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		<title><![CDATA[Lost the plot - Is it garbage night?]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Sat, 09 May 2026 03:28:29 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Knee-deep in the passenger seat and you're eating me out]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2658</link>
			<pubDate>Thu, 26 Feb 2026 17:27:39 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=559">Charlotte Bernstein</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2658</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">
[...]<br />
Kleidung hier für Jesús zu finden, war die eine Sache. Kleidung für ihr Baby zu finden eine andere. Und Kleidung für sich selbst zu finden, war sowas wie ein einmaliger Glücksgriff. Vielleicht zweimalige – Bibs hatte ein Auge für Kleidung – auch wenn sie bereits von anderen Menschen getragen worden war. Hier gab es sogar Negliges. Aber, wenn sie daran dachte, dass darauf vielleicht ein fremder Typ ejakuliert hatte, zog sich ihr Uterus zu einer kleinen schrumpeligen Rosine zusammen. <b> «Fünf?»</b>, sie schaffte keine fünf Strampler. Sie schaffte ja schon kaum einen Halben, wenn sie hier war. <b> «Und die Farbe geht wirklich gar nicht»</b>, sie pickte ihm das eine Teil vom Arm, <b> «darauf zu erbrechen, wäre vielleicht sogar ein Upgrade.»</b> Charlotte seufzte, weil Jesús wollte den günstigen Strampler, also bekam er ihn wieder, ehe er sich in die Garderobe verzog mit seiner Hot Daddy Jacke, dem Ed Hardy Stück, dem Kranichhemd, dem Cap und dem süssen Flanellhemd. Das hier war Jesús Stil. Wahrscheinlich fand sie es befremdlich, wenn er was von der Stange trug und nichts von hier. Ihre Finger folgten der Babykleidung. Ein Strampler nach dem anderen sortierte sie in die <i>never</i>-Kategorie und gerade als sie dachte, dass hier gar nichts war – kam die Ed Hardy Sektion. Eins, Zwei, Drei… Vier, da war sogar ein Fünfter. Einer schrecklicher, als der andere. Aber Lil Bernstein wäre stilsicher auf jeder Modenschau – alles an dem Affen-Ed und dem Leo-Ed schrie: Ich bin ein Styler. <b> «Ich habe fünf»</b>, sie trat in Richtung der Umkleidekabine, linste durch den kleinen Spalt von Vorhang, den jede Frau akribisch zuzog und Jesús nicht interessierte. <b> «Mhm»</b>, sie linste hinein, <b> «dreh dich»</b> - das Flanell sah aus wie jedes andere, aber sie standen ihm einfach und sie konnte sie Morgens irgendwann wieder anziehen, wenn die Nähte vor ihrer Mitte nicht mehr platzten oder die Knöpfe aufsprangen. <b> «Hattest du das süsse Hemd schon an?»</b>, sie schob den Vorhang etwas zur Seite, wollte sich gegen die eine Rückwand lehnen. Aber ganz so robust war sie nicht, sie wackelte und Lotta löste sich schnell wieder. Also hielten sie schon die Wände nicht mehr. Letztes Mal hatte das Bett gequietscht, als sie sich hingelegt hatte – das war ein Zeichen. Ein Zeichen, dass Baby Bernstein hoffentlich am Schluss nicht doch noch ein 5kg-loaf wurde. Vielleicht sollte sie über einen Kaiserschnitt nachdenken… <b> «Das Nächste kannst du mir leider erst Zuhause machen, die Wände hier sind nicht so robust»</b>sie sah ihn abwartend an, weil das Kranichhemd oder die Hot-Daddy-Jacke war das Nächste. Mit Ed Hardy gab es kein Baby Numero Duo. </div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">
[...]<br />
Kleidung hier für Jesús zu finden, war die eine Sache. Kleidung für ihr Baby zu finden eine andere. Und Kleidung für sich selbst zu finden, war sowas wie ein einmaliger Glücksgriff. Vielleicht zweimalige – Bibs hatte ein Auge für Kleidung – auch wenn sie bereits von anderen Menschen getragen worden war. Hier gab es sogar Negliges. Aber, wenn sie daran dachte, dass darauf vielleicht ein fremder Typ ejakuliert hatte, zog sich ihr Uterus zu einer kleinen schrumpeligen Rosine zusammen. <b> «Fünf?»</b>, sie schaffte keine fünf Strampler. Sie schaffte ja schon kaum einen Halben, wenn sie hier war. <b> «Und die Farbe geht wirklich gar nicht»</b>, sie pickte ihm das eine Teil vom Arm, <b> «darauf zu erbrechen, wäre vielleicht sogar ein Upgrade.»</b> Charlotte seufzte, weil Jesús wollte den günstigen Strampler, also bekam er ihn wieder, ehe er sich in die Garderobe verzog mit seiner Hot Daddy Jacke, dem Ed Hardy Stück, dem Kranichhemd, dem Cap und dem süssen Flanellhemd. Das hier war Jesús Stil. Wahrscheinlich fand sie es befremdlich, wenn er was von der Stange trug und nichts von hier. Ihre Finger folgten der Babykleidung. Ein Strampler nach dem anderen sortierte sie in die <i>never</i>-Kategorie und gerade als sie dachte, dass hier gar nichts war – kam die Ed Hardy Sektion. Eins, Zwei, Drei… Vier, da war sogar ein Fünfter. Einer schrecklicher, als der andere. Aber Lil Bernstein wäre stilsicher auf jeder Modenschau – alles an dem Affen-Ed und dem Leo-Ed schrie: Ich bin ein Styler. <b> «Ich habe fünf»</b>, sie trat in Richtung der Umkleidekabine, linste durch den kleinen Spalt von Vorhang, den jede Frau akribisch zuzog und Jesús nicht interessierte. <b> «Mhm»</b>, sie linste hinein, <b> «dreh dich»</b> - das Flanell sah aus wie jedes andere, aber sie standen ihm einfach und sie konnte sie Morgens irgendwann wieder anziehen, wenn die Nähte vor ihrer Mitte nicht mehr platzten oder die Knöpfe aufsprangen. <b> «Hattest du das süsse Hemd schon an?»</b>, sie schob den Vorhang etwas zur Seite, wollte sich gegen die eine Rückwand lehnen. Aber ganz so robust war sie nicht, sie wackelte und Lotta löste sich schnell wieder. Also hielten sie schon die Wände nicht mehr. Letztes Mal hatte das Bett gequietscht, als sie sich hingelegt hatte – das war ein Zeichen. Ein Zeichen, dass Baby Bernstein hoffentlich am Schluss nicht doch noch ein 5kg-loaf wurde. Vielleicht sollte sie über einen Kaiserschnitt nachdenken… <b> «Das Nächste kannst du mir leider erst Zuhause machen, die Wände hier sind nicht so robust»</b>sie sah ihn abwartend an, weil das Kranichhemd oder die Hot-Daddy-Jacke war das Nächste. Mit Ed Hardy gab es kein Baby Numero Duo. </div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[the whole 'throw the first stone' thing wasn't an actual suggestion, btw]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2655</link>
			<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 08:21:00 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=565">Elliot Calhoun</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2655</guid>
			<description><![CDATA[Der Brief lag noch immer auf seinem Tisch - an einer Seite etwas zerknittert; dort, wo er sich im Schubfach verfangen hatte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Ich habe ihn beim Aufräumen gefunden”</span> hatte seine Mutter gesagt, in einem Nebensatz, als Elliot sich endlich nach einigen Tagen dazu durch gerungen hatte, seine Mutter zurück zu rufen statt ihr nur knappe SMS zu schicken. Lebenszeichen mehr als vernünftige Kommunikation, die einzige Option einem halbstündigen Gespräch zu entgegen, in dem seine Mutter wohl jede Minute neu überlegte, ob Mitleid oder Stolz die Emotion war, die sie zum Ausdruck bringen wollte. Unter'm Strich egal, Elliot hasste beides. Trotz all dem hatte sie gleich am nächsten Tag den Brief zu ihm geschickt. Sein Name und die Adresse seines Elternhauses auf der Vorderseite, in einer halb-bekannten Schrift, wie ein Echo aus Tagen, an die er sich erinnerte wie an einen Film, als würde ein Schleier darauf liegen. Auf der Rückseite der Absender einer Klinik, ein Zentrum für Therapie. Er hatte es gegoogelt, was er tatsächlich konnte - egal was sein uralt-Knochen von Handy über ihn wohl aussagen mochte - eine Entzugsklinik, auch wenn sie sich nicht so nannte. Und dann hatte er den Brief ungeöffnet zur Seite gelegt, weil… Ja, warum eigentlich? Seine eigenen Emotionen zu benennen gehörte nicht zu seinen Stärken. War es Hilflosigkeit, weil der Brief vor fast drei Jahren bei seinen Eltern ins Haus geflattert war und er ihn erst jetzt in der Hand hatte; Jahre später und viel zu spät, um wirklich damit was zu machen? Weil es sein konnte, dass eine Antwort längst zu spät kommen würde? Ärger über seine Eltern, die den Brief einfach in das Schubfach der Anrichte im Flur gestopft und prompt vergessen hatten, als sei es gar nicht wichtig, dass ihm jemand einen Brief geschickt hatte? Ärger über sich selbst, dass er nichts davon bemerkt hatte? Sich für so aufmerksam, für einen guten Freund, für einen geschulten Seelsorger hielt und nicht mal gesehen hatte, dass Pollock Drogen nahm? Denn der war sicher nicht von heute auf morgen in so einer Klinik gelandet - nein, so wie er seinen Freund kannte (und <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">verdammt</span>, Pollock <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">war</span> sein Freund, auch wenn er hier gerade nicht mit guter Freundschaft glänzte!) hatte er das Problem schon länger vor sich her geschoben. Vielleicht auch Ärger auf Pollock selbst? Sorge? Ohnmacht? Nach den letzten Jahren hätte es ihn vielleicht nicht so aus den Latschen kippen sollen, - Drogenmissbrauch, Abhängigkeit, so ein weltliches Problem; geradezu einfach im Vergleich zu den existenziellen Fragen, der Angst um Leben und Tod, dem Zweifel an Gerechtigkeit und der Aussichtslosigkeit, die ihm tagtäglich in Afghanistan begegnet waren. Und doch war es anders. War nicht ein Soldat von 1000, nicht ein Mann in Uniform dessen Namen er nur kannte, weil er auf derselben aufgestickt war. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Christopher Pollock</span>, sein guter Freund. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Verdammt</span>. Wäre Elliot jemand, der oft und gerne fluchte, würde er es jetzt tun. Stattdessen kam außer diesem einen Wort nichts in den Sinn. – Er hatte den Brief natürlich doch gelesen, gleich mehrmals. Hatte sich die Frage gestellt, ob er etwas hätte tun können, wäre er nicht zeitgleich in Helmand gewesen, in beigefarbener Uniform und mit schwerem Herzen. Auch das hatte er gleich mehrmals getan. Rational wusste er, dass ihn keine Schuld traf; das er wohl auch nicht helfen hätte können, wenn er da gewesen wäre aber rational und er, tja, waren derzeit keine guten Freunde. Oder nur noch an falscher Stelle. Waren  <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">‘may God give you pardon and peace, and I absolve you from your sins’</span> doch nur noch Worte; leere Worte ohne Wirkung, zumindest nun, für ihn, für das, was wirklich zählte. Was hätte er also schon tun können? Beten? Brachte das überhaupt noch was? Hörte Gott ihnen überhaupt noch zu? Kümmerte es ihn? Elliot wusste es nicht, nicht mehr. Von seinem standhaften Glauben, der Zuversicht, der Hoffnung war kaum was geblieben, hatten sie alle dem Zweifel Platz gemacht, der nun in ihm wohnte. – Vielleicht hatte er deshalb zwei Tage gewartet, bevor er schließlich Christophers Namen gegoogelt hatte, abends an seinem Schreibtisch; ein Tab offen mit Predigtstudien, einer mit seinem Mail-Postfach und der dritte … Ein Teil von ihm hatte damit gerechnet, vielleicht nur eine Traueranzeige zu finden. Auch der Pessimismus neu und scheinbar ungeübt genug, denn das war zum Glück nicht, was er tatsächlich fand: Zeitungsartikel über ein Restaurant, Chefkoch Christopher Pollock. Eine Website, etwas kryptisch aber Elliot musste zugeben, er war grenzwertig internet-illiterate, besonders was so trendige Sachen anging. Hatte von fancy-Restaurants gefühlt so viel Ahnung, wie von Herzchirurgie - obwohl halt, nein, stimmt nicht ganz. Hat mit Pollock die ganzen Restaurants Roms abgeklappert, als wären sie auf heiliger Mission. Aber Tisch nur mit Anmeldung, naja, das hatten sie dabei nicht erlebt. Der Griff zum Telefon war darauf hin nicht schwer, die Frage nach einer Reservierung mit der Begründung <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Ich kenne den Chef und würde gern…”</span> direkt mit einem Lachen und <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“als ob, der Chef hat keine Freunde”</span> abgebügelt und schon saß Elliot da, perplex, wie ‘nen dummes Kind, dem der Lehrer nicht glaubt, der Hund habe die Hausaufgaben gefressen, weil’s seit Anbeginn der Zeit als Ausrede genutzt wird. <br />
<br />
Umso irritierender, dass er keine drei Tage später nun inmitten Tesco stand, die XXL-Packung TG Tips in der Hand und die Vision, dass ausgerechnet Christopher Pollock keine fünf Meter weiter am Ende des Ganges auftauchte. Mh. Halluzinierte er jetzt? Die Albträume, aus denen er schweißgebadet und mit einem Schrei auf den Lippen hochschreckte, hatten ihm eigentlich gereicht - brauchte nicht noch mehr Gründe, seine Existenz wie sie aktuell war zu hassen. Einen langen, langen Moment stand er einfach so da - Hand halb in der Luft, Blick zur Seite, als würde sich der Anblick wie eine Fata Morgana in Luft auflösen, wenn er sich bewegte. Während der Teil von ihm, der jahrelang nichts anderes gelernt hatte, wie man mit Menschen umging - sensibel, taktvoll, bedacht - scheinbar so tat, als hätte er das alles vergessen und nun peinlich berührt schwieg, gewann irgendein tief verbuddelter Urinstinkt, der sagte <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">wirf einfach</span>. Bevor er sich versah, segelte die Packung Tee durch die Luft und - naja, Elliot noch nie die große Sportskanone - traf Pollock am Knie statt am Kopf oder Schulter, so die vage Richtung, die die Elliot gezielt hatte. Einen Augenblick betrachtete er die Packung auf dem Boden, dann registrierte auch der vernünftige (ergo: nicht vollkommen durchgedrehte?!) Teil seines Hirns, was hier gerade passiert war und es war jahrelange Übung und wahrlich heldenhafte Selbstbeherrschung die dafür sorgten, dass ihm sein Gesichtsausdruck nicht völlig entglitt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Kannst du’s zurück werfen oder geht das nur drei Tage die Woche und nur mit vorheriger Anmeldung, per Telefon, bei einem Typen der mehr lacht über den Gedanken das du Freunde hast wie ich, als du damals in den Trevi-Brunnen gefallen bist, weil du statt der Münze deine Schlüssel rein geworfen hast?”</span> Krass, Elliot hatte fast vergessen das man auch außerhalb von Predigten mehr als drei Worte hintereinander sagen konnte. Richtige Satzformationen mit persönlichen Informationen, verrückt. A pro pros. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Hab dein Brief bekommen.”</span> Die wichtige Information dazu - dass er ihn eben erst jetzt bekommen hatte, weil er die letzten drei Jahre glorifizierten, desillusionierten GI Joes hinterher gerannt war, erwähnte er irgendwie nicht. Wusste auch nicht, was er sonst noch sagen sollte. Und war das nicht ironisch? Elliot, der sonst gefühlt stundenlang vor sich hin geplappert hatte, Pollock etwas über das eine Kunstwerk, über die Kirche da, über das Museum um die Ecke, über Geschichte, über seien Tag, über Fußball erzählt hatte, über eigentlich alles außer Gott, weil Pollock ihn gelassen hatte. Und nun redete er nur Stuss und kriegte dann den Mund nicht mehr auf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Brief lag noch immer auf seinem Tisch - an einer Seite etwas zerknittert; dort, wo er sich im Schubfach verfangen hatte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Ich habe ihn beim Aufräumen gefunden”</span> hatte seine Mutter gesagt, in einem Nebensatz, als Elliot sich endlich nach einigen Tagen dazu durch gerungen hatte, seine Mutter zurück zu rufen statt ihr nur knappe SMS zu schicken. Lebenszeichen mehr als vernünftige Kommunikation, die einzige Option einem halbstündigen Gespräch zu entgegen, in dem seine Mutter wohl jede Minute neu überlegte, ob Mitleid oder Stolz die Emotion war, die sie zum Ausdruck bringen wollte. Unter'm Strich egal, Elliot hasste beides. Trotz all dem hatte sie gleich am nächsten Tag den Brief zu ihm geschickt. Sein Name und die Adresse seines Elternhauses auf der Vorderseite, in einer halb-bekannten Schrift, wie ein Echo aus Tagen, an die er sich erinnerte wie an einen Film, als würde ein Schleier darauf liegen. Auf der Rückseite der Absender einer Klinik, ein Zentrum für Therapie. Er hatte es gegoogelt, was er tatsächlich konnte - egal was sein uralt-Knochen von Handy über ihn wohl aussagen mochte - eine Entzugsklinik, auch wenn sie sich nicht so nannte. Und dann hatte er den Brief ungeöffnet zur Seite gelegt, weil… Ja, warum eigentlich? Seine eigenen Emotionen zu benennen gehörte nicht zu seinen Stärken. War es Hilflosigkeit, weil der Brief vor fast drei Jahren bei seinen Eltern ins Haus geflattert war und er ihn erst jetzt in der Hand hatte; Jahre später und viel zu spät, um wirklich damit was zu machen? Weil es sein konnte, dass eine Antwort längst zu spät kommen würde? Ärger über seine Eltern, die den Brief einfach in das Schubfach der Anrichte im Flur gestopft und prompt vergessen hatten, als sei es gar nicht wichtig, dass ihm jemand einen Brief geschickt hatte? Ärger über sich selbst, dass er nichts davon bemerkt hatte? Sich für so aufmerksam, für einen guten Freund, für einen geschulten Seelsorger hielt und nicht mal gesehen hatte, dass Pollock Drogen nahm? Denn der war sicher nicht von heute auf morgen in so einer Klinik gelandet - nein, so wie er seinen Freund kannte (und <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">verdammt</span>, Pollock <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">war</span> sein Freund, auch wenn er hier gerade nicht mit guter Freundschaft glänzte!) hatte er das Problem schon länger vor sich her geschoben. Vielleicht auch Ärger auf Pollock selbst? Sorge? Ohnmacht? Nach den letzten Jahren hätte es ihn vielleicht nicht so aus den Latschen kippen sollen, - Drogenmissbrauch, Abhängigkeit, so ein weltliches Problem; geradezu einfach im Vergleich zu den existenziellen Fragen, der Angst um Leben und Tod, dem Zweifel an Gerechtigkeit und der Aussichtslosigkeit, die ihm tagtäglich in Afghanistan begegnet waren. Und doch war es anders. War nicht ein Soldat von 1000, nicht ein Mann in Uniform dessen Namen er nur kannte, weil er auf derselben aufgestickt war. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Christopher Pollock</span>, sein guter Freund. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Verdammt</span>. Wäre Elliot jemand, der oft und gerne fluchte, würde er es jetzt tun. Stattdessen kam außer diesem einen Wort nichts in den Sinn. – Er hatte den Brief natürlich doch gelesen, gleich mehrmals. Hatte sich die Frage gestellt, ob er etwas hätte tun können, wäre er nicht zeitgleich in Helmand gewesen, in beigefarbener Uniform und mit schwerem Herzen. Auch das hatte er gleich mehrmals getan. Rational wusste er, dass ihn keine Schuld traf; das er wohl auch nicht helfen hätte können, wenn er da gewesen wäre aber rational und er, tja, waren derzeit keine guten Freunde. Oder nur noch an falscher Stelle. Waren  <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">‘may God give you pardon and peace, and I absolve you from your sins’</span> doch nur noch Worte; leere Worte ohne Wirkung, zumindest nun, für ihn, für das, was wirklich zählte. Was hätte er also schon tun können? Beten? Brachte das überhaupt noch was? Hörte Gott ihnen überhaupt noch zu? Kümmerte es ihn? Elliot wusste es nicht, nicht mehr. Von seinem standhaften Glauben, der Zuversicht, der Hoffnung war kaum was geblieben, hatten sie alle dem Zweifel Platz gemacht, der nun in ihm wohnte. – Vielleicht hatte er deshalb zwei Tage gewartet, bevor er schließlich Christophers Namen gegoogelt hatte, abends an seinem Schreibtisch; ein Tab offen mit Predigtstudien, einer mit seinem Mail-Postfach und der dritte … Ein Teil von ihm hatte damit gerechnet, vielleicht nur eine Traueranzeige zu finden. Auch der Pessimismus neu und scheinbar ungeübt genug, denn das war zum Glück nicht, was er tatsächlich fand: Zeitungsartikel über ein Restaurant, Chefkoch Christopher Pollock. Eine Website, etwas kryptisch aber Elliot musste zugeben, er war grenzwertig internet-illiterate, besonders was so trendige Sachen anging. Hatte von fancy-Restaurants gefühlt so viel Ahnung, wie von Herzchirurgie - obwohl halt, nein, stimmt nicht ganz. Hat mit Pollock die ganzen Restaurants Roms abgeklappert, als wären sie auf heiliger Mission. Aber Tisch nur mit Anmeldung, naja, das hatten sie dabei nicht erlebt. Der Griff zum Telefon war darauf hin nicht schwer, die Frage nach einer Reservierung mit der Begründung <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Ich kenne den Chef und würde gern…”</span> direkt mit einem Lachen und <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“als ob, der Chef hat keine Freunde”</span> abgebügelt und schon saß Elliot da, perplex, wie ‘nen dummes Kind, dem der Lehrer nicht glaubt, der Hund habe die Hausaufgaben gefressen, weil’s seit Anbeginn der Zeit als Ausrede genutzt wird. <br />
<br />
Umso irritierender, dass er keine drei Tage später nun inmitten Tesco stand, die XXL-Packung TG Tips in der Hand und die Vision, dass ausgerechnet Christopher Pollock keine fünf Meter weiter am Ende des Ganges auftauchte. Mh. Halluzinierte er jetzt? Die Albträume, aus denen er schweißgebadet und mit einem Schrei auf den Lippen hochschreckte, hatten ihm eigentlich gereicht - brauchte nicht noch mehr Gründe, seine Existenz wie sie aktuell war zu hassen. Einen langen, langen Moment stand er einfach so da - Hand halb in der Luft, Blick zur Seite, als würde sich der Anblick wie eine Fata Morgana in Luft auflösen, wenn er sich bewegte. Während der Teil von ihm, der jahrelang nichts anderes gelernt hatte, wie man mit Menschen umging - sensibel, taktvoll, bedacht - scheinbar so tat, als hätte er das alles vergessen und nun peinlich berührt schwieg, gewann irgendein tief verbuddelter Urinstinkt, der sagte <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">wirf einfach</span>. Bevor er sich versah, segelte die Packung Tee durch die Luft und - naja, Elliot noch nie die große Sportskanone - traf Pollock am Knie statt am Kopf oder Schulter, so die vage Richtung, die die Elliot gezielt hatte. Einen Augenblick betrachtete er die Packung auf dem Boden, dann registrierte auch der vernünftige (ergo: nicht vollkommen durchgedrehte?!) Teil seines Hirns, was hier gerade passiert war und es war jahrelange Übung und wahrlich heldenhafte Selbstbeherrschung die dafür sorgten, dass ihm sein Gesichtsausdruck nicht völlig entglitt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Kannst du’s zurück werfen oder geht das nur drei Tage die Woche und nur mit vorheriger Anmeldung, per Telefon, bei einem Typen der mehr lacht über den Gedanken das du Freunde hast wie ich, als du damals in den Trevi-Brunnen gefallen bist, weil du statt der Münze deine Schlüssel rein geworfen hast?”</span> Krass, Elliot hatte fast vergessen das man auch außerhalb von Predigten mehr als drei Worte hintereinander sagen konnte. Richtige Satzformationen mit persönlichen Informationen, verrückt. A pro pros. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Hab dein Brief bekommen.”</span> Die wichtige Information dazu - dass er ihn eben erst jetzt bekommen hatte, weil er die letzten drei Jahre glorifizierten, desillusionierten GI Joes hinterher gerannt war, erwähnte er irgendwie nicht. Wusste auch nicht, was er sonst noch sagen sollte. Und war das nicht ironisch? Elliot, der sonst gefühlt stundenlang vor sich hin geplappert hatte, Pollock etwas über das eine Kunstwerk, über die Kirche da, über das Museum um die Ecke, über Geschichte, über seien Tag, über Fußball erzählt hatte, über eigentlich alles außer Gott, weil Pollock ihn gelassen hatte. Und nun redete er nur Stuss und kriegte dann den Mund nicht mehr auf.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Hang your hat and hate at the door]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2605</link>
			<pubDate>Thu, 30 Oct 2025 18:10:03 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=551">Zayne Channarong</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2605</guid>
			<description><![CDATA[<div align="justify">Mit einem tiefen Grollen kam der Raptor zum Stehen. Die Karre war nicht unbedingt für innerstädtische Verhältnisse geschaffen, aber zum einen war um diese Zeit kaum mehr jemand unterwegs, so dass Zayne grosszügig zwei Parkfelder in Beschlag nahm; zum andern, aber das betraf eher die Fahrweise, konnte man den Randstein getrost in die Ideallinie mit einbeziehen. Nicht, dass er das tat, die Felgen waren ein Heiligtum. Aber es war <i>möglich</i>, darum gings, vor allem bei den ständigen Vorwürfen von diversen Seiten, die ihm weismachen wollten, dass der Wagen eine komplette Katastrophe sei <I>und sie sich hier nun mal nicht in den Staaten befanden, wo alle ein bisschen grössenwahnsinnig waren</i>. No shit, Sherlock. Als Ausgleich zu diesem unverschämten Luxus parkte er dafür jetzt vor einem Sainsbury’s Local, um sich ein in Plastikfolie eingeschweisstes Sandwich zu kaufen, nachdem er den ganzen Abend reichen Menschen zugesehen hatte, wie sie sich durch Häppchen gearbeitet hatten, von denen er nicht mal den Namen wusste. Und <i>die</i> waren mit Rolls Royce und Bentleys und manch einer sogar mit einem Aston Martin vorgefahren, also so schlimm war er nun auch wieder nicht.<br />
Als der Motor verstummte, blieb das leise Geräusch von Regentropfen auf der Frontscheibe und das Ächzen des sich langsam abkühlenden Metalls der Karosserie. Der Niesel hatte erst vor wenigen Minuten eingesetzt und ein Blick in den wolkenverhangenen, schwarzen Himmel verhiess nichts Gutes. Noch für einen kurzen Moment liess Zayne die Hände auf dem Lenkrad ruhen und atmete langsam aus, genoss die Ruhe. Der Abend war anstrengend gewesen, oder eher, die Leute um ihn herum waren anstrengend gewesen. Dieses sich gegenseitige Überbieten, wer den grösseren Bonus, das grössere Haus, den exklusiveren Golfclub oder schlichtweg den grössten Schwanz hatte, war ermüdend gewesen. Und je länger das ganze andauerte, je mehr Champagnerflaschen geköpft wurden, desto mehr hatte man versucht, ihn in entsprechende Gespräche zu verwickeln. Dabei war er bloss an einer Tür gestanden wie ein verdammter Zaunpfahl, hatte sich aber bei jedem Mal, als er das Wort <i>networking</i> gehört hatte, sehnlicher einen ebensolchen herbeigesehnt. Jetzt aber waren verklangen die Stimmen zu einem schwachen Nachhall, und die Aussicht auf seine eigenen vier Wände, was zu Essen und zwei Stunden irgendeinen Film, den er schon fünfmal gesehen hatte, rückte in greifbare Nähe. John Wick vielleicht, oder Expendables, irgendwas mit dummen Sprüchen und viel Gewalt. <br />
<br />
Mit einem lautlosen Seufzen zog er die Kapuze des Hoodies über den Kopf und quälte sich aus dem Wagen in die nächtliche Kälte. Ein leises Knacken in seinem Knie erinnerte ihn daran, dass er früher noch geglaubt hatte, Schmerz sei nur ein Mindset. Mit dem Daumen schloss er die Fahrertür ab, der Ford piepste leise, die Warnblinker zuckten einmal durch das von orangener Neonschrift erhellte Halbdunkel. Der Regen war dichter geworden, trotzdem beeilte er sich nicht sonderlich, um den schmalen Gehweg zum Eingang zu überqueren. Die automatische Tür glitt auf und grelles Licht schlug ihm entgegen – so grell, dass er kurz blinzelte, bevor er sich orientieren konnte. Links den Gang entlang, einmal abbiegen, dann stand er vor dem Kühlregal. Unentschlossen betrachtete er die ausgestellte Ware und zog sich dabei die Kapuze vom Kopf. Wirkte alles nicht sonderlich einladend (Gesicht inklusive), sondern eher wie Restposten. Mochte daran liegen, dass es wahrscheinlich Restposten <i>waren</i>. Sahen alle gleich aus, schmeckten vermutlich auch alle gleich, nach Pappe und Mayo. Wahllos griff er nach einem Sandwich, machte sich dann auf den Weg zu den gekühlten Getränken. Die Gänge waren schmal, und mit einem gemurmelten «Sorry» wollte Zayne sich gerade an einer halben Portion vorbeischieben, hielt dann aber inne und drehte sich halbwegs um, bevor er es sich besser überlegen und einfach davongehen konnte. Die kannte er. Nur hatte er sie schon länger nicht mehr gesehen, wenn er sich richtig erinnerte, hatten sie sich zuletzt im Baan Noi gekreuzt, und es war nicht so, dass er ein weiteres Treffen sehr fest herbeigesehnt hätte. Seine Mutter schon, die lag ihm immer noch damit in den Ohren, Sookie hier, Sookie da, wie hübsch und eloquent und zuvorkommend und herzlich und überhaupt fucking perfect sie doch sei. Momente, in denen er auf Durchzug schaltete. <br />
Dafür war es jetzt leider zu spät, weil er eben schon irgendwie stehen geblieben war, und sich jetzt einfach wieder in Bewegung zu setzen und sie zu ignorieren, das zeugte selbst in seinen Augen von sozialer Inkompetenz. «Hey. Hab’ dich nicht direkt erkannt. Sorry», wiederholte er, liess aber offen, ob er sein Vorbeizwängen meinte, oder die Tatsache, dass sein Gehirn etwas länger gebraucht hatte, um zu schalten. <i>Gehen</i>, er wollte und sollte gehen, aber das hatte er vergeigt. </div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div align="justify">Mit einem tiefen Grollen kam der Raptor zum Stehen. Die Karre war nicht unbedingt für innerstädtische Verhältnisse geschaffen, aber zum einen war um diese Zeit kaum mehr jemand unterwegs, so dass Zayne grosszügig zwei Parkfelder in Beschlag nahm; zum andern, aber das betraf eher die Fahrweise, konnte man den Randstein getrost in die Ideallinie mit einbeziehen. Nicht, dass er das tat, die Felgen waren ein Heiligtum. Aber es war <i>möglich</i>, darum gings, vor allem bei den ständigen Vorwürfen von diversen Seiten, die ihm weismachen wollten, dass der Wagen eine komplette Katastrophe sei <I>und sie sich hier nun mal nicht in den Staaten befanden, wo alle ein bisschen grössenwahnsinnig waren</i>. No shit, Sherlock. Als Ausgleich zu diesem unverschämten Luxus parkte er dafür jetzt vor einem Sainsbury’s Local, um sich ein in Plastikfolie eingeschweisstes Sandwich zu kaufen, nachdem er den ganzen Abend reichen Menschen zugesehen hatte, wie sie sich durch Häppchen gearbeitet hatten, von denen er nicht mal den Namen wusste. Und <i>die</i> waren mit Rolls Royce und Bentleys und manch einer sogar mit einem Aston Martin vorgefahren, also so schlimm war er nun auch wieder nicht.<br />
Als der Motor verstummte, blieb das leise Geräusch von Regentropfen auf der Frontscheibe und das Ächzen des sich langsam abkühlenden Metalls der Karosserie. Der Niesel hatte erst vor wenigen Minuten eingesetzt und ein Blick in den wolkenverhangenen, schwarzen Himmel verhiess nichts Gutes. Noch für einen kurzen Moment liess Zayne die Hände auf dem Lenkrad ruhen und atmete langsam aus, genoss die Ruhe. Der Abend war anstrengend gewesen, oder eher, die Leute um ihn herum waren anstrengend gewesen. Dieses sich gegenseitige Überbieten, wer den grösseren Bonus, das grössere Haus, den exklusiveren Golfclub oder schlichtweg den grössten Schwanz hatte, war ermüdend gewesen. Und je länger das ganze andauerte, je mehr Champagnerflaschen geköpft wurden, desto mehr hatte man versucht, ihn in entsprechende Gespräche zu verwickeln. Dabei war er bloss an einer Tür gestanden wie ein verdammter Zaunpfahl, hatte sich aber bei jedem Mal, als er das Wort <i>networking</i> gehört hatte, sehnlicher einen ebensolchen herbeigesehnt. Jetzt aber waren verklangen die Stimmen zu einem schwachen Nachhall, und die Aussicht auf seine eigenen vier Wände, was zu Essen und zwei Stunden irgendeinen Film, den er schon fünfmal gesehen hatte, rückte in greifbare Nähe. John Wick vielleicht, oder Expendables, irgendwas mit dummen Sprüchen und viel Gewalt. <br />
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Mit einem lautlosen Seufzen zog er die Kapuze des Hoodies über den Kopf und quälte sich aus dem Wagen in die nächtliche Kälte. Ein leises Knacken in seinem Knie erinnerte ihn daran, dass er früher noch geglaubt hatte, Schmerz sei nur ein Mindset. Mit dem Daumen schloss er die Fahrertür ab, der Ford piepste leise, die Warnblinker zuckten einmal durch das von orangener Neonschrift erhellte Halbdunkel. Der Regen war dichter geworden, trotzdem beeilte er sich nicht sonderlich, um den schmalen Gehweg zum Eingang zu überqueren. Die automatische Tür glitt auf und grelles Licht schlug ihm entgegen – so grell, dass er kurz blinzelte, bevor er sich orientieren konnte. Links den Gang entlang, einmal abbiegen, dann stand er vor dem Kühlregal. Unentschlossen betrachtete er die ausgestellte Ware und zog sich dabei die Kapuze vom Kopf. Wirkte alles nicht sonderlich einladend (Gesicht inklusive), sondern eher wie Restposten. Mochte daran liegen, dass es wahrscheinlich Restposten <i>waren</i>. Sahen alle gleich aus, schmeckten vermutlich auch alle gleich, nach Pappe und Mayo. Wahllos griff er nach einem Sandwich, machte sich dann auf den Weg zu den gekühlten Getränken. Die Gänge waren schmal, und mit einem gemurmelten «Sorry» wollte Zayne sich gerade an einer halben Portion vorbeischieben, hielt dann aber inne und drehte sich halbwegs um, bevor er es sich besser überlegen und einfach davongehen konnte. Die kannte er. Nur hatte er sie schon länger nicht mehr gesehen, wenn er sich richtig erinnerte, hatten sie sich zuletzt im Baan Noi gekreuzt, und es war nicht so, dass er ein weiteres Treffen sehr fest herbeigesehnt hätte. Seine Mutter schon, die lag ihm immer noch damit in den Ohren, Sookie hier, Sookie da, wie hübsch und eloquent und zuvorkommend und herzlich und überhaupt fucking perfect sie doch sei. Momente, in denen er auf Durchzug schaltete. <br />
Dafür war es jetzt leider zu spät, weil er eben schon irgendwie stehen geblieben war, und sich jetzt einfach wieder in Bewegung zu setzen und sie zu ignorieren, das zeugte selbst in seinen Augen von sozialer Inkompetenz. «Hey. Hab’ dich nicht direkt erkannt. Sorry», wiederholte er, liess aber offen, ob er sein Vorbeizwängen meinte, oder die Tatsache, dass sein Gehirn etwas länger gebraucht hatte, um zu schalten. <i>Gehen</i>, er wollte und sollte gehen, aber das hatte er vergeigt. </div>]]></content:encoded>
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			<title><![CDATA[You said bring a jacket, then stole mine]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2565</link>
			<pubDate>Tue, 10 Jun 2025 09:22:00 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=517">Britney Beaumont</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2565</guid>
			<description><![CDATA[<a href="https://i.imgur.com/JdIjf14.jpeg">#looks</a><br />
Es war wirklich nicht so, als hätte er diesen Laden nicht gemocht - es war eher das Klientel, mit dem er nicht sonderlich gut zurechtkam. Dieses wenigstens, dem man hier am Wochenende oder spätestens nach Schulschluss über den Weg lief und das sein Taschengeld für überzuckerte bunte Softdrinks aus dem Fenster warf, um dann völlig überdreht und dafür nicht weniger eindrucksvoll zu zeigen wie man sich dumm besonders viele Knochen brach. Nein, hier ging es nicht um Nanis seltsamen Bruder der niemals erwachsen geworden war, sondern um die Horden von Kindern die Montag vormittags genau da eingesperrt wurden, wo Britney sie am liebsten hatte: <i>weit weg.</i><br />
<br />
Weniger Kundenandrang ließ ihm außerdem deutlich mehr Zeit, ungeniert mit Nani über den Tresen hinweg zu flirten. <b>"<i>Sonnenschein</i>"</b>, begrüßte er sie und ließ sich mit den Unterarmen auf das Holz sinken, <b>"ich bräuchte dringend einen Kaffee, wärst du so gut?"</b> Natürlich wäre sie - und weil sie ihn gut genug kannte, brauchte er nicht dazu sagen, wie er den haben wollte. Simpler vermutlich als man von einem wie ihm erwartet hätte reichte ihm ein Iced Flat White, kein Zucker, keine absurden Abenteuer mit Sirup - und auch für den heimlichen Shot Whiskey war es selbst Britney noch zu früh.<br />
<br />
Der Kaffee aber war immer nur ein Vorwand, wenn er herkam - natürlich. <b>"Du hast nicht zufällig meine Sonnenbrille gesehen, hm?"</b>, fragte er irgendwann zwischendrin, als er seine von der Nase zog und zwischen den Fingern hin und her drehte. <b>"Nicht die, sondern die mit den pinken Gläsern."</b> Die absolut nicht vor der Sonne schützte, sondern höchstens dazu geeignet war im Club zu posen. Apropos posen... <b>"Oder meine Lederjacke"</b>, fuhr er fort und zählte an den Fingern ab, <b>"das blaue Hemd mit dem floralen Muster, mein rosa Hemd mit den Taschen"</b>, er deutete die Taschen auf der Brust an, <b>"das weiße mit den dunklen Längsstreifen, meine graue Trainingshose..."</b> Der Artist schob nachdenklich die Zungenspitze in die Mitte seiner Oberlippe, ohne dass auch nur ein Wort davon ein Vorwurf gewesen wäre. <b>"Ich vermute, du weißt worum es geht."</b> Und was er alles nicht aufgezählt hatte, da brauchte sie nicht so unschuldig mit den langen Wimpern klimpern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<a href="https://i.imgur.com/JdIjf14.jpeg">#looks</a><br />
Es war wirklich nicht so, als hätte er diesen Laden nicht gemocht - es war eher das Klientel, mit dem er nicht sonderlich gut zurechtkam. Dieses wenigstens, dem man hier am Wochenende oder spätestens nach Schulschluss über den Weg lief und das sein Taschengeld für überzuckerte bunte Softdrinks aus dem Fenster warf, um dann völlig überdreht und dafür nicht weniger eindrucksvoll zu zeigen wie man sich dumm besonders viele Knochen brach. Nein, hier ging es nicht um Nanis seltsamen Bruder der niemals erwachsen geworden war, sondern um die Horden von Kindern die Montag vormittags genau da eingesperrt wurden, wo Britney sie am liebsten hatte: <i>weit weg.</i><br />
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Weniger Kundenandrang ließ ihm außerdem deutlich mehr Zeit, ungeniert mit Nani über den Tresen hinweg zu flirten. <b>"<i>Sonnenschein</i>"</b>, begrüßte er sie und ließ sich mit den Unterarmen auf das Holz sinken, <b>"ich bräuchte dringend einen Kaffee, wärst du so gut?"</b> Natürlich wäre sie - und weil sie ihn gut genug kannte, brauchte er nicht dazu sagen, wie er den haben wollte. Simpler vermutlich als man von einem wie ihm erwartet hätte reichte ihm ein Iced Flat White, kein Zucker, keine absurden Abenteuer mit Sirup - und auch für den heimlichen Shot Whiskey war es selbst Britney noch zu früh.<br />
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Der Kaffee aber war immer nur ein Vorwand, wenn er herkam - natürlich. <b>"Du hast nicht zufällig meine Sonnenbrille gesehen, hm?"</b>, fragte er irgendwann zwischendrin, als er seine von der Nase zog und zwischen den Fingern hin und her drehte. <b>"Nicht die, sondern die mit den pinken Gläsern."</b> Die absolut nicht vor der Sonne schützte, sondern höchstens dazu geeignet war im Club zu posen. Apropos posen... <b>"Oder meine Lederjacke"</b>, fuhr er fort und zählte an den Fingern ab, <b>"das blaue Hemd mit dem floralen Muster, mein rosa Hemd mit den Taschen"</b>, er deutete die Taschen auf der Brust an, <b>"das weiße mit den dunklen Längsstreifen, meine graue Trainingshose..."</b> Der Artist schob nachdenklich die Zungenspitze in die Mitte seiner Oberlippe, ohne dass auch nur ein Wort davon ein Vorwurf gewesen wäre. <b>"Ich vermute, du weißt worum es geht."</b> Und was er alles nicht aufgezählt hatte, da brauchte sie nicht so unschuldig mit den langen Wimpern klimpern.]]></content:encoded>
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