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		<title><![CDATA[Lost the plot - Sir, reporting high level of sass.]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Thu, 06 Aug 2026 00:38:02 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[caught up in the riptide]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2691</link>
			<pubDate>Sat, 04 Jul 2026 23:44:00 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=544">Ronan Lynch</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2691</guid>
			<description><![CDATA[Es hätte alles anders laufen sollen, in den letzten Wochen. Das war eine Erkenntnis, die nur zu spät kommen konnte, das setzte sie voraus und trotzdem verzichtete sie in den seltensten Fällen auf den begleitenden Vorwurf, man hätte es anders machen müssen, man hätte es besser gewusst. Doch Ronan war zu sehr in sein eigenes Leben verstrickt gewesen, hatte sich mit Theo rumgeschlagen, seinem (nicht mehr ganz so) neuen Kollegen, den Ostervorbereitungen; hatte viele Gründe gefunden, sich nicht mit Josh herumschlagen zu müssen, der ihm immerhin beim gemeinsamen Osterfrühstück bei ihren Eltern gleichermaßen wenig zu sagen hatte als noch vor zehn Jahren. Möglicherweise hätte er sich mehr bemühen müssen, als der Bruder, der sein Leben geregelt hatte, und doch wusste Ronan ebenso, dass es vermutlich nichts geändert hatte. Der bloße Wille würde sie in diesem Leben nicht mehr zueinander führen — und selbst an dem scheiterte es von Seiten seines Halbbruders. Ein Wunder wäre nötig und dass die geschahen, wusste er als Mann des Glaubens zwar, doch war Ronan zu demütig, um Gottes Hand ausgerechnet in seiner Beziehung zu Josh zu erwarten. Er hatte ihn in seine Gebete aufgenommen, hatte ihm die Hand entgegengestreckt und die Tür offengehalten, selbst wenn er es in dem Wissen getan hatte, dass Josh seine Schwelle nicht passieren würde. Die Konfrontation mit Pat vor einigen Wochen hatte die Gewissheit vertieft, dass es auch bei ihm nicht anders sein würde. <br />
<br />
Und nun war es dafür auf gewisse Weise zu spät. Die Nachricht ereilte Ronan auf die gleiche Art wie vor sieben Jahren; zwischen Tür und Angel hatte er die aufgelöste Stimme seiner Mutter am Telefon und musste diesmal nicht lange rätseln, um zu wissen, worauf alles hinauslief, bevor sie es aussprach. Das Gefühl in seiner Brust war dennoch dasselbe wie damals in Oscott. Das jähe Ziehen, kaum gedämpft von dem zynischen <i>'Ich habe es doch gewusst'</i>, das niemandem zum Sieger kürte. Josh war zurück im Gefängnis und eigentlich hatte sich nichts verändert, für ihn immerhin nicht, der sich in den wenigen Wochen seiner Rückkehr keine Hoffnungen gemacht hatte, weil es dafür keinen Boden gab. Er hatte sich für ihn gefreut, für die Familie, hatte darüber hinaus aber nicht die Augen davor verschließen können, wie fatal Joshuas Lebensstil für eben diese Menschen und sich selbst sein würde, insbesondere auch für Pat, so viel hatte ihre Meinungsverschiedenheit im März verdeutlicht (Ronan vermied das Wort <i>Streit</i> so vehement, dass er darüber schon die eine oder andere Diskussion hatte führen müssen). Natürlich hatten sie sich darüber nicht ausgesprochen, so wie sie sich auch in der Vergangenheit nie ausgesprochen hatten und diese brillante Familientechnik hatte sich zwar bewährt, sie aber auch beide an genau diesen Ort gebracht, an dem sich zumindest Ronan nicht wohl fühlte. Warum diese Erkenntnis ausgerechnet jetzt kam, konnte er sich auch nicht ganz erklären, vielleicht hatte Joshs beidseitige Rückkehr an der Stelle doch mehr ausgelöst als er sich ins Bewusstsein rufen konnte. Was auch immer es war, Ronan stand jetzt hier, vor diesem Pub, und begegnete seinem Bruder an dem Ort, der ihm wohl am Heiligsten war.<br />
<br />
Es war nicht seine gewohnte Umgebung, trotzdem bildete sich Ronan ein, in diesem Laden nicht hervorzustechen wie ein Pinguin in der Wüste, bei dem sich niemand ganz sicher war, wie er dort hingekommen war und wie man ihn möglich unauffällig wieder loswurde — aber immerhin war Ronan auch Ire gewesen, bevor er Pastor geworden war.<br />
Suchen musste er seinen Bruder immerhin nicht und so blieb ihm nichts anderes, als die letzten Meter zur Theke zu überbrücken und sich mit einem gedeckten Lächeln über einen Barhocker zu schieben, der ruckelte, sobald er das Gewicht verlagerte. <b>"Scheuchst du mich fluchend aus dem Laden, wenn ich dich nach einem Glas Spätburgunder frage?"</b>, fragte er, die Mundwinkel schief gekräuselt. <B>"Ein Guinness, bitte."</b> Ronan legte seine Hände auf der Bar ab, streifte sogleich einen klebrigen Fleck und zog sie unzufrieden zurück zu sich, hängend an seinem Körper als hätte man ihm nicht ganz beigebracht, wie man sich hier zu verhalten hatte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Es hätte alles anders laufen sollen, in den letzten Wochen. Das war eine Erkenntnis, die nur zu spät kommen konnte, das setzte sie voraus und trotzdem verzichtete sie in den seltensten Fällen auf den begleitenden Vorwurf, man hätte es anders machen müssen, man hätte es besser gewusst. Doch Ronan war zu sehr in sein eigenes Leben verstrickt gewesen, hatte sich mit Theo rumgeschlagen, seinem (nicht mehr ganz so) neuen Kollegen, den Ostervorbereitungen; hatte viele Gründe gefunden, sich nicht mit Josh herumschlagen zu müssen, der ihm immerhin beim gemeinsamen Osterfrühstück bei ihren Eltern gleichermaßen wenig zu sagen hatte als noch vor zehn Jahren. Möglicherweise hätte er sich mehr bemühen müssen, als der Bruder, der sein Leben geregelt hatte, und doch wusste Ronan ebenso, dass es vermutlich nichts geändert hatte. Der bloße Wille würde sie in diesem Leben nicht mehr zueinander führen — und selbst an dem scheiterte es von Seiten seines Halbbruders. Ein Wunder wäre nötig und dass die geschahen, wusste er als Mann des Glaubens zwar, doch war Ronan zu demütig, um Gottes Hand ausgerechnet in seiner Beziehung zu Josh zu erwarten. Er hatte ihn in seine Gebete aufgenommen, hatte ihm die Hand entgegengestreckt und die Tür offengehalten, selbst wenn er es in dem Wissen getan hatte, dass Josh seine Schwelle nicht passieren würde. Die Konfrontation mit Pat vor einigen Wochen hatte die Gewissheit vertieft, dass es auch bei ihm nicht anders sein würde. <br />
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Und nun war es dafür auf gewisse Weise zu spät. Die Nachricht ereilte Ronan auf die gleiche Art wie vor sieben Jahren; zwischen Tür und Angel hatte er die aufgelöste Stimme seiner Mutter am Telefon und musste diesmal nicht lange rätseln, um zu wissen, worauf alles hinauslief, bevor sie es aussprach. Das Gefühl in seiner Brust war dennoch dasselbe wie damals in Oscott. Das jähe Ziehen, kaum gedämpft von dem zynischen <i>'Ich habe es doch gewusst'</i>, das niemandem zum Sieger kürte. Josh war zurück im Gefängnis und eigentlich hatte sich nichts verändert, für ihn immerhin nicht, der sich in den wenigen Wochen seiner Rückkehr keine Hoffnungen gemacht hatte, weil es dafür keinen Boden gab. Er hatte sich für ihn gefreut, für die Familie, hatte darüber hinaus aber nicht die Augen davor verschließen können, wie fatal Joshuas Lebensstil für eben diese Menschen und sich selbst sein würde, insbesondere auch für Pat, so viel hatte ihre Meinungsverschiedenheit im März verdeutlicht (Ronan vermied das Wort <i>Streit</i> so vehement, dass er darüber schon die eine oder andere Diskussion hatte führen müssen). Natürlich hatten sie sich darüber nicht ausgesprochen, so wie sie sich auch in der Vergangenheit nie ausgesprochen hatten und diese brillante Familientechnik hatte sich zwar bewährt, sie aber auch beide an genau diesen Ort gebracht, an dem sich zumindest Ronan nicht wohl fühlte. Warum diese Erkenntnis ausgerechnet jetzt kam, konnte er sich auch nicht ganz erklären, vielleicht hatte Joshs beidseitige Rückkehr an der Stelle doch mehr ausgelöst als er sich ins Bewusstsein rufen konnte. Was auch immer es war, Ronan stand jetzt hier, vor diesem Pub, und begegnete seinem Bruder an dem Ort, der ihm wohl am Heiligsten war.<br />
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Es war nicht seine gewohnte Umgebung, trotzdem bildete sich Ronan ein, in diesem Laden nicht hervorzustechen wie ein Pinguin in der Wüste, bei dem sich niemand ganz sicher war, wie er dort hingekommen war und wie man ihn möglich unauffällig wieder loswurde — aber immerhin war Ronan auch Ire gewesen, bevor er Pastor geworden war.<br />
Suchen musste er seinen Bruder immerhin nicht und so blieb ihm nichts anderes, als die letzten Meter zur Theke zu überbrücken und sich mit einem gedeckten Lächeln über einen Barhocker zu schieben, der ruckelte, sobald er das Gewicht verlagerte. <b>"Scheuchst du mich fluchend aus dem Laden, wenn ich dich nach einem Glas Spätburgunder frage?"</b>, fragte er, die Mundwinkel schief gekräuselt. <B>"Ein Guinness, bitte."</b> Ronan legte seine Hände auf der Bar ab, streifte sogleich einen klebrigen Fleck und zog sie unzufrieden zurück zu sich, hängend an seinem Körper als hätte man ihm nicht ganz beigebracht, wie man sich hier zu verhalten hatte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[long afloat on shipless oceans]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2666</link>
			<pubDate>Fri, 03 Apr 2026 22:50:37 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=474">Theodore Jagan</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2666</guid>
			<description><![CDATA[Theo öffnete die Augen. Für einen Moment fühlte es sich so an, als hätte er seine Erinnerung verloren, als wüsste er nicht mehr, wo er war, und wer er war. Die dumpfe Musik drang durch die Tür, drückte fast schmerzhaft gegen sein Trommelfell. Ihm war kalt. Ihm war schlecht. Der Raucherraum kam ihm schließlich doch bekannt vor, und seine eigenen Knie auch. Die nackten Betonwände, auf die jeder Mensch und seine Oma irgendwas geklebt oder gescribbelt oder geschrieben hatte – der dichte Rauch, der unter der Decke hing. Er fuhr sich mit der Hand über die nassgeschwitzte Stirn, und konnte sich selbst riechen, was weird war, weil das E normalerweise dafür sorgte, dass sich der Geruch erst mit der Nüchternheit wieder meldete. Sein Herz hämmerte im Hals, direkt gegen seinen Adamsapfel, und seine Hand landete in einem feuchten Fleck auf der Bank neben ihm – das bisschen Sperma. Sein Hosenstall war geöffnet, und er schloss ihn mit zittrigen Fingern wieder. Eigentlich gab es keinen Grund für den erhöhten Puls, wollte er denken, weil so weit, so normal, aber ihm war übel und schwindelig, und er fühlte sich seltsam fremd im eigenen Körper. <br />
<br />
Zu viel genommen, eventuell. Komisch gemischt, oder einen falschen Moment erwischt. Die zweite Runde Pulver hätte nicht sein müssen, oder alles, was danach gekommen war – wenn was danach gekommen war. Ihm knickten kurz die Knie weg, als er stand, und schaffte es vor die Kloschüssel, ehe er einen Schwall Magensäure erbrach. Dass er sich nicht dran erinnern konnte, wann er das letzte Mal gegessen hatte, schob Theo auf seine aktuellen Erinnerungslücken, während er sich halb an die Keramikschüssel klammerte, als würde die dafür sorgen, dass der Boden ihn nicht schluckte. Durch’s Kotzen wurde ihm noch schlechter, er hatte das als Kind schon gehasst (deswegen auch keine Bulimie entwickelt, wollte er manchmal traurig denken, weil die bestimmt Sachen vereinfachen würde) – also blieb er einfach da. Weil er die Kabinentür nicht geschlossen hatte, wollte ein Typ rein – als wär’s ne Aufforderung, dass Theo eh schon kniete. „Junge, verpiss dich!“, sagte er aus der Kloschüssel heraus und erkannte seine Stimme so wenig, dass er zuerst dachte, jemand anderes würde sprechen. <br />
<br />
Okay, langsam bekam er doch Stress. So’n richtiger Schauder im Nacken, als würd sich ne Faust da festklammern, und er packte sich mit der Spermahand dahin, aber nein, niemand hatte nach ihm gegriffen. Der Blick in den Spiegel über dem Wasserhahn machte ihn nur noch paranoider. Hatte sich sein Kopf grad gedreht, wer war dieser Mensch im Spiegel, wieso veränderte sich sein Gesicht bis ins Unkenntliche. Alles waberte. Als würde der ganze Raum pulsieren, aber nicht auf die nice Art. Eher wie so’n Lebewesen, und die Wände waren--- „Ah“, sagte er erstaunlich ruhig und war schließlich kein Anfänger, was schlechte Trips anging, aber bevor er das Risiko einging, von seinem bösen Zwilling in den Spiegel gezogen zu werden, verließ er doch hastig die Toiletten. Er dachte nicht dran, Ronan anzurufen. Ronan war sowieso am Schlafen, und Ronan war kein warmer Mensch. Er brauchte einen warmen Menschen: Ihm fiel nur ein Einziger ein. Zahi hob fast sofort ab und Theo hätte beinahe das Handy fallen gelassen. „Wenn wir jetzt losfahren, um wie viel Uhr wären wir in Paris?“, fragte er fahrig und kapierte selbst nicht, was er damit wollte. Er sah sich grad nirgends, aber vielleicht wollte er Zahi nur gegen die Panik reden hören.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Theo öffnete die Augen. Für einen Moment fühlte es sich so an, als hätte er seine Erinnerung verloren, als wüsste er nicht mehr, wo er war, und wer er war. Die dumpfe Musik drang durch die Tür, drückte fast schmerzhaft gegen sein Trommelfell. Ihm war kalt. Ihm war schlecht. Der Raucherraum kam ihm schließlich doch bekannt vor, und seine eigenen Knie auch. Die nackten Betonwände, auf die jeder Mensch und seine Oma irgendwas geklebt oder gescribbelt oder geschrieben hatte – der dichte Rauch, der unter der Decke hing. Er fuhr sich mit der Hand über die nassgeschwitzte Stirn, und konnte sich selbst riechen, was weird war, weil das E normalerweise dafür sorgte, dass sich der Geruch erst mit der Nüchternheit wieder meldete. Sein Herz hämmerte im Hals, direkt gegen seinen Adamsapfel, und seine Hand landete in einem feuchten Fleck auf der Bank neben ihm – das bisschen Sperma. Sein Hosenstall war geöffnet, und er schloss ihn mit zittrigen Fingern wieder. Eigentlich gab es keinen Grund für den erhöhten Puls, wollte er denken, weil so weit, so normal, aber ihm war übel und schwindelig, und er fühlte sich seltsam fremd im eigenen Körper. <br />
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Zu viel genommen, eventuell. Komisch gemischt, oder einen falschen Moment erwischt. Die zweite Runde Pulver hätte nicht sein müssen, oder alles, was danach gekommen war – wenn was danach gekommen war. Ihm knickten kurz die Knie weg, als er stand, und schaffte es vor die Kloschüssel, ehe er einen Schwall Magensäure erbrach. Dass er sich nicht dran erinnern konnte, wann er das letzte Mal gegessen hatte, schob Theo auf seine aktuellen Erinnerungslücken, während er sich halb an die Keramikschüssel klammerte, als würde die dafür sorgen, dass der Boden ihn nicht schluckte. Durch’s Kotzen wurde ihm noch schlechter, er hatte das als Kind schon gehasst (deswegen auch keine Bulimie entwickelt, wollte er manchmal traurig denken, weil die bestimmt Sachen vereinfachen würde) – also blieb er einfach da. Weil er die Kabinentür nicht geschlossen hatte, wollte ein Typ rein – als wär’s ne Aufforderung, dass Theo eh schon kniete. „Junge, verpiss dich!“, sagte er aus der Kloschüssel heraus und erkannte seine Stimme so wenig, dass er zuerst dachte, jemand anderes würde sprechen. <br />
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Okay, langsam bekam er doch Stress. So’n richtiger Schauder im Nacken, als würd sich ne Faust da festklammern, und er packte sich mit der Spermahand dahin, aber nein, niemand hatte nach ihm gegriffen. Der Blick in den Spiegel über dem Wasserhahn machte ihn nur noch paranoider. Hatte sich sein Kopf grad gedreht, wer war dieser Mensch im Spiegel, wieso veränderte sich sein Gesicht bis ins Unkenntliche. Alles waberte. Als würde der ganze Raum pulsieren, aber nicht auf die nice Art. Eher wie so’n Lebewesen, und die Wände waren--- „Ah“, sagte er erstaunlich ruhig und war schließlich kein Anfänger, was schlechte Trips anging, aber bevor er das Risiko einging, von seinem bösen Zwilling in den Spiegel gezogen zu werden, verließ er doch hastig die Toiletten. Er dachte nicht dran, Ronan anzurufen. Ronan war sowieso am Schlafen, und Ronan war kein warmer Mensch. Er brauchte einen warmen Menschen: Ihm fiel nur ein Einziger ein. Zahi hob fast sofort ab und Theo hätte beinahe das Handy fallen gelassen. „Wenn wir jetzt losfahren, um wie viel Uhr wären wir in Paris?“, fragte er fahrig und kapierte selbst nicht, was er damit wollte. Er sah sich grad nirgends, aber vielleicht wollte er Zahi nur gegen die Panik reden hören.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Wenn die Fritte auf die Fresse trifft]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2606</link>
			<pubDate>Fri, 31 Oct 2025 14:28:22 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=550">Fernanda Gálvez</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2606</guid>
			<description><![CDATA[<blockquote>Wochenendschichten waren sowas wie Bullshit-Bingo je tiefer der Dienst in die Nacht ging. Freitag auf Samstag war schon sowas wie die Vorhölle, aber Samstag auf Sonntag: Da traf man alles an. Ausser es war Halloween, dann musste man nochmal ein paar Dinge mehr zur Liste an scheisse-was-ist-mit-der-Menschheit-los dazugeben. Bisher hatten sie an diesem Abend noch nicht so viel gehabt: Da war eine Seniorin gewesen in einem Quartiersfest, die ihren Kollegen angeboten hatte ihn mit nach Hause zu nehmen: <u>ABER</u> nur ins Schlafzimmer – weil dort <i>Tabuzone</i> war. Dann gab es <i>unstillbares Nasenbluten</i> bei einem jungen Mann Anfang Zwanzig – es hatte nach zwei Minuten aufgehört. Noch eine Schlägerei von zwei Frauen, aber die Polizei hatte danach übernommen, nachdem Nanda die eine genug lang in eine Tüte hatte atmen lassen. <br />
<br />
Aber eigentlich sollte sie auch dankbar dafür sein, denn sobald ein Fall schwerer wurde, war es schwierig das Rundum nicht bis nach Hause mitzunehmen. Sobald Kinder im Spiel waren, Messer, Schusswaffen, Unfälle, die schwerwiegend waren oder Nötigung. Heute war keines davon der Fall. Auch nicht, als sie vor eine Imbissbude gerufen wurden: Sirene, weil jemand anscheinend bewusstlos war. Die Polizei schien auch schon auf dem Weg zu sein, ein Securitas vor Ort, der anscheinend vom Nachbarspub rübergekommen war und auf – Fernanda blinzelte, als sie ausstieg, sich die Sanitätstasche krallte und in Richtung der Szenerie lief. Sie sah niemanden, der bewusstlos war, aber Pommes, die auf dem Boden verteilt waren und laute Stimmen, die nicht besonders deeskalierend wirkten. Und dann war da der Therapeut ihres Käfers: Selimaj. Church – er hatte wenig mit einer Kirche zu tun. Wie lang war es her? Vier Wochen etwa? <b> «Neta?»</b> - ihr Kollege sah zu ihr - <b> «ich kenn den Typen, lass mich»</b> -sofern er sie überhaupt sah bei dem Geschrei. Sie trat in sein Blickfeld – na hoffentlich – stellte die Tasche hin und hob beide Hände, als müsste man einen Hund (war er irgendwie manchmal auch) beruhigen. <b> «Hey Church»</b> - <i>tranquillo</i>,vielleicht war er auch ein wilder Mustang das würde er sicher lieber hören. <b> «Du siehst beschissen aus, lässt du mich das ansehen?»</b>, sie suchte nach seinem Blick oder eher der Aufmerksamkeit, während im Hintergrund eine Sirene heulte.</blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>Wochenendschichten waren sowas wie Bullshit-Bingo je tiefer der Dienst in die Nacht ging. Freitag auf Samstag war schon sowas wie die Vorhölle, aber Samstag auf Sonntag: Da traf man alles an. Ausser es war Halloween, dann musste man nochmal ein paar Dinge mehr zur Liste an scheisse-was-ist-mit-der-Menschheit-los dazugeben. Bisher hatten sie an diesem Abend noch nicht so viel gehabt: Da war eine Seniorin gewesen in einem Quartiersfest, die ihren Kollegen angeboten hatte ihn mit nach Hause zu nehmen: <u>ABER</u> nur ins Schlafzimmer – weil dort <i>Tabuzone</i> war. Dann gab es <i>unstillbares Nasenbluten</i> bei einem jungen Mann Anfang Zwanzig – es hatte nach zwei Minuten aufgehört. Noch eine Schlägerei von zwei Frauen, aber die Polizei hatte danach übernommen, nachdem Nanda die eine genug lang in eine Tüte hatte atmen lassen. <br />
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Aber eigentlich sollte sie auch dankbar dafür sein, denn sobald ein Fall schwerer wurde, war es schwierig das Rundum nicht bis nach Hause mitzunehmen. Sobald Kinder im Spiel waren, Messer, Schusswaffen, Unfälle, die schwerwiegend waren oder Nötigung. Heute war keines davon der Fall. Auch nicht, als sie vor eine Imbissbude gerufen wurden: Sirene, weil jemand anscheinend bewusstlos war. Die Polizei schien auch schon auf dem Weg zu sein, ein Securitas vor Ort, der anscheinend vom Nachbarspub rübergekommen war und auf – Fernanda blinzelte, als sie ausstieg, sich die Sanitätstasche krallte und in Richtung der Szenerie lief. Sie sah niemanden, der bewusstlos war, aber Pommes, die auf dem Boden verteilt waren und laute Stimmen, die nicht besonders deeskalierend wirkten. Und dann war da der Therapeut ihres Käfers: Selimaj. Church – er hatte wenig mit einer Kirche zu tun. Wie lang war es her? Vier Wochen etwa? <b> «Neta?»</b> - ihr Kollege sah zu ihr - <b> «ich kenn den Typen, lass mich»</b> -sofern er sie überhaupt sah bei dem Geschrei. Sie trat in sein Blickfeld – na hoffentlich – stellte die Tasche hin und hob beide Hände, als müsste man einen Hund (war er irgendwie manchmal auch) beruhigen. <b> «Hey Church»</b> - <i>tranquillo</i>,vielleicht war er auch ein wilder Mustang das würde er sicher lieber hören. <b> «Du siehst beschissen aus, lässt du mich das ansehen?»</b>, sie suchte nach seinem Blick oder eher der Aufmerksamkeit, während im Hintergrund eine Sirene heulte.</blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I was having visions of Ten million ways to die]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2484</link>
			<pubDate>Thu, 22 Aug 2024 00:20:07 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=516">Joon-Ho Moon</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2484</guid>
			<description><![CDATA[Auch nicht verwunderlich, dass bei Joon dieses <i>‘Ich kenne alle Bars in Manchester‘</i> hängengeblieben war mit der netten Stimme allerdings dazu – bei ihm musste man echt aufpassen, was man sagte, der hatte ein Gedächtnis wie so ein Esel(?). Er hatte echt so schöne Hemden im Schrank hängen, aber zum Glück hatte er sich nach langer Diskussion mit Tama für einen weichen Pullover mit nicht zu aufregendem Print (für den Anfang) entschieden, weil er sonst auf dem Weg in die Stadt schon erfroren wäre. Das Fahrrad hatte er Zuhause stehen lassen, weil er schon vorhatte, gegen die Nervosität zwei bis drei Drinks zu sich zu nehmen und ja vor allem aus Mitgefühl mit den Kolleg*innen drauf verzichtete, angetrunken nach Hause fahren zu wollen. Außerdem konnte er sorum geschlagene vierzig Minuten nervös in der Bahn sitzen und sein Kinn in der Hand abstützen, um aus dem Fenster zu gucken, bis ihm auffiel, dass er davon dann so rote Abdrücke bekam (vom Kinn in der Hand, nicht dem Fenster), und <i>wie dem auch sei</i> war er eben fünfzehn Minuten zu früh da. Und ließ sich einen Tisch am Fenster zuweisen, zur Straße hin, da hatte er auch den Eingang im Blick und dachte mit Herzklopfen drüber nach, ob er nicht vielleicht schon mal einen Drink—ah neh, was hatte er den ganzen Tag vergessen? Baz antworten mit seiner Nummer usw., das hatte er aus gespielter Coolness gestern noch so stehen gelassen und jetzt tippte er wenigstens kurz: <i>‘Bin am zweiten Tisch zur Tür rein rechts (:‘</i>. Und konnte jetzt offiziell nicht mehr fliehen oder sich totstellen, na fantastisch. <br />
<br />
Ein kleines Bier bestellte er bei der Kellnerin, die seinen nervösen Blick mit einem Lächeln erwiderte, na sogar die wusste, was los war. Er legte das Handy vor sich auf den Tisch und guckte aus dem Fenster, wobei er sich grad noch so vom Nägelkauen abhalten konnte, zum Glück, weil da ziemlich pünktlich Baz die Straße runterkam. Oah schlimm, wie gut der aussah, fiel’s ihm wieder ein und Joon rückte sich kurz die Brille zurecht, ehe er’s mit einem Lächeln versuchte. Und natürlich doof die Hand kurz hob zu einem kleinen Winken, als der reinkam, als hätte Baz ihn nicht eh schon von draußen gesehen. Eine halbe Sekunde zögerte er, ob er aufstehen sollte oder nicht, aber Joon war ein <i>Hugger</i>, das war ein reiner Reflex, den er erst Recht nicht bei so einem schönen Menschen ablegen würde – außerdem hatte er schon einen winzigen Schluck von seinem Bier getrunken in den zwei Sekunden außer Sichtweite, hah. Also erhob er sich und bot ihm so eine halbe Umarmung an, wie wenn man sich mit Freunden traf, weil sie kannten sich ja offiziell schon, also ein bisschen komisch war’s eventuell doch. „Hi“, sagte er und grinste fast gar nicht überfordert, als er sich wieder auf seinen Stuhl sinken ließ. „Sorry, ich bin notorisch immer bisschen früher da“, deutete er auf das Bier vor sich und räusperte sich knapp auf halbem Weg zum leisen Lachen. „Ja verrückt, dass das hier geklappt hat“, meinte er dann aber ganz wirklich und guckte Baz zum ersten Mal richtig an, also kurz, weil wie zur Hölle hatte er sich das hier eigentlich vorgestellt?!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Auch nicht verwunderlich, dass bei Joon dieses <i>‘Ich kenne alle Bars in Manchester‘</i> hängengeblieben war mit der netten Stimme allerdings dazu – bei ihm musste man echt aufpassen, was man sagte, der hatte ein Gedächtnis wie so ein Esel(?). Er hatte echt so schöne Hemden im Schrank hängen, aber zum Glück hatte er sich nach langer Diskussion mit Tama für einen weichen Pullover mit nicht zu aufregendem Print (für den Anfang) entschieden, weil er sonst auf dem Weg in die Stadt schon erfroren wäre. Das Fahrrad hatte er Zuhause stehen lassen, weil er schon vorhatte, gegen die Nervosität zwei bis drei Drinks zu sich zu nehmen und ja vor allem aus Mitgefühl mit den Kolleg*innen drauf verzichtete, angetrunken nach Hause fahren zu wollen. Außerdem konnte er sorum geschlagene vierzig Minuten nervös in der Bahn sitzen und sein Kinn in der Hand abstützen, um aus dem Fenster zu gucken, bis ihm auffiel, dass er davon dann so rote Abdrücke bekam (vom Kinn in der Hand, nicht dem Fenster), und <i>wie dem auch sei</i> war er eben fünfzehn Minuten zu früh da. Und ließ sich einen Tisch am Fenster zuweisen, zur Straße hin, da hatte er auch den Eingang im Blick und dachte mit Herzklopfen drüber nach, ob er nicht vielleicht schon mal einen Drink—ah neh, was hatte er den ganzen Tag vergessen? Baz antworten mit seiner Nummer usw., das hatte er aus gespielter Coolness gestern noch so stehen gelassen und jetzt tippte er wenigstens kurz: <i>‘Bin am zweiten Tisch zur Tür rein rechts (:‘</i>. Und konnte jetzt offiziell nicht mehr fliehen oder sich totstellen, na fantastisch. <br />
<br />
Ein kleines Bier bestellte er bei der Kellnerin, die seinen nervösen Blick mit einem Lächeln erwiderte, na sogar die wusste, was los war. Er legte das Handy vor sich auf den Tisch und guckte aus dem Fenster, wobei er sich grad noch so vom Nägelkauen abhalten konnte, zum Glück, weil da ziemlich pünktlich Baz die Straße runterkam. Oah schlimm, wie gut der aussah, fiel’s ihm wieder ein und Joon rückte sich kurz die Brille zurecht, ehe er’s mit einem Lächeln versuchte. Und natürlich doof die Hand kurz hob zu einem kleinen Winken, als der reinkam, als hätte Baz ihn nicht eh schon von draußen gesehen. Eine halbe Sekunde zögerte er, ob er aufstehen sollte oder nicht, aber Joon war ein <i>Hugger</i>, das war ein reiner Reflex, den er erst Recht nicht bei so einem schönen Menschen ablegen würde – außerdem hatte er schon einen winzigen Schluck von seinem Bier getrunken in den zwei Sekunden außer Sichtweite, hah. Also erhob er sich und bot ihm so eine halbe Umarmung an, wie wenn man sich mit Freunden traf, weil sie kannten sich ja offiziell schon, also ein bisschen komisch war’s eventuell doch. „Hi“, sagte er und grinste fast gar nicht überfordert, als er sich wieder auf seinen Stuhl sinken ließ. „Sorry, ich bin notorisch immer bisschen früher da“, deutete er auf das Bier vor sich und räusperte sich knapp auf halbem Weg zum leisen Lachen. „Ja verrückt, dass das hier geklappt hat“, meinte er dann aber ganz wirklich und guckte Baz zum ersten Mal richtig an, also kurz, weil wie zur Hölle hatte er sich das hier eigentlich vorgestellt?!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[our paths may have crossed briefly but you still had the misfortune of knowing me]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2122</link>
			<pubDate>Thu, 19 Nov 2020 15:53:39 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=437">Arif Nedić</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2122</guid>
			<description><![CDATA[Fand er ja ganz lustig, wie fehl am Platz so’n Typ aussehen konnte, nur weil man in ner etwas schwummerigen, etwas heruntergekommenen Bar rumhing mit nem Anzug, der wahrscheinlich mehr als vier Monatsgehälter seinerseits kostete (aber das Thema machten sie jetzt nicht nochmal auf, wie krass unverschämt Pflegekräfte bezahlt wurden in diesem maroden System, nah). Aber Arif kam halt auch nicht ganz drum rum, diesen geilen Anzug einfach ständig antatschen zu wollen, weil er den Stil so geil fand und den Schnitt um die Schultern und der Stoff, der sah echt so nach feinster Baumwolle aus, da wurde ihm ganz anders, mit diesem verdammten Klamotten-Kink, den er seit seiner Jugend spazieren führte. Einmal, dachte er sich, einmal in seinem Leben auch so viel Geld haben, dass man sich so’n Shit einfach auf den Körper schneidern lassen konnte, inklusive Seidenhemd und Einstecktuch. Wurde nur wahrscheinlich nichts, weil er es mit dem Sparen nicht so hatte und lieber den Rest seines mickrigen Gehalts in Sneakers steckte oder mal ganz generös zu sich war und sich so’n endgeiles Hemd kaufte, auf dem fett irgendein edler Markenname prangte, Gucci oder was. Vom Alkoholkonsum abgesehen, der ihm trotz quasi Mitarbeiterrabatt bei Pat, regelmäßig ins Minus aufm Konto trieb, naja, aber das Leben musste man sich ja trotzdem irgendwie schönsaufen oder?! Ab und zu traf er sich ja mit dem Anwalt, den er auch nach fünfzehntausend Jahren immer noch nicht beim Vornamen Andrew nennen konnte und es einfach komplett vermied, ihn in diese Richtung anzusprechen, und tauschte sich aus  (oder was auch immer sie taten). Klar, dessen kleiner Bruder Eddie war Arifs bester Kumpel und deswegen lungerte er auch oft genug in der richtig schicken Bude rum, aber eben hauptsächlich mit Eddie zusammen, und das war ja auch was völlig anderes. Mittlerweile erlitt Arif wenigstens nicht jedes Mal nen halben Herzinfarkt, wenn er auf diesen Typen traf, mit dem geilen, ja, hatte er das eigentlich schon erwähnt, Modegeschmack. Aber er guckte immer noch so krass starstrucked, das konnte Arif nicht abstellen, weil er ungefähr alles an And-Mr. Marsh toll fand. „Martini, ja?“ Ehrlich. Vielleicht hätten sie in einen Schuppen von And-Mr. Marsh gehen sollen, aber dieses Mal war Arif mit bezahlen dran und mehr als Fish & Chips (dafür die geilsten der Stadt, ungelogen) und Pats Pub konnte der sich nicht leisten, wir erinnern uns, Minus auf dem Konto. „Macht Pat dir bestimmt“, große Worte, wirklich sehr große Worte, aber Arif zweifelte nicht mal dran. Auf Pat ließ er nix kommen, der würde ihn nicht im Stich lassen hier.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Fand er ja ganz lustig, wie fehl am Platz so’n Typ aussehen konnte, nur weil man in ner etwas schwummerigen, etwas heruntergekommenen Bar rumhing mit nem Anzug, der wahrscheinlich mehr als vier Monatsgehälter seinerseits kostete (aber das Thema machten sie jetzt nicht nochmal auf, wie krass unverschämt Pflegekräfte bezahlt wurden in diesem maroden System, nah). Aber Arif kam halt auch nicht ganz drum rum, diesen geilen Anzug einfach ständig antatschen zu wollen, weil er den Stil so geil fand und den Schnitt um die Schultern und der Stoff, der sah echt so nach feinster Baumwolle aus, da wurde ihm ganz anders, mit diesem verdammten Klamotten-Kink, den er seit seiner Jugend spazieren führte. Einmal, dachte er sich, einmal in seinem Leben auch so viel Geld haben, dass man sich so’n Shit einfach auf den Körper schneidern lassen konnte, inklusive Seidenhemd und Einstecktuch. Wurde nur wahrscheinlich nichts, weil er es mit dem Sparen nicht so hatte und lieber den Rest seines mickrigen Gehalts in Sneakers steckte oder mal ganz generös zu sich war und sich so’n endgeiles Hemd kaufte, auf dem fett irgendein edler Markenname prangte, Gucci oder was. Vom Alkoholkonsum abgesehen, der ihm trotz quasi Mitarbeiterrabatt bei Pat, regelmäßig ins Minus aufm Konto trieb, naja, aber das Leben musste man sich ja trotzdem irgendwie schönsaufen oder?! Ab und zu traf er sich ja mit dem Anwalt, den er auch nach fünfzehntausend Jahren immer noch nicht beim Vornamen Andrew nennen konnte und es einfach komplett vermied, ihn in diese Richtung anzusprechen, und tauschte sich aus  (oder was auch immer sie taten). Klar, dessen kleiner Bruder Eddie war Arifs bester Kumpel und deswegen lungerte er auch oft genug in der richtig schicken Bude rum, aber eben hauptsächlich mit Eddie zusammen, und das war ja auch was völlig anderes. Mittlerweile erlitt Arif wenigstens nicht jedes Mal nen halben Herzinfarkt, wenn er auf diesen Typen traf, mit dem geilen, ja, hatte er das eigentlich schon erwähnt, Modegeschmack. Aber er guckte immer noch so krass starstrucked, das konnte Arif nicht abstellen, weil er ungefähr alles an And-Mr. Marsh toll fand. „Martini, ja?“ Ehrlich. Vielleicht hätten sie in einen Schuppen von And-Mr. Marsh gehen sollen, aber dieses Mal war Arif mit bezahlen dran und mehr als Fish & Chips (dafür die geilsten der Stadt, ungelogen) und Pats Pub konnte der sich nicht leisten, wir erinnern uns, Minus auf dem Konto. „Macht Pat dir bestimmt“, große Worte, wirklich sehr große Worte, aber Arif zweifelte nicht mal dran. Auf Pat ließ er nix kommen, der würde ihn nicht im Stich lassen hier.]]></content:encoded>
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