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		<title><![CDATA[Lost the plot - The smell alone is enough to make me gag. ]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 08:13:27 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Destroy everything]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2706</link>
			<pubDate>Sat, 29 Aug 2026 22:58:16 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=576">Pippa Ramsay</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2706</guid>
			<description><![CDATA[<b>"Siehst du, Hector"</b>, plapperte Pippa, während sie die letzte Ecke des großen, senfgelben Überwurfs in die Kanten der langweilig grauen Couch stopfte und damit die Tristesse unter gelber Freude begrub. <b>"Siehst du, wie ein bisschen Farbe einen Raum direkt verändert?"</b> Dieser Hund hatte verdammtes Durchhaltevermögen, denn obwohl Pippa nun schon seit einer halben Stunden beinahe ununterbrochen auf ihn einredete, legte er noch immer den Kopf schief, sobald mal wieder sein Name fiel. <b>"Jetzt nur noch–"</b>, stolpernd kletterte sie vom Sofa, griff nach den bereits vorbereiteten Sofakissen und stopfte eines nach dem anderen ordentlich in die Ecken der Couch. Ein lila-blaues Muster landete neben einem mintgrünen Kissen, auf dem die Worte <i>Live Laugh Fuck Off</i> standen, daneben eines mit ein paar süßen Kühen und schließlich noch eines mit breiten Streifen. Was für ein Upgrade zu den lächerlich schwarzen Bezügen, die zuvor Lukis Couchkissen geziert hatten, aber wer kombinierte auch Grau mit Schwarz und nannte das dann <i>Dekoration</i>? <br />
<b>"Voilá."</b> Die Hände in die Hüften gestemmt, betrachtete sie ihr vollendetes Werk. Sehr cool, sehr hübsch, sehr <i>Pippa</i>, aber vielleicht brauchte ihr Bruder ein bisschen mehr <i>Pippa</i> in seinem Leben. <u>Hoffentlich</u> brauchte ihr Bruder ein bisschen mehr Pippa in seinem Leben, ansonsten würde nicht nur der Überwurf floppen, sondern auch die süßen Sofakissen, die dekorativen Bilder, die sie im Wohnzimmer aufgehängt hatte, die bunten Geschirrtücher in der Küche und die mintgrüne Vinylfolie, die dort noch auf dem Tisch lag und darauf wartete, auf die Küchenfronten geklebt zu werden. War Luki wohl damit einverstanden, dass sie außerdem alle Möbel durcheinander gewürfelt und einmal neu angeordnet hatte? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber eines musste er ihr lassen, entschied sie einstimmig: Wie lange hatte sie die Füße still gehalten, obwohl es ihr schon seit Jahren in den Fingerspitzen kribbelte? Und dass sie (noch) keine bunten Tapeten an die Wände geklebt hatte, um ein bisschen mehr Freundlichkeit in diese Räume zu bringen, konnte man ihr auch zugute halten, oder? War ja nicht so, als hätte sie irgendetwas <i>unwiderruflich</i> verändert. <b>"Dir gefällt es, oder?"</b> Sie sah so hoffnungsvoll in Hectors dunkles Gesicht, dass der prompt aufsprang und aufgeregt mit dem Schwanz wedelte. <b>"Ich wusste es."</b> Ihr Ausdruck verwandelte sich in ein strahlendes Lächeln. <b>"Ich wusste, dass du es liebst, Hectolito."</b> Für einen Moment stürzte Pippa sich auf den Boden, empfing den Malinois mit offenen Armen, streichel-raufte ihm durchs Fell und quietschte auf, als eine schlabberige Zunge mitten über ihr Gesicht leckte. Sie hatte sich gerade auf den Rücken fallen lassen, bereit, sich Hectors Autorität zu ergeben, als sie die Haustür hörte und binnen Sekunden wieder aufrecht saß. <i>Fuck.</i> Wie spät war es? Zu spät, anscheinend, um die Küchenfronten noch mintgrün zu bekleben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>"Siehst du, Hector"</b>, plapperte Pippa, während sie die letzte Ecke des großen, senfgelben Überwurfs in die Kanten der langweilig grauen Couch stopfte und damit die Tristesse unter gelber Freude begrub. <b>"Siehst du, wie ein bisschen Farbe einen Raum direkt verändert?"</b> Dieser Hund hatte verdammtes Durchhaltevermögen, denn obwohl Pippa nun schon seit einer halben Stunden beinahe ununterbrochen auf ihn einredete, legte er noch immer den Kopf schief, sobald mal wieder sein Name fiel. <b>"Jetzt nur noch–"</b>, stolpernd kletterte sie vom Sofa, griff nach den bereits vorbereiteten Sofakissen und stopfte eines nach dem anderen ordentlich in die Ecken der Couch. Ein lila-blaues Muster landete neben einem mintgrünen Kissen, auf dem die Worte <i>Live Laugh Fuck Off</i> standen, daneben eines mit ein paar süßen Kühen und schließlich noch eines mit breiten Streifen. Was für ein Upgrade zu den lächerlich schwarzen Bezügen, die zuvor Lukis Couchkissen geziert hatten, aber wer kombinierte auch Grau mit Schwarz und nannte das dann <i>Dekoration</i>? <br />
<b>"Voilá."</b> Die Hände in die Hüften gestemmt, betrachtete sie ihr vollendetes Werk. Sehr cool, sehr hübsch, sehr <i>Pippa</i>, aber vielleicht brauchte ihr Bruder ein bisschen mehr <i>Pippa</i> in seinem Leben. <u>Hoffentlich</u> brauchte ihr Bruder ein bisschen mehr Pippa in seinem Leben, ansonsten würde nicht nur der Überwurf floppen, sondern auch die süßen Sofakissen, die dekorativen Bilder, die sie im Wohnzimmer aufgehängt hatte, die bunten Geschirrtücher in der Küche und die mintgrüne Vinylfolie, die dort noch auf dem Tisch lag und darauf wartete, auf die Küchenfronten geklebt zu werden. War Luki wohl damit einverstanden, dass sie außerdem alle Möbel durcheinander gewürfelt und einmal neu angeordnet hatte? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber eines musste er ihr lassen, entschied sie einstimmig: Wie lange hatte sie die Füße still gehalten, obwohl es ihr schon seit Jahren in den Fingerspitzen kribbelte? Und dass sie (noch) keine bunten Tapeten an die Wände geklebt hatte, um ein bisschen mehr Freundlichkeit in diese Räume zu bringen, konnte man ihr auch zugute halten, oder? War ja nicht so, als hätte sie irgendetwas <i>unwiderruflich</i> verändert. <b>"Dir gefällt es, oder?"</b> Sie sah so hoffnungsvoll in Hectors dunkles Gesicht, dass der prompt aufsprang und aufgeregt mit dem Schwanz wedelte. <b>"Ich wusste es."</b> Ihr Ausdruck verwandelte sich in ein strahlendes Lächeln. <b>"Ich wusste, dass du es liebst, Hectolito."</b> Für einen Moment stürzte Pippa sich auf den Boden, empfing den Malinois mit offenen Armen, streichel-raufte ihm durchs Fell und quietschte auf, als eine schlabberige Zunge mitten über ihr Gesicht leckte. Sie hatte sich gerade auf den Rücken fallen lassen, bereit, sich Hectors Autorität zu ergeben, als sie die Haustür hörte und binnen Sekunden wieder aufrecht saß. <i>Fuck.</i> Wie spät war es? Zu spät, anscheinend, um die Küchenfronten noch mintgrün zu bekleben.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[hocus pocus - i cannot focus]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2635</link>
			<pubDate>Sun, 11 Jan 2026 16:02:19 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=559">Charlotte Bernstein</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2635</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Charlotte hasste Orangen schälen. Wenn man es mit den Fingern tat, dann klebte danach die ganze weisse klebrige Haut unter den Fingernägeln und man kriegte die Frucht doch nicht befreit davon. Wenn man das Messer nahm, schnitt man die Hälfte des essbaren Teils weg und war danach frustriert darüber. Ausserdem: Foodwaste. Das war hier ein richtiges Wort geworden seit Jesús hier lebte und sie Premium-Einblick in seine Sparsamkeit bekam. Sie liebte das an ihm – irgendwie war das sogar manchmal sowas wie ein kleiner turn-on, wenn er die Marken ihrer Grossmutter in der Hand hielt und sich überlegte wo sie einkaufen gingen. Sie packte die Orangenschnitze auf einen Teller, lehnte sich auf dem Stuhl zurück und tat was jede schwangere Frau mindestens einmal in ihrer Schwangerschaft machte. Sie balancierte den Teller auf ihrem Bauch aus – oder versuchte es zumindest. Denn als es klingelte, musste sie aufstehen. Das hiess aber nicht, dass sie den Teller Orangen zurückliess – nein. Das war in dieser craving-Phase nicht mehr möglich. Sie ass noch unterwegs zur Wohnungstür Schnitze davon – sozusagen als Reiseproviant. <b> «Hamza»</b>, sie lächelte breit, während sie einen Arm öffnete und ihn soweit das ging an sich drückte. <b> «Orange?»</b>, sie hielt ihm den Reiseproviant hin, bevor sie ihn reinliess – draussen nieselte es, es war grau und Hamzas Jacke war feucht davon. <b> «Okay, ich hab’ alles bereit. Die Werkzeugkiste und eine Schale für die Schrauben und die Anleitung. Aber ich glaube sie ist auf Französisch. Du kannst Französisch oder? Anisa kann’s»</b> l’amour, die Sprache der Liebe. Apropo. Charlotte war seit einigen Wochen – naja Monaten -schon etwas obsessive damit, dass Anisa und Hamza auch noch schwanger wurden. Die Vorstellung davon, dass ihre Kinder dann beste Freunde wurden berauschten ihre Hormone manchmal bis zu ein paar Tränen. <b> «Ich habe Bagel gemacht»</b>, weil Hamza dafür sterben würde. Und neben den noch warmen Bagel hatte sie Stäbchen gelegt – weil sie witzig war. <b> «Wie geht es Mic?»</b>, Wackylickle lag auf der Couch und beäugte Hamza, als wäre er ein Eindringling, sie hatte die Coolness von Hamzas Katze nicht. <br />
Charlotte durfte nicht mehr schwer tragen, Geschirrspüler einräumen ging auch nicht wirklich – zumindest nicht wenn sie nicht dauernd Squats machte. Und ehrlich, wer wollte bei jedem Suppenteller einmal noch eine booty-Übung machen? <b> «Ich glaube hätte Jesús mich heute mit einem Hammer rumlaufen sehen, dann wäre er Zuhause geblieben»</b>, es war kein Geheimnis, dass Lotta schlecht mit Werkzeugen war und Kalk als Endlösung für rinnende Wasserhähne sah. Aber vielleicht hatte sie in dieser Schwangerschaft Handwerker-Superkräfte bekommen – in ihrem Bauch wuchs vielleicht ein kleiner Handwerker heran, der mit einem Mini-Akkuschrauber zur Welt kam. Vielleicht konnte sie heute den Akkuschrauber-Schreckmoment an Hamza ausprobieren – wenn sie sich daran erinnerte, wie Jesús reagiert hatte, erschien immer ein seliges Grinsen auf ihren Lippen. So, wie jetzt. <b> «Möchtest du was zu deine<u>n</u> Bagel»</b> (Mehrzahl), bevor sie sich mit der Wickelkommode beschäftigten, konnten sie auch noch was anderes machen. Bagel. Orangen und fragwürdige Kombinationen von diesen Dingen mit anderen aus dem Kühlschrank. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Charlotte hasste Orangen schälen. Wenn man es mit den Fingern tat, dann klebte danach die ganze weisse klebrige Haut unter den Fingernägeln und man kriegte die Frucht doch nicht befreit davon. Wenn man das Messer nahm, schnitt man die Hälfte des essbaren Teils weg und war danach frustriert darüber. Ausserdem: Foodwaste. Das war hier ein richtiges Wort geworden seit Jesús hier lebte und sie Premium-Einblick in seine Sparsamkeit bekam. Sie liebte das an ihm – irgendwie war das sogar manchmal sowas wie ein kleiner turn-on, wenn er die Marken ihrer Grossmutter in der Hand hielt und sich überlegte wo sie einkaufen gingen. Sie packte die Orangenschnitze auf einen Teller, lehnte sich auf dem Stuhl zurück und tat was jede schwangere Frau mindestens einmal in ihrer Schwangerschaft machte. Sie balancierte den Teller auf ihrem Bauch aus – oder versuchte es zumindest. Denn als es klingelte, musste sie aufstehen. Das hiess aber nicht, dass sie den Teller Orangen zurückliess – nein. Das war in dieser craving-Phase nicht mehr möglich. Sie ass noch unterwegs zur Wohnungstür Schnitze davon – sozusagen als Reiseproviant. <b> «Hamza»</b>, sie lächelte breit, während sie einen Arm öffnete und ihn soweit das ging an sich drückte. <b> «Orange?»</b>, sie hielt ihm den Reiseproviant hin, bevor sie ihn reinliess – draussen nieselte es, es war grau und Hamzas Jacke war feucht davon. <b> «Okay, ich hab’ alles bereit. Die Werkzeugkiste und eine Schale für die Schrauben und die Anleitung. Aber ich glaube sie ist auf Französisch. Du kannst Französisch oder? Anisa kann’s»</b> l’amour, die Sprache der Liebe. Apropo. Charlotte war seit einigen Wochen – naja Monaten -schon etwas obsessive damit, dass Anisa und Hamza auch noch schwanger wurden. Die Vorstellung davon, dass ihre Kinder dann beste Freunde wurden berauschten ihre Hormone manchmal bis zu ein paar Tränen. <b> «Ich habe Bagel gemacht»</b>, weil Hamza dafür sterben würde. Und neben den noch warmen Bagel hatte sie Stäbchen gelegt – weil sie witzig war. <b> «Wie geht es Mic?»</b>, Wackylickle lag auf der Couch und beäugte Hamza, als wäre er ein Eindringling, sie hatte die Coolness von Hamzas Katze nicht. <br />
Charlotte durfte nicht mehr schwer tragen, Geschirrspüler einräumen ging auch nicht wirklich – zumindest nicht wenn sie nicht dauernd Squats machte. Und ehrlich, wer wollte bei jedem Suppenteller einmal noch eine booty-Übung machen? <b> «Ich glaube hätte Jesús mich heute mit einem Hammer rumlaufen sehen, dann wäre er Zuhause geblieben»</b>, es war kein Geheimnis, dass Lotta schlecht mit Werkzeugen war und Kalk als Endlösung für rinnende Wasserhähne sah. Aber vielleicht hatte sie in dieser Schwangerschaft Handwerker-Superkräfte bekommen – in ihrem Bauch wuchs vielleicht ein kleiner Handwerker heran, der mit einem Mini-Akkuschrauber zur Welt kam. Vielleicht konnte sie heute den Akkuschrauber-Schreckmoment an Hamza ausprobieren – wenn sie sich daran erinnerte, wie Jesús reagiert hatte, erschien immer ein seliges Grinsen auf ihren Lippen. So, wie jetzt. <b> «Möchtest du was zu deine<u>n</u> Bagel»</b> (Mehrzahl), bevor sie sich mit der Wickelkommode beschäftigten, konnten sie auch noch was anderes machen. Bagel. Orangen und fragwürdige Kombinationen von diesen Dingen mit anderen aus dem Kühlschrank. <br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[tastes so bitter, feels so sweet]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2607</link>
			<pubDate>Sun, 02 Nov 2025 19:02:14 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=544">Ronan Lynch</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2607</guid>
			<description><![CDATA[Und dann war der Sommer vorbei. Schon seit ein paar Wochen eigentlich, nur hatte es in den letzten Monaten kaum Zeit gegeben, in der Ronan in Enochs Wohnung darüber sinnieren konnte. Kaum Zeit, um Schritt für Schritt zu beobachten, wie sich ein Raum mit den Jahreszeiten veränderte, wenn das Licht anders fiel, die Luft schwerer wurde, die Farbe aus den Tagen rinnte. Man verpasste diesen perfiden schleichenden Prozess, der einen davon überzeugen konnte, alles sei von selbst zur Normalität geworden. Und als wäre es nicht nur der Raum, fühlte sich auch Ronan für einen Moment wieder ganz schwer und konnte es nicht einmal auf die Jahreszeit schieben. Er musste damit aufhören, wusste er auch und seufzte dennoch einmal dramatisch tief, weil er nicht anders konnte. <br />
Denn der Sommer war vorbei, aber die Farbe war nicht aus seinem Alltag gewichen. Dafür sorgte Theo schon, wegen dem er jetzt überhaupt wieder seufzte, weil – ach, was brachte es ihm jetzt, wieder darüber zu grübeln und sich doch nur weiter zu verrennen. Guck mal einer an, Ronan hatte doch nur darüber nachdenken wollen, wie er für die nächsten Monate auf die Insekten verzichten musste, die er mit Enoch bei einer Tasse Kaffee gerne auf dessen Balkon beobachteten, und stattdessen war er bei der Kakerlake gelandet, die kein Winter loswerden konnte. Ronan blinzelte einige Male und schaute beschämt zu Boden, als müsste er sich für einen Gedankengang entschuldigen, den niemand gehört hatte. So dachte er nicht wirklich, natürlich nicht, schob er genervt von sich selbst hinterher, als müsste er sich nicht nur entschuldigen, sondern gleich rechtfertigen. Ronan ließ die Schultern kreisen, einmal, zweimal, als könnte er sich die Reue aus den Gelenken schütteln, und fragte sich flüchtig, was Theo wohl gerade machte. Ob er ihm schreiben sollte? Er sollte ihm schreiben. Als wäre das eine Wiedergutmachung oder vielleicht brauchte er es auch nur als Selbstbeweis und vielleicht sollte er auch einfach durchatmen und ihn aus seinen Gedanken verbannen, in die er gerade auch überhaupt nicht gehörte und genießen, was tatsächlich vor ihm lag.<br />
Er schrieb ihm nicht. Dachte noch mindestens weitere zehn Minuten darüber nach und ließ die Gedanken trotzdem nur weiter kreisen. <b>"Ich freue mich, dich wiederzusehen."</b> Er lachte leise. <b>"Dass wir es dieses Jahr noch schaffen."</b> Mal ganz von Enochs Dreharbeiten der letzten Monate abgesehen, Ronan hatte schon vorher wenig Zeit gehabt, jetzt nur umso mehr. Seine freien Tage galten Theo, die Abende, morgens, wenn er durch die bekannten Straßen scheute, um frühzeitig zurück in der Kirche zu sein und es als morgendlichen Spaziergang verkaufte. Dazwischen kaum Zeit für sich, noch weniger, um sie aktiv mit anderen Leuten zu verbringen, die sich nicht gerade in seinen Arbeitsalltag fügten. Es war nicht ideal, merkte er immer wieder. Aber einen anderen Weg sah er auch nicht. <span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">Außer es mal wieder sein zu lassen, mit Theo, aber da sah er sich gerade ebenfalls wenig.</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Und dann war der Sommer vorbei. Schon seit ein paar Wochen eigentlich, nur hatte es in den letzten Monaten kaum Zeit gegeben, in der Ronan in Enochs Wohnung darüber sinnieren konnte. Kaum Zeit, um Schritt für Schritt zu beobachten, wie sich ein Raum mit den Jahreszeiten veränderte, wenn das Licht anders fiel, die Luft schwerer wurde, die Farbe aus den Tagen rinnte. Man verpasste diesen perfiden schleichenden Prozess, der einen davon überzeugen konnte, alles sei von selbst zur Normalität geworden. Und als wäre es nicht nur der Raum, fühlte sich auch Ronan für einen Moment wieder ganz schwer und konnte es nicht einmal auf die Jahreszeit schieben. Er musste damit aufhören, wusste er auch und seufzte dennoch einmal dramatisch tief, weil er nicht anders konnte. <br />
Denn der Sommer war vorbei, aber die Farbe war nicht aus seinem Alltag gewichen. Dafür sorgte Theo schon, wegen dem er jetzt überhaupt wieder seufzte, weil – ach, was brachte es ihm jetzt, wieder darüber zu grübeln und sich doch nur weiter zu verrennen. Guck mal einer an, Ronan hatte doch nur darüber nachdenken wollen, wie er für die nächsten Monate auf die Insekten verzichten musste, die er mit Enoch bei einer Tasse Kaffee gerne auf dessen Balkon beobachteten, und stattdessen war er bei der Kakerlake gelandet, die kein Winter loswerden konnte. Ronan blinzelte einige Male und schaute beschämt zu Boden, als müsste er sich für einen Gedankengang entschuldigen, den niemand gehört hatte. So dachte er nicht wirklich, natürlich nicht, schob er genervt von sich selbst hinterher, als müsste er sich nicht nur entschuldigen, sondern gleich rechtfertigen. Ronan ließ die Schultern kreisen, einmal, zweimal, als könnte er sich die Reue aus den Gelenken schütteln, und fragte sich flüchtig, was Theo wohl gerade machte. Ob er ihm schreiben sollte? Er sollte ihm schreiben. Als wäre das eine Wiedergutmachung oder vielleicht brauchte er es auch nur als Selbstbeweis und vielleicht sollte er auch einfach durchatmen und ihn aus seinen Gedanken verbannen, in die er gerade auch überhaupt nicht gehörte und genießen, was tatsächlich vor ihm lag.<br />
Er schrieb ihm nicht. Dachte noch mindestens weitere zehn Minuten darüber nach und ließ die Gedanken trotzdem nur weiter kreisen. <b>"Ich freue mich, dich wiederzusehen."</b> Er lachte leise. <b>"Dass wir es dieses Jahr noch schaffen."</b> Mal ganz von Enochs Dreharbeiten der letzten Monate abgesehen, Ronan hatte schon vorher wenig Zeit gehabt, jetzt nur umso mehr. Seine freien Tage galten Theo, die Abende, morgens, wenn er durch die bekannten Straßen scheute, um frühzeitig zurück in der Kirche zu sein und es als morgendlichen Spaziergang verkaufte. Dazwischen kaum Zeit für sich, noch weniger, um sie aktiv mit anderen Leuten zu verbringen, die sich nicht gerade in seinen Arbeitsalltag fügten. Es war nicht ideal, merkte er immer wieder. Aber einen anderen Weg sah er auch nicht. <span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">Außer es mal wieder sein zu lassen, mit Theo, aber da sah er sich gerade ebenfalls wenig.</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Dancing on the backs of the bruised]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2604</link>
			<pubDate>Wed, 22 Oct 2025 14:33:09 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=552">Mortimer Haycock</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2604</guid>
			<description><![CDATA[<b>"Come on, come on, come ooooon!"</b> Mit Schweißperlen auf der Stirn und vor Anspannung heraustretenden Adern an den Schläfen, starrte Morts auf seinen Flachbildfernseher. In der Hand der Controller seiner PS4, auf dem er mit angespannten Muskeln in doubletime Geschwindigkeit immer wieder herum drückte. Wirkte als ging es hier um Leben und Tod, war auch irgendwie so, aber halt nur virtuell, in der Welt eines seiner – von besorgten Eltern gerne als das bezeichneten – <i>Ballerspiele</i>. Keine Ahnung, was ein Charakteranalytiker daraus ziehen würde, aber Morts gehörte zu den Dudes, die halt am Besten runterkamen, wenn sie ein paar gesichtslose Gegner mit nem ganzen Magazin durchlöchern konnten. Und <i>abschalten</i>, das musste er gerade. Nach einer mehrwöchigen Tour durch jede große bis mittelgroße Stadt in ganz Großbritannien, brauchte er ein paar Tage, um wieder in der Realität anzukommen. Dazu gehörte, wie immer, eine kulinarische Reise durch alles, was <i>Just Eats</i> zu bieten hatte, und das intensive Inhalieren von drei bis neun Joints am Tag. Etwas Abstinenz von Bier war auch Teil des After-Tour-Blues, aber diese Phase war schon wieder überstanden: Neben Morts stand bereits die zweite Flasche des heutigen Tages. Er hatte kein Problem (also, wirklich nicht), aber der <i>downfall</i>, wenn plötzlich Lichter, Applaus, Euphorie, Adrenalin und Dopamin ausblieben, musste aufgefangen werden. Einer der Rezipienten dieser Frustration hatte gerade undefinierbare Gehirnmasse in einem besonders schönen Muster verteilt (im Videospiel, klar).<br />
<br />
Richtig <i>locked in</I> in seinem Game, bekam Morts zwar mit, dass jemand die Tür öffnete, aber brauchte noch ne Weile, bis er der Person Beachtung schenkte. Konnte eh nur Zahi sein, sonst hatte niemand einen Schlüssel zu seiner Wohnung (abgesehen von einer Ex-Freundin, die vielleicht noch einen Racheplan schmiedete und irgendwann mitten in der Nacht mit einem Messer neben seinem Bett stand, keine Ahnung). <b>"Was geht, Hoe?"</b> Er sah nicht vom Bildschirm weg, hämmerte weiterhin auf dem Controller rum. <b>"Hast mich vermisst?"</b> Nach der Tour hatten sie alle Abstand voneinander gebraucht, aber diesen schien Zahi nun für beendet zu erklären.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>"Come on, come on, come ooooon!"</b> Mit Schweißperlen auf der Stirn und vor Anspannung heraustretenden Adern an den Schläfen, starrte Morts auf seinen Flachbildfernseher. In der Hand der Controller seiner PS4, auf dem er mit angespannten Muskeln in doubletime Geschwindigkeit immer wieder herum drückte. Wirkte als ging es hier um Leben und Tod, war auch irgendwie so, aber halt nur virtuell, in der Welt eines seiner – von besorgten Eltern gerne als das bezeichneten – <i>Ballerspiele</i>. Keine Ahnung, was ein Charakteranalytiker daraus ziehen würde, aber Morts gehörte zu den Dudes, die halt am Besten runterkamen, wenn sie ein paar gesichtslose Gegner mit nem ganzen Magazin durchlöchern konnten. Und <i>abschalten</i>, das musste er gerade. Nach einer mehrwöchigen Tour durch jede große bis mittelgroße Stadt in ganz Großbritannien, brauchte er ein paar Tage, um wieder in der Realität anzukommen. Dazu gehörte, wie immer, eine kulinarische Reise durch alles, was <i>Just Eats</i> zu bieten hatte, und das intensive Inhalieren von drei bis neun Joints am Tag. Etwas Abstinenz von Bier war auch Teil des After-Tour-Blues, aber diese Phase war schon wieder überstanden: Neben Morts stand bereits die zweite Flasche des heutigen Tages. Er hatte kein Problem (also, wirklich nicht), aber der <i>downfall</i>, wenn plötzlich Lichter, Applaus, Euphorie, Adrenalin und Dopamin ausblieben, musste aufgefangen werden. Einer der Rezipienten dieser Frustration hatte gerade undefinierbare Gehirnmasse in einem besonders schönen Muster verteilt (im Videospiel, klar).<br />
<br />
Richtig <i>locked in</I> in seinem Game, bekam Morts zwar mit, dass jemand die Tür öffnete, aber brauchte noch ne Weile, bis er der Person Beachtung schenkte. Konnte eh nur Zahi sein, sonst hatte niemand einen Schlüssel zu seiner Wohnung (abgesehen von einer Ex-Freundin, die vielleicht noch einen Racheplan schmiedete und irgendwann mitten in der Nacht mit einem Messer neben seinem Bett stand, keine Ahnung). <b>"Was geht, Hoe?"</b> Er sah nicht vom Bildschirm weg, hämmerte weiterhin auf dem Controller rum. <b>"Hast mich vermisst?"</b> Nach der Tour hatten sie alle Abstand voneinander gebraucht, aber diesen schien Zahi nun für beendet zu erklären.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[If I had a theme song it would probably be incoherent screaming]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2590</link>
			<pubDate>Thu, 02 Oct 2025 23:00:59 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=548">Stefania Stewart</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2590</guid>
			<description><![CDATA[Irgendwie hatte Steve ja einfach Pech. Schon immer gehabt, keine Ahnung, wie das möglich war und es hatte einige Momente in ihrem Leben gewesen, da hätte sie fast der Glauben an irgendeine supernatürliche Macht gekriegt, weil <i>das kann doch jetzt nicht sein</i>. So oder so ähnlich hallte es auch jetzt in ihrem Kopf, als sie zum siebten Mal in bestimmt 2,35 Sekunden auf den gleichen Knopf der Waschmaschine drückte und sich nichts tat außer dieses ominöse Geblinke, das nur Unheil versprechen konnte. <i>"Das ist nicht dein ernst"</i>, blieb die Beschwerde in ihrem Kopf, weil Steve schon genug Probleme jonglierte und <i>'spricht mit störrischen Haushaltsgeräten'</i> nicht auch noch auf die Liste setzen musste. Hörten eh nicht zu und fühlen taten sie zwar auch nicht, das hielt sie allerdings wiederum nicht davon ab, einmal mit der flachen Hand auf die Decke der Waschmaschine zu hauen und diese danach vehement zu schütteln, weil das mehr weh tat als es sollte. Wenn die davon nicht zum Laufen kam, dann hatte sie wenigstens kurz ein Ventil für den Frust gefunden, der sich jetzt schon wieder gefährlich staute. Aber nö – die wollte immer noch nicht, Steve fühlte sich kein Stück entlasteter und für einen Moment starrte sie in das einzelne Wackelauge, das Rory irgendwann mal auf das Gerät geklebt hatte. <i>"Brauchst du gar nicht so gucken"</i>, ging's weiter mit der telepathischen Kommunikation und am liebsten hätte sie nochmal gegengetreten, aber ne, passte schon. War voll okay jetzt. Gar kein Problem, ne, sie hatte keinen Wäscheberg, den sie die letzten Tage schon vernachlässigt hatte. Steve fuhr sich durchs Gesicht und drückte für einen Moment gegen ihre geschlossenen Augen, während sie überlegte, was jetzt. Sie hatte dafür jetzt keine Zeit, sie wollte nur schnell die Wäsche reinwerfen und dann los. Wo war ihr scheiß Handy…<br />
<br />
Steve scrollte kurz durch die Kontakte und legte ihr Handy auf die Maschine, während sie beim Durchklingeln schon dabei war, die Trommel wieder auszuräumen. <b>"Hey, du, sag mal, kann ich bei dir waschen?"</b> Sie stand wieder auf, als alles im Korb war, sah aufs Display und – oh shit. Akku fast leer. <b>"Scheibenkl– warte kurz, ich find mein Ladekabel nicht."</b> Musste hier irgendwo stecken, ach komm, was denn noch jetzt??! <b>"Wenn ich gleich weg bin, dann–"</b>, <i>weißt du bescheid</i>, hätte Steve weitergemacht, doch zu spät, Bildschirm schwarz, großartig. <b>"Ernsthaft?!"</b>, brach sie dann doch ihr Versprechen und starrte auf das Display, als müsste sich das jetzt sofort rechtfertigen. Sie brauchte nen Drink, nen Kopfschuss, das BLÖDE LADEKABEL. Wo war dieses verdammte… Hätte sie mal aufgeräumt gestern oder vorgestern oder vorvorgester– ach da. Gefunden. Da zwischen zwei Kissen auf dem Sofa, wo es wirklich überhaupt nicht hingehörte. Und dann hieß es gekrümmt über der Küchenzeile warten und warten und sich in Geduld üben und sich fragen ob man nicht doch die Sylvia Plath machen sollte (ach warte, Öfen liefen gar nicht mehr mit Gas, blöd). <b>"Sorry, Akku leer"</b>, hörte man Steve ein paar Minuten später genervt durch die Lautsprecher. Sie war jetzt schon bereit fürs Bett, ey.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Irgendwie hatte Steve ja einfach Pech. Schon immer gehabt, keine Ahnung, wie das möglich war und es hatte einige Momente in ihrem Leben gewesen, da hätte sie fast der Glauben an irgendeine supernatürliche Macht gekriegt, weil <i>das kann doch jetzt nicht sein</i>. So oder so ähnlich hallte es auch jetzt in ihrem Kopf, als sie zum siebten Mal in bestimmt 2,35 Sekunden auf den gleichen Knopf der Waschmaschine drückte und sich nichts tat außer dieses ominöse Geblinke, das nur Unheil versprechen konnte. <i>"Das ist nicht dein ernst"</i>, blieb die Beschwerde in ihrem Kopf, weil Steve schon genug Probleme jonglierte und <i>'spricht mit störrischen Haushaltsgeräten'</i> nicht auch noch auf die Liste setzen musste. Hörten eh nicht zu und fühlen taten sie zwar auch nicht, das hielt sie allerdings wiederum nicht davon ab, einmal mit der flachen Hand auf die Decke der Waschmaschine zu hauen und diese danach vehement zu schütteln, weil das mehr weh tat als es sollte. Wenn die davon nicht zum Laufen kam, dann hatte sie wenigstens kurz ein Ventil für den Frust gefunden, der sich jetzt schon wieder gefährlich staute. Aber nö – die wollte immer noch nicht, Steve fühlte sich kein Stück entlasteter und für einen Moment starrte sie in das einzelne Wackelauge, das Rory irgendwann mal auf das Gerät geklebt hatte. <i>"Brauchst du gar nicht so gucken"</i>, ging's weiter mit der telepathischen Kommunikation und am liebsten hätte sie nochmal gegengetreten, aber ne, passte schon. War voll okay jetzt. Gar kein Problem, ne, sie hatte keinen Wäscheberg, den sie die letzten Tage schon vernachlässigt hatte. Steve fuhr sich durchs Gesicht und drückte für einen Moment gegen ihre geschlossenen Augen, während sie überlegte, was jetzt. Sie hatte dafür jetzt keine Zeit, sie wollte nur schnell die Wäsche reinwerfen und dann los. Wo war ihr scheiß Handy…<br />
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Steve scrollte kurz durch die Kontakte und legte ihr Handy auf die Maschine, während sie beim Durchklingeln schon dabei war, die Trommel wieder auszuräumen. <b>"Hey, du, sag mal, kann ich bei dir waschen?"</b> Sie stand wieder auf, als alles im Korb war, sah aufs Display und – oh shit. Akku fast leer. <b>"Scheibenkl– warte kurz, ich find mein Ladekabel nicht."</b> Musste hier irgendwo stecken, ach komm, was denn noch jetzt??! <b>"Wenn ich gleich weg bin, dann–"</b>, <i>weißt du bescheid</i>, hätte Steve weitergemacht, doch zu spät, Bildschirm schwarz, großartig. <b>"Ernsthaft?!"</b>, brach sie dann doch ihr Versprechen und starrte auf das Display, als müsste sich das jetzt sofort rechtfertigen. Sie brauchte nen Drink, nen Kopfschuss, das BLÖDE LADEKABEL. Wo war dieses verdammte… Hätte sie mal aufgeräumt gestern oder vorgestern oder vorvorgester– ach da. Gefunden. Da zwischen zwei Kissen auf dem Sofa, wo es wirklich überhaupt nicht hingehörte. Und dann hieß es gekrümmt über der Küchenzeile warten und warten und sich in Geduld üben und sich fragen ob man nicht doch die Sylvia Plath machen sollte (ach warte, Öfen liefen gar nicht mehr mit Gas, blöd). <b>"Sorry, Akku leer"</b>, hörte man Steve ein paar Minuten später genervt durch die Lautsprecher. Sie war jetzt schon bereit fürs Bett, ey.]]></content:encoded>
		</item>
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			<title><![CDATA[Something drove me to her glistering core]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2585</link>
			<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 00:38:52 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=545">Josphat Kamau</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2585</guid>
			<description><![CDATA[Sonntags hatte Jos sich eine eigene kleine Tradition erschaffen: Anstatt – wie viele mittelständige Briten – in einem Pub zum <i>Sunday Roast</i> aufzukreuzen, tauchte er umangekündigt bei Freunden oder Nachbarn auf und lud sich selber dort zum Essen ein. Erstens stärkte das sein Community-Gefühl, zweitens bekam er dadurch wenigstens an einem Tag in der Woche etwas Gutes in den Magen, das nicht nur aus Konservierungsstoffen und Fett bestand (naja, meistens), und drittens war sonntags sowieso Leerlauf. Jos hatte an diesem letzten vermeintlich heiligen Tag der Woche immer einige anstrengende Arbeits-Schichten hinter sich und konnte deshalb ein paar fröhliche Stunden im Kreise geschätzter Menschen gut gebrauchen.<br />
<br />
An diesem Sonntag zog es ihn unerwartet raus aus Oldham, dorthin, wo Jos nur kopfschüttelnd durch die Straßen fahren und immer wieder leise Flüche über Gentrifizierung in seinen gestutzten Bart nuscheln konnte. Vorbei an gut gefüllten Imbissen, die überteuerte Poke Bowls oder vietnamesische Phở anboten, im Augenwinkel immer ein paar verkaterte Hipster oder achtsame Yogis. Der ein oder andere fluffige, kleine Hund ließ Jos schnaubend auflachen, nur um kurz darauf laut zu fluchen, weil ein Öko-Dude auf einem Fahrrad ihn ausbremste. In seiner Brust schwoll verdammt viel Frustration über die Entwicklung der Gesellschaft und dieses einstige Arbeiter-Viertel, in dem die Mieten mittlerweile so hoch gestiegen waren, dass Zuziehende in der Regel weiß waren und sich irgendwo auf einer akademischen Laufbahn befanden. Fuck man, vielleicht wurde er auch einfach alt. Regten alte Leute sich nicht ständig über alles auf?<br />
<br />
Einige Minuten später hatte Jos seinen Van in einer Nebenstraße geparkt und stieg die Treppen zur Wohnung von Baz und Eshaal hoch, seinen für heute auserkorenen Gastgebern. Er fand es besonders charmant seine Besuche im Vorfeld nicht anzukündigen, sondern Menschen <i>on the spot</i> mit seiner (hungrigen) Anwesenheit zu überwältigen. So wie man’s früher halt gemacht hatte, vor Social Media und Handys. <br />
Auf dem Gesicht des großen, einschüchternden Mannes prangte deshalb ein sympathisches Lächeln, als vor ihm die Tür geöffnet wurde und Eshaal im Eingang erschien. Vielleicht lächelte Jos sogar noch ein bisschen breiter als üblich, sie zog das irgendwie aus ihm heraus. <b>"Ich hoffe ihr habt was Essbares im Haus"</b>, forderte er ein, die Arme leicht geöffnet und seine weißen Zähne weiterhin entblößt. <b>"Hi Darling, schön dich zu sehen. Ist Baz auch da? Ich dachte ich komm mal rum und check ab, ob ihr schon unter die Hipster gegangen seid."</b> Weil Jos nur in den seltensten Fällen eine Abweisung in Kauf nahm, schob er sich wie selbstverständlich in die Wohnung hinein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Sonntags hatte Jos sich eine eigene kleine Tradition erschaffen: Anstatt – wie viele mittelständige Briten – in einem Pub zum <i>Sunday Roast</i> aufzukreuzen, tauchte er umangekündigt bei Freunden oder Nachbarn auf und lud sich selber dort zum Essen ein. Erstens stärkte das sein Community-Gefühl, zweitens bekam er dadurch wenigstens an einem Tag in der Woche etwas Gutes in den Magen, das nicht nur aus Konservierungsstoffen und Fett bestand (naja, meistens), und drittens war sonntags sowieso Leerlauf. Jos hatte an diesem letzten vermeintlich heiligen Tag der Woche immer einige anstrengende Arbeits-Schichten hinter sich und konnte deshalb ein paar fröhliche Stunden im Kreise geschätzter Menschen gut gebrauchen.<br />
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An diesem Sonntag zog es ihn unerwartet raus aus Oldham, dorthin, wo Jos nur kopfschüttelnd durch die Straßen fahren und immer wieder leise Flüche über Gentrifizierung in seinen gestutzten Bart nuscheln konnte. Vorbei an gut gefüllten Imbissen, die überteuerte Poke Bowls oder vietnamesische Phở anboten, im Augenwinkel immer ein paar verkaterte Hipster oder achtsame Yogis. Der ein oder andere fluffige, kleine Hund ließ Jos schnaubend auflachen, nur um kurz darauf laut zu fluchen, weil ein Öko-Dude auf einem Fahrrad ihn ausbremste. In seiner Brust schwoll verdammt viel Frustration über die Entwicklung der Gesellschaft und dieses einstige Arbeiter-Viertel, in dem die Mieten mittlerweile so hoch gestiegen waren, dass Zuziehende in der Regel weiß waren und sich irgendwo auf einer akademischen Laufbahn befanden. Fuck man, vielleicht wurde er auch einfach alt. Regten alte Leute sich nicht ständig über alles auf?<br />
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Einige Minuten später hatte Jos seinen Van in einer Nebenstraße geparkt und stieg die Treppen zur Wohnung von Baz und Eshaal hoch, seinen für heute auserkorenen Gastgebern. Er fand es besonders charmant seine Besuche im Vorfeld nicht anzukündigen, sondern Menschen <i>on the spot</i> mit seiner (hungrigen) Anwesenheit zu überwältigen. So wie man’s früher halt gemacht hatte, vor Social Media und Handys. <br />
Auf dem Gesicht des großen, einschüchternden Mannes prangte deshalb ein sympathisches Lächeln, als vor ihm die Tür geöffnet wurde und Eshaal im Eingang erschien. Vielleicht lächelte Jos sogar noch ein bisschen breiter als üblich, sie zog das irgendwie aus ihm heraus. <b>"Ich hoffe ihr habt was Essbares im Haus"</b>, forderte er ein, die Arme leicht geöffnet und seine weißen Zähne weiterhin entblößt. <b>"Hi Darling, schön dich zu sehen. Ist Baz auch da? Ich dachte ich komm mal rum und check ab, ob ihr schon unter die Hipster gegangen seid."</b> Weil Jos nur in den seltensten Fällen eine Abweisung in Kauf nahm, schob er sich wie selbstverständlich in die Wohnung hinein.]]></content:encoded>
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