche Klischee-Rollen stecken und einmal landest du mitten in einer Macbeth-Inszenierung, die so schlimm war, das du noch heute kotzen könntest - da hast du definitiv nicht mitgemacht. Aber im Grunde ist die WG und das kleine Zimmer und das feuchte Bad auch voll egal, weil du eh kaum da bist. Lange bleibst du auch nicht in London, ziehst nach deinem Abschluss mit jeder Spielzeit in einen anderen Ort - aus Ensemble-Rollen wird schnell Ophelia in Leeds, Giselle in Birmingham und Eponine in Edinburgh. </div><div class=nightingale-scroll-icon-section><div class=scroll-icon-wrapper><div class="left scroll-icon-text"><div>we're not<br>tragic, baby</div></div><div class=scroll-icon><img src=https://i.ibb.co/Hpdb12gp/selva-steckbrief2.gif alt=Icon></div><div class="right scroll-icon-text"><div>just bad<br>at happy</div></div></div></div><div class=nightingale-content><span class=dropcap>M</span>anchester ändert alles. Ok, nicht alles - bist immer noch du: Freigeist, eigenwillig, vorlaut. Hast auch eigentlich nicht vor, länger als die eine Spielzeit zu bleiben und denkst, du machst weiter wie bisher. Pustekuchen. Eine Schauspiel-Kollegin, mit der du dich schnell befreundest, zerrt dich eines Abends mit zu einem Double-Date, weil sie sich nicht allein mit dem Anwalt treffen wollte, der sie schon seit Wochen um ein Date bittet und dann irgendwie auf die schräge Idee kam, daraus ein blind double date zu machen. Ok, denkst du dir. Spielst du halt die Anstandsdame, so schlimm kann's ja nicht werden, den Abend mit zwei sicher stink-langweiligen & überheblichen Anwälten zu verbringen. Ehrlich, ihr Date hättest du nicht geschenkt haben wollen (und sie scheinbar auch nicht) - aber deins? Shit, Andrew dreht dir direkt den Kopf um. Glaubst nicht an Liebe auf den ersten Blick. Damals nicht und heute erst recht nicht. Aber habt euch direkt gut verstanden, habt den ganzen Abend über Theater und Kunst diskutiert, über verschiedene Shakespeare-Interpretationen, über Musik und dabei ganz vergessen, dass ihr nicht zu zweit da sitzt. Habt euch immer öfter getroffen und irgendwie warst du nicht so überrascht, wie du's hättest sein sollen, als Andrew dir nach drei - ja drei!! - Monaten 'nen Antrag machst. Du lachst und sagst nein, weil's lächerlich ist. Drei Monate später fragt er noch mal und du sagst ja. Ist vollkommen verrückt und doch denkst du, perfekter könnt's nicht sein. <br />
 <br />
<span class=dropcap>E</span>he war für dich zwar nie das große Thema, weil du viel zu sehr an deiner Freiheit hängst, an deinen Träumen - und doch hast du wohl wie jedes Mädchen von geträumt, wie wohl mal deine Hochzeit aussehen wird. Musst sagen, Andrew hat deine Erwartungen übertroffen. Gentleman hoch 20, gut aussehend, gebildet, gepflegt. Vor allem aber findet er deine Träume nicht lächerlich sondern steht voll hinter dir. Teilt deine Leidenschaften und deutet nicht einmal an, dass sein Job wichtiger wäre, als deiner. Hast dich noch nie in einer Beziehung so gesehen, so verstanden, so unterstützt gefühlt - darfst bei ihm sein, wer du bist und er liebt dich dafür. Jackpot, Happy End. - Halt, Stop. Happy wars dann doch nicht so lange, wie du dachtest. Hast immer drüber weg gesehen, dass es im Bett weniger gut geklappt hat, wie überall sonst - das er Kinder wollte und du nicht. Nicht jetzt, hast du immer gesagt. Auch dann, als du plötzlich schwanger warst; am Anfang einer Spielzeit. Kannst Julia nicht spielen und schwanger sein, hast du gesagt. In ein paar Jahren vielleicht, und hast ihn vor vollendete Tatsachen gesetzt. Ja, ist dein Körper aber war trotzdem hart für ihn, weißt du. Vielleicht war das der Anfang vom Ende, denkst du damals. Oder war's doch das Haus? So leblos, so einsam - habt immer weniger Zeit miteinander verbracht. Ja, ihr seid beide Workaholics, wart ihr schon immer. Ist ein Ding. Auf der Couch im Arbeitszimmer schlafen ist nen anderes Ding. Hast ein schlechtes Gewissen, als du nach Monaten voll Einsamkeit und fehlender Intimität mit dem Romeo-Darsteller im Bett landest (und hasst das Klischee, aber hey, immerhin einer, der dir sanft die Hand auf die Wange legt; der dich küsst, der dich berührt - der dich anguckt und sieht und nicht so tut, als lebt ihr aneinander vorbei). Ist nicht die einzige Affäre, die du in den vier Jahren Ehe hast, nur die erste. Bist dir ziemlich sicher, dass Andrew davon weiß, weil du schon immer ne beschissene Lügnerin warst. Vielleicht legst du's hier und da auch mal drauf an, weil du denkst - hoffst - vielleicht wird er eifersüchtig und dann ändert sich alles. Aber nein. <br />
<br />
<span class=dropcap>S</span>chlussendlich musst du endlich die Augen aufmachen und dir eingestehen, dass du längst weißt, wo das Problem ist. Andrew steht nur nicht auf dich nicht, sondern generell nicht auf Fragen. Ist das Ende eurer Ehe, als du ihm sagst, dass dus weißt und du es nicht mehr aushältst. Fühlst dich betrogen und belogen, hintergangen und ausgenutzt. Ja, du hast ihn auch betrogen. Aber du hast ihn nicht vier Jahre als Alibi missbraucht, hast ihm nicht alles vorgemacht nur um dich nicht outen zu müssen. Machst keinen Hehl darum, dass du pan bist - dachtest, ihr wärt ehrlich miteinander, aber scheinbar war alles ne große Lüge und du nur dumm genug, drauf reinzufallen. Ziehst aus, reichst die Scheidung ein und eigentlich willst du nur weg, weg, weg - weil es verdammt weh tut, dass dich alles in Manchester an Andrew erinnert, wenn er gerade dein Herz mit Füßen getreten hat (und ein Teil von dir kann's verstehen, ein Teil von dir tuts leid, dass er das Gefühl hat, nicht er selbst sein zu dürfen) - aber hast erst vor kurzem die Leitung der Dramaturgie am Theater übernommen und gehen kommt für dich nicht in Frage. Kannst nicht deine Karriere aufs Spiel setzen, nur weil Andrew ein Arsch ist. <br />
<br />
<span class=dropcap>A</span>lso bleibst du. Schmeißt dich zu 100% in deine Arbeit. Bist lange lange nicht gut auf Andrew zu sprechen und bist konstant genervt, dass ihr in ähnlichen Kreisen verkehrt und euch viel zu oft in der nicht gerade kleinen Stadt Manchester über den Weg lauft. Zugegeben legst du's manchmal drauf an. Um zu sticheln, um dich in sein Leben einzumischen, um ihn zu ärgern. Weil's einfach scheiße war von ihm, dich zu benutzen. Weil du ihn auch geheiratet hättest, wenn er ehrlich gewesen wäre - weil du ihn liebst, und platonisch auch gereicht hätte. Vielleicht bist du deshalb so lange so wütend und steckst gern deine Nase in seine Angelegenheiten, oft auf passiv-aggressive Art. Die Zeit stimmt dich milder. Zeit und seine Versuche, es wieder gut zu machen. Wenn du ganz ehrlich bist, wär's heute nicht mehr so schlimm, wenn eure Ehe nicht noch immer deine längste Beziehung wär. Ist deine Schuld, weißt du auch - weil dein Fokus immer auf dem Theater liegt, auf der Kunst, dem Schauspiel. Weil du dich nicht noch mal verarschen lassen willst und es dann lieber erst nicht versuchst, weil du provozierst und dich auf keinen Fall für irgendjemanden verändern willst. Unterm Strich bist du mit dir selbst glücklich und mit deinem Leben auch; kannst nämlich gut ignorieren, dass da was fehlt, weil du dich voll und ganz auf deinen neuen Job als Intendantin am Theater konzentrierst und voll darin aufgehst, nun endlich künstlerisch den Ton anzugeben. <br />
</div><div class=nightingale-icon-wrapper><div class="left nightingale-icon-text">GESCHIEDEN<br>PANSEXUELL</div><div class=nightingale-icon><img src=https://i.ibb.co/B5knp2GX/selva-steckbrief1.gif alt=Icon></div><div class="nightingale-icon-text right">NORTHERN QUARTER<br>PIZZA TONNO</div></div><div class=nightingale-content> » isst Oliven direkt aus dem Glas | » schläft selten vor 2 Uhr | » trägt oft schwarze o. zumindest dunkle Kleidung | » und immer den gleichen Cateye-Lidstrich | » vergisst ihre Wäsche gern in der Waschmaschine o. tagelang auf dem Ständer | » geht nie ohne Kopfschmerztabletten aus dem Haus | » hasst weiße Wände, weiße Möbel, ... | » spricht ein wenig arabisch und ganz gut französisch | » isst Pizza-Reste vom Vortag morgens kalt zum Frühstück | » war aber eigentlich jahrelang fast immer auf Diät | » hat immer mindestens einen Haargummi am Handgelenk | » läuft zuhause immer barfuß | » besitzt kein Auto, fährt meist Bus und Bahn oder läuft | » hat alle Shakespeare-Werke mindestens 10 mal gelesen | » trinkt selten, aber wenn trockenen Rotwein | » schreibt selten Einkaufslisten und vergisst diese dann eh zuhause | » mag keine Smoothies | » hat ne ganze Kiste voller Programmhefte und Eintrittskarten | » hasst Voicemails, ruft aber auch niemanden zurück | » lässt Bücher aufgeschlagen liegen statt Lesezeichen zu nutzen | » hasst Rollkragenpullover und würde nie einen tragen.   </div></div><div class=nightingale-footer-bar><div class=footer-item>#emberlexx</div><div class=footer-item>FC: SOFIA BOUTELLA</div><div class=footer-item>ALEX</div></div></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<style>.nightingale-wrapper{--nightingale-bg:url("https://i.imgur.com/9YCZM05.png");--nightingale-text:#3d2b1f;width:100%;padding-top:10px;background:0 0}.nightingale-wrapper,.nightingale-wrapper *{box-sizing:border-box}.nightingale-container{width:600px;margin:0 auto;background-image:var(--nightingale-bg);background-position:52% center;padding:5px 40px 60px;text-align:center;font-family:Literata,serif;color:var(--nightingale-text);position:relative}.nightingale-twig{position:absolute;top:0px;left:50%;transform:translateX(-50%) rotate(180deg);width:260px;pointer-events:none}.nightingale-title{font-family:Hermes,serif;font-size:68px;margin-top:30px;margin-bottom:10px;color:var(--nightingale-text)}.nightingale-subtitle{font-size:15px;font-style:italic;margin-bottom:2px;color:var(--nightingale-text)}.nightingale-caption{font-size:10px;letter-spacing:1px;text-transform:uppercase;color:var(--nightingale-text)}.nightingale-divider{display:flex;flex-direction:column;align-items:center;margin-top:255px;margin-bottom:10px;position:relative}.nightingale-line{width:1px;height:120px;background-color:#4a3b2a}.nightingale-icon-wrapper{position:relative;width:100%;max-width:600px;margin-top:10px;height:100px;display:flex;justify-content:center;align-items:center}.nightingale-icon{width:80px;height:80px;border-radius:50%;outline:1px solid #4a3b2a;outline-offset:10px;overflow:hidden;display:flex;justify-content:center;align-items:center;background-color:#fff;box-sizing:border-box;z-index:1}.nightingale-icon img{width:100%;height:100%;object-fit:cover;filter:grayscale(100%);border-radius:50%}.nightingale-icon-text{position:absolute;top:50%;transform:translateY(-50%);font-family:Literata,serif;font-size:12px;color:#4a3b2a;text-align:center;line-height:1.4;max-width:170px;width:170px}.nightingale-icon-text.left{left:calc(40% - 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klassisches Familienleben: zwei Eltern, die immer nur das Beste für ihre Kinder wollten, einen drei Jahre jüngeren Bruder und die üblichen Streitigkeiten. Deine Mutter Elli hat dir ihre Liebe für Literatur & Kunst mitgegeben, wie es sich für eine Englisch-Lehrerin auch gehört. Dein Vater Nabil hat zwar die muslimische Kultur an dich weitergeben, aber sein Sinn für Sicherheit und Beständigkeit ist an dir verloren gegangen. War sicher nicht immer einfach für ihn - hat sich als tunesischer Einwanderer in der UK sicher oft beweisen müssen: als Bürger, als Mitmensch, als IT-Spezialist. Hatte auch an dich hohe Erwartungen, aber naja - du hattest halt andere Leidenschaften; Träume, die das Wort 'zukunftssicher' ganz sicher nicht kannten.  Dafür gibts ja noch deinen Bruder Karim, der ganz brav Medizin studiert hat und deinen Vater (ok, ok - und dich auch, gibs zu) stolz macht. Für dich gab's schon als Kind nur eins: die Bühne. Hast mit tanzen angefangen - ganz klassisch Ballett für einige Jahre, dann dazu noch contemporary dance. Und dann hast du an der Schule die Schauspiel-AG entdeckt und dein Herz hat sofort höher geschlagen. Genau dein Ding. Stillsitzen und einfach nur zugucken oder zuhören war noch nie deins gewesen, du musstest selber aktiv sein. Deinen tausenden Gedanken und wirren Gefühlen irgendwie Ausdruck verleihen - gerne auch mit geborgten Worten. Warst schon damals manchmal etwas too much, etwas anstrengend. Dabei ging's dir noch nie um Aufmerksamkeit sondern um die Kunst. Deine Mom hat's immer unterstützt und dein Vater ... tja, der hat irgendwann aufgegeben, dir von Büro-Jobs und 10-Jahres-Plänen zu erzählen. Nimmt dich, so wie du bist. Zum Glück. Bist niemand, der sich für andere verdreht aber die Meinung deiner Eltern ist dir schon wichtig. <br />
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<span class=dropcap>K</span>aum hast du deinen Abschluss in der Tasche, lässt du Brighton hinter dir. Nicht, weil's dir da nicht gefällt - aber gibt so viel Welt da draußen, davon musst du was sehen. Gehst nach London, wo du schon vorher für ein paar Wettbewerbe und Auftritte warst - studierst Schauspiel an der RADA und findest darin den Sinn deines Lebens. Ist nicht immer einfach, auf keinen Fall. Im Gegenteil. Ist 'ne Knochen-Arbeit, stehst nicht selten kurz vorm totalen Zusammenbruch. Lernst Texte um Texte; trainierst deinen Körper, deine Stimme, deine Ausstrahlung. Überlegst nicht nur einmal, doch alles hinzuschmeißen und Buchhalterin zu werden oder etwas ähnlich langweiliges, aber bringst es nie übers Herz und das ist auch gut so. Hast unglaublich viel Glück, dass deine Familie dich so unterstützt, das weißt du. Wohnst trotzdem in ner crappy WG, hast immer nen dummen Nebenjob und deine Beziehungen scheitern irgendwie auch immer schneller, als dir lieb ist. Bist ihnen immer zu dramatisch oder zu leidenschaftlich, zu verträumt und nicht realistisch genug. Deren Problem, sagst du dir und machst weiter dein Ding. Ist schließlich dein Leben. Kommt dir jemand blöd, zeigst du den Mittelfinger und drehst dich um. Hast eh wenig Zeit für Liebe (ein weiteres Argument von nicht nur einem Ex, egal) - verbringst den Großteil deiner Zeit auf der Bühne. Auch nach dem Studium oder gerade dann - kämpfst dich mit jeder möglichen Anstellung an jedem noch so kleinen Theater oder Schauspielhaus durch. Theaterstücke, Balletts, Musicals; egal was, Hauptsache bezahlt. Na gut, ganz so schlimm ist es nicht und du hast doch Standards - lässt dich nicht in irgendwelche Klischee-Rollen stecken und einmal landest du mitten in einer Macbeth-Inszenierung, die so schlimm war, das du noch heute kotzen könntest - da hast du definitiv nicht mitgemacht. Aber im Grunde ist die WG und das kleine Zimmer und das feuchte Bad auch voll egal, weil du eh kaum da bist. Lange bleibst du auch nicht in London, ziehst nach deinem Abschluss mit jeder Spielzeit in einen anderen Ort - aus Ensemble-Rollen wird schnell Ophelia in Leeds, Giselle in Birmingham und Eponine in Edinburgh. </div><div class=nightingale-scroll-icon-section><div class=scroll-icon-wrapper><div class="left scroll-icon-text"><div>we're not<br>tragic, baby</div></div><div class=scroll-icon><img src=https://i.ibb.co/Hpdb12gp/selva-steckbrief2.gif alt=Icon></div><div class="right scroll-icon-text"><div>just bad<br>at happy</div></div></div></div><div class=nightingale-content><span class=dropcap>M</span>anchester ändert alles. Ok, nicht alles - bist immer noch du: Freigeist, eigenwillig, vorlaut. Hast auch eigentlich nicht vor, länger als die eine Spielzeit zu bleiben und denkst, du machst weiter wie bisher. Pustekuchen. Eine Schauspiel-Kollegin, mit der du dich schnell befreundest, zerrt dich eines Abends mit zu einem Double-Date, weil sie sich nicht allein mit dem Anwalt treffen wollte, der sie schon seit Wochen um ein Date bittet und dann irgendwie auf die schräge Idee kam, daraus ein blind double date zu machen. Ok, denkst du dir. Spielst du halt die Anstandsdame, so schlimm kann's ja nicht werden, den Abend mit zwei sicher stink-langweiligen & überheblichen Anwälten zu verbringen. Ehrlich, ihr Date hättest du nicht geschenkt haben wollen (und sie scheinbar auch nicht) - aber deins? Shit, Andrew dreht dir direkt den Kopf um. Glaubst nicht an Liebe auf den ersten Blick. Damals nicht und heute erst recht nicht. Aber habt euch direkt gut verstanden, habt den ganzen Abend über Theater und Kunst diskutiert, über verschiedene Shakespeare-Interpretationen, über Musik und dabei ganz vergessen, dass ihr nicht zu zweit da sitzt. Habt euch immer öfter getroffen und irgendwie warst du nicht so überrascht, wie du's hättest sein sollen, als Andrew dir nach drei - ja drei!! - Monaten 'nen Antrag machst. Du lachst und sagst nein, weil's lächerlich ist. Drei Monate später fragt er noch mal und du sagst ja. Ist vollkommen verrückt und doch denkst du, perfekter könnt's nicht sein. <br />
 <br />
<span class=dropcap>E</span>he war für dich zwar nie das große Thema, weil du viel zu sehr an deiner Freiheit hängst, an deinen Träumen - und doch hast du wohl wie jedes Mädchen von geträumt, wie wohl mal deine Hochzeit aussehen wird. Musst sagen, Andrew hat deine Erwartungen übertroffen. Gentleman hoch 20, gut aussehend, gebildet, gepflegt. Vor allem aber findet er deine Träume nicht lächerlich sondern steht voll hinter dir. Teilt deine Leidenschaften und deutet nicht einmal an, dass sein Job wichtiger wäre, als deiner. Hast dich noch nie in einer Beziehung so gesehen, so verstanden, so unterstützt gefühlt - darfst bei ihm sein, wer du bist und er liebt dich dafür. Jackpot, Happy End. - Halt, Stop. Happy wars dann doch nicht so lange, wie du dachtest. Hast immer drüber weg gesehen, dass es im Bett weniger gut geklappt hat, wie überall sonst - das er Kinder wollte und du nicht. Nicht jetzt, hast du immer gesagt. Auch dann, als du plötzlich schwanger warst; am Anfang einer Spielzeit. Kannst Julia nicht spielen und schwanger sein, hast du gesagt. In ein paar Jahren vielleicht, und hast ihn vor vollendete Tatsachen gesetzt. Ja, ist dein Körper aber war trotzdem hart für ihn, weißt du. Vielleicht war das der Anfang vom Ende, denkst du damals. Oder war's doch das Haus? So leblos, so einsam - habt immer weniger Zeit miteinander verbracht. Ja, ihr seid beide Workaholics, wart ihr schon immer. Ist ein Ding. Auf der Couch im Arbeitszimmer schlafen ist nen anderes Ding. Hast ein schlechtes Gewissen, als du nach Monaten voll Einsamkeit und fehlender Intimität mit dem Romeo-Darsteller im Bett landest (und hasst das Klischee, aber hey, immerhin einer, der dir sanft die Hand auf die Wange legt; der dich küsst, der dich berührt - der dich anguckt und sieht und nicht so tut, als lebt ihr aneinander vorbei). Ist nicht die einzige Affäre, die du in den vier Jahren Ehe hast, nur die erste. Bist dir ziemlich sicher, dass Andrew davon weiß, weil du schon immer ne beschissene Lügnerin warst. Vielleicht legst du's hier und da auch mal drauf an, weil du denkst - hoffst - vielleicht wird er eifersüchtig und dann ändert sich alles. Aber nein. <br />
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<span class=dropcap>S</span>chlussendlich musst du endlich die Augen aufmachen und dir eingestehen, dass du längst weißt, wo das Problem ist. Andrew steht nur nicht auf dich nicht, sondern generell nicht auf Fragen. Ist das Ende eurer Ehe, als du ihm sagst, dass dus weißt und du es nicht mehr aushältst. Fühlst dich betrogen und belogen, hintergangen und ausgenutzt. Ja, du hast ihn auch betrogen. Aber du hast ihn nicht vier Jahre als Alibi missbraucht, hast ihm nicht alles vorgemacht nur um dich nicht outen zu müssen. Machst keinen Hehl darum, dass du pan bist - dachtest, ihr wärt ehrlich miteinander, aber scheinbar war alles ne große Lüge und du nur dumm genug, drauf reinzufallen. Ziehst aus, reichst die Scheidung ein und eigentlich willst du nur weg, weg, weg - weil es verdammt weh tut, dass dich alles in Manchester an Andrew erinnert, wenn er gerade dein Herz mit Füßen getreten hat (und ein Teil von dir kann's verstehen, ein Teil von dir tuts leid, dass er das Gefühl hat, nicht er selbst sein zu dürfen) - aber hast erst vor kurzem die Leitung der Dramaturgie am Theater übernommen und gehen kommt für dich nicht in Frage. Kannst nicht deine Karriere aufs Spiel setzen, nur weil Andrew ein Arsch ist. <br />
<br />
<span class=dropcap>A</span>lso bleibst du. Schmeißt dich zu 100% in deine Arbeit. Bist lange lange nicht gut auf Andrew zu sprechen und bist konstant genervt, dass ihr in ähnlichen Kreisen verkehrt und euch viel zu oft in der nicht gerade kleinen Stadt Manchester über den Weg lauft. Zugegeben legst du's manchmal drauf an. Um zu sticheln, um dich in sein Leben einzumischen, um ihn zu ärgern. Weil's einfach scheiße war von ihm, dich zu benutzen. Weil du ihn auch geheiratet hättest, wenn er ehrlich gewesen wäre - weil du ihn liebst, und platonisch auch gereicht hätte. Vielleicht bist du deshalb so lange so wütend und steckst gern deine Nase in seine Angelegenheiten, oft auf passiv-aggressive Art. Die Zeit stimmt dich milder. Zeit und seine Versuche, es wieder gut zu machen. Wenn du ganz ehrlich bist, wär's heute nicht mehr so schlimm, wenn eure Ehe nicht noch immer deine längste Beziehung wär. Ist deine Schuld, weißt du auch - weil dein Fokus immer auf dem Theater liegt, auf der Kunst, dem Schauspiel. Weil du dich nicht noch mal verarschen lassen willst und es dann lieber erst nicht versuchst, weil du provozierst und dich auf keinen Fall für irgendjemanden verändern willst. Unterm Strich bist du mit dir selbst glücklich und mit deinem Leben auch; kannst nämlich gut ignorieren, dass da was fehlt, weil du dich voll und ganz auf deinen neuen Job als Intendantin am Theater konzentrierst und voll darin aufgehst, nun endlich künstlerisch den Ton anzugeben. <br />
</div><div class=nightingale-icon-wrapper><div class="left nightingale-icon-text">GESCHIEDEN<br>PANSEXUELL</div><div class=nightingale-icon><img src=https://i.ibb.co/B5knp2GX/selva-steckbrief1.gif alt=Icon></div><div class="nightingale-icon-text right">NORTHERN QUARTER<br>PIZZA TONNO</div></div><div class=nightingale-content> » isst Oliven direkt aus dem Glas | » schläft selten vor 2 Uhr | » trägt oft schwarze o. zumindest dunkle Kleidung | » und immer den gleichen Cateye-Lidstrich | » vergisst ihre Wäsche gern in der Waschmaschine o. tagelang auf dem Ständer | » geht nie ohne Kopfschmerztabletten aus dem Haus | » hasst weiße Wände, weiße Möbel, ... | » spricht ein wenig arabisch und ganz gut französisch | » isst Pizza-Reste vom Vortag morgens kalt zum Frühstück | » war aber eigentlich jahrelang fast immer auf Diät | » hat immer mindestens einen Haargummi am Handgelenk | » läuft zuhause immer barfuß | » besitzt kein Auto, fährt meist Bus und Bahn oder läuft | » hat alle Shakespeare-Werke mindestens 10 mal gelesen | » trinkt selten, aber wenn trockenen Rotwein | » schreibt selten Einkaufslisten und vergisst diese dann eh zuhause | » mag keine Smoothies | » hat ne ganze Kiste voller Programmhefte und Eintrittskarten | » hasst Voicemails, ruft aber auch niemanden zurück | » lässt Bücher aufgeschlagen liegen statt Lesezeichen zu nutzen | » hasst Rollkragenpullover und würde nie einen tragen.   </div></div><div class=nightingale-footer-bar><div class=footer-item>#emberlexx</div><div class=footer-item>FC: SOFIA BOUTELLA</div><div class=footer-item>ALEX</div></div></div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Stefania Stewart]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2587</link>
			<pubDate>Mon, 29 Sep 2025 10:23:55 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=548">Stefania Stewart</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<link href="ltp_cs_church_css.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<br />
<div class="p1 stecki"><div class="p2">Stefania 'Steve' Joelle Stewart</div><div class="p3">
as an empath my heart really aches when you guys are losers</div><div class="ph1"><div class="ph2"><div class="p9">„</div><div class="p10">Du musst nicht mal mansplainen, reicht wenn du einfach 'n Mann bist und mir was erzählst und ich werd richtig wütend</div></div><div style="display: flex; justify-content: space-between; width: 100%;"><img src="https://i.ibb.co/whFGcR85/3d3f6c7c306e18256cd6b1771e0165fbe1bab6c1.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/ZpGWbqF1/f9f503ef8f95e0560598c8664a45cc6e1f3db9ea.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/N4Gw0Wr/98cdcf5b991b856501cbb29e16293cd47b8e9f56.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"></div></div>
<div class="p4">
<table><tr><td class="p6">
<div class="feldu" style="width: 150px; margin-left: 5px;">Lee</div>
<div class="feldb2"><span class="bvpr">Alter // </span>29 Jahre</div><div class="feldb2" ><span class="bvpr">Job // </span>Tesco + Data Entry</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Pizza // </span>Schinken-Salami</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Ava // </span>Mia Goth</div>
</td>
<td><div class="p7"><div class="p5-2"><img src="https://i.ibb.co/DDrjCxDF/ec355c731917b3b7a9ec70728aa384c9a6acc5d8.gif" style="margin: 10px; height: 50px; width: 70px; object-fit: cover"></div> Blauer Lidschatten, wasserstoffblonde Haare, resting bitch face und diese verdammte Tesco-Uniform – ja kein Wunder hält jeder Steve (nicht Steph, nicht Steffi, nicht Stevie) für die asoziale Sozialgeldbezieherin. Wundert da auch niemand, dass ausgerechnet die mit 16 nen Braten in die Röhre geschoben gekriegt hat, naja. Dabei ist sie ja gar nicht mal so ne blöde, nur ist das Leben manchmal wie ne Runde Uno, bei der man ständig +4er Karten abkriegt und bei ders völlig egal ist, wie unfair man das findet. Ein Glückspelz ist sie jedenfalls nicht, aber jammern lohnt sich nicht, Steve war da schon immer Team <i>#Augen zu und durch</i>, auch mit der Migräne und den verflixten Rückenschmerzen, den zwei Jobs und der Eierfeile an Vermieter und BEI GOTT diesem rückgratlosen <i>Baby Daddy</i>, der sich nie blicken lässt und immer mal wieder keinen Unterhalt zahlt, weil KLAR läufts mit dem Geld wie mit Luft und Liebe wirklich GAR KEIN PROBLEM. Lässt sich nur mit trockenem Humor überstehen, Selbstmordwitze vorprogrammiert, aber Beleidigungen nur kinderfreundlich, so viel ist sicher für die Mutter des Jahres™.</div> </td>
</tr></table>
<div class="p8">Wär so gern gut mit'm Leben, <br>	aber ich find alles scheiße</div>
<div class="lee-facts">
	<div class="lee-facts-title">Wusstest du, dass Steve:</div>
	<ul>
		<li>» ...tendenziell immer etwas zu viel Parfüm trägt?</li>
		<li>» ...lieber lange tote Haare hat als kurze gesunde?</li>
		<li>» ...Studenten hasst, die jeden Raum infiltrieren (Flohmärkte, Bars, boah Cafés in denen die mit ihren blöden bestickerten Laptops hocken und Latte saufen und natürlich müssen die arbeitsscheuen Steckdosenbefruchter dann noch auf Arbeiterklasse tun und ihre dummen Abkürzungen benutzen, die sie für alles haben außer wirklich lange und nervige Akademikerwörter)?</li>
		<li>» ...Videos witzig findet, in denen Kinder hinfallen?</li>
		<li>» ...immer Feuer unterm Hintern hat und nicht so lange Still sitzen kann, aber trotzdem jeden dafür verurteilt, dems genauso geht?</li>
		<li>» ...nichts mehr hasst als ihren Briefkasten und gerne mal wochenlang nicht reinschaut, nur um sich dann um noch mehr Scheiß kümmern zu müssen?</li>
		<li>» ...<i>Master of kreative Beleidigungen</i> ist, weil sie ihre Tochter nicht fluchen lässt?</li>
		<li>» ...nach jedem Problem "I'll figure it out" sagt (und das auch perfektioniert hat, weil lieber neuen Skill lernen müssen als nach Hilfe zu betteln, wie so ne erbärmliche Tiefseequalle)?</li>
		<li>» ...einen Bacherlorabschluss im Kissenburgbauen hat?</li>
		<li>» ...ein altes Cabriolet fährt, das dauernd meckert?</li>
		<li>» ...Drogen scheiße findet, aber muss ja jeder für sich wissen?</li>
		<li>» ...chronische Rückenschmerzen und Migräne hat?</li>
		<li>» ...trotz Geldmangel immer in ihre Gelnägel investieren würde? (aber das mittlerweile zumindest selbst kann)</li>
		<li>» ...einen kleinen Schwarzarbeit-Sidehustle hat, indem sie in ihrer Wohnung hin und wieder Nägel macht?</li>
		<li>» ...pansexuell ist, sich dem Männer-Dating aber komplett abgeschworen hat, weil so groß ist die masochistische Ader jetzt echt nicht?</li>
		<li>» ...sich vorgenommen hat nochmal eine Ausbildung zu machen, sobald ihre Tochter groß ist?</li>
		<li>» ...wirklich völlig egal ist, dass sie von außen gerne als sozialschmarotzende Tusse verurteilt wird, weil man sie anhand des Aussehens abschreibt?</li>
		<li>» ...ihren Schulabschluss nachgeholt hat?</li>
		<li>» ...für ihre Tochter schon jedes erdenkliche kinderfreundliche Hobby ausprobiert hat und jetzt einen Haufen Material Zuhause rumliegen hat, den niemand benutzt (braucht jemand einen Sack voller Klopapierrollen? Nein? Echt nicht, sicher?)</li>
		<li>» ...gerne sinnvolle Nähprojekte startet (Einkaufstaschen aus alten Kissenbezügen, Beutel aus Regenschirmen, ...)?</li>
		<li>» ...nichts tun kann, das keinen Nutzen hat?</li>
		<li>» ...wirklich völlig egal ist, wenn jemand was auf Arbeit einsteckt, weil dafür wird sie echt nicht genug bezahlt?</li>
		<li>» ...nur kocht, weil Rory auch ausgewogen essen soll und sich von Tütensuppe und TK-Pizza ernährt, wenn sie mal weg ist?</li>
		<li>» <img src="https://i.ibb.co/99sMGPBw/ezgif-11ed569e937267.gif" style="float: right; width: 93px; margin: 4px 0 0 9px;" />...drei Haustiere hat: Zwei weibliche Kronengeckos namens Banjo und Toast und eine Freigängerkatze namens Canneloni, die ihnen irgendwann vor drei Jahren mal zugelaufen ist (und eigentlich noch ein anderes Zuhause hat, aber beide sind der Überzeugung, die gehört ihnen, also teilen sie sich jetzt sozusagen das Sorgerecht für dieses fette faule Ding)?</li>
		<li>» ...schon einige Male in Erwägung gezogen hat, sich mit den Stadtkrähen anzufreunden und sie wie eine kleine gefiederte Privatarmee abzurichten?</li>
		<li>» ...sich am Ende des Tages hin und wieder mal ein Glas Whiskey (Sorte völlig latte) gönnt und sich dabei fühlt wie so'n richtiger Vater?</li>
	</ul>
	</div>
	<div class="p8">Meine Love Language ist mich permanent zu beschweren</div>
<br />
	<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify"># abgestumpft # angespannt # aufopferungsvoll # authentisch # bodenständig # dickhäutig # durchsetzungsfähig # ehrlich # emanzipiert # entschlossen # frustriert # fürsorglich # gefühlskarg # grobschlächtig # großspurig # hemmungslos # konsistent # kratzbürstig # launisch # lernfähig # meinungsstark # misstrauisch # morbide # nonchalant # sarkastisch # schlagfertig # tatkräftig # unpünktlich # unruhig # verantwortungsvoll # verkorkst # zwanghaft </div>
<br />
	<i>Ich hab dafür keine Zeit</i>, hört man von dir jedes Mal, wenn irgendwas auch nur in die Nähe deiner Gefühle kommt. Nene, danke-nein-danke, dafür hast du zu viel zutun mit den ewigen To-Do-Listen (lol, als würdest du Listen führen), den Terminen (deinen und Rorys), der Arbeit, den alltäglichen Lebensaufgaben – aber weißt du, so anstrengend das auch ist, tut's dir auch besser als Stillstand. Das kannst du mittlerweile gar nicht mehr ab und obwohl du eigentlich echt dringend (!) mal <i>Urlaub</i> bräuchtest, würd der dich doch einfach noch mehr stressen als der Alltagstrott. Den hast du nämlich perfektioniert (haha.) oder zumindest hast du dich dran gewöhnt, dass nichts jemals so läuft, wie es soll. Rastlos haben dich die letzten Jahre gemacht, rastlos und ungeduldig as fu– Oh sorry, hier wird nicht geflucht, weil du dir als Mutter des Jahres zusätzlich auch jeglichen Spaß verwährst. Naja, nicht ganz, aber das ganz laute FUCK, dass du regelmäßig gerne in die Welt brüllen würdest, bleibt zumindest genau dort: In deinem Kopf. Hat dich auch kreativ gemacht, so viel muss man dir lassen. Allgemein, dieses Mama-sein und die Geldsorgen, die du seitdem hast. <i>Not macht erfinderisch</i>, heißt es schließlich nicht umsonst und weil du allergisch dagegen bist, andere Leute um Hilfe zu fragen,  umso mehr. Da kribbelts dir schon auf der Magenschleimhaut, wenn du nur dran denkst, bah. <i>Das kriegst ich hin</i>, hört man nämlich genauso oft aus deinem Mund und aus irgendeinem Grund hast du damit auch (meistens) recht. Spite is a great motivator.<br><br>Jedenfalls ist es vermutlich gar nicht mal so klug, dass du dir keine Gelegenheit lässt all das zu entpacken, was andere Trauma nennen würden. Findest du auch lame, so ne Opferhaltung steht dir nicht. Aber manchmal hasst du schon diese Vernunftader an dir, die dich davon abhält, jemanden abzustechen, ganz ehrlich. Manchmal denkst du dir, dass es ein Segen ist, dass du im Körper einer dürren Blondine (fake, aber pscht) geboren wurdest, weil im Universum, in dem du als breitgebauter Mancunian auf die Welt entlassen wurdest, herscht sicher Ausnahmezustand vor deinem Rachefeldzug. Gotham-City-ass Zustände. Aber <i>oh well</i>, in diesem Universum bleibt dir nichts, außer die Fäuste zu ballen und zu kreischen und hin und wieder, wenns wirklich arg wird, sollte sich gefasst machen, was auf der nächsten Ablage liegt und höchstwahrscheinlich gleich auf den Boden gefegt wird. Manchmal wünschst du, du könntest öfter Heulen, dann wär das einfach alles wieder aus deinem System, aber leider herrscht Sahara in deinen Drüsen und somit presst es dir nur schwer gegen die Brust, wenn du nachts im Bett liegst. <i>Psychotisch</i> hat dich deine letzte Ex-Freundin genannt, du präferierst <i>'emotional komplex mit schlechter PR'</i>. Braucht schließlich auch immer ein bisschen, um dich überhaupt rauszukicken aus diesem fast schon apathischen Resting Bitch Face, das permanent auf deinem Gesicht eingefroren ist. 'Vom Lächeln gibts Falten', sagst du immer dann, wenn du dir anhören musst, dass du mal lachen sollst, dabei bist du ja gar nicht mal so humorlos. Nur sehr trocken eben und manchmal gewiss auch gemein, aber selten unberechtigt (sonst denkst du dir deine Kommentare nur, du bist ja kein Unmensch). Jedenfalls kann bei dir auch echt niemand behaupten nicht zu wissen, woran er ist und ehrlich, das vermisst du in dieser Welt auch am meisten.<br />
	<div class="p8">Ich versteh schon, warum der Hahn nach dem Aufstehen schreit</div>
<br />
<div class="s-wr">
	<div class="s-l"></div>
	<div class="s-b">Heimathass, spezielle Eltern, Namen mit S <ti>27.04.1988 - 2003</ti></div>
<br />
	<div class="s-tb">Du hasst dieses Kackviertel. Gefällt niemandem, wenn du das sagst, weil die sich in ihrem Regionalstolz was darauf einbilden, dass sie gammelige Wohnungen und das Leben unterm Lebensstandard durchgestanden haben, aber es ist wahr. Dabei hattest du es ja nie schlecht, da in diesem Haus in Oldham, in dem ihr euch weder Sorgen um die nächste Rechnung machen musstet oder die Launen irgendeines Elternteils. Ging vielen anderen nicht so, wusstest du auch, und manchmal hattest du das Gefühl, die nehmen dir das übel, wenn du im Sommer doch immer mal wieder im Urlaub bist oder sie sich an irgendwas anderem aufhängen, als wärst du mit ner Überheblichkeit durch die Welt gelaufen, die man dir höchstens angedichtet hast. Vielleicht hat man's auch einfach auf dich übertragen, weil deine Eltern schon immer so ne gewisse naserümpfende Art an sich gehabt hatten und sich regelmäßig über die Problemcharaktere in ihrem Viertel echauffierten, als wären die plötzlich einfach aufgetaucht. Fandest du unangenehm, es waren ja auch deine Freunde, von denen sie da sprachen, aber ihr wart eben eine dieser Familien, bei denen ein Kind völlig selbstverständlich nach Hause geschickt wurde, wenn es Essen gab (und gerne danach wiederkommen durfte, ok, tschüss!)<br><br>Du wolltest schon immer erwachsen sein, damals als du mit sechs mit dem Lippenstift und den Heels deiner Mutter durchs Haus stolziert bist, als würde dir die Welt gehören (und dich auf die Fresse gelegt hast, aber das ist der unromantische Teil der Story). Das war in Ordnung, meistens. Konsistenz gab's Zuhause nämlich auch nicht immer und generell hatten deine Eltern ganz absurde Regeln, die galten <i>'solange du noch unter meinem Dach lebst'</i> blabla, das hast du oft gehört und genauso oft auf Durchzug geschalten. Speziell waren die eh, merkt man ja allein an euren Namen, weil bei Stanley, Stefania und Santiago neben dem ganz klaren S-Theme auch so ne gewisse Prise Absurdität drin steckt, für so ne Bio-Britische Familie in der auch wirklich kein Tropfen spannender Historie steckt.<br />
	</div>
	<div class="s-b">not like other girls, Teen Pregnancy, fuck <ti> 2003 - 2004</ti></div>
<br />
	<div class="s-tb">Ältere mochtest du schon immer. Kam auch ein bisschen von deinem Bruder, der's natürlich gar nicht gefeiert hat, wenn sich seine kleine Schwester in den Boy's Club eingezeckt hat, aber dass kleine Schwestern und beste Homies off limits sind, hat da auch niemanden interessiert. Klar probierst du dich aus und du findest die Aufmerksamkeit auch einfach ein bisschen toller als von anderen. Dass Mort(imer) vier Jahre älter ist als du, trägst du wie eine Badge of Honor, putting the egal in illegal. So richtig Liebe ist es ja nicht, wenn ihr besoffen übereinander herfallt, weißt du auch, obwohl du den echt toll findest.<br />
Tja und dann bist du plötzlich schwanger. Surprise [hier bitte Tröte einfügen]!!! Naja, so euphorisch bist du jedenfalls nicht, als du mit Magen-Darm zum Arzt gegangen bist und plötzlich mit dem "Glückwunsch, Sie sind im siebten Monat" rauskamst. Also ne, stimmt nicht so ganz, beglückwünscht hat dich der Herr Doktor auch nicht, denn klar gibt's schönere Dinge in der Welt als schwangere Teenager und spätestens an diesem Tag beschließt, dass du Überraschungen ziemlich beschissen findest.<br />
<br />
Deine Eltern übrigens auch. Du wusstest, dass es so oder so ein Desaster werden würde und während du dir noch eine Erklärung zurechtlegst, wühlt dein Mutter in deiner Privatsphäre und findet die Broschüren, die dir der Arzt mitgegeben hat. Die denken natürlich sofort, du hättest sie 33 Wochen lang angelogen und deine hysterischen Tränen werden als Beweis gewertet. Das "Geh mir aus den Augen" deines Vaters nimmst du wörtlich, auch wenn sich jetzt, Jahre später, niemand einig ist, ob man dich rausgeschmissen hat, oder du freiwillig gegangen bist. Fakt ist: Du hast deine Koffer gepackt, die Tür hinter dir geknallt und erstmal für ein paar Tage woanders gepennt. Hielt nicht ewig, aber weil dir auch wirklich niemand die Zeit geben will, deine Gedanken zu ordnen und einfach fucking klarzukommen, taucht dann auch noch Morts vor deiner Tür auf, weil das Getuschel schnell die Runde macht. Der glaubt natürlich nicht, dass er der Vater ist, aber will das trotzdem aus deinem Mund hören und als der dich so darstellt als wärst du die übelste Schlampe, glaubst du echt, dir brennt gleich alles durch. <i>Treib halt ab</i>, ist die Moral der Geschicht, aber dass du das nicht mehr kannst, weil es dafür zu spät ist, zählt irgendwie nicht als Argument. Deine Schuld bleibts am Ende des Tages eh, weil du das ja hättest merken müssen, wie blöd kann man denn sein. An Ort und Stelle hast du dir gewünscht, dass ihr beide tot umfallt, stattdessen geht er nur und du fantasierst kurz vom Toaster und der Badewanne.<br />
<br />
Passiert alles nicht und ein paar Tage später bist du wieder im Haus deiner Eltern. Glauben tun sie dir immer noch nicht, du willst in deinem Trotz keine Hilfe annehmen und ihr redet nur, wenn es sein muss. Stillschweigend lässt du dich zu den ganzen Terminen fahren, die du plötzlich hast und wenn du danach mit deinem Vater im Auto sitzt, weißt du nicht ob du heulen willst, deswegen starrst du nur aus dem Fenster. Auch wenn ihr hin und wieder gleichermaßen stillschweigend durch den Drive-Thru irgendeiner ranzigen Fast Food Kette fahrt, weißt du, dass man sich deinetwegen bemüht, aber du auch weiter das Problem bleiben bist.<br />
<br />
Symptome hattest du mit deiner <i>kryptischen Schwangerschaft</i> (treffender Name auch, findest du bis heute) keine - bis du von ihr wusstest, dann kamen die plötzlich alle. Selbst dein Bauch wird plötzlich größer, als hätte er die letzten sieben Monate innerhalb weniger Tage aufgearbeitet. Man hat dir immer in irgendwelchen Kursen erklären wollen warum, aber zugehört hast du nicht, nur weiter nach dem <u>Warum</u> gefragt, auf das dir niemand eine zufriedenstellende Antwort geben kann. <i>Das kann passieren</i>, heißt es immer, <i>eine von 2500 Frauen merkt es nicht vor der 40. Woche</i>, aber WARUM DU denn eine von ihnen bist, kann oder will man dir nicht beantworten und dann heißt es <i>bla bla pränatale Depressionen</i> und du würdest dir am liebsten pränatal die Kugel gegeben. Vielleicht sind die Symptome der letzten Wochen auch gerade deswegen so grausam, weil dich wirklich alles an dem Gedanken anekelt, dass in dir gerade zwei Skelette stecken. <I>Pregnancy Glow</i> heißt es mal in einem Mutterkurs, danach gehst du nie wieder hin.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Single Mum Life, homicidal ideation <ti>2004-2017</ti></div>
<br />
	<div class="s-tb">Wenigstens hält die Zeit nicht lange an, könnte man jetzt behaupten, wenn man den Arsch offen hat. Das Kind ist da, Rory, ein Mädchen und einen Vaterschaftstest später kannst du dich nicht mal gehässig dafür freuen, dass der Kerl, der dich die letzten Wochen im Stich gelassen hat, doch nicht fein aus der Sache raus ist. Deinen Schulabschluss holst du erst in ein paar Jahren nach, in der Zwischenzeit ziehst du auch von Zuhause aus, weil du es nicht ertragen kannst, auch wenn du die Unterstützung eigentlich brauchst. Klar willst du raus aus Oldham, weil das auch kein Ort zum Kinderkriegen ist, aber weil die Mieten günstig sind und du dir einbildest, dass der Vater deines Kindes vielleicht mehr da ist, wenn du näher an ihn heran ziehst, tust du genau das. Dass du Morts das Baby unter die Nase halten musst, damit er es nicht spontan vergisst, zeichnet sich dann doch ab, ätsch. Wieder ätsch als der Wichser einfach selbst wegzieht. <i>Motherf---</i> Achso, ja, das Fluchen trainierst du dir auch ab, man reiche dir den Mutter-des-Jahres-Preis. Dass der Kerl in deinen Gedanken schon mindestens 46 verschiedene qualvolle Tode gestorben ist, kann man dir aber nicht nehmen.<br />
<br />
Einen Job hast du jetzt auch, halbtags. Hast auch echt anderes in deiner Zukunft gesehen als Tesco Kundenservice aber na klar, für ein paar Jahre machst du das, obwohl du den HO Fuzzi fast anblökst, als er dich fragt, warum du dort arbeiten willst. Scheinbar mit der großen Hoffnung auf eine lebenslange Leidenschaft für gekühlte Fertigwraps und sortierte Obstabteilungen, leider erfüllst du die nicht ganz. <i>Diggah, ich bin arm verdammt</i>, willst du brüllen, <i>Ich wollte schon immer in einem Bereich arbeiten, in dem ich viel mit Menschen zutun habe</i> kommt stattdessen gepresst aus dir, quasi der erste Step in Richtung Customer Service Voice.<br />
Da bleibst du auch länger. Kennst den Laden halt auch gut, zwischendurch wirst du mal versetzt, weil ne neue Filiale aufmacht, aber sonst ändert sich wenig. Am schlimmsten sind die Pausenzeiten der nächstgelegenen Schule, in denen fühlst du dich dem Strick wirklich am nächsten. Und bei ner Wursttheke würdest du auch nie mehr was holen, seit du weißt, wie es da abläuft, absolut widerlich. Aber sonst schon ganz ok. Nicht der Traum, aber bezahlt Kost und Loge.<br />
Nicht viel mehr ist das Problem. Obwohl du regelmäßig seitenweise Papierkram ausfüllst, ist Child Support auch nicht viel und wenn Morts nicht zahlt, dann wird's eng. Den willst du jetzt auch weniger tot sehen, übrigens, auch wenn er sich echt Nullkommanull selbst dafür eingesetzt hat. Aber du beißt in den sauren Apfel und arrangierst dich mit dem Single-Mum-Leben und hoffst, dass deine Tochter nicht komplett ohne Vater aufwachsen muss. Dass Dating mit Kind absolut beschissen läuft, muss man niemandem erzählen und weil du auch nicht jede:n Dahergelaufenen direkt vorstellen willst, sieht's an der Front eher Mau aus. Aber komm, gibt größere Probleme gerade.<br />
<br />
Die Monatsrechnung passt aber leider auch nicht vorne und/oder hinten, wenn du dich für friedliche Koexistenz einsetzt und so hangelst du dich von Nebenjob A bis ca. K einmal durch. Geputzt hast du abends nach der Arbeit, zwischendurch mal eine alte Frau zweimal die Woche bespaßt und für sie eingekauft, ungefähr drei Wochen hast du in einer Schulkantine ausgehalten und nach einer Nachtschicht Amazon Logistics Centre zu viel, hättest du dich am liebsten selbst eingewiesen oder alternativ von der nächsten Brücke gestürzt. Geht so nicht weiter, merkt auch dein Dickschädel schließlich und obwohl die £8/hour Bezahlung bei bestem Willen kein komfortables Leben erlaubt, hockst du nach der Schicht im Supermarkt nun an deinem Laptop und fügst Daten in Excel-Tabellen ein bis die Buchstaben vor deinen Augen verschwimmen. In Oldham bleibt ihr auch, du willst deine Tochter nicht aus ihrem Umfeld reißen. Zug abgefahren.<br />
	</div>
	<div class="s-b">regretting motherhood, illness, teenagers suck <ti>2017-</ti></div>
<br />
	<div class="s-tb">Aber du weißt ja wofür du's machst, denkst du dir manchmal, wenn Rory in der Küche steht, während du arbeitest. Dass du nicht gerne Mutter bist, das weiß sie auch, aber dann gibt es Tage, an denen hängst du mit deiner kleinen besten Freundin über der Lehne der Couch an der einen Stelle in der Wohnung, in der die Sonne Abends durchs Fenster schaut und ihr knabbert Bread Sticks und blättert kopfüber durch alte Fotobücher und es fühlt sich alles gar nicht so übel an.<br />
Nur geht's der plötzlich richtig schlecht und nachdem ihr über ein Jahr dauernd von Arzt zu Arzt hetzt, steht die Diagnose Rheuma im Raum und du fragst dich, obs bisher noch zu langweilig war oder warum das Schicksal jetzt wieder austeilen musste. Viel zu oft fragst du dich, ob das wieder deine Schuld ist, schließlich hast du zumindest in 33 Wochen Schwangerschaft ordentlich einen gebechert und auch wenn du weißt, dass es da eigentlich keinen Zusammenhang gibt, bleibt da dieses flaue Gefühl im Magen, weil das plötzlich eine Sache ist, die du nicht einfach stellvertreten schultern kannst.<br />
		<div class="p8">wer am Gasherd sitzt sollte nicht mit Zigaretten werfen</div>
<br />
	<div class="lee-mood">
		<img src="https://i.pinimg.com/1200x/79/67/4b/79674bc0a93acd9942602f48a690a311.jpg"><img src="https://i.pinimg.com/736x/05/78/1d/05781d0c41bb41bf76eff0b9418b8463.jpg"><img src="https://i.pinimg.com/736x/70/cc/d1/70ccd16d280ed35920c13dad9b455d63.jpg"><img src="https://i.pinimg.com/1200x/87/ef/17/87ef179b579f8d012c84dfbe4214b553.jpg"><br />
	</div>
	<div class="lee-shortfacts">
		<div>Rory Stewart</div><div>13 Jahre</div><div>27.12.2004</div> <div>Schülerin (8. Klasse)</div><div>Rheuma</div>
	</div>
	"Dein erstes mehrsilbiges Wort war <i>nuclear disarmament</i>, weil das der Nachrichtensprecher so schön aufgeschlüsselt hat und wie ein Papagei hast du es die nächsten Jahre immer vor dir hergebrabbelt. Von da an wusste ich: Irgendwann, wenn du groß bist, werde ich dich von der Polizeistation abholen müssen, weil du bei irgendeinem linken Protest nen Beamten beleidigt hast. Vielleicht ist bis dahin noch etwas Zeit, ich würd's mir wünschen. Du wirst zu schnell groß, ich werd nicht müde, das zu erwähnen, auch wenn du dann immer die Augen verdrehst. Guck, bald bist du so alt wie ich, als ich dich bekommen habe. Ich will nicht, dass du die gleichen Fehler machst wie ich, ich weiß, das hängt dir zu den Ohren raus, aber es ist so. Ich dachte immer, ich würde mich freuen, wenn du irgendwann ausziehst und ich endlich mal Zeit für mich habe, aber so richtig Freude kommt da nicht auf. Naja, passieren wird's früher oder später sowieso und ich freu mich auch, dir dabei zuzusehen, wie du ein richtiger Mensch wirst (nicht, dass Kinder keine richtigen Menschen sind, aber du verstehst schon, was ich meine).<br><br>Aber jetzt müssen wir eh erstmal durch diese lästigen Teenagerjahre. Ich fand die schon immer scheiße, aber bei dir versuch ich gnädiger zu sein als bei den Hustensaftschmugglern, die mir auf der Arbeit immer auf die Nüsse gehen. Ich weiß ja auch, wie schwer das ist, aber du machst es mir auch echt nicht einfach, Rory, lass dir das mal gesagt sein. Manchmal fühlt es sich an, als würden wir uns neu kennenlernen müssen. Du bist oft genervt von mir und ich weiß nicht warum und erreichen kann ich dich dann sowieso nicht. Du machst mir Vorwürfe und triffst damit natürlich genau die Punkte, die am meisten wehtun. Hast du das von mir? Ich krieg nicht aus dem Kopf, wie du mir bei einem Streit mal an den Kopf geworfen hast, dass ich der Grund dafür wäre, dass dein Vater keinen Bock auf dich hat. Wenn ich darüber nachdenke, dann bin ich immer noch richtig sauer, ich will nicht so tun als wäre ich's nicht. Ich hab immer alles versucht für dich und dann in dieser einen Sache in der ich völlig machtlos bin, bin ich auch noch die Gearschte. Dass ich den Kerl richtig gefressen habe, mag zwar sein, aber weißt du eigentlich wie oft ich meinen Stolz runtergeschluckt habe, damit du wenigstens weißt, wie es sich anfühlt einen Vater zu haben? Na du siehst ja, wie erfolgreich ich damit bin. Aber klar, gib mir nur weiter die Schuld, ist Familiendisziplin, ich kenns doch mittlerweile auch nicht anders.<br><br>Ich hab mein Leben für dich geopfert und ja, ich würd's wieder tun. Dass ich nicht gerne Mutter bin, weißt du trotzdem, ich find's wichtig damit offen umzugehen. Liegt nicht an dir, das weißt du hoffentlich auch. Aber als Mutter wirst du immer von der Gesellschaft geächtet, egal was du tust. Entweder du arbeitest zu viel oder nicht genug, bist ne schlechte Mutter wenn du äußerst, dass du das alles nicht wolltest und wenn du Zeit für dich selbst brauchst, dann bist du nicht für dein Kind da und wenn du's nicht tust, dann wird dir das trotzdem böse angekreidet, weil du so gestresst wie du bist, einen schlechten Einfluss hast. Oh und dass du ne Single-Mum bist, ist auch deine Schuld, weil wir als Gesellschaft auch beschlossen haben, dass die Frau immer Schuld ist. Anerkennen was für ne verdammt anstrengende Arbeit das ist, tut sowieso niemand, ich könnte mich darüber echt ewig beschweren, aber würde uns ja beiden nichts bringen. Irgendwann werden wir mit schlechten Cocktails in der Sonne liegen und darüber lachen, wie wir das alles zusammen geschafft haben. Ich würd's mir wünschen.</div> </div></div></div>
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<style>.s-b {position:absolute} .s-wr {margin:auto}.s-b {background-color: #2a698b }.s-tb, .l-b{position:relative}.s-tb{text-align: justify}.s-b dt{font-weight:600}.s-wr{width:100%;border-left: solid 8px #2a698b}.s-b{max-width:440px;z-index: 2; padding:5px 10px 5px 15px;font-size:13px;font-family: 'Montserrat', sans-serif;color:#fff;text-transform:uppercase;letter-spacing:0.5px}.s-b ti{font-size:10px}.s-tb{padding: 37px 15px 10px 10px;} .lee-mood {width: 102%;display: flex;justify-content: space-between;}.lee-mood img {width: 110px;height: 100px;object-fit: cover;}.lee-shortfacts { margin: 10px 0; width: 100%; display: flex; flex-flow: row wrap; justify-content: space-between; align-items: top; gap: 7px;}.lee-shortfacts div { padding: 5px 5px 4px 5px; border-radius: 2px; background-color: #2a698b; flex: 1 0 auto; font-size: 8.4px; font-weight: 500; line-height: 8px; letter-spacing: 1px; text-transform: uppercase; text-align: center; color: white;}</style>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href="ltp_cs_church_css.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<br />
<div class="p1 stecki"><div class="p2">Stefania 'Steve' Joelle Stewart</div><div class="p3">
as an empath my heart really aches when you guys are losers</div><div class="ph1"><div class="ph2"><div class="p9">„</div><div class="p10">Du musst nicht mal mansplainen, reicht wenn du einfach 'n Mann bist und mir was erzählst und ich werd richtig wütend</div></div><div style="display: flex; justify-content: space-between; width: 100%;"><img src="https://i.ibb.co/whFGcR85/3d3f6c7c306e18256cd6b1771e0165fbe1bab6c1.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/ZpGWbqF1/f9f503ef8f95e0560598c8664a45cc6e1f3db9ea.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/N4Gw0Wr/98cdcf5b991b856501cbb29e16293cd47b8e9f56.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"></div></div>
<div class="p4">
<table><tr><td class="p6">
<div class="feldu" style="width: 150px; margin-left: 5px;">Lee</div>
<div class="feldb2"><span class="bvpr">Alter // </span>29 Jahre</div><div class="feldb2" ><span class="bvpr">Job // </span>Tesco + Data Entry</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Pizza // </span>Schinken-Salami</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Ava // </span>Mia Goth</div>
</td>
<td><div class="p7"><div class="p5-2"><img src="https://i.ibb.co/DDrjCxDF/ec355c731917b3b7a9ec70728aa384c9a6acc5d8.gif" style="margin: 10px; height: 50px; width: 70px; object-fit: cover"></div> Blauer Lidschatten, wasserstoffblonde Haare, resting bitch face und diese verdammte Tesco-Uniform – ja kein Wunder hält jeder Steve (nicht Steph, nicht Steffi, nicht Stevie) für die asoziale Sozialgeldbezieherin. Wundert da auch niemand, dass ausgerechnet die mit 16 nen Braten in die Röhre geschoben gekriegt hat, naja. Dabei ist sie ja gar nicht mal so ne blöde, nur ist das Leben manchmal wie ne Runde Uno, bei der man ständig +4er Karten abkriegt und bei ders völlig egal ist, wie unfair man das findet. Ein Glückspelz ist sie jedenfalls nicht, aber jammern lohnt sich nicht, Steve war da schon immer Team <i>#Augen zu und durch</i>, auch mit der Migräne und den verflixten Rückenschmerzen, den zwei Jobs und der Eierfeile an Vermieter und BEI GOTT diesem rückgratlosen <i>Baby Daddy</i>, der sich nie blicken lässt und immer mal wieder keinen Unterhalt zahlt, weil KLAR läufts mit dem Geld wie mit Luft und Liebe wirklich GAR KEIN PROBLEM. Lässt sich nur mit trockenem Humor überstehen, Selbstmordwitze vorprogrammiert, aber Beleidigungen nur kinderfreundlich, so viel ist sicher für die Mutter des Jahres™.</div> </td>
</tr></table>
<div class="p8">Wär so gern gut mit'm Leben, <br>	aber ich find alles scheiße</div>
<div class="lee-facts">
	<div class="lee-facts-title">Wusstest du, dass Steve:</div>
	<ul>
		<li>» ...tendenziell immer etwas zu viel Parfüm trägt?</li>
		<li>» ...lieber lange tote Haare hat als kurze gesunde?</li>
		<li>» ...Studenten hasst, die jeden Raum infiltrieren (Flohmärkte, Bars, boah Cafés in denen die mit ihren blöden bestickerten Laptops hocken und Latte saufen und natürlich müssen die arbeitsscheuen Steckdosenbefruchter dann noch auf Arbeiterklasse tun und ihre dummen Abkürzungen benutzen, die sie für alles haben außer wirklich lange und nervige Akademikerwörter)?</li>
		<li>» ...Videos witzig findet, in denen Kinder hinfallen?</li>
		<li>» ...immer Feuer unterm Hintern hat und nicht so lange Still sitzen kann, aber trotzdem jeden dafür verurteilt, dems genauso geht?</li>
		<li>» ...nichts mehr hasst als ihren Briefkasten und gerne mal wochenlang nicht reinschaut, nur um sich dann um noch mehr Scheiß kümmern zu müssen?</li>
		<li>» ...<i>Master of kreative Beleidigungen</i> ist, weil sie ihre Tochter nicht fluchen lässt?</li>
		<li>» ...nach jedem Problem "I'll figure it out" sagt (und das auch perfektioniert hat, weil lieber neuen Skill lernen müssen als nach Hilfe zu betteln, wie so ne erbärmliche Tiefseequalle)?</li>
		<li>» ...einen Bacherlorabschluss im Kissenburgbauen hat?</li>
		<li>» ...ein altes Cabriolet fährt, das dauernd meckert?</li>
		<li>» ...Drogen scheiße findet, aber muss ja jeder für sich wissen?</li>
		<li>» ...chronische Rückenschmerzen und Migräne hat?</li>
		<li>» ...trotz Geldmangel immer in ihre Gelnägel investieren würde? (aber das mittlerweile zumindest selbst kann)</li>
		<li>» ...einen kleinen Schwarzarbeit-Sidehustle hat, indem sie in ihrer Wohnung hin und wieder Nägel macht?</li>
		<li>» ...pansexuell ist, sich dem Männer-Dating aber komplett abgeschworen hat, weil so groß ist die masochistische Ader jetzt echt nicht?</li>
		<li>» ...sich vorgenommen hat nochmal eine Ausbildung zu machen, sobald ihre Tochter groß ist?</li>
		<li>» ...wirklich völlig egal ist, dass sie von außen gerne als sozialschmarotzende Tusse verurteilt wird, weil man sie anhand des Aussehens abschreibt?</li>
		<li>» ...ihren Schulabschluss nachgeholt hat?</li>
		<li>» ...für ihre Tochter schon jedes erdenkliche kinderfreundliche Hobby ausprobiert hat und jetzt einen Haufen Material Zuhause rumliegen hat, den niemand benutzt (braucht jemand einen Sack voller Klopapierrollen? Nein? Echt nicht, sicher?)</li>
		<li>» ...gerne sinnvolle Nähprojekte startet (Einkaufstaschen aus alten Kissenbezügen, Beutel aus Regenschirmen, ...)?</li>
		<li>» ...nichts tun kann, das keinen Nutzen hat?</li>
		<li>» ...wirklich völlig egal ist, wenn jemand was auf Arbeit einsteckt, weil dafür wird sie echt nicht genug bezahlt?</li>
		<li>» ...nur kocht, weil Rory auch ausgewogen essen soll und sich von Tütensuppe und TK-Pizza ernährt, wenn sie mal weg ist?</li>
		<li>» <img src="https://i.ibb.co/99sMGPBw/ezgif-11ed569e937267.gif" style="float: right; width: 93px; margin: 4px 0 0 9px;" />...drei Haustiere hat: Zwei weibliche Kronengeckos namens Banjo und Toast und eine Freigängerkatze namens Canneloni, die ihnen irgendwann vor drei Jahren mal zugelaufen ist (und eigentlich noch ein anderes Zuhause hat, aber beide sind der Überzeugung, die gehört ihnen, also teilen sie sich jetzt sozusagen das Sorgerecht für dieses fette faule Ding)?</li>
		<li>» ...schon einige Male in Erwägung gezogen hat, sich mit den Stadtkrähen anzufreunden und sie wie eine kleine gefiederte Privatarmee abzurichten?</li>
		<li>» ...sich am Ende des Tages hin und wieder mal ein Glas Whiskey (Sorte völlig latte) gönnt und sich dabei fühlt wie so'n richtiger Vater?</li>
	</ul>
	</div>
	<div class="p8">Meine Love Language ist mich permanent zu beschweren</div>
<br />
	<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify"># abgestumpft # angespannt # aufopferungsvoll # authentisch # bodenständig # dickhäutig # durchsetzungsfähig # ehrlich # emanzipiert # entschlossen # frustriert # fürsorglich # gefühlskarg # grobschlächtig # großspurig # hemmungslos # konsistent # kratzbürstig # launisch # lernfähig # meinungsstark # misstrauisch # morbide # nonchalant # sarkastisch # schlagfertig # tatkräftig # unpünktlich # unruhig # verantwortungsvoll # verkorkst # zwanghaft </div>
<br />
	<i>Ich hab dafür keine Zeit</i>, hört man von dir jedes Mal, wenn irgendwas auch nur in die Nähe deiner Gefühle kommt. Nene, danke-nein-danke, dafür hast du zu viel zutun mit den ewigen To-Do-Listen (lol, als würdest du Listen führen), den Terminen (deinen und Rorys), der Arbeit, den alltäglichen Lebensaufgaben – aber weißt du, so anstrengend das auch ist, tut's dir auch besser als Stillstand. Das kannst du mittlerweile gar nicht mehr ab und obwohl du eigentlich echt dringend (!) mal <i>Urlaub</i> bräuchtest, würd der dich doch einfach noch mehr stressen als der Alltagstrott. Den hast du nämlich perfektioniert (haha.) oder zumindest hast du dich dran gewöhnt, dass nichts jemals so läuft, wie es soll. Rastlos haben dich die letzten Jahre gemacht, rastlos und ungeduldig as fu– Oh sorry, hier wird nicht geflucht, weil du dir als Mutter des Jahres zusätzlich auch jeglichen Spaß verwährst. Naja, nicht ganz, aber das ganz laute FUCK, dass du regelmäßig gerne in die Welt brüllen würdest, bleibt zumindest genau dort: In deinem Kopf. Hat dich auch kreativ gemacht, so viel muss man dir lassen. Allgemein, dieses Mama-sein und die Geldsorgen, die du seitdem hast. <i>Not macht erfinderisch</i>, heißt es schließlich nicht umsonst und weil du allergisch dagegen bist, andere Leute um Hilfe zu fragen,  umso mehr. Da kribbelts dir schon auf der Magenschleimhaut, wenn du nur dran denkst, bah. <i>Das kriegst ich hin</i>, hört man nämlich genauso oft aus deinem Mund und aus irgendeinem Grund hast du damit auch (meistens) recht. Spite is a great motivator.<br><br>Jedenfalls ist es vermutlich gar nicht mal so klug, dass du dir keine Gelegenheit lässt all das zu entpacken, was andere Trauma nennen würden. Findest du auch lame, so ne Opferhaltung steht dir nicht. Aber manchmal hasst du schon diese Vernunftader an dir, die dich davon abhält, jemanden abzustechen, ganz ehrlich. Manchmal denkst du dir, dass es ein Segen ist, dass du im Körper einer dürren Blondine (fake, aber pscht) geboren wurdest, weil im Universum, in dem du als breitgebauter Mancunian auf die Welt entlassen wurdest, herscht sicher Ausnahmezustand vor deinem Rachefeldzug. Gotham-City-ass Zustände. Aber <i>oh well</i>, in diesem Universum bleibt dir nichts, außer die Fäuste zu ballen und zu kreischen und hin und wieder, wenns wirklich arg wird, sollte sich gefasst machen, was auf der nächsten Ablage liegt und höchstwahrscheinlich gleich auf den Boden gefegt wird. Manchmal wünschst du, du könntest öfter Heulen, dann wär das einfach alles wieder aus deinem System, aber leider herrscht Sahara in deinen Drüsen und somit presst es dir nur schwer gegen die Brust, wenn du nachts im Bett liegst. <i>Psychotisch</i> hat dich deine letzte Ex-Freundin genannt, du präferierst <i>'emotional komplex mit schlechter PR'</i>. Braucht schließlich auch immer ein bisschen, um dich überhaupt rauszukicken aus diesem fast schon apathischen Resting Bitch Face, das permanent auf deinem Gesicht eingefroren ist. 'Vom Lächeln gibts Falten', sagst du immer dann, wenn du dir anhören musst, dass du mal lachen sollst, dabei bist du ja gar nicht mal so humorlos. Nur sehr trocken eben und manchmal gewiss auch gemein, aber selten unberechtigt (sonst denkst du dir deine Kommentare nur, du bist ja kein Unmensch). Jedenfalls kann bei dir auch echt niemand behaupten nicht zu wissen, woran er ist und ehrlich, das vermisst du in dieser Welt auch am meisten.<br />
	<div class="p8">Ich versteh schon, warum der Hahn nach dem Aufstehen schreit</div>
<br />
<div class="s-wr">
	<div class="s-l"></div>
	<div class="s-b">Heimathass, spezielle Eltern, Namen mit S <ti>27.04.1988 - 2003</ti></div>
<br />
	<div class="s-tb">Du hasst dieses Kackviertel. Gefällt niemandem, wenn du das sagst, weil die sich in ihrem Regionalstolz was darauf einbilden, dass sie gammelige Wohnungen und das Leben unterm Lebensstandard durchgestanden haben, aber es ist wahr. Dabei hattest du es ja nie schlecht, da in diesem Haus in Oldham, in dem ihr euch weder Sorgen um die nächste Rechnung machen musstet oder die Launen irgendeines Elternteils. Ging vielen anderen nicht so, wusstest du auch, und manchmal hattest du das Gefühl, die nehmen dir das übel, wenn du im Sommer doch immer mal wieder im Urlaub bist oder sie sich an irgendwas anderem aufhängen, als wärst du mit ner Überheblichkeit durch die Welt gelaufen, die man dir höchstens angedichtet hast. Vielleicht hat man's auch einfach auf dich übertragen, weil deine Eltern schon immer so ne gewisse naserümpfende Art an sich gehabt hatten und sich regelmäßig über die Problemcharaktere in ihrem Viertel echauffierten, als wären die plötzlich einfach aufgetaucht. Fandest du unangenehm, es waren ja auch deine Freunde, von denen sie da sprachen, aber ihr wart eben eine dieser Familien, bei denen ein Kind völlig selbstverständlich nach Hause geschickt wurde, wenn es Essen gab (und gerne danach wiederkommen durfte, ok, tschüss!)<br><br>Du wolltest schon immer erwachsen sein, damals als du mit sechs mit dem Lippenstift und den Heels deiner Mutter durchs Haus stolziert bist, als würde dir die Welt gehören (und dich auf die Fresse gelegt hast, aber das ist der unromantische Teil der Story). Das war in Ordnung, meistens. Konsistenz gab's Zuhause nämlich auch nicht immer und generell hatten deine Eltern ganz absurde Regeln, die galten <i>'solange du noch unter meinem Dach lebst'</i> blabla, das hast du oft gehört und genauso oft auf Durchzug geschalten. Speziell waren die eh, merkt man ja allein an euren Namen, weil bei Stanley, Stefania und Santiago neben dem ganz klaren S-Theme auch so ne gewisse Prise Absurdität drin steckt, für so ne Bio-Britische Familie in der auch wirklich kein Tropfen spannender Historie steckt.<br />
	</div>
	<div class="s-b">not like other girls, Teen Pregnancy, fuck <ti> 2003 - 2004</ti></div>
<br />
	<div class="s-tb">Ältere mochtest du schon immer. Kam auch ein bisschen von deinem Bruder, der's natürlich gar nicht gefeiert hat, wenn sich seine kleine Schwester in den Boy's Club eingezeckt hat, aber dass kleine Schwestern und beste Homies off limits sind, hat da auch niemanden interessiert. Klar probierst du dich aus und du findest die Aufmerksamkeit auch einfach ein bisschen toller als von anderen. Dass Mort(imer) vier Jahre älter ist als du, trägst du wie eine Badge of Honor, putting the egal in illegal. So richtig Liebe ist es ja nicht, wenn ihr besoffen übereinander herfallt, weißt du auch, obwohl du den echt toll findest.<br />
Tja und dann bist du plötzlich schwanger. Surprise [hier bitte Tröte einfügen]!!! Naja, so euphorisch bist du jedenfalls nicht, als du mit Magen-Darm zum Arzt gegangen bist und plötzlich mit dem "Glückwunsch, Sie sind im siebten Monat" rauskamst. Also ne, stimmt nicht so ganz, beglückwünscht hat dich der Herr Doktor auch nicht, denn klar gibt's schönere Dinge in der Welt als schwangere Teenager und spätestens an diesem Tag beschließt, dass du Überraschungen ziemlich beschissen findest.<br />
<br />
Deine Eltern übrigens auch. Du wusstest, dass es so oder so ein Desaster werden würde und während du dir noch eine Erklärung zurechtlegst, wühlt dein Mutter in deiner Privatsphäre und findet die Broschüren, die dir der Arzt mitgegeben hat. Die denken natürlich sofort, du hättest sie 33 Wochen lang angelogen und deine hysterischen Tränen werden als Beweis gewertet. Das "Geh mir aus den Augen" deines Vaters nimmst du wörtlich, auch wenn sich jetzt, Jahre später, niemand einig ist, ob man dich rausgeschmissen hat, oder du freiwillig gegangen bist. Fakt ist: Du hast deine Koffer gepackt, die Tür hinter dir geknallt und erstmal für ein paar Tage woanders gepennt. Hielt nicht ewig, aber weil dir auch wirklich niemand die Zeit geben will, deine Gedanken zu ordnen und einfach fucking klarzukommen, taucht dann auch noch Morts vor deiner Tür auf, weil das Getuschel schnell die Runde macht. Der glaubt natürlich nicht, dass er der Vater ist, aber will das trotzdem aus deinem Mund hören und als der dich so darstellt als wärst du die übelste Schlampe, glaubst du echt, dir brennt gleich alles durch. <i>Treib halt ab</i>, ist die Moral der Geschicht, aber dass du das nicht mehr kannst, weil es dafür zu spät ist, zählt irgendwie nicht als Argument. Deine Schuld bleibts am Ende des Tages eh, weil du das ja hättest merken müssen, wie blöd kann man denn sein. An Ort und Stelle hast du dir gewünscht, dass ihr beide tot umfallt, stattdessen geht er nur und du fantasierst kurz vom Toaster und der Badewanne.<br />
<br />
Passiert alles nicht und ein paar Tage später bist du wieder im Haus deiner Eltern. Glauben tun sie dir immer noch nicht, du willst in deinem Trotz keine Hilfe annehmen und ihr redet nur, wenn es sein muss. Stillschweigend lässt du dich zu den ganzen Terminen fahren, die du plötzlich hast und wenn du danach mit deinem Vater im Auto sitzt, weißt du nicht ob du heulen willst, deswegen starrst du nur aus dem Fenster. Auch wenn ihr hin und wieder gleichermaßen stillschweigend durch den Drive-Thru irgendeiner ranzigen Fast Food Kette fahrt, weißt du, dass man sich deinetwegen bemüht, aber du auch weiter das Problem bleiben bist.<br />
<br />
Symptome hattest du mit deiner <i>kryptischen Schwangerschaft</i> (treffender Name auch, findest du bis heute) keine - bis du von ihr wusstest, dann kamen die plötzlich alle. Selbst dein Bauch wird plötzlich größer, als hätte er die letzten sieben Monate innerhalb weniger Tage aufgearbeitet. Man hat dir immer in irgendwelchen Kursen erklären wollen warum, aber zugehört hast du nicht, nur weiter nach dem <u>Warum</u> gefragt, auf das dir niemand eine zufriedenstellende Antwort geben kann. <i>Das kann passieren</i>, heißt es immer, <i>eine von 2500 Frauen merkt es nicht vor der 40. Woche</i>, aber WARUM DU denn eine von ihnen bist, kann oder will man dir nicht beantworten und dann heißt es <i>bla bla pränatale Depressionen</i> und du würdest dir am liebsten pränatal die Kugel gegeben. Vielleicht sind die Symptome der letzten Wochen auch gerade deswegen so grausam, weil dich wirklich alles an dem Gedanken anekelt, dass in dir gerade zwei Skelette stecken. <I>Pregnancy Glow</i> heißt es mal in einem Mutterkurs, danach gehst du nie wieder hin.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Single Mum Life, homicidal ideation <ti>2004-2017</ti></div>
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	<div class="s-tb">Wenigstens hält die Zeit nicht lange an, könnte man jetzt behaupten, wenn man den Arsch offen hat. Das Kind ist da, Rory, ein Mädchen und einen Vaterschaftstest später kannst du dich nicht mal gehässig dafür freuen, dass der Kerl, der dich die letzten Wochen im Stich gelassen hat, doch nicht fein aus der Sache raus ist. Deinen Schulabschluss holst du erst in ein paar Jahren nach, in der Zwischenzeit ziehst du auch von Zuhause aus, weil du es nicht ertragen kannst, auch wenn du die Unterstützung eigentlich brauchst. Klar willst du raus aus Oldham, weil das auch kein Ort zum Kinderkriegen ist, aber weil die Mieten günstig sind und du dir einbildest, dass der Vater deines Kindes vielleicht mehr da ist, wenn du näher an ihn heran ziehst, tust du genau das. Dass du Morts das Baby unter die Nase halten musst, damit er es nicht spontan vergisst, zeichnet sich dann doch ab, ätsch. Wieder ätsch als der Wichser einfach selbst wegzieht. <i>Motherf---</i> Achso, ja, das Fluchen trainierst du dir auch ab, man reiche dir den Mutter-des-Jahres-Preis. Dass der Kerl in deinen Gedanken schon mindestens 46 verschiedene qualvolle Tode gestorben ist, kann man dir aber nicht nehmen.<br />
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Einen Job hast du jetzt auch, halbtags. Hast auch echt anderes in deiner Zukunft gesehen als Tesco Kundenservice aber na klar, für ein paar Jahre machst du das, obwohl du den HO Fuzzi fast anblökst, als er dich fragt, warum du dort arbeiten willst. Scheinbar mit der großen Hoffnung auf eine lebenslange Leidenschaft für gekühlte Fertigwraps und sortierte Obstabteilungen, leider erfüllst du die nicht ganz. <i>Diggah, ich bin arm verdammt</i>, willst du brüllen, <i>Ich wollte schon immer in einem Bereich arbeiten, in dem ich viel mit Menschen zutun habe</i> kommt stattdessen gepresst aus dir, quasi der erste Step in Richtung Customer Service Voice.<br />
Da bleibst du auch länger. Kennst den Laden halt auch gut, zwischendurch wirst du mal versetzt, weil ne neue Filiale aufmacht, aber sonst ändert sich wenig. Am schlimmsten sind die Pausenzeiten der nächstgelegenen Schule, in denen fühlst du dich dem Strick wirklich am nächsten. Und bei ner Wursttheke würdest du auch nie mehr was holen, seit du weißt, wie es da abläuft, absolut widerlich. Aber sonst schon ganz ok. Nicht der Traum, aber bezahlt Kost und Loge.<br />
Nicht viel mehr ist das Problem. Obwohl du regelmäßig seitenweise Papierkram ausfüllst, ist Child Support auch nicht viel und wenn Morts nicht zahlt, dann wird's eng. Den willst du jetzt auch weniger tot sehen, übrigens, auch wenn er sich echt Nullkommanull selbst dafür eingesetzt hat. Aber du beißt in den sauren Apfel und arrangierst dich mit dem Single-Mum-Leben und hoffst, dass deine Tochter nicht komplett ohne Vater aufwachsen muss. Dass Dating mit Kind absolut beschissen läuft, muss man niemandem erzählen und weil du auch nicht jede:n Dahergelaufenen direkt vorstellen willst, sieht's an der Front eher Mau aus. Aber komm, gibt größere Probleme gerade.<br />
<br />
Die Monatsrechnung passt aber leider auch nicht vorne und/oder hinten, wenn du dich für friedliche Koexistenz einsetzt und so hangelst du dich von Nebenjob A bis ca. K einmal durch. Geputzt hast du abends nach der Arbeit, zwischendurch mal eine alte Frau zweimal die Woche bespaßt und für sie eingekauft, ungefähr drei Wochen hast du in einer Schulkantine ausgehalten und nach einer Nachtschicht Amazon Logistics Centre zu viel, hättest du dich am liebsten selbst eingewiesen oder alternativ von der nächsten Brücke gestürzt. Geht so nicht weiter, merkt auch dein Dickschädel schließlich und obwohl die £8/hour Bezahlung bei bestem Willen kein komfortables Leben erlaubt, hockst du nach der Schicht im Supermarkt nun an deinem Laptop und fügst Daten in Excel-Tabellen ein bis die Buchstaben vor deinen Augen verschwimmen. In Oldham bleibt ihr auch, du willst deine Tochter nicht aus ihrem Umfeld reißen. Zug abgefahren.<br />
	</div>
	<div class="s-b">regretting motherhood, illness, teenagers suck <ti>2017-</ti></div>
<br />
	<div class="s-tb">Aber du weißt ja wofür du's machst, denkst du dir manchmal, wenn Rory in der Küche steht, während du arbeitest. Dass du nicht gerne Mutter bist, das weiß sie auch, aber dann gibt es Tage, an denen hängst du mit deiner kleinen besten Freundin über der Lehne der Couch an der einen Stelle in der Wohnung, in der die Sonne Abends durchs Fenster schaut und ihr knabbert Bread Sticks und blättert kopfüber durch alte Fotobücher und es fühlt sich alles gar nicht so übel an.<br />
Nur geht's der plötzlich richtig schlecht und nachdem ihr über ein Jahr dauernd von Arzt zu Arzt hetzt, steht die Diagnose Rheuma im Raum und du fragst dich, obs bisher noch zu langweilig war oder warum das Schicksal jetzt wieder austeilen musste. Viel zu oft fragst du dich, ob das wieder deine Schuld ist, schließlich hast du zumindest in 33 Wochen Schwangerschaft ordentlich einen gebechert und auch wenn du weißt, dass es da eigentlich keinen Zusammenhang gibt, bleibt da dieses flaue Gefühl im Magen, weil das plötzlich eine Sache ist, die du nicht einfach stellvertreten schultern kannst.<br />
		<div class="p8">wer am Gasherd sitzt sollte nicht mit Zigaretten werfen</div>
<br />
	<div class="lee-mood">
		<img src="https://i.pinimg.com/1200x/79/67/4b/79674bc0a93acd9942602f48a690a311.jpg"><img src="https://i.pinimg.com/736x/05/78/1d/05781d0c41bb41bf76eff0b9418b8463.jpg"><img src="https://i.pinimg.com/736x/70/cc/d1/70ccd16d280ed35920c13dad9b455d63.jpg"><img src="https://i.pinimg.com/1200x/87/ef/17/87ef179b579f8d012c84dfbe4214b553.jpg"><br />
	</div>
	<div class="lee-shortfacts">
		<div>Rory Stewart</div><div>13 Jahre</div><div>27.12.2004</div> <div>Schülerin (8. Klasse)</div><div>Rheuma</div>
	</div>
	"Dein erstes mehrsilbiges Wort war <i>nuclear disarmament</i>, weil das der Nachrichtensprecher so schön aufgeschlüsselt hat und wie ein Papagei hast du es die nächsten Jahre immer vor dir hergebrabbelt. Von da an wusste ich: Irgendwann, wenn du groß bist, werde ich dich von der Polizeistation abholen müssen, weil du bei irgendeinem linken Protest nen Beamten beleidigt hast. Vielleicht ist bis dahin noch etwas Zeit, ich würd's mir wünschen. Du wirst zu schnell groß, ich werd nicht müde, das zu erwähnen, auch wenn du dann immer die Augen verdrehst. Guck, bald bist du so alt wie ich, als ich dich bekommen habe. Ich will nicht, dass du die gleichen Fehler machst wie ich, ich weiß, das hängt dir zu den Ohren raus, aber es ist so. Ich dachte immer, ich würde mich freuen, wenn du irgendwann ausziehst und ich endlich mal Zeit für mich habe, aber so richtig Freude kommt da nicht auf. Naja, passieren wird's früher oder später sowieso und ich freu mich auch, dir dabei zuzusehen, wie du ein richtiger Mensch wirst (nicht, dass Kinder keine richtigen Menschen sind, aber du verstehst schon, was ich meine).<br><br>Aber jetzt müssen wir eh erstmal durch diese lästigen Teenagerjahre. Ich fand die schon immer scheiße, aber bei dir versuch ich gnädiger zu sein als bei den Hustensaftschmugglern, die mir auf der Arbeit immer auf die Nüsse gehen. Ich weiß ja auch, wie schwer das ist, aber du machst es mir auch echt nicht einfach, Rory, lass dir das mal gesagt sein. Manchmal fühlt es sich an, als würden wir uns neu kennenlernen müssen. Du bist oft genervt von mir und ich weiß nicht warum und erreichen kann ich dich dann sowieso nicht. Du machst mir Vorwürfe und triffst damit natürlich genau die Punkte, die am meisten wehtun. Hast du das von mir? Ich krieg nicht aus dem Kopf, wie du mir bei einem Streit mal an den Kopf geworfen hast, dass ich der Grund dafür wäre, dass dein Vater keinen Bock auf dich hat. Wenn ich darüber nachdenke, dann bin ich immer noch richtig sauer, ich will nicht so tun als wäre ich's nicht. Ich hab immer alles versucht für dich und dann in dieser einen Sache in der ich völlig machtlos bin, bin ich auch noch die Gearschte. Dass ich den Kerl richtig gefressen habe, mag zwar sein, aber weißt du eigentlich wie oft ich meinen Stolz runtergeschluckt habe, damit du wenigstens weißt, wie es sich anfühlt einen Vater zu haben? Na du siehst ja, wie erfolgreich ich damit bin. Aber klar, gib mir nur weiter die Schuld, ist Familiendisziplin, ich kenns doch mittlerweile auch nicht anders.<br><br>Ich hab mein Leben für dich geopfert und ja, ich würd's wieder tun. Dass ich nicht gerne Mutter bin, weißt du trotzdem, ich find's wichtig damit offen umzugehen. Liegt nicht an dir, das weißt du hoffentlich auch. Aber als Mutter wirst du immer von der Gesellschaft geächtet, egal was du tust. Entweder du arbeitest zu viel oder nicht genug, bist ne schlechte Mutter wenn du äußerst, dass du das alles nicht wolltest und wenn du Zeit für dich selbst brauchst, dann bist du nicht für dein Kind da und wenn du's nicht tust, dann wird dir das trotzdem böse angekreidet, weil du so gestresst wie du bist, einen schlechten Einfluss hast. Oh und dass du ne Single-Mum bist, ist auch deine Schuld, weil wir als Gesellschaft auch beschlossen haben, dass die Frau immer Schuld ist. Anerkennen was für ne verdammt anstrengende Arbeit das ist, tut sowieso niemand, ich könnte mich darüber echt ewig beschweren, aber würde uns ja beiden nichts bringen. Irgendwann werden wir mit schlechten Cocktails in der Sonne liegen und darüber lachen, wie wir das alles zusammen geschafft haben. Ich würd's mir wünschen.</div> </div></div></div>
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<style>.s-b {position:absolute} .s-wr {margin:auto}.s-b {background-color: #2a698b }.s-tb, .l-b{position:relative}.s-tb{text-align: justify}.s-b dt{font-weight:600}.s-wr{width:100%;border-left: solid 8px #2a698b}.s-b{max-width:440px;z-index: 2; padding:5px 10px 5px 15px;font-size:13px;font-family: 'Montserrat', sans-serif;color:#fff;text-transform:uppercase;letter-spacing:0.5px}.s-b ti{font-size:10px}.s-tb{padding: 37px 15px 10px 10px;} .lee-mood {width: 102%;display: flex;justify-content: space-between;}.lee-mood img {width: 110px;height: 100px;object-fit: cover;}.lee-shortfacts { margin: 10px 0; width: 100%; display: flex; flex-flow: row wrap; justify-content: space-between; align-items: top; gap: 7px;}.lee-shortfacts div { padding: 5px 5px 4px 5px; border-radius: 2px; background-color: #2a698b; flex: 1 0 auto; font-size: 8.4px; font-weight: 500; line-height: 8px; letter-spacing: 1px; text-transform: uppercase; text-align: center; color: white;}</style>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Sookie Moon]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2554</link>
			<pubDate>Sat, 17 May 2025 15:58:10 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=541">Sookie Moon</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2554</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki"><div class="p2"><S>Jeong-suk</S> Sookie Moon</div><div class="p3">Get them drunk on rose water</div><div class="ph1"><div class="ph2"><div class="p9">„</div><div class="p10" style="text-transform: none; margin-top: -15px; width: 65%;">Meine kriminelle Karriere hat angefangen als ich mit fünf £150 Strafe zahlen mussten, weil ich einen illegalen Limonadenstand aufgebaut habe. Ab dem Tag wussten meine Eltern, dass ich mal ein ganz schlimmer Finger werden würde und ich, dass Cops nicht zu trauen ist.</div></div><div style="display: flex; justify-content: space-between; width: 100%;"><img src="https://i.ibb.co/KzR549QN/4b1030c19b6a8c385a99156de474a8cf1b5381bf.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/0RFc9bzB/ezgif-com-crop-15.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/gLsQ6LFv/tumblr-024b44d92bbcb0f42a5927f184ac25e0-767662c6-540.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"></div></div>
<div class="p4">
<table><tr><td class="p6">
<div class="feldu" style="width: 150px; margin-left: 5px;">Lee</div>
<div class="feldb2"><span class="bvpr">Alter // </span>31 Jahre</div><div class="feldb2" ><span class="bvpr">Job // </span>Dramaturgin</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Pizza // </span>Meeresfrüchte</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Ava // </span>Greta Lee</div>
</td>
<td><div class="p7"><div class="p5-2"><img src="https://64.media.tumblr.com/90351696aae4e787c21769fa4de22ff2/d76100c4c4a1eb34-b9/s540x810/f81469d1654130dff62b4809899f5da06365f126.gif" style="margin: 10px; height: 50px; width: 70px; object-fit: cover"></div>Wusstest du eigentlich, wie einfach es ist, seinen Namen zu ändern? £36 und <i>bam</i>, reicht sogar für einen neuen Ausweis. <i>Jeong-suk</i> - heißt sowas wie <i>ruhig</i>, <i>zart</i>, <i>rein</i> und sollte damit Grund genug sein, den eigenen Namen zu ändern, kann eh niemand buchstabieren oder aussprechen. Sookie, das heißt sowas wie <i>ich verleugne meine Vorfahren</i> – zumindest, wenn man ihre Eltern fragt, aber da die noch gar nichts von der Namensänderung wissen, tust du das bitte nicht (sonst knallts!). <i>#JustKoreanParentsThings</i> ist jedenfalls der Hashtag, mit dem sie ihr Leben untertiteln könnte, kein Wunder zog es Sookie direkt nach den A-Levels weit in den Norden nach Manchester. Denn <i>Dramaturgie</i> bezahlt schlecht und es reicht, wenn die rote Zahl am Ende des Monats dran erinnert, dafür ist das Urteil ihrer <i>eomoni</i> vergeudete Kraft. Aber naja, man findet eben seinen Weg im Leben und das am besten in Schlangenlinien, um auch ja nichts zu verpassen. Tut dem Geldbeutel nicht gut, aber warum tut man das denn alles, wenn nicht für den netten Wein am Abend mit Freund:innen? Eben!</div> </td>
</tr></table>
<div class="p8">It's good to see me, isn't it?</div>
<div class="lee-facts">
	<div class="lee-facts-title">Wusstest du, dass Sookie:</div>
	<ul>
		<li>» ...pseudo-sprituell ist und manchmal dabei erwischt werden kann, wie sie die bösen Vibes mit aggressivem Räucherstabgefuchtel verflucht?</li>
		<li>» ...Mario Party obsessed ist und dich herausfordern wird, um Dominanz zu beweisen?</li>
		<li>» ...für alle Freunde und Bekannte dumme Awards für jegliche Errungenschaften bastelt (und wenn sie nur aus Buntstift auf Papier bestehen!!)?</li>
		<li>» ...eine vierstellige Duolingo-Streak mit Spanisch hat, aber keine Konversation führen könnte?</li>
		<li>» ...zwar beruflich nicht schauspielert, aber dafür hobbymäßig in der Amateur Improv-Gruppe "Out of Context" ist?</li>
		<li>» ...300 Notizbücher aktiv benutzt und sich dauernd mehr kauft, keins davon jemals beendet und trotzdem darauf schwört, sie thematisch voneinander zu trennen?</li>
		<li>» ...regelmäßig versehentlich das falsche Notizbuch dabei hat und dann natürlich nicht mehr richtig arbeiten kann?</li>
		<li>» ...Emojis gerne sprechen können würde (und sich dann daran erinnert, dass es für sowas etwas namens "Gesichtsausdruck" gibt)?</li>
		<li>» ...jedes Lebensmittel frittiert gleich 20x besser findet?</li>
		<li>» ...eigentlich ganz gut kochen kann, aber im Alltag manchmal tagelang nur trockene Tortellini oder Nudeln mit Tomatensauce isst?</li>
<li>» ...ein paar kleine Tattoos hat, aber nicht um Traum drauf kommen würde, das vor ihren Eltern preiszugeben?</li>
		<li>» ...Horrorfilme liebt und gleichzeitig ein absoluter Hosenscheißer ist?</li>
		<li>» ...Nagelkauerin ist und sich deswegen regelmäßig die Nägel lackiert, damit es im Rahmen bleibt?</li>
		<li>» ...alles mit pseudo-Esoterik belegt, obwohl sie davon gar keine Ahnung hat? (<i>'Klar liegt das an deinem Sternzeichen und natürlich weiß ich was diese Tarotkarte eines...Kelchs...für dein...Leben bedeutet...'</i>)</li>
		<li>» ...auf Tarotkarten schwört, obwohl sie diese ohne beiliegende Anleitung ungefähr so gut liest wie ein Kind mit Dyslexie einen Shakespeare-Text?</li>
		<li>» ...unordentlich ist, aber WEHE KLEIDUNG LIEGT AUF DEM BODEN!!!!</li>
		<li>» ...eindeutig zu viel Kaffee trinkt und Kopfschmerzen kriegt, wenn sie zu lange keinen mehr hatte? (ab wann ist es kritisch?)</li>
		<li>» ...einen Sport daraus macht, in Spielen zu cheaten?</li>
		<li>» ...früher ein Fan-Fiction-Teenie war?</li>
		<li>» ...richtig gerne Fashion Ikone und Trendsetter wär, dafür aber viel zu wenig Ahnung hat, aber sie probierts!!!</li>
		<li>» ...manchmal potthässliche Accessoires und Kleidungsstücke findet und sie dann trotzdem trägt weil STATEMENT PIECE?</li>
		<li>» ...morgens-mittags-abends auf Stretching schwört? (<i>aggressive omm-ing intensifies</i>)</li>
		<li>» ...irgendwann während des Studiums bei der obligatorischen Gastroarbeit mit dem Rauchen angefangen hat, um die Fünf-Minuten-Pausen auskosten zu können, aber wehe, jemand sagt das ihren Eltern?</li>
		<li>» ...Kippen dreht, weil sie findet, dass es ein Statement ist, Schachtel zu rauchen, das sie einfach nicht unterstützen kann? (auch wenn sie es richtig lästig findet...)</li>
		<li>» ...ganz gerne mal einen kifft und der Überzeugung ist, dass es der Menschheit besser gehen würde, würden sie das öfter tun?</li>
		<li>» ...noch im Sterbebett nicht auf die täglichen NYT Games verzichten könnte?</li>
	</ul>
	</div>
	<div class="p8">Sugar, Honey, Ice and Tea</div>
<br />
	<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify">#aufgeschlossen # begeisterungsfähig # frohsinnig # schnell frustriert # gerechtigkeitsliebend <span style="font-size: 10px">(außer wenn es darum geht, bei Spielen zu cheaten...)</span> # gnatzig # herzig # humorvoll # ideenreich # interessiert # kommunikativ # komplexbehaftet # konfliktfähig # kratzbürstig # lebensfroh # liberal # meinungsstark # nörglerisch # schlagfertig # schnippisch # schusselig # selbstkritisch # spendabel # sturköpfig # ungeduldig # unternehmungsfreudig</div>
<br />
Sookie hat nicht immer recht, weiß sie auch selbst, aber das letzte Wort hat sie trotzdem. Aus Prinzip schon, vielleicht ist das nur eine kindische Trotzreaktion, aber man muss sich eben irgendwie behaupten, oder? Passiert ja nicht von alleine, die gewisse Chuzpe braucht man eben a) um im Kunstbereich irgendwie zu überleben und b) den Verstand nicht zu verlieren in diesem konservativ-verschrobenen Vorstadthaus, in dem Sookie – sorry, <i>Jeong-suk</i> – bis zu ihrer finalen Flucht in den Norden des Landes ausgeharrt hat. Naja, den Namen kann man ablegen, immer wieder in Rebellion gegen die eigenen Eltern gehen auch, aber so richtig ablegen tut man diese Erziehung auch nicht. Und ja, Sookie mag vielleicht so tun, als wäre ihr das alles scheiß egal, aber es gab mehr als einen (oder sieben) Momente, in denen sie beim Staubsaugen dramatisch (und ziemlich laut...) zu <i>literally any Mitski song</i> geheult hat – und hätte sie dabei jemals jemand erwischt, hätte sie diesen jemand vermutlich den Balkon runter geworfen. Das gehört ja zum Leben wie auch zum Theater: Behaupten. Sozusagen das <i>name of the game</i>, andere nennen das "Überprojektion", Macher sagen "Manifestation".	Sookie erwischt sich zum Beispiel manchmal beim Nörgeln über andere, beinahe schon verurteilend, und dann schüttelt es sie, weil dieser Gedanke, langsam zu ihrer Mutter zu mutieren, absolut abstoßend ist. Reicht ja, dass sie die Probleme mit dem Selbstbild mit der Muttermilch eingeimpft bekommen hat, aber denen will sie auch einfach keinen Raum geben. Dann lieber <i>so tun als ob</i> und hoffen, dass es irgendwann auch einfach <u>ist</u>. Gar nicht so einfach, schnallt sie spätestens dann, wenn sie dann doch Zuhause am Essenstisch sitzt und aus der sonst so frohsinnigen und sympathischen Person plötzlich wieder der patzige, fast schon zickige Teenie rauskommt, der damals immer mal wieder von Zuhause weglief, und wenn auch nur für ein paar Stunden, um mit verschränkten Armen am See zu sitzen (bis es dann doch zu kalt wurde). Es ging ja ums Prinzip, damals wie heute. Aber trotz der gezielten Provokation bleiben dann doch ein paar Sachen, die lieber geheim bleiben und dann nervt es sie, dass sie mit denen so geheimnisvoll umgeht und versteht gleichzeitig nicht, warum das nicht einfach normal sein kann. Man erzählte seinen Eltern ja nicht alles. Niemanden, eigentlich.<br><br>Andersrum aber bitte schon, übrigens. Da kommt die Neugierde durch und außerdem, hat Sookie sicher viele gute Einwände, Ideen, Lösungsvorschläge, oder was auch immer gerade gebraucht wird. Begeistern kann man sie ohnehin für alles, also keine falsche Scheu! <i>Ally-sein</i> kriegt sie hin, das gehört zur politischen Grundhaltung, die jeder Mensch braucht und die bei Sookie trotzdem nicht so gefestigt ist, wie sie es gerne hätte. Cops kann man nicht vertrauen, aber ohne würde auch nicht gehen; Kapitalismus scheiße, aber ist Kommunismus wirklich die Lösung?; und was ist der richtige Umgang mit Kriminalität, wenn das Gesetzessystem so scheiße ist? Schwierig. Sookie hat wenige Antworte, aber viele Meinungen und die teilt sie auch gerne, nur diskutieren mag sie die nicht. Dann lieber ein nettes Gespräch wahlweise bei Wein, gutem Essen oder einem kleinen Joint, so unterhält es sich schließlich am besten. So viel wie Sookie ausgeht (und wenn auch nur um den £7.50 überteuerten Kaffee in der Pause zu genießen...), wundert es auch niemanden, dass das Konto in der letzten Monatswoche immer kritisch aussieht. Aber man arbeitet ja, um zu leben und leben, das tut sie. In vollsten Zügen und mit den Menschen an ihrer Seite, mit denen man in einer Lebensspanne ohnehin nicht genug Zeit verbringen kann. Selbst wenn alle Stricke reißen, wäre das wohl die eine Sache, die sie weiterhin bewahren würde.<br> <br />
	<div class="p8">A flower in a gun, a bird in flight</div>
<br />
<div class="s-wr">
	<div class="s-l"></div>
	<div class="s-b">Kindheit, Schulzeit, Teenage Years <ti>25.03.1986-2004</ti></div>
	<div class="s-tb">Sookies <i>eomoni</i> sagt immer, dass man ihr anmerkt, dass sie nicht in Korea geboren ist, dabei ist sie wirklich die letzte, die man dafür verantwortlich machen kann. Anders als ihr älterer Bruder Joon-ho, kannte Sookie (oder damals noch Jeong-suk) aber nichts anderes als New Malden und diese koreanische Kommune in die die Familie kurz vor ihrer Geburt ausgewandert war. Oft raus ging es sowieso nicht, zumindest nicht, bis sich Sookie auf eigene Faust aufgemacht hat, um mal was anderes zu sehen als immer die gleichen Läden mit immer den gleichen Leuten. Das Problem am Kleinstadtleben voller tratschender alter Leute? Man war nie anonym. Die <i>curfew</i> achtete Sookie damals wie ein Gesetz, bis sie es irgendwann eben nicht mehr tat, weil wirklich nichts half, um ihre Eltern einmal zufrieden zu stellen. Waren die Noten gut, waren Joons besser, wurde das Zimmer aufgeräumt, konnte nach kurzer Inspektion festgestellt werden, dass die Schubladen doch noch durcheinander waren und außerdem sollte sie darauf aufpassen, nicht aufzuquellen wie eins der weißen Kinder von nebenan. Ja, zwischenzeitlich fing sie unter dem Druck auch an, richtig garstig zu ihrem Bruder zu werden, weil sie ihn dafür verantwortlich machte, immer mit ihr verglichen zu werden. Die Lauteste in der einengenden Wohnung war sie sowieso immer gewesen, das änderte sich auch nicht, als sie irgendwann – da muss sie ein junger Teenager gewesen sein – beschloss, dass <i>zusammenreißen</i> ziemlich kacke war, wenn es ohnehin ins Nichts führte. Das gab richtigen Ärger und jedes Mal wenn sie dann doch zum Essen zurück in dieser gottverdammten Straße, in diesem gottverdammten Wohnung an diesem gottverdammten Esstisch sitzt, dann kommen die Erinnerungen wieder, als hätten sie dort nur auf sie gewartet. Ja, vieles war auch provoziert gewesen, konnte Sookie zugeben. Davor war niemand sicher, weder ihre Eltern, noch der Bruder, der genauso schweigsam am Tisch saß und ziemlich oft so aussah, als würde er ihr am liebsten den Mund zuhalten. <br />
		Dabei war sie ja nicht mal so außerordentlich rebellisch, würde sie jetzt rückblickend behaupten. Andere Teenager rannten weg und lernten unter vollbesprayten Brücken die Nadel kennen, Sookie wagte es, in ihrem ersten crop top durch die Tür stolzieren zu wollen (an den Streit denkt sie heute noch und fragt sich, wie sie sich da keine gefangen hat, denn möglicherweise hatte sie in diesem Anflug von <i>Teenage Rage</i> nicht nur ihren Schlüssel durch die Wohnung gepfeffert, sondern das erstbeste – ein eingerahmtes altes Familienfoto aus Korea (ohne Sookie, symbolisch irgendwie) – was sie in die Finger gekriegt hatte, von der Kommode geräumt. Zugegeben tat ihr das im Anschluss so leid, dass sie unter ganz schön vielen Tränen um Vergebung flehte).<br><br>Und dann zog Joon weg. Nur ein paar Straßen weiter, aber weit weg genug, um ihr das Gefühl zu geben, hier einfach alleine gelassen zu werden (frech auch, dass er in seiner neuen Winzwohnung kein Zimmer für sie bereitstellte). Und Sookie bemühte sich, wirklich. Der gute Schulabschluss musste dann doch sein, wenn auch nicht, um einen der vorgefertigen Pläne zu verfolgen, der vorbestimmt war. Anwältin wollte sie nicht werden, <i>Medizin</i> gaukelte schon Joon vor, und <i>goverment official</i> klang so bedeutungslos wie lahmarschig. Stattdessen wurde es dann <i>Drama</i> <s>(und <i>english literature</i>, aber das wurde nicht halb so dramatisch angenommen)</s> und daraus machte sie keinen Hehl, obwohl ihr damit auch das gesamte Studium klargemacht wurde, dass das kein richtiger Beruf war. Weil er nicht genug Geld springen ließ, weil man seinen Nachbarn nicht stolz davon erzählen konnte und weil Sookie auch ehrlich gesagt kein artistisches Wunderkind war, bei dem man die Wahl noch dadurch entschuldigen konnte, dass irgendwann mal große Karriere gemacht werden würde. Das wussten ihre Eltern schon, als sie sich damals in der 9. Klasse bei der Schulaufführung von <i>Anne of Green Gables</i> mitten im Monolog verhaspelte. Peinlich.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Bachelor Drama + English Lit. <ti>2004-2007</ti></div>
	<div class="s-tb">Also eben <i>Drama and English Literature</i>. Dafür hätte sie nach Kingston upon Thames gekonnt, aber das war mit 12 Fahrminuten eindeutig zu nah an Zuhause. Stattdessen also Manchester, weit im Norden und weit genug weg, um auch mal das Telefon wegzudrücken, wenn man sich erkundigen wollte, ob das Studium schon geschmissen wurde. Was es in Manchester gab? Keine Ahnung. Recherchierte sie im vorhinein? Auch nicht wirklich. Blind wurden Kisten gepackt und ab gings.<br><i>Ab gings</i> auch mit ihrem Namen. Der wurde nämlich in einer ziemlichen Impulsiventscheidung einfach offiziell geändert. Unter Jeong-suk kannte sie eh niemand, buchstabieren konnten es noch weniger, bei der Aussprache hatte sie sich an die hässliche britische Version gewöhnt und beruflich half es sicher auch, wenn man hängenblieb und nicht direkt dank 'kompliziertem' ausländischem Namen übergangen wurde <span style="font-size:10px">(kurz überlegte sie, ob <i>Sunny Moon</i> nicht noch witziger wäre als Sookie, aber den Identitätswechsel konnte sie dann doch nicht nur <i>for the meme</i> durchziehen).</span> <br> Große Schauspielerin wollte sie nicht werden, das wusste sie schon vorher, sonst hätte sie sich auch ein Studium mit größerem <i>Acting</i>-Anteil ausgesucht. Aber was dann? Irgendwas in Richtung Playwriting vielleicht, oder doch mehr Regie? Ausstattung? Theater-Management? Ach, irgendwie wurde das schon, im Kunstbereich wurde man überall gleich scheiße bezahlt, also musste man sich da auch gar nicht so festlegen (<i>coping intensifies</i>).<br>Apropos Bezahlung: Während des Studiums probierte sich Sookie durch so gut wie jede Dienstleistungsbranche, um die Miete zu bezahlen. Nerven aus Stahl entwickelt man da, die haben sich schon öfter bewährt. Beruflich kann sie wirklich nichts mehr schocken.<br />
	</div>
	<div class="s-b">irgendwas mit Theater <ti>2007-2009</ti></div>
	<div class="s-tb">Das schöne am Drama-Studium? Man ist danach nicht einfach fertig, bewirbt sich für irgendeinen Posten und lebt das schöne Erwachsenenleben. Ne, bis man <i>mitten im Leben</i> steht, braucht das eine Weile, jede Menge Workshops und Fortbildungen und allgemein ist man als Künstler ja ohnehin nie am Ende angekommen. Und weil Sookie eh nie ins Schauspiel wollte, gabs eben diese kleinen Gelegenheitsjobs, mit denen man sich als freie Theaterschaffende halt abgibt. Tagsüber <i>politische Bildung durch Theater</i> mit einer aufmüpfigen 10. Klasse oder die Organisation eines Amateur-Wettbewerbs für inklusive Theatergruppen und abends kommt man ums Jobben in der Gastro doch nicht drum rum, weil sich die Miete nicht von selbst zahlt und der Kunstbereich so selbstverständlich unterfinanziert ist, dass man schon bei der Vertragsschließung weiß, dass man eigentlich unter dem Mindestlohn bezahlt wird. Aber so ist das eben, damit lernt man sich abzufinden und hey, Sookie hat die Zeit wirklich geliebt! Immer was neues erlebt, sich auf alle möglichen Situationen einlassen müssen und so viele unterschiedliche Menschen kennengelernt wie sonst nie. Gleichzeitig hat sie auch nie so viele Klopapierrollen aus irgendwelchen öffentlichen Toiletten in den Rucksack gestopft, wie in diesen zwei Jährchen (good times).</div>
	<div class="s-b">Master Playwriting & Dramaturgy <ti>2009-2010</ti></div>
	<div class="s-tb">Die Bewerbung an die <i>University of Glasgow</i> wurde nur nebenbei getippselt und Sookie war abgeklärt damit, sollte sie keine Zusage bekommen. Dann eben weiter Gelegenheitsjobs, denn zumindest wuchs das Netzwerk und damit auch die Möglichkeiten (auch wenn die Bezahlung beschissen blieb, aber <i>that's the name of the game</i>).<br>Und dann, wenige Wochen später, räumte Sookie doch die stinkige Wohnung in Northern Quarter und zog in eine noch stinkigere Studi-Bude in Glasgow, um sich dort neben dem lokalen Slang auch in Richtung Dramaturgie weiterzubilden.</div>
	<div class="s-b">Irgendwas mit Theater II <ti>2010-2013</ti></div>
	<div class="s-tb">Ein Jahr später, <i>back in Manchester</i> und statt freie Theaterschaffende, jetzt freie Dramaturgin. Was sich anhört wie eine krasse Beförderung, ist in Wahrheit nur eine berufliche Grabbelkiste. Manchmal sind es nur kleine Reports, manchmal größere Aufträge, manchmal will der Regisseur eigentlich, dass sie die Klappe hält und <i>ja</i> und <i>amen</i> sagt, andere Male will jemand doch konstruktives Feedback. Und weil man eben freischaffend ist, muss man das alles so gut ausbalancieren, dass man a) den Job behalten darf und b) nicht vor anderen Regisseuren, Intendanten oder wem-auch-immer schlechtgemacht wird. Uncool, aber schulend für die diplomatische Grundhaltung, die sie aus dem Elternhaus irgendwie nicht mitgenommen hatte.<br><i>Arbeit unter dem Mindestlohn</i> blieb lange immer noch Thema, aber irgendwann entwickelte Sookie ein besseres Selbstverständnis für ihre Arbeit und weigerte sich Jobs zu übernehmen, die sie nicht wertschätzten. Da half auch kein <i>'ja, wir würden gerne, aber du weißt ja, wie das ist'</i> und <i>'uns wurden gerade massivst Gelder gestrichen'</i> bei der Verhandlung mehr. Das Resultat? <i>Customer Service</i>-Jobs no more, mehr Schlaf und endlich die Arbeit, die sie wirklich tun will.</div>
	<div class="s-b">Dramaturgin @ Royal Exchange Theatre <ti>2013-</ti></div>
	<div class="s-tb">Festanstellung ist ein Traum, den nicht nur sie hat. Ein Traum vor allem deswegen, weil auf zehn Kunstschaffende eine halbe Stelle kommt, aber ein paar Jahre Erfahrung, eine wunderschöne Bewerbung und ein Bewerbungsgespräch, aus dem Sookie ging, als hätte sie gerade eine nobelpreisreife Leistung abgeliefert, ist der Traum Realität. Jetzt ist sie hauptberuflicher <i>Anwalt des Stücks</i> und damit zumindest irgendwie Anwalt (Sookie wird nicht müde, das immer wieder vor ihren Eltern rauszuhauen, als würde es sie glücklich stimmen >:) ). Einfach ist es nicht immer, dramatisch nicht nur das Theater und die Verantwortung für zehn verschiedene Aufgabenbereiche so undurchsichtig wie es klingt, aber ändern würde Sookie es niemals wollen. Nicht für sich, nicht für ihre Eltern, nicht für irgendwas anderes.</div>
</div>
	<br />
	<div class="p8">Retired from Sad, New Career in D R A M A</div>
<br />
<b>Dramaturgie</b> – das bedeutet 10 Berufe in einem und ist dementsprechend perfekt, wenn man keine Entscheidungen treffen kann und keine Freizeit will. Spaß, das mir der work-life-balance passt schon noch, hilft ja, wenn man seinen Job auch liebt. Und wie könnte sie nicht? Schließlich ist sie die einzige Person, die die Arbeit eines Regisseurs kritisieren darf, auch wenn sie sich dabei manchmal fühlt wie ein Hofnarr, der im Mittelalter der einzige war, der sich über den König lustig machen durfte. Es ist eine schöne Balance zwischen Diplomatie und auf-die-Kacke-hauen und auch wenn es manchmal nichts schöneres gibt als Literaturarbeit, liebt sie den Austausch mit Schauspielenden noch am meisten.<br>Perspektivisch wäre Sookie gerne irgendwann mal Regieassistenz, falls sie sich schlussendlich vom Privatleben und gesundem Schlafrhythmus trennt. Bis dahin bleibt sie dabei, Theater und das Stück aus dramaturgischer Perspektive als politischen Moment zu betrachten, der damals wie heute einen unglaublich wichtigen Nutzen zur Ermächtigung von Menschen haben kann.<br><br>	Und außerdem ist Schauspiel einfach übel toll.</div></div>
<style>.lee-facts { padding: 10px; } .lee-facts-title { font-family: 'Montserrat', sans-serif; text-transform: uppercase; text-align: left; font-weight: bold; letter-spacing: 2px; margin-bottom: -10px; } .lee-facts ul { list-style-type: none; margin-left: -30px; } .lee-facts ul li { padding: 2px 0; }</style><br />
<style>.s-b {position:absolute} .s-wr {margin:auto}.s-b {background-color: #2a698b }.s-tb, .l-b{position:relative}.s-tb{text-align: justify}.s-b dt{font-weight:600}.s-wr{width:100%;border-left: solid 8px #2a698b}.s-b{max-width:400px;z-index: 2; padding:5px 10px 5px 15px;font-size:13px;font-family: 'Montserrat', sans-serif;;color:#fff;text-transform:uppercase;letter-spacing:0.5px}.s-b ti{font-size:10px}.s-tb{padding: 37px 15px 10px 10px;}</style>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki"><div class="p2"><S>Jeong-suk</S> Sookie Moon</div><div class="p3">Get them drunk on rose water</div><div class="ph1"><div class="ph2"><div class="p9">„</div><div class="p10" style="text-transform: none; margin-top: -15px; width: 65%;">Meine kriminelle Karriere hat angefangen als ich mit fünf £150 Strafe zahlen mussten, weil ich einen illegalen Limonadenstand aufgebaut habe. Ab dem Tag wussten meine Eltern, dass ich mal ein ganz schlimmer Finger werden würde und ich, dass Cops nicht zu trauen ist.</div></div><div style="display: flex; justify-content: space-between; width: 100%;"><img src="https://i.ibb.co/KzR549QN/4b1030c19b6a8c385a99156de474a8cf1b5381bf.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/0RFc9bzB/ezgif-com-crop-15.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/gLsQ6LFv/tumblr-024b44d92bbcb0f42a5927f184ac25e0-767662c6-540.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"></div></div>
<div class="p4">
<table><tr><td class="p6">
<div class="feldu" style="width: 150px; margin-left: 5px;">Lee</div>
<div class="feldb2"><span class="bvpr">Alter // </span>31 Jahre</div><div class="feldb2" ><span class="bvpr">Job // </span>Dramaturgin</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Pizza // </span>Meeresfrüchte</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Ava // </span>Greta Lee</div>
</td>
<td><div class="p7"><div class="p5-2"><img src="https://64.media.tumblr.com/90351696aae4e787c21769fa4de22ff2/d76100c4c4a1eb34-b9/s540x810/f81469d1654130dff62b4809899f5da06365f126.gif" style="margin: 10px; height: 50px; width: 70px; object-fit: cover"></div>Wusstest du eigentlich, wie einfach es ist, seinen Namen zu ändern? £36 und <i>bam</i>, reicht sogar für einen neuen Ausweis. <i>Jeong-suk</i> - heißt sowas wie <i>ruhig</i>, <i>zart</i>, <i>rein</i> und sollte damit Grund genug sein, den eigenen Namen zu ändern, kann eh niemand buchstabieren oder aussprechen. Sookie, das heißt sowas wie <i>ich verleugne meine Vorfahren</i> – zumindest, wenn man ihre Eltern fragt, aber da die noch gar nichts von der Namensänderung wissen, tust du das bitte nicht (sonst knallts!). <i>#JustKoreanParentsThings</i> ist jedenfalls der Hashtag, mit dem sie ihr Leben untertiteln könnte, kein Wunder zog es Sookie direkt nach den A-Levels weit in den Norden nach Manchester. Denn <i>Dramaturgie</i> bezahlt schlecht und es reicht, wenn die rote Zahl am Ende des Monats dran erinnert, dafür ist das Urteil ihrer <i>eomoni</i> vergeudete Kraft. Aber naja, man findet eben seinen Weg im Leben und das am besten in Schlangenlinien, um auch ja nichts zu verpassen. Tut dem Geldbeutel nicht gut, aber warum tut man das denn alles, wenn nicht für den netten Wein am Abend mit Freund:innen? Eben!</div> </td>
</tr></table>
<div class="p8">It's good to see me, isn't it?</div>
<div class="lee-facts">
	<div class="lee-facts-title">Wusstest du, dass Sookie:</div>
	<ul>
		<li>» ...pseudo-sprituell ist und manchmal dabei erwischt werden kann, wie sie die bösen Vibes mit aggressivem Räucherstabgefuchtel verflucht?</li>
		<li>» ...Mario Party obsessed ist und dich herausfordern wird, um Dominanz zu beweisen?</li>
		<li>» ...für alle Freunde und Bekannte dumme Awards für jegliche Errungenschaften bastelt (und wenn sie nur aus Buntstift auf Papier bestehen!!)?</li>
		<li>» ...eine vierstellige Duolingo-Streak mit Spanisch hat, aber keine Konversation führen könnte?</li>
		<li>» ...zwar beruflich nicht schauspielert, aber dafür hobbymäßig in der Amateur Improv-Gruppe "Out of Context" ist?</li>
		<li>» ...300 Notizbücher aktiv benutzt und sich dauernd mehr kauft, keins davon jemals beendet und trotzdem darauf schwört, sie thematisch voneinander zu trennen?</li>
		<li>» ...regelmäßig versehentlich das falsche Notizbuch dabei hat und dann natürlich nicht mehr richtig arbeiten kann?</li>
		<li>» ...Emojis gerne sprechen können würde (und sich dann daran erinnert, dass es für sowas etwas namens "Gesichtsausdruck" gibt)?</li>
		<li>» ...jedes Lebensmittel frittiert gleich 20x besser findet?</li>
		<li>» ...eigentlich ganz gut kochen kann, aber im Alltag manchmal tagelang nur trockene Tortellini oder Nudeln mit Tomatensauce isst?</li>
<li>» ...ein paar kleine Tattoos hat, aber nicht um Traum drauf kommen würde, das vor ihren Eltern preiszugeben?</li>
		<li>» ...Horrorfilme liebt und gleichzeitig ein absoluter Hosenscheißer ist?</li>
		<li>» ...Nagelkauerin ist und sich deswegen regelmäßig die Nägel lackiert, damit es im Rahmen bleibt?</li>
		<li>» ...alles mit pseudo-Esoterik belegt, obwohl sie davon gar keine Ahnung hat? (<i>'Klar liegt das an deinem Sternzeichen und natürlich weiß ich was diese Tarotkarte eines...Kelchs...für dein...Leben bedeutet...'</i>)</li>
		<li>» ...auf Tarotkarten schwört, obwohl sie diese ohne beiliegende Anleitung ungefähr so gut liest wie ein Kind mit Dyslexie einen Shakespeare-Text?</li>
		<li>» ...unordentlich ist, aber WEHE KLEIDUNG LIEGT AUF DEM BODEN!!!!</li>
		<li>» ...eindeutig zu viel Kaffee trinkt und Kopfschmerzen kriegt, wenn sie zu lange keinen mehr hatte? (ab wann ist es kritisch?)</li>
		<li>» ...einen Sport daraus macht, in Spielen zu cheaten?</li>
		<li>» ...früher ein Fan-Fiction-Teenie war?</li>
		<li>» ...richtig gerne Fashion Ikone und Trendsetter wär, dafür aber viel zu wenig Ahnung hat, aber sie probierts!!!</li>
		<li>» ...manchmal potthässliche Accessoires und Kleidungsstücke findet und sie dann trotzdem trägt weil STATEMENT PIECE?</li>
		<li>» ...morgens-mittags-abends auf Stretching schwört? (<i>aggressive omm-ing intensifies</i>)</li>
		<li>» ...irgendwann während des Studiums bei der obligatorischen Gastroarbeit mit dem Rauchen angefangen hat, um die Fünf-Minuten-Pausen auskosten zu können, aber wehe, jemand sagt das ihren Eltern?</li>
		<li>» ...Kippen dreht, weil sie findet, dass es ein Statement ist, Schachtel zu rauchen, das sie einfach nicht unterstützen kann? (auch wenn sie es richtig lästig findet...)</li>
		<li>» ...ganz gerne mal einen kifft und der Überzeugung ist, dass es der Menschheit besser gehen würde, würden sie das öfter tun?</li>
		<li>» ...noch im Sterbebett nicht auf die täglichen NYT Games verzichten könnte?</li>
	</ul>
	</div>
	<div class="p8">Sugar, Honey, Ice and Tea</div>
<br />
	<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify">#aufgeschlossen # begeisterungsfähig # frohsinnig # schnell frustriert # gerechtigkeitsliebend <span style="font-size: 10px">(außer wenn es darum geht, bei Spielen zu cheaten...)</span> # gnatzig # herzig # humorvoll # ideenreich # interessiert # kommunikativ # komplexbehaftet # konfliktfähig # kratzbürstig # lebensfroh # liberal # meinungsstark # nörglerisch # schlagfertig # schnippisch # schusselig # selbstkritisch # spendabel # sturköpfig # ungeduldig # unternehmungsfreudig</div>
<br />
Sookie hat nicht immer recht, weiß sie auch selbst, aber das letzte Wort hat sie trotzdem. Aus Prinzip schon, vielleicht ist das nur eine kindische Trotzreaktion, aber man muss sich eben irgendwie behaupten, oder? Passiert ja nicht von alleine, die gewisse Chuzpe braucht man eben a) um im Kunstbereich irgendwie zu überleben und b) den Verstand nicht zu verlieren in diesem konservativ-verschrobenen Vorstadthaus, in dem Sookie – sorry, <i>Jeong-suk</i> – bis zu ihrer finalen Flucht in den Norden des Landes ausgeharrt hat. Naja, den Namen kann man ablegen, immer wieder in Rebellion gegen die eigenen Eltern gehen auch, aber so richtig ablegen tut man diese Erziehung auch nicht. Und ja, Sookie mag vielleicht so tun, als wäre ihr das alles scheiß egal, aber es gab mehr als einen (oder sieben) Momente, in denen sie beim Staubsaugen dramatisch (und ziemlich laut...) zu <i>literally any Mitski song</i> geheult hat – und hätte sie dabei jemals jemand erwischt, hätte sie diesen jemand vermutlich den Balkon runter geworfen. Das gehört ja zum Leben wie auch zum Theater: Behaupten. Sozusagen das <i>name of the game</i>, andere nennen das "Überprojektion", Macher sagen "Manifestation".	Sookie erwischt sich zum Beispiel manchmal beim Nörgeln über andere, beinahe schon verurteilend, und dann schüttelt es sie, weil dieser Gedanke, langsam zu ihrer Mutter zu mutieren, absolut abstoßend ist. Reicht ja, dass sie die Probleme mit dem Selbstbild mit der Muttermilch eingeimpft bekommen hat, aber denen will sie auch einfach keinen Raum geben. Dann lieber <i>so tun als ob</i> und hoffen, dass es irgendwann auch einfach <u>ist</u>. Gar nicht so einfach, schnallt sie spätestens dann, wenn sie dann doch Zuhause am Essenstisch sitzt und aus der sonst so frohsinnigen und sympathischen Person plötzlich wieder der patzige, fast schon zickige Teenie rauskommt, der damals immer mal wieder von Zuhause weglief, und wenn auch nur für ein paar Stunden, um mit verschränkten Armen am See zu sitzen (bis es dann doch zu kalt wurde). Es ging ja ums Prinzip, damals wie heute. Aber trotz der gezielten Provokation bleiben dann doch ein paar Sachen, die lieber geheim bleiben und dann nervt es sie, dass sie mit denen so geheimnisvoll umgeht und versteht gleichzeitig nicht, warum das nicht einfach normal sein kann. Man erzählte seinen Eltern ja nicht alles. Niemanden, eigentlich.<br><br>Andersrum aber bitte schon, übrigens. Da kommt die Neugierde durch und außerdem, hat Sookie sicher viele gute Einwände, Ideen, Lösungsvorschläge, oder was auch immer gerade gebraucht wird. Begeistern kann man sie ohnehin für alles, also keine falsche Scheu! <i>Ally-sein</i> kriegt sie hin, das gehört zur politischen Grundhaltung, die jeder Mensch braucht und die bei Sookie trotzdem nicht so gefestigt ist, wie sie es gerne hätte. Cops kann man nicht vertrauen, aber ohne würde auch nicht gehen; Kapitalismus scheiße, aber ist Kommunismus wirklich die Lösung?; und was ist der richtige Umgang mit Kriminalität, wenn das Gesetzessystem so scheiße ist? Schwierig. Sookie hat wenige Antworte, aber viele Meinungen und die teilt sie auch gerne, nur diskutieren mag sie die nicht. Dann lieber ein nettes Gespräch wahlweise bei Wein, gutem Essen oder einem kleinen Joint, so unterhält es sich schließlich am besten. So viel wie Sookie ausgeht (und wenn auch nur um den £7.50 überteuerten Kaffee in der Pause zu genießen...), wundert es auch niemanden, dass das Konto in der letzten Monatswoche immer kritisch aussieht. Aber man arbeitet ja, um zu leben und leben, das tut sie. In vollsten Zügen und mit den Menschen an ihrer Seite, mit denen man in einer Lebensspanne ohnehin nicht genug Zeit verbringen kann. Selbst wenn alle Stricke reißen, wäre das wohl die eine Sache, die sie weiterhin bewahren würde.<br> <br />
	<div class="p8">A flower in a gun, a bird in flight</div>
<br />
<div class="s-wr">
	<div class="s-l"></div>
	<div class="s-b">Kindheit, Schulzeit, Teenage Years <ti>25.03.1986-2004</ti></div>
	<div class="s-tb">Sookies <i>eomoni</i> sagt immer, dass man ihr anmerkt, dass sie nicht in Korea geboren ist, dabei ist sie wirklich die letzte, die man dafür verantwortlich machen kann. Anders als ihr älterer Bruder Joon-ho, kannte Sookie (oder damals noch Jeong-suk) aber nichts anderes als New Malden und diese koreanische Kommune in die die Familie kurz vor ihrer Geburt ausgewandert war. Oft raus ging es sowieso nicht, zumindest nicht, bis sich Sookie auf eigene Faust aufgemacht hat, um mal was anderes zu sehen als immer die gleichen Läden mit immer den gleichen Leuten. Das Problem am Kleinstadtleben voller tratschender alter Leute? Man war nie anonym. Die <i>curfew</i> achtete Sookie damals wie ein Gesetz, bis sie es irgendwann eben nicht mehr tat, weil wirklich nichts half, um ihre Eltern einmal zufrieden zu stellen. Waren die Noten gut, waren Joons besser, wurde das Zimmer aufgeräumt, konnte nach kurzer Inspektion festgestellt werden, dass die Schubladen doch noch durcheinander waren und außerdem sollte sie darauf aufpassen, nicht aufzuquellen wie eins der weißen Kinder von nebenan. Ja, zwischenzeitlich fing sie unter dem Druck auch an, richtig garstig zu ihrem Bruder zu werden, weil sie ihn dafür verantwortlich machte, immer mit ihr verglichen zu werden. Die Lauteste in der einengenden Wohnung war sie sowieso immer gewesen, das änderte sich auch nicht, als sie irgendwann – da muss sie ein junger Teenager gewesen sein – beschloss, dass <i>zusammenreißen</i> ziemlich kacke war, wenn es ohnehin ins Nichts führte. Das gab richtigen Ärger und jedes Mal wenn sie dann doch zum Essen zurück in dieser gottverdammten Straße, in diesem gottverdammten Wohnung an diesem gottverdammten Esstisch sitzt, dann kommen die Erinnerungen wieder, als hätten sie dort nur auf sie gewartet. Ja, vieles war auch provoziert gewesen, konnte Sookie zugeben. Davor war niemand sicher, weder ihre Eltern, noch der Bruder, der genauso schweigsam am Tisch saß und ziemlich oft so aussah, als würde er ihr am liebsten den Mund zuhalten. <br />
		Dabei war sie ja nicht mal so außerordentlich rebellisch, würde sie jetzt rückblickend behaupten. Andere Teenager rannten weg und lernten unter vollbesprayten Brücken die Nadel kennen, Sookie wagte es, in ihrem ersten crop top durch die Tür stolzieren zu wollen (an den Streit denkt sie heute noch und fragt sich, wie sie sich da keine gefangen hat, denn möglicherweise hatte sie in diesem Anflug von <i>Teenage Rage</i> nicht nur ihren Schlüssel durch die Wohnung gepfeffert, sondern das erstbeste – ein eingerahmtes altes Familienfoto aus Korea (ohne Sookie, symbolisch irgendwie) – was sie in die Finger gekriegt hatte, von der Kommode geräumt. Zugegeben tat ihr das im Anschluss so leid, dass sie unter ganz schön vielen Tränen um Vergebung flehte).<br><br>Und dann zog Joon weg. Nur ein paar Straßen weiter, aber weit weg genug, um ihr das Gefühl zu geben, hier einfach alleine gelassen zu werden (frech auch, dass er in seiner neuen Winzwohnung kein Zimmer für sie bereitstellte). Und Sookie bemühte sich, wirklich. Der gute Schulabschluss musste dann doch sein, wenn auch nicht, um einen der vorgefertigen Pläne zu verfolgen, der vorbestimmt war. Anwältin wollte sie nicht werden, <i>Medizin</i> gaukelte schon Joon vor, und <i>goverment official</i> klang so bedeutungslos wie lahmarschig. Stattdessen wurde es dann <i>Drama</i> <s>(und <i>english literature</i>, aber das wurde nicht halb so dramatisch angenommen)</s> und daraus machte sie keinen Hehl, obwohl ihr damit auch das gesamte Studium klargemacht wurde, dass das kein richtiger Beruf war. Weil er nicht genug Geld springen ließ, weil man seinen Nachbarn nicht stolz davon erzählen konnte und weil Sookie auch ehrlich gesagt kein artistisches Wunderkind war, bei dem man die Wahl noch dadurch entschuldigen konnte, dass irgendwann mal große Karriere gemacht werden würde. Das wussten ihre Eltern schon, als sie sich damals in der 9. Klasse bei der Schulaufführung von <i>Anne of Green Gables</i> mitten im Monolog verhaspelte. Peinlich.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Bachelor Drama + English Lit. <ti>2004-2007</ti></div>
	<div class="s-tb">Also eben <i>Drama and English Literature</i>. Dafür hätte sie nach Kingston upon Thames gekonnt, aber das war mit 12 Fahrminuten eindeutig zu nah an Zuhause. Stattdessen also Manchester, weit im Norden und weit genug weg, um auch mal das Telefon wegzudrücken, wenn man sich erkundigen wollte, ob das Studium schon geschmissen wurde. Was es in Manchester gab? Keine Ahnung. Recherchierte sie im vorhinein? Auch nicht wirklich. Blind wurden Kisten gepackt und ab gings.<br><i>Ab gings</i> auch mit ihrem Namen. Der wurde nämlich in einer ziemlichen Impulsiventscheidung einfach offiziell geändert. Unter Jeong-suk kannte sie eh niemand, buchstabieren konnten es noch weniger, bei der Aussprache hatte sie sich an die hässliche britische Version gewöhnt und beruflich half es sicher auch, wenn man hängenblieb und nicht direkt dank 'kompliziertem' ausländischem Namen übergangen wurde <span style="font-size:10px">(kurz überlegte sie, ob <i>Sunny Moon</i> nicht noch witziger wäre als Sookie, aber den Identitätswechsel konnte sie dann doch nicht nur <i>for the meme</i> durchziehen).</span> <br> Große Schauspielerin wollte sie nicht werden, das wusste sie schon vorher, sonst hätte sie sich auch ein Studium mit größerem <i>Acting</i>-Anteil ausgesucht. Aber was dann? Irgendwas in Richtung Playwriting vielleicht, oder doch mehr Regie? Ausstattung? Theater-Management? Ach, irgendwie wurde das schon, im Kunstbereich wurde man überall gleich scheiße bezahlt, also musste man sich da auch gar nicht so festlegen (<i>coping intensifies</i>).<br>Apropos Bezahlung: Während des Studiums probierte sich Sookie durch so gut wie jede Dienstleistungsbranche, um die Miete zu bezahlen. Nerven aus Stahl entwickelt man da, die haben sich schon öfter bewährt. Beruflich kann sie wirklich nichts mehr schocken.<br />
	</div>
	<div class="s-b">irgendwas mit Theater <ti>2007-2009</ti></div>
	<div class="s-tb">Das schöne am Drama-Studium? Man ist danach nicht einfach fertig, bewirbt sich für irgendeinen Posten und lebt das schöne Erwachsenenleben. Ne, bis man <i>mitten im Leben</i> steht, braucht das eine Weile, jede Menge Workshops und Fortbildungen und allgemein ist man als Künstler ja ohnehin nie am Ende angekommen. Und weil Sookie eh nie ins Schauspiel wollte, gabs eben diese kleinen Gelegenheitsjobs, mit denen man sich als freie Theaterschaffende halt abgibt. Tagsüber <i>politische Bildung durch Theater</i> mit einer aufmüpfigen 10. Klasse oder die Organisation eines Amateur-Wettbewerbs für inklusive Theatergruppen und abends kommt man ums Jobben in der Gastro doch nicht drum rum, weil sich die Miete nicht von selbst zahlt und der Kunstbereich so selbstverständlich unterfinanziert ist, dass man schon bei der Vertragsschließung weiß, dass man eigentlich unter dem Mindestlohn bezahlt wird. Aber so ist das eben, damit lernt man sich abzufinden und hey, Sookie hat die Zeit wirklich geliebt! Immer was neues erlebt, sich auf alle möglichen Situationen einlassen müssen und so viele unterschiedliche Menschen kennengelernt wie sonst nie. Gleichzeitig hat sie auch nie so viele Klopapierrollen aus irgendwelchen öffentlichen Toiletten in den Rucksack gestopft, wie in diesen zwei Jährchen (good times).</div>
	<div class="s-b">Master Playwriting & Dramaturgy <ti>2009-2010</ti></div>
	<div class="s-tb">Die Bewerbung an die <i>University of Glasgow</i> wurde nur nebenbei getippselt und Sookie war abgeklärt damit, sollte sie keine Zusage bekommen. Dann eben weiter Gelegenheitsjobs, denn zumindest wuchs das Netzwerk und damit auch die Möglichkeiten (auch wenn die Bezahlung beschissen blieb, aber <i>that's the name of the game</i>).<br>Und dann, wenige Wochen später, räumte Sookie doch die stinkige Wohnung in Northern Quarter und zog in eine noch stinkigere Studi-Bude in Glasgow, um sich dort neben dem lokalen Slang auch in Richtung Dramaturgie weiterzubilden.</div>
	<div class="s-b">Irgendwas mit Theater II <ti>2010-2013</ti></div>
	<div class="s-tb">Ein Jahr später, <i>back in Manchester</i> und statt freie Theaterschaffende, jetzt freie Dramaturgin. Was sich anhört wie eine krasse Beförderung, ist in Wahrheit nur eine berufliche Grabbelkiste. Manchmal sind es nur kleine Reports, manchmal größere Aufträge, manchmal will der Regisseur eigentlich, dass sie die Klappe hält und <i>ja</i> und <i>amen</i> sagt, andere Male will jemand doch konstruktives Feedback. Und weil man eben freischaffend ist, muss man das alles so gut ausbalancieren, dass man a) den Job behalten darf und b) nicht vor anderen Regisseuren, Intendanten oder wem-auch-immer schlechtgemacht wird. Uncool, aber schulend für die diplomatische Grundhaltung, die sie aus dem Elternhaus irgendwie nicht mitgenommen hatte.<br><i>Arbeit unter dem Mindestlohn</i> blieb lange immer noch Thema, aber irgendwann entwickelte Sookie ein besseres Selbstverständnis für ihre Arbeit und weigerte sich Jobs zu übernehmen, die sie nicht wertschätzten. Da half auch kein <i>'ja, wir würden gerne, aber du weißt ja, wie das ist'</i> und <i>'uns wurden gerade massivst Gelder gestrichen'</i> bei der Verhandlung mehr. Das Resultat? <i>Customer Service</i>-Jobs no more, mehr Schlaf und endlich die Arbeit, die sie wirklich tun will.</div>
	<div class="s-b">Dramaturgin @ Royal Exchange Theatre <ti>2013-</ti></div>
	<div class="s-tb">Festanstellung ist ein Traum, den nicht nur sie hat. Ein Traum vor allem deswegen, weil auf zehn Kunstschaffende eine halbe Stelle kommt, aber ein paar Jahre Erfahrung, eine wunderschöne Bewerbung und ein Bewerbungsgespräch, aus dem Sookie ging, als hätte sie gerade eine nobelpreisreife Leistung abgeliefert, ist der Traum Realität. Jetzt ist sie hauptberuflicher <i>Anwalt des Stücks</i> und damit zumindest irgendwie Anwalt (Sookie wird nicht müde, das immer wieder vor ihren Eltern rauszuhauen, als würde es sie glücklich stimmen >:) ). Einfach ist es nicht immer, dramatisch nicht nur das Theater und die Verantwortung für zehn verschiedene Aufgabenbereiche so undurchsichtig wie es klingt, aber ändern würde Sookie es niemals wollen. Nicht für sich, nicht für ihre Eltern, nicht für irgendwas anderes.</div>
</div>
	<br />
	<div class="p8">Retired from Sad, New Career in D R A M A</div>
<br />
<b>Dramaturgie</b> – das bedeutet 10 Berufe in einem und ist dementsprechend perfekt, wenn man keine Entscheidungen treffen kann und keine Freizeit will. Spaß, das mir der work-life-balance passt schon noch, hilft ja, wenn man seinen Job auch liebt. Und wie könnte sie nicht? Schließlich ist sie die einzige Person, die die Arbeit eines Regisseurs kritisieren darf, auch wenn sie sich dabei manchmal fühlt wie ein Hofnarr, der im Mittelalter der einzige war, der sich über den König lustig machen durfte. Es ist eine schöne Balance zwischen Diplomatie und auf-die-Kacke-hauen und auch wenn es manchmal nichts schöneres gibt als Literaturarbeit, liebt sie den Austausch mit Schauspielenden noch am meisten.<br>Perspektivisch wäre Sookie gerne irgendwann mal Regieassistenz, falls sie sich schlussendlich vom Privatleben und gesundem Schlafrhythmus trennt. Bis dahin bleibt sie dabei, Theater und das Stück aus dramaturgischer Perspektive als politischen Moment zu betrachten, der damals wie heute einen unglaublich wichtigen Nutzen zur Ermächtigung von Menschen haben kann.<br><br>	Und außerdem ist Schauspiel einfach übel toll.</div></div>
<style>.lee-facts { padding: 10px; } .lee-facts-title { font-family: 'Montserrat', sans-serif; text-transform: uppercase; text-align: left; font-weight: bold; letter-spacing: 2px; margin-bottom: -10px; } .lee-facts ul { list-style-type: none; margin-left: -30px; } .lee-facts ul li { padding: 2px 0; }</style><br />
<style>.s-b {position:absolute} .s-wr {margin:auto}.s-b {background-color: #2a698b }.s-tb, .l-b{position:relative}.s-tb{text-align: justify}.s-b dt{font-weight:600}.s-wr{width:100%;border-left: solid 8px #2a698b}.s-b{max-width:400px;z-index: 2; padding:5px 10px 5px 15px;font-size:13px;font-family: 'Montserrat', sans-serif;;color:#fff;text-transform:uppercase;letter-spacing:0.5px}.s-b ti{font-size:10px}.s-tb{padding: 37px 15px 10px 10px;}</style>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[theodore peregrine jagan]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2231</link>
			<pubDate>Sun, 17 Apr 2022 12:23:48 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=474">Theodore Jagan</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2231</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2"> Theodore Peregrine Jagan</div>
  <div class="p3"> God has given you one face, and you make yourself another.</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> I am haunted by the ghost of my father, I think that should allow me to quote Hamlet as much as I please.</div>
    </div>
    <img src="https://i.ibb.co/3snKVJm/Theo-Jagan-Steckbrief-Banner01.jpg"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lex</div>
      <div>Alter // 27 Jahre</div>
      <div>
        Job // Schauspieler</div>
      <div>
        Pizza // Calzone</div>
      <div>
        Ava // Loyle Carner</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://i.ibb.co/FhZckPH/Theo-Jagan-Steckbrief.gif"><br />
      </div>
Wer ist denn bitte dieser Twink, der da im Pelzmantel und Skinny Jeans mit riesiger Sonnenbrille an einem Sonntag um neun Uhr morgens über den Flohmarkt stromert auf der Suche nach der nächsten Mimosa und dem Outfit der Woche? Theo hat dann wahrscheinlich noch nicht geschlafen, aber man verzeiht ihm vieles sofort aufgrund des breiten Lausbuben-Grinsens und der süßen Sommersprossen. Das Leben als Theaterschauspieler ist schon ein hartes – schlecht bezahlt, zu viele Riesenegos auf kleinstem Raum, boah und die ganze Sauferei ständig. Aber Theo liebt eben auch die Bretter, die die Welt bedeuten, und macht (nicht nur) da ne verdammt gute Figur, dass er es zu ner Festanstellung im Ensemble des Royale Exchange Theatres geschafft hat. Beruflich läuft’s bei ihm, aber die Schauspielerei ist auch so ziemlich das Einzige, was ihm wirklich leichtfällt – privat?! Naja. Der liebt halt auf so ne ganz speziell toxische Art einen Priester und lebt damit auch nur seine weirden Daddy Issues aus, weil <i>surprise</i>, er als Teenie rausgefunden hat, dass seine Mutter gar nicht nur die Haushälterin eines Priesters ist. Theo findet das selbst alles sehr peinlich, aber was will man machen? Zumindest ist’s ne geile Geschichte auf jeder Party, wenn er mal keine blinde Wut deswegen empfindet. Die ist bei ihm sowieso Antriebskraft für ganz viel, da wird’s auch schon mal manipulativ, egoistisch und ja, insgesamt bitchig. Aber eben auch spannend, leidenschaftlich und unterhaltsam--- einen Tod muss man immer sterben.</div>
<br />
    <div class="p8">To paraphrase Oedipus, Hamlet, Lear, and all those guys, "I wish I had known this some time ago.”</div>
<br />
Tja, deine Kindheit. Eigentlich ganz harmonisch, hast du immer gedacht, in diesem Backsteinhaus direkt neben der Kirche, mit dem blühenden Garten vor der Tür. Aufgewachsen bist du in dem Haus des Priesters Alan Gilbert, der als Pfarrer bis heute auch die Leitung der römisch-katholischen Pfarrei von <b>St. Austell</b> innehält. Das Zimmer deiner Mutter Beatrice lag direkt neben der Küche, während du irgendwann in das Dachgeschosszimmer umgezogen bist, deine kleine Höhle, und klein war die wirklich (Bett und Schrank). St. Austell, auch so ein nicht mal 20.000 Seelenkaff in Cornwall, total pittoresk mit dem Vodafone Shop und dem Aldi um die Ecke (aber damals vielleicht noch nicht), dafür die Häuser hübsch in blau gestrichen oder mit rosa angemalter Tür, niedlich. Gefühlt (nicht nur gefühlt) sind deine Mutter und du auch die einzigen Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe, bis heute, von dem einen oder anderen Alibi-Paki abgesehen – die ihr natürlich mit Namen kanntet. Deine Mum ist damals aus Guyana nach England gekommen, auf der Suche nach einem besseren Leben, aber sie redet selten darüber, wie sie es schließlich nach Cornwall geschafft hat, und nicht in einer der großen Städte zu landen. Wenn du an dein Zuhause denkst, dann erinnerst du dich hauptsächlich an den Geruch, denn irgendein Eintopf oder Curry kochte immer auf der Herdplatte, während sich dein Leben entweder an dem Küchentisch (wo du gegessen, gespielt und Hausaufgaben gemacht hast) oder vor der Tür auf der Straße abspielte. Deine Mum war immer zuhause, mit ihrer Schürze und dem gestärkten Kragen, und du liebst es bis heute, dich in ihre dicken, warmen, wunderbaren Arme fallen zu lassen – <b>Beatrice Jagan</b>, dieser wahrgewordene Muttertraum musste den akuten Mangel einer Vaterfigur schließlich jahrelang wettmachen. <br />
<br />
War dir ja nicht so wichtig, hast du dir teilweise erfolgreich eingeredet, wer will schon einen Dad?? Ganz sicher nicht der einzige Junge mit dunkler Haut und alleinerziehender Mum in der Klasse! Dieses Klischee halt auch, oh, die Leute haben sich das Maul zerrissen: Die schwarze Frau, die sich hatte anbumsen lassen von irgendeinem weißen Typen, wahrscheinlich noch mit der Absicht, den treuen, aber schwachen Ehemann einer der Gemeindemitglieder zu stehlen, und dann lachte die immer so lieb. Kein Anstand. Das hocherhobene Haupt hast du von deiner Mutter geerbt (wie auch der Rest deiner perfekten Gene), aber im Gegensatz zu ihr hast du auch ein paar von den rassistischen Arschlöchern in der Schule verprügelt - mussten halt die Söhne herhalten, wenn du nicht auf die bigotten Eltern losgehen durftest. Du hast ja nie verstanden, wie sie das in diesem Kuhkaff ausgehalten hat, all die Jahre, aber wahrscheinlich ließ die sich einfach nicht wegbeißen von niemandem, und das kannst du nachvollziehen, so bist du auch drauf. Vor <b>Alan Gilbert</b> hingegen hattest du immer ein bisschen Angst. Der war komisch drauf, dachtest du schon als Kind, und hast dich dafür geschämt, weil Hochwürden und so. Aber er mochte keine lauten Geräusche (ein Grund, warum du sehr früh Kopfhörer geschenkt bekommen hast) und sprach immer so furchtbar leise und ernst. Du mochtest es, dass der mit dir redete, als wärst du erwachsen, wenn er denn mal das Wort an dich richtete – je älter du wurdest, desto mehr konnte der mit dir anfangen (Plottwist: entgegen der katholischen <i>Kultur</i> nie in sexueller Art, angefasst hat der dich echt nicht, weder so noch so). Meistens saß er eh in seinem Büro oder in seinem Studierzimmer, wo er die Leute auch empfing, die was von ihm wollten, und das Klappern der Teetassen auf dem Tablett deiner Mum konntest du bis in dein Zimmer hören.<br />
<br />
Mit den Hormonen der Teenagerzeit fluteten die Gefühle dein Hirn, dass du kaum mehr geradeaus gucken konntest. Schule, naja, nicht so dein Ding, dafür hast du entgegen aller Widrigkeiten immer die Hauptrollen in genau jedem Schultheaterstück bekommen, wahrscheinlich, weil du einfach schon immer extrem hübsch warst und definitiv mehr Charisma hattest als alle anderen Pickelgesichter. Es war auch der einzige Ort, an dem du Disziplin an den Tag gelegt hast, und dieser Adrenalinrausch, sobald ein Scheinwerfer auf dich gerichtet war, da konnten auch die schwer besoffenen Knutschereien mit Mädchen auf irgendwelchen Partys nicht mithalten. Das hast du eh extrem schnell aufgegeben und im Endeffekt hat’s auch niemanden so richtig überrascht, als du dann lieber was mit Jungs starten wolltest. Im Leben reicht nie eine Minderheitenkarte, da müssen es gleich mehrere sein, voll gut, dann auch noch auf Schwänze zu stehen. Du konntest es auf jeden Fall kaum abwarten, aus diesem Nest rauszukommen, das dich wirklich jede Minute wütender und gelangweilter machte. Erst wollte der Pfaffe ja noch mit dir vernünftig reden, weil du einmal zu oft besoffen in den Vorgarten gekotzt hast, aber dann schaukelte sich das zu so ner ganz unangenehmen Nummer hoch, Autoritäten und so, die üblichen Issues. Das Ganze explodierte irgendwann um deinen siebzehnten Geburtstag herum, weil so‘n Scheißkerl dich nen Priester-Bastard genannt hat, turns out: Stimmt halt, wie deine Mum dir in ihrer ruhigen Art zu erklären versuchte. Du hast das halbe Studierzimmer zerlegt und ne schallende Ohrfeige vom Hochwürd--- von <i>deinem</i> Dad kassiert. Ironischerweise die erste Dad-artige Aktion, die du am eigenen Körper erleben durftest. Dein Dad, der deine Mum jahrelang nach außen hin wie ne schnöde Angestellte behandelt hat, und was bitte war das für’n rassistischer Fetisch mit dem Kostüm, das sie zu tragen hatte, als wären wir hier auf ner Baumwollplantage. Mit deinem Mini-Zimmer und ihrem Mini-Zimmer, Gutsherrenart. Dein Dad, der sich niemals mit dir hat sehen lassen, geschweige denn mal ein paar wirklich <i>liebe</i> Worte an dich gerichtet hätte. Dein Dad, der nie zu irgendeiner Aufführung gekommen ist, und dem du niemals-nie von deiner ersten großen Liebe (oder denen danach) erzählen durftest. Dein Dad, mit seiner beschissenen Holier-Than-Thou Attitüde, fuckin‘ Kirchenscheiß, und Gott, was sollte das überhaupt. Und dieses Wissen, später dann, dass es solche Bastarde wie dich in Massen gab, aber nicht jeder Bastard sein Leben lang angelogen worden war und manche von denen echt ne Familie hatten, so richtig halt, im teils Geheimen. Hättest du auch genommen, wirklich, wenn’s dir angeboten worden wäre, aber nö. Also dass du wütend auf Erwachsene warst, geschenkt, aber wie sehr du deine Mum gehasst hast, das Jahr bis zu deinem Auszug, das war dir auch neu.<br />
<br />
<div class="p8">One of the best ideas of all time, executed flawlessly.</div>
<br />
Tja, dein Studium. Das kam ein bisschen später, denn erstmal bist du einfach abgehauen, sobald du den Abschluss in der Tasche hattest, und natürlich ging‘s für nen Jungen, der in die große Welt will, sofort per Anhalter nach London (wohin sonst). Ganz schön teuer, aber halt auch extrem großartig. Die ersten zwei Jahre hast du dich mit so mittelmäßigen Jobs (Einräumen im Supermarkt, dann Kasse; Hotline; Barista in nem hippen Café, Kellner und Barkeeper) und in einem heruntergekommenen WG Zimmer über Wasser gehalten, und auch wenn du’s nicht missen willst, war’s irgendwie auf Dauer einfach komplett unbefriedigend. Gar nicht mal wegen der Kohle, die du nicht hattest, oder der Einsamkeit, die manchmal gekickt hat, oder der Sehnsucht nach deiner Mum – du hattest einfach kein Ventil für all das, was dir durch den Kopf ging (und gleichzeitig auch das Gefühl, jeden Tag ein bisschen mehr zu verblöden, trotz deiner zigtausend Hobbies). Das Einzige, das dich mitgerissen hat, waren die billigen Abendkassenkarten für Theater und Musicals in den hinterletzten Reihen, und die Partys und Musik, mit denen du dir die Nacht um die Ohren gehauen hast. Theater, das hat dir so derbe gefehlt, weil nicht mal drei Nasen Koks dir dieses Gefühl von Lebendig Sein abringen konnten, oder die Präsenz im eigenen Körper wie in dem Moment, in dem man in andere Rollen schlüpft. Also hast du dich informiert, was man machen muss, um angenommen zu werden an einer dieser Prestige-Institutionen, von denen es in London wirklich zuhauf gibt. Einen Coach hast du dir auch angeschafft, der was wusste, und gleichzeitig nicht zu hässlich war, weswegen dir der Tausch Sex gegen Coaching nicht schwerfiel (Kohle hattest du schließlich immer noch nicht). Ein halbes Jahr hast du deine ganze Energie in das Projekt Theaterstudium gesteckt und auf’s Essen verzichtet, um dir die Anmeldegebühren für das Vorspielen leisten zu können, aber thank God hatten deine Freunde Mitleid und haben ein bisschen nach dir geguckt. Shakespeare musste es natürlich sein, schließlich sind wir immer noch in England, und Shakespeare war’s dann schließlich auch, der dir die Türen geöffnet hat für die <b>Old Vic Theatre School</b> in Bristol. Es fiel dir genauso leicht die Zelte abzubrechen wie drei Jahre zuvor in St. Austell, mit genauso wenig Gepäck wie damals. <br />
<br />
Manchmal fragst du dich ja, wie du das alles unter einen Hut bekommen hast – das Studium, die Arbeit nebenher, um dir den Rest leisten zu können, die Sauferei, die Freunde und Affären, und dann auch noch <b>Reuben Lynch</b>, über dessen Füße du zufällig mitten am frühen Morgen in so nem Arbeitercafé gefallen bist. Nun könnte man natürlich diskutieren, dass du einfach noch ziemlich drauf warst von der Nacht davor, oder die Sonne hinter ihm recht tief stand, aber dich hat’s echt umgehauen, ne Erscheinung war der. Später würden dir die Parallelen eher auffallen, also die zu deinem Dad, dass der zum Beispiel auch so ruhig und ernst war, und es was mit dir gemacht hat, wenn der mit dir gesprochen hat wie mit einem richtigen Erwachsenen. Der hat dich gesehen und du ihn, nicht nur an diesem Morgen, an dem du dich einfach zu dem gesetzt und mit ihm fettiges Zeug gefrühstückt hast, während ihr in eurem Gespräch von Gott zu Kant zu Freud gewandert seid. Priesteranwärter war der, als ihr im Bett gelandet seid (talkin‘ about Freud), und Priesteranwärter ist er nicht nur geblieben, sondern hat das voll durchgezogen, trotz eurer Liebe. Was. Zum. <i>Fick</i>. Und du weißt, dass das selbstzerstörerisch ist, und du weißt, dass du deine Kindheit kompensieren willst, und dass du auf Dauer halt echt nur verlieren kannst in jeglicher Hinsicht, aber du kommst nicht weg von dem, diesem blöden Priester mit dem schlechten Gewissen (das du oft genug ausnutzt), der dich anguckt, als wärst du das Größte in der Welt (aber nicht so groß wie seine Liebe zu Gott und der Kirche). Das Studium hat dir einfach komplett den Arsch gerettet, denkst du heute, weil du dich wegen des ganzen Stresses nur wenige Stunden am Tag selbst bemitleiden oder in ärgere Verzweiflung stürzen konntest. In dem Versuch, dich aus der Geschichte zu lösen, bist du nach deinem Abschluss wieder nach London zurück und hast da an den Theatern gearbeitet, aber das ging nicht lange gut und du bist doch wieder emotional an Reuben kleben geblieben. Erbärmlich, wirklich, wie ihr beide immer beim anderen angekrochen kommt. <br />
<br />
<div class="p8">I have lived one step away from losing my mind for years. I am quick and accurate in spotting unstable streaks in others.</div>
<br />
Tja, dein Leben. Ist auch nur die gelebte Version vom "men will literally X instead of going to therapy" meme. Es ist nicht so, als hättest du nicht bereits mal über sowas nachgedacht (also Therapie jetzt), aber ehrlich gesagt hast du ziemlich Schiss, dass du dich dann so sehr veränderst, dass dir deine Kreativität und dein Schaffensvermögen flöten geht. Einmal zu oft über irgendwelche toxischen Genievorstellungen gelesen, was, als würde Kunst nur durch intensiven Schmerz erschaffen und gestaltet werden können (naja, du bist halt auch noch jung und magst Beat-Literatur, was will man erwarten). Vielleicht ist das auch ein Grund, wieso du nicht einfach nur die Sache mit dem Priester beendet, sondern dem auch noch hinterhergezogen bist vor kurzem – gut, klar, du hast auch ein richtig tolles Engagement an Land gezogen und fandest Manchester vom Vibe eh ganz geil, aber seien wir ehrlich an dieser Stelle. Seit fünf Jahren führt ihr dieses echt seltsame Experiment einer Beziehung und seid beide nicht wirklich glücklich, aber leider auch sehr süchtig nacheinander und das, was der andere euch jeweils fühlen lässt. Ein bisschen (sehr) suhlst du dich ja auch in dem Drama, das du dir da selbst aufbaust, und die ganzen Verletzungen, die ihr euch gegenseitig zufügt, weil du denkst, so intensiv muss das Leben nun mal sein. Alles, was du fühlst und tust und was dir passiert, dass passiert dir auch als Schauspieler – egal, wie mies du dich fühlst, irgendein Part in deinem Kopf freut sich darüber, diesen Schmerz und diese Liebe im Theater verarbeiten zu können; genau zu wissen, wie es sich anfühlt, dieses Leben. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum du dich so gut in den Figuren auflösen kannst, weil du ihre Gefühle erlebt und deswegen nachvollziehen kannst --- eventuell ist das alles aber auch genauso gut kompletter Bullshit, du hast einfach ausgebildete Fähigkeiten, die du bemerkenswert gut anwenden kannst, und ein gewisses Gespür für Menschen. Und es ist ja nicht alles schlecht, sagst du gerne lachend, weil’s eben auch stimmt. Es gibt immer Phasen, wo ein bisschen zu häufig Bright Eyes auf Dauerschleife läuft, aber im Großen und Ganzen liebst du es eben echt hart, dein Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen. Vielleicht auch gerade deswegen – man kann echt nicht sagen, dass du nicht alles mitgenommen hast, was man mitnehmen kann, um sich lebendig zu fühlen. <br />
<div class="p8">I'm what the victorians would call a “vile, ill-tempered and thoroughly wretched little creature”</div>
<br />
Theo hat darüber nachgedacht, beruflich nur mit seinem zweiten Vornamen zu arbeiten, fand das dann aber doch selbst einen Ticken zu prätentiös » liebt Champagner, und generell Drinks, die bubbly sind, und hasst Bier (Cider ist okay, wenn's nichts Anderes gibt) » trägt immer Schmuck, also mindestens einen Ring am Mittelfinger, und einen Ohrring » braucht nicht mehr als vier Stunden Schlaf, um zu funktionieren, bleibt aber trotzdem lange im Bett zum Schmusen und Rumhängen » singt ab einem gewissen Pegel immer Arbeiter- und Partisanensongs, ist unfassbar gut in Karaoke und bringt problemlos eine Menge an besoffenen Engländer*innen zum Kochen, weil seine Songauswahl natürlich on point ist » <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">leiht</span> sich oft Klamotten aus der Kostümabteilung, wenn’s mal ein bisschen auffälliger sein darf » hat sich aber auch schon immer am besten mit Kostüm- und Maskenbildner*innen verstanden » fährt selten nach Hause, vermisst seine Mutter aber doll » findet professionelle Fotoshootings ja schon ein bisschen geil » wirkt auf den ersten Moment wegen des lieben Grinsens immer ein bisschen schüchtern (kann das aber auch wahnsinnig gut spielen), bis er halt den Mund aufmacht » gestikuliert ausdauernd und fummelt sich oft genug selbst im Gesicht rum, spielt auch ständig mit seinem Schmuck » hasst Sport – er macht’s aus Eitelkeit ab und zu, aber hasst wirklich jeden einzelnen Moment davon; leider hasst er kotzen noch mehr und liebt Essen zu sehr für ne ordentliche Essstörung als Problemlösung (nicht, dass er nicht ab und an drüber nachdenken würde – Gott sei Dank bewegt er sich andauernd, da ist das Drama nicht zu schlimm) » macht jeden Tag vor’m Spiegel drei Kreuze für die Gene seiner Mutter » liebt alles an Theater, Film, Opern und Musicals, solange sie gut gemacht sind (in seinen Augen ist Theater natürlich allem anderen überlegen, weil’s die Wurzel ist) » hat auch mal Gesangsunterricht bekommen » ist der festen Überzeugung, aufgrund der aktuellen weltlichen und klimatischen Entwicklung nicht älter als 40 zu werden (lieber Freitod als Apokalypse, vielen Dank) und hat sich deswegen für einen extrem hedonistischen Lebensstil entschieden » hat als persönliches Feindbild Backpacker mit Dreads auserkoren (weil er beides eklig findet) und kriegt Aggressionen, wenn er irgendjemanden mit Fackeln tanzen sieht » mag sein regelmäßiges Gehalt mehr als ihm lieb ist (wie <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">gutbürgerlich</span>), hat aber wenig überraschend null Überblick über seine Finanzen und schnorrt sich gerade am Ende des Monats immer so’n bisschen durch » ist das schlimmste Klatschmaul vor dem Herrn » hat furchtbare Angst vor Nadeln (und nur deswegen keine Tattoos)</div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2"> Theodore Peregrine Jagan</div>
  <div class="p3"> God has given you one face, and you make yourself another.</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> I am haunted by the ghost of my father, I think that should allow me to quote Hamlet as much as I please.</div>
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    <img src="https://i.ibb.co/3snKVJm/Theo-Jagan-Steckbrief-Banner01.jpg"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lex</div>
      <div>Alter // 27 Jahre</div>
      <div>
        Job // Schauspieler</div>
      <div>
        Pizza // Calzone</div>
      <div>
        Ava // Loyle Carner</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://i.ibb.co/FhZckPH/Theo-Jagan-Steckbrief.gif"><br />
      </div>
Wer ist denn bitte dieser Twink, der da im Pelzmantel und Skinny Jeans mit riesiger Sonnenbrille an einem Sonntag um neun Uhr morgens über den Flohmarkt stromert auf der Suche nach der nächsten Mimosa und dem Outfit der Woche? Theo hat dann wahrscheinlich noch nicht geschlafen, aber man verzeiht ihm vieles sofort aufgrund des breiten Lausbuben-Grinsens und der süßen Sommersprossen. Das Leben als Theaterschauspieler ist schon ein hartes – schlecht bezahlt, zu viele Riesenegos auf kleinstem Raum, boah und die ganze Sauferei ständig. Aber Theo liebt eben auch die Bretter, die die Welt bedeuten, und macht (nicht nur) da ne verdammt gute Figur, dass er es zu ner Festanstellung im Ensemble des Royale Exchange Theatres geschafft hat. Beruflich läuft’s bei ihm, aber die Schauspielerei ist auch so ziemlich das Einzige, was ihm wirklich leichtfällt – privat?! Naja. Der liebt halt auf so ne ganz speziell toxische Art einen Priester und lebt damit auch nur seine weirden Daddy Issues aus, weil <i>surprise</i>, er als Teenie rausgefunden hat, dass seine Mutter gar nicht nur die Haushälterin eines Priesters ist. Theo findet das selbst alles sehr peinlich, aber was will man machen? Zumindest ist’s ne geile Geschichte auf jeder Party, wenn er mal keine blinde Wut deswegen empfindet. Die ist bei ihm sowieso Antriebskraft für ganz viel, da wird’s auch schon mal manipulativ, egoistisch und ja, insgesamt bitchig. Aber eben auch spannend, leidenschaftlich und unterhaltsam--- einen Tod muss man immer sterben.</div>
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    <div class="p8">To paraphrase Oedipus, Hamlet, Lear, and all those guys, "I wish I had known this some time ago.”</div>
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Tja, deine Kindheit. Eigentlich ganz harmonisch, hast du immer gedacht, in diesem Backsteinhaus direkt neben der Kirche, mit dem blühenden Garten vor der Tür. Aufgewachsen bist du in dem Haus des Priesters Alan Gilbert, der als Pfarrer bis heute auch die Leitung der römisch-katholischen Pfarrei von <b>St. Austell</b> innehält. Das Zimmer deiner Mutter Beatrice lag direkt neben der Küche, während du irgendwann in das Dachgeschosszimmer umgezogen bist, deine kleine Höhle, und klein war die wirklich (Bett und Schrank). St. Austell, auch so ein nicht mal 20.000 Seelenkaff in Cornwall, total pittoresk mit dem Vodafone Shop und dem Aldi um die Ecke (aber damals vielleicht noch nicht), dafür die Häuser hübsch in blau gestrichen oder mit rosa angemalter Tür, niedlich. Gefühlt (nicht nur gefühlt) sind deine Mutter und du auch die einzigen Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe, bis heute, von dem einen oder anderen Alibi-Paki abgesehen – die ihr natürlich mit Namen kanntet. Deine Mum ist damals aus Guyana nach England gekommen, auf der Suche nach einem besseren Leben, aber sie redet selten darüber, wie sie es schließlich nach Cornwall geschafft hat, und nicht in einer der großen Städte zu landen. Wenn du an dein Zuhause denkst, dann erinnerst du dich hauptsächlich an den Geruch, denn irgendein Eintopf oder Curry kochte immer auf der Herdplatte, während sich dein Leben entweder an dem Küchentisch (wo du gegessen, gespielt und Hausaufgaben gemacht hast) oder vor der Tür auf der Straße abspielte. Deine Mum war immer zuhause, mit ihrer Schürze und dem gestärkten Kragen, und du liebst es bis heute, dich in ihre dicken, warmen, wunderbaren Arme fallen zu lassen – <b>Beatrice Jagan</b>, dieser wahrgewordene Muttertraum musste den akuten Mangel einer Vaterfigur schließlich jahrelang wettmachen. <br />
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War dir ja nicht so wichtig, hast du dir teilweise erfolgreich eingeredet, wer will schon einen Dad?? Ganz sicher nicht der einzige Junge mit dunkler Haut und alleinerziehender Mum in der Klasse! Dieses Klischee halt auch, oh, die Leute haben sich das Maul zerrissen: Die schwarze Frau, die sich hatte anbumsen lassen von irgendeinem weißen Typen, wahrscheinlich noch mit der Absicht, den treuen, aber schwachen Ehemann einer der Gemeindemitglieder zu stehlen, und dann lachte die immer so lieb. Kein Anstand. Das hocherhobene Haupt hast du von deiner Mutter geerbt (wie auch der Rest deiner perfekten Gene), aber im Gegensatz zu ihr hast du auch ein paar von den rassistischen Arschlöchern in der Schule verprügelt - mussten halt die Söhne herhalten, wenn du nicht auf die bigotten Eltern losgehen durftest. Du hast ja nie verstanden, wie sie das in diesem Kuhkaff ausgehalten hat, all die Jahre, aber wahrscheinlich ließ die sich einfach nicht wegbeißen von niemandem, und das kannst du nachvollziehen, so bist du auch drauf. Vor <b>Alan Gilbert</b> hingegen hattest du immer ein bisschen Angst. Der war komisch drauf, dachtest du schon als Kind, und hast dich dafür geschämt, weil Hochwürden und so. Aber er mochte keine lauten Geräusche (ein Grund, warum du sehr früh Kopfhörer geschenkt bekommen hast) und sprach immer so furchtbar leise und ernst. Du mochtest es, dass der mit dir redete, als wärst du erwachsen, wenn er denn mal das Wort an dich richtete – je älter du wurdest, desto mehr konnte der mit dir anfangen (Plottwist: entgegen der katholischen <i>Kultur</i> nie in sexueller Art, angefasst hat der dich echt nicht, weder so noch so). Meistens saß er eh in seinem Büro oder in seinem Studierzimmer, wo er die Leute auch empfing, die was von ihm wollten, und das Klappern der Teetassen auf dem Tablett deiner Mum konntest du bis in dein Zimmer hören.<br />
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Mit den Hormonen der Teenagerzeit fluteten die Gefühle dein Hirn, dass du kaum mehr geradeaus gucken konntest. Schule, naja, nicht so dein Ding, dafür hast du entgegen aller Widrigkeiten immer die Hauptrollen in genau jedem Schultheaterstück bekommen, wahrscheinlich, weil du einfach schon immer extrem hübsch warst und definitiv mehr Charisma hattest als alle anderen Pickelgesichter. Es war auch der einzige Ort, an dem du Disziplin an den Tag gelegt hast, und dieser Adrenalinrausch, sobald ein Scheinwerfer auf dich gerichtet war, da konnten auch die schwer besoffenen Knutschereien mit Mädchen auf irgendwelchen Partys nicht mithalten. Das hast du eh extrem schnell aufgegeben und im Endeffekt hat’s auch niemanden so richtig überrascht, als du dann lieber was mit Jungs starten wolltest. Im Leben reicht nie eine Minderheitenkarte, da müssen es gleich mehrere sein, voll gut, dann auch noch auf Schwänze zu stehen. Du konntest es auf jeden Fall kaum abwarten, aus diesem Nest rauszukommen, das dich wirklich jede Minute wütender und gelangweilter machte. Erst wollte der Pfaffe ja noch mit dir vernünftig reden, weil du einmal zu oft besoffen in den Vorgarten gekotzt hast, aber dann schaukelte sich das zu so ner ganz unangenehmen Nummer hoch, Autoritäten und so, die üblichen Issues. Das Ganze explodierte irgendwann um deinen siebzehnten Geburtstag herum, weil so‘n Scheißkerl dich nen Priester-Bastard genannt hat, turns out: Stimmt halt, wie deine Mum dir in ihrer ruhigen Art zu erklären versuchte. Du hast das halbe Studierzimmer zerlegt und ne schallende Ohrfeige vom Hochwürd--- von <i>deinem</i> Dad kassiert. Ironischerweise die erste Dad-artige Aktion, die du am eigenen Körper erleben durftest. Dein Dad, der deine Mum jahrelang nach außen hin wie ne schnöde Angestellte behandelt hat, und was bitte war das für’n rassistischer Fetisch mit dem Kostüm, das sie zu tragen hatte, als wären wir hier auf ner Baumwollplantage. Mit deinem Mini-Zimmer und ihrem Mini-Zimmer, Gutsherrenart. Dein Dad, der sich niemals mit dir hat sehen lassen, geschweige denn mal ein paar wirklich <i>liebe</i> Worte an dich gerichtet hätte. Dein Dad, der nie zu irgendeiner Aufführung gekommen ist, und dem du niemals-nie von deiner ersten großen Liebe (oder denen danach) erzählen durftest. Dein Dad, mit seiner beschissenen Holier-Than-Thou Attitüde, fuckin‘ Kirchenscheiß, und Gott, was sollte das überhaupt. Und dieses Wissen, später dann, dass es solche Bastarde wie dich in Massen gab, aber nicht jeder Bastard sein Leben lang angelogen worden war und manche von denen echt ne Familie hatten, so richtig halt, im teils Geheimen. Hättest du auch genommen, wirklich, wenn’s dir angeboten worden wäre, aber nö. Also dass du wütend auf Erwachsene warst, geschenkt, aber wie sehr du deine Mum gehasst hast, das Jahr bis zu deinem Auszug, das war dir auch neu.<br />
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<div class="p8">One of the best ideas of all time, executed flawlessly.</div>
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Tja, dein Studium. Das kam ein bisschen später, denn erstmal bist du einfach abgehauen, sobald du den Abschluss in der Tasche hattest, und natürlich ging‘s für nen Jungen, der in die große Welt will, sofort per Anhalter nach London (wohin sonst). Ganz schön teuer, aber halt auch extrem großartig. Die ersten zwei Jahre hast du dich mit so mittelmäßigen Jobs (Einräumen im Supermarkt, dann Kasse; Hotline; Barista in nem hippen Café, Kellner und Barkeeper) und in einem heruntergekommenen WG Zimmer über Wasser gehalten, und auch wenn du’s nicht missen willst, war’s irgendwie auf Dauer einfach komplett unbefriedigend. Gar nicht mal wegen der Kohle, die du nicht hattest, oder der Einsamkeit, die manchmal gekickt hat, oder der Sehnsucht nach deiner Mum – du hattest einfach kein Ventil für all das, was dir durch den Kopf ging (und gleichzeitig auch das Gefühl, jeden Tag ein bisschen mehr zu verblöden, trotz deiner zigtausend Hobbies). Das Einzige, das dich mitgerissen hat, waren die billigen Abendkassenkarten für Theater und Musicals in den hinterletzten Reihen, und die Partys und Musik, mit denen du dir die Nacht um die Ohren gehauen hast. Theater, das hat dir so derbe gefehlt, weil nicht mal drei Nasen Koks dir dieses Gefühl von Lebendig Sein abringen konnten, oder die Präsenz im eigenen Körper wie in dem Moment, in dem man in andere Rollen schlüpft. Also hast du dich informiert, was man machen muss, um angenommen zu werden an einer dieser Prestige-Institutionen, von denen es in London wirklich zuhauf gibt. Einen Coach hast du dir auch angeschafft, der was wusste, und gleichzeitig nicht zu hässlich war, weswegen dir der Tausch Sex gegen Coaching nicht schwerfiel (Kohle hattest du schließlich immer noch nicht). Ein halbes Jahr hast du deine ganze Energie in das Projekt Theaterstudium gesteckt und auf’s Essen verzichtet, um dir die Anmeldegebühren für das Vorspielen leisten zu können, aber thank God hatten deine Freunde Mitleid und haben ein bisschen nach dir geguckt. Shakespeare musste es natürlich sein, schließlich sind wir immer noch in England, und Shakespeare war’s dann schließlich auch, der dir die Türen geöffnet hat für die <b>Old Vic Theatre School</b> in Bristol. Es fiel dir genauso leicht die Zelte abzubrechen wie drei Jahre zuvor in St. Austell, mit genauso wenig Gepäck wie damals. <br />
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Manchmal fragst du dich ja, wie du das alles unter einen Hut bekommen hast – das Studium, die Arbeit nebenher, um dir den Rest leisten zu können, die Sauferei, die Freunde und Affären, und dann auch noch <b>Reuben Lynch</b>, über dessen Füße du zufällig mitten am frühen Morgen in so nem Arbeitercafé gefallen bist. Nun könnte man natürlich diskutieren, dass du einfach noch ziemlich drauf warst von der Nacht davor, oder die Sonne hinter ihm recht tief stand, aber dich hat’s echt umgehauen, ne Erscheinung war der. Später würden dir die Parallelen eher auffallen, also die zu deinem Dad, dass der zum Beispiel auch so ruhig und ernst war, und es was mit dir gemacht hat, wenn der mit dir gesprochen hat wie mit einem richtigen Erwachsenen. Der hat dich gesehen und du ihn, nicht nur an diesem Morgen, an dem du dich einfach zu dem gesetzt und mit ihm fettiges Zeug gefrühstückt hast, während ihr in eurem Gespräch von Gott zu Kant zu Freud gewandert seid. Priesteranwärter war der, als ihr im Bett gelandet seid (talkin‘ about Freud), und Priesteranwärter ist er nicht nur geblieben, sondern hat das voll durchgezogen, trotz eurer Liebe. Was. Zum. <i>Fick</i>. Und du weißt, dass das selbstzerstörerisch ist, und du weißt, dass du deine Kindheit kompensieren willst, und dass du auf Dauer halt echt nur verlieren kannst in jeglicher Hinsicht, aber du kommst nicht weg von dem, diesem blöden Priester mit dem schlechten Gewissen (das du oft genug ausnutzt), der dich anguckt, als wärst du das Größte in der Welt (aber nicht so groß wie seine Liebe zu Gott und der Kirche). Das Studium hat dir einfach komplett den Arsch gerettet, denkst du heute, weil du dich wegen des ganzen Stresses nur wenige Stunden am Tag selbst bemitleiden oder in ärgere Verzweiflung stürzen konntest. In dem Versuch, dich aus der Geschichte zu lösen, bist du nach deinem Abschluss wieder nach London zurück und hast da an den Theatern gearbeitet, aber das ging nicht lange gut und du bist doch wieder emotional an Reuben kleben geblieben. Erbärmlich, wirklich, wie ihr beide immer beim anderen angekrochen kommt. <br />
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<div class="p8">I have lived one step away from losing my mind for years. I am quick and accurate in spotting unstable streaks in others.</div>
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Tja, dein Leben. Ist auch nur die gelebte Version vom "men will literally X instead of going to therapy" meme. Es ist nicht so, als hättest du nicht bereits mal über sowas nachgedacht (also Therapie jetzt), aber ehrlich gesagt hast du ziemlich Schiss, dass du dich dann so sehr veränderst, dass dir deine Kreativität und dein Schaffensvermögen flöten geht. Einmal zu oft über irgendwelche toxischen Genievorstellungen gelesen, was, als würde Kunst nur durch intensiven Schmerz erschaffen und gestaltet werden können (naja, du bist halt auch noch jung und magst Beat-Literatur, was will man erwarten). Vielleicht ist das auch ein Grund, wieso du nicht einfach nur die Sache mit dem Priester beendet, sondern dem auch noch hinterhergezogen bist vor kurzem – gut, klar, du hast auch ein richtig tolles Engagement an Land gezogen und fandest Manchester vom Vibe eh ganz geil, aber seien wir ehrlich an dieser Stelle. Seit fünf Jahren führt ihr dieses echt seltsame Experiment einer Beziehung und seid beide nicht wirklich glücklich, aber leider auch sehr süchtig nacheinander und das, was der andere euch jeweils fühlen lässt. Ein bisschen (sehr) suhlst du dich ja auch in dem Drama, das du dir da selbst aufbaust, und die ganzen Verletzungen, die ihr euch gegenseitig zufügt, weil du denkst, so intensiv muss das Leben nun mal sein. Alles, was du fühlst und tust und was dir passiert, dass passiert dir auch als Schauspieler – egal, wie mies du dich fühlst, irgendein Part in deinem Kopf freut sich darüber, diesen Schmerz und diese Liebe im Theater verarbeiten zu können; genau zu wissen, wie es sich anfühlt, dieses Leben. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum du dich so gut in den Figuren auflösen kannst, weil du ihre Gefühle erlebt und deswegen nachvollziehen kannst --- eventuell ist das alles aber auch genauso gut kompletter Bullshit, du hast einfach ausgebildete Fähigkeiten, die du bemerkenswert gut anwenden kannst, und ein gewisses Gespür für Menschen. Und es ist ja nicht alles schlecht, sagst du gerne lachend, weil’s eben auch stimmt. Es gibt immer Phasen, wo ein bisschen zu häufig Bright Eyes auf Dauerschleife läuft, aber im Großen und Ganzen liebst du es eben echt hart, dein Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen. Vielleicht auch gerade deswegen – man kann echt nicht sagen, dass du nicht alles mitgenommen hast, was man mitnehmen kann, um sich lebendig zu fühlen. <br />
<div class="p8">I'm what the victorians would call a “vile, ill-tempered and thoroughly wretched little creature”</div>
<br />
Theo hat darüber nachgedacht, beruflich nur mit seinem zweiten Vornamen zu arbeiten, fand das dann aber doch selbst einen Ticken zu prätentiös » liebt Champagner, und generell Drinks, die bubbly sind, und hasst Bier (Cider ist okay, wenn's nichts Anderes gibt) » trägt immer Schmuck, also mindestens einen Ring am Mittelfinger, und einen Ohrring » braucht nicht mehr als vier Stunden Schlaf, um zu funktionieren, bleibt aber trotzdem lange im Bett zum Schmusen und Rumhängen » singt ab einem gewissen Pegel immer Arbeiter- und Partisanensongs, ist unfassbar gut in Karaoke und bringt problemlos eine Menge an besoffenen Engländer*innen zum Kochen, weil seine Songauswahl natürlich on point ist » <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">leiht</span> sich oft Klamotten aus der Kostümabteilung, wenn’s mal ein bisschen auffälliger sein darf » hat sich aber auch schon immer am besten mit Kostüm- und Maskenbildner*innen verstanden » fährt selten nach Hause, vermisst seine Mutter aber doll » findet professionelle Fotoshootings ja schon ein bisschen geil » wirkt auf den ersten Moment wegen des lieben Grinsens immer ein bisschen schüchtern (kann das aber auch wahnsinnig gut spielen), bis er halt den Mund aufmacht » gestikuliert ausdauernd und fummelt sich oft genug selbst im Gesicht rum, spielt auch ständig mit seinem Schmuck » hasst Sport – er macht’s aus Eitelkeit ab und zu, aber hasst wirklich jeden einzelnen Moment davon; leider hasst er kotzen noch mehr und liebt Essen zu sehr für ne ordentliche Essstörung als Problemlösung (nicht, dass er nicht ab und an drüber nachdenken würde – Gott sei Dank bewegt er sich andauernd, da ist das Drama nicht zu schlimm) » macht jeden Tag vor’m Spiegel drei Kreuze für die Gene seiner Mutter » liebt alles an Theater, Film, Opern und Musicals, solange sie gut gemacht sind (in seinen Augen ist Theater natürlich allem anderen überlegen, weil’s die Wurzel ist) » hat auch mal Gesangsunterricht bekommen » ist der festen Überzeugung, aufgrund der aktuellen weltlichen und klimatischen Entwicklung nicht älter als 40 zu werden (lieber Freitod als Apokalypse, vielen Dank) und hat sich deswegen für einen extrem hedonistischen Lebensstil entschieden » hat als persönliches Feindbild Backpacker mit Dreads auserkoren (weil er beides eklig findet) und kriegt Aggressionen, wenn er irgendjemanden mit Fackeln tanzen sieht » mag sein regelmäßiges Gehalt mehr als ihm lieb ist (wie <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">gutbürgerlich</span>), hat aber wenig überraschend null Überblick über seine Finanzen und schnorrt sich gerade am Ende des Monats immer so’n bisschen durch » ist das schlimmste Klatschmaul vor dem Herrn » hat furchtbare Angst vor Nadeln (und nur deswegen keine Tattoos)</div>
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Tamati Simmons]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=1509</link>
			<pubDate>Sat, 02 Jun 2018 09:44:16 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=323">Tamati Simmons</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=1509</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Tamati Simmons</div>
  <div class="p3"> to catch a bus you have to think like a bus</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> I had to stop drinking rosé for three weeks to afford these Gaga tickets</div>
    </div>
    <img src="https://image.ibb.co/ndBcLU/Tama_Simmons_Banner_01.png"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lex</div>
      <div>Alter // 42 Jahre</div>
      <div>
        Job // Gerichtsmediziner</div>
      <div>
        Pizza // Hauptsache Käse</div>
      <div>
        Ava // Taika Waititi</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://thumb.ibb.co/nHWyAd/Tama_Simmons_01.gif"><br />
      </div>
Wenn man so anders ist, dass man eh nie dazugehören wird, kann man die eigene Skurrilität gleich zelebrieren, auch eine Form der Freiheit: Denkst du und gibst schon seit deinem dreizehnten Lebensjahr keinen Scheiß mehr auf die Meinung anderer. Dafür hast du auch gar keine Zeit, schließlich bist du ein vielbeschäftigter Mann, nun mehr seit zwei Jahren aus Neuseeland nach Manchester gezogen, der kranken Mutter hinterher, im Gepäck diverse Spleens, Sammelticks und Obsessionen – neben Nasenhaarschneider sammelst du auch handbeschriebene Einkaufszettel, afrikanische Masken und besondere Musikinstrumente, kein Wunder, dass deine Mutter dich rausgeworfen hat und dein Hausboot aus allen Nähten platzt. Außerdem warst du auf jedem Berg deiner Heimat barfuß, hast ein Jahr lang im Zelt gewohnt und verdienst deinen Lebensunterhalt mit dem Aufschneiden toter Menschen. Eigentlich wolltest du Jazzmusiker werden – der Zahn musste dir jedoch gezogen werden, weil, ganz ehrlich, wenn man so halb/fast/irgendwie gehörlos ist, macht so eine Klampfe auch wenig Sinn. Das Cochlea-Implantat kam dafür ziemlich früh und sprechen kannst du entsprechend auch, allerdings klingst du immer noch merkwürdig – du schiebst es gerne auf den Akzent… Oder auf die Drogen, die du nie nimmst, auch wenn du oft genug high wirkst<br />
    </div>
    <div class="p8">if i don’t end up running down a palace hallway in a flowing couture dress at least once in my life then what‘s the point</div>
<br />
<b>Tote Käfer. </b> Du denkst an den Geruch von Wald und Feldern und Schafen, deine Kindheit auf dieser Farm, nicht mehr Vorstadt Aucklands. Dieses akribische Aufsammeln von toten Käfern – oder eigentlich, weil die Tage immer lang waren und da manchmal nur andere Insekten, auch diese -, die Aufbewahrung in kleinen Schachteln, mit genauer Beschreibung, sogar in Latein, überall in deinem Zimmer. An die Wand getackerst hast du sie nicht, immerhin. Deiner Mutter wäre es aufgefallen, aber verboten hätte sie es nicht. Wer im Glashaus sitzt…, schließlich war dank ihr das Haus ohnehin schon vollgekramt bis unter die Decke, all die biologischen Fachbücher über Flora und Fauna und Meeresgeschöpfe, die ausgerissenen Zeitungsausschnitte, früher noch sorgsam eingeklebt, später in jeder Ritze, die Porzellanfiguren (wenigstens keine Clowns) und all die Maori-Kunst, die dein Vater zurückgelassen hat, kleine und große Schnitzereien, weil das konnte er wirklich gut, dafür brannte er. Dafür fehlte: Ein Fernseher, ein Radio und bis zu deinem vierzehnten Geburtstag auch eine Stereoanlage, weil das nur verstaubt wäre. Jetzt könnte man natürlich behaupten, dass man in so einer Umgebung nur komisch werden konnte, mit einem toten Vater, der die Spleens der Mutter nicht auszubügeln vermochte, aber <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">so what</span> (zumal, Gerüchten zufolge, die Spleenigkeit deines Vaters echt nichts hätte ausbügeln können, im Gegenteil). Dieses Haus, mit all seinen Winkeln und Ecken und Verstecken, mit dem Licht, das immer gegen die Wände zuckte, sobald jemand klingelte (aber es klingelte selten), das hast du geliebt, genauso wie das Meer und den Wald und die Felder und Schafe. Leider kam irgendjemand auf die dumme Idee, dass du auch zur Schule gehen solltest, und sagen wir es mal so, du denkst nicht an diese Zeit zurück, niemals nie. Wegen deines Cochlea-Implantates, das du seit dem Kleinkindalter getragen hast, weil’s bei dir, anders als bei deiner Mutter, funktionierte, und mit dessen Hilfe du ziemlich flüssig sprechen konntest, kennst du alle Roboterwitze der Welt. Deine Art, an den unpassendsten Stellen viel zu laut zu lachen, deine dunkle Haut (Rassismus, yay!), das Funkeln in deinen Augen, wenn’s darum ging, ein paar Frösche und Schafsaugen im Biounterricht zu sezieren, der Umstand, dass du immer mit Klamotten vom vorletzten Jahr rumgelaufen bist und überhaupt, du warst einfach weird und bist es noch: Das war schon alles nicht so einfach. Auf die Fresse hast du gekriegt, mehrmals. Freunde hattest du auch nicht. Dafür deine Mutter, der beste Mensch der Welt, bis heute, und während ihr nach der Schule noch stundenlang durch die Natur gelaufen seid, hat sie dir alles über das Leben beigebracht, was man wissen sollte. <br />
 <br />
<b>Sicherheitshinweise von Fluggesellschaften.</b> Dann hast du dich rausgestürzt, ins Leben, oder zumindest in die Universität. Deine Abschlussnoten? Sauber. Vielleicht hätten sie besser sein können, wenn du dich nicht noch gleichzeitig für so viele andere Themen interessiert hättest, die in der Schule einfach niemand wissen wollte: Osamu Tezuka hat angeblich jeden Tag in seinem Erwachsenenleben einen Spielfilm gesehen; wie Fingerabdrücke sind die Muster auf der Zunge niemals gleich; der Mensch hat durchschnittlich circa 60.000 Meilen Adern im Körper, diese könnte man mehr als zweimal um die Welt wickeln, wenn man sie auseinanderbröseln und aneinanderlegen würde. Jene manischen Phasen der Faszination und Experimentierfreude wird dich dein Leben lang begleiten und an der Uni wurde es erst einmal schlimmer: Du hast ein Jahr im Zelt geschlafen, im Garten deiner Mutter, einfach nur so; bist mit Rucksack und ohne Stiefel auf alle Berge Neuseelands geklettert; hast ausprobiert, wie es ist, wenn man nicht länger als zwanzig Minuten am Stück schläft, dafür alle drei Stunden; ob es kompliziert ist, sich selbst zu tätowieren; wie viel Kaffee man am Tag trinken kann, ehe man anfängt, Stimmen zu hören; du warst kayaken und surfen und fallschirmspringen; und hast nebenher noch deine Sexualität entdeckt, erst mit Hine und Julia, dann mit Eddie und Frederick. Zwischendurch hast du auch gelernt, Medizin, Kriminologie, Pathologie, Anatomie, forensische Wissenschaften. Schlaf? Naja. Beziehungen? Eher nicht. Dafür war das eine gute Zeit, besser als die Schule allemal, auf einmal hattest du sogar ein, zwei Freunde, deine Professoren fanden dich nicht so seltsam, sondern haben dich unterstützt, und deiner Mutter konntest du jetzt auch sogar ein bisschen die Welt erklären (in Gebärdensprache, bis heute). Bei der hast du immer noch gewohnt, weil es einfach schöner war. Und in der natürlichen Stille des Hauses konntest du besser denken, dich konzentrieren, so nah am Wald immer noch. <br />
<br />
<b>Außergewöhnliche Todesarten.</b> Manchmal muss man trotzdem weg, selbst wenn Australien jetzt nicht sonderlich weit entfernt ist. Immerhin angeeckt bist du nicht, weil du dich zum Thema Rugby einfach diplomatisch zurückgehalten hast und nie darauf herumgeritten bist, dass die All Blacks schon wieder die Nachbarn in den Boden gestampft hatten. Du bist in Melbourne gelandet und mochtest das: Die Kunst, die Musik, die Graffitis, die Leute. Das Studium hattest du abgeschlossen – es ging weiter mit Praktikum und Ausbildung. Gerichtsmediziner wolltest du schon mit sechzehn Jahren werden, bis heute kannst du dir keinen faszinierenderen Job vorstellen. Bei deiner ersten Autopsie warst du der Einzige, der nicht gekotzt hatte oder rausgehen musste, stattdessen hast du jede Bewegung deines Dozenten genau beobachtet. Der Tod, das war schon immer dein Thema, und trotz atheistischer Ader fürchtest du dich nicht: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">To die would be an awfully big adventure!</span> Du hast kein Problem mit toten Menschen und kannst das bis heute unter rein wissenschaftlicher Neugierde betrachten, ohne es an Respekt fehlen zu lassen. Dafür vermeidest du es, mit Angehörigen zu sprechen, weil deine fröhliche Art und dein Pragmatismus zwischenzeitlich als Unsensibilität interpretiert werden. Kinder oder besonders brutale Fälle sind natürlich mies, aber du schläfst nur selten schlecht und hast die Fähigkeit zügig abzuschalten – vielleicht auch, weil du an so viele Dinge gleichzeitig denkst. Du lebtest in einer WG, zwei Männer, zwei Frauen, alle berufstätig, und es lief gut von dem einen oder anderen Tief abgesehen. Deiner Mutter hast du jeden Tag geschrieben und ihr von dem Liebeskummer erzählt, nachdem Paula dich verlassen hat, später dann Emma und Jon, von durchgetanzten Nächten und dem Koks, das du versucht hast (Drogen werden niemals etwas für dich sein, weil dein Kopf sich ohnehin ständig dreht und du den Sinn nicht verstehst). Das Leben, es lief endlich und das noch richtig gut, auch wenn du ab und an Familie und Heimat vermisstest. <br />
<br />
<b>Tiffanylampen.</b> Auf einmal stand er da. Der schönste Mann der Welt. Kurze blonde Haare, Bart, hellblaue Augen und ein Kreuz, bei dem du gerne wie eine viktorianische Adelige zu Boden gesunken wärst. So einer, der immer zu laut spricht und lacht und schreit, weil er aufgrund eines Tauchunfalles vor wenigen Jahren gehörlos geworden war, der ab und an zu viel trinkt, weil er Schmerzen hat und mit der Stille nicht zurechtkommt, der eine ausgezeichnete Figur auf dem Surfbrett und in deinem Bett machte. Es funktionierte. Du verstehst bis heute nicht, wie und warum. Dass du selbst nicht hässlich bist, geschenkt. Aber dafür anstrengend und ein paar Jahre älter und jedes Mal so furchtbar verliebt, wenn Ryan dich angegrinst und nach deiner Hand gegriffen hatte. Ihr seid zusammengezogen, der Maschinenbauingenieur und der Gerichtsmediziner, in ein Haus am Meer (dein Kompromiss, obwohl dir der Wald mehr gefehlt hat), wo all euer Kram reinpasste und noch ein bisschen mehr. Es war notwendig, weil der Haushalt deiner Kindheit in Neuseeland aufgelöst werden musste - deine Mutter ging nach Europa: Das erste Mal in deinem Leben hattest du sie mit einem Mann gesehen, glücklich.  Dafür gab es jetzt so etwas wie Skype und aus den Briefen wurden Telefonate, stundenlang. Manchmal hatte Ryan über Kinder nachgedacht und du gleich mit, aber die Beschissenheit deiner eigenen Kindheit sorgte nicht gerade dafür, dass du dich darum gerissen hast, genau das (oder ähnliches) einer Person, die du abgöttisch lieben würdest, erneut anzutun. Und die Zeit, das war doch auch so ein Thema, zwischen den Stunden im Labor, in der Gerichtsmedizin oder draußen an potentiellen Tatorten, wie sollte da ein kleiner Mensch hineinpassen, wenn doch die ganzen Hobbies und gemeinsamen Reisen zuerst Platz finden mussten. Sah Ryan ein und beschwerte sich nicht, zumal der doch ohnehin am ehesten auf dem Meer seinen Frieden fand. <br />
<br />
<b>Verlorene Ohrringe.</b> Brustkrebs. Letztlich war es immer Krebs, oder nicht? Als du die Diagnose deiner Mutter das erste Mal vor zweieinhalb Jahren gehört hattest, bist du in das nächste Flugzeug nach Manchester gestiegen, um ihre Hand zu halten, um dafür zu sorgen, dass die Ärzte keinen Bullshit erzählten, um die aufkommende Panik niederzukämpfen, die du so noch nie erlebt hattest. Beschissen sah es aus, selbst für eine optimistische Frohnatur, wie du es bist. Aber die Simmons waren Kämpfer, schon immer gewesen, nur manchmal brauchten sie einander, damit das besser funktionierte. Der Mann deiner Mutter ging. Du bist, nach einer kurzen Rückreise, geblieben, in diesem Land, in dem es dauernd regnete und man nur braun wurde, wenn man sich auf die Sonnenbank legte. Ryan kam nicht mit: Die Sonne und besonders das Meer brauchte er mehr als dich. Das erste halbe Jahr hattest du noch gehofft, zurückkehren zu können, mit deiner Mutter im Gepäck in das schöne Haus, in das gemeinsame Bett, aber dann kam die Chemo und die Operationen und dann streute der Krebs und du hattest ein Jobangebot erhalten, als Coroner in Manchester, und irgendwann holtest du einen Teil deiner Sammlungen nach. Du hast dich abgelenkt von diesem blöden Schmerz in deiner Brust, weil dir Ryan jeden Tag gefehlt hat, bis der Schmerz tatsächlich irgendwann nachließ und verschwand. Einfach nicht nachdenken oder zumindest über etwas anderes, in dem du dir ein renovierungsbedürftiges Hausboot gemietet hattest und über Flohmärkte streuntest, in dem du Freunde und Liebschaften suchtest, die Nähe zu deiner Mutter, und lange Wanderungen in den Nationalparks, von denen es in England mehr gab, als du erwartest hast. Die Wälder wieder, gute Orte zum Atmen, und letztlich, seien wir mal ehrlich, bist du doch ohnehin kein Kind von Traurigkeit, da wird lieber gelacht als geweint und sterben kann man immer noch später.<br />
<br />
    <div class="p8">If you can’t blow them away with your brilliance, baffle them with your bullshit</div>
<br />
Tama kennt keine Langeweile // singt im Labor (und überall sonst) noch jedes blöde Lied aus dem Radio mit, zum Leidwesen seiner Kollegen und der restlichen Anwesenden (immerhin die Toten beschweren sich nicht, bestimmt auch Karaokefans!) // kann dafür gut tanzen // haut sich mindestens einmal am Tag den Schädel an dem Türrahmen seines Hausbootes, weil er mit seinen 1,87 m für diese Öffnung doch deutlich zu groß ist // hat einen andersartigen Kleidungsstil (Thema Ananas-Hemden), der überraschend gut an ihm aussieht // isst zum Frühstück immer Toast mit Avocado und Tomatenrelish // trägt Schmuck und Armbanduhr // trinkt Kaffee und Ingwertee in Massen // raucht nicht, trinkt in Maßen und nimmt keine anderen Drogen // lacht tatsächlich auch immer noch einen kleinen Ticken zu laut (was in Manchester aber nicht auffällt), dafür sehr viel // kann nicht zwinkern, weil’s immer aussieht, als hätte er was im Auge oder nen Infarkt // vermisst den Ex manchmal mehr, als er zugeben würde, dabei sind’s jetzt wirklich schon zwei Jahre // hält nichts von Haustierhaltung, obwohl er gerne einen Graupapagei hätte // stolpert wenn nicht über seinen eigenen Kram, dann wenigstens über seine eigenen Füße // hat wirklich gar kein Schamgefühl // liest viel und das in den ungemütlichsten Positionen // hat insgesamt fünf Tattoos, von denen er sich anderthalb selbst gestochen hat (das eine mit professionellem Werkzeug, weil er mit dem Tätowierer geschlafen und bei dem auf Schweinehaut geübt hat) // kann sehr gut zeichnen, besonders Flora und Fauna, dafür scheitert er an Menschen // ist der neuseeländischen Gebärdensprache mächtig, kann auch Te Reo Māori und Englisch // träumt nicht und schläft meistens sofort ein, wenn er sich hinlegt // trägt gerne Hüte // trinkt wirklich niemanden unter den Tisch (nicht mal deine Oma) // isst nur die grünen M&Ms // hat eine Schwäche für Disneyfilme (und okay, auch Pixar) // kann wenig überraschend nicht mit Geld umgehen // ist manchmal fest davon überzeugt, Monster unterm Bett zu haben // hat Gary Oldman mal persönlich getroffen… und das erste Mal in seinem Leben kein Wort rausgebracht // macht sich deswegen bis heute Vorwürfe // spielt immer unfair und schummelt maßlos // hasst glibberiges Essen // findet die uralten Bauten Europas bis heute unglaublich faszinierend und beeindruckend, auch weil historische Kirchen in Neuseeland gerade einmal 120 Jahre alt sind // hält immer wieder Vorlesungen an der Uni, hat zwei Doktortitel und veröffentlicht in verschiedenen Fachzeitschriften<br />
  </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Tamati Simmons</div>
  <div class="p3"> to catch a bus you have to think like a bus</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> I had to stop drinking rosé for three weeks to afford these Gaga tickets</div>
    </div>
    <img src="https://image.ibb.co/ndBcLU/Tama_Simmons_Banner_01.png"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lex</div>
      <div>Alter // 42 Jahre</div>
      <div>
        Job // Gerichtsmediziner</div>
      <div>
        Pizza // Hauptsache Käse</div>
      <div>
        Ava // Taika Waititi</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://thumb.ibb.co/nHWyAd/Tama_Simmons_01.gif"><br />
      </div>
Wenn man so anders ist, dass man eh nie dazugehören wird, kann man die eigene Skurrilität gleich zelebrieren, auch eine Form der Freiheit: Denkst du und gibst schon seit deinem dreizehnten Lebensjahr keinen Scheiß mehr auf die Meinung anderer. Dafür hast du auch gar keine Zeit, schließlich bist du ein vielbeschäftigter Mann, nun mehr seit zwei Jahren aus Neuseeland nach Manchester gezogen, der kranken Mutter hinterher, im Gepäck diverse Spleens, Sammelticks und Obsessionen – neben Nasenhaarschneider sammelst du auch handbeschriebene Einkaufszettel, afrikanische Masken und besondere Musikinstrumente, kein Wunder, dass deine Mutter dich rausgeworfen hat und dein Hausboot aus allen Nähten platzt. Außerdem warst du auf jedem Berg deiner Heimat barfuß, hast ein Jahr lang im Zelt gewohnt und verdienst deinen Lebensunterhalt mit dem Aufschneiden toter Menschen. Eigentlich wolltest du Jazzmusiker werden – der Zahn musste dir jedoch gezogen werden, weil, ganz ehrlich, wenn man so halb/fast/irgendwie gehörlos ist, macht so eine Klampfe auch wenig Sinn. Das Cochlea-Implantat kam dafür ziemlich früh und sprechen kannst du entsprechend auch, allerdings klingst du immer noch merkwürdig – du schiebst es gerne auf den Akzent… Oder auf die Drogen, die du nie nimmst, auch wenn du oft genug high wirkst<br />
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    <div class="p8">if i don’t end up running down a palace hallway in a flowing couture dress at least once in my life then what‘s the point</div>
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<b>Tote Käfer. </b> Du denkst an den Geruch von Wald und Feldern und Schafen, deine Kindheit auf dieser Farm, nicht mehr Vorstadt Aucklands. Dieses akribische Aufsammeln von toten Käfern – oder eigentlich, weil die Tage immer lang waren und da manchmal nur andere Insekten, auch diese -, die Aufbewahrung in kleinen Schachteln, mit genauer Beschreibung, sogar in Latein, überall in deinem Zimmer. An die Wand getackerst hast du sie nicht, immerhin. Deiner Mutter wäre es aufgefallen, aber verboten hätte sie es nicht. Wer im Glashaus sitzt…, schließlich war dank ihr das Haus ohnehin schon vollgekramt bis unter die Decke, all die biologischen Fachbücher über Flora und Fauna und Meeresgeschöpfe, die ausgerissenen Zeitungsausschnitte, früher noch sorgsam eingeklebt, später in jeder Ritze, die Porzellanfiguren (wenigstens keine Clowns) und all die Maori-Kunst, die dein Vater zurückgelassen hat, kleine und große Schnitzereien, weil das konnte er wirklich gut, dafür brannte er. Dafür fehlte: Ein Fernseher, ein Radio und bis zu deinem vierzehnten Geburtstag auch eine Stereoanlage, weil das nur verstaubt wäre. Jetzt könnte man natürlich behaupten, dass man in so einer Umgebung nur komisch werden konnte, mit einem toten Vater, der die Spleens der Mutter nicht auszubügeln vermochte, aber <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">so what</span> (zumal, Gerüchten zufolge, die Spleenigkeit deines Vaters echt nichts hätte ausbügeln können, im Gegenteil). Dieses Haus, mit all seinen Winkeln und Ecken und Verstecken, mit dem Licht, das immer gegen die Wände zuckte, sobald jemand klingelte (aber es klingelte selten), das hast du geliebt, genauso wie das Meer und den Wald und die Felder und Schafe. Leider kam irgendjemand auf die dumme Idee, dass du auch zur Schule gehen solltest, und sagen wir es mal so, du denkst nicht an diese Zeit zurück, niemals nie. Wegen deines Cochlea-Implantates, das du seit dem Kleinkindalter getragen hast, weil’s bei dir, anders als bei deiner Mutter, funktionierte, und mit dessen Hilfe du ziemlich flüssig sprechen konntest, kennst du alle Roboterwitze der Welt. Deine Art, an den unpassendsten Stellen viel zu laut zu lachen, deine dunkle Haut (Rassismus, yay!), das Funkeln in deinen Augen, wenn’s darum ging, ein paar Frösche und Schafsaugen im Biounterricht zu sezieren, der Umstand, dass du immer mit Klamotten vom vorletzten Jahr rumgelaufen bist und überhaupt, du warst einfach weird und bist es noch: Das war schon alles nicht so einfach. Auf die Fresse hast du gekriegt, mehrmals. Freunde hattest du auch nicht. Dafür deine Mutter, der beste Mensch der Welt, bis heute, und während ihr nach der Schule noch stundenlang durch die Natur gelaufen seid, hat sie dir alles über das Leben beigebracht, was man wissen sollte. <br />
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<b>Sicherheitshinweise von Fluggesellschaften.</b> Dann hast du dich rausgestürzt, ins Leben, oder zumindest in die Universität. Deine Abschlussnoten? Sauber. Vielleicht hätten sie besser sein können, wenn du dich nicht noch gleichzeitig für so viele andere Themen interessiert hättest, die in der Schule einfach niemand wissen wollte: Osamu Tezuka hat angeblich jeden Tag in seinem Erwachsenenleben einen Spielfilm gesehen; wie Fingerabdrücke sind die Muster auf der Zunge niemals gleich; der Mensch hat durchschnittlich circa 60.000 Meilen Adern im Körper, diese könnte man mehr als zweimal um die Welt wickeln, wenn man sie auseinanderbröseln und aneinanderlegen würde. Jene manischen Phasen der Faszination und Experimentierfreude wird dich dein Leben lang begleiten und an der Uni wurde es erst einmal schlimmer: Du hast ein Jahr im Zelt geschlafen, im Garten deiner Mutter, einfach nur so; bist mit Rucksack und ohne Stiefel auf alle Berge Neuseelands geklettert; hast ausprobiert, wie es ist, wenn man nicht länger als zwanzig Minuten am Stück schläft, dafür alle drei Stunden; ob es kompliziert ist, sich selbst zu tätowieren; wie viel Kaffee man am Tag trinken kann, ehe man anfängt, Stimmen zu hören; du warst kayaken und surfen und fallschirmspringen; und hast nebenher noch deine Sexualität entdeckt, erst mit Hine und Julia, dann mit Eddie und Frederick. Zwischendurch hast du auch gelernt, Medizin, Kriminologie, Pathologie, Anatomie, forensische Wissenschaften. Schlaf? Naja. Beziehungen? Eher nicht. Dafür war das eine gute Zeit, besser als die Schule allemal, auf einmal hattest du sogar ein, zwei Freunde, deine Professoren fanden dich nicht so seltsam, sondern haben dich unterstützt, und deiner Mutter konntest du jetzt auch sogar ein bisschen die Welt erklären (in Gebärdensprache, bis heute). Bei der hast du immer noch gewohnt, weil es einfach schöner war. Und in der natürlichen Stille des Hauses konntest du besser denken, dich konzentrieren, so nah am Wald immer noch. <br />
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<b>Außergewöhnliche Todesarten.</b> Manchmal muss man trotzdem weg, selbst wenn Australien jetzt nicht sonderlich weit entfernt ist. Immerhin angeeckt bist du nicht, weil du dich zum Thema Rugby einfach diplomatisch zurückgehalten hast und nie darauf herumgeritten bist, dass die All Blacks schon wieder die Nachbarn in den Boden gestampft hatten. Du bist in Melbourne gelandet und mochtest das: Die Kunst, die Musik, die Graffitis, die Leute. Das Studium hattest du abgeschlossen – es ging weiter mit Praktikum und Ausbildung. Gerichtsmediziner wolltest du schon mit sechzehn Jahren werden, bis heute kannst du dir keinen faszinierenderen Job vorstellen. Bei deiner ersten Autopsie warst du der Einzige, der nicht gekotzt hatte oder rausgehen musste, stattdessen hast du jede Bewegung deines Dozenten genau beobachtet. Der Tod, das war schon immer dein Thema, und trotz atheistischer Ader fürchtest du dich nicht: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">To die would be an awfully big adventure!</span> Du hast kein Problem mit toten Menschen und kannst das bis heute unter rein wissenschaftlicher Neugierde betrachten, ohne es an Respekt fehlen zu lassen. Dafür vermeidest du es, mit Angehörigen zu sprechen, weil deine fröhliche Art und dein Pragmatismus zwischenzeitlich als Unsensibilität interpretiert werden. Kinder oder besonders brutale Fälle sind natürlich mies, aber du schläfst nur selten schlecht und hast die Fähigkeit zügig abzuschalten – vielleicht auch, weil du an so viele Dinge gleichzeitig denkst. Du lebtest in einer WG, zwei Männer, zwei Frauen, alle berufstätig, und es lief gut von dem einen oder anderen Tief abgesehen. Deiner Mutter hast du jeden Tag geschrieben und ihr von dem Liebeskummer erzählt, nachdem Paula dich verlassen hat, später dann Emma und Jon, von durchgetanzten Nächten und dem Koks, das du versucht hast (Drogen werden niemals etwas für dich sein, weil dein Kopf sich ohnehin ständig dreht und du den Sinn nicht verstehst). Das Leben, es lief endlich und das noch richtig gut, auch wenn du ab und an Familie und Heimat vermisstest. <br />
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<b>Tiffanylampen.</b> Auf einmal stand er da. Der schönste Mann der Welt. Kurze blonde Haare, Bart, hellblaue Augen und ein Kreuz, bei dem du gerne wie eine viktorianische Adelige zu Boden gesunken wärst. So einer, der immer zu laut spricht und lacht und schreit, weil er aufgrund eines Tauchunfalles vor wenigen Jahren gehörlos geworden war, der ab und an zu viel trinkt, weil er Schmerzen hat und mit der Stille nicht zurechtkommt, der eine ausgezeichnete Figur auf dem Surfbrett und in deinem Bett machte. Es funktionierte. Du verstehst bis heute nicht, wie und warum. Dass du selbst nicht hässlich bist, geschenkt. Aber dafür anstrengend und ein paar Jahre älter und jedes Mal so furchtbar verliebt, wenn Ryan dich angegrinst und nach deiner Hand gegriffen hatte. Ihr seid zusammengezogen, der Maschinenbauingenieur und der Gerichtsmediziner, in ein Haus am Meer (dein Kompromiss, obwohl dir der Wald mehr gefehlt hat), wo all euer Kram reinpasste und noch ein bisschen mehr. Es war notwendig, weil der Haushalt deiner Kindheit in Neuseeland aufgelöst werden musste - deine Mutter ging nach Europa: Das erste Mal in deinem Leben hattest du sie mit einem Mann gesehen, glücklich.  Dafür gab es jetzt so etwas wie Skype und aus den Briefen wurden Telefonate, stundenlang. Manchmal hatte Ryan über Kinder nachgedacht und du gleich mit, aber die Beschissenheit deiner eigenen Kindheit sorgte nicht gerade dafür, dass du dich darum gerissen hast, genau das (oder ähnliches) einer Person, die du abgöttisch lieben würdest, erneut anzutun. Und die Zeit, das war doch auch so ein Thema, zwischen den Stunden im Labor, in der Gerichtsmedizin oder draußen an potentiellen Tatorten, wie sollte da ein kleiner Mensch hineinpassen, wenn doch die ganzen Hobbies und gemeinsamen Reisen zuerst Platz finden mussten. Sah Ryan ein und beschwerte sich nicht, zumal der doch ohnehin am ehesten auf dem Meer seinen Frieden fand. <br />
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<b>Verlorene Ohrringe.</b> Brustkrebs. Letztlich war es immer Krebs, oder nicht? Als du die Diagnose deiner Mutter das erste Mal vor zweieinhalb Jahren gehört hattest, bist du in das nächste Flugzeug nach Manchester gestiegen, um ihre Hand zu halten, um dafür zu sorgen, dass die Ärzte keinen Bullshit erzählten, um die aufkommende Panik niederzukämpfen, die du so noch nie erlebt hattest. Beschissen sah es aus, selbst für eine optimistische Frohnatur, wie du es bist. Aber die Simmons waren Kämpfer, schon immer gewesen, nur manchmal brauchten sie einander, damit das besser funktionierte. Der Mann deiner Mutter ging. Du bist, nach einer kurzen Rückreise, geblieben, in diesem Land, in dem es dauernd regnete und man nur braun wurde, wenn man sich auf die Sonnenbank legte. Ryan kam nicht mit: Die Sonne und besonders das Meer brauchte er mehr als dich. Das erste halbe Jahr hattest du noch gehofft, zurückkehren zu können, mit deiner Mutter im Gepäck in das schöne Haus, in das gemeinsame Bett, aber dann kam die Chemo und die Operationen und dann streute der Krebs und du hattest ein Jobangebot erhalten, als Coroner in Manchester, und irgendwann holtest du einen Teil deiner Sammlungen nach. Du hast dich abgelenkt von diesem blöden Schmerz in deiner Brust, weil dir Ryan jeden Tag gefehlt hat, bis der Schmerz tatsächlich irgendwann nachließ und verschwand. Einfach nicht nachdenken oder zumindest über etwas anderes, in dem du dir ein renovierungsbedürftiges Hausboot gemietet hattest und über Flohmärkte streuntest, in dem du Freunde und Liebschaften suchtest, die Nähe zu deiner Mutter, und lange Wanderungen in den Nationalparks, von denen es in England mehr gab, als du erwartest hast. Die Wälder wieder, gute Orte zum Atmen, und letztlich, seien wir mal ehrlich, bist du doch ohnehin kein Kind von Traurigkeit, da wird lieber gelacht als geweint und sterben kann man immer noch später.<br />
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    <div class="p8">If you can’t blow them away with your brilliance, baffle them with your bullshit</div>
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Tama kennt keine Langeweile // singt im Labor (und überall sonst) noch jedes blöde Lied aus dem Radio mit, zum Leidwesen seiner Kollegen und der restlichen Anwesenden (immerhin die Toten beschweren sich nicht, bestimmt auch Karaokefans!) // kann dafür gut tanzen // haut sich mindestens einmal am Tag den Schädel an dem Türrahmen seines Hausbootes, weil er mit seinen 1,87 m für diese Öffnung doch deutlich zu groß ist // hat einen andersartigen Kleidungsstil (Thema Ananas-Hemden), der überraschend gut an ihm aussieht // isst zum Frühstück immer Toast mit Avocado und Tomatenrelish // trägt Schmuck und Armbanduhr // trinkt Kaffee und Ingwertee in Massen // raucht nicht, trinkt in Maßen und nimmt keine anderen Drogen // lacht tatsächlich auch immer noch einen kleinen Ticken zu laut (was in Manchester aber nicht auffällt), dafür sehr viel // kann nicht zwinkern, weil’s immer aussieht, als hätte er was im Auge oder nen Infarkt // vermisst den Ex manchmal mehr, als er zugeben würde, dabei sind’s jetzt wirklich schon zwei Jahre // hält nichts von Haustierhaltung, obwohl er gerne einen Graupapagei hätte // stolpert wenn nicht über seinen eigenen Kram, dann wenigstens über seine eigenen Füße // hat wirklich gar kein Schamgefühl // liest viel und das in den ungemütlichsten Positionen // hat insgesamt fünf Tattoos, von denen er sich anderthalb selbst gestochen hat (das eine mit professionellem Werkzeug, weil er mit dem Tätowierer geschlafen und bei dem auf Schweinehaut geübt hat) // kann sehr gut zeichnen, besonders Flora und Fauna, dafür scheitert er an Menschen // ist der neuseeländischen Gebärdensprache mächtig, kann auch Te Reo Māori und Englisch // träumt nicht und schläft meistens sofort ein, wenn er sich hinlegt // trägt gerne Hüte // trinkt wirklich niemanden unter den Tisch (nicht mal deine Oma) // isst nur die grünen M&Ms // hat eine Schwäche für Disneyfilme (und okay, auch Pixar) // kann wenig überraschend nicht mit Geld umgehen // ist manchmal fest davon überzeugt, Monster unterm Bett zu haben // hat Gary Oldman mal persönlich getroffen… und das erste Mal in seinem Leben kein Wort rausgebracht // macht sich deswegen bis heute Vorwürfe // spielt immer unfair und schummelt maßlos // hasst glibberiges Essen // findet die uralten Bauten Europas bis heute unglaublich faszinierend und beeindruckend, auch weil historische Kirchen in Neuseeland gerade einmal 120 Jahre alt sind // hält immer wieder Vorlesungen an der Uni, hat zwei Doktortitel und veröffentlicht in verschiedenen Fachzeitschriften<br />
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