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		<title><![CDATA[Lost the plot - A-B-C]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Fri, 26 Jun 2026 19:44:15 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Charlotte Bernstein]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2632</link>
			<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 20:37:46 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=559">Charlotte Bernstein</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2632</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Charlotte Bernstein</div>
  <div class="p3">wild eyed, soft heart. </div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">This is who I am. Nobody said you had to like it. </div>
    </div>
    <img src="https://i.ibb.co/zV2wmrXB/Neues-Projekt-2.jpg"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>telfi</div>
      <div>Alter // 31 Jahre</div>
      <div>
        Job // Tactical Officer</div>
      <div>
        Pizza // Sardellen</div>
      <div>
        Ava // Candice Patton</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://64.media.tumblr.com/3bfef61353ff6bbdfb1b4e1ea9e0bc3e/dbb9940f6011c378-25/s400x600/d441db74c59836a7e77a35d895d079b0385f1b79.gif"><br />
      </div>
      Wer du bist? Charlotte Bernstein. Lotta bitte. Absolut niemand hätte zu Beginn gedacht, dass ausgerechnet Du – mit Legasthenie, Kontrollbedürfnis und einem sehr ausgeprägten Sinn für Ordnung, Farbkonzepte und Dinge, die <i>zusammenpassen müssen</i> – bei der Polizei landest. Noch weniger, dass Du Dich freiwillig in Hochrisikolagen stellst, während andere schon bei Teammeetings nervös werden. Aber hier sind wir. Tactical Officer bei der GMP, spezialisiert auf Durchsuchungen, Planung, Analyse und tiefe Atemzüge kurz bevor es ernst wird. Schwanger jetzt, langsamer, vorsichtiger, sehr zum eigenen inneren Widerstand. Hilfe annehmen gehört nicht zu Deinen Lieblingsdisziplinen, aber du übst.<br />
Du bist mit Pole Dance gross geworden (Bonding mit der Mutter, lange Geschichte), hast daraus mit einer Freundin ein Studio gemacht und damit gleich mehreren Männern in deinem Umfeld erfolgreich die Midlifecrisis ruiniert. Coping kannst Du auch: Struktur, Vorbereitung, Humor, Essen in sehr fragwürdigen Kombinationen (ausser die Bananen vom Containern) und Lieben mit vollem Risiko (nicht immer gewollt). Deine Familie ist laut, gross, divers, ehrlich bis zur Schmerzgrenze – und du mittendrin, ein bisschen Beobachterin, immer beteiligt. Du riechst zu viel, denkst zu viel und hast Angst, ersetzt zu werden, selbst wenn dich gerade alle brauchen. Man lernt Dich gern kennen, weil du nicht versuchst, einfacher zu sein, als du bist. Und weil du bleibst. <br />
<br />
    </div>
    <div class="p8">2. Februar 2017, 18:47 Uhr</div>
Meine Füsse tun weh, meine Knöchel sehen aus, als wären sie nicht meine, sondern die von Ludmilla - Milly - Petrov, einer ehemaligen Nachbarin in ihren 80ern. Ich weiss das so genau, weil sie im Sommer immer diese altmodischen Blumenkleider getragen hat. Die vom Flohmarkt. Dass die vom Flohmarkt sind, weiss ich wiederum weil Jesús das zum Samstagsnachmittagssport erklärt hat: Günstige <del>möglichst gebrauchte</del> Babykleider kaufen. Sie passen farblich alle nicht so zusammen, wie ich das möchte. Aber ich gebe mein Bestes sie jetzt schon zu sortieren: Von <i>ziehe-ich-meinem-Jungen-niemals-an</i> zu <i>falls-er-sich-einkackt-sind-sie-gut</i>. Jesús Geschmack ist 50% heruntergesetzt. Das und seine Flanellhemden. Die sind sexy, aber gerade kann ich sie nicht mehr selbst wie eine hot-wife überziehen, weil ich die Knöpfe um meinen Bauch nicht schliessen kann. Die Tür geht auf und mein Mann kommt rein: <b>«Na»</b>, ich grinse so breit, dass mir beinahe die Zähne rausfallen. <v>«Können wir Pizza bestellen?»</b>, er hebt den 50%-Rabatt-Pizzateig hoch. Natürlich! <b>«Und…»</b> - Oliven! Bester. Gleichzeitig tunke ich gerade meine Essiggurke in das Vanille-Joghurt. Gott, ich bin eklig. Er setzt sich zu mir und ich schiebe meine Füsse auf seinen Schoss, ehe er sich vorbeugt, mich küsst und ich ihn entschuldigend anlächle wegen des Geschmackserlebnisses. Ich atme tief ein und mein Lächeln verfliegt so schnell, wie es erschienen ist: <b>«Du riechst nach Megans Miss Sixty.»</b> Eigentlich ist es Jean Paul Gaultiere. Seit ich schwanger bin, bin ich wie ein Spürhund. Ich rieche alle und im erstem Trimester hat mich auch alles zum Kotzen gebracht: Vor allem Jean Paul. <br />
Natürlich musste mal wieder was geflickt werden in Megans clean-girl-Wohnung. <i>Sie ist nur eine Freundin</i> - klar. Er verstand nicht. Megan wollte ein Stück Daddy. Aber dieser Daddy war schon besetzt, so ähnlich wie wenn man Weihnachtsgebäck anleckte, damit niemand andere es einem wegfrass. Daddy Jesús war ihr Zimtstern. Es wäre nicht unsere erste Diskussion wegen Megan, auch nicht unsere Letzte wegen jemand anderem. Oder etwa anderem. Wie, als er mich <u>monatelang</u> auf meinem <i>Ich-liebe-dich</i> hat sitzen lassen. Aber in der Zwischenzeit hat er alles mögliche geliebt: Pasta, seinen Akkuschrauber, Gummibärchen und meinen Vater. <br />
Gerade habe ich den Schwangerschaftsbonus. Er geht duschen und wäscht sich Jean Paul ab. Und ich esse meine Vanille-Gurken weiter, solange bis ich sie angeekelt von mir zur Seite lege und auf die glänzende Polestange im Wohnzimmer sehe. Ich könnte aufstehen und ein paar Runden drehen. Aber ich spüre auch, dass sich meine Blase meldet und während Jesús gerne bei offener Tür pinkelt, mache ich das… naja eigentlich gar nicht. <br />
<br />
Zum Pole bin ich gekommen, als ich Dreizehn war. Bondingmoment mit meiner Mutter. Das Polestudio hat ungefähr ein Jahr in Cockwood überlebt. Die Polstange ist seitdem nicht mehr wegzudenken. Meine Ma wollte sie erst in mein Zimmer stellen – aber mein Vater meinte, dass da nicht geht: <i>eine Stripperstange im Zimmer einer Vierzehnjährigen</i>. Ich war eine besondere Vierzehnjährige – trotzdem stand die Stange nicht in meinem Zimmer. Sondern im Flur. Gut gemacht Papa. Meine Mutter und ich haben nach der Schliessung des Studios Onlinekurse belegt. Irgendwann war ich besser, als meine Mutter und weil ich daran rumgeturnt habe, gab es definitiv keine sexy Showeinlagen von meiner Mutter für meinen Vater. Ich habe die Stripperstange sozusagen für alle Männer in dieser Familie entsexualisiert – wahrscheinlich wird keiner von ihnen jemals in der Midlifecrisis sein Geld im Schuppen um die Ecke mit den Stangen verprassen. Man sollte mir danken. Nach meiner Ausbildung – damals dann schon in Manchester – habe ich mit meiner Freundin Kanya das <b>flying mermaid</b> eröffnet. Wir haben gemeinsam investiert, meine Eltern haben noch mitgeholfen und mit den Jahren ist es zur eigenen kleinen Einnahmequelle geworden. Es ist nicht viel, aber ich kann einige Dinge damit bezahlen – leider keine neuen Schuhe. Ausser es ist Secondhand – aber gut unser Sohn wird anscheinend Doktor und braucht eine lange Ausbildung. Wenn er meine Legasthenie erbt, dann wird er sich an keinem Studium versuchen, in dem man zehn Jahre auswendig lernen muss. Ich schaue auf, als ich die Tür zum Bad höre und mein wirklich teures Duschgel rieche, das Jesús sich wahrscheinlich auf den Körper reibt, als würde es einen Zehntel von dem kosten, was der Wirklichkeit entspricht. Ich kann ihm nicht sagen, dass die Flasche 28 Pfund gekostet hat. Und auch nicht, dass das neue Bild im Flur nicht vom Flohmarkt ist, sondern beim Künstler in Cockwood direkt gekauft wurde. Meine Finger tasten nach meinem Bauch, ich spüre die Bewegungen unter meinen Fingern – heute sanft. An manchen Tagen nicht so. Wir sind noch auf Namenssuche: Wir haben einige Vetos. Aber egal, welchen Namen er bekommt, seine Familie wird ihn lieben. Meine. Eigentlich ist sie das Interessanteste an mir. Meine Mutter; Aishwarya, Gynäkologin Schrägstrich Sexualtherapeutin. Ich wurde schon früh mit Kuschelmuschis aufgeklärt. Sie ist laut und erzählt für ihr Leben gerne. Diskussionen am Tisch sind immer enttarnend, offen und wirklich oft so unangenehm, dass Dinesh (mein Bruder) aufsteht und mit meinem Vater so tut, als würden sie draussen rauchen. Die beiden rauchen nicht. Aber sie machen Fake-Raucherpausen von meiner Mutter.<br />
Dinesh ist ihr leiblicher Sohn. Er ist älter als ich. Mein Vater hat ihn adoptiert. Dwayne Clancy. Ich sehe auf, packe meine Beine über Jesús Schoss und betrachte seine trocken gerubbelten Haare. <b>«Frottee»</b>, erwidere ich mit einem Unterton und schnalzender Zunge, bevor ich auflache. Wenn er deswegen bald eine Glatze bekommt, müssen wir uns den Türkeiurlaub leisten. Ich kann nicht ohne seine Locken. Ähnlich, wie mein Vater nicht mehr ohne Jesús kann. Ich habe längst herausgefunden, dass ihre Joggingdates eigentlich Verabredungen im Pub sind. Oder beim Italiener. Als wären sie ein süsses Paar und nicht er und ich. Mein Vater ist Lehrer und war schon vor meiner Mutter verheiratet. Wir verstehen uns alle gut – zwei Familien, die zu einer wurden. Wir machen sogar ab und zu zusammen Urlaub. Dad klärt uns dann über Plattentektonik, Kultur und Wolken auf. Er ist Geografielehrer. <br />
Ich habe noch zwei Schwestern. Meine Eltern haben die beiden adoptiert, als sie noch sehr jung waren. Aber zuerst waren sie zur Pflege bei uns. Mit Jamala – Jaz – wohne ich schon seit Jahren zusammen. Sie studiert Kunst und wenn sie nicht irgendwo Farbflecken hat oder den Johnny hinterm Ohr vergisst, ist sie krank. Sie unterrichtet auch im flying mermaid. Sie übernimmt oft einige meiner Kurse. Nur die Masterklassen macht meine Studiopartnerin.  Shani ist Jaz leibliche Schwester. Gib ihr Drake und sie vibed. Hotline Bling läuft bei uns auf und ab. Am 12. Februar ist er in Manchester und kein tretendes Baby in meinem Uterus hält mich davon ab mit meinen Schwestern dahin zu gehen. Bei Riri waren wir natürlich auch Ende Juni 2016. <br />
Ich greife nach meinem Handy, beobachte aber noch die Bewegungen von Jesús Fingern über meinen Fussrist: Seine eine Hand dort, die andere auch am Handy. Er schreibt Ama. Hamza hat mir ein Foto geschickt – mein zweiter Halbbruder. Ich grinse und drehe das Handy, um es mit meinem Mann zu teilen. <b>«Ich frag ihn ob er Samstag mit Anisa zum Essen kommt»</b>, meine Finger tippen schneller, als Jesús antworten kann. Ich mag momentan Ablenkung, ich hadere mit meiner baldigen Arbeitspause – gleichzeitig freue ich mich darauf. Ich will ein Jahr aussetzen. Aber ich habe trotzdem Sorge ersetzt zu werden. Vielleicht brauche ich manchmal etwas zu viel Kontrolle. Ich hatte als Kind ständig das Gefühl langsamer zu sein wegen meiner Legasthenie. Ich bin gerne vorbereitet, Improvisation ist manchmal zu riskant. Die Schwangerschaft stellt mich auf die Probe. Ich bin oft müde, meine Füsse tun weh und meine Grenzen sind nicht mehr nur meine. Ich bin langsamer und vorsichtiger geworden und vor allem angewiesen auf andere. Ich versuche trotzdem noch alles selbst zu machen, bis ich schnaubend stoppen muss, weil jemand mir helfen <u>muss</u>. Ich sehe zu Jesús und dann zum Wasserglas, blinzle. Er reicht es mir, weil ich nicht danach fragen muss. Es sind die kleinen Dinge. Ich glaube er weiss, wie ungern ich frage. <br />
<br />
Etwas später steht er in der Küche und macht Pizza. Ich rieche die Tomatensauce. Ich vermisse Sushi. Ob Sushi auf Pizza passen würde? Gut darf ich noch Sardellen auf Pizza packen. Wichtige Omega-3-Fettsäuren fürs Baby – und ich halte beinahe den Finger belehrend in die Luft, während ich daran denke. Meine Finger gleiten über die Tastatur des Laptops, zu meinen Füssen liegt Wackylickle. Die Katze mag mich eigentlich nicht besonders, aber seit ich schwanger bin liegt sie immer auf meinen Füssen und scheint den Raum von dort aus zu scannen. In einem anderen Leben wäre sie auch Polizistin. Wie ich. Oder ein obsessiver Stalker. Die Grenzen sind schmal. Vielleicht würde sie nicht nur die akademischen Mindestanforderungen für den Polizeidienst schaffen, so wie ich. Sport, praktische Fächer und Teamarbeit waren schon immer eher meine Stärken. Meine GCSEs waren knapp, aber erfolgreich genug. Ich hatte einen Nachteilsausgleich, das war gut. Danach habe ich eine Zeit lang in einem Fitnessstudio gearbeitet, dort meinen Exfreund kennen gelernt. Es vergingen noch ein paar Jahre bis er und ich dann gedatet haben. Joel hat das Heiss-Kalt-Spiel perfektioniert. ‘Baby es liegt nicht an dir, aber erinnere dich immer ich liebe dich. Der Moment ist nicht gut, aber wir gehören zusammen’ – Wichser. Aber ich verliebe mich auch zu schnell – davon kann Jesús ein Lied singen. Mein Ich-liebe-dich kam Monate vor seinem. Und ich war schon in unserer <i>casualen</i> Zeit verloren. Manchmal frage ich mich, ob wir auch unter normalen Umständen schon verheiratet wären. Wahrscheinlich nicht – ein weiteres Kind stand nicht auf seinem vision-board und auf meinem <i>nur</i> nicht, weil meine Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden sehr tiefprozentig waren. Da hat mein Uterus nicht mit Jesús kleinen Usain Bolts gerechnet. <br />
Mein Beruf ist vielleicht keine red flag für Jesús, aber sie flattert orange. Genauso wie für seine Tochter. Es ist schwierig als schwarze Frau im Polizeidienst, dabei braucht es mehr von uns. Aber ich verstehe das Zögern von jeder einzelnen. Ich bin seit einem Jahr Tactical Officer in der Tactical Aid Unit (TAU) der GMP. Ich bin spezialisiert auf Durchsuchungen, Hochrisiko-Lagen, Schutzmassnahmen und taktische Einsätze. Ich arbeite nur noch eingeschränkt und nicht mehr lange. Ich habe meine Schwangerschaft früh gemeldet, damit fielen Trainings mit hohen Verletzungsrisiko sofort weg. Zu Beginn war ich noch im operativen Dienst, aber seit dem sechsten Monat übernehme ich vor allem Planungsarbeit, Einsatznachbesprechungen, Analysen und Mentoring. <br />
Ich strample mich aus meiner Position hoch und spaziere mit hinter dem Rücken verschränkten Händen unschuldig in die Küche. Wenn ich meine Arme jetzt ausstrecke dann umarme ich bald nur noch meinen Bauch und kann Jesús nicht mehr berühren. Ich küsse seine Schulter und warte bis er sich dreht, damit er die Arme um mich schlingt und ich mich dort hinein lehnen kann. Ein spanisches ‘Ich-liebe-dich’ und ich antworte mit: <B>«Danke sehr.»</b><br />
Ein Grinsen. <br />
<br />
  </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Charlotte Bernstein</div>
  <div class="p3">wild eyed, soft heart. </div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">This is who I am. Nobody said you had to like it. </div>
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    <img src="https://i.ibb.co/zV2wmrXB/Neues-Projekt-2.jpg"><br />
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    <div class="lfacts">
      <div>telfi</div>
      <div>Alter // 31 Jahre</div>
      <div>
        Job // Tactical Officer</div>
      <div>
        Pizza // Sardellen</div>
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        Ava // Candice Patton</div>
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    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://64.media.tumblr.com/3bfef61353ff6bbdfb1b4e1ea9e0bc3e/dbb9940f6011c378-25/s400x600/d441db74c59836a7e77a35d895d079b0385f1b79.gif"><br />
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      Wer du bist? Charlotte Bernstein. Lotta bitte. Absolut niemand hätte zu Beginn gedacht, dass ausgerechnet Du – mit Legasthenie, Kontrollbedürfnis und einem sehr ausgeprägten Sinn für Ordnung, Farbkonzepte und Dinge, die <i>zusammenpassen müssen</i> – bei der Polizei landest. Noch weniger, dass Du Dich freiwillig in Hochrisikolagen stellst, während andere schon bei Teammeetings nervös werden. Aber hier sind wir. Tactical Officer bei der GMP, spezialisiert auf Durchsuchungen, Planung, Analyse und tiefe Atemzüge kurz bevor es ernst wird. Schwanger jetzt, langsamer, vorsichtiger, sehr zum eigenen inneren Widerstand. Hilfe annehmen gehört nicht zu Deinen Lieblingsdisziplinen, aber du übst.<br />
Du bist mit Pole Dance gross geworden (Bonding mit der Mutter, lange Geschichte), hast daraus mit einer Freundin ein Studio gemacht und damit gleich mehreren Männern in deinem Umfeld erfolgreich die Midlifecrisis ruiniert. Coping kannst Du auch: Struktur, Vorbereitung, Humor, Essen in sehr fragwürdigen Kombinationen (ausser die Bananen vom Containern) und Lieben mit vollem Risiko (nicht immer gewollt). Deine Familie ist laut, gross, divers, ehrlich bis zur Schmerzgrenze – und du mittendrin, ein bisschen Beobachterin, immer beteiligt. Du riechst zu viel, denkst zu viel und hast Angst, ersetzt zu werden, selbst wenn dich gerade alle brauchen. Man lernt Dich gern kennen, weil du nicht versuchst, einfacher zu sein, als du bist. Und weil du bleibst. <br />
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    </div>
    <div class="p8">2. Februar 2017, 18:47 Uhr</div>
Meine Füsse tun weh, meine Knöchel sehen aus, als wären sie nicht meine, sondern die von Ludmilla - Milly - Petrov, einer ehemaligen Nachbarin in ihren 80ern. Ich weiss das so genau, weil sie im Sommer immer diese altmodischen Blumenkleider getragen hat. Die vom Flohmarkt. Dass die vom Flohmarkt sind, weiss ich wiederum weil Jesús das zum Samstagsnachmittagssport erklärt hat: Günstige <del>möglichst gebrauchte</del> Babykleider kaufen. Sie passen farblich alle nicht so zusammen, wie ich das möchte. Aber ich gebe mein Bestes sie jetzt schon zu sortieren: Von <i>ziehe-ich-meinem-Jungen-niemals-an</i> zu <i>falls-er-sich-einkackt-sind-sie-gut</i>. Jesús Geschmack ist 50% heruntergesetzt. Das und seine Flanellhemden. Die sind sexy, aber gerade kann ich sie nicht mehr selbst wie eine hot-wife überziehen, weil ich die Knöpfe um meinen Bauch nicht schliessen kann. Die Tür geht auf und mein Mann kommt rein: <b>«Na»</b>, ich grinse so breit, dass mir beinahe die Zähne rausfallen. <v>«Können wir Pizza bestellen?»</b>, er hebt den 50%-Rabatt-Pizzateig hoch. Natürlich! <b>«Und…»</b> - Oliven! Bester. Gleichzeitig tunke ich gerade meine Essiggurke in das Vanille-Joghurt. Gott, ich bin eklig. Er setzt sich zu mir und ich schiebe meine Füsse auf seinen Schoss, ehe er sich vorbeugt, mich küsst und ich ihn entschuldigend anlächle wegen des Geschmackserlebnisses. Ich atme tief ein und mein Lächeln verfliegt so schnell, wie es erschienen ist: <b>«Du riechst nach Megans Miss Sixty.»</b> Eigentlich ist es Jean Paul Gaultiere. Seit ich schwanger bin, bin ich wie ein Spürhund. Ich rieche alle und im erstem Trimester hat mich auch alles zum Kotzen gebracht: Vor allem Jean Paul. <br />
Natürlich musste mal wieder was geflickt werden in Megans clean-girl-Wohnung. <i>Sie ist nur eine Freundin</i> - klar. Er verstand nicht. Megan wollte ein Stück Daddy. Aber dieser Daddy war schon besetzt, so ähnlich wie wenn man Weihnachtsgebäck anleckte, damit niemand andere es einem wegfrass. Daddy Jesús war ihr Zimtstern. Es wäre nicht unsere erste Diskussion wegen Megan, auch nicht unsere Letzte wegen jemand anderem. Oder etwa anderem. Wie, als er mich <u>monatelang</u> auf meinem <i>Ich-liebe-dich</i> hat sitzen lassen. Aber in der Zwischenzeit hat er alles mögliche geliebt: Pasta, seinen Akkuschrauber, Gummibärchen und meinen Vater. <br />
Gerade habe ich den Schwangerschaftsbonus. Er geht duschen und wäscht sich Jean Paul ab. Und ich esse meine Vanille-Gurken weiter, solange bis ich sie angeekelt von mir zur Seite lege und auf die glänzende Polestange im Wohnzimmer sehe. Ich könnte aufstehen und ein paar Runden drehen. Aber ich spüre auch, dass sich meine Blase meldet und während Jesús gerne bei offener Tür pinkelt, mache ich das… naja eigentlich gar nicht. <br />
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Zum Pole bin ich gekommen, als ich Dreizehn war. Bondingmoment mit meiner Mutter. Das Polestudio hat ungefähr ein Jahr in Cockwood überlebt. Die Polstange ist seitdem nicht mehr wegzudenken. Meine Ma wollte sie erst in mein Zimmer stellen – aber mein Vater meinte, dass da nicht geht: <i>eine Stripperstange im Zimmer einer Vierzehnjährigen</i>. Ich war eine besondere Vierzehnjährige – trotzdem stand die Stange nicht in meinem Zimmer. Sondern im Flur. Gut gemacht Papa. Meine Mutter und ich haben nach der Schliessung des Studios Onlinekurse belegt. Irgendwann war ich besser, als meine Mutter und weil ich daran rumgeturnt habe, gab es definitiv keine sexy Showeinlagen von meiner Mutter für meinen Vater. Ich habe die Stripperstange sozusagen für alle Männer in dieser Familie entsexualisiert – wahrscheinlich wird keiner von ihnen jemals in der Midlifecrisis sein Geld im Schuppen um die Ecke mit den Stangen verprassen. Man sollte mir danken. Nach meiner Ausbildung – damals dann schon in Manchester – habe ich mit meiner Freundin Kanya das <b>flying mermaid</b> eröffnet. Wir haben gemeinsam investiert, meine Eltern haben noch mitgeholfen und mit den Jahren ist es zur eigenen kleinen Einnahmequelle geworden. Es ist nicht viel, aber ich kann einige Dinge damit bezahlen – leider keine neuen Schuhe. Ausser es ist Secondhand – aber gut unser Sohn wird anscheinend Doktor und braucht eine lange Ausbildung. Wenn er meine Legasthenie erbt, dann wird er sich an keinem Studium versuchen, in dem man zehn Jahre auswendig lernen muss. Ich schaue auf, als ich die Tür zum Bad höre und mein wirklich teures Duschgel rieche, das Jesús sich wahrscheinlich auf den Körper reibt, als würde es einen Zehntel von dem kosten, was der Wirklichkeit entspricht. Ich kann ihm nicht sagen, dass die Flasche 28 Pfund gekostet hat. Und auch nicht, dass das neue Bild im Flur nicht vom Flohmarkt ist, sondern beim Künstler in Cockwood direkt gekauft wurde. Meine Finger tasten nach meinem Bauch, ich spüre die Bewegungen unter meinen Fingern – heute sanft. An manchen Tagen nicht so. Wir sind noch auf Namenssuche: Wir haben einige Vetos. Aber egal, welchen Namen er bekommt, seine Familie wird ihn lieben. Meine. Eigentlich ist sie das Interessanteste an mir. Meine Mutter; Aishwarya, Gynäkologin Schrägstrich Sexualtherapeutin. Ich wurde schon früh mit Kuschelmuschis aufgeklärt. Sie ist laut und erzählt für ihr Leben gerne. Diskussionen am Tisch sind immer enttarnend, offen und wirklich oft so unangenehm, dass Dinesh (mein Bruder) aufsteht und mit meinem Vater so tut, als würden sie draussen rauchen. Die beiden rauchen nicht. Aber sie machen Fake-Raucherpausen von meiner Mutter.<br />
Dinesh ist ihr leiblicher Sohn. Er ist älter als ich. Mein Vater hat ihn adoptiert. Dwayne Clancy. Ich sehe auf, packe meine Beine über Jesús Schoss und betrachte seine trocken gerubbelten Haare. <b>«Frottee»</b>, erwidere ich mit einem Unterton und schnalzender Zunge, bevor ich auflache. Wenn er deswegen bald eine Glatze bekommt, müssen wir uns den Türkeiurlaub leisten. Ich kann nicht ohne seine Locken. Ähnlich, wie mein Vater nicht mehr ohne Jesús kann. Ich habe längst herausgefunden, dass ihre Joggingdates eigentlich Verabredungen im Pub sind. Oder beim Italiener. Als wären sie ein süsses Paar und nicht er und ich. Mein Vater ist Lehrer und war schon vor meiner Mutter verheiratet. Wir verstehen uns alle gut – zwei Familien, die zu einer wurden. Wir machen sogar ab und zu zusammen Urlaub. Dad klärt uns dann über Plattentektonik, Kultur und Wolken auf. Er ist Geografielehrer. <br />
Ich habe noch zwei Schwestern. Meine Eltern haben die beiden adoptiert, als sie noch sehr jung waren. Aber zuerst waren sie zur Pflege bei uns. Mit Jamala – Jaz – wohne ich schon seit Jahren zusammen. Sie studiert Kunst und wenn sie nicht irgendwo Farbflecken hat oder den Johnny hinterm Ohr vergisst, ist sie krank. Sie unterrichtet auch im flying mermaid. Sie übernimmt oft einige meiner Kurse. Nur die Masterklassen macht meine Studiopartnerin.  Shani ist Jaz leibliche Schwester. Gib ihr Drake und sie vibed. Hotline Bling läuft bei uns auf und ab. Am 12. Februar ist er in Manchester und kein tretendes Baby in meinem Uterus hält mich davon ab mit meinen Schwestern dahin zu gehen. Bei Riri waren wir natürlich auch Ende Juni 2016. <br />
Ich greife nach meinem Handy, beobachte aber noch die Bewegungen von Jesús Fingern über meinen Fussrist: Seine eine Hand dort, die andere auch am Handy. Er schreibt Ama. Hamza hat mir ein Foto geschickt – mein zweiter Halbbruder. Ich grinse und drehe das Handy, um es mit meinem Mann zu teilen. <b>«Ich frag ihn ob er Samstag mit Anisa zum Essen kommt»</b>, meine Finger tippen schneller, als Jesús antworten kann. Ich mag momentan Ablenkung, ich hadere mit meiner baldigen Arbeitspause – gleichzeitig freue ich mich darauf. Ich will ein Jahr aussetzen. Aber ich habe trotzdem Sorge ersetzt zu werden. Vielleicht brauche ich manchmal etwas zu viel Kontrolle. Ich hatte als Kind ständig das Gefühl langsamer zu sein wegen meiner Legasthenie. Ich bin gerne vorbereitet, Improvisation ist manchmal zu riskant. Die Schwangerschaft stellt mich auf die Probe. Ich bin oft müde, meine Füsse tun weh und meine Grenzen sind nicht mehr nur meine. Ich bin langsamer und vorsichtiger geworden und vor allem angewiesen auf andere. Ich versuche trotzdem noch alles selbst zu machen, bis ich schnaubend stoppen muss, weil jemand mir helfen <u>muss</u>. Ich sehe zu Jesús und dann zum Wasserglas, blinzle. Er reicht es mir, weil ich nicht danach fragen muss. Es sind die kleinen Dinge. Ich glaube er weiss, wie ungern ich frage. <br />
<br />
Etwas später steht er in der Küche und macht Pizza. Ich rieche die Tomatensauce. Ich vermisse Sushi. Ob Sushi auf Pizza passen würde? Gut darf ich noch Sardellen auf Pizza packen. Wichtige Omega-3-Fettsäuren fürs Baby – und ich halte beinahe den Finger belehrend in die Luft, während ich daran denke. Meine Finger gleiten über die Tastatur des Laptops, zu meinen Füssen liegt Wackylickle. Die Katze mag mich eigentlich nicht besonders, aber seit ich schwanger bin liegt sie immer auf meinen Füssen und scheint den Raum von dort aus zu scannen. In einem anderen Leben wäre sie auch Polizistin. Wie ich. Oder ein obsessiver Stalker. Die Grenzen sind schmal. Vielleicht würde sie nicht nur die akademischen Mindestanforderungen für den Polizeidienst schaffen, so wie ich. Sport, praktische Fächer und Teamarbeit waren schon immer eher meine Stärken. Meine GCSEs waren knapp, aber erfolgreich genug. Ich hatte einen Nachteilsausgleich, das war gut. Danach habe ich eine Zeit lang in einem Fitnessstudio gearbeitet, dort meinen Exfreund kennen gelernt. Es vergingen noch ein paar Jahre bis er und ich dann gedatet haben. Joel hat das Heiss-Kalt-Spiel perfektioniert. ‘Baby es liegt nicht an dir, aber erinnere dich immer ich liebe dich. Der Moment ist nicht gut, aber wir gehören zusammen’ – Wichser. Aber ich verliebe mich auch zu schnell – davon kann Jesús ein Lied singen. Mein Ich-liebe-dich kam Monate vor seinem. Und ich war schon in unserer <i>casualen</i> Zeit verloren. Manchmal frage ich mich, ob wir auch unter normalen Umständen schon verheiratet wären. Wahrscheinlich nicht – ein weiteres Kind stand nicht auf seinem vision-board und auf meinem <i>nur</i> nicht, weil meine Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden sehr tiefprozentig waren. Da hat mein Uterus nicht mit Jesús kleinen Usain Bolts gerechnet. <br />
Mein Beruf ist vielleicht keine red flag für Jesús, aber sie flattert orange. Genauso wie für seine Tochter. Es ist schwierig als schwarze Frau im Polizeidienst, dabei braucht es mehr von uns. Aber ich verstehe das Zögern von jeder einzelnen. Ich bin seit einem Jahr Tactical Officer in der Tactical Aid Unit (TAU) der GMP. Ich bin spezialisiert auf Durchsuchungen, Hochrisiko-Lagen, Schutzmassnahmen und taktische Einsätze. Ich arbeite nur noch eingeschränkt und nicht mehr lange. Ich habe meine Schwangerschaft früh gemeldet, damit fielen Trainings mit hohen Verletzungsrisiko sofort weg. Zu Beginn war ich noch im operativen Dienst, aber seit dem sechsten Monat übernehme ich vor allem Planungsarbeit, Einsatznachbesprechungen, Analysen und Mentoring. <br />
Ich strample mich aus meiner Position hoch und spaziere mit hinter dem Rücken verschränkten Händen unschuldig in die Küche. Wenn ich meine Arme jetzt ausstrecke dann umarme ich bald nur noch meinen Bauch und kann Jesús nicht mehr berühren. Ich küsse seine Schulter und warte bis er sich dreht, damit er die Arme um mich schlingt und ich mich dort hinein lehnen kann. Ein spanisches ‘Ich-liebe-dich’ und ich antworte mit: <B>«Danke sehr.»</b><br />
Ein Grinsen. <br />
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  </div>
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Adem Selimaj]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2563</link>
			<pubDate>Wed, 04 Jun 2025 14:53:07 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=543">Adem Selimaj</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2563</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki"><div class="p2">Adem 'Church' Konstandin Selimaj</div><div class="p3">Hab' keine Träume, ich hab' nur Hallus</div><div class="ph1"><div class="ph2"><div class="p9">„</div><div class="p10" style="text-transform: none; margin-top: 15px; width: 65%;">Würd' alles dafür geben um die Zeit zurückzudrehen und jetzt nochmal 15 zu sein und mir nochmal genau 1:1 so die Zukunft zu verbauen und es zu nichts zu bringen</div></div><div style="display: flex; justify-content: space-between; width: 100%;"><img src="https://i.ibb.co/j97pjCZ1/ezgif-1bf471d0d8df6d.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/D2MBrkP/ezgif-1289f719afba0d.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/WpW0wLY2/ezgif-17172c2d2d719e.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"></div></div>
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<table><tr><td class="p6">
<div class="feldu" style="width: 150px; margin-left: 5px;">Lee</div>
<div class="feldb2"><span class="bvpr">Alter // </span>30 Jahre</div><div class="feldb2" ><span class="bvpr">Job // </span>Automechaniker</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Pizza // </span>Napoli</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Ava // </span>Gianni Suave</div>
</td>
<td><div class="p7"><div class="p5-2"><img src="https://i.ibb.co/7dHPh00Y/say-some-3.gif" style="margin: 10px; height: 50px; width: 70px; object-fit: cover"></div>Mit einem Heiligen hat <b>Church</b> wenig zutun, der Name ist trotzdem geblieben. War ja auch schon immer ironisch gemeint, hat er damals vor den Cops und Sozialarbeitern halt schon gestanden wie so'n Messdiener. Gläubig ist er sogar auch noch, passt also wie die Faust aufs Auge – also deins, wenn du nicht aufpasst. Insgesamt scheint er auch mit 30 (<i>the fuck???</i>) wenig erwachsengeworden zu sein, nur zersticht der Junge ohne Impulskontrolle halt heute keine Autoreifen mehr, wenn der Stiefvater Zuhause auf Mama einprügelt. Wohin mit sich, wusste Church ja nie, also steckte man ihn mit 16 für zwei Jahre in den Jugendknast und dachte, das Problem würde sich zwischen gleichaltrigen Jungs mit Aggressionsproblemen und Psychose einfach in Luft auflösen. Fehlanzeige, dabei liefs zwischenzeitlich sogar eigentlich ganz gut. Wär da nicht die Sache mit dem Zocken, die ihn fest im Griff hält. Schulden bei den falschen Leuten, man kennts. Eigentlich will er nämlich auch gar nicht tun, wozu er deswegen dauernd berufen wird, aber die Schläger, die ihn immer mal wieder auf dem Heimweg motivieren sollen, machen da volle Leistung. So isses halt: Essen oder gegessen werden.</div> </td>
</tr></table>
<div class="p8">Du wirst nicht zum Ritter nur weil ich dich schlage</div>
<div class="lee-facts">
	<div class="lee-facts-title">Wusstest du, dass Church:</div>
	<ul>
		<li>» ...Manchester United Ultra ist?</li>
		<li>» ...sich "HELL BENT" auf die Knöchel tätowieren lassen hat ohne zu checken, dass BENT allein Slang für <i>schwul</i> ist?</li>
		<li>» ...dir das Tattoo in die Fresse druckt, wenn du das kommentierst?</li>
		<li>» ...seit einem Schädel-Hirn-Trauma vor einigen Jahren immer wieder mit Kopfschmerzen, Konzentrationsproblemen und Sprachstörungen kämpft?</li>
		<li>» ...in der Schule so viel stunk gemacht hat, dass man eigentlich froh sein konnte, dass er so viel geschwänzt hat?</li>
		<li>» ...einen lilanen 1990 Toyota Corolla Liftback fährt, den er ordentlich getunt hat?</li>
		<li>» ...die Neonlichter unter der Karre, getönten Fenster und Lautstärke gar nicht mal so legal sind?</li>
		<li>» ...sich regelmäßig um die Einkäufe und Wohnung seiner Eltern kümmert und danach für einige Tage besonders aufgekratzt ist?</li>
		<li>» ...noch heute Probleme damit hat, seinem Stiefvater gegenüberzutreten und sich in solchen Momenten immer so fühlt, als wäre er ein kleiner Junge?</li>
		<li>» ...auf Hauptschlagader geht, wenn du auf Mutter gehst?</li>
		<li>» ...orthodox ist und regelmäßig betet?</li>
		<li>» ...klassische Anime von Dragonball bis Naruto ziemlich geil findet?</li>
		<li>» ...ein unerwartet begabter Koch ist?</li>
		<li>» ...auf 6.-Klasse Niveau liest?</li>
		<li>» ...so ne kack Rechtschreibung hat, dass sogar Autokorrektur reinscheißt?</li>
		<li>» ...noch nie ein Handy hatte, das nach 2 Wochen nicht aussah als hätte er die letzte Nachricht mit nem Hammer getippt?</li>
		<li>» ...gar nicht so unmusikalisch ist und sicher auch was in die Richtung hätte machen können, wär irgendwo die Förderung gewesen?</li>
		<li>» ...Fußball spielt als ginge es um Leben und Tod?</li>
		<li>» ...sich in erster Linie als Albaner versteht?</li>
		<li>» ...selten mal konsumiert, aber vorsichtig bleibt?</li>
		<li>» ...ohne Schlaftabletten aber nicht auskommt?</li>
		<li>» ...regelmäßig Boxen geht, um den Kopf frei zu kriegen?</li>
		<li>» ...schon im Jugendknast eine basale Mechanik-Ausbildung bekommen hat?</li>
		<li>» ...seit seiner Zeit dort ein Gott im Tischtennis und ein Messias im Billard ist?</li>
		<li>» ...sich regelmäßig um Moxie, den Zwergspitz Mischling seiner Mutter, kümmert und sich fragt, ob es der Konflikt wert ist, sie schlussendlich zu sich zu nehmen?</li>
	</ul>
	</div>
	<div class="p8">Digga wir sind King, dass ist keine Phase</div>
<br />
	<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify"># aufmüpfig # ausnutzbar # befangen # bindungsscheu # bodenständig # brüderlich # chauvinistisch # destruktiv # draufgängerisch # dummdreist # eifersüchtig # entwicklungsresistent # fügsam # geltungssüchtig # gesellig # gewalttätig # gottesfürchtig # großmäulig # hilfsbereit # hoffnungslos # irrational # jugendlich # kinderlieb # konfliktscheu # labil # leichtsinnig # nihilistisch # paranoid # pragmatisch # reizbar # schusselig # unausgeglichen # verkorkst # vulgär # seelisch wehrlos # willensschwach # zartbesaitet # zerrissen</div>
<br />
Hätte auch gar nicht anders laufen können. Das weißt du und deswegen ändert sich auch nie was. Aus Typen wie dir wird halt nie ein Banker oder Immobilienfuzzi oder Vorstadtlehrer oder jemand, der sein Leben auf die Reihe kriegt, ohne sich wöchentlich die Fresse zu polieren. Mag so nicht ganz stimmen, aber so tief du dieses Mindset schon seit deiner Jugend internalisiert hast, kriegt du es auch nie raus. Hoffnungslosigkeit hat dich schon immer gesteuert, das und dieses Gefühlschaos, das du nie anders kanalisieren kanntest als in Wut. Dein beliebtestes Outlet, war Zuhause ja auch nicht anders. Du kannst nicht anders, wenn du mit deinen ungreifbaren Gefühlen konfrontiert wirst, da brennt einfach eine Sicherung durch. Kurzschluss eben. Liegt dir im Blut, deswegen konnten das auch die Jahre zwangsmäßiger Anti-Aggressionstherapie nicht ändern.<br><br>Widersprüchlich, irgendwie, steckt in dir eigentlich doch ein ziemlich zartbesaiteter Kerl, der nur wie ein Spielball nicht aus diesem ewigen hin und her ausbrechen kann. Aber wer nicht hart ist, den macht das Leben hart (oder so) und das Leben hat sicher sein bestes gegeben. Obwohl du dich an den ständigen Nihilismus gewöhnt hast, hast du dann doch immer wieder diese ruhigen Momente, wenn du alleine bist, in denen du einfach nur Angst hast. Woher, kannst du nicht mal sagen, aber du weißt, dass Gott dich bestrafen wird. Trotzdem schaffst du den Absprung einfach nicht. Stehst am Bahngleis und weißt nicht was passiert, wenn du den Bahnhof verlässt, also drehst du lieber um und bleibst in deinem beschissenen Leben, weil du das wenigstens kennst. Deswegen bist du ja auch erst so spät ausgezogen, deswegen lässt du dir nicht in deine destruktiven <i>Habits</i> reinlabern, deswegen ist Flucht deine Art der Konfrontation. Und wenn du nicht fliehen kannst, dann gibt's halt aufs Maul, damit bist du schon immer sicher gefahren.<br><br>Eigentlich bräuchtest du jemanden, der dich an der Leine durchs Leben führt und damit umgehen kann, dass du Hund sowohl bellst als auch beißst. Klingt beschissen, aber in deinem Leben hast du halt auch nichts gekannt außer die geballte Macht Authorität – von deinem Elternhaus, von den Cops, Richtern. Erstaunlich wie hörig du plötzlich werden kannst. Gibt man dir zu viel Freiraum, weißt du nicht wohin und das kann nicht gut ausgehen, weil du auch noch nie zu lang allein sein konntest. Aber leider können auch nicht alle lang mit dir, was dann deinerseits gerne in diesem Wechselspiel aus Klammern und Abstoßen ausartet, weil du einfach nicht mit Verlust kannst.<br>Du willst ja auch niemandem schaden (der es nicht verdient hat), das muss man dir glauben! Zumindest beteuerst du das immer, aber wird schon seinen Grund haben, warum du das überhaupt immer wieder aussprechen musst. Du weißt halt nicht, was du tust, zu dem Teil deines Hirns hattest du noch nie Zugang. Dann zuckst du mit den Schultern und sagst <i>'Weiß nich'</i> und lügst damit nichtmal.<br><br>Manchmal dankst du Gott, dass du Mechaniker geworen bist. Weils einfach so ein geiler Job ist, um Kontakt zu halten. Richtig oft werkelt du nach Feierabend noch in deiner Hood an irgendeiner Karre und hast dabei das Gefühl, deine schlechten Eigenschaften auszugleichen. Hilfsbereit warst du wenigstens schon immer, das spricht für dich, auch wenns dich auch gut ausnutzbar macht. Halb so wild, <i>Geben und Nehmen</i> steht an der Tagesordnung und dass du viel nimmst, weißt du ja selbst. Und zwischen <i>Geben</i> und <i>Nehmen</i> gibt's ja noch irgendwo <i>Teilen</i> und das gehört für dich mindestens genauso dazu, wie's Atmen. So Grenzen von <i>Mein</i> und <i>Dein</i> sind auch nur abgefuckte Erfindungen vom System, findest du, auch wenn du politisch nicht so viel auf'm Kasten hast. Dass <i>die da oben</i> dumme Wichser sind, das weißt du aber.<br />
	<br> <br />
	<div class="p8">Ich mache mir kein' Kopf, doch dafür eine Nase</div>
<br />
<div class="s-wr">
	<div class="s-l"></div>
	<div class="s-b">Kindheit <ti>22.07.1987 - 2003</ti></div>
	<div class="s-tb">Früher hattest du gedacht, alle Erwachsenen schmeißen sich Pillen. Zumindest hat deine Nëna – Kaltrina Selimaj – das immer gesagt, war halt ein <i>Erwachsenending</i>, das du nicht verstehen musstest. Du warst noch ein Kleinkind, da kam dein Stiefvater – Gjon Bajrami – ins Spiel. Den leiblichen hast du wie viele deiner damaligen Freunde nie gekannt, deine Mutter hatte nie von ihm gesprochen. One Night Stand, dachtest du früher, vielleicht steckt da auch so ne Prostitutionsgeschichte hinter, so genau willst du das gar nicht wissen. Geht dich auch nichts an, war ja nicht Teil deines Lebens. Hattest stattdessen ja den anderen Gewalttäter im Haus, der dir die Kindheit zur Hölle gemacht hat. Du hast ihm nicht gepasst, war allen klar. Warum allerdings, wusstest du nicht. Geht dich auch nichts an, lerntest du früh. <br />
	</div>
	<div class="s-b">Young Offender Institution Wetherby <ti> Sep 2003- Mai 2005</ti></div>
	<div class="s-tb"><i>'Dummheiten'</i>, hast du schon immer gemacht, nur konnte man sie irgendwann eigentlich nicht mehr so nennen. Dass du dahinter stecktest, dass in Middleton 20XX mal Reifen von 30 Karren hintereinander zerstochen wurden, kam nie raus, und einige deiner jahrzehntealten hässlichen Graffiti kleben auch immer noch in der alten Nachbarschaft.<br />
		<i>Warum?</i> war die Frage, die dir später in der YOI Wetherby oft gestellt wurde. Aber dann konntest du immer nur schwach mit den Schultern zucken und die ganze Stunde damit verbringen, irgendeinen Punkt im Raum anzuvisieren, um dem Blick der Sozialarbeiterin zu entkommen. Keine Ahnung warum, du hast es halt einfach gemacht.<br><br>Dabei schickte dich ja nicht nur Sachbeschädigung mit 16 Jahren hinter Gittern. <i><u>Armed street robbery of a vulnerable person, joint enterprise</u></i> hieß es vom Richter, nachdem du nachts mit einem Kumpel einen alten Mann auf der Straße ausgeraubt hast. 28 Monate hieß es, knapp 2,5 Jahre also, und das auch nur, weil nicht du das Messer gehabt hast. Absitzen musstest du die wenigstens nicht alle, am Ende warn es nur 19 drin und der Rest auf Bewährung mit regelmäßigen Check-Upsm Drogentests und nächtlicher Ausgangssperre, was ja besser war als das Irrenhaus von Jugendknast. Änderte halt nichts, Rehabilitation war jedenfalls nicht das magische Wort, das dein Leben ändern sollte. Vielleicht warst du selbst dran Schuld, vielleicht war es auch einfach das System, das lieber die schlechten Jungs von der Straße pickt anstatt in Präventionsmaßnahmen zu investieren. Aber für Prävention wars an dem Punkt halt auch eh zu spät, ne?<br>Allein in den ersten paar Monaten gabs vor deinen Augen vier Messerstichereien und ein Junge zündete sich an, weil er nicht in nen anderen Knast versetzt werden wollte. Man und dann erst die Officer, die einen ganz klar wissen ließen, wer hier mit Knüppel durch die Gegend lief und wer nicht, und die Nachtwache machte auch schnell klar, dass sie dich nicht leiden konnte, indem sie regelmäßig gegen die Tür hämmerte. Nirgendwo hast du öfter heulende Jungs gesehen, damit konntest du nie umgehen, vor allem nicht in diesem Doppelzimmer, in dem deine eigenen Tränen nie privat blieben. Hast du dann auch am Zimmernachbarn ausgelassen, als wär er schuld dran gewesen.<br><br>Naja, 19 Monate später jedenfalls kommst du wieder raus. Plötzlich schon erwachsen, aber im Kopf der gleiche Junge, der vor 1,5 Jahren drin gelandet ist. Als hättest du dich selbst vor den Schwellen geparkt und jetzt wieder abgeholt. Draußen wars auch wie immer, nur mit besserem Essen (manchmal). Mama vercrackt, der Stiefvater authoritär, das Leben beschissen.<br>Fast wärst du auch wieder drin gelandet, nur ein paar Monate später. Hast was gezogen, der obligatorische Drogentest schlug an (konntest du ja nicht wissen, wie lang das noch nachweisbar ist...), aber wurden zum Glück doch nur Sozialstunden und Suchtberatung. <span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">Liefen auch so viele Tränen, dass es das Herz des Bewährungsfuzzis erweicht hat, aber das Geheimnis bleibt unter euch.</span><br />
	</div>
	<div class="s-b">Ausbildung zum Automechaniker <ti>2005-2008</ti></div>
	<div class="s-tb">Vermittelt hat dir die Stelle dein Bewährungshelfer. Keine Ahnung, wie du das durchgezogen hast. Vielleicht, weil du nicht weich angefasst wurdest in diesem Betrieb. Angebrüllt werden konntest du ja nicht ab ohne irgendwann auszuticken, aber gentle parenting und sonstige freigeistige Pädagogik noch viel weniger. Zuckerbrot gabs wenig, Peitsche auch nicht, aber eine ziemlich enge Leine, die dich immer dann zurückzog, wenn du kurz davor war, das Handtuch zu schmeißen (oder irgendwas anderes). Dann gings auch mal hinters Werkstattgebäude für ein Gespräch unter Männern, denn anders hörtst du einfach nicht. Dein Chef hatte auch einfach einen Draht zu dir und wusste, dass es keine Alternative gab ohne Schulabschluss und Lebensperspektive, sonst hättest du die Stelle safe keine zwei Monate gehalten.<br><br>Brauchte aber noch ne Weile, bis du ausziehen konntest. Wundert da auch niemanden, dass du manchmal tagelang nicht mehr im eigenen Bett geschlafen hast, obwohl du dir danach immer Vorwürfe anhören musstest. Vom Ausbildungsgehalt musstest du immer was abdrücken, wenn nicht freiwillig, dann halt mit Schlägen. Du hast dich gewehrt, klar, aber erreicht hast du nichts. Eigentlich wusstest du's ja auch besser.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Arbeit, Leben, Ausziehen <ti>2008-2013</ti></div>
	<div class="s-tb">Erst 2011, da warst du schon 24, wagst du es, dich nach ner Wohnung umzuschauen. Nicht weit weg, Oldham ist halt doch auch Heimat, aber das Drama war trotzdem so groß, dass du schnell wusstest, warum du das nicht vorher gemacht hast. Fast hättest du den Schwanz wieder eingezogen, aber wo deine Familie nicht an deiner Seite war, waren es wenigstens deine Freunde. Anders hättest du's auch nicht gepackt, nachdem dir dein Stiefvater plötzlich verboten hatte, deine Sachen aus dem Zimmer zu räumen und du dich die erste Zeit so rumschlagen musstest. War trotzdem die richtige Entscheidung gewesen, klar war es das. Hättest du schon viel früher tun sollen, schon richtig. Trotzdem, immer wenn du zurück in dieser siffigen Wohnung bist und mit dem Müllsack in der Hand alles vernichtest, was schimmelt, fühlst du dich schlecht. Deine Mutter wirft dir auch immer noch vor, dass du sie einfach alleine lässt, dabei bist du so oft dort, wie du ertragen kannst und duschst sie in der Badewanne, wenn sie's nicht selbst schafft. Dein Stiefvater macht's ja nicht, ist aber trotzdem sauer auf dich, weil er dafür keinen Grund braucht, außer deine Fresse.<br><br>Und dann hast du eine Freundin. Also findest du, Zofia sieht das anders. Polin ist sie, blond, das gefällt dir. Aber du bist geduldig und bemühst dich, auch wenn sie eigentlich nicht will, dass du unangekündigt mitten am Tag mit Blumenstrauß von der nächsten Tanke vor ihrer Tür stehst. <i>Will nur erobert werden</i>, weißt du, weil Frauen so sind. Stimmt auch, irgendwann wird das ernster zwischen euch, also findest du und Zofia...keine Ahnung. Und dann lässt sie dich plötzlich hängen und du tauchst nur noch öfter vor ihrer Tür auf und zerschmetterst das Fenster und prügelst dich mit ihrem Bruder weil du denkst, das sei ihr Neuer. Dein Vorstrafenregister wächst und neben der Körperverletzung hast du jetzt auch noch eine No-Contact Order am Hals und darfst dich der Liebe deines Lebens nicht mehr nähern. Mehrmals brichst du das Annäherungsverbot beinah, einmal verfolgst du sie zu einem Primark, damit du so tun kannst, als wärt ihr euch zufällig begegnet, damit sie dich anschauen muss. Du verstehst nicht, wie sie so zu dir sein kann, nachdem du alles für sie getan hättest und willst einfach nur hören warum. Du siehst sie, sie sieht dich und als sie dir einen billigen Polyesterpulli in die Fresse wirft und hysterisch heult und schreit, fühlst du dich plötzlich ganz ganz klein. Überfordert stolperst du aus dem Laden (später dankst du Gott dafür, dass du einfach gegangen bist, statt auf sie zu) und nach zwei Wochen intensivem Bender kommst du zu der Realisation, dass du Polinnen scheiße findest.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Spielsucht, Schulden, Abhängigkeit <ti>2013-</ti></div>
	<div class="s-tb">Irgendwann liefs dann. Nicht schnell, nicht sonderlich weit, aber du hast gearbeitet und gesund war dein Lifestyle zwar nicht, aber du kanntest da auch schlimmeres. Naja bis auf die Tatsache, dass du irgendwann halt angefangen hast nicht nur mal am Wochenende in der Spielo zu hocken, sondern plötzlich jeden Abend. Sportwetten waren das eine, Poker was anderes, diese gottverdammten Automaten am Ende das, was dir nach ein paar lecker Bierchen zum Verhängnis wurde, wenn du zu durch warst, um mehr zu tun als am Hebel zu ziehen. Manchmal gewinnst du und in diesen kurzen Momenten fühlst du dich wie Jesus. Nur hält das nie an, ne?<br>Also morgen nochmal und danach den Tag und immer auf der Jagd nach diesem High, das dir nichts anderes geben kann. Du leihst dir Geld, hast auch selbstverständlich hier und da mal was mitgehen lassen, und plötzlich hast du Schulden bei den falschen Leuten, weil die Bank keine Kredite fürs Zocken vergibt.<br><br>Und plötzlich, das muss so Mitte 2016 gewesen sein, schickt man dich los. Sollst jemandem die Fresse polieren, der in den gleichen Schuhen steckt wie du. Könntest du sein, deswegen ziehst du mit, damit sich das Blatt nicht wendet. Nur ist es damit nicht vorbei, oder? Treibst Schutzgeld ein, wirst hin und wieder sogar bezahlt – aber dass das Geld in erster Linie nur gewaschen werden muss, muss auch niemand ausprechen –, verbindest am Ende des Tages deine schmerzenden Knöchel und weißt eigentlich gar nicht was zu hier tust, nur dass du keine andere Wahl hast. Und dann, in diesen trügerischen Momenten wenn du in deiner Küche hockst, fragst du dich, ob du es doch hättest, aber immer wenn dir nachts auf dem Weg nach Hause jemand auflauert, weißt du, dass das nicht stimmt. Und du betest um Vergebung und klammerst an dem Rosenkranz, wie es dir deine Nëna früher gezeigt hast, aber deine Hände sind immer noch blutig und dein Kopf pocht immer noch und du willst immer noch schreien und gegen die Wände schlagen und dich vergessen.<br />
	</div></div> </div> </div>
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<style>.s-b {position:absolute} .s-wr {margin:auto}.s-b {background-color: #2a698b }.s-tb, .l-b{position:relative}.s-tb{text-align: justify}.s-b dt{font-weight:600}.s-wr{width:100%;border-left: solid 8px #2a698b}.s-b{max-width:440px;z-index: 2; padding:5px 10px 5px 15px;font-size:13px;font-family: 'Montserrat', sans-serif;;color:#fff;text-transform:uppercase;letter-spacing:0.5px}.s-b ti{font-size:10px}.s-tb{padding: 37px 15px 10px 10px;}</style>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki"><div class="p2">Adem 'Church' Konstandin Selimaj</div><div class="p3">Hab' keine Träume, ich hab' nur Hallus</div><div class="ph1"><div class="ph2"><div class="p9">„</div><div class="p10" style="text-transform: none; margin-top: 15px; width: 65%;">Würd' alles dafür geben um die Zeit zurückzudrehen und jetzt nochmal 15 zu sein und mir nochmal genau 1:1 so die Zukunft zu verbauen und es zu nichts zu bringen</div></div><div style="display: flex; justify-content: space-between; width: 100%;"><img src="https://i.ibb.co/j97pjCZ1/ezgif-1bf471d0d8df6d.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/D2MBrkP/ezgif-1289f719afba0d.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/WpW0wLY2/ezgif-17172c2d2d719e.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"></div></div>
<div class="p4">
<table><tr><td class="p6">
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<td><div class="p7"><div class="p5-2"><img src="https://i.ibb.co/7dHPh00Y/say-some-3.gif" style="margin: 10px; height: 50px; width: 70px; object-fit: cover"></div>Mit einem Heiligen hat <b>Church</b> wenig zutun, der Name ist trotzdem geblieben. War ja auch schon immer ironisch gemeint, hat er damals vor den Cops und Sozialarbeitern halt schon gestanden wie so'n Messdiener. Gläubig ist er sogar auch noch, passt also wie die Faust aufs Auge – also deins, wenn du nicht aufpasst. Insgesamt scheint er auch mit 30 (<i>the fuck???</i>) wenig erwachsengeworden zu sein, nur zersticht der Junge ohne Impulskontrolle halt heute keine Autoreifen mehr, wenn der Stiefvater Zuhause auf Mama einprügelt. Wohin mit sich, wusste Church ja nie, also steckte man ihn mit 16 für zwei Jahre in den Jugendknast und dachte, das Problem würde sich zwischen gleichaltrigen Jungs mit Aggressionsproblemen und Psychose einfach in Luft auflösen. Fehlanzeige, dabei liefs zwischenzeitlich sogar eigentlich ganz gut. Wär da nicht die Sache mit dem Zocken, die ihn fest im Griff hält. Schulden bei den falschen Leuten, man kennts. Eigentlich will er nämlich auch gar nicht tun, wozu er deswegen dauernd berufen wird, aber die Schläger, die ihn immer mal wieder auf dem Heimweg motivieren sollen, machen da volle Leistung. So isses halt: Essen oder gegessen werden.</div> </td>
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<div class="p8">Du wirst nicht zum Ritter nur weil ich dich schlage</div>
<div class="lee-facts">
	<div class="lee-facts-title">Wusstest du, dass Church:</div>
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		<li>» ...Manchester United Ultra ist?</li>
		<li>» ...sich "HELL BENT" auf die Knöchel tätowieren lassen hat ohne zu checken, dass BENT allein Slang für <i>schwul</i> ist?</li>
		<li>» ...dir das Tattoo in die Fresse druckt, wenn du das kommentierst?</li>
		<li>» ...seit einem Schädel-Hirn-Trauma vor einigen Jahren immer wieder mit Kopfschmerzen, Konzentrationsproblemen und Sprachstörungen kämpft?</li>
		<li>» ...in der Schule so viel stunk gemacht hat, dass man eigentlich froh sein konnte, dass er so viel geschwänzt hat?</li>
		<li>» ...einen lilanen 1990 Toyota Corolla Liftback fährt, den er ordentlich getunt hat?</li>
		<li>» ...die Neonlichter unter der Karre, getönten Fenster und Lautstärke gar nicht mal so legal sind?</li>
		<li>» ...sich regelmäßig um die Einkäufe und Wohnung seiner Eltern kümmert und danach für einige Tage besonders aufgekratzt ist?</li>
		<li>» ...noch heute Probleme damit hat, seinem Stiefvater gegenüberzutreten und sich in solchen Momenten immer so fühlt, als wäre er ein kleiner Junge?</li>
		<li>» ...auf Hauptschlagader geht, wenn du auf Mutter gehst?</li>
		<li>» ...orthodox ist und regelmäßig betet?</li>
		<li>» ...klassische Anime von Dragonball bis Naruto ziemlich geil findet?</li>
		<li>» ...ein unerwartet begabter Koch ist?</li>
		<li>» ...auf 6.-Klasse Niveau liest?</li>
		<li>» ...so ne kack Rechtschreibung hat, dass sogar Autokorrektur reinscheißt?</li>
		<li>» ...noch nie ein Handy hatte, das nach 2 Wochen nicht aussah als hätte er die letzte Nachricht mit nem Hammer getippt?</li>
		<li>» ...gar nicht so unmusikalisch ist und sicher auch was in die Richtung hätte machen können, wär irgendwo die Förderung gewesen?</li>
		<li>» ...Fußball spielt als ginge es um Leben und Tod?</li>
		<li>» ...sich in erster Linie als Albaner versteht?</li>
		<li>» ...selten mal konsumiert, aber vorsichtig bleibt?</li>
		<li>» ...ohne Schlaftabletten aber nicht auskommt?</li>
		<li>» ...regelmäßig Boxen geht, um den Kopf frei zu kriegen?</li>
		<li>» ...schon im Jugendknast eine basale Mechanik-Ausbildung bekommen hat?</li>
		<li>» ...seit seiner Zeit dort ein Gott im Tischtennis und ein Messias im Billard ist?</li>
		<li>» ...sich regelmäßig um Moxie, den Zwergspitz Mischling seiner Mutter, kümmert und sich fragt, ob es der Konflikt wert ist, sie schlussendlich zu sich zu nehmen?</li>
	</ul>
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	<div class="p8">Digga wir sind King, dass ist keine Phase</div>
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	<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify"># aufmüpfig # ausnutzbar # befangen # bindungsscheu # bodenständig # brüderlich # chauvinistisch # destruktiv # draufgängerisch # dummdreist # eifersüchtig # entwicklungsresistent # fügsam # geltungssüchtig # gesellig # gewalttätig # gottesfürchtig # großmäulig # hilfsbereit # hoffnungslos # irrational # jugendlich # kinderlieb # konfliktscheu # labil # leichtsinnig # nihilistisch # paranoid # pragmatisch # reizbar # schusselig # unausgeglichen # verkorkst # vulgär # seelisch wehrlos # willensschwach # zartbesaitet # zerrissen</div>
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Hätte auch gar nicht anders laufen können. Das weißt du und deswegen ändert sich auch nie was. Aus Typen wie dir wird halt nie ein Banker oder Immobilienfuzzi oder Vorstadtlehrer oder jemand, der sein Leben auf die Reihe kriegt, ohne sich wöchentlich die Fresse zu polieren. Mag so nicht ganz stimmen, aber so tief du dieses Mindset schon seit deiner Jugend internalisiert hast, kriegt du es auch nie raus. Hoffnungslosigkeit hat dich schon immer gesteuert, das und dieses Gefühlschaos, das du nie anders kanalisieren kanntest als in Wut. Dein beliebtestes Outlet, war Zuhause ja auch nicht anders. Du kannst nicht anders, wenn du mit deinen ungreifbaren Gefühlen konfrontiert wirst, da brennt einfach eine Sicherung durch. Kurzschluss eben. Liegt dir im Blut, deswegen konnten das auch die Jahre zwangsmäßiger Anti-Aggressionstherapie nicht ändern.<br><br>Widersprüchlich, irgendwie, steckt in dir eigentlich doch ein ziemlich zartbesaiteter Kerl, der nur wie ein Spielball nicht aus diesem ewigen hin und her ausbrechen kann. Aber wer nicht hart ist, den macht das Leben hart (oder so) und das Leben hat sicher sein bestes gegeben. Obwohl du dich an den ständigen Nihilismus gewöhnt hast, hast du dann doch immer wieder diese ruhigen Momente, wenn du alleine bist, in denen du einfach nur Angst hast. Woher, kannst du nicht mal sagen, aber du weißt, dass Gott dich bestrafen wird. Trotzdem schaffst du den Absprung einfach nicht. Stehst am Bahngleis und weißt nicht was passiert, wenn du den Bahnhof verlässt, also drehst du lieber um und bleibst in deinem beschissenen Leben, weil du das wenigstens kennst. Deswegen bist du ja auch erst so spät ausgezogen, deswegen lässt du dir nicht in deine destruktiven <i>Habits</i> reinlabern, deswegen ist Flucht deine Art der Konfrontation. Und wenn du nicht fliehen kannst, dann gibt's halt aufs Maul, damit bist du schon immer sicher gefahren.<br><br>Eigentlich bräuchtest du jemanden, der dich an der Leine durchs Leben führt und damit umgehen kann, dass du Hund sowohl bellst als auch beißst. Klingt beschissen, aber in deinem Leben hast du halt auch nichts gekannt außer die geballte Macht Authorität – von deinem Elternhaus, von den Cops, Richtern. Erstaunlich wie hörig du plötzlich werden kannst. Gibt man dir zu viel Freiraum, weißt du nicht wohin und das kann nicht gut ausgehen, weil du auch noch nie zu lang allein sein konntest. Aber leider können auch nicht alle lang mit dir, was dann deinerseits gerne in diesem Wechselspiel aus Klammern und Abstoßen ausartet, weil du einfach nicht mit Verlust kannst.<br>Du willst ja auch niemandem schaden (der es nicht verdient hat), das muss man dir glauben! Zumindest beteuerst du das immer, aber wird schon seinen Grund haben, warum du das überhaupt immer wieder aussprechen musst. Du weißt halt nicht, was du tust, zu dem Teil deines Hirns hattest du noch nie Zugang. Dann zuckst du mit den Schultern und sagst <i>'Weiß nich'</i> und lügst damit nichtmal.<br><br>Manchmal dankst du Gott, dass du Mechaniker geworen bist. Weils einfach so ein geiler Job ist, um Kontakt zu halten. Richtig oft werkelt du nach Feierabend noch in deiner Hood an irgendeiner Karre und hast dabei das Gefühl, deine schlechten Eigenschaften auszugleichen. Hilfsbereit warst du wenigstens schon immer, das spricht für dich, auch wenns dich auch gut ausnutzbar macht. Halb so wild, <i>Geben und Nehmen</i> steht an der Tagesordnung und dass du viel nimmst, weißt du ja selbst. Und zwischen <i>Geben</i> und <i>Nehmen</i> gibt's ja noch irgendwo <i>Teilen</i> und das gehört für dich mindestens genauso dazu, wie's Atmen. So Grenzen von <i>Mein</i> und <i>Dein</i> sind auch nur abgefuckte Erfindungen vom System, findest du, auch wenn du politisch nicht so viel auf'm Kasten hast. Dass <i>die da oben</i> dumme Wichser sind, das weißt du aber.<br />
	<br> <br />
	<div class="p8">Ich mache mir kein' Kopf, doch dafür eine Nase</div>
<br />
<div class="s-wr">
	<div class="s-l"></div>
	<div class="s-b">Kindheit <ti>22.07.1987 - 2003</ti></div>
	<div class="s-tb">Früher hattest du gedacht, alle Erwachsenen schmeißen sich Pillen. Zumindest hat deine Nëna – Kaltrina Selimaj – das immer gesagt, war halt ein <i>Erwachsenending</i>, das du nicht verstehen musstest. Du warst noch ein Kleinkind, da kam dein Stiefvater – Gjon Bajrami – ins Spiel. Den leiblichen hast du wie viele deiner damaligen Freunde nie gekannt, deine Mutter hatte nie von ihm gesprochen. One Night Stand, dachtest du früher, vielleicht steckt da auch so ne Prostitutionsgeschichte hinter, so genau willst du das gar nicht wissen. Geht dich auch nichts an, war ja nicht Teil deines Lebens. Hattest stattdessen ja den anderen Gewalttäter im Haus, der dir die Kindheit zur Hölle gemacht hat. Du hast ihm nicht gepasst, war allen klar. Warum allerdings, wusstest du nicht. Geht dich auch nichts an, lerntest du früh. <br />
	</div>
	<div class="s-b">Young Offender Institution Wetherby <ti> Sep 2003- Mai 2005</ti></div>
	<div class="s-tb"><i>'Dummheiten'</i>, hast du schon immer gemacht, nur konnte man sie irgendwann eigentlich nicht mehr so nennen. Dass du dahinter stecktest, dass in Middleton 20XX mal Reifen von 30 Karren hintereinander zerstochen wurden, kam nie raus, und einige deiner jahrzehntealten hässlichen Graffiti kleben auch immer noch in der alten Nachbarschaft.<br />
		<i>Warum?</i> war die Frage, die dir später in der YOI Wetherby oft gestellt wurde. Aber dann konntest du immer nur schwach mit den Schultern zucken und die ganze Stunde damit verbringen, irgendeinen Punkt im Raum anzuvisieren, um dem Blick der Sozialarbeiterin zu entkommen. Keine Ahnung warum, du hast es halt einfach gemacht.<br><br>Dabei schickte dich ja nicht nur Sachbeschädigung mit 16 Jahren hinter Gittern. <i><u>Armed street robbery of a vulnerable person, joint enterprise</u></i> hieß es vom Richter, nachdem du nachts mit einem Kumpel einen alten Mann auf der Straße ausgeraubt hast. 28 Monate hieß es, knapp 2,5 Jahre also, und das auch nur, weil nicht du das Messer gehabt hast. Absitzen musstest du die wenigstens nicht alle, am Ende warn es nur 19 drin und der Rest auf Bewährung mit regelmäßigen Check-Upsm Drogentests und nächtlicher Ausgangssperre, was ja besser war als das Irrenhaus von Jugendknast. Änderte halt nichts, Rehabilitation war jedenfalls nicht das magische Wort, das dein Leben ändern sollte. Vielleicht warst du selbst dran Schuld, vielleicht war es auch einfach das System, das lieber die schlechten Jungs von der Straße pickt anstatt in Präventionsmaßnahmen zu investieren. Aber für Prävention wars an dem Punkt halt auch eh zu spät, ne?<br>Allein in den ersten paar Monaten gabs vor deinen Augen vier Messerstichereien und ein Junge zündete sich an, weil er nicht in nen anderen Knast versetzt werden wollte. Man und dann erst die Officer, die einen ganz klar wissen ließen, wer hier mit Knüppel durch die Gegend lief und wer nicht, und die Nachtwache machte auch schnell klar, dass sie dich nicht leiden konnte, indem sie regelmäßig gegen die Tür hämmerte. Nirgendwo hast du öfter heulende Jungs gesehen, damit konntest du nie umgehen, vor allem nicht in diesem Doppelzimmer, in dem deine eigenen Tränen nie privat blieben. Hast du dann auch am Zimmernachbarn ausgelassen, als wär er schuld dran gewesen.<br><br>Naja, 19 Monate später jedenfalls kommst du wieder raus. Plötzlich schon erwachsen, aber im Kopf der gleiche Junge, der vor 1,5 Jahren drin gelandet ist. Als hättest du dich selbst vor den Schwellen geparkt und jetzt wieder abgeholt. Draußen wars auch wie immer, nur mit besserem Essen (manchmal). Mama vercrackt, der Stiefvater authoritär, das Leben beschissen.<br>Fast wärst du auch wieder drin gelandet, nur ein paar Monate später. Hast was gezogen, der obligatorische Drogentest schlug an (konntest du ja nicht wissen, wie lang das noch nachweisbar ist...), aber wurden zum Glück doch nur Sozialstunden und Suchtberatung. <span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">Liefen auch so viele Tränen, dass es das Herz des Bewährungsfuzzis erweicht hat, aber das Geheimnis bleibt unter euch.</span><br />
	</div>
	<div class="s-b">Ausbildung zum Automechaniker <ti>2005-2008</ti></div>
	<div class="s-tb">Vermittelt hat dir die Stelle dein Bewährungshelfer. Keine Ahnung, wie du das durchgezogen hast. Vielleicht, weil du nicht weich angefasst wurdest in diesem Betrieb. Angebrüllt werden konntest du ja nicht ab ohne irgendwann auszuticken, aber gentle parenting und sonstige freigeistige Pädagogik noch viel weniger. Zuckerbrot gabs wenig, Peitsche auch nicht, aber eine ziemlich enge Leine, die dich immer dann zurückzog, wenn du kurz davor war, das Handtuch zu schmeißen (oder irgendwas anderes). Dann gings auch mal hinters Werkstattgebäude für ein Gespräch unter Männern, denn anders hörtst du einfach nicht. Dein Chef hatte auch einfach einen Draht zu dir und wusste, dass es keine Alternative gab ohne Schulabschluss und Lebensperspektive, sonst hättest du die Stelle safe keine zwei Monate gehalten.<br><br>Brauchte aber noch ne Weile, bis du ausziehen konntest. Wundert da auch niemanden, dass du manchmal tagelang nicht mehr im eigenen Bett geschlafen hast, obwohl du dir danach immer Vorwürfe anhören musstest. Vom Ausbildungsgehalt musstest du immer was abdrücken, wenn nicht freiwillig, dann halt mit Schlägen. Du hast dich gewehrt, klar, aber erreicht hast du nichts. Eigentlich wusstest du's ja auch besser.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Arbeit, Leben, Ausziehen <ti>2008-2013</ti></div>
	<div class="s-tb">Erst 2011, da warst du schon 24, wagst du es, dich nach ner Wohnung umzuschauen. Nicht weit weg, Oldham ist halt doch auch Heimat, aber das Drama war trotzdem so groß, dass du schnell wusstest, warum du das nicht vorher gemacht hast. Fast hättest du den Schwanz wieder eingezogen, aber wo deine Familie nicht an deiner Seite war, waren es wenigstens deine Freunde. Anders hättest du's auch nicht gepackt, nachdem dir dein Stiefvater plötzlich verboten hatte, deine Sachen aus dem Zimmer zu räumen und du dich die erste Zeit so rumschlagen musstest. War trotzdem die richtige Entscheidung gewesen, klar war es das. Hättest du schon viel früher tun sollen, schon richtig. Trotzdem, immer wenn du zurück in dieser siffigen Wohnung bist und mit dem Müllsack in der Hand alles vernichtest, was schimmelt, fühlst du dich schlecht. Deine Mutter wirft dir auch immer noch vor, dass du sie einfach alleine lässt, dabei bist du so oft dort, wie du ertragen kannst und duschst sie in der Badewanne, wenn sie's nicht selbst schafft. Dein Stiefvater macht's ja nicht, ist aber trotzdem sauer auf dich, weil er dafür keinen Grund braucht, außer deine Fresse.<br><br>Und dann hast du eine Freundin. Also findest du, Zofia sieht das anders. Polin ist sie, blond, das gefällt dir. Aber du bist geduldig und bemühst dich, auch wenn sie eigentlich nicht will, dass du unangekündigt mitten am Tag mit Blumenstrauß von der nächsten Tanke vor ihrer Tür stehst. <i>Will nur erobert werden</i>, weißt du, weil Frauen so sind. Stimmt auch, irgendwann wird das ernster zwischen euch, also findest du und Zofia...keine Ahnung. Und dann lässt sie dich plötzlich hängen und du tauchst nur noch öfter vor ihrer Tür auf und zerschmetterst das Fenster und prügelst dich mit ihrem Bruder weil du denkst, das sei ihr Neuer. Dein Vorstrafenregister wächst und neben der Körperverletzung hast du jetzt auch noch eine No-Contact Order am Hals und darfst dich der Liebe deines Lebens nicht mehr nähern. Mehrmals brichst du das Annäherungsverbot beinah, einmal verfolgst du sie zu einem Primark, damit du so tun kannst, als wärt ihr euch zufällig begegnet, damit sie dich anschauen muss. Du verstehst nicht, wie sie so zu dir sein kann, nachdem du alles für sie getan hättest und willst einfach nur hören warum. Du siehst sie, sie sieht dich und als sie dir einen billigen Polyesterpulli in die Fresse wirft und hysterisch heult und schreit, fühlst du dich plötzlich ganz ganz klein. Überfordert stolperst du aus dem Laden (später dankst du Gott dafür, dass du einfach gegangen bist, statt auf sie zu) und nach zwei Wochen intensivem Bender kommst du zu der Realisation, dass du Polinnen scheiße findest.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Spielsucht, Schulden, Abhängigkeit <ti>2013-</ti></div>
	<div class="s-tb">Irgendwann liefs dann. Nicht schnell, nicht sonderlich weit, aber du hast gearbeitet und gesund war dein Lifestyle zwar nicht, aber du kanntest da auch schlimmeres. Naja bis auf die Tatsache, dass du irgendwann halt angefangen hast nicht nur mal am Wochenende in der Spielo zu hocken, sondern plötzlich jeden Abend. Sportwetten waren das eine, Poker was anderes, diese gottverdammten Automaten am Ende das, was dir nach ein paar lecker Bierchen zum Verhängnis wurde, wenn du zu durch warst, um mehr zu tun als am Hebel zu ziehen. Manchmal gewinnst du und in diesen kurzen Momenten fühlst du dich wie Jesus. Nur hält das nie an, ne?<br>Also morgen nochmal und danach den Tag und immer auf der Jagd nach diesem High, das dir nichts anderes geben kann. Du leihst dir Geld, hast auch selbstverständlich hier und da mal was mitgehen lassen, und plötzlich hast du Schulden bei den falschen Leuten, weil die Bank keine Kredite fürs Zocken vergibt.<br><br>Und plötzlich, das muss so Mitte 2016 gewesen sein, schickt man dich los. Sollst jemandem die Fresse polieren, der in den gleichen Schuhen steckt wie du. Könntest du sein, deswegen ziehst du mit, damit sich das Blatt nicht wendet. Nur ist es damit nicht vorbei, oder? Treibst Schutzgeld ein, wirst hin und wieder sogar bezahlt – aber dass das Geld in erster Linie nur gewaschen werden muss, muss auch niemand ausprechen –, verbindest am Ende des Tages deine schmerzenden Knöchel und weißt eigentlich gar nicht was zu hier tust, nur dass du keine andere Wahl hast. Und dann, in diesen trügerischen Momenten wenn du in deiner Küche hockst, fragst du dich, ob du es doch hättest, aber immer wenn dir nachts auf dem Weg nach Hause jemand auflauert, weißt du, dass das nicht stimmt. Und du betest um Vergebung und klammerst an dem Rosenkranz, wie es dir deine Nëna früher gezeigt hast, aber deine Hände sind immer noch blutig und dein Kopf pocht immer noch und du willst immer noch schreien und gegen die Wände schlagen und dich vergessen.<br />
	</div></div> </div> </div>
<style>.lee-facts { padding: 10px; } .lee-facts-title { font-family: 'Montserrat', sans-serif; text-transform: uppercase; text-align: left; font-weight: bold; letter-spacing: 2px; margin-bottom: -10px; } .lee-facts ul { list-style-type: none; margin-left: -30px; } .lee-facts ul li { padding: 2px 0; }</style><br />
<style>.s-b {position:absolute} .s-wr {margin:auto}.s-b {background-color: #2a698b }.s-tb, .l-b{position:relative}.s-tb{text-align: justify}.s-b dt{font-weight:600}.s-wr{width:100%;border-left: solid 8px #2a698b}.s-b{max-width:440px;z-index: 2; padding:5px 10px 5px 15px;font-size:13px;font-family: 'Montserrat', sans-serif;;color:#fff;text-transform:uppercase;letter-spacing:0.5px}.s-b ti{font-size:10px}.s-tb{padding: 37px 15px 10px 10px;}</style>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Bashir Anwar]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2425</link>
			<pubDate>Sun, 14 Apr 2024 19:21:58 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=518">Bashir Anwar</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2425</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2"> Bashir Anwar</div>
  <div class="p3"> Bury me shallow, I’ll be back</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> be the bigger person. Get really buff and then knock the shit out of them.</div>
    </div>
    <img src=" https://i.ibb.co/Fqr0gHY/Baz-Anwar-Signatur01.png"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lex</div>
      <div>Alter // 38 Jahre</div>
      <div>
        Job // Türsteher</div>
      <div>
        Pizza // Quattro Formaggi</div>
      <div>
        Ava // Riz Ahmed</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src=" https://i.ibb.co/fFhK8P2/Riz-Ahmed1.gif"><br />
      </div>
Sach ma, blinzelt der eigentlich, wenn er Leute so intensiv anstarrt, könnte man sich schon mal fragen, aber meistens ist man in dem Moment damit beschäftigt, nicht so auszusehen, als hätte man vor fünf Minuten noch ein Kapitalverbrechen begangen. Ob's diese ausgestrahlte Ruhe ist, die dafür sorgt, dass sich vor seinen Clubs weniger geprügelt wird, oder dieses unangenehme Gefühl von Gefahr, das selbst zu Besoffenen durchdringt, naja, auf jeden Fall macht's Bashirs Job einfacher. Der hat aber auch ne relativ kurze Zündschnur bei so bestimmten Leuten, aber dafür hat er es mit harter Arbeit geschafft, den <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Cycle of Abuse</span> zu unterbrechen, den er noch vor zehn, fünfzehn Jahren durchgezogen hat, und ernsthaft das Problem bei sich zu sehen (wow). Es hat geholfen, dass er weit genug von seiner beschissenen Familie weg ist, und jetzt viel besser atmen kann. Aus nem echten Beschützerding und Gerechtigkeitsgefühl heraus, sowie um irgendwie seine Vergangenheit <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">gutzumachen</span>, arbeitet er mittlerweile als <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Night Mover</span>, der Menschen aus gewalttätigen Beziehungen beim Verschwinden hilft, wenn sie gar nicht mehr weiterwissen. Zum ersten Mal im Leben hat er das Gefühl, damit was richtig Sinnvolles zu machen und sich dabei noch ne Portion Adrenalin abzuholen.</div>
<br />
    <div class="p8"> Maybe I'm from everywhere but nowhere</div>
<br />
Ernstgemeint, aber Bashir erinnert sich an nichts vor seinem elften Lebensjahr in Southern London. <br />
<br />
Da gab's jetzt keinen großen Bruch oder so; nichts Außergewöhnliches, was sich von seinem vorigen Leben unterscheiden würde - behauptet man, denn wirklich überprüfen kann er's natürlich nicht ohne voll reinzugehen in die Erinnerung, und wieso sollte er das tun?!<br />
<br />
Er ist ja nicht bescheuert. <br />
<br />
Keinen blassen Schimmer, ob seine Mutter schon immer so viel geweint, und bei jedem kleinen Verstoß der Kinder mit der schlimmsten Strafe gedroht hat: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Wartet nur ab, bis euer Vater nach Hause kommt</span>. <br />
<br />
Davon auszugehen, dass sein Vater schon immer gewalttätig und wütend gewesen war--- also klar, die Erziehungsschellen sowieso, aber dann immer häufiger auch der Gürtel und die Tritte. Nur ungefähr in der Zeit hat sich in Bashirs Kinderhirn die Gewissheit breit gemacht, dass es ab und an eben Prügel gab, und dann auch nicht mehr Zurückhaltung probiert: <br />
<ul class="mycode_list"><li>Immer mal wieder und paar Wochen am Stück mit schlecht gefälschten Unterschriften die Schule geschwänzt.</li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Sich die für einen angehenden Teenager lebenswichtigen Dinge unter den Nagel gerissen, aus Supermärkten oder von Mitschülern (Turnschuhe, tragbaren Kassettenrekorder, Alkohol).</li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Mit ner gestohlenen AirGun auf nen Menschen gezielt, und den vom Fahrrad geholt (Schrottteil, also die Pistole, Gott sei Dank). </li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Sich ein paar Gehirnzellen mit dem Schnüffeln von Kleber weggeballert, aber dann gab’s Ecstasy irgendwann und das war eh besser.</li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Und noch ein paar andere Sachen, an die er nicht mehr denken will, und die irgendjemand immer rausbekommen und gepetzt hat.</li>
</ul>
<br />
Eigentlich ein Wunder, dass er nicht im Knast gelandet ist, vielleicht weil sich niemand um nen kleinen Paki schert, oder weil er einfach schon immer sehr schnell mit den Beinen war (denn ehrlicherweise haben sich schon immer zu viele Leute in England um kleine Pakis geschert, vor allem wenn die was ausgefressen haben). <br />
<br />
Eigentlich ein Wunder, dass er nicht totgeschlagen wurde, könnte man auch mal sagen, aber um seinen Kopf war’s eh nicht zu schade, bescheinigten ihm circa alle Erwachsenen.  <br />
<br />
Richtig <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">unangenehmes</span> Kind also. <br />
<br />
Er würde ja jetzt gerne erzählen, dass er wenigstens seine Geschwister beschützt hat, oder die Schwächeren auf dem Spielplatz, aber nö: Sein großer Bruder stand meistens sprachlos daneben oder hat sich selbst was eingefangen; seine kleine Schwester war auf ner anderen Schiene unterwegs, und außerdem eh ein Mädchen. <br />
<br />
Irgendwann kam dann der Kampfsport, und jetzt schon die berechtigte Frage, ob man so einem Typen auch noch den Körper zur Waffe umwandeln lassen sollte (wo er doch schon das Springmesser einen Ticken zu locker sitzen hatte), aber was der da lernte: <br />
<ul class="mycode_list"><li>Körpergefühl. </li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Disziplin. </li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Gemeinschaft. </li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Verantwortung. </li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Beinahe sowas wie Ruhe. </li>
</ul>
<br />
Tatsache, dass Kinder anscheinend doch einfach nur irgendein Vorbild in ihrem Leben haben müssen, um einigermaßen auf der Spur zu bleiben. Schulabschluss ganz knapp geschafft, und Bashir zu muskulös und zu alt für den Gürtel seines Vaters, also Stellungskrieg zuhause. <br />
<br />
Er verliebt sich heftig in eine weiße Frau (hier richtig mit gemeinsamer Wohnung, bauen die sich da was zusammen auf, dazu seine tausend Jobs), aber die macht ihn irgendwann mit ihrem emotionalen Mist und der Nähe so aggressiv, dass er dann doch gehen muss (dabei ist sie gar nicht so schlimm, ehrlich, nur Bashir halt ab und zu auf 180). <br />
<br />
Er verliebt sich heftiger in einen weißen Mann: Nochmal den Versuch mit der gemeinsamen Wohnung und den liebt er echt schlimm, weiß er selbst. Als Konsequenz geht er zwar nicht (wenn der ihn abfuckt), aber dafür rutscht ihm vor Wut immer mal wieder die Hand aus. Bis er eines frühen Morgens nach Hause kommt, und der Mann ist weg, hat seinen ganzen Scheiß gepackt und ihm ne fast leere Wohnung hinterlassen, die er sich alleine nicht leisten kann. <br />
<br />
Die restlichen Möbel zertrümmert Bashir. <br />
<br />
Denkt sich: Fuck. <br />
Guckt sich um und denkt sich: Fuck. Ganz offenbar bin ich das Problem. <br />
<br />
Ist der wie sein Vater geworden, was für eine Scheiße, und er in dem Moment einfach nur froh, dass der Mann hier abgehauen ist, sang- und klanglos und mitten in der Nacht, in ein mit absoluter Sicherheit besseres Leben. Zuerst denkt Bashir ja, er stirbt ernsthaft, aber ne, ist nur ne Panikattacke. Es wird nicht die letzte sein. Bashir macht’s dem Mann schließlich gleich und verschwindet mit gebrochenem Herzen und Existenzkrise nach Berlin, weil das angeblich <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">the place to be</span> ist, wenn man ne traurige Schwuchtel ist. Da bleibt er ein halbes Jahr, fickt zu viel, versucht die Panikattacken mit Selbstmedikamentation zu lindern, und bricht nach zwei Tagen und zwei Nächten Wachsein und nem heftigen HIV-Scare in sich zusammen. <br />
<br />
Seine kleine Schwester holt ihn zurück nach London, wo er bei ihr und ihrem Mann einziehen darf für ein paar Wochen, bis es allen zu anstrengend wird. Seine Familie jagt ihn die Wände hoch. <br />
<br />
Früher hat er es vermieden, nach Pakistan zu reisen mit der Familie, weil ihm klar war, was da auf ihn wartete – klar, nicht alle Pakis sind so (und er hat's definitiv mit seinen Leuten beschissener erwischt als andere Kinder), aber zumindest seine Eltern nerven ihn doch ständig mit einer Heirat und irgendwelchen Nachbarstöchtern aus der Heimat. Irgendwann sagt er einfach <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Okay :)</span>, weil er keine Idee hat, was er mit seinem Leben machen soll, und ihm irgendwie eh alles egal zu sein scheint, richtiger Tiefpunkt. <br />
<br />
Eshaal ist genauso Ausschussware wie er, eigentlich zu alt und mit ebenfalls beschissenen Erfahrungen (das kann er quasi riechen). Er findet die von Anfang an richtig gut, was vielleicht daran liegt, dass sie so eine Ehrlichkeit ausstrahlt und gleichzeitig eine krasse Sehnsucht in den braunen Augen hat. Er würde gerne was gegen diese Sehnsucht tun, also fragt er sie, was sie schon immer mal machen wollte, und dann machen sie nach der Hochzeit exakt das: Sie ziehen endlich aus ihrem Viertel in London und weit genug von der Familie weg, dass die nicht mehr so krass nerven. Gemeinsam nach Manchester, wo sie niemand kennt und Eshaal ein ersehntes Jurastudium beginnt, das er hauptsächlich mit seinen Jobs als Türsteher / Kaufhausdetektiv / Personenschützer / Chauffeur finanziert. Er arbeitet so viel, dass ihm gar keine Zeit für traurige Gefühle bleibt, und die Gespräche mit Eshaal helfen ihm zusätzlich. <br />
<br />
Eventuell ist sie die klügste Frau, die Bashir jemals kennengelernt hat, und er kann ihr wirklich gar nicht das Wasser reichen, aber dafür platzt er vor Stolz, als sie nach Jahren sehr harter Arbeit und krassem Verzicht auf beiden Seiten tatsächlich <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Barrister</span> wird. Kinder kommen für sie beide nicht in Frage, bei ihr aus beruflichen und Alters-Gründen, bei ihm aus persönlichen Trauma-Gründen (duh), also lässt er sich sterilisieren, dabei haben sie gar nicht so oft miteinander Sex und nehmen immer zusätzlich Kondome. <br />
<br />
Sie nehmen einen Kredit auf für zwei kleinere Wohnungen, die direkt nebeneinanderliegen, und reißen die eine Wand ein, sodass sie einen gemeinsamen Raum zum Leben haben, und sonst für sich sein können. Manchmal sehen sie sich tagelang nicht, aber finden sich doch wieder in der Küche zusammen, wo sie gemeinsam kochen (also ehrlicherweise eher sie, aber er hilft mit Gemüseschneiden und Musik) und gerne Zeit miteinander verbringen. <br />
<br />
Es ist Eshaal, die immer mehr pro bono Fälle annimmt, in denen es um Missbrauch geht - wahrscheinlich, um die eigene Vergangenheit zu verarbeiten und gegen die Hilflosigkeit anzuarbeiten - und die ihn irgendwann fragt, ob er helfen könnte, sie hätte da eine Klientin, die dringend aus ihrer Wohnung müsste. Für einen Moment holt das die ganz alten Geschichten hoch, aber Bashir zögert nicht, und hilft als Personenschützer aus. Manche Menschen haben keinen Freundeskreis, der helfen kann (wie bei seinem Ex) und manche Situationen sind gefährlich, also ist er da. <br />
<br />
Und fragt sich ab und zu, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte man ihn als Kind mitgenommen. <br />
<br />
Bullen können auch nur von hier bis da helfen, und Bashir macht den dreckigen Rest, aber meistens so durchgeplant, dass selten etwas Schlimmes passiert. Selten muss er gewalttätig werden, einmal kommt er trotz Notrufnummer zu spät, ein paar Mal wollen die Opfer doch nicht gehen. Das macht ihn wütend, aber dafür gibt's Boxsäcke und Atemübungen (ersteres ist erfolgreicher als letzteres).<br />
<br />
Es braucht auch gar nicht so viele Überredungskünste, als Eshaal Bashir endlich in Therapie schicken will: Nur an seine frühere Kindheit kommt er immer noch nicht ran.<br />
<br />
Er ist ja nicht bescheuert. <br />
<br />
<div class="p8">No man's land, <br />
between the trenches, <br />
nothing grows there</div>
<br />
Bashir » ist süchtig nach Iced Coffee und Bubble Tea, und könnte dir ehrlicherweise auch die ganze Packung Pralinen in einem Rutsch wegfressen » ist überraschenderweise ein ausgezeichneter Tänzer » kann fast alle 90's Hip-Hop Songs mitrappen » ist Veganer » macht beim Nachrichtenschreiben die gröbsten Boomer-Fehler (zu viele Satzzeichen, keine Emoticons), sodass sich jede Nachricht wie eine Kriegserklärung liest » benutzt dabei auch noch Grindr und Tinder, also keine Ahnung, was dahingehend bei ihm abgeht » hält eine Tasse Tee erstmal für die Lösung aller Probleme, aber wehe, man bietet ihm im falschen Moment eine an » ist bisexuell, findet aber Männer generell einfacher abzuschleppen (was sicherlich gar nichts mit seiner Art zu chatten zu tun hat) » besitzt wenig Möbel und kaum Kram, weil er das Gefühl braucht, jederzeit die Zelte abbauen und weiterziehen zu können » akzeptiert aber den Kleinscheiß seiner Frau in den Gemeinschaftsräumen, ist schließlich ihr Ding, und ja okay, es sieht auch hübscher aus mit den Teppichen » läuft zuhause immer barfuß und empfindet Fußbodenheizung als Peak Luxury » ist kein gläubiger Mensch, geht aber trotzdem manchmal mit seiner Frau in die Moschee, nur um sicherzugehen » liebt es, Eshaal <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">seine Frau</span> zu nennen, weil <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">look at her</span> » spricht Urdu und Englisch mit heftigem Southern London Einschlag » ist seit ein paar Jahren komplett clean, trinkt eher wenig, hat aber ein Faible für ne Kippe im Job und ab und zu ne Shisha in der Freizeit</div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2"> Bashir Anwar</div>
  <div class="p3"> Bury me shallow, I’ll be back</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> be the bigger person. Get really buff and then knock the shit out of them.</div>
    </div>
    <img src=" https://i.ibb.co/Fqr0gHY/Baz-Anwar-Signatur01.png"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lex</div>
      <div>Alter // 38 Jahre</div>
      <div>
        Job // Türsteher</div>
      <div>
        Pizza // Quattro Formaggi</div>
      <div>
        Ava // Riz Ahmed</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src=" https://i.ibb.co/fFhK8P2/Riz-Ahmed1.gif"><br />
      </div>
Sach ma, blinzelt der eigentlich, wenn er Leute so intensiv anstarrt, könnte man sich schon mal fragen, aber meistens ist man in dem Moment damit beschäftigt, nicht so auszusehen, als hätte man vor fünf Minuten noch ein Kapitalverbrechen begangen. Ob's diese ausgestrahlte Ruhe ist, die dafür sorgt, dass sich vor seinen Clubs weniger geprügelt wird, oder dieses unangenehme Gefühl von Gefahr, das selbst zu Besoffenen durchdringt, naja, auf jeden Fall macht's Bashirs Job einfacher. Der hat aber auch ne relativ kurze Zündschnur bei so bestimmten Leuten, aber dafür hat er es mit harter Arbeit geschafft, den <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Cycle of Abuse</span> zu unterbrechen, den er noch vor zehn, fünfzehn Jahren durchgezogen hat, und ernsthaft das Problem bei sich zu sehen (wow). Es hat geholfen, dass er weit genug von seiner beschissenen Familie weg ist, und jetzt viel besser atmen kann. Aus nem echten Beschützerding und Gerechtigkeitsgefühl heraus, sowie um irgendwie seine Vergangenheit <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">gutzumachen</span>, arbeitet er mittlerweile als <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Night Mover</span>, der Menschen aus gewalttätigen Beziehungen beim Verschwinden hilft, wenn sie gar nicht mehr weiterwissen. Zum ersten Mal im Leben hat er das Gefühl, damit was richtig Sinnvolles zu machen und sich dabei noch ne Portion Adrenalin abzuholen.</div>
<br />
    <div class="p8"> Maybe I'm from everywhere but nowhere</div>
<br />
Ernstgemeint, aber Bashir erinnert sich an nichts vor seinem elften Lebensjahr in Southern London. <br />
<br />
Da gab's jetzt keinen großen Bruch oder so; nichts Außergewöhnliches, was sich von seinem vorigen Leben unterscheiden würde - behauptet man, denn wirklich überprüfen kann er's natürlich nicht ohne voll reinzugehen in die Erinnerung, und wieso sollte er das tun?!<br />
<br />
Er ist ja nicht bescheuert. <br />
<br />
Keinen blassen Schimmer, ob seine Mutter schon immer so viel geweint, und bei jedem kleinen Verstoß der Kinder mit der schlimmsten Strafe gedroht hat: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Wartet nur ab, bis euer Vater nach Hause kommt</span>. <br />
<br />
Davon auszugehen, dass sein Vater schon immer gewalttätig und wütend gewesen war--- also klar, die Erziehungsschellen sowieso, aber dann immer häufiger auch der Gürtel und die Tritte. Nur ungefähr in der Zeit hat sich in Bashirs Kinderhirn die Gewissheit breit gemacht, dass es ab und an eben Prügel gab, und dann auch nicht mehr Zurückhaltung probiert: <br />
<ul class="mycode_list"><li>Immer mal wieder und paar Wochen am Stück mit schlecht gefälschten Unterschriften die Schule geschwänzt.</li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Sich die für einen angehenden Teenager lebenswichtigen Dinge unter den Nagel gerissen, aus Supermärkten oder von Mitschülern (Turnschuhe, tragbaren Kassettenrekorder, Alkohol).</li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Mit ner gestohlenen AirGun auf nen Menschen gezielt, und den vom Fahrrad geholt (Schrottteil, also die Pistole, Gott sei Dank). </li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Sich ein paar Gehirnzellen mit dem Schnüffeln von Kleber weggeballert, aber dann gab’s Ecstasy irgendwann und das war eh besser.</li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Und noch ein paar andere Sachen, an die er nicht mehr denken will, und die irgendjemand immer rausbekommen und gepetzt hat.</li>
</ul>
<br />
Eigentlich ein Wunder, dass er nicht im Knast gelandet ist, vielleicht weil sich niemand um nen kleinen Paki schert, oder weil er einfach schon immer sehr schnell mit den Beinen war (denn ehrlicherweise haben sich schon immer zu viele Leute in England um kleine Pakis geschert, vor allem wenn die was ausgefressen haben). <br />
<br />
Eigentlich ein Wunder, dass er nicht totgeschlagen wurde, könnte man auch mal sagen, aber um seinen Kopf war’s eh nicht zu schade, bescheinigten ihm circa alle Erwachsenen.  <br />
<br />
Richtig <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">unangenehmes</span> Kind also. <br />
<br />
Er würde ja jetzt gerne erzählen, dass er wenigstens seine Geschwister beschützt hat, oder die Schwächeren auf dem Spielplatz, aber nö: Sein großer Bruder stand meistens sprachlos daneben oder hat sich selbst was eingefangen; seine kleine Schwester war auf ner anderen Schiene unterwegs, und außerdem eh ein Mädchen. <br />
<br />
Irgendwann kam dann der Kampfsport, und jetzt schon die berechtigte Frage, ob man so einem Typen auch noch den Körper zur Waffe umwandeln lassen sollte (wo er doch schon das Springmesser einen Ticken zu locker sitzen hatte), aber was der da lernte: <br />
<ul class="mycode_list"><li>Körpergefühl. </li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Disziplin. </li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Gemeinschaft. </li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Verantwortung. </li>
</ul>
<ul class="mycode_list"><li>Beinahe sowas wie Ruhe. </li>
</ul>
<br />
Tatsache, dass Kinder anscheinend doch einfach nur irgendein Vorbild in ihrem Leben haben müssen, um einigermaßen auf der Spur zu bleiben. Schulabschluss ganz knapp geschafft, und Bashir zu muskulös und zu alt für den Gürtel seines Vaters, also Stellungskrieg zuhause. <br />
<br />
Er verliebt sich heftig in eine weiße Frau (hier richtig mit gemeinsamer Wohnung, bauen die sich da was zusammen auf, dazu seine tausend Jobs), aber die macht ihn irgendwann mit ihrem emotionalen Mist und der Nähe so aggressiv, dass er dann doch gehen muss (dabei ist sie gar nicht so schlimm, ehrlich, nur Bashir halt ab und zu auf 180). <br />
<br />
Er verliebt sich heftiger in einen weißen Mann: Nochmal den Versuch mit der gemeinsamen Wohnung und den liebt er echt schlimm, weiß er selbst. Als Konsequenz geht er zwar nicht (wenn der ihn abfuckt), aber dafür rutscht ihm vor Wut immer mal wieder die Hand aus. Bis er eines frühen Morgens nach Hause kommt, und der Mann ist weg, hat seinen ganzen Scheiß gepackt und ihm ne fast leere Wohnung hinterlassen, die er sich alleine nicht leisten kann. <br />
<br />
Die restlichen Möbel zertrümmert Bashir. <br />
<br />
Denkt sich: Fuck. <br />
Guckt sich um und denkt sich: Fuck. Ganz offenbar bin ich das Problem. <br />
<br />
Ist der wie sein Vater geworden, was für eine Scheiße, und er in dem Moment einfach nur froh, dass der Mann hier abgehauen ist, sang- und klanglos und mitten in der Nacht, in ein mit absoluter Sicherheit besseres Leben. Zuerst denkt Bashir ja, er stirbt ernsthaft, aber ne, ist nur ne Panikattacke. Es wird nicht die letzte sein. Bashir macht’s dem Mann schließlich gleich und verschwindet mit gebrochenem Herzen und Existenzkrise nach Berlin, weil das angeblich <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">the place to be</span> ist, wenn man ne traurige Schwuchtel ist. Da bleibt er ein halbes Jahr, fickt zu viel, versucht die Panikattacken mit Selbstmedikamentation zu lindern, und bricht nach zwei Tagen und zwei Nächten Wachsein und nem heftigen HIV-Scare in sich zusammen. <br />
<br />
Seine kleine Schwester holt ihn zurück nach London, wo er bei ihr und ihrem Mann einziehen darf für ein paar Wochen, bis es allen zu anstrengend wird. Seine Familie jagt ihn die Wände hoch. <br />
<br />
Früher hat er es vermieden, nach Pakistan zu reisen mit der Familie, weil ihm klar war, was da auf ihn wartete – klar, nicht alle Pakis sind so (und er hat's definitiv mit seinen Leuten beschissener erwischt als andere Kinder), aber zumindest seine Eltern nerven ihn doch ständig mit einer Heirat und irgendwelchen Nachbarstöchtern aus der Heimat. Irgendwann sagt er einfach <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Okay :)</span>, weil er keine Idee hat, was er mit seinem Leben machen soll, und ihm irgendwie eh alles egal zu sein scheint, richtiger Tiefpunkt. <br />
<br />
Eshaal ist genauso Ausschussware wie er, eigentlich zu alt und mit ebenfalls beschissenen Erfahrungen (das kann er quasi riechen). Er findet die von Anfang an richtig gut, was vielleicht daran liegt, dass sie so eine Ehrlichkeit ausstrahlt und gleichzeitig eine krasse Sehnsucht in den braunen Augen hat. Er würde gerne was gegen diese Sehnsucht tun, also fragt er sie, was sie schon immer mal machen wollte, und dann machen sie nach der Hochzeit exakt das: Sie ziehen endlich aus ihrem Viertel in London und weit genug von der Familie weg, dass die nicht mehr so krass nerven. Gemeinsam nach Manchester, wo sie niemand kennt und Eshaal ein ersehntes Jurastudium beginnt, das er hauptsächlich mit seinen Jobs als Türsteher / Kaufhausdetektiv / Personenschützer / Chauffeur finanziert. Er arbeitet so viel, dass ihm gar keine Zeit für traurige Gefühle bleibt, und die Gespräche mit Eshaal helfen ihm zusätzlich. <br />
<br />
Eventuell ist sie die klügste Frau, die Bashir jemals kennengelernt hat, und er kann ihr wirklich gar nicht das Wasser reichen, aber dafür platzt er vor Stolz, als sie nach Jahren sehr harter Arbeit und krassem Verzicht auf beiden Seiten tatsächlich <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Barrister</span> wird. Kinder kommen für sie beide nicht in Frage, bei ihr aus beruflichen und Alters-Gründen, bei ihm aus persönlichen Trauma-Gründen (duh), also lässt er sich sterilisieren, dabei haben sie gar nicht so oft miteinander Sex und nehmen immer zusätzlich Kondome. <br />
<br />
Sie nehmen einen Kredit auf für zwei kleinere Wohnungen, die direkt nebeneinanderliegen, und reißen die eine Wand ein, sodass sie einen gemeinsamen Raum zum Leben haben, und sonst für sich sein können. Manchmal sehen sie sich tagelang nicht, aber finden sich doch wieder in der Küche zusammen, wo sie gemeinsam kochen (also ehrlicherweise eher sie, aber er hilft mit Gemüseschneiden und Musik) und gerne Zeit miteinander verbringen. <br />
<br />
Es ist Eshaal, die immer mehr pro bono Fälle annimmt, in denen es um Missbrauch geht - wahrscheinlich, um die eigene Vergangenheit zu verarbeiten und gegen die Hilflosigkeit anzuarbeiten - und die ihn irgendwann fragt, ob er helfen könnte, sie hätte da eine Klientin, die dringend aus ihrer Wohnung müsste. Für einen Moment holt das die ganz alten Geschichten hoch, aber Bashir zögert nicht, und hilft als Personenschützer aus. Manche Menschen haben keinen Freundeskreis, der helfen kann (wie bei seinem Ex) und manche Situationen sind gefährlich, also ist er da. <br />
<br />
Und fragt sich ab und zu, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte man ihn als Kind mitgenommen. <br />
<br />
Bullen können auch nur von hier bis da helfen, und Bashir macht den dreckigen Rest, aber meistens so durchgeplant, dass selten etwas Schlimmes passiert. Selten muss er gewalttätig werden, einmal kommt er trotz Notrufnummer zu spät, ein paar Mal wollen die Opfer doch nicht gehen. Das macht ihn wütend, aber dafür gibt's Boxsäcke und Atemübungen (ersteres ist erfolgreicher als letzteres).<br />
<br />
Es braucht auch gar nicht so viele Überredungskünste, als Eshaal Bashir endlich in Therapie schicken will: Nur an seine frühere Kindheit kommt er immer noch nicht ran.<br />
<br />
Er ist ja nicht bescheuert. <br />
<br />
<div class="p8">No man's land, <br />
between the trenches, <br />
nothing grows there</div>
<br />
Bashir » ist süchtig nach Iced Coffee und Bubble Tea, und könnte dir ehrlicherweise auch die ganze Packung Pralinen in einem Rutsch wegfressen » ist überraschenderweise ein ausgezeichneter Tänzer » kann fast alle 90's Hip-Hop Songs mitrappen » ist Veganer » macht beim Nachrichtenschreiben die gröbsten Boomer-Fehler (zu viele Satzzeichen, keine Emoticons), sodass sich jede Nachricht wie eine Kriegserklärung liest » benutzt dabei auch noch Grindr und Tinder, also keine Ahnung, was dahingehend bei ihm abgeht » hält eine Tasse Tee erstmal für die Lösung aller Probleme, aber wehe, man bietet ihm im falschen Moment eine an » ist bisexuell, findet aber Männer generell einfacher abzuschleppen (was sicherlich gar nichts mit seiner Art zu chatten zu tun hat) » besitzt wenig Möbel und kaum Kram, weil er das Gefühl braucht, jederzeit die Zelte abbauen und weiterziehen zu können » akzeptiert aber den Kleinscheiß seiner Frau in den Gemeinschaftsräumen, ist schließlich ihr Ding, und ja okay, es sieht auch hübscher aus mit den Teppichen » läuft zuhause immer barfuß und empfindet Fußbodenheizung als Peak Luxury » ist kein gläubiger Mensch, geht aber trotzdem manchmal mit seiner Frau in die Moschee, nur um sicherzugehen » liebt es, Eshaal <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">seine Frau</span> zu nennen, weil <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">look at her</span> » spricht Urdu und Englisch mit heftigem Southern London Einschlag » ist seit ein paar Jahren komplett clean, trinkt eher wenig, hat aber ein Faible für ne Kippe im Job und ab und zu ne Shisha in der Freizeit</div>
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Arif Nedić]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2117</link>
			<pubDate>Mon, 09 Nov 2020 17:07:57 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=437">Arif Nedić</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2117</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2"> Arif Nedić</div>
  <div class="p3"> I take the R out of pretty</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> anyways. When can I start screaming</div>
    </div>
    <img src="https://i.ibb.co/bNzjPGG/Arif-Nedic-Banner01.jpg"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lex</div>
      <div>Alter // 30 Jahre</div>
      <div>
        Job // Pfleger</div>
      <div>
        Pizza // Tonno</div>
      <div>
        Ava // Edin Hasanović</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://i.ibb.co/LYLZNt8/Arif100px.gif"><br />
      </div>
Eigentlich sieht der voll süß aus mit seinen funkelnden Augen und dem offenen Gesicht – naja, bis er eben die Fresse aufmacht, da fallen dem eindeutig zu viele dumme Sprüche raus. Arif ist auch echt so ein Klatschmaul, dass er sich manchmal, wenn ihm wirklich langweilig ist, einfach an ne Bar setzt und anderen Gesprächen zuhört. Nicht, dass er deren Leben interessanter findet als sein eigenes, aber heimlich träumt er doch davon, Privatdetektiv zu sein – und/oder Erpresser. Mit seiner eigenen Vergangenheit in Bosnien während des Krieges setzt er sich nicht auseinander, das ist ja auch alter Tobak, schon mal was von ererbten Trauma gehört? Nö (bestimmt). Bosnisch spricht er auch nur mit seiner Familie, die er immerhin tausendmal in der Woche sieht, denn Familie ist echt alles, ansonsten klingt er wie der schlimmste Mancunian. Dafür ist er so beliebt bei seinen Kolleginnen in der Klinik, weil er wirklich charmant sein kann, immer alles über jeden weiß, und auch sonst ein Händchen für die Kiddös auf der Station hat. Klar, mit denen kann er auch über Netflix quatschen und die neusten Sneakers von Adidas. Auf Arif kann man sich echt verlassen, der setzt sich auch die ganze Nacht neben dein Bett und hält dir die Hand, wenn du mal wieder zu lange kotzen musst, spielt mit dir Poker oder macht Rollstuhlwettrennen durch den Gang (inklusive Wettschulden). Auch wenn seine Zündschnur viel zu kurz ist und er gerne mal Leuten in die Fresse haut, sollten die sich nicht benehmen, trotz Sixpack ist der gar nicht so taff, sondern heult sofort mit, wenn jemand anderes damit anfängt.    </div>
<br />
    <div class="p8">Given how much of an ass I am at 29, by 93 I will most likely be nothing but walking sass in a flesh coffin.</div>
<br />
Die Jacke fällt noch in der Diele auf den Boden, direkt neben die Tüte mit den leeren Gläsern, die eigentlich schon seit drei Monaten zum Altglas hätte gebracht werden sollen. Der erste Schuh folgt einen Meter weiter. Der Zweite landet irgendwo in der Küche. Der Staub liegt zentimeterdick auf den Regalen. Der kleine Tischofen müsste dringend gesäubert werden. Überall liegt schmutziges Geschirr, dazwischen mehrere überfüllte Aschenbecher. Auf dem winzigen Balkon überleben zwei Marihuana Pflanzen. Wenn es zu kalt wird, dann finden sie ihren Platz neben dem Sofa, das eigentlich zum Bett umgeklappt werden kann, sich aber in diesem Dauerzustand befindet – dabei gibt es eigentlich ein Schlafzimmer. Neben dem Fernseher steht eine Metallbox, Auffangbecken für alle Kronkorken der letzten drei Jahre. Das Bad könnte auch mal wieder geputzt werden. Von den Fenstern ganz zu schweigen. Er sagt’s nur ungern, aber manchmal kommt seine Mum vorbei und macht sauber, weil er’s selbst nicht ghut hinkriegt. Seine Wäsche lässt er sich von ihr auch noch waschen, schließlich wohnen seine Eltern um die Ecke, und er hat auch gar keine Waschmaschine. <br />
<br />
Wenn nicht grad Winter ist, muss man aufpassen, dass man sich nicht wegen der Landschildkröte die Beine bricht, die kriecht hier auch noch rum, und kommt immer zur Tür gerannt, wenn er nach Hause kommt – wie so’n Hund, nur cooler. Dann ist der Boden wenigstens sauber, auch wegen dem Staubsaugerroboter, den er seit anderthalb Jahren hat, und mit dem sich Schildi eine erbitterte Feindschaft leistet. Arif kann sich gut um andere kümmern, aber nur so halb um sich selbst. Wenn’s nicht gerade um den eigenen Körper geht, weil seine Ernährung zwar halb scheiße ist (halb nur wegen, ja, richtig geraten, seiner Mum und diverser Aunties), und er außerdem zu viel raucht und Kaffee säuft, aber dafür auch fünf- bis sechsmal in der Woche ins Fitnessstudio geht. Sixpack ist ihm wichtig. <br />
<br />
Der breite Körper landet mit einem Stöhnen auf dem Sofabett, die schweren Füße auf dem Couchtisch, während The Great British Bake Off läuft. Direkt daneben das Foto der Mum, der wichtigsten Frau in Arifs Leben (neben seinen Schwestern). Sie hält ein Baby in den Armen und küsst es. Das dunkle Haar ist zu zwei Zöpfen gebunden, die schmalen Finger halten den kleinen Kopf. Die hellblauen Augen sind geschlossen und elegant geschminkt. Da sind Sommersprossen auf der schmalen Nase und den Wangen. Mutter und Sohn haben dieselben Augen und denselben Zug um den Mund, allerdings hat erstere mittlerweile tiefere Sorgenfalten um die Lippen – ein Leben in einem fremden Land, in dem sie die Sprache immer noch nicht einwandfrei kann, und das ihr selten das Gefühl gibt, heimisch zu sein. Andererseits eben auch die Chance, die Kinder ohne Angst vor Krieg aufwachsen zu lassen. <br />
<br />
In der Welt, in der das Foto aufgenommen worden war, war noch alles in Ordnung, denkt Arif manchmal, und es stimmt halt, aber daran kann man jetzt auch nichts mehr ändern – und außerdem ist hier in Manchester doch auch alles so weit in Ordnung. Er ist in Sarajevo geboren – und dann später, nach dem Krieg, immer in den Ferien zu der überlebenden Oma gekarrt worden, sechs Wochen Sommer in Bosnien, mit nem Außenklo und Hühnern im Hof. Es war jedes Mal geil. Die Oma ist vor ein paar Jahren gestorben, aber es gibt noch eine Tante und drei Cousins dort, die ihn eigentlich wieder hinlocken wollen. Eigentlich will er nochmal hin, aber ohne die Oma ist es nicht mehr dasselbe, und Spanien hat richtig günstige und geile Hotels für den Urlaub alle zwei Jahre. Arif spricht noch bosnisch, aber kann’s nicht gut schreiben, und würde da wahrscheinlich nicht mal nen Job kriegen, was okay ist, weil Manchester ohnehin die Heimat ist (er hat nen Tattoo von ner Arbeiterbiene auf der rechten Wade). <br />
<br />
Erinnern tut er sich nicht, dabei war Arif auch schon sechs Jahre alt, als die Familie in irgendeiner Sozialwohnung in Manchester gelandet ist. Was seine Kinderaugen bis dahin gesehen hatte – die zerbombten Häuser; die panische Angst in den Gesichtern der Erwachsenen; dass es irgendwann nicht mehr viel zu fressen gab; das Klirren von Fenstergläsern, Kinder und Freunde der Familie, die auf offener Straße erschossen wurden – das hat er alles wohlverschlossen weggepackt, in den Tiefen seines Bewusstseins vergraben. Da will er auch nicht dran, weil, wofür? Er ist Engländer mit (endlich) englischem Pass, er spricht krasser Dialekt als die anderen Menschen in deiner Umgebung und will von dem Trauma der Eltern nichts wissen. Da wird einfach drüber geschwiegen und sie denken, man fährt gut damit, schließlich versteht man sich ja trotzdem, hält zusammen, denn Familie ist alles. Den Eltern widerspricht man nicht, die Eltern wissen alles besser, und deswegen erzählt man den Eltern auch nix, was einen wirklich beschäftigt, damit die einem nicht dazwischen grätschen. Die sind stolz auf einen, denn der Job des Pflegers, das ist ein guter, und vielleicht kann er nächstes Jahr die Sonderausbildung für die Intensivstation machen, ansonsten bleibt er weiter in der Kinderstation für Krebserkrankungen, irgendwie passt er da auch echt gut hin – kommt ja auch wahnsinnig gut an bei den Kiddies und Teenies, weil er einfach ne coole Sau ist. <br />
<br />
Hätte auch echt mehr in die Hose gehen können, damals, denn so ein Leben in der Sozialsiedlung, wo sich keiner für ihn interessiert (also Schule und Bullen und Sozialdienst), bis auf die Eltern immerhin, aber das System? Ne. Da fängt man früh zu rauchen und zu kiffen an, da säuft man sich am Wochenende bewusstlos oder prügelt sich ins Koma oder beides, und er hat alles mitgemacht (naja, nur das Koma blieb ihm erspart). Harte Zeiten. Irgendwann eine gebrochene Nase, ein paar ausgeschlagene Zähne zu viel, mit sechzehn Jahren, vor dem Pub. Der hat seine Mutter beleidigt, aber erzählt hat er das nie von sich aus, das kam dann vor Gericht auf den Tisch. <br />
Vielleicht hat er das gebraucht: Nicht mehr hilflos zu sein. Nicht mehr zusehen zu müssen, wie sich wichtige Menschen einfach auflösen. Als er wegen Körperverletzung zu einem Haufen Sozialstunden verknackt wurde – und der Anwalt eh und dein Sozialarbeiter, denen hat er alles zu verdanken, wirklich, auf einmal gab’s da Typen, die haben ihn gesehen und ihm zugehört – und dem Hausmeister eines Krankenhauses geholfen hat, die Bettpfannen zu schrubben und die Kotze vom Boden zu wischen, da hat er gesehen, wie es auch sein kann (harte Arbeit). <br />
<br />
Sicher, Hilflosigkeit kocht immer hoch. Manchmal kann man einfach nicht mehr tun, als da zu sein, die Morphiumdosis zu erhöhen, tief durchzuatmen. Aber er kann es. Sicher, er ist der einzige Mann auf der Station, der kein Arzt ist, aber das findet er gar nicht mal so übel. Es gibt Tage, da beißt er sich unter der Gemeinschaftsdusche schmerzhaftheftig in den Unterarm, um das Schreien im Zaum zu halten. Die Tür seines Spinds hat auch schon bessere Tage gesehen und lässt sich nicht mehr richtig schließen. Aber sonst: Sonst ist er eigentlich ganz in Ordnung drauf. Die Arbeit macht ihm meistens Spaß: Sie gibt ihm den Halt und die Sicherheit, die er benötigt, um durch’s Leben zu kommen. Er erhält Bestätigung, dankbare Worte der Patienten und Angehörigen, ab und an mal ein Lob der arroganten Ärzte, den Beistand seiner Kolleginnen. Er ist ein guter Krankenpfleger, einfühlsam und clever, zumindest nach außen hin mit Nerven aus Stahl. Gut, manchmal bekommt seine geduldige Fassade deutliche Risse, aber das macht er mit seiner zu Unverschämtheit neigenden Sprüchen (richtig dumm auch oft genug) wieder wett. Keiner lästert so ausgiebig und liebevollböse wie er: Egal, um was es im Krankenhaus geht, er weiß Bescheid. Dafür lebt er. Wenn er will, kann er widerlich charmant sein, aber meistens will er einfach nicht. Sein Leben ist gar nicht mal so übel, findet er. Glücklich ist er selten, Zufriedenheit kennt er aber gut. Er ist froh, dass die Schildkröte zuhause immer noch lebt. Ab und an hat er mal ein Mädchen, aber weiter als bis zum dritten Date kommt er eigentlich nie. Komisch eigentlich, weil er echt süß gucken kann und viel lacht. Andererseits kein Wunder, seine Wohnung, die könnte er ruhig mal wieder putzen. So kann doch echt kein Mensch leben!<br />
<br />
<div class="p8"> Good morning, God has let me live another day and I’m about to make it everybody’s problem.</div>
<br />
Arif # schaltet immer sofort den Fernseher an, sobald er seine Wohnung betritt # füttert seine Schildkröte gesünder als sich selbst # kann nicht kochen, aber steht voll auf Dosenravioli, wenn er sich nicht gerade bei seiner Mutter durch’s Abendessen schnorrt # sieht die Familie mindestens viermal die Woche, was auch nicht schwer ist, wenn man nur einen Steinwurf voneinander entfernt lebt # lässt seine Wäsche auch von seiner Mum machen tbh # denkt mindestens einmal pro Woche drüber nach, Menschen auf seiner Arbeit zu erpressen; häufiger am Ende des Monats, wenn das Geld wieder knapp wird # würd das natürlich niemals (nur im absoluten Notfall) tun # verbummelt viel zu viel Zeit mit irgendwelchen Youtube-Clips # geht regelmäßig nachts oder frühmorgens ins Fitnessstudio und ist durchtrainierter als die nächste Michelangelo-Skulptur # spricht bosnisch ausschließlich mit seiner Familie # schläft immer sofort ein, sobald er sich hinlegt # steht voll auf diese Passfotoautomaten # guckt sich die Typen im Fitnessstudio oft ein bisschen zu lange an, aber natürlich nur aus Recherchezwecken und wegen des Bizeps (nohomo bestimmt) # hat immer kalte Füße # besitzt eine unglaublich große Sneakerssammlung und steckt auch sonst nicht gerade wenig Geld in Klamotten # hält Kinder für unerlässlich in einer Lebensplanung, gibt sich aber keine große Mühe, da so schnell wie möglich hinzukommen # findet Brillen wahnsinnig sexy (allerdings nicht bei sich, nein, natürlich braucht er keine, er hat Augen wie ein Adler) # ist politisch interessierter, als man es ihm zutrauen würde, hält aber darüber meistens die Klappe # ist sehr generös # mag Kerzenschein, der olle Romantiker # hält sich von Social Media fern, das regt ihn nur auf, und überhaupt, frisst das Zeit  </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2"> Arif Nedić</div>
  <div class="p3"> I take the R out of pretty</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> anyways. When can I start screaming</div>
    </div>
    <img src="https://i.ibb.co/bNzjPGG/Arif-Nedic-Banner01.jpg"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lex</div>
      <div>Alter // 30 Jahre</div>
      <div>
        Job // Pfleger</div>
      <div>
        Pizza // Tonno</div>
      <div>
        Ava // Edin Hasanović</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://i.ibb.co/LYLZNt8/Arif100px.gif"><br />
      </div>
Eigentlich sieht der voll süß aus mit seinen funkelnden Augen und dem offenen Gesicht – naja, bis er eben die Fresse aufmacht, da fallen dem eindeutig zu viele dumme Sprüche raus. Arif ist auch echt so ein Klatschmaul, dass er sich manchmal, wenn ihm wirklich langweilig ist, einfach an ne Bar setzt und anderen Gesprächen zuhört. Nicht, dass er deren Leben interessanter findet als sein eigenes, aber heimlich träumt er doch davon, Privatdetektiv zu sein – und/oder Erpresser. Mit seiner eigenen Vergangenheit in Bosnien während des Krieges setzt er sich nicht auseinander, das ist ja auch alter Tobak, schon mal was von ererbten Trauma gehört? Nö (bestimmt). Bosnisch spricht er auch nur mit seiner Familie, die er immerhin tausendmal in der Woche sieht, denn Familie ist echt alles, ansonsten klingt er wie der schlimmste Mancunian. Dafür ist er so beliebt bei seinen Kolleginnen in der Klinik, weil er wirklich charmant sein kann, immer alles über jeden weiß, und auch sonst ein Händchen für die Kiddös auf der Station hat. Klar, mit denen kann er auch über Netflix quatschen und die neusten Sneakers von Adidas. Auf Arif kann man sich echt verlassen, der setzt sich auch die ganze Nacht neben dein Bett und hält dir die Hand, wenn du mal wieder zu lange kotzen musst, spielt mit dir Poker oder macht Rollstuhlwettrennen durch den Gang (inklusive Wettschulden). Auch wenn seine Zündschnur viel zu kurz ist und er gerne mal Leuten in die Fresse haut, sollten die sich nicht benehmen, trotz Sixpack ist der gar nicht so taff, sondern heult sofort mit, wenn jemand anderes damit anfängt.    </div>
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    <div class="p8">Given how much of an ass I am at 29, by 93 I will most likely be nothing but walking sass in a flesh coffin.</div>
<br />
Die Jacke fällt noch in der Diele auf den Boden, direkt neben die Tüte mit den leeren Gläsern, die eigentlich schon seit drei Monaten zum Altglas hätte gebracht werden sollen. Der erste Schuh folgt einen Meter weiter. Der Zweite landet irgendwo in der Küche. Der Staub liegt zentimeterdick auf den Regalen. Der kleine Tischofen müsste dringend gesäubert werden. Überall liegt schmutziges Geschirr, dazwischen mehrere überfüllte Aschenbecher. Auf dem winzigen Balkon überleben zwei Marihuana Pflanzen. Wenn es zu kalt wird, dann finden sie ihren Platz neben dem Sofa, das eigentlich zum Bett umgeklappt werden kann, sich aber in diesem Dauerzustand befindet – dabei gibt es eigentlich ein Schlafzimmer. Neben dem Fernseher steht eine Metallbox, Auffangbecken für alle Kronkorken der letzten drei Jahre. Das Bad könnte auch mal wieder geputzt werden. Von den Fenstern ganz zu schweigen. Er sagt’s nur ungern, aber manchmal kommt seine Mum vorbei und macht sauber, weil er’s selbst nicht ghut hinkriegt. Seine Wäsche lässt er sich von ihr auch noch waschen, schließlich wohnen seine Eltern um die Ecke, und er hat auch gar keine Waschmaschine. <br />
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Wenn nicht grad Winter ist, muss man aufpassen, dass man sich nicht wegen der Landschildkröte die Beine bricht, die kriecht hier auch noch rum, und kommt immer zur Tür gerannt, wenn er nach Hause kommt – wie so’n Hund, nur cooler. Dann ist der Boden wenigstens sauber, auch wegen dem Staubsaugerroboter, den er seit anderthalb Jahren hat, und mit dem sich Schildi eine erbitterte Feindschaft leistet. Arif kann sich gut um andere kümmern, aber nur so halb um sich selbst. Wenn’s nicht gerade um den eigenen Körper geht, weil seine Ernährung zwar halb scheiße ist (halb nur wegen, ja, richtig geraten, seiner Mum und diverser Aunties), und er außerdem zu viel raucht und Kaffee säuft, aber dafür auch fünf- bis sechsmal in der Woche ins Fitnessstudio geht. Sixpack ist ihm wichtig. <br />
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Der breite Körper landet mit einem Stöhnen auf dem Sofabett, die schweren Füße auf dem Couchtisch, während The Great British Bake Off läuft. Direkt daneben das Foto der Mum, der wichtigsten Frau in Arifs Leben (neben seinen Schwestern). Sie hält ein Baby in den Armen und küsst es. Das dunkle Haar ist zu zwei Zöpfen gebunden, die schmalen Finger halten den kleinen Kopf. Die hellblauen Augen sind geschlossen und elegant geschminkt. Da sind Sommersprossen auf der schmalen Nase und den Wangen. Mutter und Sohn haben dieselben Augen und denselben Zug um den Mund, allerdings hat erstere mittlerweile tiefere Sorgenfalten um die Lippen – ein Leben in einem fremden Land, in dem sie die Sprache immer noch nicht einwandfrei kann, und das ihr selten das Gefühl gibt, heimisch zu sein. Andererseits eben auch die Chance, die Kinder ohne Angst vor Krieg aufwachsen zu lassen. <br />
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In der Welt, in der das Foto aufgenommen worden war, war noch alles in Ordnung, denkt Arif manchmal, und es stimmt halt, aber daran kann man jetzt auch nichts mehr ändern – und außerdem ist hier in Manchester doch auch alles so weit in Ordnung. Er ist in Sarajevo geboren – und dann später, nach dem Krieg, immer in den Ferien zu der überlebenden Oma gekarrt worden, sechs Wochen Sommer in Bosnien, mit nem Außenklo und Hühnern im Hof. Es war jedes Mal geil. Die Oma ist vor ein paar Jahren gestorben, aber es gibt noch eine Tante und drei Cousins dort, die ihn eigentlich wieder hinlocken wollen. Eigentlich will er nochmal hin, aber ohne die Oma ist es nicht mehr dasselbe, und Spanien hat richtig günstige und geile Hotels für den Urlaub alle zwei Jahre. Arif spricht noch bosnisch, aber kann’s nicht gut schreiben, und würde da wahrscheinlich nicht mal nen Job kriegen, was okay ist, weil Manchester ohnehin die Heimat ist (er hat nen Tattoo von ner Arbeiterbiene auf der rechten Wade). <br />
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Erinnern tut er sich nicht, dabei war Arif auch schon sechs Jahre alt, als die Familie in irgendeiner Sozialwohnung in Manchester gelandet ist. Was seine Kinderaugen bis dahin gesehen hatte – die zerbombten Häuser; die panische Angst in den Gesichtern der Erwachsenen; dass es irgendwann nicht mehr viel zu fressen gab; das Klirren von Fenstergläsern, Kinder und Freunde der Familie, die auf offener Straße erschossen wurden – das hat er alles wohlverschlossen weggepackt, in den Tiefen seines Bewusstseins vergraben. Da will er auch nicht dran, weil, wofür? Er ist Engländer mit (endlich) englischem Pass, er spricht krasser Dialekt als die anderen Menschen in deiner Umgebung und will von dem Trauma der Eltern nichts wissen. Da wird einfach drüber geschwiegen und sie denken, man fährt gut damit, schließlich versteht man sich ja trotzdem, hält zusammen, denn Familie ist alles. Den Eltern widerspricht man nicht, die Eltern wissen alles besser, und deswegen erzählt man den Eltern auch nix, was einen wirklich beschäftigt, damit die einem nicht dazwischen grätschen. Die sind stolz auf einen, denn der Job des Pflegers, das ist ein guter, und vielleicht kann er nächstes Jahr die Sonderausbildung für die Intensivstation machen, ansonsten bleibt er weiter in der Kinderstation für Krebserkrankungen, irgendwie passt er da auch echt gut hin – kommt ja auch wahnsinnig gut an bei den Kiddies und Teenies, weil er einfach ne coole Sau ist. <br />
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Hätte auch echt mehr in die Hose gehen können, damals, denn so ein Leben in der Sozialsiedlung, wo sich keiner für ihn interessiert (also Schule und Bullen und Sozialdienst), bis auf die Eltern immerhin, aber das System? Ne. Da fängt man früh zu rauchen und zu kiffen an, da säuft man sich am Wochenende bewusstlos oder prügelt sich ins Koma oder beides, und er hat alles mitgemacht (naja, nur das Koma blieb ihm erspart). Harte Zeiten. Irgendwann eine gebrochene Nase, ein paar ausgeschlagene Zähne zu viel, mit sechzehn Jahren, vor dem Pub. Der hat seine Mutter beleidigt, aber erzählt hat er das nie von sich aus, das kam dann vor Gericht auf den Tisch. <br />
Vielleicht hat er das gebraucht: Nicht mehr hilflos zu sein. Nicht mehr zusehen zu müssen, wie sich wichtige Menschen einfach auflösen. Als er wegen Körperverletzung zu einem Haufen Sozialstunden verknackt wurde – und der Anwalt eh und dein Sozialarbeiter, denen hat er alles zu verdanken, wirklich, auf einmal gab’s da Typen, die haben ihn gesehen und ihm zugehört – und dem Hausmeister eines Krankenhauses geholfen hat, die Bettpfannen zu schrubben und die Kotze vom Boden zu wischen, da hat er gesehen, wie es auch sein kann (harte Arbeit). <br />
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Sicher, Hilflosigkeit kocht immer hoch. Manchmal kann man einfach nicht mehr tun, als da zu sein, die Morphiumdosis zu erhöhen, tief durchzuatmen. Aber er kann es. Sicher, er ist der einzige Mann auf der Station, der kein Arzt ist, aber das findet er gar nicht mal so übel. Es gibt Tage, da beißt er sich unter der Gemeinschaftsdusche schmerzhaftheftig in den Unterarm, um das Schreien im Zaum zu halten. Die Tür seines Spinds hat auch schon bessere Tage gesehen und lässt sich nicht mehr richtig schließen. Aber sonst: Sonst ist er eigentlich ganz in Ordnung drauf. Die Arbeit macht ihm meistens Spaß: Sie gibt ihm den Halt und die Sicherheit, die er benötigt, um durch’s Leben zu kommen. Er erhält Bestätigung, dankbare Worte der Patienten und Angehörigen, ab und an mal ein Lob der arroganten Ärzte, den Beistand seiner Kolleginnen. Er ist ein guter Krankenpfleger, einfühlsam und clever, zumindest nach außen hin mit Nerven aus Stahl. Gut, manchmal bekommt seine geduldige Fassade deutliche Risse, aber das macht er mit seiner zu Unverschämtheit neigenden Sprüchen (richtig dumm auch oft genug) wieder wett. Keiner lästert so ausgiebig und liebevollböse wie er: Egal, um was es im Krankenhaus geht, er weiß Bescheid. Dafür lebt er. Wenn er will, kann er widerlich charmant sein, aber meistens will er einfach nicht. Sein Leben ist gar nicht mal so übel, findet er. Glücklich ist er selten, Zufriedenheit kennt er aber gut. Er ist froh, dass die Schildkröte zuhause immer noch lebt. Ab und an hat er mal ein Mädchen, aber weiter als bis zum dritten Date kommt er eigentlich nie. Komisch eigentlich, weil er echt süß gucken kann und viel lacht. Andererseits kein Wunder, seine Wohnung, die könnte er ruhig mal wieder putzen. So kann doch echt kein Mensch leben!<br />
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<div class="p8"> Good morning, God has let me live another day and I’m about to make it everybody’s problem.</div>
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Arif # schaltet immer sofort den Fernseher an, sobald er seine Wohnung betritt # füttert seine Schildkröte gesünder als sich selbst # kann nicht kochen, aber steht voll auf Dosenravioli, wenn er sich nicht gerade bei seiner Mutter durch’s Abendessen schnorrt # sieht die Familie mindestens viermal die Woche, was auch nicht schwer ist, wenn man nur einen Steinwurf voneinander entfernt lebt # lässt seine Wäsche auch von seiner Mum machen tbh # denkt mindestens einmal pro Woche drüber nach, Menschen auf seiner Arbeit zu erpressen; häufiger am Ende des Monats, wenn das Geld wieder knapp wird # würd das natürlich niemals (nur im absoluten Notfall) tun # verbummelt viel zu viel Zeit mit irgendwelchen Youtube-Clips # geht regelmäßig nachts oder frühmorgens ins Fitnessstudio und ist durchtrainierter als die nächste Michelangelo-Skulptur # spricht bosnisch ausschließlich mit seiner Familie # schläft immer sofort ein, sobald er sich hinlegt # steht voll auf diese Passfotoautomaten # guckt sich die Typen im Fitnessstudio oft ein bisschen zu lange an, aber natürlich nur aus Recherchezwecken und wegen des Bizeps (nohomo bestimmt) # hat immer kalte Füße # besitzt eine unglaublich große Sneakerssammlung und steckt auch sonst nicht gerade wenig Geld in Klamotten # hält Kinder für unerlässlich in einer Lebensplanung, gibt sich aber keine große Mühe, da so schnell wie möglich hinzukommen # findet Brillen wahnsinnig sexy (allerdings nicht bei sich, nein, natürlich braucht er keine, er hat Augen wie ein Adler) # ist politisch interessierter, als man es ihm zutrauen würde, hält aber darüber meistens die Klappe # ist sehr generös # mag Kerzenschein, der olle Romantiker # hält sich von Social Media fern, das regt ihn nur auf, und überhaupt, frisst das Zeit  </div>
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Andrew Marsh]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=1167</link>
			<pubDate>Sat, 27 Jan 2018 14:45:28 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=260">Andrew Marsh</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=1167</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Andrew Marsh</div>
  <div class="p3">nobody likes lawyers</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">Ich bin von Anfang an<br />
Zu weit gegangen<br />
Doch es zieht dich zu mir hin<br />
Weil ich auf der anderen Seite bin </div>
    </div>
    <img src=https://imgur.com/Tx0e940.jpg><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Tina</div>
      <div>Alter // 46 Jahre</div>
      <div>
        Job // Anwalt für Strafrecht</div>
      <div>
        Pizza // Frutti di Mare</div>
      <div>
        Ava // Anderson Cooper</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src=https://imgur.com/dcDlpii.gif><br />
      </div>
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Ohhh, kann ich Andy zu dir sagen?</span> - <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">You may not</span>, antwortet er im perfekten Oxford English, das ihm erst abends nach der dritten Pint entgleitet. Komm schon, ein bisschen Snob gehört zum erfolgreichen Anwalt einfach dazu. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Ich denke, du arbeitest bei Starbucks??</span> Criminal <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">barrister</span> hat weniger mit Kaffee zu tun, sondern vielmehr damit aus ‘nem Mord Notwehr zu zaubern. Moral ist aber auch ein dehnbarer Begriff oder Gerechtigkeit, der erkennt zwar mit einem Blick, ob jemand schuldig ist oder nicht, aber gewinnen ist halt trotzdem geil. Außerdem lacht der so schön, wenn der Tag gut läuft und hast du schon die Muskeln gesehen und wie gut er Konversation betreiben kann und angeblich reist der auch total gerne? Woran ist bitte diese Ehe damals gescheitert? Na wer so tief in seinem (begehbaren immerhin) Kleiderschrank steckt, dem können die schönsten Töchter zum Abendessen mitgegeben werden, da läuft genau nichts außer höflichen Komplimenten. Egal, es gibt so viele andere Sachen, mit denen man sich beschäftigen und lebendig fühlen kann: den alten Testarossa, den kleinen Bruder, der früher irgendwie mal niedlicher und weniger verkifft war.. Und zur Not gabelt Andrew sich schon jemanden auf - ganz diskret, in der Bar oder im Fitnessstudio (die Oberarme wachsen ja nicht von selbst), gegen die gelegentliche Einsamkeit.    </div>
    <div class="p8">how to write the perfect resume</div>
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Wenn ich groß bin, will ich Anwalt werden!</span> sagt kein Kind – ever. Andrew auch nicht, der fand Schauspielerei immer sehr gut und später, als Bücher interessant wurden, wollte er Journalist werden. Oscars oder Pulitzerpreis, Hauptsache nicht tiefstapeln. Dann hat sein Dad den einen Tag <i>zufällig</i> seinen Kumpel aus Schulzeiten zum Abendessen mitgebracht und der hat ihm erzählt, wie wichtig schauspielerische Fähigkeiten, Reden halten und kreatives Schreiben für einen erfolgreichen Anwalt sind. Naja, das war so was wie eine Epiphanie und er ist in Oxford gelandet; zum Glück hat er schon immer seine extracurricularen Aktivitäten gepflegt (Impro-class, Schulsprecher, Streberkind). Heute verpackt er seinen Berufswunsch etwas eleganter, aber tatsächlich war er ziemlich schnell überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Nach zwei Jahren Studium ist sein Dad gestorben – ugh, <i>what a downer</i> -, aber das erschien ihm wie die beste Entschuldigung, mal eben abzuhauen, eine Pause zu machen und mit Anwälte ohne Grenzen in Dritte-Welt-Ländern den Benachteiligten zu helfen. Gut fürs Karma und vor allem für den Lebenslauf, natürlich alles pro bono – Andrew würde eh die nächsten zehn Jahre damit beschäftigt sein, die Schulden für sein Studium abzubezahlen. Danach das letzte Jahr Studium, Bestnoten, bla. Er hatte wirklich nicht vor, irgendwas mit weniger als <i>perfekt</i> zu absolvieren (was ihn später mitunter anstrengend macht, weil <i>perfekt</i> nicht von allen als oberstes Gut angesehen wird, komischerweise). Ein bisschen erhaben hat sich das dann schon angefühlt, als er dem Inner Temple beigetreten ist und seine zwölf Dinners absolviert hat, so was wie ein alter Initiationsritus und der vorletzte Schritt auf dem Weg zum Anwalt. Für seine <i>pupillage</i> zog es ihn trotzdem nach Manchester zurück, er hat da auch einen guten Platz in einer renommierten Kanzlei bekommen und sich direkt zwei Jahre Zeit gelassen, weil er nachts noch für einen Solicitor alte Papierakten digitalisiert hat. Clever fand er das, noch einen Einblick in die andere Seite zu bekommen und die Kontakte – es geht doch nichts über Kontakte. Zum Schluss hat sich das ständige Polieren vom Lebenslauf auch wirklich gelohnt für diesen Job mit dem guten Einstiegsgehalt und den konservativen Kollegen, na er wollte jetzt bestimmt nicht mit Jammern anfangen. Erst mal das Professionelle regeln, dann würde sich das private Glück schon noch von ganz alleine einstellen. Spätestens nachdem er ein paar Jahre später von <i>St. John‘s Chambers</i> abgeworben wurde, große Fälle bearbeiten konnte, regelmäßig in der Zeitung aufgetaucht ist durch Bekämpfen von organisierter Kriminalität und Verteidigen von Unschuldigen, denen er einen lebenslangen Gefängnisaufenthalt erspart hat. <i>Barrister of the year</i> ist doch auch fast so was wie ein Oscar. Japp, irgendwann würde er sich ganz sicher auch für den Queen‘s Counsel bewerben, den letzten großen Schritt in der Karriere, weil DANN hätte er alles erreicht und könnte sich um.. den Rest kümmern, was vielleicht so liegen geblieben ist die Jahre.<br />
    <div class="p8">Alles, was ich immer wollte, war alles</div>
Er kann sich echt nicht beschweren über diese Kindheit mit liebenden Eltern und Freiheiten, Freunden, der ganze Kram. Sport fand der schon immer gut - Basketball und war grade ausreichend groß dafür. Dass er sich später noch dem Golfen widmen würde, hätte er als Jugendlicher nicht geglaubt, aber die Spießigkeit gehört zum Anwaltsleben dazu. Und weil Familie doch schon immer eine gute Idee war, hat er sich auch echt gefreut über den kleinen Bruder, ganz ehrlich! Andrew konnte dem Sachen zeigen und in seiner Geschichtsphase Stalingrad im Hinterhof nachspielen (<i>“Es lag Schnee und Mom wollte, dass wir rausgehen zum Spielen!“</i>). Vielleicht ging immer alles ein bisschen nach seinen Regeln, aber den kleinen Eddie schien das nicht so massiv zu stören. Nebenbei wurden auch allmählich Mädchen interessant, also zumindest in seinem Freundeskreis und um nicht blöde daneben zu stehen, während alle von ihrem (imaginären) ersten Mal erzählten, probierte Andrew das einfach mal aus. Er kam ja gut an bei denen, schon immer; große Klappe und tatsächlich was dahinter war mehr als die meisten anderen Jungs in seinem Alter zu bieten hatten. Allerdings konnte er die Aufregung um diese ganze Geschichte mit dem Sex nicht so ganz nachvollziehen, schob‘s aber darauf, dass er das noch üben musste. Er brauchte echt bis zum Studium, um den <i>Fehler</i> zu verstehen. Man stellt sich das Leben an der Uni so ausschweifend vor, aber für eine Mitgliedschaft in einer der studentischen Verbindungen war er zu arm und Frauen konnten ihn offenbar auch nicht vom Lernen ablenken, also blieb er seinem Streberdasein treu. Bis ihn eines abends auf dem Nachhauseweg von der Bibliothek sein Freund ins Gebüsch neben dem alten Gebäude zerrte – und küsste. Und das nicht mal besonders schüchtern. Da kam er nach dem ersten sekundenlangen Entsetzen auch nicht mehr umhin zu denken: <i>Oh. So also.</i> Es gab von Anfang an dieses stille Übereinkommen zwischen ihnen, dass das absolut niemanden etwas anging und so waren ihre Treffen immer unbequem, um es mal so zu formulieren, aber für das (richtige) erste und zweite und dritte Mal hat es trotzdem gereicht. Wie kam der dann überhaupt dazu und eigentlich selbst Schuld, fand Andrew, als der sich mit einem anderen Typen von ein paar Bullingdon Jungs hat erwischen lassen und öffentlich an den Pranger gestellt wurde. Im Nachhinein ist ihm schon klar geworden, dass er was hätte sagen müssen, weil da eine abartige Ungerechtigkeit passierte, aber damals hat er einfach weggeguckt und die Lehre gezogen, sich bloß nie erwischen zu lassen.  <br />
    <div class="p8">Alles, was ich immer hatte, warst du</div>
Danach war er an den Wochenenden immerhin wieder öfter Zuhause, guckte nach dem kranken Vater und Eddie. Letzterer war dann auch der einzige Grund, der es ihm schwer gemacht hat, nach dem Tod von ihrem Dad ins Ausland zu gehen. Kontakt halten war echt schwierig in einer Zeit, wo sich weder Internet noch Mobilfunk so richtig durchgesetzt hatten und man in afrikanischen Ländern immer noch per Eselpost kommunizierte. Da kam es auch eher überraschend nach dem Jahr, als er Zuhause plötzlich einen Stiefvater hatte und ihm Eddie irgendwie stiller vorkam als vorher. Aber bei kleinen Kindern weißte ja nicht, was die grade für eine Entwicklungsphase durchmachen und Andrew hatte wirklich noch anderes zu tun: Bier trinken mit den Kollegen zum Beispiel, obwohl er Rotwein viel lieber mochte, Schulden abbezahlen, trotzdem sein Interesse an Kunst ausleben und mit dem Gedanken spielen, selbst mal eine kleine Sammlung anzulegen und über große Umwege wenigstens einmal im Monat einen Typen ins Bett zu kriegen. Diskretion wurde langsam wirklich zu einer seiner größten Stärken. Weniger Ansprüche haben leider nicht, was die Wahl eines potenziellen Partners (und so viele andere Dinge) echt nicht leichter macht nach wie vor. Egal! Alles bestens, würden seine Freunde sagen, weil der schon immer ein angenehmer Typ war, dem man seine Geheimniskrämerei noch nie so richtig angemerkt hat. Nur dass im elterlichen Haus was im Argen war, das ist selbst ihm irgendwann aufgegangen und er macht seiner Mutter ja bis heute noch Vorwürfe dafür, dass sie nicht besser auf Eddie aufgepasst hat damals. Musste erst ein kalter Winter und dieser zugefrorene Teich und tausend glückliche Zufälle um die Ecke kommen, damit das ein Ende nahm und zwar nicht eins von den ganz schrecklichen. Dass er dann also seinen kleinen Bruder bei sich aufgenommen hat, hat ihm auch so ein allgemeines anerkennendes Kopfnicken beschert; so ein Familienmensch, wie der sich kümmert. War zur Hälfte Fürsorge, zur Hälfte schlechtes Gewissen. Allerdings war‘s ab da echt schwierig mit den sehr privaten Sozialkontakten. Im Urlaub in Italien, da ging’s, da kannte ihn niemand, eine freiere Welt. Ausgerechnet da hat er dann Alba kennengelernt, die Galeristin, die ihn mit ihrem Charme und ihrer Schönheit in ihren Bann gezogen hat. Vielleicht wurd’s ja doch; ein paar Dates und ein gutes Gefühl später hat Andrew ernsthaft gedacht, dass er was draus machen könnte, weil die gut in sein Leben passte und er sich eine ernsthafte platonische Liebe für sie abringen konnte. Außerdem würde so eine <s>schnelle</s> große Hochzeit im Sommer endlich mal die leisen Gerüchte aus dem Weg räumen, dass der Marsh nur für die Arbeit leben würde und warum der eigentlich keine Freundin hatte. Vor allem, weil diese Freundin dann extra für ihn nach England gezogen ist mit ihm in das kleine Häuschen, das er am Stadtrand gekauft hat, Es hätte so schön sein können – wenn man sich Homosexualität irgendwie hätte abgewöhnen können. Eine Zeit lang lief‘s gut, weil Andrew ein fürsorglicher und bemühter Ehemann war, der überraschend Geschenke mit nach Hause bringt und kleine Wochenendtrips plant. Und dann ging es irgendwann bergab mit Eddie und der Zufriedenheit, weil Judy sich das so echt nicht vorgestellt hat mit dem <i>Kinder haben</i>. Um den abendlichen Diskussionen im Bett aus dem Weg zu gehen, hat Andrew sich dann auch schön eine Schlafcouch im Arbeitszimmer eingerichtet und mit mehr Fällen eingedeckt, als man in einer 80-Stunden-Woche schaffen kann. Flucht in die Arbeit war ja wohl schon immer die beste Bewältigungsstrategie.<br />
    <div class="p8">but who needs love when there's law and order</div>
Es hat (angeblich) auch nicht geholfen, dass bei ihnen eines Tages ein Team Polizisten vor der Tür stand zur Hausdurchsuchung, weil <i>irgendjemand</i> ein Verfahren gegen Eddie eingeleitet hat. Den kleinen Bruder in den Knast stecken sei kein guter Move, was?? Andrew wollte ja nur helfen, weil ihm allmählich die Ideen ausgegangen sind und was konnte er denn dafür, dass der so einen unfähigen Verteidiger an die Seite bekommen hat, der nicht weniger als fünf Jahre rausschlagen konnte. Pfff. Ein <i>Problem</i> weniger hat leider trotzdem nicht gereicht, weil Alba das natürlich spitzgekriegt hat, genau so wie die Tatsache, dass Andrews Liebe zu ihr eher.. eingeschränkt war. Auf einmal hießen die guten Vorsätze fürs neue Jahr also <i>fuck it all</i> und eigentlich wäre nach der Scheidung wohl der perfekte Moment gewesen, um endlich im schneeweißen Glitzerkleid in der Kanzlei aufzutauchen. Die Genugtuung wollte er dann aber doch niemandem geben und weil der offizielle Grund für die Trennung auch Zeitmangel und „klappt eben nicht immer“ hieß, war er da relativ fein raus. Es war trotzdem der angemessene Zeitpunkt für eine kleine Midlife-Crisis, vor allem mit dem neuen Job, der schicken Wohnung und dem vielen Geld, das wirklich am besten in diesen roten Ferrari investiert wurde. Und in Kunst, Uhren, das gute Leben, Reisen.. Zufällig hat er unterwegs rausgefunden, dass sich diese gelegentliche Leere (ein bisschen einsam abends in der großen stillen Wohnung, was?) für eine Weile dadurch vertreiben ließ, indem man mit einem Fallschirm in mexikanische Höhlen sprang oder aus Hubschraubern - das findet er inzwischen selbst bescheuert, aber geschenkt. Konnte ihm wirklich keiner vorwerfen, dass er in Selbstmitleid oder Verbitterung versunken wäre, Andrew blieb ein guter Unterhalter, der seine <i>Problemchen</i> schön mit sich selbst ausmachte. Nicht, dass er generell ein Optimist wäre, aber es konnte ja nur besser werden irgendwann. Als der kleine Bruder wieder aus dem Gefängnis rauskam, war das doch ein Anfang. Dass er bis heute ein schlechtes Gewissen mit sich rumschleppt, weil Eddie seinetwegen fünf Jahre seines Lebens verloren hat, geschenkt. Hat doch geholfen – ein bisschen. Würde er dem auch erzählen, wenn das irgendwann doch rauskommen sollte. Überhaupt ist Andrew sehr gut darin geworden, sich die Dinge zurecht zu drehen und seine Wahrheit zu formulieren, aber was heißt <i>seine</i> Wahrheit, wenn es nunmal Sachen gibt, an denen nichts zu rütteln ist.<br />
    <div class="p8">when you own the world you're always home</div>
<i><b>Andrew</b></i>…<br />
mag Kinder ++ ist ganz schön nachtragend ++ und nimmt vieles sehr persönlich ++ kann aber angeblich total gut zwischen Gerichtssaal und Privatleben unterscheiden ++ ist trotzdem mitunter rechthaberisch und hat so einen überheblichen Ton drauf ++ hört gerne Klavierkonzerte (von Franz Liszt) ++ aber auch moderne Musik (bis Frank Ocean) ++ muss manchmal so doll lachen, bis einer weint ++ kommuniziert gut und gerne ++ erkennt berufsbedingt Lügen sehr schnell ++ sieht häufig müde aus ++ geht manchmal zum Fußball (ManU) ++ ist in allen Lebensbereichen ein schlechter Verlierer ++ liebt Kunst und schöne Dinge ++ geht regelmäßig ins hauseigene Fitnessstudio ++ hat gerne einen vollen Terminplan ++ braucht die Brille zum Lesen ++ trägt manchmal noch den Ehering ++ strebt den Job als QC ja auch ein bisschen wegen der schöneren Roben an (<i>silk</i> heißt das nicht umsonst) ++ hat die ersten grauen Haare mit dreißig bekommen ++ trägt meistens Anzüge (duh.) ++ flucht selten ++ ist abhängig von Technik ++ hat sein iPhone immer vor sich auf dem Tisch liegen ++ spricht oft über die Arbeit ++ ernährt sich (möglichst) gesund ++ spricht dank seiner Exfrau ziemlich gut Italienisch<br />
  </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Andrew Marsh</div>
  <div class="p3">nobody likes lawyers</div>
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    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">Ich bin von Anfang an<br />
Zu weit gegangen<br />
Doch es zieht dich zu mir hin<br />
Weil ich auf der anderen Seite bin </div>
    </div>
    <img src=https://imgur.com/Tx0e940.jpg><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Tina</div>
      <div>Alter // 46 Jahre</div>
      <div>
        Job // Anwalt für Strafrecht</div>
      <div>
        Pizza // Frutti di Mare</div>
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        Ava // Anderson Cooper</div>
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        <img src=https://imgur.com/dcDlpii.gif><br />
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<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Ohhh, kann ich Andy zu dir sagen?</span> - <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">You may not</span>, antwortet er im perfekten Oxford English, das ihm erst abends nach der dritten Pint entgleitet. Komm schon, ein bisschen Snob gehört zum erfolgreichen Anwalt einfach dazu. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Ich denke, du arbeitest bei Starbucks??</span> Criminal <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">barrister</span> hat weniger mit Kaffee zu tun, sondern vielmehr damit aus ‘nem Mord Notwehr zu zaubern. Moral ist aber auch ein dehnbarer Begriff oder Gerechtigkeit, der erkennt zwar mit einem Blick, ob jemand schuldig ist oder nicht, aber gewinnen ist halt trotzdem geil. Außerdem lacht der so schön, wenn der Tag gut läuft und hast du schon die Muskeln gesehen und wie gut er Konversation betreiben kann und angeblich reist der auch total gerne? Woran ist bitte diese Ehe damals gescheitert? Na wer so tief in seinem (begehbaren immerhin) Kleiderschrank steckt, dem können die schönsten Töchter zum Abendessen mitgegeben werden, da läuft genau nichts außer höflichen Komplimenten. Egal, es gibt so viele andere Sachen, mit denen man sich beschäftigen und lebendig fühlen kann: den alten Testarossa, den kleinen Bruder, der früher irgendwie mal niedlicher und weniger verkifft war.. Und zur Not gabelt Andrew sich schon jemanden auf - ganz diskret, in der Bar oder im Fitnessstudio (die Oberarme wachsen ja nicht von selbst), gegen die gelegentliche Einsamkeit.    </div>
    <div class="p8">how to write the perfect resume</div>
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Wenn ich groß bin, will ich Anwalt werden!</span> sagt kein Kind – ever. Andrew auch nicht, der fand Schauspielerei immer sehr gut und später, als Bücher interessant wurden, wollte er Journalist werden. Oscars oder Pulitzerpreis, Hauptsache nicht tiefstapeln. Dann hat sein Dad den einen Tag <i>zufällig</i> seinen Kumpel aus Schulzeiten zum Abendessen mitgebracht und der hat ihm erzählt, wie wichtig schauspielerische Fähigkeiten, Reden halten und kreatives Schreiben für einen erfolgreichen Anwalt sind. Naja, das war so was wie eine Epiphanie und er ist in Oxford gelandet; zum Glück hat er schon immer seine extracurricularen Aktivitäten gepflegt (Impro-class, Schulsprecher, Streberkind). Heute verpackt er seinen Berufswunsch etwas eleganter, aber tatsächlich war er ziemlich schnell überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Nach zwei Jahren Studium ist sein Dad gestorben – ugh, <i>what a downer</i> -, aber das erschien ihm wie die beste Entschuldigung, mal eben abzuhauen, eine Pause zu machen und mit Anwälte ohne Grenzen in Dritte-Welt-Ländern den Benachteiligten zu helfen. Gut fürs Karma und vor allem für den Lebenslauf, natürlich alles pro bono – Andrew würde eh die nächsten zehn Jahre damit beschäftigt sein, die Schulden für sein Studium abzubezahlen. Danach das letzte Jahr Studium, Bestnoten, bla. Er hatte wirklich nicht vor, irgendwas mit weniger als <i>perfekt</i> zu absolvieren (was ihn später mitunter anstrengend macht, weil <i>perfekt</i> nicht von allen als oberstes Gut angesehen wird, komischerweise). Ein bisschen erhaben hat sich das dann schon angefühlt, als er dem Inner Temple beigetreten ist und seine zwölf Dinners absolviert hat, so was wie ein alter Initiationsritus und der vorletzte Schritt auf dem Weg zum Anwalt. Für seine <i>pupillage</i> zog es ihn trotzdem nach Manchester zurück, er hat da auch einen guten Platz in einer renommierten Kanzlei bekommen und sich direkt zwei Jahre Zeit gelassen, weil er nachts noch für einen Solicitor alte Papierakten digitalisiert hat. Clever fand er das, noch einen Einblick in die andere Seite zu bekommen und die Kontakte – es geht doch nichts über Kontakte. Zum Schluss hat sich das ständige Polieren vom Lebenslauf auch wirklich gelohnt für diesen Job mit dem guten Einstiegsgehalt und den konservativen Kollegen, na er wollte jetzt bestimmt nicht mit Jammern anfangen. Erst mal das Professionelle regeln, dann würde sich das private Glück schon noch von ganz alleine einstellen. Spätestens nachdem er ein paar Jahre später von <i>St. John‘s Chambers</i> abgeworben wurde, große Fälle bearbeiten konnte, regelmäßig in der Zeitung aufgetaucht ist durch Bekämpfen von organisierter Kriminalität und Verteidigen von Unschuldigen, denen er einen lebenslangen Gefängnisaufenthalt erspart hat. <i>Barrister of the year</i> ist doch auch fast so was wie ein Oscar. Japp, irgendwann würde er sich ganz sicher auch für den Queen‘s Counsel bewerben, den letzten großen Schritt in der Karriere, weil DANN hätte er alles erreicht und könnte sich um.. den Rest kümmern, was vielleicht so liegen geblieben ist die Jahre.<br />
    <div class="p8">Alles, was ich immer wollte, war alles</div>
Er kann sich echt nicht beschweren über diese Kindheit mit liebenden Eltern und Freiheiten, Freunden, der ganze Kram. Sport fand der schon immer gut - Basketball und war grade ausreichend groß dafür. Dass er sich später noch dem Golfen widmen würde, hätte er als Jugendlicher nicht geglaubt, aber die Spießigkeit gehört zum Anwaltsleben dazu. Und weil Familie doch schon immer eine gute Idee war, hat er sich auch echt gefreut über den kleinen Bruder, ganz ehrlich! Andrew konnte dem Sachen zeigen und in seiner Geschichtsphase Stalingrad im Hinterhof nachspielen (<i>“Es lag Schnee und Mom wollte, dass wir rausgehen zum Spielen!“</i>). Vielleicht ging immer alles ein bisschen nach seinen Regeln, aber den kleinen Eddie schien das nicht so massiv zu stören. Nebenbei wurden auch allmählich Mädchen interessant, also zumindest in seinem Freundeskreis und um nicht blöde daneben zu stehen, während alle von ihrem (imaginären) ersten Mal erzählten, probierte Andrew das einfach mal aus. Er kam ja gut an bei denen, schon immer; große Klappe und tatsächlich was dahinter war mehr als die meisten anderen Jungs in seinem Alter zu bieten hatten. Allerdings konnte er die Aufregung um diese ganze Geschichte mit dem Sex nicht so ganz nachvollziehen, schob‘s aber darauf, dass er das noch üben musste. Er brauchte echt bis zum Studium, um den <i>Fehler</i> zu verstehen. Man stellt sich das Leben an der Uni so ausschweifend vor, aber für eine Mitgliedschaft in einer der studentischen Verbindungen war er zu arm und Frauen konnten ihn offenbar auch nicht vom Lernen ablenken, also blieb er seinem Streberdasein treu. Bis ihn eines abends auf dem Nachhauseweg von der Bibliothek sein Freund ins Gebüsch neben dem alten Gebäude zerrte – und küsste. Und das nicht mal besonders schüchtern. Da kam er nach dem ersten sekundenlangen Entsetzen auch nicht mehr umhin zu denken: <i>Oh. So also.</i> Es gab von Anfang an dieses stille Übereinkommen zwischen ihnen, dass das absolut niemanden etwas anging und so waren ihre Treffen immer unbequem, um es mal so zu formulieren, aber für das (richtige) erste und zweite und dritte Mal hat es trotzdem gereicht. Wie kam der dann überhaupt dazu und eigentlich selbst Schuld, fand Andrew, als der sich mit einem anderen Typen von ein paar Bullingdon Jungs hat erwischen lassen und öffentlich an den Pranger gestellt wurde. Im Nachhinein ist ihm schon klar geworden, dass er was hätte sagen müssen, weil da eine abartige Ungerechtigkeit passierte, aber damals hat er einfach weggeguckt und die Lehre gezogen, sich bloß nie erwischen zu lassen.  <br />
    <div class="p8">Alles, was ich immer hatte, warst du</div>
Danach war er an den Wochenenden immerhin wieder öfter Zuhause, guckte nach dem kranken Vater und Eddie. Letzterer war dann auch der einzige Grund, der es ihm schwer gemacht hat, nach dem Tod von ihrem Dad ins Ausland zu gehen. Kontakt halten war echt schwierig in einer Zeit, wo sich weder Internet noch Mobilfunk so richtig durchgesetzt hatten und man in afrikanischen Ländern immer noch per Eselpost kommunizierte. Da kam es auch eher überraschend nach dem Jahr, als er Zuhause plötzlich einen Stiefvater hatte und ihm Eddie irgendwie stiller vorkam als vorher. Aber bei kleinen Kindern weißte ja nicht, was die grade für eine Entwicklungsphase durchmachen und Andrew hatte wirklich noch anderes zu tun: Bier trinken mit den Kollegen zum Beispiel, obwohl er Rotwein viel lieber mochte, Schulden abbezahlen, trotzdem sein Interesse an Kunst ausleben und mit dem Gedanken spielen, selbst mal eine kleine Sammlung anzulegen und über große Umwege wenigstens einmal im Monat einen Typen ins Bett zu kriegen. Diskretion wurde langsam wirklich zu einer seiner größten Stärken. Weniger Ansprüche haben leider nicht, was die Wahl eines potenziellen Partners (und so viele andere Dinge) echt nicht leichter macht nach wie vor. Egal! Alles bestens, würden seine Freunde sagen, weil der schon immer ein angenehmer Typ war, dem man seine Geheimniskrämerei noch nie so richtig angemerkt hat. Nur dass im elterlichen Haus was im Argen war, das ist selbst ihm irgendwann aufgegangen und er macht seiner Mutter ja bis heute noch Vorwürfe dafür, dass sie nicht besser auf Eddie aufgepasst hat damals. Musste erst ein kalter Winter und dieser zugefrorene Teich und tausend glückliche Zufälle um die Ecke kommen, damit das ein Ende nahm und zwar nicht eins von den ganz schrecklichen. Dass er dann also seinen kleinen Bruder bei sich aufgenommen hat, hat ihm auch so ein allgemeines anerkennendes Kopfnicken beschert; so ein Familienmensch, wie der sich kümmert. War zur Hälfte Fürsorge, zur Hälfte schlechtes Gewissen. Allerdings war‘s ab da echt schwierig mit den sehr privaten Sozialkontakten. Im Urlaub in Italien, da ging’s, da kannte ihn niemand, eine freiere Welt. Ausgerechnet da hat er dann Alba kennengelernt, die Galeristin, die ihn mit ihrem Charme und ihrer Schönheit in ihren Bann gezogen hat. Vielleicht wurd’s ja doch; ein paar Dates und ein gutes Gefühl später hat Andrew ernsthaft gedacht, dass er was draus machen könnte, weil die gut in sein Leben passte und er sich eine ernsthafte platonische Liebe für sie abringen konnte. Außerdem würde so eine <s>schnelle</s> große Hochzeit im Sommer endlich mal die leisen Gerüchte aus dem Weg räumen, dass der Marsh nur für die Arbeit leben würde und warum der eigentlich keine Freundin hatte. Vor allem, weil diese Freundin dann extra für ihn nach England gezogen ist mit ihm in das kleine Häuschen, das er am Stadtrand gekauft hat, Es hätte so schön sein können – wenn man sich Homosexualität irgendwie hätte abgewöhnen können. Eine Zeit lang lief‘s gut, weil Andrew ein fürsorglicher und bemühter Ehemann war, der überraschend Geschenke mit nach Hause bringt und kleine Wochenendtrips plant. Und dann ging es irgendwann bergab mit Eddie und der Zufriedenheit, weil Judy sich das so echt nicht vorgestellt hat mit dem <i>Kinder haben</i>. Um den abendlichen Diskussionen im Bett aus dem Weg zu gehen, hat Andrew sich dann auch schön eine Schlafcouch im Arbeitszimmer eingerichtet und mit mehr Fällen eingedeckt, als man in einer 80-Stunden-Woche schaffen kann. Flucht in die Arbeit war ja wohl schon immer die beste Bewältigungsstrategie.<br />
    <div class="p8">but who needs love when there's law and order</div>
Es hat (angeblich) auch nicht geholfen, dass bei ihnen eines Tages ein Team Polizisten vor der Tür stand zur Hausdurchsuchung, weil <i>irgendjemand</i> ein Verfahren gegen Eddie eingeleitet hat. Den kleinen Bruder in den Knast stecken sei kein guter Move, was?? Andrew wollte ja nur helfen, weil ihm allmählich die Ideen ausgegangen sind und was konnte er denn dafür, dass der so einen unfähigen Verteidiger an die Seite bekommen hat, der nicht weniger als fünf Jahre rausschlagen konnte. Pfff. Ein <i>Problem</i> weniger hat leider trotzdem nicht gereicht, weil Alba das natürlich spitzgekriegt hat, genau so wie die Tatsache, dass Andrews Liebe zu ihr eher.. eingeschränkt war. Auf einmal hießen die guten Vorsätze fürs neue Jahr also <i>fuck it all</i> und eigentlich wäre nach der Scheidung wohl der perfekte Moment gewesen, um endlich im schneeweißen Glitzerkleid in der Kanzlei aufzutauchen. Die Genugtuung wollte er dann aber doch niemandem geben und weil der offizielle Grund für die Trennung auch Zeitmangel und „klappt eben nicht immer“ hieß, war er da relativ fein raus. Es war trotzdem der angemessene Zeitpunkt für eine kleine Midlife-Crisis, vor allem mit dem neuen Job, der schicken Wohnung und dem vielen Geld, das wirklich am besten in diesen roten Ferrari investiert wurde. Und in Kunst, Uhren, das gute Leben, Reisen.. Zufällig hat er unterwegs rausgefunden, dass sich diese gelegentliche Leere (ein bisschen einsam abends in der großen stillen Wohnung, was?) für eine Weile dadurch vertreiben ließ, indem man mit einem Fallschirm in mexikanische Höhlen sprang oder aus Hubschraubern - das findet er inzwischen selbst bescheuert, aber geschenkt. Konnte ihm wirklich keiner vorwerfen, dass er in Selbstmitleid oder Verbitterung versunken wäre, Andrew blieb ein guter Unterhalter, der seine <i>Problemchen</i> schön mit sich selbst ausmachte. Nicht, dass er generell ein Optimist wäre, aber es konnte ja nur besser werden irgendwann. Als der kleine Bruder wieder aus dem Gefängnis rauskam, war das doch ein Anfang. Dass er bis heute ein schlechtes Gewissen mit sich rumschleppt, weil Eddie seinetwegen fünf Jahre seines Lebens verloren hat, geschenkt. Hat doch geholfen – ein bisschen. Würde er dem auch erzählen, wenn das irgendwann doch rauskommen sollte. Überhaupt ist Andrew sehr gut darin geworden, sich die Dinge zurecht zu drehen und seine Wahrheit zu formulieren, aber was heißt <i>seine</i> Wahrheit, wenn es nunmal Sachen gibt, an denen nichts zu rütteln ist.<br />
    <div class="p8">when you own the world you're always home</div>
<i><b>Andrew</b></i>…<br />
mag Kinder ++ ist ganz schön nachtragend ++ und nimmt vieles sehr persönlich ++ kann aber angeblich total gut zwischen Gerichtssaal und Privatleben unterscheiden ++ ist trotzdem mitunter rechthaberisch und hat so einen überheblichen Ton drauf ++ hört gerne Klavierkonzerte (von Franz Liszt) ++ aber auch moderne Musik (bis Frank Ocean) ++ muss manchmal so doll lachen, bis einer weint ++ kommuniziert gut und gerne ++ erkennt berufsbedingt Lügen sehr schnell ++ sieht häufig müde aus ++ geht manchmal zum Fußball (ManU) ++ ist in allen Lebensbereichen ein schlechter Verlierer ++ liebt Kunst und schöne Dinge ++ geht regelmäßig ins hauseigene Fitnessstudio ++ hat gerne einen vollen Terminplan ++ braucht die Brille zum Lesen ++ trägt manchmal noch den Ehering ++ strebt den Job als QC ja auch ein bisschen wegen der schöneren Roben an (<i>silk</i> heißt das nicht umsonst) ++ hat die ersten grauen Haare mit dreißig bekommen ++ trägt meistens Anzüge (duh.) ++ flucht selten ++ ist abhängig von Technik ++ hat sein iPhone immer vor sich auf dem Tisch liegen ++ spricht oft über die Arbeit ++ ernährt sich (möglichst) gesund ++ spricht dank seiner Exfrau ziemlich gut Italienisch<br />
  </div>
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Chuck Boyd]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=152</link>
			<pubDate>Sat, 15 Oct 2016 23:04:09 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=42">Chuck Boyd</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=152</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Chuck Boyd</div>
  <div class="p3"> If karma doesn’t come around and hit you in the face, i will</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> I just want to say from the bottom of my heart I didn’t sign up for this shit<br />
</div>
    </div>
    <img src=" https://i.imgur.com/7GFBw8B.png"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lex</div>
      <div>Alter // 29 Jahre</div>
      <div>
        Job // Steuerfachangestellte </div>
      <div>
        Pizza // Alles mit scharfer Salami!</div>
      <div>
        Ava // Antonia Thomas</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://image.ibb.co/mqqpMJ/Chuck.gif"><br />
      </div>
      Wenn man dich fragt, dann hast du dein Leben richtig verkackt. Es lief schon von Anfang an beschissen, als erstes Kind einer versoffenen Alten, die noch nie was von Verhütung gehört hat. Da haste schon früh angefangen, dich um die Blagen zu kümmern. Und trotzdem: Nebenher noch irgendwie die Schule zu packen, das macht man dir so leicht nicht nach. Du hättest ja auch einfach vor der Glotze vegetieren können, Kippe in der einen, Bier in der anderen Hand. Du hättest abhauen können, aber du bist geblieben: Wegen den Scheißern, die du Geschwister nennst; wegen dem Vater, der sich den Arsch für dich aufgerissen hat; wegen deinem Kumpel, der die Kurve nicht gekriegt hat. Im wahrsten Sinne des Wortes: Versoffen gegen ‘nen Baum zu fahren, ist ‘ne beschissene Art zu sterben. Als besoffene Beifahrerin im Rollstuhl zu landen, was ‘ne Leistung! Du versuchst klarzukommen. Meistens gelingt’s. Klar, das mit der emotionalen Kontrolle hast du nicht im Griff. Aber du lachst lieber, statt zu heulen.<br />
    </div>
    <div class="p8"> Vor fünf minuten gekommen<br />
fühl ich mich eigentlich nach gehen</div>
    Du kannst Stille nicht ertragen. Hast du noch nie. Stille ist unnatürlich. Stille kommt in deinem Lebenskonzept nicht vor. Gar nicht mal, weil du dann nachdenken müsstest. Über all die beschissenen Entscheidungen, die du in den letzten Jahren getroffen hast. Die noch beschissenere Ergebnisse nach sich gezogen haben. Okay, darauf stehst du auch nicht besonders, zugegeben. Aber wer tut das schon? Wer liegt nachts schon gerne im Bett und kann nicht pennen, weil die Tabletten nicht wirken und das Gedankenkarussells bereits im vollen Gange ist? Ist halt einfach ‘ne miese Situation, daran musst du dich gewöhnen. Hast du ja auch eigentlich geschafft – meistens eben. Nicht immer. Aber man darf da auch einfach nicht zu viel erwarten… Sowas braucht Zeit. Und du hörst nicht gerne die Zeit verstreichen. Vielleicht ist es das. Sie zerrinnt dir zwischen den Fingern und du hast das Gefühl, seit drei Jahren nicht von der Stelle zu kommen. Ausgerechnet. Aber das gehört wohl dazu, wenn man bestimmte Gliedmaßen nicht mehr bewegen kann. Noch so ‘ne Sache, die mit Stille zu tun hat. Mit der hast du einfach immer schlechte Erfahrungen gemacht. <br />
<br />
In deinem Leben war es nie still. Zuhause schrie immer jemand. Kreischte. Fluchte. Die Glotze lief ständig im Hintergrund. Oder das Radio. Meistens beides. Nachts die Geräusche des Verkehrs, die Gespräche der Nachbarn, die Streitigkeiten, kaum aufgehalten von den spanplattendünnen Wänden. Die Klospülung. Die Waschmaschine. Manchmal die Vögel auf dem einzigen Baum der Straße. Kläffende Hunde. Alarmanlagen. Polizeisirenen. All der alltägliche Scheiß, der einem irgendwann nicht mal mehr auffällt. Genauso wie die Gerüche, die dir immer in der Nase hingen. Der Gestank der Armut. Urin, Hundescheiße und Kohl, nicht besonders aufregend. Richtige Stille hast du eigentlich nicht sehr häufig erlebt, aber sie kam meistens mit unangenehmen Veränderungen. Damals, als deine Ma die Augen nicht mehr öffnen wollte und fast an ihrer eigenen Kotze erstickt wäre. Da war es richtig leise, da sagte niemand mehr irgendwas. Bis du, als Älteste in diesem Saustall, schließlich kapiert hast, dass du was machen musst, wenn du die versoffene Alte noch behalten willst. Wolltest du. Schließlich ist sie trotz allem immer noch deine Ma. Kinderliebe geht doch sehr weit, da kann man echt einiges verkacken, bis der Zug endgültig abgefahren ist. Viele Sachen hast du nicht verziehen, aber geliebt hast du sie immer irgendwie. Auf diese höchst krude Art und Weise, wie es bei den Boyds eben so der Fall ist. Dabei war das Verhältnis immer schwierig. Du, als einziges Balg von einem anderen Mann. Schwarz auch noch – schöne Scheiße. Keine Ahnung, wie deine Ma es geschafft hat, ohne Verhütung durch ’s Leben zu gehen… Gerächt hat sich das so oder so. <br />
<br />
Aber manchmal hast du das Gefühl, dass deine Ma längst den Überblick verloren hat, wie viele Mäuler sie eigentlich wirklich stopfen muss. Nicht mal das kriegt sie richtig gebacken. Wenn man drei Tage nichts zwischen die Zähne kriegt und du schon überlegst, ob man auch aus ‘ner Mülltonne was zu beißen fischen kann oder zumindest bei den Nachbarn ein bisschen schnorren, dann ist das Jammern der Kleinen längst verstummt. Und richtig: Stille. Weil die dann eher vor sich hindösen und dumpf durch die Gegend starren. Letztlich hattest du immer ‘nen Ass im Ärmel. Deinen Pa. Ganz im Gegensatz zu anderen Vätern, die genauso unzuverlässig und dauerbesoffen wie deine Ma waren, kannst du dich auf deinen verlassen. Der ist zwar abgehauen, zwei Jahre nach deiner Geburt, aber eigentlich wollte der dich mitnehmen. Damit du nicht im Drecksloch aufwachsen muss. Klar, dass das Leben dir da ‘n Strich durch die Rechnung macht. Letztlich interessiert sich das System nämlich nen Scheiß dafür, ob die Lebensmittel im Kühlschrank nicht schon Beine gekriegt haben. Da ging’s nur darum, dass dein Pa keine Zeit hat. Weil er ackern musste, zwei Jobs und so. Außerdem nimmt man der Mutter nicht das Kind weg. Macht man einfach nicht. Manchmal fragst du dich, wie’s wohl gewesen wäre, nicht in dem stinkenden Loch aufgewachsen zu sein, sondern drei Straßen weiter, wo’s ein bisschen netter ist. Immerhin hättest du dann weder Mads, noch John kennengelernt und dann wäre dir einiges entgangen. Viel Gutes, klar. Ihr hattet schon immer ‘ne Menge Spaß gehabt. Mit denen fiel dir deine Existenz nicht so schwer. Vollidioten, alle zusammen. Ihr habt euch gemeinsam das erste Mal so richtig betrunken. Du hast mit beiden rumgeknutscht – man muss ja mal schauen, wie das so ist. Verknallt warst du nie: Beide waren Familie. Manchmal mehr als die eigene Sippe. <br />
<br />
Eigentlich unfassbar, wie du dein Leben auf die Reihe bekommen hast. Erstmal hast du das versucht, woran deine Ma gescheitert ist: Die Mäuler irgendwie zu stopfen, damit nicht mehr so viel geheult und gejammert wurde. Da musste dann natürlich irgendwann die Zeit kommen, in der du ‘s einfach nicht mehr ausgehalten hast. Bestimmt als ihr Bauch schon wieder so fett war, dass sie sich nur noch zum Scheißhaus und zum Kühlschrank bewegen konnte. Ein Wunder, wie gesund ihr alle seid. Die Prognosen sahen sehr viel mieser aus. Manche von euch haben sogar richtig was auf’m Kasten. Du beispielsweise. Hast dich nicht von den Blagen und deinen Kumpels ablenken lassen und warst in der Schule ziemlicher Durchschnitt. Gar nicht mal so übel. Trotz allem. Bildung ist halt wichtig. Hat dein Pa gesagt. Hast du dir selbst gedacht. Und irgendwann, mit vierzehn oder so, ist das Fass dann übergelaufen. Du sagst, du kannst dich nicht mehr dran erinnern, worum ’s in diesem einen allerletzten Streit ging. Glaub ich ja nicht. Aber wieso in alten Wunden rühren, ist doch eh egal. Auf jeden Fall hast du deiner Alten richtig eine gelangt. Die ist dann im Gegenzug mit der Flasche auf dich los. Ein bisschen Blut. Ein dröhnender Schädel. Kurzzeitige Stille. Und dann bist du weg. Ab zu deinem Pa, wurde auch höchste Zeit. Die Kleinen wolltest du ungern zurücklassen. Aber mal ehrlich: erstmal musst du selbst klarkommen. Das hätte dich kaputt gemacht. Also warst du egoistisch. Dein Pa hat sich gekümmert. Um dich. Um deinen Magen. Manchmal auch um die Schulaufgaben. Er hat weggeguckt, wenn du was zu essen in dein altes Heim geschmuggelt hast. Dabei hat er sich immer den Arsch aufgerissen, für dich und für ihn selbst. Auf einmal hattest du ein eigenes Zimmer – der totale Luxus. Und das Klo war auch nicht auf ’m Gang. <br />
<br />
Den Kleinen bist du treu geblieben. Mehr oder weniger. Natürlich hattest du weniger Zeit. Außerdem konntest du das schlechte Gewissen kaum ertragen. Den Anblick deiner Ma noch weniger. Hast mehr und mehr Zeit mit der Schule und deinen Freunden verbracht. Die konnten das verstehen. Mehr als deine Geschwister. Mads und du, ihr habt den Absprung gemacht. Hattet zum Schluss ein richtiges Zeugnis in der Hand, mit allem Pipapo. Strahlende Zukunft und so weiter. Mads ist abgehauen. Du bist geblieben. Wegen der Blagen, wegen deines Vaters, wegen John. John hat zu viel rumgehangen. Schon damals. Hat sich einen Joint nach dem anderen reingezogen und manchmal irgendeinen Scheiß geschnupft. John hat ‘s echt nicht gebacken bekommen. Dessen Eltern gehörten zwar zur ganz miesen Sorte, aber er hat das mit dem eigenen Glück und dem Schmied nicht kapiert. Wahrscheinlich war er neidisch. Auf dich, auf Mads. Unausstehlich ist er geworden. So richtig fies. Keine Ahnung, was du dir dabei gedacht hast, bei ihm zu bleiben. Kapierst du doch heute auch nicht mehr. Wenn er gesoffen hatte, war er am schlimmsten. Der totale Psycho. Manipulativ und gewalttätig. Ab und zu das totale Herzchen, wie früher. Irgendwann warst du es dann leid. Vielleicht ist das deine Entschuldigung. Es war dir schlichtweg dermaßen latte, dass du dich nicht mehr bemüht hast, ihm den Schlüssel abzunehmen, ihm gut zuzureden, ihn zu beschwichtigen und gleichzeitig immer bereit zu sein, dich weg zu ducken. Du hattest keinen Bock mehr auf die Kleinen, die an deinen Nerven zerrten, und auf zudringliche Arbeitskollegen und nervige Vorgesetzte. Du hast dein Hirn abgeschaltet. Der Vollidiot bist du. <br />
<br />
Weil du eingestiegen bist. Angetrunken und müde. John hat noch irgendne Scheiße gelabert, wie er es immer tat. Du hast nicht zugehört. Dann gab’s ein metallisches Quietschen. So schrill, dass es wehtat. Und dann nur noch Stille. Taubheit. Der Geruch von Urin, beißend. Metall, wo keins sein sollte. Sirenen und Krankenhaus. Sie behaupteten, es versucht zu haben. Alles, was man versuchen konnte. Stimmt wohl, muss es. Du erinnerst dich nur noch an deinen Pa. Und an die Beerdigung, das Gelaber des Priesters. Gesprochen hast du nicht. Es gab auch nichts zu sagen. Mads war wieder da. Hat dich angeglotzt, als hätt‘ er keine Erziehung genossen. Du hast bei jeder Stunde Physiotherapie geheult. War einfach nichts mehr zu machen. Deine Beine kannst du echt vergessen. Tanzen, Fußball, rennen, bis das Herz dir platzen will. Nichts da. Nada, niente. Hast jobtechnisch erstmal ausgesetzt. Bist zu deinem Pa zurückgezogen. Warst nicht mehr als ein Invalide. Ein Krüppel, der nicht mal alleine duschen konnte. Wie viel die Scheiße auch kostet: Rollstuhl, Therapie, Umbau von Wohnung und Dusche und Auto. Dafür: Behindertenausweis. Kommst überall rein, kriegst garantiert gute Plätze. Dass ausgerechnet der Alkohol dir so in die Fresse schlägt, ist fast schon ironisch. Und dann kannste nicht mal jemand anderem die Schuld geben. Nur dir selbst. John ist ja nicht mehr da. Mads ist geblieben. Warum auch immer. Der hat ‘ne Wohnung gesucht. Du hast die Stille allein nicht mehr ausgehalten. Du rechnest ihm hoch an, dass er dich noch genauso mies wie früher behandelt. Außerdem kann man mit niemandem sonst so gut Horrorfilme gucken. Du kiffst gegen den Phantomschmerz. Er einfach nur so. Wenn der Fahrstuhl ausfällt, trägt er dich hoch. Ihr seid ’n gutes Team. Aber das musst du ja auch verkacken, in dem du dich einfach in ihn verguckst. Ausgerechnet Mads, der kaputte Wichser. Besser als John allemal. Aber eben auch nicht das Sahnehäubchen. Du würdest dir in den Arsch beißen, wenn du dich noch so gelenkig wie früher bewegen könntest. Manchmal heulst du immer noch. Meistens lachst du aber. Du trinkst nicht mehr. Wenigstens das.  </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Chuck Boyd</div>
  <div class="p3"> If karma doesn’t come around and hit you in the face, i will</div>
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    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> I just want to say from the bottom of my heart I didn’t sign up for this shit<br />
</div>
    </div>
    <img src=" https://i.imgur.com/7GFBw8B.png"><br />
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      <div>Alter // 29 Jahre</div>
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        Job // Steuerfachangestellte </div>
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        Pizza // Alles mit scharfer Salami!</div>
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        Ava // Antonia Thomas</div>
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      <div class="p5-2">
        <img src="https://image.ibb.co/mqqpMJ/Chuck.gif"><br />
      </div>
      Wenn man dich fragt, dann hast du dein Leben richtig verkackt. Es lief schon von Anfang an beschissen, als erstes Kind einer versoffenen Alten, die noch nie was von Verhütung gehört hat. Da haste schon früh angefangen, dich um die Blagen zu kümmern. Und trotzdem: Nebenher noch irgendwie die Schule zu packen, das macht man dir so leicht nicht nach. Du hättest ja auch einfach vor der Glotze vegetieren können, Kippe in der einen, Bier in der anderen Hand. Du hättest abhauen können, aber du bist geblieben: Wegen den Scheißern, die du Geschwister nennst; wegen dem Vater, der sich den Arsch für dich aufgerissen hat; wegen deinem Kumpel, der die Kurve nicht gekriegt hat. Im wahrsten Sinne des Wortes: Versoffen gegen ‘nen Baum zu fahren, ist ‘ne beschissene Art zu sterben. Als besoffene Beifahrerin im Rollstuhl zu landen, was ‘ne Leistung! Du versuchst klarzukommen. Meistens gelingt’s. Klar, das mit der emotionalen Kontrolle hast du nicht im Griff. Aber du lachst lieber, statt zu heulen.<br />
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    <div class="p8"> Vor fünf minuten gekommen<br />
fühl ich mich eigentlich nach gehen</div>
    Du kannst Stille nicht ertragen. Hast du noch nie. Stille ist unnatürlich. Stille kommt in deinem Lebenskonzept nicht vor. Gar nicht mal, weil du dann nachdenken müsstest. Über all die beschissenen Entscheidungen, die du in den letzten Jahren getroffen hast. Die noch beschissenere Ergebnisse nach sich gezogen haben. Okay, darauf stehst du auch nicht besonders, zugegeben. Aber wer tut das schon? Wer liegt nachts schon gerne im Bett und kann nicht pennen, weil die Tabletten nicht wirken und das Gedankenkarussells bereits im vollen Gange ist? Ist halt einfach ‘ne miese Situation, daran musst du dich gewöhnen. Hast du ja auch eigentlich geschafft – meistens eben. Nicht immer. Aber man darf da auch einfach nicht zu viel erwarten… Sowas braucht Zeit. Und du hörst nicht gerne die Zeit verstreichen. Vielleicht ist es das. Sie zerrinnt dir zwischen den Fingern und du hast das Gefühl, seit drei Jahren nicht von der Stelle zu kommen. Ausgerechnet. Aber das gehört wohl dazu, wenn man bestimmte Gliedmaßen nicht mehr bewegen kann. Noch so ‘ne Sache, die mit Stille zu tun hat. Mit der hast du einfach immer schlechte Erfahrungen gemacht. <br />
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In deinem Leben war es nie still. Zuhause schrie immer jemand. Kreischte. Fluchte. Die Glotze lief ständig im Hintergrund. Oder das Radio. Meistens beides. Nachts die Geräusche des Verkehrs, die Gespräche der Nachbarn, die Streitigkeiten, kaum aufgehalten von den spanplattendünnen Wänden. Die Klospülung. Die Waschmaschine. Manchmal die Vögel auf dem einzigen Baum der Straße. Kläffende Hunde. Alarmanlagen. Polizeisirenen. All der alltägliche Scheiß, der einem irgendwann nicht mal mehr auffällt. Genauso wie die Gerüche, die dir immer in der Nase hingen. Der Gestank der Armut. Urin, Hundescheiße und Kohl, nicht besonders aufregend. Richtige Stille hast du eigentlich nicht sehr häufig erlebt, aber sie kam meistens mit unangenehmen Veränderungen. Damals, als deine Ma die Augen nicht mehr öffnen wollte und fast an ihrer eigenen Kotze erstickt wäre. Da war es richtig leise, da sagte niemand mehr irgendwas. Bis du, als Älteste in diesem Saustall, schließlich kapiert hast, dass du was machen musst, wenn du die versoffene Alte noch behalten willst. Wolltest du. Schließlich ist sie trotz allem immer noch deine Ma. Kinderliebe geht doch sehr weit, da kann man echt einiges verkacken, bis der Zug endgültig abgefahren ist. Viele Sachen hast du nicht verziehen, aber geliebt hast du sie immer irgendwie. Auf diese höchst krude Art und Weise, wie es bei den Boyds eben so der Fall ist. Dabei war das Verhältnis immer schwierig. Du, als einziges Balg von einem anderen Mann. Schwarz auch noch – schöne Scheiße. Keine Ahnung, wie deine Ma es geschafft hat, ohne Verhütung durch ’s Leben zu gehen… Gerächt hat sich das so oder so. <br />
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Aber manchmal hast du das Gefühl, dass deine Ma längst den Überblick verloren hat, wie viele Mäuler sie eigentlich wirklich stopfen muss. Nicht mal das kriegt sie richtig gebacken. Wenn man drei Tage nichts zwischen die Zähne kriegt und du schon überlegst, ob man auch aus ‘ner Mülltonne was zu beißen fischen kann oder zumindest bei den Nachbarn ein bisschen schnorren, dann ist das Jammern der Kleinen längst verstummt. Und richtig: Stille. Weil die dann eher vor sich hindösen und dumpf durch die Gegend starren. Letztlich hattest du immer ‘nen Ass im Ärmel. Deinen Pa. Ganz im Gegensatz zu anderen Vätern, die genauso unzuverlässig und dauerbesoffen wie deine Ma waren, kannst du dich auf deinen verlassen. Der ist zwar abgehauen, zwei Jahre nach deiner Geburt, aber eigentlich wollte der dich mitnehmen. Damit du nicht im Drecksloch aufwachsen muss. Klar, dass das Leben dir da ‘n Strich durch die Rechnung macht. Letztlich interessiert sich das System nämlich nen Scheiß dafür, ob die Lebensmittel im Kühlschrank nicht schon Beine gekriegt haben. Da ging’s nur darum, dass dein Pa keine Zeit hat. Weil er ackern musste, zwei Jobs und so. Außerdem nimmt man der Mutter nicht das Kind weg. Macht man einfach nicht. Manchmal fragst du dich, wie’s wohl gewesen wäre, nicht in dem stinkenden Loch aufgewachsen zu sein, sondern drei Straßen weiter, wo’s ein bisschen netter ist. Immerhin hättest du dann weder Mads, noch John kennengelernt und dann wäre dir einiges entgangen. Viel Gutes, klar. Ihr hattet schon immer ‘ne Menge Spaß gehabt. Mit denen fiel dir deine Existenz nicht so schwer. Vollidioten, alle zusammen. Ihr habt euch gemeinsam das erste Mal so richtig betrunken. Du hast mit beiden rumgeknutscht – man muss ja mal schauen, wie das so ist. Verknallt warst du nie: Beide waren Familie. Manchmal mehr als die eigene Sippe. <br />
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Eigentlich unfassbar, wie du dein Leben auf die Reihe bekommen hast. Erstmal hast du das versucht, woran deine Ma gescheitert ist: Die Mäuler irgendwie zu stopfen, damit nicht mehr so viel geheult und gejammert wurde. Da musste dann natürlich irgendwann die Zeit kommen, in der du ‘s einfach nicht mehr ausgehalten hast. Bestimmt als ihr Bauch schon wieder so fett war, dass sie sich nur noch zum Scheißhaus und zum Kühlschrank bewegen konnte. Ein Wunder, wie gesund ihr alle seid. Die Prognosen sahen sehr viel mieser aus. Manche von euch haben sogar richtig was auf’m Kasten. Du beispielsweise. Hast dich nicht von den Blagen und deinen Kumpels ablenken lassen und warst in der Schule ziemlicher Durchschnitt. Gar nicht mal so übel. Trotz allem. Bildung ist halt wichtig. Hat dein Pa gesagt. Hast du dir selbst gedacht. Und irgendwann, mit vierzehn oder so, ist das Fass dann übergelaufen. Du sagst, du kannst dich nicht mehr dran erinnern, worum ’s in diesem einen allerletzten Streit ging. Glaub ich ja nicht. Aber wieso in alten Wunden rühren, ist doch eh egal. Auf jeden Fall hast du deiner Alten richtig eine gelangt. Die ist dann im Gegenzug mit der Flasche auf dich los. Ein bisschen Blut. Ein dröhnender Schädel. Kurzzeitige Stille. Und dann bist du weg. Ab zu deinem Pa, wurde auch höchste Zeit. Die Kleinen wolltest du ungern zurücklassen. Aber mal ehrlich: erstmal musst du selbst klarkommen. Das hätte dich kaputt gemacht. Also warst du egoistisch. Dein Pa hat sich gekümmert. Um dich. Um deinen Magen. Manchmal auch um die Schulaufgaben. Er hat weggeguckt, wenn du was zu essen in dein altes Heim geschmuggelt hast. Dabei hat er sich immer den Arsch aufgerissen, für dich und für ihn selbst. Auf einmal hattest du ein eigenes Zimmer – der totale Luxus. Und das Klo war auch nicht auf ’m Gang. <br />
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Den Kleinen bist du treu geblieben. Mehr oder weniger. Natürlich hattest du weniger Zeit. Außerdem konntest du das schlechte Gewissen kaum ertragen. Den Anblick deiner Ma noch weniger. Hast mehr und mehr Zeit mit der Schule und deinen Freunden verbracht. Die konnten das verstehen. Mehr als deine Geschwister. Mads und du, ihr habt den Absprung gemacht. Hattet zum Schluss ein richtiges Zeugnis in der Hand, mit allem Pipapo. Strahlende Zukunft und so weiter. Mads ist abgehauen. Du bist geblieben. Wegen der Blagen, wegen deines Vaters, wegen John. John hat zu viel rumgehangen. Schon damals. Hat sich einen Joint nach dem anderen reingezogen und manchmal irgendeinen Scheiß geschnupft. John hat ‘s echt nicht gebacken bekommen. Dessen Eltern gehörten zwar zur ganz miesen Sorte, aber er hat das mit dem eigenen Glück und dem Schmied nicht kapiert. Wahrscheinlich war er neidisch. Auf dich, auf Mads. Unausstehlich ist er geworden. So richtig fies. Keine Ahnung, was du dir dabei gedacht hast, bei ihm zu bleiben. Kapierst du doch heute auch nicht mehr. Wenn er gesoffen hatte, war er am schlimmsten. Der totale Psycho. Manipulativ und gewalttätig. Ab und zu das totale Herzchen, wie früher. Irgendwann warst du es dann leid. Vielleicht ist das deine Entschuldigung. Es war dir schlichtweg dermaßen latte, dass du dich nicht mehr bemüht hast, ihm den Schlüssel abzunehmen, ihm gut zuzureden, ihn zu beschwichtigen und gleichzeitig immer bereit zu sein, dich weg zu ducken. Du hattest keinen Bock mehr auf die Kleinen, die an deinen Nerven zerrten, und auf zudringliche Arbeitskollegen und nervige Vorgesetzte. Du hast dein Hirn abgeschaltet. Der Vollidiot bist du. <br />
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Weil du eingestiegen bist. Angetrunken und müde. John hat noch irgendne Scheiße gelabert, wie er es immer tat. Du hast nicht zugehört. Dann gab’s ein metallisches Quietschen. So schrill, dass es wehtat. Und dann nur noch Stille. Taubheit. Der Geruch von Urin, beißend. Metall, wo keins sein sollte. Sirenen und Krankenhaus. Sie behaupteten, es versucht zu haben. Alles, was man versuchen konnte. Stimmt wohl, muss es. Du erinnerst dich nur noch an deinen Pa. Und an die Beerdigung, das Gelaber des Priesters. Gesprochen hast du nicht. Es gab auch nichts zu sagen. Mads war wieder da. Hat dich angeglotzt, als hätt‘ er keine Erziehung genossen. Du hast bei jeder Stunde Physiotherapie geheult. War einfach nichts mehr zu machen. Deine Beine kannst du echt vergessen. Tanzen, Fußball, rennen, bis das Herz dir platzen will. Nichts da. Nada, niente. Hast jobtechnisch erstmal ausgesetzt. Bist zu deinem Pa zurückgezogen. Warst nicht mehr als ein Invalide. Ein Krüppel, der nicht mal alleine duschen konnte. Wie viel die Scheiße auch kostet: Rollstuhl, Therapie, Umbau von Wohnung und Dusche und Auto. Dafür: Behindertenausweis. Kommst überall rein, kriegst garantiert gute Plätze. Dass ausgerechnet der Alkohol dir so in die Fresse schlägt, ist fast schon ironisch. Und dann kannste nicht mal jemand anderem die Schuld geben. Nur dir selbst. John ist ja nicht mehr da. Mads ist geblieben. Warum auch immer. Der hat ‘ne Wohnung gesucht. Du hast die Stille allein nicht mehr ausgehalten. Du rechnest ihm hoch an, dass er dich noch genauso mies wie früher behandelt. Außerdem kann man mit niemandem sonst so gut Horrorfilme gucken. Du kiffst gegen den Phantomschmerz. Er einfach nur so. Wenn der Fahrstuhl ausfällt, trägt er dich hoch. Ihr seid ’n gutes Team. Aber das musst du ja auch verkacken, in dem du dich einfach in ihn verguckst. Ausgerechnet Mads, der kaputte Wichser. Besser als John allemal. Aber eben auch nicht das Sahnehäubchen. Du würdest dir in den Arsch beißen, wenn du dich noch so gelenkig wie früher bewegen könntest. Manchmal heulst du immer noch. Meistens lachst du aber. Du trinkst nicht mehr. Wenigstens das.  </div>
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