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		<title><![CDATA[Lost the plot - J-K-L]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Fri, 07 Aug 2026 06:27:52 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Jewgeni Alvarez]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2695</link>
			<pubDate>Sat, 25 Jul 2026 18:19:36 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=574">Jewgeni Alvarez</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2695</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Jewgeni Alvarez</div>
  <div class="p3">ain′t nothin' but a heartache</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">Am I your fire?<br />
Your one desire?</div>
    </div>
    <img src="https://i.pinimg.com/control1/1200x/06/52/82/065282f8e79b7ccda386db0fd404d829.jpg"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>telfi</div>
      <div>Alter // 45 Jahre</div>
      <div>
        Job // Schulsozialarbeiter</div>
      <div>
        Pizza // Marinara</div>
      <div>
        Ava // Oscar Isaac</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://64.media.tumblr.com/3af662b110cd405061ed56c88c2e69b4/659816de8bbba746-0a/s500x750/f6fab28f2775f42742595fdd6dfc5a7c5c293bd1.gif"><br />
      </div>
      Männlich, 45y, 3 Katzen, spricht fliessend Englisch, Russisch, Spanisch und Bullshit. Ich bin Schulsozialarbeiter, habe mir dieses Leben ausgesucht, meine Berufung wird mich irgendwann umbringen. Entweder, weil ich an einem frühen Herzinfarkt sterbe oder den falschen Jugendlichen aufs Korn genommen habe. Ich hatte schonmal einen Zirkel in der Schulter stecken – da war ich noch Lehrer. Schiebe es darauf. Als Schulsozialarbeiter woll-müssen viele Jugendliche zu mir. Als Lehrperson – vor allem wenn du Französisch unterrichtest – bist du nur gearscht. Ich hab’ versucht Kunst nicht wie eine It-Mom mit Pastamodellen an Kinder zu bringen. Mässig geklappt, sagen die einen. Ich finde, ich habe immer noch Erfolg damit auch jetzt in meinem kleinen Büro. Da stehen Pflanzen – kein Marihuana – und an der Wand hängen Fotos von meinen Katzen, als wäre ich ein stolzer Vater. Mein letztes Date meinte: <i>Bist schon Daddy-Material</i>. Wenn sie mit Daddy die sexy Art meint, stimme ich ihr voll und ganz zu. Aber ich setze definitiv keine Kinder in diese Welt – der Trick ist es Frauen zu daten, die gerade abgelehnt haben ihre Eier einzufrieren, weil sie keine Mom-Pooch wollen. Oder ich date ganz einfach richtige Daddys. Du siehst: Ich bin angenehme Gesellschaft, lern' mich kennen, ich mal dir eine kleine Blume auf eine Serviette und wir sehen wohin das führt.  <br />
    </div>
    <div class="p8">Das Leben eines Sowjets.</div>
Starre ich? Mit einem Blinzeln versuche ich weniger intensiv zu wirken, während Ayaz seine rote Vier auf den Kartenstapel zwischen uns gleiten lässt – nonchalant. Ayaz ist cool, er ist ein Anführer und er wurde schon von zwei Schulen geschmissen. Jetzt sitzt er hier und spielt mit mir Karten, während wir sprechen. <b> «Ich habe gehört gestern ist was passiert»</b>, ich versuche auch nonchalant zu sein – das liegt mir in den russischen Genen. <i><b> «War n’ Hurensohn»</b></i> Für Ayaz sind alle Hurensöhne, die erfolgreicher im Leben sind als er. Ich verstehe das, war mit 15 auch so. Meine Mutter war mit 15 schwanger. Ayaz glaubt auch nicht wirklich an Verhütung, aber er hat auch gerade nichts am Laufen. Oder? <b> «Wie geht es Valdina?»</b> - <i><b> «Was soll mit der sein?»</b></i> - also nichts mehr am Laufen. Ich lege eine Karte ab. Ich sehe viel von Ayaz in meinem jüngeren Ich. Er ist frustriert, er weiss nicht wo er hingehört und man unterschätzt ihn. Er könnte mir hier ein Auto zerlegen, da bin ich mir sicher. Nur braucht es das in Mathematik nicht – da will man von ihm wissen für was die Variable x steht. Und wenn er es endlich herausgefunden hat, fragt der Lehrer nach der zweiten Lösung. <br />
Ich spreche Russisch, Englisch, Spanisch und Jugendlich. Oder sollte ich einfach sagen menschlich? Ich liebe meinen Job als Schulsozialarbeiter, aber er laugt mich auch aus. Ich brauche am Abend Abstand davon, dann drehe ich mir selbst einen Joint und denke darüber nach, wie ich mit Vanessa erst gerade darüber gesprochen habe, dass ihre Ängste auch vom Gras noch verstärkt werden können. Selbstmedikation – nichts Gutes. Ach, ich sehne mich nach dem Gefühl, wie meine Finger das Papier rollen. <i> «Wieso sind Sie eigentlich nicht mehr Lehrer»</i> - <b> «Ich wollte was verändern»</b>, checkte Ayaz nicht, checke ich grad auch nicht nur. Spreche ich damit einem Lehrer ab, dass er das kann? Ich spreche vor allem mir ab, dass ich das als Kunstlehrer konnte. Malen ist für mich aber immer noch ein guter Rückzugsort. Erinnert mich daran, wie ich mit Steinen einfach als Kind auf Strassen draussen gekritzelt habe, erinnert mich an die sowjetsche Schule in Perm, erinnert mich daran, wie oft ich alleine zuhause gewesen bin, weil meine Mutter gearbeitet hat. Erinnere mich daran, wie meine Grossmutter mich an den Ohren zu meinem Grossvater gezogen hat, weil sie es für eine unnütze Beschäftigung hielt. Dann hat er mit mir das 1x1 geübt. <br />
Dabei war ich allen immer zu wild, wenn ich nicht gerade gekritzelt habe. Ich schiebe das heute auf meine spanischen Gene – haben sich echt nicht mit den Russischen vertragen. Als hätte man Paella und Stroganoff zusammengerührt. Aber: Ich war sogar Mitglied der Young Pioneer. Mein rotes Halstuch bedeutet heute für niemanden mehr etwas. Ich male wirklich viel mit roter Farbe: Sollte ich das mit meinem Therapeuten besprechen? <br />
<br />
<br />
Es ist Nachmittag.<br />
Ayaz ist nach Hause und ich bin auf dem Weg zu meiner Mutter. Als ich mit 17 zu meinem Vater nach London gezogen bin, blieb sie in Russland. Mein Weg war lange bis zur pädagogischen Ausbildung. War noch nicht Sozialarbeiter, als meine Mutter auch nach England kam. Unsere Beziehung ist liebevoll. Aber emotional wie diese Halsketten, die man nie mehr anziehen kann, weil sie sich verknotet haben. Sie wohnt in Manchester, neue Familie, neue Kinder. Neuer Mann. Reicher Mann. Die Nachbarn kennen ihren Namen nicht einmal; ist halt die Russin, die sich den Reichen geangelt hat. Dabei ist er sogar noch jünger. Und sie färbt sich die Haare rot -  da haben wir’s wieder: Rot. <br />
Ich bin ein Beobachter, nicht immer gewesen. Meine Kindheit und Jugend hat mich zu einem gemacht. Ich breche unter Freunden aus, trinke zu viel, bin ein anderer Mensch: Laut, ausgelassen. Wobei mit meinen Katzen bin ich das auch: Sasha, Blini und Kira. Kann nicht Nein sagen zu Streunern – Menschen und Tiere. Naja vor allem Katzen. Hatte mal eine Taube – Sasha hat sie gefressen. Hat nicht funktioniert. Genauso wie die Beziehung zwischen mir und: <b> «Aaaaaaalbert</b> - <b><i> «Jeeeewgeni</i></b> er trägt Polo mit Krokodil. Ich trage T-Shirt vom Designer Secondhand. Er ist 55. Meine Mutter 60. Sieht besser aus, als er. Englische Männer sehen ab 50 manchmal aus, als hätte man sie wie ein Gummiband zu oft gestretcht. Er ist bei der freiwilligen Feuerwehr – vielleicht macht das auch die Hitze mit seinem Gesicht. Weiss selbst nicht genau, wieso ich mich gedanklich jetzt wieder wie ein eifersüchtiger 15-jähriger benehme. Kann das nicht auf meine Hormone schieben. Oder? Ich klopfe Misha meinem Halbbruder auf die Schulter, Vera rennt an mir vorbei. Richtig kurzer Rock. Würde ihr gerne was Längeres zum Anziehen empfehlen – grossbrüderliche Gefühle. Dabei mag ich kurze Röcke bei Frauen doch sehr. Aber das ist was anderes. <b> «Privet, mam»</b>, ich umarme meine Mutter und drücke ihr nonchalant den Blumenstrauss in die Hände. Ich rieche was: <b> «Pachnet borschtschom»</b>  - <i><b> «Setz dich.»</b></i> Sie sieht streng aus, aber schnüffelt dann doch an den Blumen und stellt sie verliebt in eine Vase. Es ist wie immer anders hier, als wenn ich meinen Vater besuche. Hier wird es erst laut nach dem dritten Shot. Die Flasche Wodka steht auf dem Tisch, als wären wir in einer sehr inszenierten Theaterszene einer russischen Familie. <b> «Tolko odin»</b>, ich weise auf die Flasche, habe nachher noch ein Date. Sie ist Ende Zwanzig. Irgendwie stehe ich auf jüngere Frauen. Bei Männern ist mir das egal – das sollte ich nicht laut aussprechen. Passiert aber schon auch. <br />
Wieso ich bevorzugt mit Jugendlichen aus schwierigen Familien oder mit Migrationshintergrund arbeite? Ich muss nicht lange überlegen. Ich sehe einige der Gründe vor mir, andere wohnen in London. Ich war nie vollständig russisch. Zu wenig für meine Grosseltern, zu viel für die Engländer. Ich spreche spanisch, aber ich lebe nicht spanisch. Mein Alltag ist Englisch. Aber ich verstehe Albert nicht wirklich. Ich grinse ihn trotzdem an. Er ist eigentlich ein guter Mann, akzeptiert meine Mutter so, wie sie ist, steht hinter ihr und zeigt der Nachbarschaft den Mittelfinger, wenn sie dumm schwatzen. Aber dieses Heile-Familie-Ding macht mich wahnsinnig. Nicht nur mich. Auch Vera und Misha. Darum hat’s bei mir ein Bett mehr. Vera hat vor ein paar Monaten mal ein paar Wochen bei mir gelebt. Misha kommt, wenn er einen Tapetenwechsel braucht. Ich fühle mich uralt, wenn sie bei mir sind – weil ich ihr Vater sein könnte und nicht ihr Bruder.<br />
<br />
Ich kritzle vor mich hin. Bin nach einem langen Tage endlich nach Hause gekommen. Ich mag meinen kleinen Hinterhof, habe ihn mit einem Katzennetz einzäunen lassen. Blini hat es trotzdem schon ein paar Mal geschafft auszubrechen. Er geht aber nur zwei, drei Meter weiter bis er wieder zurückkommt und so tut, als ob ich ihn jetzt nicht mehr reinlassen würde. Bin gesellschaftlich eigentlich ein ganz Süsser. Mag es unter Leuten zu sein, aber manchmal da geniesse ich es alleine. Eine Tasse Tee, ein Glas eingelegte Gurken, Cracker – nicht Crack. Nicht, dass ich nicht schon ausprobiert habe – immer noch <u>kein Crack</u> - aber nach dem Tripp in der U-Bahn vor drei Monaten brauchte ich mal wieder jemanden der mir sagt, dass ich Ü40 bin. Und darum sind jetzt Tee und Eingelegtes wieder in. Mein Date war ganz okay – bisschen zu viel Make-Up, zu wenig Wangenknochen. Habe sie um knapp nach Halbzehn nach Hause gebracht, kurz gewartet, aber sie wollte mich nicht reinbitten. War eigentlich ganz froh, Sex mit unsicheren Frauen ist anstrengend.  Sitze ja jetzt hier wie die Nachbarschaftshexe von den Simpsons mit meinen Katzen. Texte trotzdem einem <i>Freund</i>: Bock? <br />
Ist erst Halbelf und Morgen ist Samstag.<br />
 </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Jewgeni Alvarez</div>
  <div class="p3">ain′t nothin' but a heartache</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">Am I your fire?<br />
Your one desire?</div>
    </div>
    <img src="https://i.pinimg.com/control1/1200x/06/52/82/065282f8e79b7ccda386db0fd404d829.jpg"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>telfi</div>
      <div>Alter // 45 Jahre</div>
      <div>
        Job // Schulsozialarbeiter</div>
      <div>
        Pizza // Marinara</div>
      <div>
        Ava // Oscar Isaac</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://64.media.tumblr.com/3af662b110cd405061ed56c88c2e69b4/659816de8bbba746-0a/s500x750/f6fab28f2775f42742595fdd6dfc5a7c5c293bd1.gif"><br />
      </div>
      Männlich, 45y, 3 Katzen, spricht fliessend Englisch, Russisch, Spanisch und Bullshit. Ich bin Schulsozialarbeiter, habe mir dieses Leben ausgesucht, meine Berufung wird mich irgendwann umbringen. Entweder, weil ich an einem frühen Herzinfarkt sterbe oder den falschen Jugendlichen aufs Korn genommen habe. Ich hatte schonmal einen Zirkel in der Schulter stecken – da war ich noch Lehrer. Schiebe es darauf. Als Schulsozialarbeiter woll-müssen viele Jugendliche zu mir. Als Lehrperson – vor allem wenn du Französisch unterrichtest – bist du nur gearscht. Ich hab’ versucht Kunst nicht wie eine It-Mom mit Pastamodellen an Kinder zu bringen. Mässig geklappt, sagen die einen. Ich finde, ich habe immer noch Erfolg damit auch jetzt in meinem kleinen Büro. Da stehen Pflanzen – kein Marihuana – und an der Wand hängen Fotos von meinen Katzen, als wäre ich ein stolzer Vater. Mein letztes Date meinte: <i>Bist schon Daddy-Material</i>. Wenn sie mit Daddy die sexy Art meint, stimme ich ihr voll und ganz zu. Aber ich setze definitiv keine Kinder in diese Welt – der Trick ist es Frauen zu daten, die gerade abgelehnt haben ihre Eier einzufrieren, weil sie keine Mom-Pooch wollen. Oder ich date ganz einfach richtige Daddys. Du siehst: Ich bin angenehme Gesellschaft, lern' mich kennen, ich mal dir eine kleine Blume auf eine Serviette und wir sehen wohin das führt.  <br />
    </div>
    <div class="p8">Das Leben eines Sowjets.</div>
Starre ich? Mit einem Blinzeln versuche ich weniger intensiv zu wirken, während Ayaz seine rote Vier auf den Kartenstapel zwischen uns gleiten lässt – nonchalant. Ayaz ist cool, er ist ein Anführer und er wurde schon von zwei Schulen geschmissen. Jetzt sitzt er hier und spielt mit mir Karten, während wir sprechen. <b> «Ich habe gehört gestern ist was passiert»</b>, ich versuche auch nonchalant zu sein – das liegt mir in den russischen Genen. <i><b> «War n’ Hurensohn»</b></i> Für Ayaz sind alle Hurensöhne, die erfolgreicher im Leben sind als er. Ich verstehe das, war mit 15 auch so. Meine Mutter war mit 15 schwanger. Ayaz glaubt auch nicht wirklich an Verhütung, aber er hat auch gerade nichts am Laufen. Oder? <b> «Wie geht es Valdina?»</b> - <i><b> «Was soll mit der sein?»</b></i> - also nichts mehr am Laufen. Ich lege eine Karte ab. Ich sehe viel von Ayaz in meinem jüngeren Ich. Er ist frustriert, er weiss nicht wo er hingehört und man unterschätzt ihn. Er könnte mir hier ein Auto zerlegen, da bin ich mir sicher. Nur braucht es das in Mathematik nicht – da will man von ihm wissen für was die Variable x steht. Und wenn er es endlich herausgefunden hat, fragt der Lehrer nach der zweiten Lösung. <br />
Ich spreche Russisch, Englisch, Spanisch und Jugendlich. Oder sollte ich einfach sagen menschlich? Ich liebe meinen Job als Schulsozialarbeiter, aber er laugt mich auch aus. Ich brauche am Abend Abstand davon, dann drehe ich mir selbst einen Joint und denke darüber nach, wie ich mit Vanessa erst gerade darüber gesprochen habe, dass ihre Ängste auch vom Gras noch verstärkt werden können. Selbstmedikation – nichts Gutes. Ach, ich sehne mich nach dem Gefühl, wie meine Finger das Papier rollen. <i> «Wieso sind Sie eigentlich nicht mehr Lehrer»</i> - <b> «Ich wollte was verändern»</b>, checkte Ayaz nicht, checke ich grad auch nicht nur. Spreche ich damit einem Lehrer ab, dass er das kann? Ich spreche vor allem mir ab, dass ich das als Kunstlehrer konnte. Malen ist für mich aber immer noch ein guter Rückzugsort. Erinnert mich daran, wie ich mit Steinen einfach als Kind auf Strassen draussen gekritzelt habe, erinnert mich an die sowjetsche Schule in Perm, erinnert mich daran, wie oft ich alleine zuhause gewesen bin, weil meine Mutter gearbeitet hat. Erinnere mich daran, wie meine Grossmutter mich an den Ohren zu meinem Grossvater gezogen hat, weil sie es für eine unnütze Beschäftigung hielt. Dann hat er mit mir das 1x1 geübt. <br />
Dabei war ich allen immer zu wild, wenn ich nicht gerade gekritzelt habe. Ich schiebe das heute auf meine spanischen Gene – haben sich echt nicht mit den Russischen vertragen. Als hätte man Paella und Stroganoff zusammengerührt. Aber: Ich war sogar Mitglied der Young Pioneer. Mein rotes Halstuch bedeutet heute für niemanden mehr etwas. Ich male wirklich viel mit roter Farbe: Sollte ich das mit meinem Therapeuten besprechen? <br />
<br />
<br />
Es ist Nachmittag.<br />
Ayaz ist nach Hause und ich bin auf dem Weg zu meiner Mutter. Als ich mit 17 zu meinem Vater nach London gezogen bin, blieb sie in Russland. Mein Weg war lange bis zur pädagogischen Ausbildung. War noch nicht Sozialarbeiter, als meine Mutter auch nach England kam. Unsere Beziehung ist liebevoll. Aber emotional wie diese Halsketten, die man nie mehr anziehen kann, weil sie sich verknotet haben. Sie wohnt in Manchester, neue Familie, neue Kinder. Neuer Mann. Reicher Mann. Die Nachbarn kennen ihren Namen nicht einmal; ist halt die Russin, die sich den Reichen geangelt hat. Dabei ist er sogar noch jünger. Und sie färbt sich die Haare rot -  da haben wir’s wieder: Rot. <br />
Ich bin ein Beobachter, nicht immer gewesen. Meine Kindheit und Jugend hat mich zu einem gemacht. Ich breche unter Freunden aus, trinke zu viel, bin ein anderer Mensch: Laut, ausgelassen. Wobei mit meinen Katzen bin ich das auch: Sasha, Blini und Kira. Kann nicht Nein sagen zu Streunern – Menschen und Tiere. Naja vor allem Katzen. Hatte mal eine Taube – Sasha hat sie gefressen. Hat nicht funktioniert. Genauso wie die Beziehung zwischen mir und: <b> «Aaaaaaalbert</b> - <b><i> «Jeeeewgeni</i></b> er trägt Polo mit Krokodil. Ich trage T-Shirt vom Designer Secondhand. Er ist 55. Meine Mutter 60. Sieht besser aus, als er. Englische Männer sehen ab 50 manchmal aus, als hätte man sie wie ein Gummiband zu oft gestretcht. Er ist bei der freiwilligen Feuerwehr – vielleicht macht das auch die Hitze mit seinem Gesicht. Weiss selbst nicht genau, wieso ich mich gedanklich jetzt wieder wie ein eifersüchtiger 15-jähriger benehme. Kann das nicht auf meine Hormone schieben. Oder? Ich klopfe Misha meinem Halbbruder auf die Schulter, Vera rennt an mir vorbei. Richtig kurzer Rock. Würde ihr gerne was Längeres zum Anziehen empfehlen – grossbrüderliche Gefühle. Dabei mag ich kurze Röcke bei Frauen doch sehr. Aber das ist was anderes. <b> «Privet, mam»</b>, ich umarme meine Mutter und drücke ihr nonchalant den Blumenstrauss in die Hände. Ich rieche was: <b> «Pachnet borschtschom»</b>  - <i><b> «Setz dich.»</b></i> Sie sieht streng aus, aber schnüffelt dann doch an den Blumen und stellt sie verliebt in eine Vase. Es ist wie immer anders hier, als wenn ich meinen Vater besuche. Hier wird es erst laut nach dem dritten Shot. Die Flasche Wodka steht auf dem Tisch, als wären wir in einer sehr inszenierten Theaterszene einer russischen Familie. <b> «Tolko odin»</b>, ich weise auf die Flasche, habe nachher noch ein Date. Sie ist Ende Zwanzig. Irgendwie stehe ich auf jüngere Frauen. Bei Männern ist mir das egal – das sollte ich nicht laut aussprechen. Passiert aber schon auch. <br />
Wieso ich bevorzugt mit Jugendlichen aus schwierigen Familien oder mit Migrationshintergrund arbeite? Ich muss nicht lange überlegen. Ich sehe einige der Gründe vor mir, andere wohnen in London. Ich war nie vollständig russisch. Zu wenig für meine Grosseltern, zu viel für die Engländer. Ich spreche spanisch, aber ich lebe nicht spanisch. Mein Alltag ist Englisch. Aber ich verstehe Albert nicht wirklich. Ich grinse ihn trotzdem an. Er ist eigentlich ein guter Mann, akzeptiert meine Mutter so, wie sie ist, steht hinter ihr und zeigt der Nachbarschaft den Mittelfinger, wenn sie dumm schwatzen. Aber dieses Heile-Familie-Ding macht mich wahnsinnig. Nicht nur mich. Auch Vera und Misha. Darum hat’s bei mir ein Bett mehr. Vera hat vor ein paar Monaten mal ein paar Wochen bei mir gelebt. Misha kommt, wenn er einen Tapetenwechsel braucht. Ich fühle mich uralt, wenn sie bei mir sind – weil ich ihr Vater sein könnte und nicht ihr Bruder.<br />
<br />
Ich kritzle vor mich hin. Bin nach einem langen Tage endlich nach Hause gekommen. Ich mag meinen kleinen Hinterhof, habe ihn mit einem Katzennetz einzäunen lassen. Blini hat es trotzdem schon ein paar Mal geschafft auszubrechen. Er geht aber nur zwei, drei Meter weiter bis er wieder zurückkommt und so tut, als ob ich ihn jetzt nicht mehr reinlassen würde. Bin gesellschaftlich eigentlich ein ganz Süsser. Mag es unter Leuten zu sein, aber manchmal da geniesse ich es alleine. Eine Tasse Tee, ein Glas eingelegte Gurken, Cracker – nicht Crack. Nicht, dass ich nicht schon ausprobiert habe – immer noch <u>kein Crack</u> - aber nach dem Tripp in der U-Bahn vor drei Monaten brauchte ich mal wieder jemanden der mir sagt, dass ich Ü40 bin. Und darum sind jetzt Tee und Eingelegtes wieder in. Mein Date war ganz okay – bisschen zu viel Make-Up, zu wenig Wangenknochen. Habe sie um knapp nach Halbzehn nach Hause gebracht, kurz gewartet, aber sie wollte mich nicht reinbitten. War eigentlich ganz froh, Sex mit unsicheren Frauen ist anstrengend.  Sitze ja jetzt hier wie die Nachbarschaftshexe von den Simpsons mit meinen Katzen. Texte trotzdem einem <i>Freund</i>: Bock? <br />
Ist erst Halbelf und Morgen ist Samstag.<br />
 </div>
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Lucas Ramsay]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2671</link>
			<pubDate>Fri, 22 May 2026 14:15:18 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=568">Lucas Ramsay</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2671</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Lucas Edgar Ramsay</div>
  <div class="p3">being an asshole is all part of my manly essence</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">does violence have to be the last resort. can't it be like third</div>
    </div>
    <div style="display: flex; justify-content: space-between; width: 500px;"><img src="https://64.media.tumblr.com/c6a4d7e61957e94533d3a62862835d66/0b12a3128d48e507-a3/s400x600/8b7ba322be92ec89cc85f09dac928da67486acb4.gif" style="width: 160px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://64.media.tumblr.com/de6d4c06f432f78b39676e92c4d19f75/27735c5e28be52ca-3f/s1280x1920/eca1a867e2774a447671ad586416247610a3fcec.gif" style="width: 160px; height: 210px;object-fit: cover;"><img src="https://64.media.tumblr.com/2a752741dabaf6d972cd28a70ced7f4e/761aec324309569e-fd/s540x810/be67ebfc95d2aa210340847491ef1dbe6dd69cfd.gif" style="width: 160px; height: 210px; object-fit: cover;"></div>
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lee</div>
      <div>Alter // 35 Jahre</div>
      <div>
        Job // Detective Constable </div>
      <div>
        Pizza // Sucuk</div>
      <div>
        Ava // Daniel Sträßer</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
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      </div>
      Frauen wollen einen schwulen besten Freund und meinen damit offensichtlich nicht Luke. Ist nicht so seine Expertise, Fashion, shoppen, <i>Dramatics</i>. Na wenigstens <i>Shade</i> kann er, da ist wohl doch nicht Hopfen und Malz verloren. Trotzdem bleibt er wohl der laufende Beweis dafür, dass Schwul-sein kein Synonym für guten Geschmack ist, mit seiner <i>Jeans on Jeans</i>-Garderobe, den 2000s-ass blondierten Haaren mit dem latenten Gelbstich und der schlichten Wohnung, die nur mehr als weiße Wände und schwarze Möbel zu bieten hat, weil seine Schwester da manchmal Hand anlegt. Reicht auch, wenns praktikabel ist, zwischen dem Job als Detective und einem zeitintensiven Malinois-- gut kommt ihm da zwar wenigstens kein ausgiebiges Sozialleben in die Quere, dem ollen Sympathiebolzen (ha-ha). Meckern tut da keiner, na gut, Luke zumindest nicht. Passt schon alles so wie's ist, in seiner kleinen misanthropischen Welt, in der er konsequenzlos sagen und machen kann, was er denkt und jeder andere damit klarkommen musst. So gut sozialisiert, wie ein Straßenhund – bisschen ranzig, bisschen besorgniserregend, bisschen sozialverkappt, na was will man tun. Der ist bei ACAB jedenfalls ordentlich mitgemeint, erkennt er selbst mit nem Grinsen an und würd's auch nicht anders wollen. Dabei macht er den Job nicht mal half-bad, wär auch ungünstig, wo gelöste Fälle die einzigen Erfolgserlebnisse in seinem Leben sind. Aber gut, selbst Schuld, wenn er sich das mit dem Glück nicht ganz gönnt. Da kann man auch nur betroffen mit den Schultern zucken.<br />
    </div>
<div class="p8">do my dark circles and unwashed hair turn you on<br />
</div>
<div class="lee-facts">
	<div class="lee-facts-title">Wusstest du, dass Lucas:</div>
	<ul>
		<li>» ...nicht kochen kann und sich ausschließlich von Spaghetti Bolognese, Reis mit Hühnchen und Frischkäse, einer übertriebenen Anzahl an Eiern in jeglichem Aggregatzustand und Tiefkühl-Lasagne ernährt?</li>
		<li>» ...trotzdem seit jeher der konsequenteste Running Gag zwischen ihm und seiner Schwester ist, dass sie mit Gordon Ramsay verwandt sind?</li>
		<li>» ...manchmal zu faul ist, sich was zu Essen fertig zu machen, und dann stattdessen zum Proteinshake greift?</li>
		<li>» ...immer <i>pspsps</i> macht, wenn er auf der Straße an einer Katze vorbeiläuft?</li>
		<li>» ...noch nie seine Sockenschublade sortiert hat und einfach wild alles reinwirft?</li>
		<li>» ...Krankheiten lieber verschleppt, als zum Arzt zu gehen?</li>
		<li>» ...mehrere fragwürdige Tattoos hat? Darunter natürlich eine obligatorische Uhr mit Rosen auf dem linken Oberarm, ein kursiver Schriftzug  mit den Hatebreed-Lyrics "Pure strength through solitude, discipline and determination" (würde er sich so auch nicht mehr stechen, Jugendsünde) auf dem rechten Unterarm unter einem kleinen Falken, chinesische Schriftzeichen an der Leiste, die vielleicht-oder-vielleicht-auch-nicht "Ehre" bedeuten, das eigene Geburtsjahr in Frakturschrift über der linken, die Lieblingsbeleidigung seines Vaters "roach" unter der rechten Brust</li>
		<li>» ...irgendwann mal zufällig bei einer Lagerraum-Auflösung über ein Schwert gestolpert ist, das seitdem neben den Küchenmessern an der magnetischen Vorrichtung an der Wand hängt?</li>
		<li>» ...öffentliche Verkehrsmittel gleichermaßen eklig wie lästig findet?</li>
		<li>» ...prinzipiell 15 km/h zu viel auf dem Tacho hat?</li>
		<li>» ...dafür aber wenigstens ein ziemlich guter Fahrer ist?</li>
		<li>» ...als Kindheitstraumberuf immer Postbote werden wollte?</li>
		<li>» ...niederländisch nicht spricht, aber ganz okay verstehen kann, weil er als Kind immer die Sesamstraat geschaut hat?</li>
		<li>» ...sich trotz fast täglicher Zigaretten als Nichtraucher bezeichnen würde?</li>
		<li>» ...nur für die soziale Komponente trinkt (aber kaum bis nie über den Durst hinaus)?</li>
		<li>» ...ein erstaunlich begabter Schachspieler ist und sich das Hobby damals in Edinburgh beigebracht hat? ...heute noch regelmäßig bei Barabenden Manchesters wanna-be-Grandmaster abzieht?</li>
	</div>
	<div class="p8">*rolls around on a spinny chair* tell me more</div>
<br />
	<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify"> # angriffslustig # anstrengend # ausdauernd # bindungsscheu # bodenständig # charakterfest # derb # dickhäutig # dreist # echt # eigenbrötlerisch # geschickt # grob # großspurig # hartnäckig # hilfsbereit # humorvoll # kooperativ # launisch # leidensfähig # leistungsorientiert # locker # loyal # misanthropisch # nachdenklich # nonchalant # pfiffig # praktisch # schamlos # spontan # stressresistent # tierlieb # trocken # unorthodox # wertend # zäh # zermürbt # zuverlässig</div>
<br />
	<div class="p8">with all due respect, which is none--<br />
</div>
<br />
<i2>Edgar Ramsay // Vater // 1955 - †2015 </i2><br />
Du und dein Dad, das war schon immer ne spezielle Sache. Gehasst hast du den Bastard, aber der dich doch genauso, also wart ihr immer Quitt. Nur hattest du in den Augen dieses stoisch-konservativen Landmann immer die Pflicht, ihn zu verehren, wie es sich für ein Kind gehörte. Immerhin hattest du wegen <u>ihm</u> ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Teller und sowieso, was er nicht alles schon <i>für dich</i> gemacht hat, da wurde er nicht müde von zu erzählen, als müsstest du die Schulden eines Dreijährigen noch zehn Jahre später abarbeiten. Anti-England, Anti-Stadtmenschen, Anti-Alles – sehr viel Meinung, sehr wenig Ahnung. Dass der dich immer <i>Roach</i> genannt hat, hast du mittlerweile als Tattoo unter deiner Brust festgehalten, schön in Frakturschrift, wie's sich gehört. Ob das die Ehrung ist, die er immer haben wollte? Windelweich hat der dich geprügelt, wenn's drauf ankam, aber mittlerweile würdest du ja selbst behaupten, dass du's in den meisten Fällen einfach verdient hast. Warst ja auch aufmüpfig und hast Scheiße gebauen – wer nicht hören will, muss fühlen. Du erzählst solche Geschichten als Randanekdote auch immer mit so ner Lockerheit, als wär's nichts und keine Ahnung, ist es am Ende auch nicht, weil du's damals bestimmt nicht genossen hast, aber auch nicht dran zerbrochen bist. <i>Harte Zeiten schaffen harte Männer</i> klingt jedenfalls nicht nur wie ein Spruch aus deinem Mund, sondern nach einem, den du dir besoffen auf den Unterarm tätowieren lässt, wenn niemand aufpasst.<br> Tja, überlebt hast du den. Dahingesichen nach nem Schlaganfall, na herzlichen Glückwunsch. Da war nichts mit <i>making amends</i>, gab schließlich auch nichts zu klären. Der hat dir noch auf dem Todesbett gesagt, dass du deine Haare in Griff kriegen solltest, aber auch die haben ihn überlebt. Schachmatt. Wer hat eigentlich die Regel aufgestellt, dass man nicht schlecht über Tote sprechen darf?<br />
<br />
<i2>Hester Ramsay (geb. Janssen) // Mutter // 1953 - </i2><br />
Deine Mutter kam vor etlichen Jahren nach Großbritannien, nachdem sie deinen Vater auf einer Landwirtschaftsmesse kennengelernt hat. Großes Interesse daran, ihren Kindern die niederländische Sprache oder sonstige kulturelle Inhalte zu teilen, hatte sie dabei aber eigentlich nicht. Dein schwieriges Verhältnis zu deinem Vater, hat ihr immer zu schaffen gemacht. Den Fehler hat sie trotzdem oft bei dir gesehen. <i>Das muss halt jetzt einfach sein</i>, hat sie oft gesagt und auch wenn du ihr dafür nicht aktiv böse bist, habt ihr heutzutage keine Beziehung zu dir. Wie auch, macht sie dir schließlich immer Vorwürfe, dass du die doofe Farm nicht übernehmen willst.<br />
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<i2>Pippa Ramsay // Schwester // 1990 -  </i2><br />
Dass deine Schwester die coolere von euch ist, hat noch nie jemand infrage gestellt. Obwohl ihr altersmäßig recht weit auseinander liegt, habt ihr eine gute Beziehung zueinander. Du fühlst dich ihr gegenüber verantwortlich und meckerst zwar, wenn sie unbedingt dummes Zeug mit dir unternehmen will, bist aber immer dabei. Auch wenn du ihr wenig aus deinem Leben erzählst (und vor allem darüber, was dich beschäftigt), ist sie mit Abstand dein Lieblingsmensch (und hat da zugegebenermaßen wenig Competition).<br />
<br />
	<div class="p8">if i ever get murdered just know I talked shit until the bitter end</div>
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<div class="s-wr">
	<div class="s-l"></div>
	<div class="s-b">Kindheit, frühe Schulzeit  <ti>23.09.1982 - 1993</ti></div>
	<div class="s-tb">	Da bist du also, ungefähr fünf Jahre alt, auf der Farm deines Großvaters. Der ist längst tot, die Farm eigentlich auch. Hat nichts romantisches an sich, nichts mit Schafen, einer Handvoll Hühner, freilaufender Hunde und Katzen. Ne, das hier ist gute alte schottische Landwirtschaft -- oder war's zumindest einmal, bis dein Onkel sie gegen die Wand gefahren hat. Wird's wieder sein, jetzt wo deine Eltern vor zwei Jahren ihre beruflichen Karrieren aufgegeben haben, um das Familienunternehmen am Leben zu erhalten. Du kennst jedenfalls keine Zeit vor der Milchfarm, zu der sie den alten Ackerbaubetrieb umwirtschaften. Wächst auf mit mehr Kühen um dich als Menschen, und Feldern so ewig wie der Stresszustand deiner Eltern. Dass der nicht normal ist, checkst du natürlich nicht, grämst dich nur drum, wenn sie's an dir auslassen. Da lernt man jedenfalls schnell, wann man am besten verschwinden sollte. Bringt nichts, meistens, bedeutet nur, dass du erst ein paar Stunden später eine übergezogen kriegst (aber soweit denkst du meistens nicht).<br>Dein Versteck kennen sie jedenfalls nicht, da in der alten Scheune mit dem ganzen Stroh. Berge davon und zwischen ihnen Tunnel, die du mit deiner Fantasie füllst. Manchmal findest du neue Wege oder größere Zwischenräume und weißt, hier findet dich niemand (selbst wenn er wollte). Manchmal sind sie dein Agentenstützpunkt (du hast gerade <i>Cloak & Dagger</i> im Fernsehen geschaut) oder das Raumschiff von Star Trek; manchmal bist du ein GI auf der Flucht vorm Vietcong (dein Vater wettert auch in den 90ern noch gegen die Kommunisten), oder doch ein einsamer Cowboy, gefangengenommen von Indianern (die du natürlich später alle erbarmungslos niedermetzeln würdest). Bist nicht der kreativste Junge, aber mit der endlosen Zeit kommen selbst dir Bilder in den Kopf.<br>Hin und wieder schmuggelst du Dinge aus dem Haus hierher und hoffst, dass es niemand herausfindet. Heute entdeckt dich dein Vater, wie du versuchst eine rostige Gartenharke aus dem Schuppen hinter deinem Rücken zu balancieren. Die wird niemand mehr benutzen, aber geklaut hast du trotzdem, also packt er dich am Arm, wirft dich über sein Knie und zieht dir die Harke über den Po. Nicht die spitze Seite, hätte er ja auch machen können, wird er später am Essenstisch sagen, während du mit geröteten Augen auf den Teller starrst. <i>Indianer spüren keinen Schmerz</i>, brennt sich der Spruch deines Vaters in deinen Kopf, als du vergeblich versuchst, die Tränen in deinen Augen zu behalten.<br><br>Du bist sieben, dein Vater fährt dich zu Aaron, einem Schulfreund von dir. Kindergeburtstag. Schlecht gelaunt ist er, davon kriegst du immer Bauchweh. Willst nicht fragen, ob ihr kurz anhalten könnt, oder ob du was zu trinken haben kannst, während er eisern neben dir sitzt. Als er dich absetzt, bist du so aufgekratzt, dass du die Kerzen auf dem Kuchen deines Freundes auspustest und um dich schlägst, als die Spiele nicht so laufen, wie du willst. Aarons Mutter ruft bei deinen Eltern an und du haust ab, läufst ganz allein die 30 Minuten nach Hause, während niemand weiß, wo du bist. Willst nur in die Arme deiner Mutter und wirst auf den letzten Metern immer langsamer, weil du weißt, das gibt Ärger. Den Rest des Wochenendes werden dir alle Mahlzeiten entzogen und du verlässt dein Zimmer kein einziges Mal.<br>Als du am Montag wieder zur Schule gehst, will niemand mit dir reden. Hast dich nachhaltig ins Aus geschossen mit der Aktion und in deinem Kampf um die Aufmerksamkeit (rumschreien und aufdrängen, Ball auf dem Platz in die Fresse kicken und Stifte aus Mäppchen klauen) landest du vielleicht im Sekretariat, aber nicht bei deinen Peers. Soll sich auch nicht mehr ändern, von da an. Als du von der Grundschule abgehst, steht in der Beurteilung, dass du erhebliche Probleme im sozialen Kontakt mit deinen Mitschülern aufweist. Dein Vater schweigt wütend und deine Mutter weint, weil sie nicht weiß, was sie falsch gemacht hat und du sitzt daneben und weißt nicht, was du fühlst.<br><br>Du bist acht Jahre alt, als du großer Bruder wirst. Bist stolz irgendwie, aber willst nichts falsch machen mit dem pummeligen kleinen Ding, das du nur auf dem Arm hältst, wenn niemand schaut. Kannst dir nicht vorstellen, dass das mal ein Mensch werden soll. Als sie zwei Jahre alt ist, fegt Pippa versehentlich ein Glas vom Tisch und du weißt was das bedeutet. Sie kickt nach dir, als du sie über dein Knie beugst und ihr auf den Hintern haust. Du kennst es nicht anders.<br><br></div><div class="s-b">marodes Teenager-Dasein, Elliot <ti> 1993 - 2000</ti></div>
	<div class="s-tb">Zuhause habt ihr euch arrangiert, aber du bist trotzdem ein miserabler Teenager geworden. Hörst wütende Musik und schreibst edgy Lyrics auf deine Unterrichtszettel. <i>Edgy Edgar</i> nennt dich eine Mitschülerin einmal zu oft (dein Zweitname stand auf der Telefonliste), daraufhin landet ihr beide im Sekretariat. Die Werke eures Kunstunterrichts der achten Klasse hängen noch drei Jahre später im Flur. Kunst ist das Gemisch aus schwarz und rot mit den düsteren Burzum Lyrics nicht, neben dem dein Name prangt. Irgendwann reißt du's nach der Pause einfach ab, die Lücke klafft dort trotzdem weiter bis zu deinem Schulabschluss.<br>Kunst wars wohl nicht, aber irgendwann entdeckst du Sport für dich. Läufst viel und musst dann an gar nichts mehr denken. Machst es auch, wenn du angeschlagen bist, ist eine Sucht, wird dir irgendwann jemand sagen (und du wirst mit den Schultern zucken und dich fragen, wie schlimm's schon sein kann). Wenigstens im Sportunterricht bist du wer und wenn du wem den Völkerball gegen den Schädel hämmerst, dann wars natürlich immer aus Versehen, sorry, kommt nicht wieder vor. Tust auch so, als würde es dich nicht kümmern, dass deine Mitschüler über dich komischen Emo tuscheln und du bei Gruppenarbeiten immer nur beim sonstigen Rest landest. Vielleicht würd's dir leichter fallen, würdest du dich wenigstens mit denen verstehen, aber da stellst du dich selbst gegen. Bist wohl doch nicht so unabhängig davon, was andere denken.<br />
	<br />
Du bist 15 als sich das plötzlich ändert. In Elliot lernst du Geborgenheit kennen, die dir vorher fremd war. <i>Warum</i></i>, fragst du dich nicht, dafür bist du nicht der Typ. Für dieses eine Jahr seid ihr unzertrennlich. Für den gehst du sogar mit in seine Kirche, obwohl es ein Kampfakt ist, wach zu bleiben, während der alte Sack da vorne was von einem Gott faselt, der dir fremd ist. Dass er bald wieder wegziehen wird, schwebt über euch wie eine düstere Wolke. Aber darüber willst du nicht mit ihm reden, oder was sich dann ändert. Fliegst wie ein Pingpongball zwischen Verlustangst und Wut und den schönsten Momenten deines jungen Lebens und weißt nicht, wo dir der Kopf steht. Als ihr euch unter der alten Brücke küsst, bleibt davon keine gute Erinnerung. Warum ausgerechnet dein Vater in der Nähe war, weißt du bis heute nicht, aber er brüllt dir so laut in die Ohren, dass sie noch zwei Wochen später ringen. Knapp ne Woche lassen dich deine Eltern in der Garage schlafen. Scheiße kalt ist es, deine Zähne klappern die ganze Nacht und statt zu schlafen drückst du nur mit leerem Kopf auf deinen blauen Flecken herum. Am nächsten Tag gehst du wieder zur Schule, als wärs nichts, und kriegst Ärger, weil du nicht im Matheunterricht aufpasst<br><br />
Elliot siehst du nicht mehr wieder. Willst du auch nicht, glaubst du. Kannst das alles nicht einordnen und hast auch keinen Bock, dass deine Eltern weiter eskalieren, falls er versucht sich zu melden. Wütend bis du trotzdem, als Wochen verstreichen und nichts passiert. Klar, kann der sich einfach verpissen und dich zurücklassen – klar, kannst du dem egal sein. Der Ton Zuhause ist plötzlich ein anderer. Einfach war es schon vorher nicht, aber dass dich dein Vater richtig verachtet, kommt erst jetzt durch. Deine Mutter ist da subtiler, aber auch aus ihrer Ecke erhoffst du dir keinen Support. Plötzlich predigen auch deine unreligiösen Eltern von <i>Adam and Eve, not Adam and Steve</i>, als wäre Elliot nicht das geistlichste an deinem Leben gewesen.<br><br></div><div class="s-b">Schulabschluss, Auszug, Ausbildung <ti>2000 - 2014</ti></div>
	<div class="s-tb"><i>Fickt euch</i>, denkst du dir grinsend, als du deinen Eltern kurz nach deinem Schulabschluss das ausgedruckte Zugticket auf den Tisch knallst. Dass du wegziehst, hast du niemandem erzählst – die Diskussion kannst du dir sparen. Ausgeschlossen, dass du in dieser Scheißstadt bleibst, stattdessen zieht es dich nach Edinburgh, wo du die nächsten Jahre verbringen wirst.<br> In den ersten Monaten weißt du nichts mit dir anzufangen. Miserabel fühlst du dich, verfickt miserabel. Ziehst deine Energie aus shady Gay Bar Hinterzimmern und dem einen oder anderen (unüberlegten) Tattoo, das definitiv zu tief gestochen wurde (dir dafür aber auch nur nen Fuffi aus der Tasche gezogen hat). Immer wieder mal schläfst du mit ner Frau und fühlst dich dann, als würdest du wem was beweisen – <i>na siehste Mum, gotcha.</i><br><br>Lang hält deine <i>Findungsphase</i> nicht an. In deinen ersten Monaten in Edinburgh arbeitest du als Farmhand, aber die arbeit kotzt dich so massiv an, dass du dich kaum aufraffen kannst und mit dem kommenden Winter weißt du auch, dass die dich nicht mehr gebrauchen können.<br>Es sind keine moralischen Überzeugungen, die dich in die Polizeiausbildung treiben. Aber es ist ein guter Job mit gutem Ansehen und guter Bezahlung, der was bedeutet. Wenn du Leuten sagst, dass du Bulle bist, dann haben sie gleich ne Meinung von dir – ob die gut oder schlecht ausfällt, ist da zweitranging. Mit diesem gewissen <i>Standing</i> freundest du dich schon während der Ausbildung an. Allgemein lernst du dort auch was über die Kameradschaft, die du sonst nie hattest. Da ist ein gewisses Vertrauen zwischen dir und deinen Kollegen; in den Augen linker Brandstifter wohl zu blind, aber darüber kannst du nur schief grinsen. Zum Brunchen triffst du dich mit deinen Kollegen vielleicht nicht, aber hin und wieder ein Feierabendbier und die Einsamkeit vergeht, die dich immer begleitet hat. Vielleicht liegts auch einfach daran, dass du älter wirst.<br><br>Und dann gibts diese Abende, wo du nach der Bar heimkommst, dich an den Laptop setzt und dich fragst, wo Elliot jetzt wohl steckt. Hm. Fühlst dich manchmal als hätts den nie gegeben, so spurlos, wie der verschwunden ist und nirgendwo auftaucht. Kein Social Media, kein Telefonbucheintrag, kein gar nichts. Bis du den irgendwann auf der hässlichen early-2000s Website von nem Kirchenchor findest. Hm.<br>Das bleibt auch die einzige Reaktion, wenn du immer mal wieder die Seite aktualisierst. Hm. Der singt da schöne Lieber über seinen Gott. Hm. Der sieht da glücklich aus. Hm. Der wird Priester. Hm. Zehn Jahre später und du erkennst den immer noch wieder, aber weißt auch, dass du den eigentlich gar nicht kennst. Hm-st dich weiter durch dein Leben und lässt den Typen da, wo er ist, in seinem Kaff irgendwo im Norden Manchesters.<br><br />
	</div>
	<div class="s-b">Arbeit, CID, Manchester <ti>2014 -</ti></div>
	<div class="s-tb">Apropos Manchester: Da ist deine Schwester mittlerweile auch. Die hat auch die Biege gemacht, sobald sie konnte und wohnte dafür zwischenzeitlich sogar bei dir in Edinburgh, bevor sie ihre WG findet. Die Couch kannte sie ja schon, da hat sie hin und wieder gepennt, wenn sie dich als erwachsene Begleitperson auf irgendwelche Konzerte entführt hat (und weil du derjenige mit dem Gehalt warst, hast du die auch noch selbstlos bezahlt).<br>Egal, jetzt macht sie ihr Ding jedenfalls in England und du fährst immer noch auf Streife und merkst auch, dass du das nicht ewig machen willst. 2010 trittst du dem National Detective Programme bei und obwohl du zwei Jahre später offiziell Detective Constable bist, gerätst du in diesen Alltagstrott, kannst die Stadt nicht mehr sehen und denkst trotzdem nicht ernsthaft drüber nach wegzugehen. Bis dann der laute Köter in deiner Nachbarschaft seinen Besitzer in Krücken versetzt und ihr ins Gespräch kommt. Mit Hunden bist du immerhin aufgewachsen und obwohl du weder Zeit, noch Platz für einen Hund (und vor allem eine aufwändige Rasse) hast, willst auch nicht, dass der reaktive Malinois unvermittelbar in einem Tierheim versauert. Der Gedanke lässt dich trotzdem nicht los und ein halbes Jahr nachdem du Hector mal beiläufig in einem Gespräch mit deiner Schwester erwähnt hast, teilst du dir mit ihr sozusagen das Sorgerecht. 2014 lässt du Schottland hinter dir, ziehst nach Manchester, fügst dich in einem neuen Team ein und ignorierst jeden Gedanken an Elliot.<br><br>Wieder auf Streife, entweder um dich zu beweisen, oder weil gerade keine Stelle frei ist. Was der tatsächliche Grund ist, ist dir eigentlich egal, abfucken tut es dich nämlich sowieso. Wenigstens kannst du dir einreden, die Stadt so besser kennenzulernen (ob die dir so gut gefällt, naja). Wirst in den Jahren sicher auch nicht der beliebteste Cop Manchesters, aber hey – man tut was man kann. Braucht glücklicherweise auch nicht zu lang und 2015 lässt man dich die Uniform endlich wieder ablegen. Gibt sicher den einen oder anderen Kollegen, der sich freut, dich los zu sein, aber sowas nimmst du immerhin schon lange nicht mehr persönlich.<br><br>Das ist aber auch nicht das einzige, das 2015 passiert. Für ein paar Monate wohnt Ianis bei dir, irgendwie passiert das einfach. Hast ihn in einem Club kennengelernt, den Rumänen ohne Rückflugticket. Was das zwischen euch ist, besprecht ihr nie, und genauso wortkarg macht der einen Abgang, nachdem ihr euch fett streitet. Es macht dich fuchsig, dass dich das nicht kalt lässt. Dabei wars auch das nächste an Beziehung, das du in deinem Leben geführt hast.<br>Im Herbst drückst du deine Mutter bestimmt 9x weg, also muss dir deine Schwester erzählen, dass dein Vater einen Schlaganfall hatte. Danach siecht er noch einige Monate im Krankenhaus vor sich hin, du bist sogar auch mal da. Aber da ist nichts mit <i>making amends</i>, keine spontane Einsicht, dass man sein Leben hätte anders leben sollen. Dein Vater stirbt, du hörst keine Entschuldigung, die du weder brauchst noch hören willst, und verpisst dich vor dem Essen von der Beerdigung.<br>Eigentlich verändert sich für dich nichts, außer dass deine Mutter den Ansatz nutzt, um dir wieder auf den Sack zu gehen. Denkt scheinbar, du würdest jetzt endlich zur Besinnung kommen und die Farm übernehmen, also reduzierst du den ohnehin seltenen Kontakt aufs mindeste, um dich den Vorwürfen und Forderungen zu entziehen. Den Schuh ziehst du dir nicht an und selbst wenn du die Farmarbeit nicht zum Kotzen finden würdest, würdest du schon aus Prinzip niemals in die Fußstapfen deiner Eltern tun. Dann versinkst du lieber weiter im Trott deines neu gefundenen Alltags. <br><br>Passt schon alles so, wie es ist. <br />
	<br />
	<br />
<i2>tl;dr</i2><br />
* 23.09.1982: Geburt in Stirling<br />
* 1987 - 2000: Schulzeit<br />
* 2000 - 2003: Polizeiausbildung in Edinburgh<br />
* 2003 - 2010: Streife; Police Scotland, Edinburgh<br />
* 2010 - 2012: Ausbildung im National Detective Programme<br />
* 2012 - 2014: Arbeit als Detective Constable<br />
* 2014: Umzug nach Manchester<br />
* 2014 - 2015: Streife; Greater Manchester Police<br />
* 2015 - : Rückkehr zu Ermittlungsarbeiten im CID<br />
	</div></div> </div>
		</div></div> </div></div>
<style>.s-b {position:absolute} .s-wr {margin:auto}.s-b {background-color: #2a698b }.s-tb, .l-b{position:relative}.s-tb{text-align: justify}.s-b dt{font-weight:600}.s-wr{width:100%;border-left: solid 8px #2a698b}.s-b{max-width: 430px; z-index: 2; padding:5px 10px 5px 15px;font-size:13px;font-family: 'Montserrat', sans-serif;color:#fff;text-transform:uppercase;letter-spacing:0.5px}.s-b ti{font-size:10px}.s-tb{padding: 0 15px 0 10px;padding-top:37px} i2 {font-size: 11px; font-style: italic; color: #2a698b;} .lee-facts { padding: 10px;}.lee-facts-title {font-family: 'Montserrat', sans-serif;text-transform: uppercase; text-align: left; font-weight: bold; letter-spacing: 2px; margin-bottom: -10px;}.lee-facts ul { list-style-type: none; margin-left: -30px;}.lee-facts ul li { padding: 2px 0;}</style>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Lucas Edgar Ramsay</div>
  <div class="p3">being an asshole is all part of my manly essence</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">does violence have to be the last resort. can't it be like third</div>
    </div>
    <div style="display: flex; justify-content: space-between; width: 500px;"><img src="https://64.media.tumblr.com/c6a4d7e61957e94533d3a62862835d66/0b12a3128d48e507-a3/s400x600/8b7ba322be92ec89cc85f09dac928da67486acb4.gif" style="width: 160px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://64.media.tumblr.com/de6d4c06f432f78b39676e92c4d19f75/27735c5e28be52ca-3f/s1280x1920/eca1a867e2774a447671ad586416247610a3fcec.gif" style="width: 160px; height: 210px;object-fit: cover;"><img src="https://64.media.tumblr.com/2a752741dabaf6d972cd28a70ced7f4e/761aec324309569e-fd/s540x810/be67ebfc95d2aa210340847491ef1dbe6dd69cfd.gif" style="width: 160px; height: 210px; object-fit: cover;"></div>
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lee</div>
      <div>Alter // 35 Jahre</div>
      <div>
        Job // Detective Constable </div>
      <div>
        Pizza // Sucuk</div>
      <div>
        Ava // Daniel Sträßer</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://64.media.tumblr.com/3c4c9ccccd93645241e22ef91a79f1e5/849149ace0da941e-12/s540x810/27ecc71dd27f441c897bd960e060ddfd5854f0fb.gif"><br />
      </div>
      Frauen wollen einen schwulen besten Freund und meinen damit offensichtlich nicht Luke. Ist nicht so seine Expertise, Fashion, shoppen, <i>Dramatics</i>. Na wenigstens <i>Shade</i> kann er, da ist wohl doch nicht Hopfen und Malz verloren. Trotzdem bleibt er wohl der laufende Beweis dafür, dass Schwul-sein kein Synonym für guten Geschmack ist, mit seiner <i>Jeans on Jeans</i>-Garderobe, den 2000s-ass blondierten Haaren mit dem latenten Gelbstich und der schlichten Wohnung, die nur mehr als weiße Wände und schwarze Möbel zu bieten hat, weil seine Schwester da manchmal Hand anlegt. Reicht auch, wenns praktikabel ist, zwischen dem Job als Detective und einem zeitintensiven Malinois-- gut kommt ihm da zwar wenigstens kein ausgiebiges Sozialleben in die Quere, dem ollen Sympathiebolzen (ha-ha). Meckern tut da keiner, na gut, Luke zumindest nicht. Passt schon alles so wie's ist, in seiner kleinen misanthropischen Welt, in der er konsequenzlos sagen und machen kann, was er denkt und jeder andere damit klarkommen musst. So gut sozialisiert, wie ein Straßenhund – bisschen ranzig, bisschen besorgniserregend, bisschen sozialverkappt, na was will man tun. Der ist bei ACAB jedenfalls ordentlich mitgemeint, erkennt er selbst mit nem Grinsen an und würd's auch nicht anders wollen. Dabei macht er den Job nicht mal half-bad, wär auch ungünstig, wo gelöste Fälle die einzigen Erfolgserlebnisse in seinem Leben sind. Aber gut, selbst Schuld, wenn er sich das mit dem Glück nicht ganz gönnt. Da kann man auch nur betroffen mit den Schultern zucken.<br />
    </div>
<div class="p8">do my dark circles and unwashed hair turn you on<br />
</div>
<div class="lee-facts">
	<div class="lee-facts-title">Wusstest du, dass Lucas:</div>
	<ul>
		<li>» ...nicht kochen kann und sich ausschließlich von Spaghetti Bolognese, Reis mit Hühnchen und Frischkäse, einer übertriebenen Anzahl an Eiern in jeglichem Aggregatzustand und Tiefkühl-Lasagne ernährt?</li>
		<li>» ...trotzdem seit jeher der konsequenteste Running Gag zwischen ihm und seiner Schwester ist, dass sie mit Gordon Ramsay verwandt sind?</li>
		<li>» ...manchmal zu faul ist, sich was zu Essen fertig zu machen, und dann stattdessen zum Proteinshake greift?</li>
		<li>» ...immer <i>pspsps</i> macht, wenn er auf der Straße an einer Katze vorbeiläuft?</li>
		<li>» ...noch nie seine Sockenschublade sortiert hat und einfach wild alles reinwirft?</li>
		<li>» ...Krankheiten lieber verschleppt, als zum Arzt zu gehen?</li>
		<li>» ...mehrere fragwürdige Tattoos hat? Darunter natürlich eine obligatorische Uhr mit Rosen auf dem linken Oberarm, ein kursiver Schriftzug  mit den Hatebreed-Lyrics "Pure strength through solitude, discipline and determination" (würde er sich so auch nicht mehr stechen, Jugendsünde) auf dem rechten Unterarm unter einem kleinen Falken, chinesische Schriftzeichen an der Leiste, die vielleicht-oder-vielleicht-auch-nicht "Ehre" bedeuten, das eigene Geburtsjahr in Frakturschrift über der linken, die Lieblingsbeleidigung seines Vaters "roach" unter der rechten Brust</li>
		<li>» ...irgendwann mal zufällig bei einer Lagerraum-Auflösung über ein Schwert gestolpert ist, das seitdem neben den Küchenmessern an der magnetischen Vorrichtung an der Wand hängt?</li>
		<li>» ...öffentliche Verkehrsmittel gleichermaßen eklig wie lästig findet?</li>
		<li>» ...prinzipiell 15 km/h zu viel auf dem Tacho hat?</li>
		<li>» ...dafür aber wenigstens ein ziemlich guter Fahrer ist?</li>
		<li>» ...als Kindheitstraumberuf immer Postbote werden wollte?</li>
		<li>» ...niederländisch nicht spricht, aber ganz okay verstehen kann, weil er als Kind immer die Sesamstraat geschaut hat?</li>
		<li>» ...sich trotz fast täglicher Zigaretten als Nichtraucher bezeichnen würde?</li>
		<li>» ...nur für die soziale Komponente trinkt (aber kaum bis nie über den Durst hinaus)?</li>
		<li>» ...ein erstaunlich begabter Schachspieler ist und sich das Hobby damals in Edinburgh beigebracht hat? ...heute noch regelmäßig bei Barabenden Manchesters wanna-be-Grandmaster abzieht?</li>
	</div>
	<div class="p8">*rolls around on a spinny chair* tell me more</div>
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	<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify"> # angriffslustig # anstrengend # ausdauernd # bindungsscheu # bodenständig # charakterfest # derb # dickhäutig # dreist # echt # eigenbrötlerisch # geschickt # grob # großspurig # hartnäckig # hilfsbereit # humorvoll # kooperativ # launisch # leidensfähig # leistungsorientiert # locker # loyal # misanthropisch # nachdenklich # nonchalant # pfiffig # praktisch # schamlos # spontan # stressresistent # tierlieb # trocken # unorthodox # wertend # zäh # zermürbt # zuverlässig</div>
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	<div class="p8">with all due respect, which is none--<br />
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<i2>Edgar Ramsay // Vater // 1955 - †2015 </i2><br />
Du und dein Dad, das war schon immer ne spezielle Sache. Gehasst hast du den Bastard, aber der dich doch genauso, also wart ihr immer Quitt. Nur hattest du in den Augen dieses stoisch-konservativen Landmann immer die Pflicht, ihn zu verehren, wie es sich für ein Kind gehörte. Immerhin hattest du wegen <u>ihm</u> ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Teller und sowieso, was er nicht alles schon <i>für dich</i> gemacht hat, da wurde er nicht müde von zu erzählen, als müsstest du die Schulden eines Dreijährigen noch zehn Jahre später abarbeiten. Anti-England, Anti-Stadtmenschen, Anti-Alles – sehr viel Meinung, sehr wenig Ahnung. Dass der dich immer <i>Roach</i> genannt hat, hast du mittlerweile als Tattoo unter deiner Brust festgehalten, schön in Frakturschrift, wie's sich gehört. Ob das die Ehrung ist, die er immer haben wollte? Windelweich hat der dich geprügelt, wenn's drauf ankam, aber mittlerweile würdest du ja selbst behaupten, dass du's in den meisten Fällen einfach verdient hast. Warst ja auch aufmüpfig und hast Scheiße gebauen – wer nicht hören will, muss fühlen. Du erzählst solche Geschichten als Randanekdote auch immer mit so ner Lockerheit, als wär's nichts und keine Ahnung, ist es am Ende auch nicht, weil du's damals bestimmt nicht genossen hast, aber auch nicht dran zerbrochen bist. <i>Harte Zeiten schaffen harte Männer</i> klingt jedenfalls nicht nur wie ein Spruch aus deinem Mund, sondern nach einem, den du dir besoffen auf den Unterarm tätowieren lässt, wenn niemand aufpasst.<br> Tja, überlebt hast du den. Dahingesichen nach nem Schlaganfall, na herzlichen Glückwunsch. Da war nichts mit <i>making amends</i>, gab schließlich auch nichts zu klären. Der hat dir noch auf dem Todesbett gesagt, dass du deine Haare in Griff kriegen solltest, aber auch die haben ihn überlebt. Schachmatt. Wer hat eigentlich die Regel aufgestellt, dass man nicht schlecht über Tote sprechen darf?<br />
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<i2>Hester Ramsay (geb. Janssen) // Mutter // 1953 - </i2><br />
Deine Mutter kam vor etlichen Jahren nach Großbritannien, nachdem sie deinen Vater auf einer Landwirtschaftsmesse kennengelernt hat. Großes Interesse daran, ihren Kindern die niederländische Sprache oder sonstige kulturelle Inhalte zu teilen, hatte sie dabei aber eigentlich nicht. Dein schwieriges Verhältnis zu deinem Vater, hat ihr immer zu schaffen gemacht. Den Fehler hat sie trotzdem oft bei dir gesehen. <i>Das muss halt jetzt einfach sein</i>, hat sie oft gesagt und auch wenn du ihr dafür nicht aktiv böse bist, habt ihr heutzutage keine Beziehung zu dir. Wie auch, macht sie dir schließlich immer Vorwürfe, dass du die doofe Farm nicht übernehmen willst.<br />
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<i2>Pippa Ramsay // Schwester // 1990 -  </i2><br />
Dass deine Schwester die coolere von euch ist, hat noch nie jemand infrage gestellt. Obwohl ihr altersmäßig recht weit auseinander liegt, habt ihr eine gute Beziehung zueinander. Du fühlst dich ihr gegenüber verantwortlich und meckerst zwar, wenn sie unbedingt dummes Zeug mit dir unternehmen will, bist aber immer dabei. Auch wenn du ihr wenig aus deinem Leben erzählst (und vor allem darüber, was dich beschäftigt), ist sie mit Abstand dein Lieblingsmensch (und hat da zugegebenermaßen wenig Competition).<br />
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	<div class="p8">if i ever get murdered just know I talked shit until the bitter end</div>
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<div class="s-wr">
	<div class="s-l"></div>
	<div class="s-b">Kindheit, frühe Schulzeit  <ti>23.09.1982 - 1993</ti></div>
	<div class="s-tb">	Da bist du also, ungefähr fünf Jahre alt, auf der Farm deines Großvaters. Der ist längst tot, die Farm eigentlich auch. Hat nichts romantisches an sich, nichts mit Schafen, einer Handvoll Hühner, freilaufender Hunde und Katzen. Ne, das hier ist gute alte schottische Landwirtschaft -- oder war's zumindest einmal, bis dein Onkel sie gegen die Wand gefahren hat. Wird's wieder sein, jetzt wo deine Eltern vor zwei Jahren ihre beruflichen Karrieren aufgegeben haben, um das Familienunternehmen am Leben zu erhalten. Du kennst jedenfalls keine Zeit vor der Milchfarm, zu der sie den alten Ackerbaubetrieb umwirtschaften. Wächst auf mit mehr Kühen um dich als Menschen, und Feldern so ewig wie der Stresszustand deiner Eltern. Dass der nicht normal ist, checkst du natürlich nicht, grämst dich nur drum, wenn sie's an dir auslassen. Da lernt man jedenfalls schnell, wann man am besten verschwinden sollte. Bringt nichts, meistens, bedeutet nur, dass du erst ein paar Stunden später eine übergezogen kriegst (aber soweit denkst du meistens nicht).<br>Dein Versteck kennen sie jedenfalls nicht, da in der alten Scheune mit dem ganzen Stroh. Berge davon und zwischen ihnen Tunnel, die du mit deiner Fantasie füllst. Manchmal findest du neue Wege oder größere Zwischenräume und weißt, hier findet dich niemand (selbst wenn er wollte). Manchmal sind sie dein Agentenstützpunkt (du hast gerade <i>Cloak & Dagger</i> im Fernsehen geschaut) oder das Raumschiff von Star Trek; manchmal bist du ein GI auf der Flucht vorm Vietcong (dein Vater wettert auch in den 90ern noch gegen die Kommunisten), oder doch ein einsamer Cowboy, gefangengenommen von Indianern (die du natürlich später alle erbarmungslos niedermetzeln würdest). Bist nicht der kreativste Junge, aber mit der endlosen Zeit kommen selbst dir Bilder in den Kopf.<br>Hin und wieder schmuggelst du Dinge aus dem Haus hierher und hoffst, dass es niemand herausfindet. Heute entdeckt dich dein Vater, wie du versuchst eine rostige Gartenharke aus dem Schuppen hinter deinem Rücken zu balancieren. Die wird niemand mehr benutzen, aber geklaut hast du trotzdem, also packt er dich am Arm, wirft dich über sein Knie und zieht dir die Harke über den Po. Nicht die spitze Seite, hätte er ja auch machen können, wird er später am Essenstisch sagen, während du mit geröteten Augen auf den Teller starrst. <i>Indianer spüren keinen Schmerz</i>, brennt sich der Spruch deines Vaters in deinen Kopf, als du vergeblich versuchst, die Tränen in deinen Augen zu behalten.<br><br>Du bist sieben, dein Vater fährt dich zu Aaron, einem Schulfreund von dir. Kindergeburtstag. Schlecht gelaunt ist er, davon kriegst du immer Bauchweh. Willst nicht fragen, ob ihr kurz anhalten könnt, oder ob du was zu trinken haben kannst, während er eisern neben dir sitzt. Als er dich absetzt, bist du so aufgekratzt, dass du die Kerzen auf dem Kuchen deines Freundes auspustest und um dich schlägst, als die Spiele nicht so laufen, wie du willst. Aarons Mutter ruft bei deinen Eltern an und du haust ab, läufst ganz allein die 30 Minuten nach Hause, während niemand weiß, wo du bist. Willst nur in die Arme deiner Mutter und wirst auf den letzten Metern immer langsamer, weil du weißt, das gibt Ärger. Den Rest des Wochenendes werden dir alle Mahlzeiten entzogen und du verlässt dein Zimmer kein einziges Mal.<br>Als du am Montag wieder zur Schule gehst, will niemand mit dir reden. Hast dich nachhaltig ins Aus geschossen mit der Aktion und in deinem Kampf um die Aufmerksamkeit (rumschreien und aufdrängen, Ball auf dem Platz in die Fresse kicken und Stifte aus Mäppchen klauen) landest du vielleicht im Sekretariat, aber nicht bei deinen Peers. Soll sich auch nicht mehr ändern, von da an. Als du von der Grundschule abgehst, steht in der Beurteilung, dass du erhebliche Probleme im sozialen Kontakt mit deinen Mitschülern aufweist. Dein Vater schweigt wütend und deine Mutter weint, weil sie nicht weiß, was sie falsch gemacht hat und du sitzt daneben und weißt nicht, was du fühlst.<br><br>Du bist acht Jahre alt, als du großer Bruder wirst. Bist stolz irgendwie, aber willst nichts falsch machen mit dem pummeligen kleinen Ding, das du nur auf dem Arm hältst, wenn niemand schaut. Kannst dir nicht vorstellen, dass das mal ein Mensch werden soll. Als sie zwei Jahre alt ist, fegt Pippa versehentlich ein Glas vom Tisch und du weißt was das bedeutet. Sie kickt nach dir, als du sie über dein Knie beugst und ihr auf den Hintern haust. Du kennst es nicht anders.<br><br></div><div class="s-b">marodes Teenager-Dasein, Elliot <ti> 1993 - 2000</ti></div>
	<div class="s-tb">Zuhause habt ihr euch arrangiert, aber du bist trotzdem ein miserabler Teenager geworden. Hörst wütende Musik und schreibst edgy Lyrics auf deine Unterrichtszettel. <i>Edgy Edgar</i> nennt dich eine Mitschülerin einmal zu oft (dein Zweitname stand auf der Telefonliste), daraufhin landet ihr beide im Sekretariat. Die Werke eures Kunstunterrichts der achten Klasse hängen noch drei Jahre später im Flur. Kunst ist das Gemisch aus schwarz und rot mit den düsteren Burzum Lyrics nicht, neben dem dein Name prangt. Irgendwann reißt du's nach der Pause einfach ab, die Lücke klafft dort trotzdem weiter bis zu deinem Schulabschluss.<br>Kunst wars wohl nicht, aber irgendwann entdeckst du Sport für dich. Läufst viel und musst dann an gar nichts mehr denken. Machst es auch, wenn du angeschlagen bist, ist eine Sucht, wird dir irgendwann jemand sagen (und du wirst mit den Schultern zucken und dich fragen, wie schlimm's schon sein kann). Wenigstens im Sportunterricht bist du wer und wenn du wem den Völkerball gegen den Schädel hämmerst, dann wars natürlich immer aus Versehen, sorry, kommt nicht wieder vor. Tust auch so, als würde es dich nicht kümmern, dass deine Mitschüler über dich komischen Emo tuscheln und du bei Gruppenarbeiten immer nur beim sonstigen Rest landest. Vielleicht würd's dir leichter fallen, würdest du dich wenigstens mit denen verstehen, aber da stellst du dich selbst gegen. Bist wohl doch nicht so unabhängig davon, was andere denken.<br />
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Du bist 15 als sich das plötzlich ändert. In Elliot lernst du Geborgenheit kennen, die dir vorher fremd war. <i>Warum</i></i>, fragst du dich nicht, dafür bist du nicht der Typ. Für dieses eine Jahr seid ihr unzertrennlich. Für den gehst du sogar mit in seine Kirche, obwohl es ein Kampfakt ist, wach zu bleiben, während der alte Sack da vorne was von einem Gott faselt, der dir fremd ist. Dass er bald wieder wegziehen wird, schwebt über euch wie eine düstere Wolke. Aber darüber willst du nicht mit ihm reden, oder was sich dann ändert. Fliegst wie ein Pingpongball zwischen Verlustangst und Wut und den schönsten Momenten deines jungen Lebens und weißt nicht, wo dir der Kopf steht. Als ihr euch unter der alten Brücke küsst, bleibt davon keine gute Erinnerung. Warum ausgerechnet dein Vater in der Nähe war, weißt du bis heute nicht, aber er brüllt dir so laut in die Ohren, dass sie noch zwei Wochen später ringen. Knapp ne Woche lassen dich deine Eltern in der Garage schlafen. Scheiße kalt ist es, deine Zähne klappern die ganze Nacht und statt zu schlafen drückst du nur mit leerem Kopf auf deinen blauen Flecken herum. Am nächsten Tag gehst du wieder zur Schule, als wärs nichts, und kriegst Ärger, weil du nicht im Matheunterricht aufpasst<br><br />
Elliot siehst du nicht mehr wieder. Willst du auch nicht, glaubst du. Kannst das alles nicht einordnen und hast auch keinen Bock, dass deine Eltern weiter eskalieren, falls er versucht sich zu melden. Wütend bis du trotzdem, als Wochen verstreichen und nichts passiert. Klar, kann der sich einfach verpissen und dich zurücklassen – klar, kannst du dem egal sein. Der Ton Zuhause ist plötzlich ein anderer. Einfach war es schon vorher nicht, aber dass dich dein Vater richtig verachtet, kommt erst jetzt durch. Deine Mutter ist da subtiler, aber auch aus ihrer Ecke erhoffst du dir keinen Support. Plötzlich predigen auch deine unreligiösen Eltern von <i>Adam and Eve, not Adam and Steve</i>, als wäre Elliot nicht das geistlichste an deinem Leben gewesen.<br><br></div><div class="s-b">Schulabschluss, Auszug, Ausbildung <ti>2000 - 2014</ti></div>
	<div class="s-tb"><i>Fickt euch</i>, denkst du dir grinsend, als du deinen Eltern kurz nach deinem Schulabschluss das ausgedruckte Zugticket auf den Tisch knallst. Dass du wegziehst, hast du niemandem erzählst – die Diskussion kannst du dir sparen. Ausgeschlossen, dass du in dieser Scheißstadt bleibst, stattdessen zieht es dich nach Edinburgh, wo du die nächsten Jahre verbringen wirst.<br> In den ersten Monaten weißt du nichts mit dir anzufangen. Miserabel fühlst du dich, verfickt miserabel. Ziehst deine Energie aus shady Gay Bar Hinterzimmern und dem einen oder anderen (unüberlegten) Tattoo, das definitiv zu tief gestochen wurde (dir dafür aber auch nur nen Fuffi aus der Tasche gezogen hat). Immer wieder mal schläfst du mit ner Frau und fühlst dich dann, als würdest du wem was beweisen – <i>na siehste Mum, gotcha.</i><br><br>Lang hält deine <i>Findungsphase</i> nicht an. In deinen ersten Monaten in Edinburgh arbeitest du als Farmhand, aber die arbeit kotzt dich so massiv an, dass du dich kaum aufraffen kannst und mit dem kommenden Winter weißt du auch, dass die dich nicht mehr gebrauchen können.<br>Es sind keine moralischen Überzeugungen, die dich in die Polizeiausbildung treiben. Aber es ist ein guter Job mit gutem Ansehen und guter Bezahlung, der was bedeutet. Wenn du Leuten sagst, dass du Bulle bist, dann haben sie gleich ne Meinung von dir – ob die gut oder schlecht ausfällt, ist da zweitranging. Mit diesem gewissen <i>Standing</i> freundest du dich schon während der Ausbildung an. Allgemein lernst du dort auch was über die Kameradschaft, die du sonst nie hattest. Da ist ein gewisses Vertrauen zwischen dir und deinen Kollegen; in den Augen linker Brandstifter wohl zu blind, aber darüber kannst du nur schief grinsen. Zum Brunchen triffst du dich mit deinen Kollegen vielleicht nicht, aber hin und wieder ein Feierabendbier und die Einsamkeit vergeht, die dich immer begleitet hat. Vielleicht liegts auch einfach daran, dass du älter wirst.<br><br>Und dann gibts diese Abende, wo du nach der Bar heimkommst, dich an den Laptop setzt und dich fragst, wo Elliot jetzt wohl steckt. Hm. Fühlst dich manchmal als hätts den nie gegeben, so spurlos, wie der verschwunden ist und nirgendwo auftaucht. Kein Social Media, kein Telefonbucheintrag, kein gar nichts. Bis du den irgendwann auf der hässlichen early-2000s Website von nem Kirchenchor findest. Hm.<br>Das bleibt auch die einzige Reaktion, wenn du immer mal wieder die Seite aktualisierst. Hm. Der singt da schöne Lieber über seinen Gott. Hm. Der sieht da glücklich aus. Hm. Der wird Priester. Hm. Zehn Jahre später und du erkennst den immer noch wieder, aber weißt auch, dass du den eigentlich gar nicht kennst. Hm-st dich weiter durch dein Leben und lässt den Typen da, wo er ist, in seinem Kaff irgendwo im Norden Manchesters.<br><br />
	</div>
	<div class="s-b">Arbeit, CID, Manchester <ti>2014 -</ti></div>
	<div class="s-tb">Apropos Manchester: Da ist deine Schwester mittlerweile auch. Die hat auch die Biege gemacht, sobald sie konnte und wohnte dafür zwischenzeitlich sogar bei dir in Edinburgh, bevor sie ihre WG findet. Die Couch kannte sie ja schon, da hat sie hin und wieder gepennt, wenn sie dich als erwachsene Begleitperson auf irgendwelche Konzerte entführt hat (und weil du derjenige mit dem Gehalt warst, hast du die auch noch selbstlos bezahlt).<br>Egal, jetzt macht sie ihr Ding jedenfalls in England und du fährst immer noch auf Streife und merkst auch, dass du das nicht ewig machen willst. 2010 trittst du dem National Detective Programme bei und obwohl du zwei Jahre später offiziell Detective Constable bist, gerätst du in diesen Alltagstrott, kannst die Stadt nicht mehr sehen und denkst trotzdem nicht ernsthaft drüber nach wegzugehen. Bis dann der laute Köter in deiner Nachbarschaft seinen Besitzer in Krücken versetzt und ihr ins Gespräch kommt. Mit Hunden bist du immerhin aufgewachsen und obwohl du weder Zeit, noch Platz für einen Hund (und vor allem eine aufwändige Rasse) hast, willst auch nicht, dass der reaktive Malinois unvermittelbar in einem Tierheim versauert. Der Gedanke lässt dich trotzdem nicht los und ein halbes Jahr nachdem du Hector mal beiläufig in einem Gespräch mit deiner Schwester erwähnt hast, teilst du dir mit ihr sozusagen das Sorgerecht. 2014 lässt du Schottland hinter dir, ziehst nach Manchester, fügst dich in einem neuen Team ein und ignorierst jeden Gedanken an Elliot.<br><br>Wieder auf Streife, entweder um dich zu beweisen, oder weil gerade keine Stelle frei ist. Was der tatsächliche Grund ist, ist dir eigentlich egal, abfucken tut es dich nämlich sowieso. Wenigstens kannst du dir einreden, die Stadt so besser kennenzulernen (ob die dir so gut gefällt, naja). Wirst in den Jahren sicher auch nicht der beliebteste Cop Manchesters, aber hey – man tut was man kann. Braucht glücklicherweise auch nicht zu lang und 2015 lässt man dich die Uniform endlich wieder ablegen. Gibt sicher den einen oder anderen Kollegen, der sich freut, dich los zu sein, aber sowas nimmst du immerhin schon lange nicht mehr persönlich.<br><br>Das ist aber auch nicht das einzige, das 2015 passiert. Für ein paar Monate wohnt Ianis bei dir, irgendwie passiert das einfach. Hast ihn in einem Club kennengelernt, den Rumänen ohne Rückflugticket. Was das zwischen euch ist, besprecht ihr nie, und genauso wortkarg macht der einen Abgang, nachdem ihr euch fett streitet. Es macht dich fuchsig, dass dich das nicht kalt lässt. Dabei wars auch das nächste an Beziehung, das du in deinem Leben geführt hast.<br>Im Herbst drückst du deine Mutter bestimmt 9x weg, also muss dir deine Schwester erzählen, dass dein Vater einen Schlaganfall hatte. Danach siecht er noch einige Monate im Krankenhaus vor sich hin, du bist sogar auch mal da. Aber da ist nichts mit <i>making amends</i>, keine spontane Einsicht, dass man sein Leben hätte anders leben sollen. Dein Vater stirbt, du hörst keine Entschuldigung, die du weder brauchst noch hören willst, und verpisst dich vor dem Essen von der Beerdigung.<br>Eigentlich verändert sich für dich nichts, außer dass deine Mutter den Ansatz nutzt, um dir wieder auf den Sack zu gehen. Denkt scheinbar, du würdest jetzt endlich zur Besinnung kommen und die Farm übernehmen, also reduzierst du den ohnehin seltenen Kontakt aufs mindeste, um dich den Vorwürfen und Forderungen zu entziehen. Den Schuh ziehst du dir nicht an und selbst wenn du die Farmarbeit nicht zum Kotzen finden würdest, würdest du schon aus Prinzip niemals in die Fußstapfen deiner Eltern tun. Dann versinkst du lieber weiter im Trott deines neu gefundenen Alltags. <br><br>Passt schon alles so, wie es ist. <br />
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	<br />
<i2>tl;dr</i2><br />
* 23.09.1982: Geburt in Stirling<br />
* 1987 - 2000: Schulzeit<br />
* 2000 - 2003: Polizeiausbildung in Edinburgh<br />
* 2003 - 2010: Streife; Police Scotland, Edinburgh<br />
* 2010 - 2012: Ausbildung im National Detective Programme<br />
* 2012 - 2014: Arbeit als Detective Constable<br />
* 2014: Umzug nach Manchester<br />
* 2014 - 2015: Streife; Greater Manchester Police<br />
* 2015 - : Rückkehr zu Ermittlungsarbeiten im CID<br />
	</div></div> </div>
		</div></div> </div></div>
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		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Jesús Bernstein]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2641</link>
			<pubDate>Tue, 27 Jan 2026 18:37:47 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=561">Jesús Bernstein</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2641</guid>
			<description><![CDATA[<div id="sanstecki">
  <div id="sansteckiheadh">
    <div id="bild"></div>
    <div class="sansteckiheadb"><img src="https://i.ibb.co/LhYDv59m/pedro-pascal.gif"></div>
    <div class="sansteckiheadt">Alleinerziehender Vater einer liebenden Tochter, Lumberjack-Flanellhemden-Style, grau-meliertes Haar und eine angemessene Anzahl Falten im Gesicht – wer hätte gedacht, dass du irgendwann als Klischee-<i>Daddy</i> im Zentrum feuchter Mädchenträume stehst? Da siehst du dich eigentlich gar nicht, mit deinem patchy Bart, dem weichen Bauch und der angeborenen kindlichen Unordnung. Und trotzdem hast du dir irgendwie eine 16 Jahre jüngere Traumfrau geangelt (5/7 perfect score), mit der du das Klischee noch etwas mehr bedienst. Dabei ist das gar nicht dein Ding, diese <i>Sugar Daddy</i> Nummer, denn erstens gibt es bei dir wirklich keinen <i>Sugar</i> zu holen, und zweitens waren deine Ex-Freundinnen alle älter als du. Deutlich älter. Da stehst du nämlich eigentlich drauf: Ältere, erfolgreiche, selbstbewusste Frauen, denen du figurativ (literarisch) die Füße küssen darfst. Aber Charlotte ist trotz ihres Alters schon längst erfolgreicher als du je warst, und ihre Zehen schiebt sie dir auch manchmal in den Mund. Also wurde die Differenz in euren Geburtsjahren schnell zweitrangig und nun seid ihr nicht nur verheiratet, sondern erwartet auch ein Kind miteinander. Das Leben ab Mitte 40 hast du dir eigentlich anders vorgestellt, und trotzdem bist du gerade genau dort, wo du immer sein wolltest.</div>
  </div>
  <center><br />
    <div id="sansteckiueber">Jesús Bernstein Ramírez<div class="klein">FC: Pedro Pascal</div>
    </div>
    <table width="100%" style="background-color:#f1f1f1;border-spacing:10px;">
      <tr>
        <td id="tabellegr">46 Jahre alt<br>2. April 1970</td>
        <td id="tabellebl">Verheiratet<br>mit Charlotte</td>
        <td id="tabellegr">Handwerker<br>im Theater</td>
        <td id="tabellebl">Student<br>Soziale Arbeit</td>
      </tr>
    </table>
    <div id="sansteckitext"><span class="stitel">Name</span> <b>Jesús Pablo Bernstein Ramírez</b>, was für ein Name. Vollkommen angemessen in Lateinamerika, absolut überfordernd in einem Land wie Großbritannien. Deswegen nennst du dich hier der Einfachheit halber nur <b>Jesús Bernstein</b> und vereinst damit die jüdische Kultur deines Vaters und die argentinische Kultur deiner Mutter. Von deiner Familie wirst du seit jeher mit deinem Spitznamen <b>Chucho</b> oder, kürzer, <b>Chuy</b> angesprochen, doch im englischsprachigen Raum haben sich beide Namen nicht durchgesetzt. Dort kämpfst du bis zum heutigen Tag für die korrekte Aussprache deines Vornamens: <i>CHE-SOOS, nicht JEE-ZUS!</i><br />
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      <span class="stitel">Geburtsdatum & -ort</span> Du wurdest am <b>2. April 1970</b> geboren und bist zum aktuellen Zeitpunkt <b>46 Jahre alt</b>. Du hast in <b>Argentinien</b> das Licht der Welt erblickt, auf einer Farm in der Provinz <i>La Pampa</i>, wo es genau so aussieht wie der Name vermuten lässt: Viele Felder auf flachem Land, unterbrochen von wenigen Bäumen und noch weniger Menschen.<br />
<br />
      <span class="stitel">Wohnort</span> Vor ungefähr einem halben Jahr bist du in die <b>WG</b> deiner (jetzigen) Frau und ihrer Schwester Jaz im <b>Northern Quarter</b> gezogen. Vordergründig um Geld zu sparen, denn als Lotta unerwartet schwanger geworden ist, war ziemlich schnell klar, dass ihr jetzt verantwortungsbewusst(er) und sparsam(er) leben müsst. Diese WG wird keine Dauerlösung sein, aber eine Zwischen-Station, um die Gehaltseinbußungen auszugleichen, die mit dem Mutterschaftsurlaub deiner Frau einhergehen.<br />
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      <span class="stitel">Beziehungsstatus</span> Absurd wie schnell sich alles verändern kann, aber du bist jetzt tatsächlich <b>verheiratet</b> und wirst bald zum zweiten Mal Vater. Nicht, dass du das nicht gewollt hättest, aber eigentlich sahst du mit Anfang 40 dein Schicksal längst besiegelt: Du würdest irgendwann alleinstehend sterben. Doch dann kam Lotta, und zwei Jahre nach eurem ersten Treffen trägt sie deinen Namen und euren gemeinsamen Sohn unter ihrer Bauchdecke.<br />
      <br />
      <span class="stitel">Beruf</span> Eine richtige Berufsausbildung hast du nie absolviert, aber die Liste deiner bisherigen Jobs ist lang: Du warst mal Taxifahrer, mal Kindergärtner, Umzugshelfer und auf dem Bau, hast Essen ausgefahren oder Menschen mit Behinderungen assistiert. Auf der Farm deiner Großeltern in Argentinien hast du so viel über Fahrzeuge gelernt, dass du zwischenzeitlich in London als Kfz-Mechatroniker arbeiten konntest, aber dein längster Job war als Hausmeister und Handwerker in einer Marina für Narrowboats. Im Moment bist du als <b>Handwerker am Theater</b> beschäftigt, aber auch das ist nur eine Überbrückung, denn vor etwa einem Jahr hast du den Schritt gewagt und dich für ein sogenanntes <i>Studium im Alter</i> angemeldet. <b>Soziale Arbeit</b> liegt dir nicht nur im Blut, sondern hat dir auch immer am meisten Freude bereitet.<br />
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      <span class="stitel">Lieblingspizza</span> Wenn du nach deiner Lieblingspizza gefragt wirst, entbrennt oft eine weit verbreitete, hitzige Diskussion: <i>Gehört Ananas auf Pizza? Ja oder nein?</i> Du sagst ganz klar "Ja" und bestellst dir aus absoluter Überzeugung eine <b>Pizza Hawaii mit Cheesy Crust</b>.<br />
    </div>
    <div id="sansteckizw">
      <div class="ztitel">Familie</div>
      <div class="zklein">Oh, mirror in the sky, what is love?</div>
    </div>
    <div id="sansteckitext"><span class="stitel">Tochter</span><br />
      <b>» Ama Indiyah Bernstein | * 12.06.1995 | Studentin | Ecological & Environmental Studies an der University of Edinburgh</b><br />
      Ama ist ein Tomboy, das war sie schon immer. Bereits im Kindesalter hat sie lieber mit Superhelden als mit Puppen gespielt, fand <i>Cyborg Cat</i> Bücher so viel cooler als Geschichten über Prinzessinnen und hat sich mit Leidenschaft in den Fußball gestürzt, einer männerdominierten Sportart. Du hast von deiner Tochter viel über <i>Gender Roles</i> und Vorurteile gelernt, hast dich selber stetig hinterfragt und Glaubenssätze über Bord geworfen. Dabei warst du immer unterstützend, voller Liebe und Hingabe für das Kind, das du in die Welt gesetzt hast.<br />
Heutzutage ist Ama nicht nur deine Tochter, sondern deine moralische Instanz. Sie ist die Person, die dir am zuverlässigsten sagt, wenn du mal wieder <i>bullshit</i> redest, und das tut sie häufig, präzise und gnadenlos. Meistens ohne große Diskussion, oft nur mit einem Blick, der alles sagt. Du hast schnell gelernt, diese Blicke ernst zu nehmen. Dass sie heute klüger, politischer und reflektierter ist als du selbst, macht dich eher stolz als unsicher. Du hörst zu, lässt dir Dinge erklären, stellst Fragen und resignierst, wenn du keine Ahnung hast. Du bist dir sicher, <i>wenn</i> jemand irgendwann die Welt retten wird, dann ist es deine Tochter.<br />
      Ihr wart lange ein Zweiergespann: Du und sie, ein bisschen chaotisch, ein bisschen individualistisch, ein bisschen gegen den Rest der Welt. Entscheidungen wurden immer gemeinsam getroffen, Möbel gemeinsam zusammengezimmert, Regeln eher verhandelt als durchgesetzt. Du hast ihr viele Freiheit gelassen, vielleicht mehr als andere Väter, aber immer mit dem festen Versprechen, dass sie bei dir sicher ist. Dass du damit den Grundstein gelegt hast für ihren selbstsicheren, starken Charakter, das ist dein größter Erfolg.<br />
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      <span class="stitel">Ehefrau</span><br />
      <b>» Charlotte Bernstein | * 27.07.1986 | Polizistin</b><br />
      Als du Lotta kennen gelernt hast, hast du mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass ihr gut zwei Jahre später zusammen lebt, verheiratet seid und einen Sohn erwartet. Die äußeren Bedingungen standen gegen euch: Mehr als fünfzehn Jahre Altersunterschied, du Hausmeister in der Polizei-Akademie, sie auf dem Weg dahin die Karriereleiter immer höher zu klettern. Während du dich innerlich schon darauf eingestellt hast nur noch ein paar Jahre in Großbritannien zu bleiben und dann zu reisen, war sie eng in diesem Land verwurzelt. Ganz <i>casual</i> sollte es deshalb sein und bleiben, als Fernandito geflossen und Funken gesprüht sind. Alles andere als <i>casual</i> hat es sich entwickelt.<br />
Zwei Jahre später ist Lotta zugleich deine engste Vertraute und dein stärkster Gegenpol. <i>Unterschiede ziehen sich an</i> ist in eurem Leben nicht nur eine Floskel, sondern alltäglicher Wahnsinn, der euch aufreibt und doch immer enger miteinander verbindet. Wenn sie mit Ama durch die Stadt schlendert, die auf ihrer Kutte einen präsenten ACAB-Aufnäher reppt, dann ist das in eurer Welt ein ebenso harmonisches Gesamtbild wie der Inhalt eures Kleiderschrankes – 90% davon belegt sie mit Kleidung, die teilweise dein Monatsgehalt überschreitet, die anderen 10% gehören deiner Second Hand Ausbeute. Was euch zusammenhält ist deine Ruhe, wenn sie rast, und ihre Energie, wenn du rastest. Fürsorglich seid ihr beide, humorvoll auch. Euer intensives Bedürfnis nach Nähe ist ausgeglichen, und dass über allem anderen die gegenseitige Zuneigung steht, liegt ebenfalls auf der Hand.<br />
Du musst nie daran zweifeln, dass sie dich liebt, mit all deinen kleinen Macken und Eigenheiten, mit allem, was sie nicht versteht oder anders sieht. Die Liebe ist da, und vielleicht schätzt du das an eurer Beziehung am allermeisten: Dass ihr euch nehmt wie ihr seid und nicht versucht den jeweils anderen zu einem idealen Partner zu formen. Euer Individualismus ist eure größte Stärke, in einer Welt, die eine ungesunde Homogenität fordert.<br />
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      <span class="stitel">Eltern</span><br />
      <b>» Bernard Samuel Bernstein | * 17.10.1930 | Krankenpfleger</b><br />
      <b>» Gloria Maria Ramírez Gallardo | * 23.08.1933 † 03.04.1989 | Krankenpflegerin</b><br />
      Die Beziehung zu deinem Vater ist distanziert. Du erinnerst dich noch daran, dass er während deiner Kindheit ständig bei der Arbeit war, selbst in den Abendstunden und an den Wochenenden, und wenn er nach Hause kam, dann wirkte er meistens müde und gestresst. Dein Vater war immer ein sehr ernster Mensch, der viel Zeit mit einem Buch in der Hand verbrachte und sich nur selten zu Späßen und Spielereien mit seinen Kindern hinreißen lassen konnte. Zuneigung zu zeigen fiel ihm schwer, Worte des Stolzes und der Anerkennung waren rar gesät.<br />
      Zu deiner Mutter hingegen, hattest du immer eine enge Bindung. Du warst ihr einziger Sohn, das letztgeborene Kind der traditionellen lateinamerikanischen Familie und damit auch derjenige, der am meisten Aufmerksamkeit bekam und dem viel mehr zugetraut wurde, als den älteren Schwestern. Dir gegenüber wurde die strenge Gloria plötzlich weicher und zugänglicher, war nachsichtiger und zurückhaltender. Aus dir ist deshalb ein <i>cheeky chap</i> geworden, ein süßer aber frecher Junge, der nur Flausen im Kopf hatte. Denn du wurdest von deiner Mutter zwar für Streiche gerügt, aber die Wut oder Enttäuschung hielt nie lange an. Kurz danach hatte Gloria ihren süßen Jungen schon wieder im Arm und hat dir heimlich einen Keks zugesteckt.<br />
Ihr Tod, nur einen Tag nach deinem neunzehnten Geburtstag, hat dich daher auch besonders schwer getroffen. Du konntest dir eine Welt ohne die Unterstützung und Führung von Gloria nicht vorstellen und erwischst dich auch heute noch manchmal dabei wie du in den Himmel blickst und sie stumm um Rat fragst.<br />
Deine Eltern agierten stets als eine Symbiose, die funktionierte, doch als Gloria verstarb fehlte deinem Vater plötzlich sein Gegenpol. Bernard wurde mürrisch und verbittert, zog sich noch mehr von anderen Menschen zurück und begann ein sehr einsames Leben zu führen. Heutzutage hast du nicht mehr viel Kontakt zu deinem Vater. Ihr telefoniert alle paar Wochen, aber die Gespräche sind einseitig und monoton.<br />
      <br />
            <span class="stitel">Geschwister</span><br />
      <b>» Karmina Maria Bernstein Ramírez | * 03.12.1954 | Gynäkologin | verheiratet mit fünf Kindern und drei Enkelkindern</b><br />
      <b>» Anabella Maria Bernstein Ramírez | * 17.02.1957 | Hausfrau | verheiratet mit zwei Kindern</b><br />
      <b>» Yalma Maria Bernstein Ramírez | * 11.11.1960 | Erzieherin | verheiratet mit drei Kindern</b><br />
      <b>» Carla Maria Bernstein Ramírez | * 24.03.1968 | Immobilienmaklerin | in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft mit einem Kind</b><br />
      Als jüngstes Kind und einziger Sohn der Familie, neben vier Schwestern, musstest du in deiner Kindheit einiges über dich ergehen lassen. Insbesondere deine drei älteren Schwestern Karmina, Anabella und Yalma haben es geliebt dich wie eine Puppe zu behandeln, die man süß anziehen und immer mit sich herumtragen konnte. Glücklicherweise hattest du stets Spaß daran, denn dann standest du wenigstens im Mittelpunkt und konntest die Aufmerksamkeit aller auf dich ziehen.<br />
Zu deiner jüngsten Schwester Carla hattest du schon immer eine besonders enge Verbindung und hältst heutzutage auch am meisten Kontakt zu ihr. Sie lebt mit ihrer Partnerin und ihrem Kind mittlerweile in Portugal, nah genug, dass ihr euch regelmäßig gegenseitig besuchen könnt. Deine drei älteren Schwestern sind in den USA gelieben.<br />
      <br />
      <span class="stitel">Haustiere</span><br />
      <b>» Schildkröte Michelangelo | 23 Jahre alt | Amas Haustier</b><br />
      <b>» Katze Professor Wackylickle | 8 Jahre alt | rot-getigerte Freigängerin</b><br />
      Als Ama ein Kind war, hast du ihr als Haustier eine <i>Schildkröte</i> geschenkt, die sie – inspiriert von den Ninja Turtles – <b>Michelangelo</b> getauft hat. Bis zu dem Beginn ihres Studiums hat sie ihr Tier liebevoll gepflegt, aber da sie in Edinburgh keine Haustiere halten durfte, musstest du die Schildkröte mitnehmen. Oder vielleicht hat sie auch nur so getan als dürfte sie keine Tiere halten, damit du plötzlich nicht <i>ganz</i> alleine bist. Eigentlich sollte es nur übergangsweise sein, aber Michelangelo (kurz <i>Mikey</i>) lebt noch immer bei dir. Die Schildkröte ist ein ruhiger Zeitgenosse, der es liebt abends bei seinem "Großvater" auf der Brust zu liegen und zuzuhören wie du von deinem Tag erzählst.<br />
Vor einigen Jahren – während deiner Zeit als Hausmeister in der Polizei-Akademie – hast du außerdem eine vermeintlich heimatlose <i>Katze</i> auf dem Gelände gefunden. Du hast Zettel ausgehängt und lokale Tierheime informiert, aber da sich nach mehreren Aufrufen niemand gemeldet hat, hast du irgendwann die Pflege für <b>Professor Wackylickle</b>, wie du sie getauft hast, übernommen. Die Katze ist sehr selbstständig und oft alleine unterwegs, aber wenigstens kommt sie jeden Morgen und jeden Abend zuverlässig nach Hause, wenn es Fressen gibt, und lässt sich auch manchmal zu ein paar Streicheleinheiten hinreißen.<br />
    </div>
    <div id="sansteckizw">
      <div class="ztitel">Aussehen</div>
      <div class="zklein">Can the child within my heart rise above?</div>
    </div>
    <div id="sansteckitext">Mit deinem <i>patchy Bart</i>, den meist etwas zu lang gewachsenen Haaren und einem eher praktischen statt modischen Kleidungsstil, wirkst du auf den ersten Blick als durchlebst du gerade eine schwere Phase in deinem Leben. In Wirklichkeit legst du einfach wenig Wert auf dein äußerliches Erscheinungsbild. Nachlässig ziehst du morgens die Kleidung aus deinem Schrank, viel eher darauf achtend, dass du dich gut fühlst, als dass du gut gekleidet bist. Mittlerweile ist dein <i>rough look</i> schon wie ein Markenzeichen für dich geworden. Und auch wenn sich deine Freund*innen gerne darüber belustigen, dass du zu jeder Tages- und Nachtzeit aussiehst als wärst du gerade erst aus dem Bett gefallen, scheinst du mit deinem Charme und deinem unverkennbaren Lachen jeden zu überzeugen, der auf den ersten Blick an deiner Zurechnungsfähigkeit zweifelt.<br />
      Du trägst bereits seit acht Jahren ein von deiner Tochter geknüpftes <b>Freundschaftsarmband</b> am Handgelenk, das du nie ablegst. Die Farben sind mittlerweile verblasst und die Baumwoll-Zwischenräume sind wahrscheinlich zu warmen Bakterien-Habitaten geworden, doch obwohl Ama dir seitdem noch weitere geflochtene Bänder geschenkt hat, bedeutet dir genau dieses so viel, dass du nicht bereit bist es auszutauschen.<br />
      Seitdem du 18 Jahre alt bist, ziert dein linkes Ohrläppchen ein <b>silberner Ohrring</b>, und auch einige kleine <b>Tätowierungen</b> hast du mit der Zeit angesammelt. Dazu gehören unter anderem ein kleines <i>Bullseye</i> auf der linken Hand; eine <i>siebenblättrige Blume</i> am Arm, die eines ihrer Blätter bereits verloren hat; das Wort <i>sunshine</i> auf dem anderen Arm und ein paar weitere Doodles, die hauptsächlich an Freundschaften und lustige Erlebnisse erinnern. Keine deiner Tätowierungen ist mehr als ein paar Zentimeter groß.<br><br />
      <center><img src="https://i.ibb.co/H4sw6m5/Aussehen01.gif" style="padding-left: 5px; padding-bottom: 5px; width: 120px; height: 120px; object-fit: cover;"> <img src="https://i.ibb.co/ 7V5MK46/Aussehen02.gif" style="padding-left: 5px; padding-bottom: 5px; width: 120px; height: 120px; object-fit: cover;"> <img src="https://i.ibb.co/WKsBjdg/Aussehen03.gif" style="padding-left: 5px; padding-bottom: 5px; width: 120px; height: 120px; object-fit: cover;"></center><br />
    </div>
    <div id="sansteckizw">
      <div class="ztitel">Charakter</div>
      <div class="zklein">Can I sail through the changing ocean tides?</div>
    </div>
    <div id="sansteckitext">
      <center><i>abenteuerlustig » albern » altruistisch » anhänglich » anspruchslos » arbeitsam » aufdringlich » aufgeschlossen » aufmerksamkeitsbedürftig » begeisterungsfähig » belastbar » bemutternd » beratungsresistent » beschützend » bodenständig » charismatisch » chaotisch » dickköpfig » distanzlos » ehrlich » empathisch » extrovertiert » fair » feiert gerne kleine Alltagserfolge » flirty dude » freundet sich mit anderen Menschen sofort an » freundlich » gerecht » gefallsüchtig » geschickt » gesprächig » gewissenhaft » hilfsbereit » kommunikativ » kurzsichtig » langweilig » leicht ablenkbar » liebevoll » loyal » lustig » motiviert » nachtragend » naiv » offen » optimistisch » ruhelos » sozial » stur » tapfer » touchy-feely » unpünktlich » ungeduldig » verantwortungsbewusst » widersprüchlich » zuverlässig » zwiespältig</i></center><br />
      Wer dich zum ersten Mal trifft, wird dich schnell als ein erwachsenes Äquivalent zu einem <i>bundle of joy</i> charaktisieren. Du hast dauernd ein Lächeln auf den Lippen, immer einen halb-lustigen <i>dad joke</i> im Gepäck und besitzt die Offenheit und Aufgeschlossenheit, um mit jedem Menschen sofort in Kontakt zu treten. Deine großen dunklen Augen halten interessiert Blickkontakt, während du auf das Gesagte deines Gegenübers eingehst und aus einem schnellen <i>small talk</i> ein intensives Gespräch werden lässt.<br><br />
      Zu oft schlägst du mit deiner Zugewandtheit jedoch auch über die Stränge, denn du bist als notorischer <i>flirty dude</i> bekannt, der immer und überall mit denen schäkert, die ihm in die Quere kommen. Dabei kriegen dann auch Kellnerinnen, Kassiererinnen oder anderweitig im Service beschäftigte Arbeitskräfte hier oder da einen <del>sexistischen</del> dummen Witz ab. Dein <i>puppy eyes</i> Blick rettet dich oft vor Rückschlägen, aber das ein oder andere Mal wurde vor dir auch schon eine feministische Kampfesrede gehalten. Dabei meinst du deine Avancen überhaupt nicht übergriffig oder sexuell forcierend, das Flirten (naja) ist bloß eine Sprache, die du (deiner Meinung nach) perfekt beherrschst. Was du dabei gerne übersiehst, ist, dass diese Sprache nicht immer gut übersetzt wird. Dass dein Bedürfnis nach Nähe, Bestätigung und Austausch manchmal präsenter ist als dein Gespür dafür, wo die Grenzen anderer verlaufen. Du bist schnell, impulsiv, körperlich, mit Worten ebenso wie mit Gesten, und nicht jeder Mensch hat Lust oder Energie, dieses Tempo mitzugehen.<br><br />
      Eigentlich bist du eh kein Mensch für kurzlebige Beziehungen oder einmaligen Sex. Was in deiner Jugend noch aufregend war, ist dir heutzutage viel zu anstrengend. Seit der Trennung und dem Verschwinden von Amas Mutter – deiner <i>baby mama</i> – hat dir lange das Interesse und die Kraft für eine neue Partnerschaft gefehlt. Gleichzeitig hast du die Sehnsucht nie ganz aufgegeben, sondern sie nur unterdrückt. Hast deine Verpflichtungen priorisiert – Kind, Arbeit, Alltag – und das Bedürfnis nach intimer Nähe und romantischer Verbindung zum Schweigen gebracht. Ein paar Jahre später, als Ama älter wurde, gab es ein paar Frauen, die du besser kennen gelernt hast (sogar zwei, drei Partnerschaften, die du eingegangen bist) doch Lotta ist nach Zuhrah die erste Frau, bei der du dich wirklich fallen lassen kannst.<br><br />
      Wenn man dich in einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre es <i>hilfsbereit</i>. Du bist jemand, der so viel für andere gibt, dass du schon beinahe drängend wirkst. Aber auch hier vertraust darauf, dass andere ihre Limitierungen kommunizieren, denn zwischen den Zeilen zu lesen fällt dir schwer, genauso wie subtile Spannungen auszuhalten. Du willst Harmonie, Leichtigkeit, Verbindung. Und wenn sich Konflikte anbahnen, dann versuchst du sie lieber wegzulächeln oder mit einem dummen, lustigen Kommentar zu entschärfen, statt dich ihnen zu stellen. Im alltäglichen Umgang macht dich das zu einem angenehmen, sympathischen Dude, aber in ernsteren Auseinandersetzungen zu jemandem, der entweder zu devot oder zu flatterhaft wirkt.<br><br />
  Trotz deiner Extrovertiertheit gibt es Seiten an dir, die du nur ungern zeigst: Unsicherheit zum Beispiel. Die Angst, nicht zu genügen, insbesondere in privaten Beziehungen. Das Gefühl, immer ein bisschen hinterherzuhinken, egal wie sehr du dich anstrengst. Du kaschierst das mit Humor, mit Optimismus oder der festen Überzeugung, dass schon alles irgendwie gut werden wird. Und meistens hast du damit sogar recht. Du bist zuverlässig, aber nicht immer pünktlich. Verantwortungsbewusst, aber chaotisch in der Umsetzung. Du willst alles richtig machen und vergisst dabei regelmäßig Termine, Fristen oder Kleinigkeiten, die für andere große Bedeutung haben. Dafür erinnerst du dich an Lieblings-Snacks, an kleine Anekdoten, an beiläufig erwähnte Zweifel.<br><br />
Deine Loyalität ist unerschütterlich, fast schon stur. Wenn du jemanden einmal in dein Herz geschlossen hast, dann verteidigst du diese Person gegen alles und jeden, selbst dann noch, wenn sie dich längst enttäuscht oder verletzt hat. Nachtragend bist du weniger aus Boshaftigkeit oder Rachsucht, sondern vor allem, weil es dir schwer fällt Schmerz zu vergessen. Nichts frustriert dich selber mehr, als das.<br><br />
  Du merkt es selber kaum (und würdest es auch vehement abstreiten), aber mit der Zeit wirst du immer mehr zu einem stoischen, dickköpfigen älteren Mann. Die Lockerheit von früher lässt nach und manchmal beobachtest du dich dabei wie du angestrengt Zeitung liest und bei jedem zweiten Artikel den Kopf über <i>den Zustand der Welt</i> schüttelst. Außerdem bist du mit der Zeit ungeduldiger und forcierender geworden, worüber du regelmäßig selber erschrickst. Dann schlägst du die Hände über dem Kopf zusammen, verfluchst dein Alter und gelobst Besserung, denn wenn du eines nie werden wolltest, dann ein <i>grumpy grandpa</i>.<br />
    </div>
       <div id="sansteckitext">
         <table style="width:100%;text-align:left; font-size:10px;">
            <tr>
              <td width="50%"><span class="tstitel">Vorlieben</span></td>
              <td width="50%"><span class="tstitel">Abneigungen</span></td>
            </tr>
            <tr>
              <td width="50%">» Amerikanische Süßigkeiten<br />
                » Ugly Dancing<br />
                » Handwerken & Dinge reparieren<br />
                » Kreuzworträtsel<br />
                » Schlechte Witze<br />
                » Skinny dipping<br />
                » Flanellhemden<br />
                » Pranks<br />
                » Höhlen bauen mit Ama<br />
                » Auf dem Wasser sein<br />
                </td>
              <td width="50%">» Ungefragte Erziehungstips<br />
                » Avocados<br />
                » Schlaflosigkeit<br />
                » Pfuschen beim Handwerken<br />
                » Social Media<br />
                » Feuerwerk<br />
                » Fitnesstudios<br />
                » Teenage-Jungs<br />
                » Überpünktlichkeit<br />
                » Eifersucht<br />
                </td>
            </tr>
</table>
    </div>
    <div id="sansteckitext"><center><span class="stitel"><b>Hobbies</b></span></center><br />
      <b>WOODWORKING</b><br />
      Woodworking war immer <i>dein</i> Ding. Deine Flucht aus dem Alltag, deine Möglichkeit die Hände zu beschäftigen und den Verstand abzuschalten. Mittlerweile arbeitest du auch beruflich mit Holz, aber in deinem Hobby ging es nie darum zu glänzen oder irgendwem etwas zu beweisen. Du genießt es einfach. Der Prozess, etwas mit den eigenen Händen entstehen zu lassen, ohne elektrische Maschinen, zwingt dich zur Ruhe und zur Entschleunigung. Holz zu bearbeiten erdet dich, im wahrsten Sinne des Wortes. Was früher ein Stück Holz und ein Schnitzmesser an Deck deines Narrowboats war, ist heute die Werkstatt im Theater, die du auch manchmal privat nutzen darfst. Angefangen mit Schachteln und einfachen Boxen, über Vogelhäuser, bis hin zu größeren Projekten wie dem Regal, an dem du gerade arbeitest. Außerhalb deiner Arbeitszeit kannst du Stunden dort verbringen, Späne vom Boden fegen, Kanten glätten und den Kopf ausschalten, während unter deinen Händen etwas Beständiges entsteht.<br><br />
      <b>FUßBALL</b><br />
Fast jeder argentinische Junge wächst mit einer Liebe für Fußball auf. Auch du wurdest davon – trotz deines Umzuges in die USA und deiner sehr frauenlastigen Familie – nicht verschont. Obwohl du nie ein Typ dafür warst alle Spiele zu verfolgen und dich jede Woche mit anderen zum Fußball gucken in einer Kneipe zu treffen, kickst du selber für dein Leben gern. Die Leidenschaft hast du auch an Ama weiter gegeben. Früher standet ihr regelmäßig auf einem alten Schotterplatz, um dort mit einem Ball zu spielen, und als Ama darum gebeten hat einer Kinder- und Jugendmannschaft beizutreten, hast du bis über beide Ohren gestrahlt. Du warst bei <i>jedem</i> Spiel derjenige, der am lautesten von der Seite geschrieen hat. Aktiv, leidenschaftlich und vor allem regelmäßig verfolgst du zwar nur die Weltmeisterschaften, in denen du selbstverständlich für dein Heimatland Argentinien jubelst, aber auch anderweitige Spiele siehst du dir zwischendurch gerne an.<br><br />
      <b>GITARRE</b><br />
Zur Musik hast du erst im jungen Erwachsenenalter gefunden. Während deiner Reisen hast du beobachtet, dass die coolen Gitarren-Dudes am Strand die absoluten Frauenmagneten waren und dich davon inspirieren lassen selber in eine Gitarre zu investieren. Das Spielen hast du dir daraufhin autodidaktisch selber beigebracht. Nur kurze Zeit später hast du jedoch schon eine solche Leidenschaft für die Musik entwickelt, dass die Aufmerksamkeit von Frauen nur noch ein nettes <i>gimmick</i> war. Die meiste Freude empfindest du mittlerweile, wenn du mit deiner Gitarre ganz alleine im Grünen oder am Wasser sitzt und auf den Saiten klimpern kannst.<br><br />
      <b>KREUZWORTRÄTSEL</b><br />
Du erinnerst dich noch gut daran, dass deine Eltern ständig gemeinsam über ein Kreuzworträtsel gebeugt in der Küche am Tisch saßen und verbissen versucht haben jede einzelne Frage zu lösen. Während du als Kind noch glaubtest, dass es dabei hauptsächlich um die zu gewinnenden Preise ging, hast du später selber Freude am Rätselraten entwickelt. Beinahe jeden Sonntag sitzt du deshalb mit überschlagenen Beinen und einem dampfenden Kaffee in der Hand am Tisch und versuchst angestrengt an die Lösungsworte zu gelangen.<br />
    </div>
    <div id="sansteckitext"><center><span class="stitel"><b>Wusstest du, dass Jesús...?</b></span></center><br />
        » ... schon seit dem Kindesalter an seinen Fingernägeln knabbert und dafür oft von Ama gerügt wird?<br />
» ... ständig und völlig unerwartet beginnt zu tanzen und alle Leute um sich herum dazu motiviert mitzumachen?<br />
» ... seit seinem 20. Lebensjahr raucht und zwar immer wieder versucht damit aufzuhören, aber es nie durchhält?<br />
» ... sehr gerne Jugendwörter aufschnappt und sie in seinen Sprachgebrauch integriert (seine aktuellen Favoriten sind <i>yeet, skrrt</i> und <i>sheesh</i>)?<br />
» ... schon seit Jahren an Schlafproblemen leidet und nur selten eine Nacht durchschlafen kann?<br />
» ... mehrere Jahre lang alte Blechdosen gesammelt hat, mittlerweile aber nur noch ein paar besondere Exemplare übrig geblieben sind?<br />
» ... langsam zu einem stoischen alten Mann wird und sich selber dafür hasst?<br />
» ... die Gabe besitzt sich bei einem Bier mit jeder Person sofort anzufreunden und zu verbrüdern?<br />
» ... nur schwarzen Kaffee trinkt und zugefügten Zucker oder Milch als Verrat ansieht?<br />
» ... Lieblings-Longdrink ein <i>Fernandito</i> ist, der aus Cola mit Fernet besteht?<br />
    </div>
    <div id="sansteckizw">
      <div class="ztitel">2. Februar 2017 18:47 Uhr</div>
      <div class="zklein">Can I handle the seasons of my life?</div>
    </div>
    <div id="sansteckitext">Du atmest die Anstrengungen des zurückliegenden Tages aus, als du die Wohnungstür aufschließt, in der freien Hand eine Tasche voller Lebensmittel. Nur die Hälfte davon hast du ordnungsgemäß bezahlt, all das vermeintlich "faule" Obst und Gemüse, das oben drauf liegt, hast du dir aus dem Container hinter dem Supermarkt geangelt. <i>Gegen Lebensmittelverschwendung</i> und <i>Für Sparsamkeit</i> würdest du standhaft deinen guten Willen dahinter verteidigen, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn <i>Um meine Frau zu necken</i> steht ganz oben auf der Liste. Nicht, dass du vorher nie containert hättest – das ist so eine Ding, das deine linksliberale, woke Tochter dir beigebracht hat – aber du tust es viel öfter, seitdem du mit Charlotte zusammen bist. Weil du diese kleine, zweifelnde Falte auf ihrer Stirn irgendwie magst. Und wie sie dich ansieht, mit dem Feuer eines Wutausbruchs im Blick, den sie dann aber doch unterdrückt, weil sie weiß, dass du mit der <i>Lebensmittelverschwendung</i> und <i>Sparsamkeit</i> eigentlich recht hast. Außerdem ist es verdammt unterhaltsam, wenn sie versucht all dem Obst und Gemüse, das bereits das Innere eines Mülleimers gesehen hat, rigoros auszuweichen. Und wenn sie dann nach vielen, vielen fadenscheinigen Argumenten doch ein Stück von deinem Bananenbrot aus gecontainerten Bananen isst? Dann ist das der beste Beweis dafür, dass sie dich noch immer liebt.<br />
<br />
Wenn du die Wohnung betrittst und <i>"Honey, I'm home"</i> ins Innere trällerst, meinst du es nur halbernst, aber doch ernst genug, um es immer wieder zu tun. Eine anfängliche Parodie, die dich trotzdem mit Stolz und Wärme erfüllt, denn eigentlich hast du dir genau das hier immer gewünscht: Jemand, zu dem du nach Hause kommen kannst. Eine Partnerin im Leben. Entscheidungen nicht alleine treffen zu müssen und abends im Bett in den Armen einer Frau einzuschlafen, die du liebst und die dich liebt. Ehrlicherweise hast du schon nicht mehr daran geglaubt, dass du jemals eine Beziehung führen wirst, die sich so sicher und vertraut anfühlt wie diese. Die länger als zwei bis drei Jahre halten wird und auf gegenseitigem Vertrauen, Respekt und Zuneigung basiert. Bevor du Charlotte kennen gelernt hast, war deine Vision für die Zukunft deshalb eine ganz andere: Sobald deine Tochter erstmal aus dem Haus ist und ihr Studium abgeschlossen hat, du damit von jeglicher finanzieller Verantwortung befreit bist, brichst du aus wie ein pubertärer Teenager; stürzt dich ins Leben wie ein Vogel-Junges, das sich endlich aus dem sicheren Nest wagt; preschst in die Welt mit der mentalen Grenzenlosigkeit eines Nepo-Babys. Vielleicht kannst du ein paar Monate bei deinem Vater und deinen Schwestern in den USA verbringen, oder durch Argentinien reisen und die Bindung zu dem Land stärken, in dem du geboren wurdest. Es gibt noch so viel zu sehen und zu entdecken in der Welt, so vieles, das logistisch und finanziell bisher weit entfernt von dir lag. Aber wenn Ama nicht mehr auf deine Unterstützung angewiesen ist, und wenn du all deine Habseligkeiten verkaufst, dann steht dir die Welt endlich offen, oder? <br />
<br />
Du brauchst nicht viel im Leben. Fünf Unterhosen, zwei Jeans, drei T-Shirts und zwei Pullover, dazu eine gute Jacke – das reicht für ein halbes Jahr <i>on the road</i>, vielleicht sogar länger. Dazu eine Zahnbürste und eine 18-in-1-Naturseife, deren Verpackung verspricht, dass du damit Duschgel, Shampoo, Spülmittel, Handseife, Rasierschaum, Deodorant, Fleckenentferner, Gesichtsreinigung, Zahnpasta, Erkältungsbad, Babypflege, Fußpflege, Tiershampoo, Inhalation, Mundwasser, Pflanzenschutz, Obstreinigung und Kosmetikpinselreiniger abdecken kannst. Ein perfektes Produkt, denn als alleinerziehender Vater ohne echte Berufsausbildung hat sich dein Leben schon immer um Effizienz und Sparmaßnahmen gedreht. Heutzutage ist das einer der größten Konfliktherde zwischen deiner Frau und dir, denn Lotta glaubt, dass ein 28£ Duschgel den Alltagsschmutz besser abwäscht als das günstige Supermarkt-Äquivalent für 0.65£. Und dass sie nicht hundert prozentig zufrieden ist, als du in diesem Moment das Wohnzimmer betrittst und ihre <i>"Können wir Pizza bestellen?"</i> Frage mit dem Wedeln des 50% Rabatt Pizzateigs beantwortest, ist dir auch bewusst. Als Entschädigung hast du Oliven mitgebracht, und vielleicht bist du sogar süß genug, um damit ein Herzchen auf ihrer Hälfte der Pizza zu formen.<br />
<br />
Für einen Moment fällst du zu ihr aufs Sofa, empfängst ihre Füße in deinem Schoß und versuchst zu ignorieren, dass sie zwischen Arbeitsschweiß und deinem Eigengeruch einen Hauch von Sookies Parfum erschnüffeln kann. Sookie, deine Arbeitskollegin, der du aus offensichtlichen Gründen nicht ausweichen kannst, selbst wenn du wolltest. Charlotte hat ein kleines Problem mit Eifersucht, und du hast ein kleines Problem mit Distanz. <i>Flirten</i> ist wie eine zweite Muttersprache für dich – du bist diese Art von <i>elderly man</i>, der mit jeder Servicekraft kurz schäkern muss, der ständig Komplimente verteilt und nach zwei Bier im Pub direkt touchy wird. Nicht auf eine creepy Art, würdest du selber behaupten, und meistens hast du damit auch recht, denn du bist einfach nett, nicht übergriffig; erwartest nichts, außer einen locker-lustigen Austausch; und wenn sich jemand unwohl fühlt, ziehst du dich sofort zurück. Deine Frau findet das trotzdem alles andere als charmant, und weil du einer weiteren Diskussion über Sookie entgehen willst, verschwindest du ins Badezimmer, um jegliche Rückstände weiblichen Parfums von dir zu duschen.<br />
<br />
Während du unter dem Wasserstrahl stehst, musst du unweigerlich an zwei andere Menschen denken, die – wie Sookie – das Blut deiner Frau unangenehm erhitzen können. Erstens, Saúl, dein <i>bi-curious hook-up</i> von vor zwei Jahren. Du warst damals noch nicht mit Lotta zusammen, aber nah genug an einer Beziehung, um allein durch die Erwähnung seines Namens auch jetzt noch einen Sturm zu entfachen. Zweitens, Zuhrah, deine Ex-Freundin und Mutter deiner Tochter Ama. Lange Zeit galt sie als <i>die</i> Liebe deines Lebens, auch wenn sie dich und eure damals zweijährige Tochter wegen ihrer Karriere-Ambitionen verlassen und seitdem nur noch sehr unregelmäßig und sporadisch an eurem Leben teilgenommen hat. Aber du warst bis über beide Ohren in sie verliebt, hast deine Heimat für sie verlassen, bist nach Großbritannien gereist, hättest alles für sie aufgegeben. Letztendlich hat sie <i>dich</i> aufgegeben. Dass Lottas Blut kocht, wenn ihr Name erwähnt wird, liegt deshalb nicht nur an vermeintlicher Eifersucht, sondern auch an Wut, stellvertretend für Ama und dich. Ein weiterer Grund, weshalb du sie liebst, stellst du stumm fest, während du das Frottee-Handtuch durch deine Haare rubbelst. Sie wird dich nachher dafür tadeln.<br />
<br />
Rückblickend fühlt sich dein Leben an wie eine <i>mix & match</i> Fruchtgummitüte, irgendwie durcheinander gewürfelt: Geboren in Argentinien, aufgewachsen in Oklahoma in den USA. Dort hast du die Schule besucht und mit deinen vier älteren Schwestern innerhalb deiner lateinamerikanischen Community ein solides Leben geführt. Nach deinem High School Abschluss bist du zurück nach Argentinien gereist, wolltest ein paar Monate auf der Farm deiner Großeltern arbeiten, deine Kultur und deine Wurzeln kennenlernen. Mittendrin dann ein Anruf deiner Schwester, der dein Leben verändert hat: Deine Mutter lag im Sterben, unheilbarer metastasierter Krebs. Du bist zurück, saßt wochenlang an ihrem Bett und hast ihre Hand gehalten. Du warst noch viel zu jung für all den Schmerz, hast versucht davor wegzulaufen, als du nach ihrem Tod wieder aufgebrochen bist. Erst zurück nach Argentinien, dann Australien, Neuseeland. <i>Work and travel</i>, der Traum vieler verlorener Heranwachsender. Danach weiter nach Thailand, Vietnam, Indien, dort hast du Zuhrah kennen gelernt und warst von der zehn Jahre älteren Frau so fasziniert, dass du dich an sie geklebt hast wie ein Magnet. Du bist ihr in ihre Heimat gefolgt, nach Großbritannien, hast zwei Jahre in einer leidenschaftlichen, aufbrausenden Beziehung mit ihr gelebt, bevor sie unerwartet schwanger geworden ist. Zwei weitere Jahre vergingen, in denen sie versucht hat ihrer Tochter eine gute Mutter zu sein, aber die Liebe, die ihr vor der Geburt von jedem Elternratgeber versprochen wurde, kam nicht wie sie kommen sollte. Irgendwann ging sie, um sich ihre eigenen Träume zu erfüllen, und du bliebst mit Ama zurück.<br />
<br />
Wenn du jetzt mit trocken gerubbelten Haaren in den beschlagenen Spiegel vor dir blickst, siehst du nicht nur dich selber, sondern auch deine Tochter. Sie hat deine Augen, und deine Kopfform. Die Grübchen, wenn sie lacht. Ihr habt denselben Humor und einen ähnlichen Blick aufs Leben. Du hast von ihr ebenso viel gelernt wie sie von dir – in diesem Leben, in dem ihr lange Zeit ein Zweiergespann wart. Du warst immer ein laissez-fairer Vater, hast ihr viele Freiheiten gelassen und die Chance sich selber zu entfalten. Aus finanziellen Gründen seit ihr auf ein Narrowboat in London gezogen, als Ama noch ein Kind war: Dieses lange Boot hat sich mit der Zeit zu eurer ganz eigenen, verrückten Oase entwickelt. Möbel aus dem Sozialkaufhaus oder aus Wohnungsauflösungen, bunte Farbe an den Wänden, gesprenkelt mit Stickern und kleinen Gemälden, die ihr beide im Laufe der Jahre gemalt habt. Eure Ferien fanden meistens auf den Kanälen um London herum statt, in Schrittgeschwindigkeit seid ihr durch die Landschaften getuckert und habt Abenteuer erlebt, wo andere Langeweile sehen würden. Ihr wart ein eingespieltes Team, und dass deine Tochter mit der Zeit zu einer linkspolitischen jungen Frau herangewachsen ist, die für das Klima und gegen Diskriminierung auf die Straßen geht, hat dich mit grenzenlosem Stolz erfüllt.<br />
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Um ihr Studium in Edinburgh zu finanzieren, hast du das Boot verkauft und alles zurückgelassen, denn die kostengünstigste Option hat dich als Hausmeister in die Nähe von Manchester geführt. In einem Ausbildungszentrum für junge Polizist*innen war eine vergleichsweise gut bezahlte Stelle ausgeschrieben, die mit Kost und Logis einherging. Drei Jahre dort, hast du dir gesagt, dann hat Ama ihren Bachelor-Abschluss und dir steht die Welt offen. Doch mitten in der Halbzeit hast du Lotta kennen gelernt, und obwohl du es nicht beabsichtigt hast – ihr beide nicht – stand dein Leben plötzlich Kopf. Aus <i>casual</i> wurde <i>ziemlich ernst</i> und aus <i>"Bald reise ich durch die Welt"</i> wurde <i>"Wir heiraten und erwarten ein Kind"</i>. Du musst unwillkürlich lächeln, als du aus dem Bad trittst und zurück ins Wohnzimmer läufst, um dich dort erneut zu ihr auf die Couch zu setzen. Du schließt eine Hand um ihren Fuß, bewegst den Daumen entlang ihrer Knochen und Sehnen. Während du aus dem Augenwinkel auf ihren Bauch schielst, über den sie abwesend in sanften Bewegungen ihre Finger zieht, realisierst du ein weiteres Mal, dass deine Backpacker-Pläne vielleicht vorerst geplatzt sind, aber stattdessen befindet sich dein nächstes großes Abenteuer unter Charlottes Bauchdecke, hat zehn Finger und zehn Zehen, und wird dich ungefähr die nächsten zwanzig Jahre auf Trab halten. Wenn es nach dir ginge, hieße der Junge Gustave (eine Hommage an das Horror-Nilkrokodil aus Burundi, das warum-auch-immer eng mit deinen Gefühlen für deine Frau verknüpft ist), aber der Namensvorschlag hat leider ein Veto bekommen.<br />
      <br />
      Du kannst nicht abstreiten, dass auch Angst da ist – regelrechte Panik, dass sich die Vergangenheit wiederholt – aber vor allem bist du glücklich. Wirklich, wirklich glücklich. Du trauerst nicht um den Verlust deiner Reisepläne, im Gegenteil, denn was-auch-immer du an weit entfernten Orten in der Welt gesucht hättest, hast du hier bereits gefunden. Lotta ist dein sicherer Hafen, deine Partnerin <del>in crime</del> und deine Zukunft. Länder, die du schon immer sehen wolltest, werdet ihr mit der Zeit gemeinsam erkunden, und irgendwie spürst du tief in dir, dass das viel besser werden wird als der ursprüngliche Plan. Denn wenn du eines nicht bist, dann jemand, der gut alleine sein kann. Am liebsten hast du ständig jemanden um dich, hältst deine Frau die ganze Nacht eng im Arm und fühlst dich stets wohler, je mehr Menschen in deiner Nähe sind, die du liebst. Als könne Lotta deine Gedanken lesen, kündigt sie an ihren Bruder Hamza und seine Frau zum Essen einzuladen, und natürlich ist deine Antwort ein seliges Lächeln. Denn du hast das verdammte Glück nicht nur Lotta lieben zu dürfen, sondern ihre gesamte Familie.<br />
<br />
Nachdem du kurz Luft geholt hast, stehst du auf und gehst in die Küche, um aus heruntergesetztem Pizzateig, nicht heruntergesetzten Oliven und containertem Gemüse das Abendessen für deine Frau und dich vorzubereiten. Du liebst es für sie da zu sein und sie zu umsorgen, vor allem während ihrer Schwangerschaft. Vieles machst du einfach – hilfsbereit wie du bist – und das ist gut so, denn was Lotta überhaupt nicht gut kann, ist um Hilfe zu bitten. Weder wenn ihr Bauch auf dem Weg zum Wasserglas im Weg ist, noch wenn der Wasserhahn mal wieder leckt oder Bilder an die Wände gehängt werden müssen. Lieber schlägt sie den Nagel ganz knapp an einer Stromleitung vorbei, als dich um Rat zu bitten. Was du schon alles in dieser Wohnung reparieren musstest, das vorher von Lotta oder ihrer Schwester Jaz verschlimmbessert wurde, glaubt dir kein Mensch. Wenigstens nimmst du lustige Geschichten daraus mit, kleine Anekdoten, die du Fremden (oder Freund*innen) im Pub erzählen kannst.<br />
<br />
Während die Tomatensauce im Kochtopf blubbert, spürst du den Bauch deiner Frau an deiner Hüfte, und ihre Lippen auf deiner Schulter. Du lächelst, drehst dich zu ihr und schlingst deinen Arm um sie. Ein Liebesgeständnis kommt dir mittlerweile ganz natürlich über die Lippen, nicht wie damals, am Anfang eurer Beziehung, als du sie auf heißen Kohlen hast warten lassen. <i>"Te amo"</i>, murmelst du, und lachst rau, kratzig, als sie sich dafür bedankt.<br />
    </div>
</div>
<br />
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="sanstecki">
  <div id="sansteckiheadh">
    <div id="bild"></div>
    <div class="sansteckiheadb"><img src="https://i.ibb.co/LhYDv59m/pedro-pascal.gif"></div>
    <div class="sansteckiheadt">Alleinerziehender Vater einer liebenden Tochter, Lumberjack-Flanellhemden-Style, grau-meliertes Haar und eine angemessene Anzahl Falten im Gesicht – wer hätte gedacht, dass du irgendwann als Klischee-<i>Daddy</i> im Zentrum feuchter Mädchenträume stehst? Da siehst du dich eigentlich gar nicht, mit deinem patchy Bart, dem weichen Bauch und der angeborenen kindlichen Unordnung. Und trotzdem hast du dir irgendwie eine 16 Jahre jüngere Traumfrau geangelt (5/7 perfect score), mit der du das Klischee noch etwas mehr bedienst. Dabei ist das gar nicht dein Ding, diese <i>Sugar Daddy</i> Nummer, denn erstens gibt es bei dir wirklich keinen <i>Sugar</i> zu holen, und zweitens waren deine Ex-Freundinnen alle älter als du. Deutlich älter. Da stehst du nämlich eigentlich drauf: Ältere, erfolgreiche, selbstbewusste Frauen, denen du figurativ (literarisch) die Füße küssen darfst. Aber Charlotte ist trotz ihres Alters schon längst erfolgreicher als du je warst, und ihre Zehen schiebt sie dir auch manchmal in den Mund. Also wurde die Differenz in euren Geburtsjahren schnell zweitrangig und nun seid ihr nicht nur verheiratet, sondern erwartet auch ein Kind miteinander. Das Leben ab Mitte 40 hast du dir eigentlich anders vorgestellt, und trotzdem bist du gerade genau dort, wo du immer sein wolltest.</div>
  </div>
  <center><br />
    <div id="sansteckiueber">Jesús Bernstein Ramírez<div class="klein">FC: Pedro Pascal</div>
    </div>
    <table width="100%" style="background-color:#f1f1f1;border-spacing:10px;">
      <tr>
        <td id="tabellegr">46 Jahre alt<br>2. April 1970</td>
        <td id="tabellebl">Verheiratet<br>mit Charlotte</td>
        <td id="tabellegr">Handwerker<br>im Theater</td>
        <td id="tabellebl">Student<br>Soziale Arbeit</td>
      </tr>
    </table>
    <div id="sansteckitext"><span class="stitel">Name</span> <b>Jesús Pablo Bernstein Ramírez</b>, was für ein Name. Vollkommen angemessen in Lateinamerika, absolut überfordernd in einem Land wie Großbritannien. Deswegen nennst du dich hier der Einfachheit halber nur <b>Jesús Bernstein</b> und vereinst damit die jüdische Kultur deines Vaters und die argentinische Kultur deiner Mutter. Von deiner Familie wirst du seit jeher mit deinem Spitznamen <b>Chucho</b> oder, kürzer, <b>Chuy</b> angesprochen, doch im englischsprachigen Raum haben sich beide Namen nicht durchgesetzt. Dort kämpfst du bis zum heutigen Tag für die korrekte Aussprache deines Vornamens: <i>CHE-SOOS, nicht JEE-ZUS!</i><br />
<br />
      <span class="stitel">Geburtsdatum & -ort</span> Du wurdest am <b>2. April 1970</b> geboren und bist zum aktuellen Zeitpunkt <b>46 Jahre alt</b>. Du hast in <b>Argentinien</b> das Licht der Welt erblickt, auf einer Farm in der Provinz <i>La Pampa</i>, wo es genau so aussieht wie der Name vermuten lässt: Viele Felder auf flachem Land, unterbrochen von wenigen Bäumen und noch weniger Menschen.<br />
<br />
      <span class="stitel">Wohnort</span> Vor ungefähr einem halben Jahr bist du in die <b>WG</b> deiner (jetzigen) Frau und ihrer Schwester Jaz im <b>Northern Quarter</b> gezogen. Vordergründig um Geld zu sparen, denn als Lotta unerwartet schwanger geworden ist, war ziemlich schnell klar, dass ihr jetzt verantwortungsbewusst(er) und sparsam(er) leben müsst. Diese WG wird keine Dauerlösung sein, aber eine Zwischen-Station, um die Gehaltseinbußungen auszugleichen, die mit dem Mutterschaftsurlaub deiner Frau einhergehen.<br />
<br />
      <span class="stitel">Beziehungsstatus</span> Absurd wie schnell sich alles verändern kann, aber du bist jetzt tatsächlich <b>verheiratet</b> und wirst bald zum zweiten Mal Vater. Nicht, dass du das nicht gewollt hättest, aber eigentlich sahst du mit Anfang 40 dein Schicksal längst besiegelt: Du würdest irgendwann alleinstehend sterben. Doch dann kam Lotta, und zwei Jahre nach eurem ersten Treffen trägt sie deinen Namen und euren gemeinsamen Sohn unter ihrer Bauchdecke.<br />
      <br />
      <span class="stitel">Beruf</span> Eine richtige Berufsausbildung hast du nie absolviert, aber die Liste deiner bisherigen Jobs ist lang: Du warst mal Taxifahrer, mal Kindergärtner, Umzugshelfer und auf dem Bau, hast Essen ausgefahren oder Menschen mit Behinderungen assistiert. Auf der Farm deiner Großeltern in Argentinien hast du so viel über Fahrzeuge gelernt, dass du zwischenzeitlich in London als Kfz-Mechatroniker arbeiten konntest, aber dein längster Job war als Hausmeister und Handwerker in einer Marina für Narrowboats. Im Moment bist du als <b>Handwerker am Theater</b> beschäftigt, aber auch das ist nur eine Überbrückung, denn vor etwa einem Jahr hast du den Schritt gewagt und dich für ein sogenanntes <i>Studium im Alter</i> angemeldet. <b>Soziale Arbeit</b> liegt dir nicht nur im Blut, sondern hat dir auch immer am meisten Freude bereitet.<br />
<br />
      <span class="stitel">Lieblingspizza</span> Wenn du nach deiner Lieblingspizza gefragt wirst, entbrennt oft eine weit verbreitete, hitzige Diskussion: <i>Gehört Ananas auf Pizza? Ja oder nein?</i> Du sagst ganz klar "Ja" und bestellst dir aus absoluter Überzeugung eine <b>Pizza Hawaii mit Cheesy Crust</b>.<br />
    </div>
    <div id="sansteckizw">
      <div class="ztitel">Familie</div>
      <div class="zklein">Oh, mirror in the sky, what is love?</div>
    </div>
    <div id="sansteckitext"><span class="stitel">Tochter</span><br />
      <b>» Ama Indiyah Bernstein | * 12.06.1995 | Studentin | Ecological & Environmental Studies an der University of Edinburgh</b><br />
      Ama ist ein Tomboy, das war sie schon immer. Bereits im Kindesalter hat sie lieber mit Superhelden als mit Puppen gespielt, fand <i>Cyborg Cat</i> Bücher so viel cooler als Geschichten über Prinzessinnen und hat sich mit Leidenschaft in den Fußball gestürzt, einer männerdominierten Sportart. Du hast von deiner Tochter viel über <i>Gender Roles</i> und Vorurteile gelernt, hast dich selber stetig hinterfragt und Glaubenssätze über Bord geworfen. Dabei warst du immer unterstützend, voller Liebe und Hingabe für das Kind, das du in die Welt gesetzt hast.<br />
Heutzutage ist Ama nicht nur deine Tochter, sondern deine moralische Instanz. Sie ist die Person, die dir am zuverlässigsten sagt, wenn du mal wieder <i>bullshit</i> redest, und das tut sie häufig, präzise und gnadenlos. Meistens ohne große Diskussion, oft nur mit einem Blick, der alles sagt. Du hast schnell gelernt, diese Blicke ernst zu nehmen. Dass sie heute klüger, politischer und reflektierter ist als du selbst, macht dich eher stolz als unsicher. Du hörst zu, lässt dir Dinge erklären, stellst Fragen und resignierst, wenn du keine Ahnung hast. Du bist dir sicher, <i>wenn</i> jemand irgendwann die Welt retten wird, dann ist es deine Tochter.<br />
      Ihr wart lange ein Zweiergespann: Du und sie, ein bisschen chaotisch, ein bisschen individualistisch, ein bisschen gegen den Rest der Welt. Entscheidungen wurden immer gemeinsam getroffen, Möbel gemeinsam zusammengezimmert, Regeln eher verhandelt als durchgesetzt. Du hast ihr viele Freiheit gelassen, vielleicht mehr als andere Väter, aber immer mit dem festen Versprechen, dass sie bei dir sicher ist. Dass du damit den Grundstein gelegt hast für ihren selbstsicheren, starken Charakter, das ist dein größter Erfolg.<br />
<br />
      <span class="stitel">Ehefrau</span><br />
      <b>» Charlotte Bernstein | * 27.07.1986 | Polizistin</b><br />
      Als du Lotta kennen gelernt hast, hast du mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass ihr gut zwei Jahre später zusammen lebt, verheiratet seid und einen Sohn erwartet. Die äußeren Bedingungen standen gegen euch: Mehr als fünfzehn Jahre Altersunterschied, du Hausmeister in der Polizei-Akademie, sie auf dem Weg dahin die Karriereleiter immer höher zu klettern. Während du dich innerlich schon darauf eingestellt hast nur noch ein paar Jahre in Großbritannien zu bleiben und dann zu reisen, war sie eng in diesem Land verwurzelt. Ganz <i>casual</i> sollte es deshalb sein und bleiben, als Fernandito geflossen und Funken gesprüht sind. Alles andere als <i>casual</i> hat es sich entwickelt.<br />
Zwei Jahre später ist Lotta zugleich deine engste Vertraute und dein stärkster Gegenpol. <i>Unterschiede ziehen sich an</i> ist in eurem Leben nicht nur eine Floskel, sondern alltäglicher Wahnsinn, der euch aufreibt und doch immer enger miteinander verbindet. Wenn sie mit Ama durch die Stadt schlendert, die auf ihrer Kutte einen präsenten ACAB-Aufnäher reppt, dann ist das in eurer Welt ein ebenso harmonisches Gesamtbild wie der Inhalt eures Kleiderschrankes – 90% davon belegt sie mit Kleidung, die teilweise dein Monatsgehalt überschreitet, die anderen 10% gehören deiner Second Hand Ausbeute. Was euch zusammenhält ist deine Ruhe, wenn sie rast, und ihre Energie, wenn du rastest. Fürsorglich seid ihr beide, humorvoll auch. Euer intensives Bedürfnis nach Nähe ist ausgeglichen, und dass über allem anderen die gegenseitige Zuneigung steht, liegt ebenfalls auf der Hand.<br />
Du musst nie daran zweifeln, dass sie dich liebt, mit all deinen kleinen Macken und Eigenheiten, mit allem, was sie nicht versteht oder anders sieht. Die Liebe ist da, und vielleicht schätzt du das an eurer Beziehung am allermeisten: Dass ihr euch nehmt wie ihr seid und nicht versucht den jeweils anderen zu einem idealen Partner zu formen. Euer Individualismus ist eure größte Stärke, in einer Welt, die eine ungesunde Homogenität fordert.<br />
<br />
      <span class="stitel">Eltern</span><br />
      <b>» Bernard Samuel Bernstein | * 17.10.1930 | Krankenpfleger</b><br />
      <b>» Gloria Maria Ramírez Gallardo | * 23.08.1933 † 03.04.1989 | Krankenpflegerin</b><br />
      Die Beziehung zu deinem Vater ist distanziert. Du erinnerst dich noch daran, dass er während deiner Kindheit ständig bei der Arbeit war, selbst in den Abendstunden und an den Wochenenden, und wenn er nach Hause kam, dann wirkte er meistens müde und gestresst. Dein Vater war immer ein sehr ernster Mensch, der viel Zeit mit einem Buch in der Hand verbrachte und sich nur selten zu Späßen und Spielereien mit seinen Kindern hinreißen lassen konnte. Zuneigung zu zeigen fiel ihm schwer, Worte des Stolzes und der Anerkennung waren rar gesät.<br />
      Zu deiner Mutter hingegen, hattest du immer eine enge Bindung. Du warst ihr einziger Sohn, das letztgeborene Kind der traditionellen lateinamerikanischen Familie und damit auch derjenige, der am meisten Aufmerksamkeit bekam und dem viel mehr zugetraut wurde, als den älteren Schwestern. Dir gegenüber wurde die strenge Gloria plötzlich weicher und zugänglicher, war nachsichtiger und zurückhaltender. Aus dir ist deshalb ein <i>cheeky chap</i> geworden, ein süßer aber frecher Junge, der nur Flausen im Kopf hatte. Denn du wurdest von deiner Mutter zwar für Streiche gerügt, aber die Wut oder Enttäuschung hielt nie lange an. Kurz danach hatte Gloria ihren süßen Jungen schon wieder im Arm und hat dir heimlich einen Keks zugesteckt.<br />
Ihr Tod, nur einen Tag nach deinem neunzehnten Geburtstag, hat dich daher auch besonders schwer getroffen. Du konntest dir eine Welt ohne die Unterstützung und Führung von Gloria nicht vorstellen und erwischst dich auch heute noch manchmal dabei wie du in den Himmel blickst und sie stumm um Rat fragst.<br />
Deine Eltern agierten stets als eine Symbiose, die funktionierte, doch als Gloria verstarb fehlte deinem Vater plötzlich sein Gegenpol. Bernard wurde mürrisch und verbittert, zog sich noch mehr von anderen Menschen zurück und begann ein sehr einsames Leben zu führen. Heutzutage hast du nicht mehr viel Kontakt zu deinem Vater. Ihr telefoniert alle paar Wochen, aber die Gespräche sind einseitig und monoton.<br />
      <br />
            <span class="stitel">Geschwister</span><br />
      <b>» Karmina Maria Bernstein Ramírez | * 03.12.1954 | Gynäkologin | verheiratet mit fünf Kindern und drei Enkelkindern</b><br />
      <b>» Anabella Maria Bernstein Ramírez | * 17.02.1957 | Hausfrau | verheiratet mit zwei Kindern</b><br />
      <b>» Yalma Maria Bernstein Ramírez | * 11.11.1960 | Erzieherin | verheiratet mit drei Kindern</b><br />
      <b>» Carla Maria Bernstein Ramírez | * 24.03.1968 | Immobilienmaklerin | in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft mit einem Kind</b><br />
      Als jüngstes Kind und einziger Sohn der Familie, neben vier Schwestern, musstest du in deiner Kindheit einiges über dich ergehen lassen. Insbesondere deine drei älteren Schwestern Karmina, Anabella und Yalma haben es geliebt dich wie eine Puppe zu behandeln, die man süß anziehen und immer mit sich herumtragen konnte. Glücklicherweise hattest du stets Spaß daran, denn dann standest du wenigstens im Mittelpunkt und konntest die Aufmerksamkeit aller auf dich ziehen.<br />
Zu deiner jüngsten Schwester Carla hattest du schon immer eine besonders enge Verbindung und hältst heutzutage auch am meisten Kontakt zu ihr. Sie lebt mit ihrer Partnerin und ihrem Kind mittlerweile in Portugal, nah genug, dass ihr euch regelmäßig gegenseitig besuchen könnt. Deine drei älteren Schwestern sind in den USA gelieben.<br />
      <br />
      <span class="stitel">Haustiere</span><br />
      <b>» Schildkröte Michelangelo | 23 Jahre alt | Amas Haustier</b><br />
      <b>» Katze Professor Wackylickle | 8 Jahre alt | rot-getigerte Freigängerin</b><br />
      Als Ama ein Kind war, hast du ihr als Haustier eine <i>Schildkröte</i> geschenkt, die sie – inspiriert von den Ninja Turtles – <b>Michelangelo</b> getauft hat. Bis zu dem Beginn ihres Studiums hat sie ihr Tier liebevoll gepflegt, aber da sie in Edinburgh keine Haustiere halten durfte, musstest du die Schildkröte mitnehmen. Oder vielleicht hat sie auch nur so getan als dürfte sie keine Tiere halten, damit du plötzlich nicht <i>ganz</i> alleine bist. Eigentlich sollte es nur übergangsweise sein, aber Michelangelo (kurz <i>Mikey</i>) lebt noch immer bei dir. Die Schildkröte ist ein ruhiger Zeitgenosse, der es liebt abends bei seinem "Großvater" auf der Brust zu liegen und zuzuhören wie du von deinem Tag erzählst.<br />
Vor einigen Jahren – während deiner Zeit als Hausmeister in der Polizei-Akademie – hast du außerdem eine vermeintlich heimatlose <i>Katze</i> auf dem Gelände gefunden. Du hast Zettel ausgehängt und lokale Tierheime informiert, aber da sich nach mehreren Aufrufen niemand gemeldet hat, hast du irgendwann die Pflege für <b>Professor Wackylickle</b>, wie du sie getauft hast, übernommen. Die Katze ist sehr selbstständig und oft alleine unterwegs, aber wenigstens kommt sie jeden Morgen und jeden Abend zuverlässig nach Hause, wenn es Fressen gibt, und lässt sich auch manchmal zu ein paar Streicheleinheiten hinreißen.<br />
    </div>
    <div id="sansteckizw">
      <div class="ztitel">Aussehen</div>
      <div class="zklein">Can the child within my heart rise above?</div>
    </div>
    <div id="sansteckitext">Mit deinem <i>patchy Bart</i>, den meist etwas zu lang gewachsenen Haaren und einem eher praktischen statt modischen Kleidungsstil, wirkst du auf den ersten Blick als durchlebst du gerade eine schwere Phase in deinem Leben. In Wirklichkeit legst du einfach wenig Wert auf dein äußerliches Erscheinungsbild. Nachlässig ziehst du morgens die Kleidung aus deinem Schrank, viel eher darauf achtend, dass du dich gut fühlst, als dass du gut gekleidet bist. Mittlerweile ist dein <i>rough look</i> schon wie ein Markenzeichen für dich geworden. Und auch wenn sich deine Freund*innen gerne darüber belustigen, dass du zu jeder Tages- und Nachtzeit aussiehst als wärst du gerade erst aus dem Bett gefallen, scheinst du mit deinem Charme und deinem unverkennbaren Lachen jeden zu überzeugen, der auf den ersten Blick an deiner Zurechnungsfähigkeit zweifelt.<br />
      Du trägst bereits seit acht Jahren ein von deiner Tochter geknüpftes <b>Freundschaftsarmband</b> am Handgelenk, das du nie ablegst. Die Farben sind mittlerweile verblasst und die Baumwoll-Zwischenräume sind wahrscheinlich zu warmen Bakterien-Habitaten geworden, doch obwohl Ama dir seitdem noch weitere geflochtene Bänder geschenkt hat, bedeutet dir genau dieses so viel, dass du nicht bereit bist es auszutauschen.<br />
      Seitdem du 18 Jahre alt bist, ziert dein linkes Ohrläppchen ein <b>silberner Ohrring</b>, und auch einige kleine <b>Tätowierungen</b> hast du mit der Zeit angesammelt. Dazu gehören unter anderem ein kleines <i>Bullseye</i> auf der linken Hand; eine <i>siebenblättrige Blume</i> am Arm, die eines ihrer Blätter bereits verloren hat; das Wort <i>sunshine</i> auf dem anderen Arm und ein paar weitere Doodles, die hauptsächlich an Freundschaften und lustige Erlebnisse erinnern. Keine deiner Tätowierungen ist mehr als ein paar Zentimeter groß.<br><br />
      <center><img src="https://i.ibb.co/H4sw6m5/Aussehen01.gif" style="padding-left: 5px; padding-bottom: 5px; width: 120px; height: 120px; object-fit: cover;"> <img src="https://i.ibb.co/ 7V5MK46/Aussehen02.gif" style="padding-left: 5px; padding-bottom: 5px; width: 120px; height: 120px; object-fit: cover;"> <img src="https://i.ibb.co/WKsBjdg/Aussehen03.gif" style="padding-left: 5px; padding-bottom: 5px; width: 120px; height: 120px; object-fit: cover;"></center><br />
    </div>
    <div id="sansteckizw">
      <div class="ztitel">Charakter</div>
      <div class="zklein">Can I sail through the changing ocean tides?</div>
    </div>
    <div id="sansteckitext">
      <center><i>abenteuerlustig » albern » altruistisch » anhänglich » anspruchslos » arbeitsam » aufdringlich » aufgeschlossen » aufmerksamkeitsbedürftig » begeisterungsfähig » belastbar » bemutternd » beratungsresistent » beschützend » bodenständig » charismatisch » chaotisch » dickköpfig » distanzlos » ehrlich » empathisch » extrovertiert » fair » feiert gerne kleine Alltagserfolge » flirty dude » freundet sich mit anderen Menschen sofort an » freundlich » gerecht » gefallsüchtig » geschickt » gesprächig » gewissenhaft » hilfsbereit » kommunikativ » kurzsichtig » langweilig » leicht ablenkbar » liebevoll » loyal » lustig » motiviert » nachtragend » naiv » offen » optimistisch » ruhelos » sozial » stur » tapfer » touchy-feely » unpünktlich » ungeduldig » verantwortungsbewusst » widersprüchlich » zuverlässig » zwiespältig</i></center><br />
      Wer dich zum ersten Mal trifft, wird dich schnell als ein erwachsenes Äquivalent zu einem <i>bundle of joy</i> charaktisieren. Du hast dauernd ein Lächeln auf den Lippen, immer einen halb-lustigen <i>dad joke</i> im Gepäck und besitzt die Offenheit und Aufgeschlossenheit, um mit jedem Menschen sofort in Kontakt zu treten. Deine großen dunklen Augen halten interessiert Blickkontakt, während du auf das Gesagte deines Gegenübers eingehst und aus einem schnellen <i>small talk</i> ein intensives Gespräch werden lässt.<br><br />
      Zu oft schlägst du mit deiner Zugewandtheit jedoch auch über die Stränge, denn du bist als notorischer <i>flirty dude</i> bekannt, der immer und überall mit denen schäkert, die ihm in die Quere kommen. Dabei kriegen dann auch Kellnerinnen, Kassiererinnen oder anderweitig im Service beschäftigte Arbeitskräfte hier oder da einen <del>sexistischen</del> dummen Witz ab. Dein <i>puppy eyes</i> Blick rettet dich oft vor Rückschlägen, aber das ein oder andere Mal wurde vor dir auch schon eine feministische Kampfesrede gehalten. Dabei meinst du deine Avancen überhaupt nicht übergriffig oder sexuell forcierend, das Flirten (naja) ist bloß eine Sprache, die du (deiner Meinung nach) perfekt beherrschst. Was du dabei gerne übersiehst, ist, dass diese Sprache nicht immer gut übersetzt wird. Dass dein Bedürfnis nach Nähe, Bestätigung und Austausch manchmal präsenter ist als dein Gespür dafür, wo die Grenzen anderer verlaufen. Du bist schnell, impulsiv, körperlich, mit Worten ebenso wie mit Gesten, und nicht jeder Mensch hat Lust oder Energie, dieses Tempo mitzugehen.<br><br />
      Eigentlich bist du eh kein Mensch für kurzlebige Beziehungen oder einmaligen Sex. Was in deiner Jugend noch aufregend war, ist dir heutzutage viel zu anstrengend. Seit der Trennung und dem Verschwinden von Amas Mutter – deiner <i>baby mama</i> – hat dir lange das Interesse und die Kraft für eine neue Partnerschaft gefehlt. Gleichzeitig hast du die Sehnsucht nie ganz aufgegeben, sondern sie nur unterdrückt. Hast deine Verpflichtungen priorisiert – Kind, Arbeit, Alltag – und das Bedürfnis nach intimer Nähe und romantischer Verbindung zum Schweigen gebracht. Ein paar Jahre später, als Ama älter wurde, gab es ein paar Frauen, die du besser kennen gelernt hast (sogar zwei, drei Partnerschaften, die du eingegangen bist) doch Lotta ist nach Zuhrah die erste Frau, bei der du dich wirklich fallen lassen kannst.<br><br />
      Wenn man dich in einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre es <i>hilfsbereit</i>. Du bist jemand, der so viel für andere gibt, dass du schon beinahe drängend wirkst. Aber auch hier vertraust darauf, dass andere ihre Limitierungen kommunizieren, denn zwischen den Zeilen zu lesen fällt dir schwer, genauso wie subtile Spannungen auszuhalten. Du willst Harmonie, Leichtigkeit, Verbindung. Und wenn sich Konflikte anbahnen, dann versuchst du sie lieber wegzulächeln oder mit einem dummen, lustigen Kommentar zu entschärfen, statt dich ihnen zu stellen. Im alltäglichen Umgang macht dich das zu einem angenehmen, sympathischen Dude, aber in ernsteren Auseinandersetzungen zu jemandem, der entweder zu devot oder zu flatterhaft wirkt.<br><br />
  Trotz deiner Extrovertiertheit gibt es Seiten an dir, die du nur ungern zeigst: Unsicherheit zum Beispiel. Die Angst, nicht zu genügen, insbesondere in privaten Beziehungen. Das Gefühl, immer ein bisschen hinterherzuhinken, egal wie sehr du dich anstrengst. Du kaschierst das mit Humor, mit Optimismus oder der festen Überzeugung, dass schon alles irgendwie gut werden wird. Und meistens hast du damit sogar recht. Du bist zuverlässig, aber nicht immer pünktlich. Verantwortungsbewusst, aber chaotisch in der Umsetzung. Du willst alles richtig machen und vergisst dabei regelmäßig Termine, Fristen oder Kleinigkeiten, die für andere große Bedeutung haben. Dafür erinnerst du dich an Lieblings-Snacks, an kleine Anekdoten, an beiläufig erwähnte Zweifel.<br><br />
Deine Loyalität ist unerschütterlich, fast schon stur. Wenn du jemanden einmal in dein Herz geschlossen hast, dann verteidigst du diese Person gegen alles und jeden, selbst dann noch, wenn sie dich längst enttäuscht oder verletzt hat. Nachtragend bist du weniger aus Boshaftigkeit oder Rachsucht, sondern vor allem, weil es dir schwer fällt Schmerz zu vergessen. Nichts frustriert dich selber mehr, als das.<br><br />
  Du merkt es selber kaum (und würdest es auch vehement abstreiten), aber mit der Zeit wirst du immer mehr zu einem stoischen, dickköpfigen älteren Mann. Die Lockerheit von früher lässt nach und manchmal beobachtest du dich dabei wie du angestrengt Zeitung liest und bei jedem zweiten Artikel den Kopf über <i>den Zustand der Welt</i> schüttelst. Außerdem bist du mit der Zeit ungeduldiger und forcierender geworden, worüber du regelmäßig selber erschrickst. Dann schlägst du die Hände über dem Kopf zusammen, verfluchst dein Alter und gelobst Besserung, denn wenn du eines nie werden wolltest, dann ein <i>grumpy grandpa</i>.<br />
    </div>
       <div id="sansteckitext">
         <table style="width:100%;text-align:left; font-size:10px;">
            <tr>
              <td width="50%"><span class="tstitel">Vorlieben</span></td>
              <td width="50%"><span class="tstitel">Abneigungen</span></td>
            </tr>
            <tr>
              <td width="50%">» Amerikanische Süßigkeiten<br />
                » Ugly Dancing<br />
                » Handwerken & Dinge reparieren<br />
                » Kreuzworträtsel<br />
                » Schlechte Witze<br />
                » Skinny dipping<br />
                » Flanellhemden<br />
                » Pranks<br />
                » Höhlen bauen mit Ama<br />
                » Auf dem Wasser sein<br />
                </td>
              <td width="50%">» Ungefragte Erziehungstips<br />
                » Avocados<br />
                » Schlaflosigkeit<br />
                » Pfuschen beim Handwerken<br />
                » Social Media<br />
                » Feuerwerk<br />
                » Fitnesstudios<br />
                » Teenage-Jungs<br />
                » Überpünktlichkeit<br />
                » Eifersucht<br />
                </td>
            </tr>
</table>
    </div>
    <div id="sansteckitext"><center><span class="stitel"><b>Hobbies</b></span></center><br />
      <b>WOODWORKING</b><br />
      Woodworking war immer <i>dein</i> Ding. Deine Flucht aus dem Alltag, deine Möglichkeit die Hände zu beschäftigen und den Verstand abzuschalten. Mittlerweile arbeitest du auch beruflich mit Holz, aber in deinem Hobby ging es nie darum zu glänzen oder irgendwem etwas zu beweisen. Du genießt es einfach. Der Prozess, etwas mit den eigenen Händen entstehen zu lassen, ohne elektrische Maschinen, zwingt dich zur Ruhe und zur Entschleunigung. Holz zu bearbeiten erdet dich, im wahrsten Sinne des Wortes. Was früher ein Stück Holz und ein Schnitzmesser an Deck deines Narrowboats war, ist heute die Werkstatt im Theater, die du auch manchmal privat nutzen darfst. Angefangen mit Schachteln und einfachen Boxen, über Vogelhäuser, bis hin zu größeren Projekten wie dem Regal, an dem du gerade arbeitest. Außerhalb deiner Arbeitszeit kannst du Stunden dort verbringen, Späne vom Boden fegen, Kanten glätten und den Kopf ausschalten, während unter deinen Händen etwas Beständiges entsteht.<br><br />
      <b>FUßBALL</b><br />
Fast jeder argentinische Junge wächst mit einer Liebe für Fußball auf. Auch du wurdest davon – trotz deines Umzuges in die USA und deiner sehr frauenlastigen Familie – nicht verschont. Obwohl du nie ein Typ dafür warst alle Spiele zu verfolgen und dich jede Woche mit anderen zum Fußball gucken in einer Kneipe zu treffen, kickst du selber für dein Leben gern. Die Leidenschaft hast du auch an Ama weiter gegeben. Früher standet ihr regelmäßig auf einem alten Schotterplatz, um dort mit einem Ball zu spielen, und als Ama darum gebeten hat einer Kinder- und Jugendmannschaft beizutreten, hast du bis über beide Ohren gestrahlt. Du warst bei <i>jedem</i> Spiel derjenige, der am lautesten von der Seite geschrieen hat. Aktiv, leidenschaftlich und vor allem regelmäßig verfolgst du zwar nur die Weltmeisterschaften, in denen du selbstverständlich für dein Heimatland Argentinien jubelst, aber auch anderweitige Spiele siehst du dir zwischendurch gerne an.<br><br />
      <b>GITARRE</b><br />
Zur Musik hast du erst im jungen Erwachsenenalter gefunden. Während deiner Reisen hast du beobachtet, dass die coolen Gitarren-Dudes am Strand die absoluten Frauenmagneten waren und dich davon inspirieren lassen selber in eine Gitarre zu investieren. Das Spielen hast du dir daraufhin autodidaktisch selber beigebracht. Nur kurze Zeit später hast du jedoch schon eine solche Leidenschaft für die Musik entwickelt, dass die Aufmerksamkeit von Frauen nur noch ein nettes <i>gimmick</i> war. Die meiste Freude empfindest du mittlerweile, wenn du mit deiner Gitarre ganz alleine im Grünen oder am Wasser sitzt und auf den Saiten klimpern kannst.<br><br />
      <b>KREUZWORTRÄTSEL</b><br />
Du erinnerst dich noch gut daran, dass deine Eltern ständig gemeinsam über ein Kreuzworträtsel gebeugt in der Küche am Tisch saßen und verbissen versucht haben jede einzelne Frage zu lösen. Während du als Kind noch glaubtest, dass es dabei hauptsächlich um die zu gewinnenden Preise ging, hast du später selber Freude am Rätselraten entwickelt. Beinahe jeden Sonntag sitzt du deshalb mit überschlagenen Beinen und einem dampfenden Kaffee in der Hand am Tisch und versuchst angestrengt an die Lösungsworte zu gelangen.<br />
    </div>
    <div id="sansteckitext"><center><span class="stitel"><b>Wusstest du, dass Jesús...?</b></span></center><br />
        » ... schon seit dem Kindesalter an seinen Fingernägeln knabbert und dafür oft von Ama gerügt wird?<br />
» ... ständig und völlig unerwartet beginnt zu tanzen und alle Leute um sich herum dazu motiviert mitzumachen?<br />
» ... seit seinem 20. Lebensjahr raucht und zwar immer wieder versucht damit aufzuhören, aber es nie durchhält?<br />
» ... sehr gerne Jugendwörter aufschnappt und sie in seinen Sprachgebrauch integriert (seine aktuellen Favoriten sind <i>yeet, skrrt</i> und <i>sheesh</i>)?<br />
» ... schon seit Jahren an Schlafproblemen leidet und nur selten eine Nacht durchschlafen kann?<br />
» ... mehrere Jahre lang alte Blechdosen gesammelt hat, mittlerweile aber nur noch ein paar besondere Exemplare übrig geblieben sind?<br />
» ... langsam zu einem stoischen alten Mann wird und sich selber dafür hasst?<br />
» ... die Gabe besitzt sich bei einem Bier mit jeder Person sofort anzufreunden und zu verbrüdern?<br />
» ... nur schwarzen Kaffee trinkt und zugefügten Zucker oder Milch als Verrat ansieht?<br />
» ... Lieblings-Longdrink ein <i>Fernandito</i> ist, der aus Cola mit Fernet besteht?<br />
    </div>
    <div id="sansteckizw">
      <div class="ztitel">2. Februar 2017 18:47 Uhr</div>
      <div class="zklein">Can I handle the seasons of my life?</div>
    </div>
    <div id="sansteckitext">Du atmest die Anstrengungen des zurückliegenden Tages aus, als du die Wohnungstür aufschließt, in der freien Hand eine Tasche voller Lebensmittel. Nur die Hälfte davon hast du ordnungsgemäß bezahlt, all das vermeintlich "faule" Obst und Gemüse, das oben drauf liegt, hast du dir aus dem Container hinter dem Supermarkt geangelt. <i>Gegen Lebensmittelverschwendung</i> und <i>Für Sparsamkeit</i> würdest du standhaft deinen guten Willen dahinter verteidigen, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn <i>Um meine Frau zu necken</i> steht ganz oben auf der Liste. Nicht, dass du vorher nie containert hättest – das ist so eine Ding, das deine linksliberale, woke Tochter dir beigebracht hat – aber du tust es viel öfter, seitdem du mit Charlotte zusammen bist. Weil du diese kleine, zweifelnde Falte auf ihrer Stirn irgendwie magst. Und wie sie dich ansieht, mit dem Feuer eines Wutausbruchs im Blick, den sie dann aber doch unterdrückt, weil sie weiß, dass du mit der <i>Lebensmittelverschwendung</i> und <i>Sparsamkeit</i> eigentlich recht hast. Außerdem ist es verdammt unterhaltsam, wenn sie versucht all dem Obst und Gemüse, das bereits das Innere eines Mülleimers gesehen hat, rigoros auszuweichen. Und wenn sie dann nach vielen, vielen fadenscheinigen Argumenten doch ein Stück von deinem Bananenbrot aus gecontainerten Bananen isst? Dann ist das der beste Beweis dafür, dass sie dich noch immer liebt.<br />
<br />
Wenn du die Wohnung betrittst und <i>"Honey, I'm home"</i> ins Innere trällerst, meinst du es nur halbernst, aber doch ernst genug, um es immer wieder zu tun. Eine anfängliche Parodie, die dich trotzdem mit Stolz und Wärme erfüllt, denn eigentlich hast du dir genau das hier immer gewünscht: Jemand, zu dem du nach Hause kommen kannst. Eine Partnerin im Leben. Entscheidungen nicht alleine treffen zu müssen und abends im Bett in den Armen einer Frau einzuschlafen, die du liebst und die dich liebt. Ehrlicherweise hast du schon nicht mehr daran geglaubt, dass du jemals eine Beziehung führen wirst, die sich so sicher und vertraut anfühlt wie diese. Die länger als zwei bis drei Jahre halten wird und auf gegenseitigem Vertrauen, Respekt und Zuneigung basiert. Bevor du Charlotte kennen gelernt hast, war deine Vision für die Zukunft deshalb eine ganz andere: Sobald deine Tochter erstmal aus dem Haus ist und ihr Studium abgeschlossen hat, du damit von jeglicher finanzieller Verantwortung befreit bist, brichst du aus wie ein pubertärer Teenager; stürzt dich ins Leben wie ein Vogel-Junges, das sich endlich aus dem sicheren Nest wagt; preschst in die Welt mit der mentalen Grenzenlosigkeit eines Nepo-Babys. Vielleicht kannst du ein paar Monate bei deinem Vater und deinen Schwestern in den USA verbringen, oder durch Argentinien reisen und die Bindung zu dem Land stärken, in dem du geboren wurdest. Es gibt noch so viel zu sehen und zu entdecken in der Welt, so vieles, das logistisch und finanziell bisher weit entfernt von dir lag. Aber wenn Ama nicht mehr auf deine Unterstützung angewiesen ist, und wenn du all deine Habseligkeiten verkaufst, dann steht dir die Welt endlich offen, oder? <br />
<br />
Du brauchst nicht viel im Leben. Fünf Unterhosen, zwei Jeans, drei T-Shirts und zwei Pullover, dazu eine gute Jacke – das reicht für ein halbes Jahr <i>on the road</i>, vielleicht sogar länger. Dazu eine Zahnbürste und eine 18-in-1-Naturseife, deren Verpackung verspricht, dass du damit Duschgel, Shampoo, Spülmittel, Handseife, Rasierschaum, Deodorant, Fleckenentferner, Gesichtsreinigung, Zahnpasta, Erkältungsbad, Babypflege, Fußpflege, Tiershampoo, Inhalation, Mundwasser, Pflanzenschutz, Obstreinigung und Kosmetikpinselreiniger abdecken kannst. Ein perfektes Produkt, denn als alleinerziehender Vater ohne echte Berufsausbildung hat sich dein Leben schon immer um Effizienz und Sparmaßnahmen gedreht. Heutzutage ist das einer der größten Konfliktherde zwischen deiner Frau und dir, denn Lotta glaubt, dass ein 28£ Duschgel den Alltagsschmutz besser abwäscht als das günstige Supermarkt-Äquivalent für 0.65£. Und dass sie nicht hundert prozentig zufrieden ist, als du in diesem Moment das Wohnzimmer betrittst und ihre <i>"Können wir Pizza bestellen?"</i> Frage mit dem Wedeln des 50% Rabatt Pizzateigs beantwortest, ist dir auch bewusst. Als Entschädigung hast du Oliven mitgebracht, und vielleicht bist du sogar süß genug, um damit ein Herzchen auf ihrer Hälfte der Pizza zu formen.<br />
<br />
Für einen Moment fällst du zu ihr aufs Sofa, empfängst ihre Füße in deinem Schoß und versuchst zu ignorieren, dass sie zwischen Arbeitsschweiß und deinem Eigengeruch einen Hauch von Sookies Parfum erschnüffeln kann. Sookie, deine Arbeitskollegin, der du aus offensichtlichen Gründen nicht ausweichen kannst, selbst wenn du wolltest. Charlotte hat ein kleines Problem mit Eifersucht, und du hast ein kleines Problem mit Distanz. <i>Flirten</i> ist wie eine zweite Muttersprache für dich – du bist diese Art von <i>elderly man</i>, der mit jeder Servicekraft kurz schäkern muss, der ständig Komplimente verteilt und nach zwei Bier im Pub direkt touchy wird. Nicht auf eine creepy Art, würdest du selber behaupten, und meistens hast du damit auch recht, denn du bist einfach nett, nicht übergriffig; erwartest nichts, außer einen locker-lustigen Austausch; und wenn sich jemand unwohl fühlt, ziehst du dich sofort zurück. Deine Frau findet das trotzdem alles andere als charmant, und weil du einer weiteren Diskussion über Sookie entgehen willst, verschwindest du ins Badezimmer, um jegliche Rückstände weiblichen Parfums von dir zu duschen.<br />
<br />
Während du unter dem Wasserstrahl stehst, musst du unweigerlich an zwei andere Menschen denken, die – wie Sookie – das Blut deiner Frau unangenehm erhitzen können. Erstens, Saúl, dein <i>bi-curious hook-up</i> von vor zwei Jahren. Du warst damals noch nicht mit Lotta zusammen, aber nah genug an einer Beziehung, um allein durch die Erwähnung seines Namens auch jetzt noch einen Sturm zu entfachen. Zweitens, Zuhrah, deine Ex-Freundin und Mutter deiner Tochter Ama. Lange Zeit galt sie als <i>die</i> Liebe deines Lebens, auch wenn sie dich und eure damals zweijährige Tochter wegen ihrer Karriere-Ambitionen verlassen und seitdem nur noch sehr unregelmäßig und sporadisch an eurem Leben teilgenommen hat. Aber du warst bis über beide Ohren in sie verliebt, hast deine Heimat für sie verlassen, bist nach Großbritannien gereist, hättest alles für sie aufgegeben. Letztendlich hat sie <i>dich</i> aufgegeben. Dass Lottas Blut kocht, wenn ihr Name erwähnt wird, liegt deshalb nicht nur an vermeintlicher Eifersucht, sondern auch an Wut, stellvertretend für Ama und dich. Ein weiterer Grund, weshalb du sie liebst, stellst du stumm fest, während du das Frottee-Handtuch durch deine Haare rubbelst. Sie wird dich nachher dafür tadeln.<br />
<br />
Rückblickend fühlt sich dein Leben an wie eine <i>mix & match</i> Fruchtgummitüte, irgendwie durcheinander gewürfelt: Geboren in Argentinien, aufgewachsen in Oklahoma in den USA. Dort hast du die Schule besucht und mit deinen vier älteren Schwestern innerhalb deiner lateinamerikanischen Community ein solides Leben geführt. Nach deinem High School Abschluss bist du zurück nach Argentinien gereist, wolltest ein paar Monate auf der Farm deiner Großeltern arbeiten, deine Kultur und deine Wurzeln kennenlernen. Mittendrin dann ein Anruf deiner Schwester, der dein Leben verändert hat: Deine Mutter lag im Sterben, unheilbarer metastasierter Krebs. Du bist zurück, saßt wochenlang an ihrem Bett und hast ihre Hand gehalten. Du warst noch viel zu jung für all den Schmerz, hast versucht davor wegzulaufen, als du nach ihrem Tod wieder aufgebrochen bist. Erst zurück nach Argentinien, dann Australien, Neuseeland. <i>Work and travel</i>, der Traum vieler verlorener Heranwachsender. Danach weiter nach Thailand, Vietnam, Indien, dort hast du Zuhrah kennen gelernt und warst von der zehn Jahre älteren Frau so fasziniert, dass du dich an sie geklebt hast wie ein Magnet. Du bist ihr in ihre Heimat gefolgt, nach Großbritannien, hast zwei Jahre in einer leidenschaftlichen, aufbrausenden Beziehung mit ihr gelebt, bevor sie unerwartet schwanger geworden ist. Zwei weitere Jahre vergingen, in denen sie versucht hat ihrer Tochter eine gute Mutter zu sein, aber die Liebe, die ihr vor der Geburt von jedem Elternratgeber versprochen wurde, kam nicht wie sie kommen sollte. Irgendwann ging sie, um sich ihre eigenen Träume zu erfüllen, und du bliebst mit Ama zurück.<br />
<br />
Wenn du jetzt mit trocken gerubbelten Haaren in den beschlagenen Spiegel vor dir blickst, siehst du nicht nur dich selber, sondern auch deine Tochter. Sie hat deine Augen, und deine Kopfform. Die Grübchen, wenn sie lacht. Ihr habt denselben Humor und einen ähnlichen Blick aufs Leben. Du hast von ihr ebenso viel gelernt wie sie von dir – in diesem Leben, in dem ihr lange Zeit ein Zweiergespann wart. Du warst immer ein laissez-fairer Vater, hast ihr viele Freiheiten gelassen und die Chance sich selber zu entfalten. Aus finanziellen Gründen seit ihr auf ein Narrowboat in London gezogen, als Ama noch ein Kind war: Dieses lange Boot hat sich mit der Zeit zu eurer ganz eigenen, verrückten Oase entwickelt. Möbel aus dem Sozialkaufhaus oder aus Wohnungsauflösungen, bunte Farbe an den Wänden, gesprenkelt mit Stickern und kleinen Gemälden, die ihr beide im Laufe der Jahre gemalt habt. Eure Ferien fanden meistens auf den Kanälen um London herum statt, in Schrittgeschwindigkeit seid ihr durch die Landschaften getuckert und habt Abenteuer erlebt, wo andere Langeweile sehen würden. Ihr wart ein eingespieltes Team, und dass deine Tochter mit der Zeit zu einer linkspolitischen jungen Frau herangewachsen ist, die für das Klima und gegen Diskriminierung auf die Straßen geht, hat dich mit grenzenlosem Stolz erfüllt.<br />
<br />
Um ihr Studium in Edinburgh zu finanzieren, hast du das Boot verkauft und alles zurückgelassen, denn die kostengünstigste Option hat dich als Hausmeister in die Nähe von Manchester geführt. In einem Ausbildungszentrum für junge Polizist*innen war eine vergleichsweise gut bezahlte Stelle ausgeschrieben, die mit Kost und Logis einherging. Drei Jahre dort, hast du dir gesagt, dann hat Ama ihren Bachelor-Abschluss und dir steht die Welt offen. Doch mitten in der Halbzeit hast du Lotta kennen gelernt, und obwohl du es nicht beabsichtigt hast – ihr beide nicht – stand dein Leben plötzlich Kopf. Aus <i>casual</i> wurde <i>ziemlich ernst</i> und aus <i>"Bald reise ich durch die Welt"</i> wurde <i>"Wir heiraten und erwarten ein Kind"</i>. Du musst unwillkürlich lächeln, als du aus dem Bad trittst und zurück ins Wohnzimmer läufst, um dich dort erneut zu ihr auf die Couch zu setzen. Du schließt eine Hand um ihren Fuß, bewegst den Daumen entlang ihrer Knochen und Sehnen. Während du aus dem Augenwinkel auf ihren Bauch schielst, über den sie abwesend in sanften Bewegungen ihre Finger zieht, realisierst du ein weiteres Mal, dass deine Backpacker-Pläne vielleicht vorerst geplatzt sind, aber stattdessen befindet sich dein nächstes großes Abenteuer unter Charlottes Bauchdecke, hat zehn Finger und zehn Zehen, und wird dich ungefähr die nächsten zwanzig Jahre auf Trab halten. Wenn es nach dir ginge, hieße der Junge Gustave (eine Hommage an das Horror-Nilkrokodil aus Burundi, das warum-auch-immer eng mit deinen Gefühlen für deine Frau verknüpft ist), aber der Namensvorschlag hat leider ein Veto bekommen.<br />
      <br />
      Du kannst nicht abstreiten, dass auch Angst da ist – regelrechte Panik, dass sich die Vergangenheit wiederholt – aber vor allem bist du glücklich. Wirklich, wirklich glücklich. Du trauerst nicht um den Verlust deiner Reisepläne, im Gegenteil, denn was-auch-immer du an weit entfernten Orten in der Welt gesucht hättest, hast du hier bereits gefunden. Lotta ist dein sicherer Hafen, deine Partnerin <del>in crime</del> und deine Zukunft. Länder, die du schon immer sehen wolltest, werdet ihr mit der Zeit gemeinsam erkunden, und irgendwie spürst du tief in dir, dass das viel besser werden wird als der ursprüngliche Plan. Denn wenn du eines nicht bist, dann jemand, der gut alleine sein kann. Am liebsten hast du ständig jemanden um dich, hältst deine Frau die ganze Nacht eng im Arm und fühlst dich stets wohler, je mehr Menschen in deiner Nähe sind, die du liebst. Als könne Lotta deine Gedanken lesen, kündigt sie an ihren Bruder Hamza und seine Frau zum Essen einzuladen, und natürlich ist deine Antwort ein seliges Lächeln. Denn du hast das verdammte Glück nicht nur Lotta lieben zu dürfen, sondern ihre gesamte Familie.<br />
<br />
Nachdem du kurz Luft geholt hast, stehst du auf und gehst in die Küche, um aus heruntergesetztem Pizzateig, nicht heruntergesetzten Oliven und containertem Gemüse das Abendessen für deine Frau und dich vorzubereiten. Du liebst es für sie da zu sein und sie zu umsorgen, vor allem während ihrer Schwangerschaft. Vieles machst du einfach – hilfsbereit wie du bist – und das ist gut so, denn was Lotta überhaupt nicht gut kann, ist um Hilfe zu bitten. Weder wenn ihr Bauch auf dem Weg zum Wasserglas im Weg ist, noch wenn der Wasserhahn mal wieder leckt oder Bilder an die Wände gehängt werden müssen. Lieber schlägt sie den Nagel ganz knapp an einer Stromleitung vorbei, als dich um Rat zu bitten. Was du schon alles in dieser Wohnung reparieren musstest, das vorher von Lotta oder ihrer Schwester Jaz verschlimmbessert wurde, glaubt dir kein Mensch. Wenigstens nimmst du lustige Geschichten daraus mit, kleine Anekdoten, die du Fremden (oder Freund*innen) im Pub erzählen kannst.<br />
<br />
Während die Tomatensauce im Kochtopf blubbert, spürst du den Bauch deiner Frau an deiner Hüfte, und ihre Lippen auf deiner Schulter. Du lächelst, drehst dich zu ihr und schlingst deinen Arm um sie. Ein Liebesgeständnis kommt dir mittlerweile ganz natürlich über die Lippen, nicht wie damals, am Anfang eurer Beziehung, als du sie auf heißen Kohlen hast warten lassen. <i>"Te amo"</i>, murmelst du, und lachst rau, kratzig, als sie sich dafür bedankt.<br />
    </div>
</div>
<br />
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		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Josphat Kamau]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2579</link>
			<pubDate>Sun, 20 Jul 2025 09:38:05 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=545">Josphat Kamau</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2579</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Josphat Kamau</div>
  <div class="p3">
    muscle and mercy</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9" style="margin-top: 55px">„</div>
      <div class="p10" style="text-transform: none; margin-top: 15px; width: 65%;">Raised by beatings, saved by reps. <br />
I press more than pain, I bench my regrets.</div>
    </div>
    <div style="display: flex; gap: 3px; width: 505px;"><img src="https://i.ibb.co/HDd7QNZG/Jos-01.gif" style="width: 160px; height: 200px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/tPZfTBy7/Jos-02.gif" style="width: 160px; height: 200px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/Q7P0s86p/Jos-03.gif" style="width: 160px; height: 200px; object-fit: cover;"></div>
  </div>
  <div class="p4">
    <table>
      <tr>
        <td class="p6">
          <div class="feldu" style="width: 150px; margin-left: 5px;">Effi</div>
          <div class="feldb2"><span class="bvpr">Alter // </span>48 Jahre</div>
          <div class="feldb2"><span class="bvpr">Job // </span>Security</div>
          <div class="feldb2"><span class="bvpr">Pizza // </span>Meat Lovers</div>
          <div class="feldb2"><span class="bvpr">Ava // </span>Idris Elba</div>
        </td>
        <td>
          <div class="p7">
          <div style="line-height: 14px"><img src="https://i.ibb.co/B5bYVbRK/tumblr-906ff0cb05bce9e1af8b96b5fb1586a6-c5be0d1e-400-1.gif" style="margin: 10px; height: 50px; width: 70px; float: left;">Während irgendein Anzugträger als Bürgermeister die Stadt regiert, gilt Josphat als das inoffizielle Oberhaupt von Oldham. Wer hier wohnt, kennt ihn. Wer ihn nicht kennt, hat entweder kein Sozialleben oder ist frisch zugezogen. Fast fünfzig, stabil gebaut, brettharte Schultern und ein Lächeln wie eine Kneipentür um drei Uhr morgens: Wird selten benutzt, quietscht ein bisschen, aber wenn's aufgeht, dann weißt du, du bist willkommen. Er raucht mehr Gras als ein Teenager in den 2000ern, nennt das aber Selbsttherapie, denn wer mit 19 Vater wurde, durch <i>beatings</i> der Mutter erzogen wurde und sich seither mit einem Alkoholproblem und einer Tonne Verantwortung rumschlägt, der darf sich auch mal wegschießen. Trockener Alkoholiker, ja, aber Weed? <i>That's medicine, bruv</i>. Wenn er nicht gerade high ist, nutzt Jos auch mal seine Ellenbogen – im Gym, wo er sich mit Hanteln und Bankdrücken durchs Leben stemmt, aber auch, wenn jemand Stress mit seinen Nachbarn macht. <i>Big Poppa</i> – niemals <i>Big Daddy</i> – ist der Mann, der deinen Kühlschrank repariert, deinen Hund aus dem Gulli zieht und gleichzeitig deinen Ex verprügelt, wenn's sein muss. Er weiß, wo du wohnst. Und wenn er's nicht weiß, kennt er jemanden, der's weiß. Für Jos zählt: Community first. Immer. Hinter der harten Schale steckt nämlich eigentlich ein verdammt weicher Kern.</div>
          </div>
        </td>
      </tr>
    </table>
    <div class="p8">Wusstest du, dass Jos...?</div>
<div style="width: 95%; margin:auto;">» …seit zwanzig Jahren trockener Alkoholiker ist und im Zuge dessen eine Obsession für <i>Dr. Pepper Zero Cherry Crush</i> entwickelt hat? <br />
» …in seiner Rottweiler Hündin Cherry (kurz für <i>Dr. Pepper Zero Cherry Crush</i>, duh) ein Ebenbild seiner selbst gefunden hat? Brutales Auftreten, aber ein richtig weiches Herz.<br />
» …viel zu viel tindern würde, wenn er verdammt nochmal endlich raffen würde wie der Scheiß funktioniert?<br />
» …technisch auf dem Stand von 1984 ist und regelmäßig denkt, sein Handy wäre kaputt, wenn's einfach nur ein Update will?<br />
» ...in der Nachbarschaft liebevoll Oldhams <i>Big Poppa</i> genannt wird, weil er jedem Kind, jedem Hund und jedem verdammten Paketboten schon mal die Haut gerettet hat?<br />
» …rasend wird, wenn jemand <i>Big Daddy</i> zu ihm sagt?<br />
» …seine Küche nur nutzt, um Fertiggerichte in den Ofen zu schieben (Diabetes und Herzinfarkt incoming)?<br />
» …in seinem Haus durchgehend 80s und 90s Rap-Musik blastet und schon mehrmals dabei erwischt wurde, wie er vor einem Spiegel dazu vibed?<br />
» ...seit Jahren denselben Trainingsplan fährt, der aus Zeiten stammt, in denen Tupac noch lebte (<i>"Never change a winning system, bruv"</i>)?<br />
» ...seine Toastscheiben auf dem Heizkörper backt, weil er eine Antipathie gegen Toaster hegt, seit ihm einer mal einen Kurzschluss beschert und dabei den Strom im ganzen Block lahmgelegt hat?<br />
» ...mal versehentlich mit einer Autobatterie sein Handy aufladen wollte, weil <i>"Strom ist Strom"</i>?<br />
» ...seinen Van regelmäßig mit Kabelbindern, Panzertape und Gebeten zusammenhält?<br />
» ...eigentlich Höhenangst hat, aber trotzdem immer auf die Leiter klettert, wenn bei den Nachbarn die Satellitenschüssel nicht funktioniert?<br />
» ...im Jahr 2013 beinahe einen exzessiven Security-Gig für die Robbie-Williams-Comeback-Tour gebucht hätte?<br />
» ...in seinem Van eine komplette Werkzeugtasche, ein Ersatz-Shirt, drei Proteinriegel und eine vergessene Socke seiner Ex lagert, <i>just in case</i>?<br />
» ...von jedem Chicken Shop Besitzer in Manchester mindestens einmal gefragt wurde, ob er <i>der Bruder von diesem einen Rapper</i> ist?</div>
    <div class="p8">Familie</div>
<img src="https://i.ibb.co/4gm2SxmZ/Chuck.gif" style="margin: 10px; height: 100px; width: 100px; float: left;"><b>Chuck</b>, 29 Jahre alt. Deine Tochter und dein ganzer Stolz. Für sie hättest du alles getan, hast es auch. Du warst nie der Typ für lange Umarmungen oder Tagebuchweisheiten, aber du warst da. Immer. Hast sie abgeholt, nachdem sie abgehauen ist. Hast getröstet, wenn ihr Herz schwer war. Und hast ihr beigebracht, wie man nicht einknickt, auch wenn das Leben drückt. Chuck ist aus demselben Holz wie du, nur mit mehr Köpfchen und besserem Humor. Ihr habt euch oft gestritten, laut, ehrlich, aber nie ohne Respekt. Und selbst wenn sie dir heute widerspricht, weißt du: In ihrem Blick liegt dein ganzes Erbe. Sie ist nicht nur deine Tochter. Sie ist dein Spiegel, dein Kompass, deine weiche Stelle im Panzer. Ohne große Worte, einfach durch das, was sie ist.<br />
<br />
<img src="https://i.ibb.co/fzkVPy2T/Cherry.gif" style="margin: 10px; height: 100px; width: 100px; float: right;"><b>Cherry</b>, 7 Jahre alt.  Offiziell: <i>Dr. Pepper Zero Cherry Crush</i>. Inoffiziell: Die einzige Frau, die dich nie enttäuscht hat. 43 Kilo Muskeln, schwarzes Fell wie frisch poliert und ein Blick, der schon mehrfach dafür gesorgt hat, dass Jugendliche sich ganz schnell anders entschieden haben. Du sagst immer, Cherry sei wie du: Furchteinflößendes Äußeres, aber eine weiche Seele. Und loyal bis zum letzten Atemzug. Wenn du high bist, redest du manchmal mit ihr wie mit einem alten Kumpel, und wenn es dir dreckig geht, legt sie sich einfach kommentarlos an deine Füßen, als wüsste sie, dass reden eh nichts bringt. Sie ist dein Schatten, deine Türsteherin, deine Konstante. Und wahrscheinlich der Grund, warum du noch keinen kompletten Nervenzusammenbruch erlitten hast.<br />
<br />
<b>Familie</b> ist bei dir so ein Thema. Zu deiner Mutter hast du aus Selbstschutz seit Jahren keinen Kontakt mehr. Deinen Vater kennst du nicht, nie gekannt. Kein Bild, kein Ton, nur ein Schatten mit deinem Nachnamen. Deinen Bruder und deine zwei Schwestern siehst du immer mal wieder, mal auf 'nem Geburtstag, mal beim Arzt, mal zufällig in der Stadt. Es gibt kein Drama, aber auch keinen Gruppenchat. Jeder hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Gepäck. Ihr habt alle gelernt, allein klarzukommen. Vielleicht ist das euer gemeinsames Erbe. Und trotzdem: Wenn einer Hilfe braucht, wird nicht gefragt, sondern gemacht. So funktioniert Familie für dich. Weniger Blut, mehr Haltung.<br />
    <div class="p8">Charakter</div>
<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify">loyal # aufopferungsvoll # stur # herzlich # schroff # beschützend # mürrisch # hilfsbereit # verletzlich # stolz # rau # nachtragend # sensibel # bodenständig # pragmatisch # ungeduldig # gerechtigkeitsliebend # widerstandsfähig # eigenwillig # väterlich # respektvoll # altmodisch # direkt # emotional verklemmt # gefährlich (wenn man's drauf anlegt) # zuverlässig</div>
<br />
Du bist der Hauptprotagonist aus diesem rassistischen Lied: <i>Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?</i> Typen gucken weg, wenn sie dich sehen. Frauen wechseln die Straßenseite, wenn du ihnen entgegen kommst. Kreischende Kinder werden plötzlich still, wenn du sie anstarrst. Aber halt nur die, die dich nicht kennen. In Oldham ist jedem klar: Du bist ein Ort der Zuflucht. Seit zwanzig Jahren könnte man dich so 'ne Art wandelnde Institution nennen. Du trägst keine Weste mit Superheldenlogo, aber du bist der, der gerufen wird, wenn's kracht. Nachbarschaftsdramen, Eskalation im Treppenhaus, Stromausfall im Winter, du bist da, mit Werkzeugkasten, ruhiger Stimme und 'nem Plan. Du flickst Zäune, schiebst Nachtschichten, trägst Kühlschränke in den dritten Stock, hast zwar keine Ahnung von Strom, aber schon mehrmals eine Waschmaschine mit 'nem Schraubenzieher und YouTube gerettet. Dein Beschützerinstinkt ist <i>lethal</i>. Deine Loyalität unwiderruflich. Und wer's schafft, dein Vertrauen nicht zu missbrauchen, hat dich für immer im Rücken.<br />
<br />
Du hast keine Angst vor Dreck, vor Lärm, vor Chaos. Du bist aufgewachsen darin, für dich ist das Alltag. Wenn andere die Polizei rufen, ziehst du dir die Jacke an. Wenn andere wegsehen, bleibst du stehen. Und wenn einer der Jungs aus der Gegend spätabends durchdreht, weil ihm alles zu viel wird, dann ist deine Tür offen. Egal, wie spät es ist. Egal, was passiert ist. Du hast schon so viele Kids eingesammelt, die kurz vor'm Kippen standen, dass du den Überblick verlierst. Jungs und Mädels mit zu viel Wut und zu wenig Halt. Und du gibst ihnen, was sie brauchen: Klare Ansagen und das Gefühl der Zugehörigkeit. Deine Security-Firma ist kein Wohlfahrtsprojekt, aber jeder, der sich zusammenreißt, bekommt bei dir 'ne Chance. Ganz nach dem Motto <i>"Wer Scheiße baut, kriegt Ansage. Wer durchzieht, kriegt Respekt."</i> Ganz einfach.<br />
<br />
Du bist keiner, der große Reden schwingt oder Gefühle an die große Glocke hängt. Aber jeder, der dich kennt, weiß, dass hinter der breiten Brust ein riesiges Herz steckt. Eins, das sich nicht in Sprüchen ausdrückt, sondern in Taten. Im Stirn bieten gegenüber gewalttätigen Vätern; in belegten Broten für Kids, die nichts zu Hause haben; in Blicken, die sagen: <i>"Well done, kid."</i> Denn für dich zählt nicht, wer man war, sondern wer man werden kann. Du bist kein Heiliger, kein Coach, kein Messias. Du bist Jos. Big Poppa. Der mit den Schultern aus Stahl, der Faust in der Tasche und dem weichen Kern, den du nur zeigst, wenn's wirklich sein muss. Einer, auf den man zählen kann. Immer.<br />
    <div class="p8">Vergangenheit</div>
Du hast ne Story wie ausm Bilderbuch: Leider nicht eins der Guten, für Kinder, mit Happy End. Eher wie ne Foto-Lovestory aus der <i>SUN</i> mit dem ein oder anderen <i>mug shot</i> dazwischen. Aber du warst sowieso nicht gemacht für den <del>Amerikanischen</del> Britischen Traum. Aufgewachsenen in einer ranzigen Wohnung in Oldham, in jeder Ritze der Gestank nach kaltem Rauch, feuchter Wäsche und unausgesprochenem Frust. Als erstes Kind einer alleinerziehenden Mutter mit Migrationshintergrund und gebrochenen Englisch-Kenntnissen war deine Rolle schnell klar: Verantwortung übernehmen. Für dich und die Kinder, die nach dir kamen. Drei Geschwister von drei unterschiedlichen Vätern. Wenn du wenigstens <i>props</i> bekommen hättest, für alles, was du tun musstest, aber das ist halt das Ding mit dieser Verantwortung: Auch die Scheiße war deine Schuld. Die Konsequenz waren Schläge, schon immer. Aber <i>beatings</i> sind Teil deines Kulturguts, kein Grund zu flennen. Machste auch nicht (mehr). War ja auch ne gute Vorbereitung auf's echte Leben, verklärst du dir heute. Aber dass du selber niemals die Hand gegenüber deiner Tochter erheben würdest, sagt eigentlich alles.<br />
<br />
Schule war in deinem Leben nur 'ne Nebensache. In deinem von Chaos regiertem Zuhause konnten Hausaufgaben und Pünktlichkeit keine Priorität sein. Du warst eins dieser Kids, das morgens harte Nudeln knabbern und Slalom um leere Bierflaschen laufen musste. Das Windeln für die Geschwister im Supermarkt geklaut und die Kotze der besoffenen Mutter weggewischt hat. Dein Fokus war Überleben, nicht Lernen. Mittlerweile ist deine Kindheit und Jugend nur noch 'ne ferne Erinnerung, du tust so als wär's normal. War's ja auch, da wo du herkamst. Jeder ist durch Scheiße gegangen. Aber vergessen hast du trotzdem nichts.<br />
<br />
Mit Siebzehn hast du dich das erste Mal verknallt. Hals über Kopf, Gehirn aus. Irgendeine aus der Nachbarschaft, bisschen älter als du, bisschen freier, bisschen gefährlich. Das hat dich erst recht angezogen. Nach vier Wochen bist du bei ihr eingezogen, hast dieses Drecksloch deiner Mutter gegen ein eigenes getauscht. Die Beziehung war intensiv, überfordernd, toxisch. Und nach zwei Jahren warst du auf einmal Vater einer Tochter, Chuck. Dein ganzes verdammtes Herz. Du hast geackert für dieses Kind, wirklich wahr. Hast dich reingekniet. Das Leben kam trotzdem dazwischen, deiner Baby Mama wurde das High wichtiger, als eure kleine Familie. Betrug, Stress, Trennung. Du bist gegangen, aber das Sorgerecht blieb. Denn Mann, Schwarz, jung, Arbeiterklasse? Dein scheiß Stempel sprach gegen dich.<br />
<br />
Das hat dich gebrochen, man. Nicht auf einmal, sondern langsam. Du hast gearbeitet, hast angenommen, was ging: Tagsüber Baustellen, nachts Security. Irgendwie Geld scheffeln für Chuck. Schlaf wurde Luxus, Alkohol zur Routine. Um durchzuziehen, durchzuhalten. Für jedes zweite Wochenende mit deiner Tochter. Wenn sie da war, warst du 48 Stunden lang der Vater, der du immer sein wolltest, und gleichzeitig der Vater, den du selber gerne gehabt hättest. Nur wenn sie nicht da war, da hast du dich in Alkoholeskapaden und Frustration verloren.<br />
Du warst kurz davor ein Klischee zu werden: Fünf Kinder von fünf verschiedenen Frauen, absentes Arschloch, versoffener Wichser. Nach der zweiten Abtreibung und zu vielen <i>pregnancy scares</i> war dir irgendwie klar, dass du was ändern musst. Also nochmal von vorne. Reset. Entzug mit Ende Zwanzig. Kein Applaus dafür, kein <i>"Well done, kid"</i>, keine Unterstützung. Nur Zittern, Schmerzen und die ganze beschissene Wahrheit über dich selbst. Aber du hast durchgehalten, hast dein Leben auf Links gezogen. Du wurdest von dem Typen, vor dem jeder Angst hatte, zu demjenigen, den man bei Stress anrufen konnte. <br />
<br />
Als Chuck Dreizehn war, zog sie zu dir. Das hat dich bei der Stange gehalten. Du warst nicht immer ein guter Vater, manchmal biste aus der Haut gefahren, warst streng und unnachgiebig, nicht immer mit Recht, aber wenigstens warst du da. Jeden verdammten Tag. Du hast Frühstück gemacht, Schultasche kontrolliert, Fahrdienst gespielt, Arzttermine, alles. Wenn Chuck krank war, hattest du das Thermometer schon am Anschlag. Wenn's ne Aufführung in der Aula gab, saßt du im Publikum, übernächtigt, aber mit Blumen. Nicht perfekt, aber präsent. Ihr wurdet ein Team. Zwei Chaoten, irgendwie eingespielt. Du hast ihr Mathe beigebracht, obwohl du's selbst kaum konntest. Sie hat dich überredet zum Elternabend zu gehen. Und nach und nach warst du nicht mehr nur der, der alles zusammenhielt, sondern der, an dem man sich freiwillig festklammerte.<br />
<br />
Mit Chucks Auszug brauchtest du ne neue Lebensaufgabe, also hast du dich in den Job gekniet. Security war schon immer dein Ding, du hast den Scheiß jahrelang gemacht, aber auf einmal wurdest du dein eigener Chef. Eigene Firma, eigene Regeln. Du hast Jungs von der Straße eingestellt, ihnen Struktur gegeben. Keine Großspurigkeit, kein Business-Gelaber, einfach ehrliche Arbeit mit Haltung. Wer bei dir anfängt, kriegt Ansagen, aber auch Rückhalt. So wie du es früher gebraucht hättest.<br />
<br />
Irgendwie war alles gerade chillig bei dir, als Chucks Unfall kam. Ihr Typ betrunken am Steuer, Rendezvous mit einem Baum, tot noch an der Unfallstelle. Er zumindest, Chuck nicht. Aber seitdem sitzt sie im Rollstuhl, kann ihre Beine nicht mehr bewegen, musste das Leben nochmal neu kennenlernen. Schlimm, keine Frage, aber ihr wart stark. Beide. Keine Tränen-Soap, kein Selbstmitleid. Du hast sie angeschaut und gewusst: Wir packen das. Also wurde das Haus umgebaut, ihr Alltag neu organisiert. Ihr habt durchgezogen, mal wieder.<br />
<br />
Heute wohnt sie bei einem Freund, lebt ihr Leben. Und du? Du bist da, wo du sein willst. Kein Drama, keine Exzesse. Du machst deine Arbeit, hilfst deinen Leuten, pumpst im Gym, gehst mit Cherry spazieren. Du hast Struktur. Du hast Ruhe. Du hast Humor. Und manchmal, wenn Chuck abends anruft und du sie lachen hörst, dann denkst du: Vielleicht ist das hier genau das Happy End, das du verdienst. Nur halt keins mit Zuckerwatte, sondern eins mit Ecken, Kanten und 'nem richtig stabilen Fundament.<br />
  </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Josphat Kamau</div>
  <div class="p3">
    muscle and mercy</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9" style="margin-top: 55px">„</div>
      <div class="p10" style="text-transform: none; margin-top: 15px; width: 65%;">Raised by beatings, saved by reps. <br />
I press more than pain, I bench my regrets.</div>
    </div>
    <div style="display: flex; gap: 3px; width: 505px;"><img src="https://i.ibb.co/HDd7QNZG/Jos-01.gif" style="width: 160px; height: 200px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/tPZfTBy7/Jos-02.gif" style="width: 160px; height: 200px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/Q7P0s86p/Jos-03.gif" style="width: 160px; height: 200px; object-fit: cover;"></div>
  </div>
  <div class="p4">
    <table>
      <tr>
        <td class="p6">
          <div class="feldu" style="width: 150px; margin-left: 5px;">Effi</div>
          <div class="feldb2"><span class="bvpr">Alter // </span>48 Jahre</div>
          <div class="feldb2"><span class="bvpr">Job // </span>Security</div>
          <div class="feldb2"><span class="bvpr">Pizza // </span>Meat Lovers</div>
          <div class="feldb2"><span class="bvpr">Ava // </span>Idris Elba</div>
        </td>
        <td>
          <div class="p7">
          <div style="line-height: 14px"><img src="https://i.ibb.co/B5bYVbRK/tumblr-906ff0cb05bce9e1af8b96b5fb1586a6-c5be0d1e-400-1.gif" style="margin: 10px; height: 50px; width: 70px; float: left;">Während irgendein Anzugträger als Bürgermeister die Stadt regiert, gilt Josphat als das inoffizielle Oberhaupt von Oldham. Wer hier wohnt, kennt ihn. Wer ihn nicht kennt, hat entweder kein Sozialleben oder ist frisch zugezogen. Fast fünfzig, stabil gebaut, brettharte Schultern und ein Lächeln wie eine Kneipentür um drei Uhr morgens: Wird selten benutzt, quietscht ein bisschen, aber wenn's aufgeht, dann weißt du, du bist willkommen. Er raucht mehr Gras als ein Teenager in den 2000ern, nennt das aber Selbsttherapie, denn wer mit 19 Vater wurde, durch <i>beatings</i> der Mutter erzogen wurde und sich seither mit einem Alkoholproblem und einer Tonne Verantwortung rumschlägt, der darf sich auch mal wegschießen. Trockener Alkoholiker, ja, aber Weed? <i>That's medicine, bruv</i>. Wenn er nicht gerade high ist, nutzt Jos auch mal seine Ellenbogen – im Gym, wo er sich mit Hanteln und Bankdrücken durchs Leben stemmt, aber auch, wenn jemand Stress mit seinen Nachbarn macht. <i>Big Poppa</i> – niemals <i>Big Daddy</i> – ist der Mann, der deinen Kühlschrank repariert, deinen Hund aus dem Gulli zieht und gleichzeitig deinen Ex verprügelt, wenn's sein muss. Er weiß, wo du wohnst. Und wenn er's nicht weiß, kennt er jemanden, der's weiß. Für Jos zählt: Community first. Immer. Hinter der harten Schale steckt nämlich eigentlich ein verdammt weicher Kern.</div>
          </div>
        </td>
      </tr>
    </table>
    <div class="p8">Wusstest du, dass Jos...?</div>
<div style="width: 95%; margin:auto;">» …seit zwanzig Jahren trockener Alkoholiker ist und im Zuge dessen eine Obsession für <i>Dr. Pepper Zero Cherry Crush</i> entwickelt hat? <br />
» …in seiner Rottweiler Hündin Cherry (kurz für <i>Dr. Pepper Zero Cherry Crush</i>, duh) ein Ebenbild seiner selbst gefunden hat? Brutales Auftreten, aber ein richtig weiches Herz.<br />
» …viel zu viel tindern würde, wenn er verdammt nochmal endlich raffen würde wie der Scheiß funktioniert?<br />
» …technisch auf dem Stand von 1984 ist und regelmäßig denkt, sein Handy wäre kaputt, wenn's einfach nur ein Update will?<br />
» ...in der Nachbarschaft liebevoll Oldhams <i>Big Poppa</i> genannt wird, weil er jedem Kind, jedem Hund und jedem verdammten Paketboten schon mal die Haut gerettet hat?<br />
» …rasend wird, wenn jemand <i>Big Daddy</i> zu ihm sagt?<br />
» …seine Küche nur nutzt, um Fertiggerichte in den Ofen zu schieben (Diabetes und Herzinfarkt incoming)?<br />
» …in seinem Haus durchgehend 80s und 90s Rap-Musik blastet und schon mehrmals dabei erwischt wurde, wie er vor einem Spiegel dazu vibed?<br />
» ...seit Jahren denselben Trainingsplan fährt, der aus Zeiten stammt, in denen Tupac noch lebte (<i>"Never change a winning system, bruv"</i>)?<br />
» ...seine Toastscheiben auf dem Heizkörper backt, weil er eine Antipathie gegen Toaster hegt, seit ihm einer mal einen Kurzschluss beschert und dabei den Strom im ganzen Block lahmgelegt hat?<br />
» ...mal versehentlich mit einer Autobatterie sein Handy aufladen wollte, weil <i>"Strom ist Strom"</i>?<br />
» ...seinen Van regelmäßig mit Kabelbindern, Panzertape und Gebeten zusammenhält?<br />
» ...eigentlich Höhenangst hat, aber trotzdem immer auf die Leiter klettert, wenn bei den Nachbarn die Satellitenschüssel nicht funktioniert?<br />
» ...im Jahr 2013 beinahe einen exzessiven Security-Gig für die Robbie-Williams-Comeback-Tour gebucht hätte?<br />
» ...in seinem Van eine komplette Werkzeugtasche, ein Ersatz-Shirt, drei Proteinriegel und eine vergessene Socke seiner Ex lagert, <i>just in case</i>?<br />
» ...von jedem Chicken Shop Besitzer in Manchester mindestens einmal gefragt wurde, ob er <i>der Bruder von diesem einen Rapper</i> ist?</div>
    <div class="p8">Familie</div>
<img src="https://i.ibb.co/4gm2SxmZ/Chuck.gif" style="margin: 10px; height: 100px; width: 100px; float: left;"><b>Chuck</b>, 29 Jahre alt. Deine Tochter und dein ganzer Stolz. Für sie hättest du alles getan, hast es auch. Du warst nie der Typ für lange Umarmungen oder Tagebuchweisheiten, aber du warst da. Immer. Hast sie abgeholt, nachdem sie abgehauen ist. Hast getröstet, wenn ihr Herz schwer war. Und hast ihr beigebracht, wie man nicht einknickt, auch wenn das Leben drückt. Chuck ist aus demselben Holz wie du, nur mit mehr Köpfchen und besserem Humor. Ihr habt euch oft gestritten, laut, ehrlich, aber nie ohne Respekt. Und selbst wenn sie dir heute widerspricht, weißt du: In ihrem Blick liegt dein ganzes Erbe. Sie ist nicht nur deine Tochter. Sie ist dein Spiegel, dein Kompass, deine weiche Stelle im Panzer. Ohne große Worte, einfach durch das, was sie ist.<br />
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<img src="https://i.ibb.co/fzkVPy2T/Cherry.gif" style="margin: 10px; height: 100px; width: 100px; float: right;"><b>Cherry</b>, 7 Jahre alt.  Offiziell: <i>Dr. Pepper Zero Cherry Crush</i>. Inoffiziell: Die einzige Frau, die dich nie enttäuscht hat. 43 Kilo Muskeln, schwarzes Fell wie frisch poliert und ein Blick, der schon mehrfach dafür gesorgt hat, dass Jugendliche sich ganz schnell anders entschieden haben. Du sagst immer, Cherry sei wie du: Furchteinflößendes Äußeres, aber eine weiche Seele. Und loyal bis zum letzten Atemzug. Wenn du high bist, redest du manchmal mit ihr wie mit einem alten Kumpel, und wenn es dir dreckig geht, legt sie sich einfach kommentarlos an deine Füßen, als wüsste sie, dass reden eh nichts bringt. Sie ist dein Schatten, deine Türsteherin, deine Konstante. Und wahrscheinlich der Grund, warum du noch keinen kompletten Nervenzusammenbruch erlitten hast.<br />
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<b>Familie</b> ist bei dir so ein Thema. Zu deiner Mutter hast du aus Selbstschutz seit Jahren keinen Kontakt mehr. Deinen Vater kennst du nicht, nie gekannt. Kein Bild, kein Ton, nur ein Schatten mit deinem Nachnamen. Deinen Bruder und deine zwei Schwestern siehst du immer mal wieder, mal auf 'nem Geburtstag, mal beim Arzt, mal zufällig in der Stadt. Es gibt kein Drama, aber auch keinen Gruppenchat. Jeder hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Gepäck. Ihr habt alle gelernt, allein klarzukommen. Vielleicht ist das euer gemeinsames Erbe. Und trotzdem: Wenn einer Hilfe braucht, wird nicht gefragt, sondern gemacht. So funktioniert Familie für dich. Weniger Blut, mehr Haltung.<br />
    <div class="p8">Charakter</div>
<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify">loyal # aufopferungsvoll # stur # herzlich # schroff # beschützend # mürrisch # hilfsbereit # verletzlich # stolz # rau # nachtragend # sensibel # bodenständig # pragmatisch # ungeduldig # gerechtigkeitsliebend # widerstandsfähig # eigenwillig # väterlich # respektvoll # altmodisch # direkt # emotional verklemmt # gefährlich (wenn man's drauf anlegt) # zuverlässig</div>
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Du bist der Hauptprotagonist aus diesem rassistischen Lied: <i>Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?</i> Typen gucken weg, wenn sie dich sehen. Frauen wechseln die Straßenseite, wenn du ihnen entgegen kommst. Kreischende Kinder werden plötzlich still, wenn du sie anstarrst. Aber halt nur die, die dich nicht kennen. In Oldham ist jedem klar: Du bist ein Ort der Zuflucht. Seit zwanzig Jahren könnte man dich so 'ne Art wandelnde Institution nennen. Du trägst keine Weste mit Superheldenlogo, aber du bist der, der gerufen wird, wenn's kracht. Nachbarschaftsdramen, Eskalation im Treppenhaus, Stromausfall im Winter, du bist da, mit Werkzeugkasten, ruhiger Stimme und 'nem Plan. Du flickst Zäune, schiebst Nachtschichten, trägst Kühlschränke in den dritten Stock, hast zwar keine Ahnung von Strom, aber schon mehrmals eine Waschmaschine mit 'nem Schraubenzieher und YouTube gerettet. Dein Beschützerinstinkt ist <i>lethal</i>. Deine Loyalität unwiderruflich. Und wer's schafft, dein Vertrauen nicht zu missbrauchen, hat dich für immer im Rücken.<br />
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Du hast keine Angst vor Dreck, vor Lärm, vor Chaos. Du bist aufgewachsen darin, für dich ist das Alltag. Wenn andere die Polizei rufen, ziehst du dir die Jacke an. Wenn andere wegsehen, bleibst du stehen. Und wenn einer der Jungs aus der Gegend spätabends durchdreht, weil ihm alles zu viel wird, dann ist deine Tür offen. Egal, wie spät es ist. Egal, was passiert ist. Du hast schon so viele Kids eingesammelt, die kurz vor'm Kippen standen, dass du den Überblick verlierst. Jungs und Mädels mit zu viel Wut und zu wenig Halt. Und du gibst ihnen, was sie brauchen: Klare Ansagen und das Gefühl der Zugehörigkeit. Deine Security-Firma ist kein Wohlfahrtsprojekt, aber jeder, der sich zusammenreißt, bekommt bei dir 'ne Chance. Ganz nach dem Motto <i>"Wer Scheiße baut, kriegt Ansage. Wer durchzieht, kriegt Respekt."</i> Ganz einfach.<br />
<br />
Du bist keiner, der große Reden schwingt oder Gefühle an die große Glocke hängt. Aber jeder, der dich kennt, weiß, dass hinter der breiten Brust ein riesiges Herz steckt. Eins, das sich nicht in Sprüchen ausdrückt, sondern in Taten. Im Stirn bieten gegenüber gewalttätigen Vätern; in belegten Broten für Kids, die nichts zu Hause haben; in Blicken, die sagen: <i>"Well done, kid."</i> Denn für dich zählt nicht, wer man war, sondern wer man werden kann. Du bist kein Heiliger, kein Coach, kein Messias. Du bist Jos. Big Poppa. Der mit den Schultern aus Stahl, der Faust in der Tasche und dem weichen Kern, den du nur zeigst, wenn's wirklich sein muss. Einer, auf den man zählen kann. Immer.<br />
    <div class="p8">Vergangenheit</div>
Du hast ne Story wie ausm Bilderbuch: Leider nicht eins der Guten, für Kinder, mit Happy End. Eher wie ne Foto-Lovestory aus der <i>SUN</i> mit dem ein oder anderen <i>mug shot</i> dazwischen. Aber du warst sowieso nicht gemacht für den <del>Amerikanischen</del> Britischen Traum. Aufgewachsenen in einer ranzigen Wohnung in Oldham, in jeder Ritze der Gestank nach kaltem Rauch, feuchter Wäsche und unausgesprochenem Frust. Als erstes Kind einer alleinerziehenden Mutter mit Migrationshintergrund und gebrochenen Englisch-Kenntnissen war deine Rolle schnell klar: Verantwortung übernehmen. Für dich und die Kinder, die nach dir kamen. Drei Geschwister von drei unterschiedlichen Vätern. Wenn du wenigstens <i>props</i> bekommen hättest, für alles, was du tun musstest, aber das ist halt das Ding mit dieser Verantwortung: Auch die Scheiße war deine Schuld. Die Konsequenz waren Schläge, schon immer. Aber <i>beatings</i> sind Teil deines Kulturguts, kein Grund zu flennen. Machste auch nicht (mehr). War ja auch ne gute Vorbereitung auf's echte Leben, verklärst du dir heute. Aber dass du selber niemals die Hand gegenüber deiner Tochter erheben würdest, sagt eigentlich alles.<br />
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Schule war in deinem Leben nur 'ne Nebensache. In deinem von Chaos regiertem Zuhause konnten Hausaufgaben und Pünktlichkeit keine Priorität sein. Du warst eins dieser Kids, das morgens harte Nudeln knabbern und Slalom um leere Bierflaschen laufen musste. Das Windeln für die Geschwister im Supermarkt geklaut und die Kotze der besoffenen Mutter weggewischt hat. Dein Fokus war Überleben, nicht Lernen. Mittlerweile ist deine Kindheit und Jugend nur noch 'ne ferne Erinnerung, du tust so als wär's normal. War's ja auch, da wo du herkamst. Jeder ist durch Scheiße gegangen. Aber vergessen hast du trotzdem nichts.<br />
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Mit Siebzehn hast du dich das erste Mal verknallt. Hals über Kopf, Gehirn aus. Irgendeine aus der Nachbarschaft, bisschen älter als du, bisschen freier, bisschen gefährlich. Das hat dich erst recht angezogen. Nach vier Wochen bist du bei ihr eingezogen, hast dieses Drecksloch deiner Mutter gegen ein eigenes getauscht. Die Beziehung war intensiv, überfordernd, toxisch. Und nach zwei Jahren warst du auf einmal Vater einer Tochter, Chuck. Dein ganzes verdammtes Herz. Du hast geackert für dieses Kind, wirklich wahr. Hast dich reingekniet. Das Leben kam trotzdem dazwischen, deiner Baby Mama wurde das High wichtiger, als eure kleine Familie. Betrug, Stress, Trennung. Du bist gegangen, aber das Sorgerecht blieb. Denn Mann, Schwarz, jung, Arbeiterklasse? Dein scheiß Stempel sprach gegen dich.<br />
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Das hat dich gebrochen, man. Nicht auf einmal, sondern langsam. Du hast gearbeitet, hast angenommen, was ging: Tagsüber Baustellen, nachts Security. Irgendwie Geld scheffeln für Chuck. Schlaf wurde Luxus, Alkohol zur Routine. Um durchzuziehen, durchzuhalten. Für jedes zweite Wochenende mit deiner Tochter. Wenn sie da war, warst du 48 Stunden lang der Vater, der du immer sein wolltest, und gleichzeitig der Vater, den du selber gerne gehabt hättest. Nur wenn sie nicht da war, da hast du dich in Alkoholeskapaden und Frustration verloren.<br />
Du warst kurz davor ein Klischee zu werden: Fünf Kinder von fünf verschiedenen Frauen, absentes Arschloch, versoffener Wichser. Nach der zweiten Abtreibung und zu vielen <i>pregnancy scares</i> war dir irgendwie klar, dass du was ändern musst. Also nochmal von vorne. Reset. Entzug mit Ende Zwanzig. Kein Applaus dafür, kein <i>"Well done, kid"</i>, keine Unterstützung. Nur Zittern, Schmerzen und die ganze beschissene Wahrheit über dich selbst. Aber du hast durchgehalten, hast dein Leben auf Links gezogen. Du wurdest von dem Typen, vor dem jeder Angst hatte, zu demjenigen, den man bei Stress anrufen konnte. <br />
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Als Chuck Dreizehn war, zog sie zu dir. Das hat dich bei der Stange gehalten. Du warst nicht immer ein guter Vater, manchmal biste aus der Haut gefahren, warst streng und unnachgiebig, nicht immer mit Recht, aber wenigstens warst du da. Jeden verdammten Tag. Du hast Frühstück gemacht, Schultasche kontrolliert, Fahrdienst gespielt, Arzttermine, alles. Wenn Chuck krank war, hattest du das Thermometer schon am Anschlag. Wenn's ne Aufführung in der Aula gab, saßt du im Publikum, übernächtigt, aber mit Blumen. Nicht perfekt, aber präsent. Ihr wurdet ein Team. Zwei Chaoten, irgendwie eingespielt. Du hast ihr Mathe beigebracht, obwohl du's selbst kaum konntest. Sie hat dich überredet zum Elternabend zu gehen. Und nach und nach warst du nicht mehr nur der, der alles zusammenhielt, sondern der, an dem man sich freiwillig festklammerte.<br />
<br />
Mit Chucks Auszug brauchtest du ne neue Lebensaufgabe, also hast du dich in den Job gekniet. Security war schon immer dein Ding, du hast den Scheiß jahrelang gemacht, aber auf einmal wurdest du dein eigener Chef. Eigene Firma, eigene Regeln. Du hast Jungs von der Straße eingestellt, ihnen Struktur gegeben. Keine Großspurigkeit, kein Business-Gelaber, einfach ehrliche Arbeit mit Haltung. Wer bei dir anfängt, kriegt Ansagen, aber auch Rückhalt. So wie du es früher gebraucht hättest.<br />
<br />
Irgendwie war alles gerade chillig bei dir, als Chucks Unfall kam. Ihr Typ betrunken am Steuer, Rendezvous mit einem Baum, tot noch an der Unfallstelle. Er zumindest, Chuck nicht. Aber seitdem sitzt sie im Rollstuhl, kann ihre Beine nicht mehr bewegen, musste das Leben nochmal neu kennenlernen. Schlimm, keine Frage, aber ihr wart stark. Beide. Keine Tränen-Soap, kein Selbstmitleid. Du hast sie angeschaut und gewusst: Wir packen das. Also wurde das Haus umgebaut, ihr Alltag neu organisiert. Ihr habt durchgezogen, mal wieder.<br />
<br />
Heute wohnt sie bei einem Freund, lebt ihr Leben. Und du? Du bist da, wo du sein willst. Kein Drama, keine Exzesse. Du machst deine Arbeit, hilfst deinen Leuten, pumpst im Gym, gehst mit Cherry spazieren. Du hast Struktur. Du hast Ruhe. Du hast Humor. Und manchmal, wenn Chuck abends anruft und du sie lachen hörst, dann denkst du: Vielleicht ist das hier genau das Happy End, das du verdienst. Nur halt keins mit Zuckerwatte, sondern eins mit Ecken, Kanten und 'nem richtig stabilen Fundament.<br />
  </div>
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Joon-Ho Moon]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2410</link>
			<pubDate>Sun, 31 Mar 2024 20:59:39 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=516">Joon-Ho Moon</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2410</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
 <div class="p2">Joon-Ho Moon</div>
 <div class="p3">I’m so sick of smiling, dude</div>
 <div class="ph1">
  <div class="ph2">
   <div class="p9">„</div>
    <div class="p10"> Don’t have a mental health crisis on Bank holidays</div>
  </div>
   <img src="https://imgur.com/ySvkJLY.jpg"></div>
  <div class="p4">
   <div class="lfacts">
    <div>Tina</div>
    <div>Alter // 36 Jahre</div>
    <div>Job // Paramedic</div>
    <div>Pizza // Bacon</div>
    <div>Ava // Steven Yeun</div>
   </div>
  <div class="p7">
   <div class="p5-2"><img src="dein Gif!"></div>
  Joon-Ho, June, <i>John</i>, wenn man sich wirklich gar keine Mühe gibt – na alles besser als Moon Moon. Wenn der bei dir vor der Tür steht, hat er entweder einen Strauß Blumen dabei oder <i>gas and air</i> gegen die Schmerzen, also wenn er im Einsatz ist, versteht sich. Während er als Paramedic richtig abliefert (vor allem Patient*innen im Krankenhaus *finger guns*), kann’s bei neuen Leuten anfangs bisschen haken. Aber er is schon auch ein sozialer Typ, nur manchmal wär’s ganz hilfreich, wenn die anderen so viel Geduld mit ihm hätten wie er selbst auch für jede*n da draußen. Mit dem Job einher geht halt zwangsläufig ein bisschen holpriger Humor, oder liegt’s an seinem koreanisch-konservativen Elternhaus, auf die schiebt er ja auch ganz gern paar Sachen (aber nur sehr leise, weil er richtig Paranoia hat, dass seine Mum sonst alles hört, ja auch in 200 Meilen Entfernung). Jedenfalls hilft manchmal nichts anderes mehr, als nachts ins Kopfkissen zu schreien, aber ehrlich mal, wer kennt’s nicht. Dann sieht das Lächeln halt mal besonders fake aus, wenn ihm wieder drei Leute in der Schicht gestorben sind, weil selbst sein aggressiver Fahrstil nicht von Zauberhand die Straßen freiräumt, oder weil ihn seine Eltern dran erinnert haben, dass er mit Mitte 30 immer noch keine Frau und zwei Kinder hat - JA DOCH können jetzt alle mal bitte kurz ganz leise atmen, danke.</div>
<br />
<div class="p8">you’re so fine you blow my mind</div>
<br />
Seine <i>eomoni</i> is echt so eine ausgefuchste, die riecht wirklich alles 17 Meilen gegen den Wind – also wirklich von ‚Was ist der Nachbarin am anderen Ende der Straße angebrannt?‘ bis ‚Was hat Joon-Ho wieder ausgefressen, der tischt doch eine Lüge auf?‘. Die hat auch als erste gerafft, dass er gar nicht wirklich Medizin studiert, aber hat sie was gesagt Zuhause?? Neh, sie hat enttäuscht geguckt und so lange missbilligend mit der Zunge geschnalzt, bis <i>abeoji</i> beim Abendessen gefragt hat, was denn los sei, aber nix nix hat sie gesagt, beim Essen wird nicht gesprochen. Auch sonst nicht viel, also zumindest nicht über Konflikte oder persönliche Probleme, die werden schön mit so einer dauernden Anspannung in der kleinen Dreizimmerwohnung ausgesessen. Kein Wunder, dass es sich so eng und stickig anfühlt, aber ein Wunder, dass seine Schwester (Sookie hat sie sich dann genannt) sich den Scheiß nicht hat gefallen lassen und diese Grenzen einfach aufgebrochen hat, um so zu sein, wie sie sein wollte. <i>Einfach</i>, naja, hat Joon ja irgendwie nie geschafft, der erzählt den Eltern jetzt immer noch, er würde ab und zu zum Gottesdienst gehen, dabei wissen alle, dass das gelogen ist. Aber es is so viel einfacher als die immer gleichen Diskussionen und das Kopfschütteln von seinem <i>abeoji</i>, bei dem er so ‘nen festen kalten Ball aus Wut in der Kehle kriegt, den er runterschluckt bis zum Magengeschwür.<br />
<br />
Dabei war er wirklich gespannt gewesen auf dieses England, als seine Eltern ihm zu seinem fünften Geburtstag eröffnet hatten, dass sie da jetzt hinziehen würden. Warum, hatte er ehrlich gesagt nie so richtig verstanden, ihnen ging’s ja nie schlecht, <i>abeoji</i> verdiente ganz gut als Lehrer, <i>eomoni</i> gehörte ein kleiner Kiosk, wobei sie sich immer aufführte wie eine ‚richtige‘ Geschäftsfrau. Noch viel weniger hatte Joon-Ho allerdings kapiert, warum sie <i>halmeoni</i> nicht mitnehmen sollten bzw. sie wollte angeblich nicht und er hat drei Tage geschrien und geweint, weil der Verlust seiner Großmutter ihm sein kleines Herz rausgerissen hat. Inzwischen hat er ihr beigebracht, wie man Skype benutzt und telefoniert mindestens einmal die Woche mit ihr. Jedenfalls in England dann sah es enttäuschenderweise fast exakt so aus wie Zuhause, alle Menschen sahen aus wie Zuhause, die Sprache war dieselbe, es gab das gleiche Essen und geregnet hat es auch die ganze Zeit?! Keine Ahnung, warum man diesen langen Flug auf sich genommen hatte für das hier. Es sollte auch wirklich viel zu lange dauern, ehe Joon kapierte, dass New Malden nicht ganz England war und es außerhalb davon tatsächlich erstaunlich wenige koreanische Menschen gab. Mit dieser Erkenntnis musste er in seiner Jugend die verpasste englische Popkultur richtig überkompensieren, von Britpop und Spice Girls bis Princess Di (ICON) und Father Ted.<br />
<div class="p8">jump into the driver’s seat and put it into speed drive</div>
<br />
Seine Begeisterung für Krankenwagen ging schon ganz früh weit über die Freude am Blaulicht und Tatü-Tata hinaus. Die waren eine Zeit lang das einzige, was von außen in ihr Viertel kam, da schwang sowas Exotisches mit, allgemeine Aufregung und wenn die Typen da in Uniform mit ihren großen roten Rucksäcken durch die Straße und in ein Wohnhaus liefen, sahen die immer aus, als hätten die alles im Griff. Die Leute hatten Respekt vor denen, selbst die alten (gegen ihren Willen hierher mitgeschleppten) Großmütter, die sagten dann brav Danke zu denen und gaben ihnen so kleine Reiskuchen mit. Joon könnte ‘nen doppelten Backflip machen und vier Wochen irgendwessen nicht vorhandenen Rasen mähen und würde nicht diese Anerkennung verdienen. Und dann dieser eine Abend, er ist allein mit <i>eomoni</i> und seiner Schwester, da ist er so 12. Irgendein Krachen reißt ihn aus dem Schlaf und er findet seine stöhnende <i>eomoni</i> am Fuß der schmalen steilen Treppe, die die zwei mickrigen Etagen ihrer Wohnung verband. Offenbar war sie da runtergefallen und hatte sich schlimm irgendwas verdreht oder gebrochen, er konnte das nicht erkennen. Ob er Hilfe rufen sollte, hat er sie fünfmal gefragt, und sie jedes Mal NEIN nicht nötig, was sollen die ihr helfen, es ist doch alles okay. So ‚Okay‘, dass sie auch nach einer Stunde noch nicht aufstehen konnte und sich offenbar damit eingerichtet hatte, da jetzt auf dem Boden zu schlafen. Joon entschied dann irgendwann mit Herzrasen (und zu dem Zeitpunkt offiziell der Mann im Haus, weil <i>abeoji</i> nicht da war, klar) und gegen ihren Willen, das neue Telefon auszuprobieren und 999 zu wählen. Da erklärte er einer sehr freundlichen Stimme, was passiert war, und die sagte <i>no worries, wir schicken wen</i>. Und dann, keine zehn Minuten später, die er neben der Wohnungstür kauernd verbrachte und außer Reichweite seiner wütenden und erschöpften <i>eomoni</i>, kamen da zwei gut gelaunte Rettungssanitäter in ihre Wohnung, füllten den kleinen Raum und vollbrachten ein Wunder, was einem übers Wasser laufenden Jesus gleichkam. Diese sture, sture Frau, die er noch nie irgendwem hatte nachgeben sehen, die diskutierte erst in schlechtem Englisch und ließ sich dann widerwillig von den Rettungskräften auf einen Stuhl hieven, untersuchen und nach der Feststellung, dass sie wirklich nicht mit diesen Schmerzen selbstständig gehen konnte, in ein Krankenhaus fahren. ‚Gut gemacht‘, sagte der eine große Mann zu ihm und klopfte ihm auf die Schulter wie so ‘nem Erwachsenen. Das—hatte noch nie jemand zu ihm gesagt?! Zwei Tage später war alles wieder vergessen, und seine <i>eomoni</i> humpelte mit geschientem Bein und kaum schmerzverzerrtem Gesicht durch die Küche und sprach nie wieder über diesen Vorfall. Aber für Joon veränderte das alles.<br />
<div class="p8">hot, ridin‘ through the streets, on a different frequency</div>
<br />
Über seine Noten muss man wohl nicht reden, oder?! Joon hatte ehrlicherweise aber auch nichts zu tun neben der Schule (also außer: Gitarrenunterricht, die Judostunden, das Aushelfen in der Gemeinde und der Nachhilfeunterricht für die englischen Kids, die ihn als Dankeschön regelmäßig auf seinem Schulweg verprügelt haben) und war echt bestens vorbereitet auf jedes Studium, das man sich wünschen konnte. ‚Medizin‘, erzählt er seinen Eltern, während er zwei Jahre in der Rettungsleitstelle arbeitet, um sich die Studiengebühren zu finanzieren. Dieser Job, so schrecklich, wie der ist, weil man am Telefon nichts machen kann, außer ruhig auf die Anrufenden einzureden und im Zweifelsfall in Reanimation und Geburtshilfe anzuleiten, treibt ihn aber nochmal richtig an, Paramedic Science zu studieren. Heimlich, irgendwie, dafür zieht er auch in ein winziges Loch von Wohnung (zwei Straßen weiter, ein Wunder auch, wie er die Wohnsituation die Jahre davor mit einer pubertierenden Schwester überlebt hat, allein davon hat er safe PTSD) und sucht sich eine Uni so weit weg, dass er neben den anderthalb Stunden pendeln pro Strecke jeden Tag leider gar keine Zeit mehr hat für ausführliche Gespräche mit den Eltern – wo er am Wochenende natürlich brav zum Essen erscheint.<br />
<br />
Sechs Jahre, gefühlte fünfzig Praktika und paar Weiterbildungen später kennt er London so gut, als hätte er sich den Stadtplan ins Hirn implantiert, ohne besonders viel Freizeit da zu verbringen. Wenn Joon seine grüne NHS Uniform anzieht, dann ist er echt ein anderer Mensch, aufrechte Haltung, Selbstsicherheit, er ruht in sich selbst (außer wenn er mit einem Category 1 Einsatz im Berufsverkehr steckt). Wahrscheinlich hat auch genau dieser Zustand geholfen, seine Freundin kennenzulernen, Tara, die ihm über Wochen immer wieder Notrufe übers Funkgerät weitergegeben hat und nach den Einsätzen Updates eingeholt hat, und man kommt ja echt ins Reden und irgendwann fragt er sie, ob sie sich nach der Schicht treffen wollen. Zwei Monate später ziehen sie zusammen, damit sie sich bei den beschissenen Arbeitszeiten überhaupt mal sehen, ein Stück außerhalb von London. Joon macht die Wohnung hübsch, viele Pflanzen, viel Licht, damit sie wirklich den perfekten Ort für sich haben. Ach, denkt er, so kann’s also sein, die sind schon richtig glücklich zusammen. Bis es irgendwann darum geht, mal seine Eltern kennenzulernen (Joons Schwiegereltern lieben ihn) und er beichten muss, dass die noch gar nichts von Tara wissen. Weil, das versteht sie nicht, wie die so drauf sind, sagt er immer wieder. Ums ihr zu beweisen, lädt er die Eltern dann irgendwann in die gemeinsame Wohnung ein. Joon hat frische Blumen gekauft, geputzt ohne Ende, gekocht, sein Hemd hat keine Falten und die scheiß Sonne scheint durch strahlend saubere Fenster – what could possibly go wrong. Drei Stunden später, nachdem die mit Laseraugen jede schiefe Fliese vermessen haben, jedes welke Blatt an den Zimmerpflanzen inspiziert und seine Pajeon nicht mal angerührt, steht Joon am Rande des Nervenzusammenbruchs, während Tara sagt, na lief doch okay. Dass ausgerechnet seine Eltern der Grund für ihren ersten größeren Streit werden, ist auch absolut bezeichnend.<br />
<div class="p8">now you know just what I mean, we’re runnin’ through the red lights</div>
<br />
Mit dem Näherrücken seines 30. lässt sich auch die lauernde existenzielle Krise immer schlechter kleinreden. Komischerweise hilft es auch gar nicht, als Advanced Paramedic immer mehr Einsätze alleine zu fahren und anzuleiten und dann keinen zum drüber reden zu haben. Seine Eltern haben sich halbwegs arrangiert mit seinem Job, immerhin trägt er Uniform und verdient nicht zu schlecht. Klar, ist sein Beziehungsstatus ein Problem, und nein, er hat wirklich nicht vor, ihnen in diesem Leben noch zu erzählen, dass er auch Männer datet. Joon weiß ja, was ‘ne Panikattacke ist und ahnt auch, wie sich ein Burnout anfühlen muss, aber er bringt das nur bedingt zusammen mit den vier tätlichen Angriffen und den zwanzig Herzinfarkten, von denen er genau zu einem rechtzeitig auftauchen konnte – alles innerhalb von drei Wochen. Es ist ihm nicht ganz klar, was es letztendlich ist, aber Joon weiß, dass er platzt, wenn er nichts ändert und dann nimmt er die nächstbeste Stellenausschreibung vom North West Ambulance Service an und zieht nach Manchester. Scheiß drauf. Es fühlt sich an wie eine Erwachsenenentscheidung und vor allem fühlt es sich an, als könnte Joon da wieder richtig atmen. Zwar gibt es hier genauso viele Einsätze wegen Stichverletzungen und wirklich entspannt wird der Job auf einmal nicht, aber er fährt wieder im Team im Rettungswagen und das ist einfach sein happy place. Manche Fälle kicken schon extra: einsame alte Menschen, Babys auch immer schlimm, suizidale Personen. Nach manchen Schichten ruft er seine Schwester an, um sicher zu gehen, dass sie okay ist. Geht schon insgesamt, sagt Joon, bis es halt mal zwischendurch nicht geht – aber wer kennt’s nicht. <i>He’s fine.</i><br />
<br />
Joon-Ho… <br />
kümmert sich rührend um seine Zimmerpflanzen # hat einen Reiskocher, der eine (schreckliche) Melodie abspielt, wenn der Reis fertig ist # kann auch ziemlich gut kochen # macht seit paar Jahren genau so viel Sport, dass er 30 Minuten CPR aushält # bringt im RTW wirklich jede 80-jährige Patientin zum Lachen # und muss dann privat seinen Humor wieder updaten # kann in fünf Sprachen die Basics über eine Person erfragen und rausfinden, wo es wehtut # fährt die meisten Wege mit dem Rennrad # geht ganz gerne im Umland wandern # würde nie 'Mum' und 'Dad' zu seinen Eltern sagen, weil die ihn dann endgültig verstoßen # fühlt sich immer noch bisschen fremd an vielen Orten # lässt sich das aber nicht anmerken # lässt sich überhaupt relativ wenig schlechte Gefühle anmerken # will nämlich wirklich auf keinen Fall negativ auffallen # is aber schon relativ emotional # hat damit auch wirklich Phasen, wo’s ihm richtig gut geht # und Phasen, wo er die Vorhänge nicht aufmacht und Counterstrike spielt # trinkt nicht so häufig Alkohol (und raucht bei den Gelegenheiten aber) # und kifft noch viel seltener # liebt seinen Job echt über alles (vor allem das laute Mitsingen von schlechten Radiosongs mit den Kolleg*innen) # verzweifelt trotzdem jeden Tag mindestens dreimal im Dienst # hasst seinen dummen Spitznamen, so dämlich stellt er sich doch wirklich nicht an, er ist echt kein Tollpatsch oder so, nur weil er manchmal bisschen nervös wird, wenn Leute mit ihm flirten, also wem geht’s da bitte nicht so, und überhaupt # hätte gerne die Fähigkeit, seine Wut adäquat zu äußern und sich gelegentlich mal Luft zu machen # ist dafür über die Jahre ziemlich gut in Counterstrike geworden # und hat die Weiterbildung für psychosoziale Interventionen # muss zu Weed immer <i>wacky backy</i> sagen, seit eine 78-jährige Patientin ihr medizinisches Gras so genannt hat<br />
<br />
</div></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
 <div class="p2">Joon-Ho Moon</div>
 <div class="p3">I’m so sick of smiling, dude</div>
 <div class="ph1">
  <div class="ph2">
   <div class="p9">„</div>
    <div class="p10"> Don’t have a mental health crisis on Bank holidays</div>
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   <img src="https://imgur.com/ySvkJLY.jpg"></div>
  <div class="p4">
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    <div>Tina</div>
    <div>Alter // 36 Jahre</div>
    <div>Job // Paramedic</div>
    <div>Pizza // Bacon</div>
    <div>Ava // Steven Yeun</div>
   </div>
  <div class="p7">
   <div class="p5-2"><img src="dein Gif!"></div>
  Joon-Ho, June, <i>John</i>, wenn man sich wirklich gar keine Mühe gibt – na alles besser als Moon Moon. Wenn der bei dir vor der Tür steht, hat er entweder einen Strauß Blumen dabei oder <i>gas and air</i> gegen die Schmerzen, also wenn er im Einsatz ist, versteht sich. Während er als Paramedic richtig abliefert (vor allem Patient*innen im Krankenhaus *finger guns*), kann’s bei neuen Leuten anfangs bisschen haken. Aber er is schon auch ein sozialer Typ, nur manchmal wär’s ganz hilfreich, wenn die anderen so viel Geduld mit ihm hätten wie er selbst auch für jede*n da draußen. Mit dem Job einher geht halt zwangsläufig ein bisschen holpriger Humor, oder liegt’s an seinem koreanisch-konservativen Elternhaus, auf die schiebt er ja auch ganz gern paar Sachen (aber nur sehr leise, weil er richtig Paranoia hat, dass seine Mum sonst alles hört, ja auch in 200 Meilen Entfernung). Jedenfalls hilft manchmal nichts anderes mehr, als nachts ins Kopfkissen zu schreien, aber ehrlich mal, wer kennt’s nicht. Dann sieht das Lächeln halt mal besonders fake aus, wenn ihm wieder drei Leute in der Schicht gestorben sind, weil selbst sein aggressiver Fahrstil nicht von Zauberhand die Straßen freiräumt, oder weil ihn seine Eltern dran erinnert haben, dass er mit Mitte 30 immer noch keine Frau und zwei Kinder hat - JA DOCH können jetzt alle mal bitte kurz ganz leise atmen, danke.</div>
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<div class="p8">you’re so fine you blow my mind</div>
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Seine <i>eomoni</i> is echt so eine ausgefuchste, die riecht wirklich alles 17 Meilen gegen den Wind – also wirklich von ‚Was ist der Nachbarin am anderen Ende der Straße angebrannt?‘ bis ‚Was hat Joon-Ho wieder ausgefressen, der tischt doch eine Lüge auf?‘. Die hat auch als erste gerafft, dass er gar nicht wirklich Medizin studiert, aber hat sie was gesagt Zuhause?? Neh, sie hat enttäuscht geguckt und so lange missbilligend mit der Zunge geschnalzt, bis <i>abeoji</i> beim Abendessen gefragt hat, was denn los sei, aber nix nix hat sie gesagt, beim Essen wird nicht gesprochen. Auch sonst nicht viel, also zumindest nicht über Konflikte oder persönliche Probleme, die werden schön mit so einer dauernden Anspannung in der kleinen Dreizimmerwohnung ausgesessen. Kein Wunder, dass es sich so eng und stickig anfühlt, aber ein Wunder, dass seine Schwester (Sookie hat sie sich dann genannt) sich den Scheiß nicht hat gefallen lassen und diese Grenzen einfach aufgebrochen hat, um so zu sein, wie sie sein wollte. <i>Einfach</i>, naja, hat Joon ja irgendwie nie geschafft, der erzählt den Eltern jetzt immer noch, er würde ab und zu zum Gottesdienst gehen, dabei wissen alle, dass das gelogen ist. Aber es is so viel einfacher als die immer gleichen Diskussionen und das Kopfschütteln von seinem <i>abeoji</i>, bei dem er so ‘nen festen kalten Ball aus Wut in der Kehle kriegt, den er runterschluckt bis zum Magengeschwür.<br />
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Dabei war er wirklich gespannt gewesen auf dieses England, als seine Eltern ihm zu seinem fünften Geburtstag eröffnet hatten, dass sie da jetzt hinziehen würden. Warum, hatte er ehrlich gesagt nie so richtig verstanden, ihnen ging’s ja nie schlecht, <i>abeoji</i> verdiente ganz gut als Lehrer, <i>eomoni</i> gehörte ein kleiner Kiosk, wobei sie sich immer aufführte wie eine ‚richtige‘ Geschäftsfrau. Noch viel weniger hatte Joon-Ho allerdings kapiert, warum sie <i>halmeoni</i> nicht mitnehmen sollten bzw. sie wollte angeblich nicht und er hat drei Tage geschrien und geweint, weil der Verlust seiner Großmutter ihm sein kleines Herz rausgerissen hat. Inzwischen hat er ihr beigebracht, wie man Skype benutzt und telefoniert mindestens einmal die Woche mit ihr. Jedenfalls in England dann sah es enttäuschenderweise fast exakt so aus wie Zuhause, alle Menschen sahen aus wie Zuhause, die Sprache war dieselbe, es gab das gleiche Essen und geregnet hat es auch die ganze Zeit?! Keine Ahnung, warum man diesen langen Flug auf sich genommen hatte für das hier. Es sollte auch wirklich viel zu lange dauern, ehe Joon kapierte, dass New Malden nicht ganz England war und es außerhalb davon tatsächlich erstaunlich wenige koreanische Menschen gab. Mit dieser Erkenntnis musste er in seiner Jugend die verpasste englische Popkultur richtig überkompensieren, von Britpop und Spice Girls bis Princess Di (ICON) und Father Ted.<br />
<div class="p8">jump into the driver’s seat and put it into speed drive</div>
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Seine Begeisterung für Krankenwagen ging schon ganz früh weit über die Freude am Blaulicht und Tatü-Tata hinaus. Die waren eine Zeit lang das einzige, was von außen in ihr Viertel kam, da schwang sowas Exotisches mit, allgemeine Aufregung und wenn die Typen da in Uniform mit ihren großen roten Rucksäcken durch die Straße und in ein Wohnhaus liefen, sahen die immer aus, als hätten die alles im Griff. Die Leute hatten Respekt vor denen, selbst die alten (gegen ihren Willen hierher mitgeschleppten) Großmütter, die sagten dann brav Danke zu denen und gaben ihnen so kleine Reiskuchen mit. Joon könnte ‘nen doppelten Backflip machen und vier Wochen irgendwessen nicht vorhandenen Rasen mähen und würde nicht diese Anerkennung verdienen. Und dann dieser eine Abend, er ist allein mit <i>eomoni</i> und seiner Schwester, da ist er so 12. Irgendein Krachen reißt ihn aus dem Schlaf und er findet seine stöhnende <i>eomoni</i> am Fuß der schmalen steilen Treppe, die die zwei mickrigen Etagen ihrer Wohnung verband. Offenbar war sie da runtergefallen und hatte sich schlimm irgendwas verdreht oder gebrochen, er konnte das nicht erkennen. Ob er Hilfe rufen sollte, hat er sie fünfmal gefragt, und sie jedes Mal NEIN nicht nötig, was sollen die ihr helfen, es ist doch alles okay. So ‚Okay‘, dass sie auch nach einer Stunde noch nicht aufstehen konnte und sich offenbar damit eingerichtet hatte, da jetzt auf dem Boden zu schlafen. Joon entschied dann irgendwann mit Herzrasen (und zu dem Zeitpunkt offiziell der Mann im Haus, weil <i>abeoji</i> nicht da war, klar) und gegen ihren Willen, das neue Telefon auszuprobieren und 999 zu wählen. Da erklärte er einer sehr freundlichen Stimme, was passiert war, und die sagte <i>no worries, wir schicken wen</i>. Und dann, keine zehn Minuten später, die er neben der Wohnungstür kauernd verbrachte und außer Reichweite seiner wütenden und erschöpften <i>eomoni</i>, kamen da zwei gut gelaunte Rettungssanitäter in ihre Wohnung, füllten den kleinen Raum und vollbrachten ein Wunder, was einem übers Wasser laufenden Jesus gleichkam. Diese sture, sture Frau, die er noch nie irgendwem hatte nachgeben sehen, die diskutierte erst in schlechtem Englisch und ließ sich dann widerwillig von den Rettungskräften auf einen Stuhl hieven, untersuchen und nach der Feststellung, dass sie wirklich nicht mit diesen Schmerzen selbstständig gehen konnte, in ein Krankenhaus fahren. ‚Gut gemacht‘, sagte der eine große Mann zu ihm und klopfte ihm auf die Schulter wie so ‘nem Erwachsenen. Das—hatte noch nie jemand zu ihm gesagt?! Zwei Tage später war alles wieder vergessen, und seine <i>eomoni</i> humpelte mit geschientem Bein und kaum schmerzverzerrtem Gesicht durch die Küche und sprach nie wieder über diesen Vorfall. Aber für Joon veränderte das alles.<br />
<div class="p8">hot, ridin‘ through the streets, on a different frequency</div>
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Über seine Noten muss man wohl nicht reden, oder?! Joon hatte ehrlicherweise aber auch nichts zu tun neben der Schule (also außer: Gitarrenunterricht, die Judostunden, das Aushelfen in der Gemeinde und der Nachhilfeunterricht für die englischen Kids, die ihn als Dankeschön regelmäßig auf seinem Schulweg verprügelt haben) und war echt bestens vorbereitet auf jedes Studium, das man sich wünschen konnte. ‚Medizin‘, erzählt er seinen Eltern, während er zwei Jahre in der Rettungsleitstelle arbeitet, um sich die Studiengebühren zu finanzieren. Dieser Job, so schrecklich, wie der ist, weil man am Telefon nichts machen kann, außer ruhig auf die Anrufenden einzureden und im Zweifelsfall in Reanimation und Geburtshilfe anzuleiten, treibt ihn aber nochmal richtig an, Paramedic Science zu studieren. Heimlich, irgendwie, dafür zieht er auch in ein winziges Loch von Wohnung (zwei Straßen weiter, ein Wunder auch, wie er die Wohnsituation die Jahre davor mit einer pubertierenden Schwester überlebt hat, allein davon hat er safe PTSD) und sucht sich eine Uni so weit weg, dass er neben den anderthalb Stunden pendeln pro Strecke jeden Tag leider gar keine Zeit mehr hat für ausführliche Gespräche mit den Eltern – wo er am Wochenende natürlich brav zum Essen erscheint.<br />
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Sechs Jahre, gefühlte fünfzig Praktika und paar Weiterbildungen später kennt er London so gut, als hätte er sich den Stadtplan ins Hirn implantiert, ohne besonders viel Freizeit da zu verbringen. Wenn Joon seine grüne NHS Uniform anzieht, dann ist er echt ein anderer Mensch, aufrechte Haltung, Selbstsicherheit, er ruht in sich selbst (außer wenn er mit einem Category 1 Einsatz im Berufsverkehr steckt). Wahrscheinlich hat auch genau dieser Zustand geholfen, seine Freundin kennenzulernen, Tara, die ihm über Wochen immer wieder Notrufe übers Funkgerät weitergegeben hat und nach den Einsätzen Updates eingeholt hat, und man kommt ja echt ins Reden und irgendwann fragt er sie, ob sie sich nach der Schicht treffen wollen. Zwei Monate später ziehen sie zusammen, damit sie sich bei den beschissenen Arbeitszeiten überhaupt mal sehen, ein Stück außerhalb von London. Joon macht die Wohnung hübsch, viele Pflanzen, viel Licht, damit sie wirklich den perfekten Ort für sich haben. Ach, denkt er, so kann’s also sein, die sind schon richtig glücklich zusammen. Bis es irgendwann darum geht, mal seine Eltern kennenzulernen (Joons Schwiegereltern lieben ihn) und er beichten muss, dass die noch gar nichts von Tara wissen. Weil, das versteht sie nicht, wie die so drauf sind, sagt er immer wieder. Ums ihr zu beweisen, lädt er die Eltern dann irgendwann in die gemeinsame Wohnung ein. Joon hat frische Blumen gekauft, geputzt ohne Ende, gekocht, sein Hemd hat keine Falten und die scheiß Sonne scheint durch strahlend saubere Fenster – what could possibly go wrong. Drei Stunden später, nachdem die mit Laseraugen jede schiefe Fliese vermessen haben, jedes welke Blatt an den Zimmerpflanzen inspiziert und seine Pajeon nicht mal angerührt, steht Joon am Rande des Nervenzusammenbruchs, während Tara sagt, na lief doch okay. Dass ausgerechnet seine Eltern der Grund für ihren ersten größeren Streit werden, ist auch absolut bezeichnend.<br />
<div class="p8">now you know just what I mean, we’re runnin’ through the red lights</div>
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Mit dem Näherrücken seines 30. lässt sich auch die lauernde existenzielle Krise immer schlechter kleinreden. Komischerweise hilft es auch gar nicht, als Advanced Paramedic immer mehr Einsätze alleine zu fahren und anzuleiten und dann keinen zum drüber reden zu haben. Seine Eltern haben sich halbwegs arrangiert mit seinem Job, immerhin trägt er Uniform und verdient nicht zu schlecht. Klar, ist sein Beziehungsstatus ein Problem, und nein, er hat wirklich nicht vor, ihnen in diesem Leben noch zu erzählen, dass er auch Männer datet. Joon weiß ja, was ‘ne Panikattacke ist und ahnt auch, wie sich ein Burnout anfühlen muss, aber er bringt das nur bedingt zusammen mit den vier tätlichen Angriffen und den zwanzig Herzinfarkten, von denen er genau zu einem rechtzeitig auftauchen konnte – alles innerhalb von drei Wochen. Es ist ihm nicht ganz klar, was es letztendlich ist, aber Joon weiß, dass er platzt, wenn er nichts ändert und dann nimmt er die nächstbeste Stellenausschreibung vom North West Ambulance Service an und zieht nach Manchester. Scheiß drauf. Es fühlt sich an wie eine Erwachsenenentscheidung und vor allem fühlt es sich an, als könnte Joon da wieder richtig atmen. Zwar gibt es hier genauso viele Einsätze wegen Stichverletzungen und wirklich entspannt wird der Job auf einmal nicht, aber er fährt wieder im Team im Rettungswagen und das ist einfach sein happy place. Manche Fälle kicken schon extra: einsame alte Menschen, Babys auch immer schlimm, suizidale Personen. Nach manchen Schichten ruft er seine Schwester an, um sicher zu gehen, dass sie okay ist. Geht schon insgesamt, sagt Joon, bis es halt mal zwischendurch nicht geht – aber wer kennt’s nicht. <i>He’s fine.</i><br />
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Joon-Ho… <br />
kümmert sich rührend um seine Zimmerpflanzen # hat einen Reiskocher, der eine (schreckliche) Melodie abspielt, wenn der Reis fertig ist # kann auch ziemlich gut kochen # macht seit paar Jahren genau so viel Sport, dass er 30 Minuten CPR aushält # bringt im RTW wirklich jede 80-jährige Patientin zum Lachen # und muss dann privat seinen Humor wieder updaten # kann in fünf Sprachen die Basics über eine Person erfragen und rausfinden, wo es wehtut # fährt die meisten Wege mit dem Rennrad # geht ganz gerne im Umland wandern # würde nie 'Mum' und 'Dad' zu seinen Eltern sagen, weil die ihn dann endgültig verstoßen # fühlt sich immer noch bisschen fremd an vielen Orten # lässt sich das aber nicht anmerken # lässt sich überhaupt relativ wenig schlechte Gefühle anmerken # will nämlich wirklich auf keinen Fall negativ auffallen # is aber schon relativ emotional # hat damit auch wirklich Phasen, wo’s ihm richtig gut geht # und Phasen, wo er die Vorhänge nicht aufmacht und Counterstrike spielt # trinkt nicht so häufig Alkohol (und raucht bei den Gelegenheiten aber) # und kifft noch viel seltener # liebt seinen Job echt über alles (vor allem das laute Mitsingen von schlechten Radiosongs mit den Kolleg*innen) # verzweifelt trotzdem jeden Tag mindestens dreimal im Dienst # hasst seinen dummen Spitznamen, so dämlich stellt er sich doch wirklich nicht an, er ist echt kein Tollpatsch oder so, nur weil er manchmal bisschen nervös wird, wenn Leute mit ihm flirten, also wem geht’s da bitte nicht so, und überhaupt # hätte gerne die Fähigkeit, seine Wut adäquat zu äußern und sich gelegentlich mal Luft zu machen # ist dafür über die Jahre ziemlich gut in Counterstrike geworden # und hat die Weiterbildung für psychosoziale Interventionen # muss zu Weed immer <i>wacky backy</i> sagen, seit eine 78-jährige Patientin ihr medizinisches Gras so genannt hat<br />
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		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Jesse 'Jay' Ruffino]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=729</link>
			<pubDate>Tue, 30 May 2017 15:41:42 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=189">Jesse Ruffino</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Jesse Ruffino</div>
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      <div>Alter // 42 Jahre</div>
      <div>
        Job // Chef de Cuisine</div>
      <div>
        Pizza // Tripe</div>
      <div>
        Ava // Josh Homme</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src=https://imgur.com/LiuQdiD.gif><br />
      </div>
      Seine besten Freunde heißen Jägermeister und Tequila. Aber es dürfen auch alle anderen mitmachen, die ihn ertragen. Die Leute mögen ihn ja, weil er die Sachen ganz offen und unverblümt sagt ODER sie finden ihn kacke, weil er ihnen derbe über die Füße getrampelt ist, wenn sie zur Kategorie 'Vegetarier', 'pretentious Hipster' oder 'Foodie' gehören. Jay gilt halt auch als egozentrisch, laut und ungehobelt - inner Küche und privat. Dafür ist sein Essen ohne Chichi, auf dem Teller ist Blut sein liebstes Accessoire. Aber weißte, so stur ist der ja gar nicht, er pöbelt halt nur gern. Der lernt voll gerne neue Sachen und weiß ganz genau, dass er nicht der beste Koch der Welt ist; aber psst. Solche Einsichten gehören in seinen Kopf und gehen eigentlich niemanden was an. Wenn der mal ernsthaft düster wird, muss die Kacke schon am lodern sein. Bist ja auf der sicheren Seite, wenn du seiner Regel folgst: Don't touch my dick, don't touch my knives. Aber er macht Ausnahmen, der Ami kommt schließlich aus den Siebzigern und kennt die Vorzüge von beiden Geschlechtern. Den vulgären Kommentar dazu gibt's kostenlos. <br />
    </div>
    <div class="p8">new kid on the block</div>
    Die 70er sind so lässig und unbeschwert wie ein buntes Pop-Musikvideo. Jesse Ruffino wird mittendrein in diese Welt geworfen und hätte ja kein Problem damit, wenn ihm seine Eltern nicht diesen dämlichen Mädchennamen gegeben hätten. Aber der Junge lernt schon früh, dass alles besser wird, wenn man nur die Klappe weit genug aufreißt. (Also meistens wird dann tatsächlich alles schlimmer, aber für die Erkenntnis fehlt ihm in den nächsten ca. 40 Jahren die Selbstreflexion.) Ansonsten sind alle so 'HURRA', weil die vermutlich noch genügend Marihuana im System haben und wenn man sich die perfekte Nachbarschaft für eine wohlbehütete Kindheit vorstellen will, dann denkt man hier an South Boston, wo alle Arbeit haben und Geld verdienen und Schwarze, Hispanics und Weiße (vor allem ein Haufen Iren) voll tolerant zusammen leben. Seine Familie ist ja auch so: Mom Izzy (geb. Ripert) halb französisch, halb amerikanisch, Dad Jon halb Südstaatler, ein Viertel Ire und ein Viertel Italiener. Oder war da noch ein Achtel Finne irgendwo – keine Ahnung. Jesse und der drei Jahre jüngere Lewis haben also die Welt im Blut und verstehen unter Rassismus, wenn jemand lieber eine Bulldogge statt einen Dackel haben will.<br />
<br />
In seinem elften Sommer nun trug es sich zu, uhm.. Er wäre ja am liebsten Zuhause geblieben, aber die Eltern bestehen auf den Familientrip nach Frankreich. Die immer und ihre Kultur, Jesse will doch einfach nur Comics lesen und Eichhörnchen jagen im Park. Seine Eltern versichern ihm, dass er beides auch in Europa machen kann, nagut. Das alte Bauernhaus an der Atlantikküste, in dem sie bei Groß(groß?)onkel und -tante wohnen könnte ihm eigentlich gefallen, wenn er nicht lieber nörgelig und undankbar wäre – <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'the insufferable little bastard that I was'</span>. Zu viel Sonne, ekliges Essen und diese Langeweile. Nach einer Woche geben seine Eltern auf und schleppen ihn nicht mehr in steinalte Burgen und teure Restaurants, weil er eh nur Steak und Pommes isst. Soll er lieber mit der Nachbarstochter spielen. Er versteht halt kein Wort von dem, was die erzählt aber immerhin findet er die pretty und gibt sich ein bisschen Mühe. Selbst, als ihr <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Papa</span>, seines Zeichens Austernfischer, alle zum Mittag einlädt und Jesse mal mit 'ner ganz anderen Form von Kultur fasziniert: (verdünnter) Wein für die Kinder und Essen, das so eklig ist, dass sogar seine Eltern konzentriert aussehen, um keine Miene zu verziehen. Da guckt die exotische Julie ganz neugierig und er geht zum ersten Mal all-in; schlürft die glibbrige Auster, als gäb's kein Morgen mehr. Und das ist die Erleuchtung. Zum ersten Mal sieht er so Anerkennung in den Gesichtern und die meinen ihn! Zum ersten Mal kapiert er, dass Essen auf mehr Ebenen als nur Geschmack funktioniert (und er findet die Austern sogar ziemlich geil). Naja, er ist jetzt jedenfalls erwachsen, hängt in den nächsten Wochen nachmittags öfter bei Michel im Garten rum, sitzt in der Sonne mit einem Dutzend Austern, einem Glas Wein und einer halben Zigarette, bis ihm etwas schwindelig wird. Zum Abschied kriegt er 'nen Kuss von Julie, aber da ist er schon drüber hinweg, immerhin ist er jetzt ein Mann und bereit, eine Familie zu ernähren.<br />
<br />
<div class="p8">your body is not a temple - it's an amusement park.</div>
    10 Jahre und 43 Pickel später hat sich nicht so viel getan. Ein halber Meter Höhenunterschied und ein High-School-Abschluss sind das einzige, was Jesse von seinem kindlichen Ich unterscheiden. Dazu ein paar Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Substanzen und die Erkenntnis, dass es ihm am Ende des Tages egal ist, ob da 'ne Frau oder ein Kerl vor ihm kniet. Die Eltern finanzieren ihm gut gläubig das Philosophiestudium (was Planloseres ist ihm nicht eingefallen) und er geht immerhin zur allerersten Vorlesung, lässt sich vom Dozenten rausschmeißen und versteht das als Zeichen. In der WG mit drei bis vier Freunden (is manchmal nicht ganz klar, ob jemand da nach drei Wochen noch Gast ist oder schon Mitbewohner) bringt immer irgendwer Gras, Vicodin und Bier an, während er eine Plattensammlung anlegt, weil grade Kurt Cobain gestorben ist – <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'getting my ass high and romanticizing suicide was just IT'</span>. Nichts auf die Reihe kriegen und sich trotzdem furchtbar intellektuell fühlen beim Bukowski lesen – willkommen in der verdrehten Wahrnehmung eines fast-noch-Jugendlichen im Rausch.<br />
<br />
Nach einem halben Jahr checken das dann auch die Eltern so weit und streichen ihm die Kohle, bis ihm was Vernünftiges einfällt. Höhö. Ein paar Wochen geht das noch, dass er den Leuten die Miete schuldig bleibt, dann schleppt ihn seine on-off-Freundin in das Restaurant, in dem sie kellnert und verschafft ihm den legendären Job des Tellerwäschers. Jesses Dankbarkeit hält sich in Grenzen, weil der Job echt beschissen ist und schlecht bezahlt. ABER. Was sieht er da für Gestalten. Fühlt sich ein bisschen wie auf 'nem Piratenschiff. Der raue Umgangston, die Präzision bei der Arbeit, der Lärm und das Chaos, das sich auf den zweiten Blick als gut geölte Maschinerie entpuppt. Achja, und das Koks und die freien Getränke für die Köche. Hier will er dazugehören, das fühlt sich an wie Elite, eine Geheimgesellschaft. Weil er beim Zwiebeln schneiden immer heulen muss, nennen sie ihn Jessica oder Jennifer. Zum ersten Mal fühlt er so was wie Ehrgeiz und akzeptiert, dass ihm Leute sagen, wo's lang geht. Als nach drei Wochen ein Chef de Partie ausfällt, darf er an der Salatstation aushelfen, weil er den Umgang mit dem Messer immerhin fix gelernt hat. An dem Abend hat eine Familienfeier den ganzen Laden ausgebucht und sie pumpen über 250 Bestellungen raus. Vielleicht liegt's daran, dass er bislang noch nie eine echte Aufgabe hatte (oder ein bisschen am Koks), aber Jay hat hier das Gefühl, wirklich was zu leisten – und das gibt ihm den besten Rausch. Nach der Party kommt eine Mittvierzigerin (offensichtlich das Geburtstagskind) in die Küche getorkelt und tuschelt was mit dem Head Chef, der ihr erst 'ne Line legt und sie dann im Hinterhof bei den Mülltonnen flachlegt. Während die ganze Belegschaft am Fenster um einen Platz mit Aussicht kämpft. Spätestens jetzt dürfte allen klar sein: Jesse wird KOCH!!!11!<br />
<br />
<div class="p8">popularity is the sluttly little cousin of prestige</div>
   Zum Ende der Saison nennen sie ihn immerhin schon Ruffy und er darf an verschiedenen Stationen aushelfen. Neuen Leuten stellt er sich nur noch als Jay vor – <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'out of safety and self respect'</span>. In der WG nervt er alle mit den Geschichten aus der Küche, wie sich wieder einer den Finger abgeschnitten hat und sie den dummen Vegetarier voll über den Tisch gezogen haben. Wenn das geht, bewegt er sich jetzt mit noch mehr Selbstsicherheit durch die Welt und kümmert sich 'nen Scheiß um andere. Als dann seine Freundin mit 'nem Tränchen im Auge und einem vorsichtigen Lächeln auf den Lippen erzählt, dass sie schwanger ist, bittet er sie sachlich drum, das wegmachen zu lassen, weil er für so was keine Zeit hat. Da ist er grade auf dem Sprung, um sein Certificate of Culinary Arts an der Boston University anzufangen. Mit viel Überredungskunst und großen Worten hat er sich dafür Geld von seinen Eltern geschnorrt. Mit 'ner ähnlichen Taktik und über anderthalb Kontakte hat er sich dann in den Kurs geschmuggelt. Wenn's einmal läuft. Im 400-Stunden-Pressure-Test saugt er alles auf, was ihm noch keiner erklärt hat und lernt die fucking french cuisine vom Schalotten schneiden über Charcuterie bis zum Croquembouche. Seine Mitstudenten feiern ihn für seine schlechten Witze (er glänzt mit Sexismus in beide Richtungen, das hat er so gelernt), sein Messerset, das tatsächlich schon was gesehen hat und die Skills (außer in der Pâtisserie, mit der freundet er sich niemals an). Gewonnen hat Jay an dem Tag, als es er an der Reihe ist, für sein verkacktes Soufflé niedergemacht zu werden – da muss jeder einmal durch. In den zehn Minuten Schimpftirade verzieht er nicht mal die Miene, wenn die anderen schon längst in Tränen ausgebrochen sind. Er hat halt schon Schlimmeres erlebt und kassiert dafür das kleinste aller Lächeln vom grimmigen Pâtissier.<br />
<br />
Wenn er es nicht besser wüsste, würde er fast meinen, dass ihm harte Arbeit richtig liegt. Hätte man ihm das doch bloß eher schon gesagt, dann wäre vielleicht was richtiges aus ihm geworden. Stattdessen wird er vorübergehend Haus- und Hofkoch einer befreundeten Band und geht mit denen auf Tour einmal quer durchs ganze Land. Acht Monate lang lässt er sich jeden Abend was neues einfallen, um die Musiker bei Laune zu halten, kriegt im Gegenzug Geld für die Einkäufe, Alkohol – <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'you name it, I drink it'</span> – und was sonst noch so abfällt (meistens die männlichen Groupies, weil mit denen sonst keiner was anfangen kann und Jay da nicht so wählerisch ist). Die verkaterten Tage nutzt er, um die Städte zu erkunden und der Faszination über diese kulinarische Diversität zu erliegen. Er dachte ja, er kennt schon alles aber jetzt fragt er sich ernsthaft, was die Welt wohl noch zu bieten hat und merkt mit jedem Tag, dass ihm das alles nicht reicht. Ein komisches Gefühl, dieser Wunsch nach 'Mehr', das wird er auch nie wieder so ganz los. Er entwickelt langsam ein ernsthaftes Interesse für andere Menschen und Orte, was ein bisschen irritierend ist, weil sich bis eben die Sonne noch um ihn allein gedreht hat. Er schiebt's ja auf die Amphetamine. Ihm fallen aber auch Kleinigkeiten auf: wie die Leute gucken, wenn sie über das Rezept für battered chicken von ihrer Großmutter sprechen und wie sich das Pärchen am Nachbartisch nach 20 Jahren Ehe nichts mehr zu sagen hat, aber bei einer Portion Jambayala wenigstens kurz wieder zusammen findet. So viel Verständnis hat er für seine eigenen Emotionen nicht! Die nächste schockierende Erkenntnis ist, dass er echt gut alleine sein kann und das wird fortan auch sein Ding, sich neue Orte immer erst mal auf eigene Faust zu erschließen.<br />
<br />
<div class="p8">we're creating cuisine! Food is what a dog eats or a tourist</div>
    Zwei Jahre später ist er endlich geheilt von seiner grünschnäbligen Großschnäuzigkeit. Das haben die Franzosen aus ihm rausgeprügelt. Stattdessen lernt er richtig harte Disziplin und dass man auf Ansagen immer mit „Oui, Chef!“ zu antworten hat. Hier im 'Chez Léon' in Dijon gibt’s auch weder Alkohol noch Drogen in der Küche, dafür 14h-Arbeitstage, 6 Tage die Woche. Immerhin hat er dabei keine Zeit für irgendwas anderes und kann seine Schulden bei den Eltern abbezahlen. Jay hat sich das nunmal so ausgesucht, weil er unbedingt mehr lernen wollte, was neues sehen und mit seinen drei Wörtern Französisch bot sich das eben so an. Die Crew ist eh international, was aber nicht automatisch heißt, dass Chef Piquet auch nur ein Wort Englisch reden würde. Das bisschen Freizeit verbringt er gerne mit diesem einen französischen Kellner – Beziehung kann man das aber echt nicht nennen – und auf Flohmärkten, wo er alten Kram kauft (zum Beispiel diese wundervolle und einzigartige Entenpresse, um die ihn später alle beneiden sollen). Kleine Besitztümer, an die er sein Herz hängen kann, weil die ihn konstanter durchs Leben begleiten als Menschen und ihm ein Gefühl von Ordnung geben. Er ist halt immer noch ein instabiler Typ, nur in der Küche hat er seinen Kopf und seine Umwelt zu 140% im Griff.<br />
<br />
Als er schließlich verkündet, dass es Zeit für ihn wird weiterzuziehen (so gut er sich in der Fremde fühlt, hat er doch wieder Bock auf ein englischsprachiges Land), klopft ihm der Chef auf die Schulter und sagt, dass er seine Kochjacke behalten darf. Achja, und dass er ihn gerne zum Sous-Chef gemacht hätte im nächsten Jahr. Fuck, da fällt Jesse fast eine einzelne Träne aus dem Gesicht vor Rührung über so viel Anerkennung mit so wenig Worten. Mit der Referenz sollte sich doch was finden lassen. In England, bitte (darüber schüttelt Piquet nur traurig den Kopf), eben WEIL das Essen da nicht besonders sein soll und Jay wittert, dass es da noch was zu holen gibt. Nicht in London tho, das klingt ihm zu hip und fancy, angeblich passieren da sogar schon große Sachen, was die Küche angeht. Neh, er guckt sich das alles mal an und findet dann am hässlichsten dieses Manchester. Das macht ihn irgendwie an, die unfreundlichen Gesichter, die hohe Kriminalitätsrate und der Dreck auf den Straßen. Da haben ihn die Franzosen echt überfordert mit ihren gebügelten Straßen und Schnurrbarttoupets. Die Stellenausschreibung in diesem einen Restaurant überzeugt auch.<br />
<br />
<div class="p8">monter au beurre that sucker!</div>
    Finally a place to call home. Nicht, dass ihm das gefehlt hätte. Aber die Leute hier machen ihm gute Laune, der Job als Sous bringt endlich mal ein bisschen Geld und einmal im Jahr kann er sogar zwei Wochen Urlaub nehmen, um nach und nach die Welt zu erkunden. In der Küche ist seine Arbeit nicht mehr ganz so stumpf, ab und zu bringt er mal eigene Gerichte ein, entwickelt die Karte mit. Privat denkt man eher, dass der bestimmt nie erwachsen wird. Seine Freunde finden das ganz gut, Jay hat (angeblich) vor nichts Angst, erzählt gute Geschichten, trinkt alles weg und ist ein phänomenaler Tänzer. Drogen braucht er nicht mehr zum Arbeiten aber beim Partymachen sagt er dazu nicht Nein. Zu seiner Familie hat er irgendwie nur sporadischen Kontakt, sein kleiner Bruder kommt ihn einmal im Jahr besuchen. Dafür trifft ihn das auch nicht so hart – sagt er -, als sein Vater stirbt, stattdessen setzt ihm das kleine Erbe, das ihm da zufällt, diesen Floh ins Ohr mit der Selbstständigkeit.. Das zieht sich auch so durch sein Leben, sich mit Emotionen nicht zu intensiv auseinanderzusetzen, wenn die ihm unangenehm werden. Auch darum muss er immer beschäftigt sein und braucht so Projekte, die seinen Kopf beschäftigen.<br />
<br />
Ganz ehrlich. Jedem Menschen würde Jay das ausreden mit dem eigenen Restaurant. Die Kohle, die das frisst! Der Stress, die Nerven. Aber er hat sich aus dem alten Laden ein gutes Team zusammengeklaut: der frühere Oberkellner macht die Restaurantleitung (der hat die Ruhe weg und ist auch so viel stilsicherer als Jesse) und sein mexikanischer Chef de Partie wird neuer Sous Chef, weil der eine kriminelle Ader hat und genau so wenig Moral, wie für dieses Vorhaben nötig ist. Die Küche wird klassisch französisch mit Fokus auf Innereien, Blut, Fleisch und Knochen. Ihm geht echt jeden Tag einer ab, wenn er das 'Trou Normand' betritt. In seiner Küche gibt’s seine Regeln und Fo, sein Mexikaner, sagt liebevoll über ihn: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'The good news is: World War I is over. The bad news: Adolf Hitler.'</span> Alle haben sich lieb. Die große Klappe hat er auch wieder, aber jetzt immerhin zurecht, findet er. Das Ego kann sich sehen lassen, dabei gibt er doch 'nen Scheiß auf die positiven Kritiken in der Presse. Manchmal hat er das Gefühl, ihm würde trotzdem was zu seinem Glück fehlen, aber das überspielt er gut und gönnt sich so ganz düstere Phasen – meistens – nur, wenn er alleine ist. Ansonsten strahlt das süffisante Grinsen meist bis in die frühen Morgenstunden, wenn er mit dem Rest Jägermeister in der Flasche nach Hause wankt.<br />
<br />
<div class="p8">everything's amazing and nobody is happy</div>
  <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Was noch übrig ist: Jay..</span><br />
liebt die Dinge roh und unzensiert >> hat tief in seinem Herzen Toleranz für fast jeden auf der Welt, trägt aber gerne ganz viel Hass nach draußen >> kauft sich statt Souvenirs lieber makabre Skurrilitäten oder indigene Kultobjekte >> muss Grenzen oft erst übertreten, um sie als solche zu erkennen >> hat nichts für Konventionen übrig >> findet, dass jeder Mensch verdammt nochmal so leben sollte, wie's ihn glücklich macht >> kann Sachen für sich behalten – <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Hotel, Motel, you don't tell, I don't tell'</span> >> hat den sexiest Hüftschwung alive >> kriegt Herzchen in den Augen, wenn ihm irgendwas mit Pork auf den Teller kommt >> kann nur ganz schlecht zur Ruhe kommen >> kann mit Süßkram und Desserts nichts anfangen >> lässt sich im Grunde von jedem Tattoos stechen >> hat keine Angst vor Tod und Verderben >> schwankt in seinen Launen zwischen Anbrüllen und beruhigendem Kopf tätscheln >> mag Tiere nur zum Essen >> hasst Fernsehköche<br />
<br />
  </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Jesse Ruffino</div>
  <div class="p3">I make the ass jokes around here</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">I'm inflagranti in every way</div>
    </div>
    <img src=http://i.imgur.com/4eQbIy2.jpg><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Tina</div>
      <div>Alter // 42 Jahre</div>
      <div>
        Job // Chef de Cuisine</div>
      <div>
        Pizza // Tripe</div>
      <div>
        Ava // Josh Homme</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src=https://imgur.com/LiuQdiD.gif><br />
      </div>
      Seine besten Freunde heißen Jägermeister und Tequila. Aber es dürfen auch alle anderen mitmachen, die ihn ertragen. Die Leute mögen ihn ja, weil er die Sachen ganz offen und unverblümt sagt ODER sie finden ihn kacke, weil er ihnen derbe über die Füße getrampelt ist, wenn sie zur Kategorie 'Vegetarier', 'pretentious Hipster' oder 'Foodie' gehören. Jay gilt halt auch als egozentrisch, laut und ungehobelt - inner Küche und privat. Dafür ist sein Essen ohne Chichi, auf dem Teller ist Blut sein liebstes Accessoire. Aber weißte, so stur ist der ja gar nicht, er pöbelt halt nur gern. Der lernt voll gerne neue Sachen und weiß ganz genau, dass er nicht der beste Koch der Welt ist; aber psst. Solche Einsichten gehören in seinen Kopf und gehen eigentlich niemanden was an. Wenn der mal ernsthaft düster wird, muss die Kacke schon am lodern sein. Bist ja auf der sicheren Seite, wenn du seiner Regel folgst: Don't touch my dick, don't touch my knives. Aber er macht Ausnahmen, der Ami kommt schließlich aus den Siebzigern und kennt die Vorzüge von beiden Geschlechtern. Den vulgären Kommentar dazu gibt's kostenlos. <br />
    </div>
    <div class="p8">new kid on the block</div>
    Die 70er sind so lässig und unbeschwert wie ein buntes Pop-Musikvideo. Jesse Ruffino wird mittendrein in diese Welt geworfen und hätte ja kein Problem damit, wenn ihm seine Eltern nicht diesen dämlichen Mädchennamen gegeben hätten. Aber der Junge lernt schon früh, dass alles besser wird, wenn man nur die Klappe weit genug aufreißt. (Also meistens wird dann tatsächlich alles schlimmer, aber für die Erkenntnis fehlt ihm in den nächsten ca. 40 Jahren die Selbstreflexion.) Ansonsten sind alle so 'HURRA', weil die vermutlich noch genügend Marihuana im System haben und wenn man sich die perfekte Nachbarschaft für eine wohlbehütete Kindheit vorstellen will, dann denkt man hier an South Boston, wo alle Arbeit haben und Geld verdienen und Schwarze, Hispanics und Weiße (vor allem ein Haufen Iren) voll tolerant zusammen leben. Seine Familie ist ja auch so: Mom Izzy (geb. Ripert) halb französisch, halb amerikanisch, Dad Jon halb Südstaatler, ein Viertel Ire und ein Viertel Italiener. Oder war da noch ein Achtel Finne irgendwo – keine Ahnung. Jesse und der drei Jahre jüngere Lewis haben also die Welt im Blut und verstehen unter Rassismus, wenn jemand lieber eine Bulldogge statt einen Dackel haben will.<br />
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In seinem elften Sommer nun trug es sich zu, uhm.. Er wäre ja am liebsten Zuhause geblieben, aber die Eltern bestehen auf den Familientrip nach Frankreich. Die immer und ihre Kultur, Jesse will doch einfach nur Comics lesen und Eichhörnchen jagen im Park. Seine Eltern versichern ihm, dass er beides auch in Europa machen kann, nagut. Das alte Bauernhaus an der Atlantikküste, in dem sie bei Groß(groß?)onkel und -tante wohnen könnte ihm eigentlich gefallen, wenn er nicht lieber nörgelig und undankbar wäre – <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'the insufferable little bastard that I was'</span>. Zu viel Sonne, ekliges Essen und diese Langeweile. Nach einer Woche geben seine Eltern auf und schleppen ihn nicht mehr in steinalte Burgen und teure Restaurants, weil er eh nur Steak und Pommes isst. Soll er lieber mit der Nachbarstochter spielen. Er versteht halt kein Wort von dem, was die erzählt aber immerhin findet er die pretty und gibt sich ein bisschen Mühe. Selbst, als ihr <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Papa</span>, seines Zeichens Austernfischer, alle zum Mittag einlädt und Jesse mal mit 'ner ganz anderen Form von Kultur fasziniert: (verdünnter) Wein für die Kinder und Essen, das so eklig ist, dass sogar seine Eltern konzentriert aussehen, um keine Miene zu verziehen. Da guckt die exotische Julie ganz neugierig und er geht zum ersten Mal all-in; schlürft die glibbrige Auster, als gäb's kein Morgen mehr. Und das ist die Erleuchtung. Zum ersten Mal sieht er so Anerkennung in den Gesichtern und die meinen ihn! Zum ersten Mal kapiert er, dass Essen auf mehr Ebenen als nur Geschmack funktioniert (und er findet die Austern sogar ziemlich geil). Naja, er ist jetzt jedenfalls erwachsen, hängt in den nächsten Wochen nachmittags öfter bei Michel im Garten rum, sitzt in der Sonne mit einem Dutzend Austern, einem Glas Wein und einer halben Zigarette, bis ihm etwas schwindelig wird. Zum Abschied kriegt er 'nen Kuss von Julie, aber da ist er schon drüber hinweg, immerhin ist er jetzt ein Mann und bereit, eine Familie zu ernähren.<br />
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<div class="p8">your body is not a temple - it's an amusement park.</div>
    10 Jahre und 43 Pickel später hat sich nicht so viel getan. Ein halber Meter Höhenunterschied und ein High-School-Abschluss sind das einzige, was Jesse von seinem kindlichen Ich unterscheiden. Dazu ein paar Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Substanzen und die Erkenntnis, dass es ihm am Ende des Tages egal ist, ob da 'ne Frau oder ein Kerl vor ihm kniet. Die Eltern finanzieren ihm gut gläubig das Philosophiestudium (was Planloseres ist ihm nicht eingefallen) und er geht immerhin zur allerersten Vorlesung, lässt sich vom Dozenten rausschmeißen und versteht das als Zeichen. In der WG mit drei bis vier Freunden (is manchmal nicht ganz klar, ob jemand da nach drei Wochen noch Gast ist oder schon Mitbewohner) bringt immer irgendwer Gras, Vicodin und Bier an, während er eine Plattensammlung anlegt, weil grade Kurt Cobain gestorben ist – <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'getting my ass high and romanticizing suicide was just IT'</span>. Nichts auf die Reihe kriegen und sich trotzdem furchtbar intellektuell fühlen beim Bukowski lesen – willkommen in der verdrehten Wahrnehmung eines fast-noch-Jugendlichen im Rausch.<br />
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Nach einem halben Jahr checken das dann auch die Eltern so weit und streichen ihm die Kohle, bis ihm was Vernünftiges einfällt. Höhö. Ein paar Wochen geht das noch, dass er den Leuten die Miete schuldig bleibt, dann schleppt ihn seine on-off-Freundin in das Restaurant, in dem sie kellnert und verschafft ihm den legendären Job des Tellerwäschers. Jesses Dankbarkeit hält sich in Grenzen, weil der Job echt beschissen ist und schlecht bezahlt. ABER. Was sieht er da für Gestalten. Fühlt sich ein bisschen wie auf 'nem Piratenschiff. Der raue Umgangston, die Präzision bei der Arbeit, der Lärm und das Chaos, das sich auf den zweiten Blick als gut geölte Maschinerie entpuppt. Achja, und das Koks und die freien Getränke für die Köche. Hier will er dazugehören, das fühlt sich an wie Elite, eine Geheimgesellschaft. Weil er beim Zwiebeln schneiden immer heulen muss, nennen sie ihn Jessica oder Jennifer. Zum ersten Mal fühlt er so was wie Ehrgeiz und akzeptiert, dass ihm Leute sagen, wo's lang geht. Als nach drei Wochen ein Chef de Partie ausfällt, darf er an der Salatstation aushelfen, weil er den Umgang mit dem Messer immerhin fix gelernt hat. An dem Abend hat eine Familienfeier den ganzen Laden ausgebucht und sie pumpen über 250 Bestellungen raus. Vielleicht liegt's daran, dass er bislang noch nie eine echte Aufgabe hatte (oder ein bisschen am Koks), aber Jay hat hier das Gefühl, wirklich was zu leisten – und das gibt ihm den besten Rausch. Nach der Party kommt eine Mittvierzigerin (offensichtlich das Geburtstagskind) in die Küche getorkelt und tuschelt was mit dem Head Chef, der ihr erst 'ne Line legt und sie dann im Hinterhof bei den Mülltonnen flachlegt. Während die ganze Belegschaft am Fenster um einen Platz mit Aussicht kämpft. Spätestens jetzt dürfte allen klar sein: Jesse wird KOCH!!!11!<br />
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<div class="p8">popularity is the sluttly little cousin of prestige</div>
   Zum Ende der Saison nennen sie ihn immerhin schon Ruffy und er darf an verschiedenen Stationen aushelfen. Neuen Leuten stellt er sich nur noch als Jay vor – <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'out of safety and self respect'</span>. In der WG nervt er alle mit den Geschichten aus der Küche, wie sich wieder einer den Finger abgeschnitten hat und sie den dummen Vegetarier voll über den Tisch gezogen haben. Wenn das geht, bewegt er sich jetzt mit noch mehr Selbstsicherheit durch die Welt und kümmert sich 'nen Scheiß um andere. Als dann seine Freundin mit 'nem Tränchen im Auge und einem vorsichtigen Lächeln auf den Lippen erzählt, dass sie schwanger ist, bittet er sie sachlich drum, das wegmachen zu lassen, weil er für so was keine Zeit hat. Da ist er grade auf dem Sprung, um sein Certificate of Culinary Arts an der Boston University anzufangen. Mit viel Überredungskunst und großen Worten hat er sich dafür Geld von seinen Eltern geschnorrt. Mit 'ner ähnlichen Taktik und über anderthalb Kontakte hat er sich dann in den Kurs geschmuggelt. Wenn's einmal läuft. Im 400-Stunden-Pressure-Test saugt er alles auf, was ihm noch keiner erklärt hat und lernt die fucking french cuisine vom Schalotten schneiden über Charcuterie bis zum Croquembouche. Seine Mitstudenten feiern ihn für seine schlechten Witze (er glänzt mit Sexismus in beide Richtungen, das hat er so gelernt), sein Messerset, das tatsächlich schon was gesehen hat und die Skills (außer in der Pâtisserie, mit der freundet er sich niemals an). Gewonnen hat Jay an dem Tag, als es er an der Reihe ist, für sein verkacktes Soufflé niedergemacht zu werden – da muss jeder einmal durch. In den zehn Minuten Schimpftirade verzieht er nicht mal die Miene, wenn die anderen schon längst in Tränen ausgebrochen sind. Er hat halt schon Schlimmeres erlebt und kassiert dafür das kleinste aller Lächeln vom grimmigen Pâtissier.<br />
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Wenn er es nicht besser wüsste, würde er fast meinen, dass ihm harte Arbeit richtig liegt. Hätte man ihm das doch bloß eher schon gesagt, dann wäre vielleicht was richtiges aus ihm geworden. Stattdessen wird er vorübergehend Haus- und Hofkoch einer befreundeten Band und geht mit denen auf Tour einmal quer durchs ganze Land. Acht Monate lang lässt er sich jeden Abend was neues einfallen, um die Musiker bei Laune zu halten, kriegt im Gegenzug Geld für die Einkäufe, Alkohol – <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'you name it, I drink it'</span> – und was sonst noch so abfällt (meistens die männlichen Groupies, weil mit denen sonst keiner was anfangen kann und Jay da nicht so wählerisch ist). Die verkaterten Tage nutzt er, um die Städte zu erkunden und der Faszination über diese kulinarische Diversität zu erliegen. Er dachte ja, er kennt schon alles aber jetzt fragt er sich ernsthaft, was die Welt wohl noch zu bieten hat und merkt mit jedem Tag, dass ihm das alles nicht reicht. Ein komisches Gefühl, dieser Wunsch nach 'Mehr', das wird er auch nie wieder so ganz los. Er entwickelt langsam ein ernsthaftes Interesse für andere Menschen und Orte, was ein bisschen irritierend ist, weil sich bis eben die Sonne noch um ihn allein gedreht hat. Er schiebt's ja auf die Amphetamine. Ihm fallen aber auch Kleinigkeiten auf: wie die Leute gucken, wenn sie über das Rezept für battered chicken von ihrer Großmutter sprechen und wie sich das Pärchen am Nachbartisch nach 20 Jahren Ehe nichts mehr zu sagen hat, aber bei einer Portion Jambayala wenigstens kurz wieder zusammen findet. So viel Verständnis hat er für seine eigenen Emotionen nicht! Die nächste schockierende Erkenntnis ist, dass er echt gut alleine sein kann und das wird fortan auch sein Ding, sich neue Orte immer erst mal auf eigene Faust zu erschließen.<br />
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<div class="p8">we're creating cuisine! Food is what a dog eats or a tourist</div>
    Zwei Jahre später ist er endlich geheilt von seiner grünschnäbligen Großschnäuzigkeit. Das haben die Franzosen aus ihm rausgeprügelt. Stattdessen lernt er richtig harte Disziplin und dass man auf Ansagen immer mit „Oui, Chef!“ zu antworten hat. Hier im 'Chez Léon' in Dijon gibt’s auch weder Alkohol noch Drogen in der Küche, dafür 14h-Arbeitstage, 6 Tage die Woche. Immerhin hat er dabei keine Zeit für irgendwas anderes und kann seine Schulden bei den Eltern abbezahlen. Jay hat sich das nunmal so ausgesucht, weil er unbedingt mehr lernen wollte, was neues sehen und mit seinen drei Wörtern Französisch bot sich das eben so an. Die Crew ist eh international, was aber nicht automatisch heißt, dass Chef Piquet auch nur ein Wort Englisch reden würde. Das bisschen Freizeit verbringt er gerne mit diesem einen französischen Kellner – Beziehung kann man das aber echt nicht nennen – und auf Flohmärkten, wo er alten Kram kauft (zum Beispiel diese wundervolle und einzigartige Entenpresse, um die ihn später alle beneiden sollen). Kleine Besitztümer, an die er sein Herz hängen kann, weil die ihn konstanter durchs Leben begleiten als Menschen und ihm ein Gefühl von Ordnung geben. Er ist halt immer noch ein instabiler Typ, nur in der Küche hat er seinen Kopf und seine Umwelt zu 140% im Griff.<br />
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Als er schließlich verkündet, dass es Zeit für ihn wird weiterzuziehen (so gut er sich in der Fremde fühlt, hat er doch wieder Bock auf ein englischsprachiges Land), klopft ihm der Chef auf die Schulter und sagt, dass er seine Kochjacke behalten darf. Achja, und dass er ihn gerne zum Sous-Chef gemacht hätte im nächsten Jahr. Fuck, da fällt Jesse fast eine einzelne Träne aus dem Gesicht vor Rührung über so viel Anerkennung mit so wenig Worten. Mit der Referenz sollte sich doch was finden lassen. In England, bitte (darüber schüttelt Piquet nur traurig den Kopf), eben WEIL das Essen da nicht besonders sein soll und Jay wittert, dass es da noch was zu holen gibt. Nicht in London tho, das klingt ihm zu hip und fancy, angeblich passieren da sogar schon große Sachen, was die Küche angeht. Neh, er guckt sich das alles mal an und findet dann am hässlichsten dieses Manchester. Das macht ihn irgendwie an, die unfreundlichen Gesichter, die hohe Kriminalitätsrate und der Dreck auf den Straßen. Da haben ihn die Franzosen echt überfordert mit ihren gebügelten Straßen und Schnurrbarttoupets. Die Stellenausschreibung in diesem einen Restaurant überzeugt auch.<br />
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<div class="p8">monter au beurre that sucker!</div>
    Finally a place to call home. Nicht, dass ihm das gefehlt hätte. Aber die Leute hier machen ihm gute Laune, der Job als Sous bringt endlich mal ein bisschen Geld und einmal im Jahr kann er sogar zwei Wochen Urlaub nehmen, um nach und nach die Welt zu erkunden. In der Küche ist seine Arbeit nicht mehr ganz so stumpf, ab und zu bringt er mal eigene Gerichte ein, entwickelt die Karte mit. Privat denkt man eher, dass der bestimmt nie erwachsen wird. Seine Freunde finden das ganz gut, Jay hat (angeblich) vor nichts Angst, erzählt gute Geschichten, trinkt alles weg und ist ein phänomenaler Tänzer. Drogen braucht er nicht mehr zum Arbeiten aber beim Partymachen sagt er dazu nicht Nein. Zu seiner Familie hat er irgendwie nur sporadischen Kontakt, sein kleiner Bruder kommt ihn einmal im Jahr besuchen. Dafür trifft ihn das auch nicht so hart – sagt er -, als sein Vater stirbt, stattdessen setzt ihm das kleine Erbe, das ihm da zufällt, diesen Floh ins Ohr mit der Selbstständigkeit.. Das zieht sich auch so durch sein Leben, sich mit Emotionen nicht zu intensiv auseinanderzusetzen, wenn die ihm unangenehm werden. Auch darum muss er immer beschäftigt sein und braucht so Projekte, die seinen Kopf beschäftigen.<br />
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Ganz ehrlich. Jedem Menschen würde Jay das ausreden mit dem eigenen Restaurant. Die Kohle, die das frisst! Der Stress, die Nerven. Aber er hat sich aus dem alten Laden ein gutes Team zusammengeklaut: der frühere Oberkellner macht die Restaurantleitung (der hat die Ruhe weg und ist auch so viel stilsicherer als Jesse) und sein mexikanischer Chef de Partie wird neuer Sous Chef, weil der eine kriminelle Ader hat und genau so wenig Moral, wie für dieses Vorhaben nötig ist. Die Küche wird klassisch französisch mit Fokus auf Innereien, Blut, Fleisch und Knochen. Ihm geht echt jeden Tag einer ab, wenn er das 'Trou Normand' betritt. In seiner Küche gibt’s seine Regeln und Fo, sein Mexikaner, sagt liebevoll über ihn: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'The good news is: World War I is over. The bad news: Adolf Hitler.'</span> Alle haben sich lieb. Die große Klappe hat er auch wieder, aber jetzt immerhin zurecht, findet er. Das Ego kann sich sehen lassen, dabei gibt er doch 'nen Scheiß auf die positiven Kritiken in der Presse. Manchmal hat er das Gefühl, ihm würde trotzdem was zu seinem Glück fehlen, aber das überspielt er gut und gönnt sich so ganz düstere Phasen – meistens – nur, wenn er alleine ist. Ansonsten strahlt das süffisante Grinsen meist bis in die frühen Morgenstunden, wenn er mit dem Rest Jägermeister in der Flasche nach Hause wankt.<br />
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<div class="p8">everything's amazing and nobody is happy</div>
  <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Was noch übrig ist: Jay..</span><br />
liebt die Dinge roh und unzensiert >> hat tief in seinem Herzen Toleranz für fast jeden auf der Welt, trägt aber gerne ganz viel Hass nach draußen >> kauft sich statt Souvenirs lieber makabre Skurrilitäten oder indigene Kultobjekte >> muss Grenzen oft erst übertreten, um sie als solche zu erkennen >> hat nichts für Konventionen übrig >> findet, dass jeder Mensch verdammt nochmal so leben sollte, wie's ihn glücklich macht >> kann Sachen für sich behalten – <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Hotel, Motel, you don't tell, I don't tell'</span> >> hat den sexiest Hüftschwung alive >> kriegt Herzchen in den Augen, wenn ihm irgendwas mit Pork auf den Teller kommt >> kann nur ganz schlecht zur Ruhe kommen >> kann mit Süßkram und Desserts nichts anfangen >> lässt sich im Grunde von jedem Tattoos stechen >> hat keine Angst vor Tod und Verderben >> schwankt in seinen Launen zwischen Anbrüllen und beruhigendem Kopf tätscheln >> mag Tiere nur zum Essen >> hasst Fernsehköche<br />
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