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		<title><![CDATA[Lost the plot - All these facts & opinions look the same.]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 03:45:22 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[and like a deer in the headlights, I meet my fate]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2676</link>
			<pubDate>Sat, 06 Jun 2026 20:20:31 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=568">Lucas Ramsay</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2676</guid>
			<description><![CDATA[Ein Tag wie jeder andere. Über Manchester hing seit vier Tagen schon wieder die gleiche graue Suppe wie immer. Mit Regen hatte er kein Problem, war ja nicht so, als hätte es den weiter Norden nicht gegeben, aber dieser latente Nieselregen ging ihm so dermaßen auf den Piss, dass es nicht mal die drückende Luft brauchte, um ihm Kopfschmerzen zu bereiten. Zwei-drei Tropfen, dann verzog sich der drohende Schauer auch wieder, als hätten ihm seine Sinne einen Streich gespielt. Jetzt hockte er in der Karre und konnte ohne Scheibenwischer nichts sehen, aber für den Scheibenwischer war auch zu wenig los, man wollte ihn aktiv verarschen. <br />
Ungeduldig trommelte Luke mit den Fingern aufs Lenkrad und starrte die rote Ampel an. Die letzte Phase hätte er gepackt, wär die Tusse vor ihm nicht drei Sekunden lang panisch in den Ring mit Kupplung und Gangschaltung gestiegen und hätte den Wagen beim Anfahren gleich zweimal abgewürgt. Musste man auch erstmal schaffen. Die Leistung hatte er natürlich umgehend mit einem beherzten Hupen quittiert (sozusagen Applaus). Jetzt hockte er hier weitere 90 Sekunden an der gnadenlosesten Ampel, als wär Manchester nicht ohnehin die langsamste Stadt jemals. 30 Minuten für nicht mal drei Meilen, weil irgendein Affe im City Council beschlossen hatte, die halbe Stadt gleichzeitig aufzureißen. Luke warf seine Wasserflasche auf den Beifahrersitz und hupte als freundliche Erinnerung schon als die Ampel noch auf Orange stand. Na ging doch.<br />
<br />
Wie üblich stellte Luke den Dienstwagen dort ab, wo er eigentlich nicht stehen durfte, weil sich die Zettelritter erstmal trauen mussten, einem Polizeiauto ein Knöllchen zu verpassen (fand er). Würde bestimmt auch nicht lange brauchen, hoffte er insgeheim und sahs gleichzeitig nicht ein, so lange im Stau gestanden zu haben, nur um einem Pfaffen drei Fragen zu stellen. Da sprach er ja persönlich sogar lieber mit Junkies und Oldham'schen Straßenproleten — die waren wenigstens ehrlich in ihrer Sprache. Ne, hier hatte keiner eine komische Beziehung zum katholischen Glauben, aber da leistete ihm der Pater sicher liebend gerne Seelsorge (ha-ha).Luke kniff die Augen zusammen und sah einen Moment an der Kirchenfassade hoch, bevor er zur Tür des Pfarrhaus schlurfte und dort klingelte. Die Beichtzeiten hatte er knapp verpasst, was ein Jammer, seine Seele würde ewig verdammen (oh nein).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ein Tag wie jeder andere. Über Manchester hing seit vier Tagen schon wieder die gleiche graue Suppe wie immer. Mit Regen hatte er kein Problem, war ja nicht so, als hätte es den weiter Norden nicht gegeben, aber dieser latente Nieselregen ging ihm so dermaßen auf den Piss, dass es nicht mal die drückende Luft brauchte, um ihm Kopfschmerzen zu bereiten. Zwei-drei Tropfen, dann verzog sich der drohende Schauer auch wieder, als hätten ihm seine Sinne einen Streich gespielt. Jetzt hockte er in der Karre und konnte ohne Scheibenwischer nichts sehen, aber für den Scheibenwischer war auch zu wenig los, man wollte ihn aktiv verarschen. <br />
Ungeduldig trommelte Luke mit den Fingern aufs Lenkrad und starrte die rote Ampel an. Die letzte Phase hätte er gepackt, wär die Tusse vor ihm nicht drei Sekunden lang panisch in den Ring mit Kupplung und Gangschaltung gestiegen und hätte den Wagen beim Anfahren gleich zweimal abgewürgt. Musste man auch erstmal schaffen. Die Leistung hatte er natürlich umgehend mit einem beherzten Hupen quittiert (sozusagen Applaus). Jetzt hockte er hier weitere 90 Sekunden an der gnadenlosesten Ampel, als wär Manchester nicht ohnehin die langsamste Stadt jemals. 30 Minuten für nicht mal drei Meilen, weil irgendein Affe im City Council beschlossen hatte, die halbe Stadt gleichzeitig aufzureißen. Luke warf seine Wasserflasche auf den Beifahrersitz und hupte als freundliche Erinnerung schon als die Ampel noch auf Orange stand. Na ging doch.<br />
<br />
Wie üblich stellte Luke den Dienstwagen dort ab, wo er eigentlich nicht stehen durfte, weil sich die Zettelritter erstmal trauen mussten, einem Polizeiauto ein Knöllchen zu verpassen (fand er). Würde bestimmt auch nicht lange brauchen, hoffte er insgeheim und sahs gleichzeitig nicht ein, so lange im Stau gestanden zu haben, nur um einem Pfaffen drei Fragen zu stellen. Da sprach er ja persönlich sogar lieber mit Junkies und Oldham'schen Straßenproleten — die waren wenigstens ehrlich in ihrer Sprache. Ne, hier hatte keiner eine komische Beziehung zum katholischen Glauben, aber da leistete ihm der Pater sicher liebend gerne Seelsorge (ha-ha).Luke kniff die Augen zusammen und sah einen Moment an der Kirchenfassade hoch, bevor er zur Tür des Pfarrhaus schlurfte und dort klingelte. Die Beichtzeiten hatte er knapp verpasst, was ein Jammer, seine Seele würde ewig verdammen (oh nein).]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Willst du mit mir Haie raten? Ja. Nein. Tigerhai?]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2665</link>
			<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 19:43:05 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=539">Maksym Lazarenko</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<img src="https://64.media.tumblr.com/7230ac74e12f94f17720e8f87e7464a6/f2360e677483b954-ba/s400x600/bef083b3d6c8090f1199421cbb5a11b2664e644c.gifv" style="width: 200px; border: solid 1px #111; padding: 5px; float:left; margin: 10px 20px 10px 0;" /> <a href="https://va.media.tumblr.com/tumblr_td9rwyBwI81qg0upk.mp4" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">[Outfit]</a> Nach einem warmen, sonnigen Osterwochenende gab das wechselhafte Aprilwetter an diesem Dienstagnachmittag eine Sondervorstellung. Der Himmel war in trendiges Millennial Grey gekleidet und alle paar Minuten wehte eine eisige Böe am Eingang des <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">SEA LIFE Manchester</span> vorbei, die Maksyms Locken über seine Stirn tanzen ließ und ihn dazu zwang, die Sonnenblumen enger an seinen Körper zu pressen, damit ihre Stiele nicht knickten. Mit Schweiß auf der Stirn hatte er zwei gekauft, weil die Verkäuferin gesagt hatte, dass er zwei kaufen sollte. Er hatte sich kurz gefragt wieso, sich dann aber an das Meerschweinchen erinnert, das seine Schwester als Kind gehabt hatte und von dem er mittlerweile wusste, dass man es nicht allein hätte halten dürfen. Maksym musste auch heute noch oft an den armen Печиво denken, der vermutlich vor Einsamkeit verstorben war und hatte deshalb auf die Fachmeinung der Blumenverkäuferin vertraut. Immerhin verstand er nichts von Sonnenblumen, so wenig sogar, dass er nicht gewusst hatte, dass April in England keine Sonnenblumensaison war, sodass der hohe Preis ihn ziemlich kalt erwischt hatte. <br />
<br />
Wieder ging er langsam zwischen den beiden Löwenstatuen vor dem Eingang, die aus einem unerfindlichen Grund keine Seelöwen waren, hin und her. Stillstehen war keine Option, besonders nicht, da sein Kopf sich weigerte, die vergangene Woche einfach abzulegen wie ein Kostüm nach einer Vorstellung. Stattdessen blieb sie so hartnäckig in seinem Kopf wie Body Glitter. Nachdem Britney mit seiner gänzlich selbstverschuldeten Grippe im Varieté ausgefallen war, hatte Maksym seinen Einstand mit Soloauftritten gegeben und an drei Abenden und einem Nachmittag das Publikum mit seiner Zirkus-Nummer am Aerial Hoop begeistert. Er hatte jeden Auftritt genossen, weil sein Kopf in acht Metern Höhe kurz still wurde und es eine willkommene Flucht vor dem ersten Osterfest seit Jahren mit seiner Familie in der ukrainischen Gemeinde gewesen war. Es war zwar auch schön, wieder Zeit mit seinen Eltern und seiner Schwester zu verbringen, aber irgendwann war ihm das einfach zu viel zu anders von seinem Alltag geworden. <br />
<br />
Was er heute, an seinem freien Tag, vorhatte, war auch alles andere als alltäglich und sein Körper entsprechend unter Strom. Sein Blick suchte den Parkplatz kurz nach einem bekannten Gesicht ab, kehrte dann aber pflichtbewusst zu den Sonnenblumen zurück. Darüber, dass Nani sie die ganze Zeit mit sich rumtragen würde, hatte er nicht nachgedacht, nur darüber, dass man zu einem Date auch Blumen mitbringen musste. Die Blondine war es gewesen, die seiner Idee, wie er sie wiedersehen könnte, den Stempel ‘Date’ verpasst hatte und Maksym fragte sich seit dem, was das und die Nachrichten, die sie sich in den letzten Tagen geschrieben hatten, bedeuteten. Nani hatte ihn geküsst, zweimal. Einmal hätte ein Versehen sein können, ein unbedachter Impuls oder vielleicht sogar ein Fehler. Zweimal küsste man niemanden, den man nicht küssen wollte. Das war eine Wiederholung und mit Wiederholungen sollte er sich eigentlich auskennen, schließlich bestand der Großteil seines Lebens daraus, etwas zu wiederholen, bis es perfekt war. Ob sie ihn noch mal küssen würde? Er schmunzelte ein bisschen, weil die Erinnerung daran, wie süß aufgeregt sie war, als er vom Aquarium gesprochen hatte, zurückkehrte und wie sie dann das Wort ‘Date’ gesagt hatte, einfach so, als wäre es das Normalste auf der Welt. Vielleicht war es das auch. Für sie.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="https://64.media.tumblr.com/7230ac74e12f94f17720e8f87e7464a6/f2360e677483b954-ba/s400x600/bef083b3d6c8090f1199421cbb5a11b2664e644c.gifv" style="width: 200px; border: solid 1px #111; padding: 5px; float:left; margin: 10px 20px 10px 0;" /> <a href="https://va.media.tumblr.com/tumblr_td9rwyBwI81qg0upk.mp4" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">[Outfit]</a> Nach einem warmen, sonnigen Osterwochenende gab das wechselhafte Aprilwetter an diesem Dienstagnachmittag eine Sondervorstellung. Der Himmel war in trendiges Millennial Grey gekleidet und alle paar Minuten wehte eine eisige Böe am Eingang des <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">SEA LIFE Manchester</span> vorbei, die Maksyms Locken über seine Stirn tanzen ließ und ihn dazu zwang, die Sonnenblumen enger an seinen Körper zu pressen, damit ihre Stiele nicht knickten. Mit Schweiß auf der Stirn hatte er zwei gekauft, weil die Verkäuferin gesagt hatte, dass er zwei kaufen sollte. Er hatte sich kurz gefragt wieso, sich dann aber an das Meerschweinchen erinnert, das seine Schwester als Kind gehabt hatte und von dem er mittlerweile wusste, dass man es nicht allein hätte halten dürfen. Maksym musste auch heute noch oft an den armen Печиво denken, der vermutlich vor Einsamkeit verstorben war und hatte deshalb auf die Fachmeinung der Blumenverkäuferin vertraut. Immerhin verstand er nichts von Sonnenblumen, so wenig sogar, dass er nicht gewusst hatte, dass April in England keine Sonnenblumensaison war, sodass der hohe Preis ihn ziemlich kalt erwischt hatte. <br />
<br />
Wieder ging er langsam zwischen den beiden Löwenstatuen vor dem Eingang, die aus einem unerfindlichen Grund keine Seelöwen waren, hin und her. Stillstehen war keine Option, besonders nicht, da sein Kopf sich weigerte, die vergangene Woche einfach abzulegen wie ein Kostüm nach einer Vorstellung. Stattdessen blieb sie so hartnäckig in seinem Kopf wie Body Glitter. Nachdem Britney mit seiner gänzlich selbstverschuldeten Grippe im Varieté ausgefallen war, hatte Maksym seinen Einstand mit Soloauftritten gegeben und an drei Abenden und einem Nachmittag das Publikum mit seiner Zirkus-Nummer am Aerial Hoop begeistert. Er hatte jeden Auftritt genossen, weil sein Kopf in acht Metern Höhe kurz still wurde und es eine willkommene Flucht vor dem ersten Osterfest seit Jahren mit seiner Familie in der ukrainischen Gemeinde gewesen war. Es war zwar auch schön, wieder Zeit mit seinen Eltern und seiner Schwester zu verbringen, aber irgendwann war ihm das einfach zu viel zu anders von seinem Alltag geworden. <br />
<br />
Was er heute, an seinem freien Tag, vorhatte, war auch alles andere als alltäglich und sein Körper entsprechend unter Strom. Sein Blick suchte den Parkplatz kurz nach einem bekannten Gesicht ab, kehrte dann aber pflichtbewusst zu den Sonnenblumen zurück. Darüber, dass Nani sie die ganze Zeit mit sich rumtragen würde, hatte er nicht nachgedacht, nur darüber, dass man zu einem Date auch Blumen mitbringen musste. Die Blondine war es gewesen, die seiner Idee, wie er sie wiedersehen könnte, den Stempel ‘Date’ verpasst hatte und Maksym fragte sich seit dem, was das und die Nachrichten, die sie sich in den letzten Tagen geschrieben hatten, bedeuteten. Nani hatte ihn geküsst, zweimal. Einmal hätte ein Versehen sein können, ein unbedachter Impuls oder vielleicht sogar ein Fehler. Zweimal küsste man niemanden, den man nicht küssen wollte. Das war eine Wiederholung und mit Wiederholungen sollte er sich eigentlich auskennen, schließlich bestand der Großteil seines Lebens daraus, etwas zu wiederholen, bis es perfekt war. Ob sie ihn noch mal küssen würde? Er schmunzelte ein bisschen, weil die Erinnerung daran, wie süß aufgeregt sie war, als er vom Aquarium gesprochen hatte, zurückkehrte und wie sie dann das Wort ‘Date’ gesagt hatte, einfach so, als wäre es das Normalste auf der Welt. Vielleicht war es das auch. Für sie.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Ich will mich verschwenden an den Tag]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2656</link>
			<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 14:05:53 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=42">Chuck Boyd</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2656</guid>
			<description><![CDATA[Eigentlich ein Wunder, dass sie ne Woche später wieder bei dieser Gruppe aufgeschlagen war. Und das Wunder hieß Arif, der einfach nich‘ lockergelassen hatte, und ihr angedroht hatte, sie sonst in Einzeltherapie zu stecken. Naja, Good Luck to him, ne Einzeltherapie für Chuck zu finden, hätte sie antworten können (und hatte sie auch getan), nur um trotzdem bei ihm dann wieder im Auto zu sitzen. Vielleicht lag’s an seinem verzweifelten Blick, und dass er’s nich‘ verdient hatte, schon wieder so schwierige Freunde zu haben, nachdem Zahi einigermaßen über’n Berg war. <br />
<br />
Chuck wusste auch immer noch nich‘, ob’s ihr wirklich half, da hinzugehen, weil’s ihr danach meistens mieser ging als vorher, aber das hieß ja potentiell, dass sich was löste, oder nich‘?! Sie fand’s auf jeden Fall mindestens genauso beschissen und stressig, nach der Runde noch länger als notwendig in dem Raum zu bleiben, und konnte die meisten Gesichter eh nich‘ ertragen – daran hatte sich also nix geändert. Deswegen war sie dazu übergegangen, beinahe sofort aus dem Gebäude zu verschwinden, bloß kein Smalltalk, bloß keine Beileidsbekundungen, bloß keine neugierigen Fragen, und saß lieber frierend an der Straße, um dort auf Arif zu warten, als in der Wärme des Raumes. Es gab genau einen einzigen Menschen, den sie dann noch ertrug (neben Arif und der war auch schwierig), und das war ausgerechnet dieser Therapeut mit seinem schwuchteligen Ohrring und seinen, für englische Verhältnisse, erstaunlich graden Zähnen, die sie bei seinem Grinsen anleuchteten. <br />
<br />
Ugh. <br />
<br />
Sie musste zugeben, dass sie das schön fand, wenn er neben ihr auftauchte, und sie gemeinsam noch eine Kippe rauchten, bevor sie nach Hause fuhr – auch wenn sie weiterhin vermutete, er machte das nur, um ein Auge auf sie zu werfen, dass sie sich nich' nach der Gruppe vor die nächste Straßenbahn warf. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Close Call</span> jedes Mal, aber musste er ja nicht wissen. Außerdem mochte sie’s, dass er jedes Mal mit einem fragenden Blick und ner kippenrauchenden Pantomime abcheckte, ob sie wirklich Bock drauf hatte. <br />
<br />
Jedenfalls, dachte sie, war sie jetzt schon zum vierten Mal hier, und kam irgendwie nich‘ weiter mit ihren Gefühlen. Sie war weiterhin wütend und traurig und überfordert und furchtbar frustriert und wollte’s an jemandem auslassen, aber Arif stand noch nich‘ mit dem Auto vor der Tür, und Harry war zu <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">nett</span> – auch wenn er’s bestimmt abkonnte, so als Beruf. Sie schloss kurz die Augen, als sie draußen gegen die Wand an Kälte fuhr, aber da sie dick eingepackt war, passte das schon irgendwie. Trotzdem vielleicht nich' die beste Idee, so verschwitzt wie sie im Laufe dieser Stunde immer war. <br />
<br />
„<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ich weiß nich‘, ob’s so clever war, mit dem Sche- <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Gedöns</span> im Winter anzufangen – man verlässt die einen grauen Gesichter, um sich dann der restlichen grauen Stadt zu stellen. An Trostlosigkeit nich‘ zu überbieten</span>“, grummelte sie in Richtung Harry, der neben ihr aufgetaucht war, und hoffte ja jedes Mal in den ersten zwei Minuten auf ne Provokation, damit sie sich fetzen konnte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Eigentlich ein Wunder, dass sie ne Woche später wieder bei dieser Gruppe aufgeschlagen war. Und das Wunder hieß Arif, der einfach nich‘ lockergelassen hatte, und ihr angedroht hatte, sie sonst in Einzeltherapie zu stecken. Naja, Good Luck to him, ne Einzeltherapie für Chuck zu finden, hätte sie antworten können (und hatte sie auch getan), nur um trotzdem bei ihm dann wieder im Auto zu sitzen. Vielleicht lag’s an seinem verzweifelten Blick, und dass er’s nich‘ verdient hatte, schon wieder so schwierige Freunde zu haben, nachdem Zahi einigermaßen über’n Berg war. <br />
<br />
Chuck wusste auch immer noch nich‘, ob’s ihr wirklich half, da hinzugehen, weil’s ihr danach meistens mieser ging als vorher, aber das hieß ja potentiell, dass sich was löste, oder nich‘?! Sie fand’s auf jeden Fall mindestens genauso beschissen und stressig, nach der Runde noch länger als notwendig in dem Raum zu bleiben, und konnte die meisten Gesichter eh nich‘ ertragen – daran hatte sich also nix geändert. Deswegen war sie dazu übergegangen, beinahe sofort aus dem Gebäude zu verschwinden, bloß kein Smalltalk, bloß keine Beileidsbekundungen, bloß keine neugierigen Fragen, und saß lieber frierend an der Straße, um dort auf Arif zu warten, als in der Wärme des Raumes. Es gab genau einen einzigen Menschen, den sie dann noch ertrug (neben Arif und der war auch schwierig), und das war ausgerechnet dieser Therapeut mit seinem schwuchteligen Ohrring und seinen, für englische Verhältnisse, erstaunlich graden Zähnen, die sie bei seinem Grinsen anleuchteten. <br />
<br />
Ugh. <br />
<br />
Sie musste zugeben, dass sie das schön fand, wenn er neben ihr auftauchte, und sie gemeinsam noch eine Kippe rauchten, bevor sie nach Hause fuhr – auch wenn sie weiterhin vermutete, er machte das nur, um ein Auge auf sie zu werfen, dass sie sich nich' nach der Gruppe vor die nächste Straßenbahn warf. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Close Call</span> jedes Mal, aber musste er ja nicht wissen. Außerdem mochte sie’s, dass er jedes Mal mit einem fragenden Blick und ner kippenrauchenden Pantomime abcheckte, ob sie wirklich Bock drauf hatte. <br />
<br />
Jedenfalls, dachte sie, war sie jetzt schon zum vierten Mal hier, und kam irgendwie nich‘ weiter mit ihren Gefühlen. Sie war weiterhin wütend und traurig und überfordert und furchtbar frustriert und wollte’s an jemandem auslassen, aber Arif stand noch nich‘ mit dem Auto vor der Tür, und Harry war zu <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">nett</span> – auch wenn er’s bestimmt abkonnte, so als Beruf. Sie schloss kurz die Augen, als sie draußen gegen die Wand an Kälte fuhr, aber da sie dick eingepackt war, passte das schon irgendwie. Trotzdem vielleicht nich' die beste Idee, so verschwitzt wie sie im Laufe dieser Stunde immer war. <br />
<br />
„<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ich weiß nich‘, ob’s so clever war, mit dem Sche- <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Gedöns</span> im Winter anzufangen – man verlässt die einen grauen Gesichter, um sich dann der restlichen grauen Stadt zu stellen. An Trostlosigkeit nich‘ zu überbieten</span>“, grummelte sie in Richtung Harry, der neben ihr aufgetaucht war, und hoffte ja jedes Mal in den ersten zwei Minuten auf ne Provokation, damit sie sich fetzen konnte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[looking for light, we wait in darkness]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2653</link>
			<pubDate>Mon, 09 Feb 2026 14:05:46 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=565">Elliot Calhoun</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2653</guid>
			<description><![CDATA[Der Regen peitscht schräg über die schmale Straße, der Winterhimmel über Manchester grau und trist. Vereinzelt sind noch Reste von Schnee und Eis am Rand des Gehweges zu erkennen, doch sonst hatte der Januar-Regen den Großteil des winterlichen Weiß beiseite gespült und nur nassen Frost hinter sich gelassen. Trotz den Minustemperaturen und den vor Kälte längst schmerzenden Fingern bleibt Elliot noch einen Moment zögerlich an der Straßenecke stehen - blickt die Mulberry Street hinunter, als würden ihm Pflaster und Fasseden irgendwelche Antworten bieten können. Zwischen dem hohen Bürogebäude auf der einen Seite, und dem wenig ansprechenden Wohnhaus auf der anderen erstreckt die rote Backstein-Front von St. Marys in die Höhe. <br />
<br />
Das Pfarrhaus offensichtlich gleich nebenan. Im Kopf kann Elliot fast schon die Schritte zählen, die er bis zur Eingangstür braucht und doch bleibt er noch einen Moment stehen. Brauchte einfach noch einen Moment, um hier in die richtige Rolle zu schlüpfen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Dear LORD</span>, das stumme Gebet in seinem Kopf <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">just tell me what to do</span>. Elliot wusste es nicht mehr. Hatte sich so unsicher gefühlt, wie seit seiner Jugend nicht mehr, seitdem er die Entsendung nach Manchester angenommen hatte. Fühlte sich noch immer so. Unsicher und neben der Spur. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Hast einfach nicht gut geschlafen</span>, sagt er sich - als hätte er das irgendwann mal in den letzten Monaten (Jahren). <br />
<br />
In dem engen, spärlichen Gästezimmer im Obergeschoss von St. Marie’s Pfarrhaus hat er schon in den frühen, noch dämmernden Morgenstunden seine sieben Sachen in die Reisetasche gepackt und erst in der Tram von Bury nach Manchester so wirklich darüber nachgedacht, was ihn hier eigentlich erwarten wurde. In der Straßenbahn, als diese quietschend durch die Gegend getrödelt war, mitten unter Familien, Jugendlichen und Freunden in reger Diskussion über die Erwartungen ans neue Jahr, hatte er sich so wahnsinnig fehl am Platz gefühlt. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Gib den Dingen Zeit, mein Junge</span>; hatte William gesagt, sein alter Kollege aus Bury. Selbst er hatte Elliot nur so halb verstanden. Oder vielleicht konnte Elliot sich auch einfach niur nicht richtig erklären. <br />
<br />
Am St. Peters Square war er zusammen mit einer ganzen Menge junger Leute ausgestiegen - hatte beobachtete, wie so viele von ihnen trotz des Datums tapfer zur Bibliothek stampften und einige die Straße hoch zum Kunstmuseum, in dem auch er schon als Schüler gewesen war. Und dann war er die wenigen Schritte zur Mulberry Street gegangen, den Trageriemen der Reisetasche über einer Schulter und der Kollar fast wie ein Kostüm. Und nun steht er hier, unsicher, zögerlich. Aber half ja alles nichts. Die Hand, die den Riemen der Tasche noch etwas höher zieht, schmerzt dabei und er schüttelt den Kopf. Er sollte sich zusammen reißen. Würde ihm sein neuer Kollege schon nicht auf den ersten Blick ansehen, die Tatsache, dass er hier kurz vorm Zusammenfallen war. Falls doch, würde Wunschdenken vielleicht auch erst mal ausreichen. <br />
<br />
Bevor er sich versieht macht er den Schritt die halbe Treppenstufe hoch zum Eingang des Pfarrhauses und klingelt. Theoretisch könnte er die Tür auch selber aufschließen - die Diözese hatte ihm schon in der vergangenen Woche einen Schlüssel zum Pfarrhaus gegeben, zusammen mit einem ganzen Schwall Unterlagen, neuen Siegeln und mehr Informationen, als er in dem Moment hatte aufnehmen können. Aber er fühlt sich nicht wohl bei dem Gedanken, einfach selber aufzuschließen und hinein zu platzen, auch wenn es nun wohl sein Zuhause sein sollte. Noch war es das seines Kollegen - Ronan Lynch, Anfang 30, ein Oscott-Seminarist, war die Aussage vom Assistent des Bischofs und so erst mal wenig auskunftsreich. Elliot hatte zu viele Jahre außerhalb der Diözese gearbeitet, um seine Kollegen noch zu kennen. Nun ist er aber hier. Nach kurzem Warten öffnet sich die Tür und er blickt in das Gesicht eines Mannes ungefähr seines Alters, dunkle Haare, dunkle Augen. <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Eh, hi.”</span> Awkward. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Father Lynch?”</span> Vielleicht eine überflüssige Frage, angesichts der Tatsache, dass er gerade die Tür zum Pfarrhaus geöffnet hatte.<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> “Calhoun. Elliot Calhoun.”</span><span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> Ich bin der neue Kollege</span> liegt ihm auf der Zunge, aber er schluck’s doch runter, weil’s irgendwie lächerlich klingt. Früher einmal, da hätte sich ein charmantes Lächeln auf seine Lippen geschoben und seine Begeisterung über die neue Stelle, eine Zusammenarbeit, einen gemeinsamen Dienst im Name des Herrn wäre überschwänglich gewesen. Und jetzt? Jetzt weiß er nicht mal, wie er sich vorstellen soll. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Der Bischof sendet mich. Ich soll die offene Pfarrstelle übernehmen …?”</span> Am Ende klingt es doch wie eine Frage und Elliot fühlt sich auf dem Türabsatz, mit vor Regen leicht tropfenden Haaren, etwas wie bestellt und nicht abgeholt. Ist ihm natürlich klar, dass Lynch längst Bescheid wissen wird, immerhin wird man ihn über seinen neuen Kollegen und Mitbewohner informiert haben. Gleichermaßen etwas irritiert über sich selbst und erwartungsvoll sieht Elliot zu dem Priester und hofft, dass der lieber das Reden übernimmt. Damit tut er sich selbst scheinbar etwas schwer, - stellt überrascht fest, dass seine Stimme etwas belegt ist, weil er in den letzten Tagen, Wochen doch so wenig gesagt hat, wie möglich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Regen peitscht schräg über die schmale Straße, der Winterhimmel über Manchester grau und trist. Vereinzelt sind noch Reste von Schnee und Eis am Rand des Gehweges zu erkennen, doch sonst hatte der Januar-Regen den Großteil des winterlichen Weiß beiseite gespült und nur nassen Frost hinter sich gelassen. Trotz den Minustemperaturen und den vor Kälte längst schmerzenden Fingern bleibt Elliot noch einen Moment zögerlich an der Straßenecke stehen - blickt die Mulberry Street hinunter, als würden ihm Pflaster und Fasseden irgendwelche Antworten bieten können. Zwischen dem hohen Bürogebäude auf der einen Seite, und dem wenig ansprechenden Wohnhaus auf der anderen erstreckt die rote Backstein-Front von St. Marys in die Höhe. <br />
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Das Pfarrhaus offensichtlich gleich nebenan. Im Kopf kann Elliot fast schon die Schritte zählen, die er bis zur Eingangstür braucht und doch bleibt er noch einen Moment stehen. Brauchte einfach noch einen Moment, um hier in die richtige Rolle zu schlüpfen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Dear LORD</span>, das stumme Gebet in seinem Kopf <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">just tell me what to do</span>. Elliot wusste es nicht mehr. Hatte sich so unsicher gefühlt, wie seit seiner Jugend nicht mehr, seitdem er die Entsendung nach Manchester angenommen hatte. Fühlte sich noch immer so. Unsicher und neben der Spur. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Hast einfach nicht gut geschlafen</span>, sagt er sich - als hätte er das irgendwann mal in den letzten Monaten (Jahren). <br />
<br />
In dem engen, spärlichen Gästezimmer im Obergeschoss von St. Marie’s Pfarrhaus hat er schon in den frühen, noch dämmernden Morgenstunden seine sieben Sachen in die Reisetasche gepackt und erst in der Tram von Bury nach Manchester so wirklich darüber nachgedacht, was ihn hier eigentlich erwarten wurde. In der Straßenbahn, als diese quietschend durch die Gegend getrödelt war, mitten unter Familien, Jugendlichen und Freunden in reger Diskussion über die Erwartungen ans neue Jahr, hatte er sich so wahnsinnig fehl am Platz gefühlt. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Gib den Dingen Zeit, mein Junge</span>; hatte William gesagt, sein alter Kollege aus Bury. Selbst er hatte Elliot nur so halb verstanden. Oder vielleicht konnte Elliot sich auch einfach niur nicht richtig erklären. <br />
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Am St. Peters Square war er zusammen mit einer ganzen Menge junger Leute ausgestiegen - hatte beobachtete, wie so viele von ihnen trotz des Datums tapfer zur Bibliothek stampften und einige die Straße hoch zum Kunstmuseum, in dem auch er schon als Schüler gewesen war. Und dann war er die wenigen Schritte zur Mulberry Street gegangen, den Trageriemen der Reisetasche über einer Schulter und der Kollar fast wie ein Kostüm. Und nun steht er hier, unsicher, zögerlich. Aber half ja alles nichts. Die Hand, die den Riemen der Tasche noch etwas höher zieht, schmerzt dabei und er schüttelt den Kopf. Er sollte sich zusammen reißen. Würde ihm sein neuer Kollege schon nicht auf den ersten Blick ansehen, die Tatsache, dass er hier kurz vorm Zusammenfallen war. Falls doch, würde Wunschdenken vielleicht auch erst mal ausreichen. <br />
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Bevor er sich versieht macht er den Schritt die halbe Treppenstufe hoch zum Eingang des Pfarrhauses und klingelt. Theoretisch könnte er die Tür auch selber aufschließen - die Diözese hatte ihm schon in der vergangenen Woche einen Schlüssel zum Pfarrhaus gegeben, zusammen mit einem ganzen Schwall Unterlagen, neuen Siegeln und mehr Informationen, als er in dem Moment hatte aufnehmen können. Aber er fühlt sich nicht wohl bei dem Gedanken, einfach selber aufzuschließen und hinein zu platzen, auch wenn es nun wohl sein Zuhause sein sollte. Noch war es das seines Kollegen - Ronan Lynch, Anfang 30, ein Oscott-Seminarist, war die Aussage vom Assistent des Bischofs und so erst mal wenig auskunftsreich. Elliot hatte zu viele Jahre außerhalb der Diözese gearbeitet, um seine Kollegen noch zu kennen. Nun ist er aber hier. Nach kurzem Warten öffnet sich die Tür und er blickt in das Gesicht eines Mannes ungefähr seines Alters, dunkle Haare, dunkle Augen. <br />
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<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Eh, hi.”</span> Awkward. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Father Lynch?”</span> Vielleicht eine überflüssige Frage, angesichts der Tatsache, dass er gerade die Tür zum Pfarrhaus geöffnet hatte.<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> “Calhoun. Elliot Calhoun.”</span><span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> Ich bin der neue Kollege</span> liegt ihm auf der Zunge, aber er schluck’s doch runter, weil’s irgendwie lächerlich klingt. Früher einmal, da hätte sich ein charmantes Lächeln auf seine Lippen geschoben und seine Begeisterung über die neue Stelle, eine Zusammenarbeit, einen gemeinsamen Dienst im Name des Herrn wäre überschwänglich gewesen. Und jetzt? Jetzt weiß er nicht mal, wie er sich vorstellen soll. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Der Bischof sendet mich. Ich soll die offene Pfarrstelle übernehmen …?”</span> Am Ende klingt es doch wie eine Frage und Elliot fühlt sich auf dem Türabsatz, mit vor Regen leicht tropfenden Haaren, etwas wie bestellt und nicht abgeholt. Ist ihm natürlich klar, dass Lynch längst Bescheid wissen wird, immerhin wird man ihn über seinen neuen Kollegen und Mitbewohner informiert haben. Gleichermaßen etwas irritiert über sich selbst und erwartungsvoll sieht Elliot zu dem Priester und hofft, dass der lieber das Reden übernimmt. Damit tut er sich selbst scheinbar etwas schwer, - stellt überrascht fest, dass seine Stimme etwas belegt ist, weil er in den letzten Tagen, Wochen doch so wenig gesagt hat, wie möglich.]]></content:encoded>
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			<title><![CDATA[And you should put up and shut up - It's character building]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2575</link>
			<pubDate>Wed, 09 Jul 2025 23:18:05 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=110">Padraig Lynch</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2575</guid>
			<description><![CDATA[Ein <i>Segen</i> auch, dass er quasi nie einen Wecker stellen musste, weil in seinem Leben und Biorhythmus früh aufstehen nicht vorgesehen war. Die meiste Zeit. Zweimal hatte er die Woche schon vor Mittag rausgemusst für Wohnungsbesichtigung, aber um 10 wo sein sprengte wirklich seine Vorstellungskraft. Immerhin war sein Bart schon halbwegs in Form von den vorangegangenen offiziellen Terminen und sparte ihm sicher eine halbe Stunde beim Barbier. Erst hatte Pat versucht, das <i>Problem</i> Zuhause anzugehen, aber aus dem verstopften Waschbecken und zwei Stunden Klempner spielen hatte er gelernt.<br />
Außerdem ganz geil mal außer Haus zu sein und nicht ständig auf Josh rumzuhocken. So sehr er den lieb hatte, es war echt kein Zustand, war ihm spätestens nach ner optimistischen Woche aufgefallen. Sogar Potato wurd’s zu eng, die lag oft sehnsüchtig vor der Wohnungstür und tat so, als würd sie freiwillig an die frische Luft gehen wollen.<br />
Die hätt er heut gern mitgenommen, aber als er zuletzt gecheckt hatte, hatten Hunde nicht in die Kirche gedurft, auch nicht, wenn sie in handliche Taschen verpackt waren. Aber dem Köter bisschen Ohren kraulen half halt eben alles und vor allem gegen diese Nervosität, die ihn immer wieder einholte, wenn Pat sich in so ein Gotteshaus begab.<br />
<br />
Das weiße Hemd hatte Flecken gehabt, deswegen war er auf das schwarze gewechselt mit einem Jackett drüber, das zwar nicht mehr zuging, aber halbwegs war hermachte (sagten alle). Ostern war ja noch hin, wenn er wieder mit der ganzen Bagage hier aufkreuzte in einer Mischung aus Höflichkeit und Angst davor, in die Hölle zu kommen. Dass man gegen diese Angst auch beichten gehen müsste, das mochte ja sein und Ronan hatte ihm mehrfach versichert, dass er das nicht bei ihm machen musste, aber—Pat wusste halt auch nicht, was man da loswerden sollte. Früher hatte er wenigstens mal noch was geklaut oder wen gehauen, jetzt saß er die meiste Zeit halt rum, arbeitete, trank Bier (er fand das nicht so deprimierend, wie es klang). <br />
<br />
Zur Geschichte mit dem trockenen Brot und dem Wein blieb er jedenfalls sitzen, auch wenn er Bock auf den Alkohol gehabt hätte. (Un)auffällig hatte er sich einen Platz in der vorvorletzten Reihe gesucht, weil er eventuell fünf Minuten zu spät in die Kirche geschlichen war mit der knarrenden Tür. Hatte dann brav und geduldig seinem Bruder zugehört und war auch fast nicht eingeschlafen – wie lange ging das eigentlich immer?! Nein ging schon, der machte das echt gut, aber dessen Stimme hatte auch sowas Beruhigendes, de hatte Pat schon immer gerne zugehört, solange der nicht einen auf vorwurfsvoll machte. Da konnte sich Ronan noch so sehr Mühe geben, geduldig zu klingen, Pat hörte den Unterschied ganz genau, dafür kannten sie sich einfach lange genug.<br />
Er wartete, bis die Kirche sich leerte, und wippte mit dem Bein in wachsender Nervosität, weil er sich nicht so richtig gut überlegt hatte, wie und was er Ronan alles erzählen wollte. Der hatte ihn eh schon entdeckt, weil Ronan immer jeden so anguckte, als würd er dich ganz genau <i>sehen</i> und glaubte ihm. Dann schob er sich aus der Sitzbank und überlegte in der halben Drehung in die falsche Richtung doch nochmal, ob er nicht lieber draußen rauchen gehen wollte, und vor allem weg aus diesem riesen Raum, wo jeder Schritt verdächtig hallte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ein <i>Segen</i> auch, dass er quasi nie einen Wecker stellen musste, weil in seinem Leben und Biorhythmus früh aufstehen nicht vorgesehen war. Die meiste Zeit. Zweimal hatte er die Woche schon vor Mittag rausgemusst für Wohnungsbesichtigung, aber um 10 wo sein sprengte wirklich seine Vorstellungskraft. Immerhin war sein Bart schon halbwegs in Form von den vorangegangenen offiziellen Terminen und sparte ihm sicher eine halbe Stunde beim Barbier. Erst hatte Pat versucht, das <i>Problem</i> Zuhause anzugehen, aber aus dem verstopften Waschbecken und zwei Stunden Klempner spielen hatte er gelernt.<br />
Außerdem ganz geil mal außer Haus zu sein und nicht ständig auf Josh rumzuhocken. So sehr er den lieb hatte, es war echt kein Zustand, war ihm spätestens nach ner optimistischen Woche aufgefallen. Sogar Potato wurd’s zu eng, die lag oft sehnsüchtig vor der Wohnungstür und tat so, als würd sie freiwillig an die frische Luft gehen wollen.<br />
Die hätt er heut gern mitgenommen, aber als er zuletzt gecheckt hatte, hatten Hunde nicht in die Kirche gedurft, auch nicht, wenn sie in handliche Taschen verpackt waren. Aber dem Köter bisschen Ohren kraulen half halt eben alles und vor allem gegen diese Nervosität, die ihn immer wieder einholte, wenn Pat sich in so ein Gotteshaus begab.<br />
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Das weiße Hemd hatte Flecken gehabt, deswegen war er auf das schwarze gewechselt mit einem Jackett drüber, das zwar nicht mehr zuging, aber halbwegs war hermachte (sagten alle). Ostern war ja noch hin, wenn er wieder mit der ganzen Bagage hier aufkreuzte in einer Mischung aus Höflichkeit und Angst davor, in die Hölle zu kommen. Dass man gegen diese Angst auch beichten gehen müsste, das mochte ja sein und Ronan hatte ihm mehrfach versichert, dass er das nicht bei ihm machen musste, aber—Pat wusste halt auch nicht, was man da loswerden sollte. Früher hatte er wenigstens mal noch was geklaut oder wen gehauen, jetzt saß er die meiste Zeit halt rum, arbeitete, trank Bier (er fand das nicht so deprimierend, wie es klang). <br />
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Zur Geschichte mit dem trockenen Brot und dem Wein blieb er jedenfalls sitzen, auch wenn er Bock auf den Alkohol gehabt hätte. (Un)auffällig hatte er sich einen Platz in der vorvorletzten Reihe gesucht, weil er eventuell fünf Minuten zu spät in die Kirche geschlichen war mit der knarrenden Tür. Hatte dann brav und geduldig seinem Bruder zugehört und war auch fast nicht eingeschlafen – wie lange ging das eigentlich immer?! Nein ging schon, der machte das echt gut, aber dessen Stimme hatte auch sowas Beruhigendes, de hatte Pat schon immer gerne zugehört, solange der nicht einen auf vorwurfsvoll machte. Da konnte sich Ronan noch so sehr Mühe geben, geduldig zu klingen, Pat hörte den Unterschied ganz genau, dafür kannten sie sich einfach lange genug.<br />
Er wartete, bis die Kirche sich leerte, und wippte mit dem Bein in wachsender Nervosität, weil er sich nicht so richtig gut überlegt hatte, wie und was er Ronan alles erzählen wollte. Der hatte ihn eh schon entdeckt, weil Ronan immer jeden so anguckte, als würd er dich ganz genau <i>sehen</i> und glaubte ihm. Dann schob er sich aus der Sitzbank und überlegte in der halben Drehung in die falsche Richtung doch nochmal, ob er nicht lieber draußen rauchen gehen wollte, und vor allem weg aus diesem riesen Raum, wo jeder Schritt verdächtig hallte.]]></content:encoded>
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