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		<title><![CDATA[Lost the plot - The smell alone is enough to make me gag. ]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Sun, 05 Jul 2026 00:15:19 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Of course I’ll live to 96 and fix the welfare state]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2638</link>
			<pubDate>Sat, 17 Jan 2026 14:50:01 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=189">Jesse Ruffino</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2638</guid>
			<description><![CDATA[Musste man nicht weiter drüber reden, dass Jay auf dem Weg zum Norm ca. zweimal fast umgefallen wäre, weil die heftigen Schmerzmittel auf leeren Magen doch unerwartet ballerten, und er für den Weg doppelt so lang wie normal gebraucht hatte. Half auch nicht, dass in seinem Kopf rotierte, wie pissig Enoch seine Wohnung verlassen hatte ohne vernünftige Verabschiedung und dass sein Dealer ihm relativ verständnislos den Scheiß zwar verkauft hatte, sich aber auch gewundert, warum er sich dafür nicht einfach ein Rezept holte, nachdem klar geworden war, dass das mit dem Rippenbruch nicht nur ne Ausrede gewesen war. Die konnten ihn alle mal. Gar nicht überraschend fiel Fos Reaktion nicht besser aus, allerdings wusste der’s besser, als ihn direkt wieder nach Hause schicken zu wollen.<br />
<br />
Dabei nahm Jay nicht mal ein Messer in die Hand, keine Sorge, die erste halbe Stunde musste er einfach nur sitzen an dem kleinen Tisch neben der Tür und bedrohlich und getreten gleichermaßen aussehen. Bisschen meckern konnte er, aber die Stimmung war komisch und angespannt und niemand wusste so recht, was mit ihm anzufangen war, das merkte Jay schon selbst. Kotzte ihn an, er war ja nicht auf den Kopf gefallen, sondern—und dann sagte Fo es ihm doch, dass er nach Hause oder zu seinem Freund gehen solle, weil es ganz danach klang, als würde der ihn brauchen. <br />
Jay starrte ihm viel zu lange regungslos ins Gesicht, während es in seinem Kopf ratterte und schraubte und man mit so ‘nem Schwerlastkran eine neue Synapsenbrücke zwischen seinen Hirnzellen konstruierte.<br />
<br />
Achso.<br />
<br />
Eigentlich hatte er Enoch die Wahl geben wollen, ob der Ente oder Schwertfisch wollte, aber vielleicht war’s ihm dann doch nicht so wichtig und er entschied einfach, dass er ihm Fisch mitbrachte und ein bisschen was dazu. Ob der Oktopus aß, wusste er auch nicht so genau, weil Muscheln definitiv, aber bei Meerstieren mit Füßen hörte es vielleicht auf, also hatte Jay alleine Fos Ceviche gesnackt, um sich für den anstehenden Weg zu stärken.<br />
Im Hausflur gab’s die obligatorischen Petit Fours (oder was seine Pâtissière aktuell im Angebot hatte) für Hugh oder Charles oder wie der Concierge nochmal hieß, der da den ganzen Tag hockte und kein Sonnenlicht sah. Aber vor allem gab’s hier einen Aufzug, ansonsten hätte Jay sich für ne Woche ein Hotel genommen (klar). <br />
<br />
Klingeln, warten, sich davon abhalten, den Kopf gegen den Türrahmen zu schlagen (er spürte grade wenig, den Pillen sei Dank). Normalerweise hätte er sich angekündigt, aber irgendwie war ihm das entfallen, aber offenbar hatte Jay seit gestern eh ein Drittel seines Hirns eingebüßt. So ein Abfuck, das alles. <br />
Er hob den Blick, als die Tür aufging, seine Haltung war auch schon mal aufrechter gewesen, in der einen Hand die vielversprechende Plastiktüte mit den Assietten, die andere am Türrahmen als Stütze. Einen Moment lang sah er Enoch schweigend an in dessen müdes Gesicht, als hätte er nicht den gesamten Weg hierher einstudiert, was er zu sagen hatte. Für ein langes Blinzeln schloss er die Augen, ehe er über Enochs Schulter in dessen Wohnung sah, sich raffte und dann doch wieder seinen Blick auffing. „Enoch, tut mir leid, ich war ein Arschloch.“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Musste man nicht weiter drüber reden, dass Jay auf dem Weg zum Norm ca. zweimal fast umgefallen wäre, weil die heftigen Schmerzmittel auf leeren Magen doch unerwartet ballerten, und er für den Weg doppelt so lang wie normal gebraucht hatte. Half auch nicht, dass in seinem Kopf rotierte, wie pissig Enoch seine Wohnung verlassen hatte ohne vernünftige Verabschiedung und dass sein Dealer ihm relativ verständnislos den Scheiß zwar verkauft hatte, sich aber auch gewundert, warum er sich dafür nicht einfach ein Rezept holte, nachdem klar geworden war, dass das mit dem Rippenbruch nicht nur ne Ausrede gewesen war. Die konnten ihn alle mal. Gar nicht überraschend fiel Fos Reaktion nicht besser aus, allerdings wusste der’s besser, als ihn direkt wieder nach Hause schicken zu wollen.<br />
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Dabei nahm Jay nicht mal ein Messer in die Hand, keine Sorge, die erste halbe Stunde musste er einfach nur sitzen an dem kleinen Tisch neben der Tür und bedrohlich und getreten gleichermaßen aussehen. Bisschen meckern konnte er, aber die Stimmung war komisch und angespannt und niemand wusste so recht, was mit ihm anzufangen war, das merkte Jay schon selbst. Kotzte ihn an, er war ja nicht auf den Kopf gefallen, sondern—und dann sagte Fo es ihm doch, dass er nach Hause oder zu seinem Freund gehen solle, weil es ganz danach klang, als würde der ihn brauchen. <br />
Jay starrte ihm viel zu lange regungslos ins Gesicht, während es in seinem Kopf ratterte und schraubte und man mit so ‘nem Schwerlastkran eine neue Synapsenbrücke zwischen seinen Hirnzellen konstruierte.<br />
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Achso.<br />
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Eigentlich hatte er Enoch die Wahl geben wollen, ob der Ente oder Schwertfisch wollte, aber vielleicht war’s ihm dann doch nicht so wichtig und er entschied einfach, dass er ihm Fisch mitbrachte und ein bisschen was dazu. Ob der Oktopus aß, wusste er auch nicht so genau, weil Muscheln definitiv, aber bei Meerstieren mit Füßen hörte es vielleicht auf, also hatte Jay alleine Fos Ceviche gesnackt, um sich für den anstehenden Weg zu stärken.<br />
Im Hausflur gab’s die obligatorischen Petit Fours (oder was seine Pâtissière aktuell im Angebot hatte) für Hugh oder Charles oder wie der Concierge nochmal hieß, der da den ganzen Tag hockte und kein Sonnenlicht sah. Aber vor allem gab’s hier einen Aufzug, ansonsten hätte Jay sich für ne Woche ein Hotel genommen (klar). <br />
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Klingeln, warten, sich davon abhalten, den Kopf gegen den Türrahmen zu schlagen (er spürte grade wenig, den Pillen sei Dank). Normalerweise hätte er sich angekündigt, aber irgendwie war ihm das entfallen, aber offenbar hatte Jay seit gestern eh ein Drittel seines Hirns eingebüßt. So ein Abfuck, das alles. <br />
Er hob den Blick, als die Tür aufging, seine Haltung war auch schon mal aufrechter gewesen, in der einen Hand die vielversprechende Plastiktüte mit den Assietten, die andere am Türrahmen als Stütze. Einen Moment lang sah er Enoch schweigend an in dessen müdes Gesicht, als hätte er nicht den gesamten Weg hierher einstudiert, was er zu sagen hatte. Für ein langes Blinzeln schloss er die Augen, ehe er über Enochs Schulter in dessen Wohnung sah, sich raffte und dann doch wieder seinen Blick auffing. „Enoch, tut mir leid, ich war ein Arschloch.“]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[queen energy doesn't chase clowns]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2637</link>
			<pubDate>Fri, 16 Jan 2026 11:55:36 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=550">Fernanda Gálvez</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2637</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Es roch nach italienischem Essen: Basilikum, geschmolzener Mozzarella, Tomaten und der Pizzaiolo war heiss, der gerade den Teig über seinem Finger balancierte und sie mit einem Grinsen ansah. Sie liebte Italiener. Sie waren charmant, in ihrer Sprache war Zahnstocher das aller süsseste Wort und wenn man Glück hatte arbeitete der Mann in einem italienischen Restaurant. Herzflattern. In diesem Laden hier gab es keine amerikanische Pizza – nichts das auf 4cm zu dicken Teig hinwies, kein falscher Käse in der Kruste versteckt. Hier arbeiteten echte Italiener, die noch wussten, wie sie ihren Mozzarella lagern mussten, damit er seinen Geschmack nicht verlor. Hier drin arbeitete die Nonna dieses süssen Italos, die mit ihren Siebzig noch den Teig knetete, als hätte sie ein Leben als Maurer hinter sich. Hier drin lief nicht alles nach Hygienevorschriften, hier drin war Charme, ein bisschen Dreck am Boden und Schweissperlen an der Stirn der Männer. Nur Nonna schwitzte nicht. Sie war immun. <b> «Grazie mille»</b> - prego, prego. Hier kam sie immer her, wenn sie Pizza wollte. <i>Vorsicht heiss und fettig</i>, damit wich sie einem Nachbar aus auf dem Weg zu Mortimer. Es war kurz vor elf Uhr Abends. Sie war geduscht, sie war im Minirock (mit Trainerhosen in der Handtasche) und sie fühlte sich unheimlich sexy mit ihrem offenen Vintagemantel und der Pose, die sie gerade am Türrahmen einnahm, in der sie Morts die Pizza präsentierte. Sie wollte einen 10/10 Bootycall (wenn er schon rief und sie eigentlich auch hatte schreiben wollen) und Mortimer wollte Pizza, um sein Energielevel hochzuhalten. Naja, meistens wurde es nach zu viel Pizza eher low. Darum gab es nur <i>Eine</i> für sie beide, dafür vom süssen Italiener, der extra Chorizo drauf gepackt hatte. <b> «Buanosera papí»</b>, sie liebte Morts. Nicht mehr auf die Art, wie sie ihn mit Fünfzehn geliebt hatte – mit Herzschmerz und Eifersucht und Wut im Bauch, wenn er mit einem anderen Mädchen in der Klasse Bus gefahren war. Aber sie mochte es, dass sie sich kannten. Sie konnten streiten und sich dann doch wieder schreiben: <i>Hast du Zeit?</i> (Auch wenn sie 9 von 10 Mal seiner Anfragen absagte) Sie drückte sich an ihm  vorbei, küsste ihn auf die Wange und schob sich die Schuhe von den Füssen, als würde sie gerade bei sich selbst nach Hause kommen. <b> «Palo Santos?»</b>, es roch wie in einem orientalischen Freudenhaus, Palo, damit der Geruch von schwitzenden alten Männern überdeckt wurde (in diesem Fall einem Mann, der den ganzen Tag seine Konsole hatte heiss laufen lassen). Als gute mamacita wusste sie damit aber umzugehen: Sie riess noch bevor sie die Pizzaschachtel abgestellt hatte zwei Fenster auf, stellte erst danach die Pizzaschachtel ab und friemelte einen Moment in einer Manteltasche. <b> «Extra Chorizo»</b>, sie neigte den Kopf, um ihn anzulächeln. Dann erreichte sie auch schon das kleine Pack in ihrer Manteltasche und packte sie oben auf die Pizzaschachtel drauf, als wäre sie die Beilage dazu. Präservative. <b> «Die leuchten im Dunkeln»</b>, darum die neongrüne Abbildung des Kondoms mit süssem Gesicht auf der Packung. Ihre Mundwinkel zuckten vom Lächeln in ein Grinsen, während sie ihm einen erheiterten Seitenblick schenkte. Sie war Verhütungsqueen. </div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Es roch nach italienischem Essen: Basilikum, geschmolzener Mozzarella, Tomaten und der Pizzaiolo war heiss, der gerade den Teig über seinem Finger balancierte und sie mit einem Grinsen ansah. Sie liebte Italiener. Sie waren charmant, in ihrer Sprache war Zahnstocher das aller süsseste Wort und wenn man Glück hatte arbeitete der Mann in einem italienischen Restaurant. Herzflattern. In diesem Laden hier gab es keine amerikanische Pizza – nichts das auf 4cm zu dicken Teig hinwies, kein falscher Käse in der Kruste versteckt. Hier arbeiteten echte Italiener, die noch wussten, wie sie ihren Mozzarella lagern mussten, damit er seinen Geschmack nicht verlor. Hier drin arbeitete die Nonna dieses süssen Italos, die mit ihren Siebzig noch den Teig knetete, als hätte sie ein Leben als Maurer hinter sich. Hier drin lief nicht alles nach Hygienevorschriften, hier drin war Charme, ein bisschen Dreck am Boden und Schweissperlen an der Stirn der Männer. Nur Nonna schwitzte nicht. Sie war immun. <b> «Grazie mille»</b> - prego, prego. Hier kam sie immer her, wenn sie Pizza wollte. <i>Vorsicht heiss und fettig</i>, damit wich sie einem Nachbar aus auf dem Weg zu Mortimer. Es war kurz vor elf Uhr Abends. Sie war geduscht, sie war im Minirock (mit Trainerhosen in der Handtasche) und sie fühlte sich unheimlich sexy mit ihrem offenen Vintagemantel und der Pose, die sie gerade am Türrahmen einnahm, in der sie Morts die Pizza präsentierte. Sie wollte einen 10/10 Bootycall (wenn er schon rief und sie eigentlich auch hatte schreiben wollen) und Mortimer wollte Pizza, um sein Energielevel hochzuhalten. Naja, meistens wurde es nach zu viel Pizza eher low. Darum gab es nur <i>Eine</i> für sie beide, dafür vom süssen Italiener, der extra Chorizo drauf gepackt hatte. <b> «Buanosera papí»</b>, sie liebte Morts. Nicht mehr auf die Art, wie sie ihn mit Fünfzehn geliebt hatte – mit Herzschmerz und Eifersucht und Wut im Bauch, wenn er mit einem anderen Mädchen in der Klasse Bus gefahren war. Aber sie mochte es, dass sie sich kannten. Sie konnten streiten und sich dann doch wieder schreiben: <i>Hast du Zeit?</i> (Auch wenn sie 9 von 10 Mal seiner Anfragen absagte) Sie drückte sich an ihm  vorbei, küsste ihn auf die Wange und schob sich die Schuhe von den Füssen, als würde sie gerade bei sich selbst nach Hause kommen. <b> «Palo Santos?»</b>, es roch wie in einem orientalischen Freudenhaus, Palo, damit der Geruch von schwitzenden alten Männern überdeckt wurde (in diesem Fall einem Mann, der den ganzen Tag seine Konsole hatte heiss laufen lassen). Als gute mamacita wusste sie damit aber umzugehen: Sie riess noch bevor sie die Pizzaschachtel abgestellt hatte zwei Fenster auf, stellte erst danach die Pizzaschachtel ab und friemelte einen Moment in einer Manteltasche. <b> «Extra Chorizo»</b>, sie neigte den Kopf, um ihn anzulächeln. Dann erreichte sie auch schon das kleine Pack in ihrer Manteltasche und packte sie oben auf die Pizzaschachtel drauf, als wäre sie die Beilage dazu. Präservative. <b> «Die leuchten im Dunkeln»</b>, darum die neongrüne Abbildung des Kondoms mit süssem Gesicht auf der Packung. Ihre Mundwinkel zuckten vom Lächeln in ein Grinsen, während sie ihm einen erheiterten Seitenblick schenkte. Sie war Verhütungsqueen. </div>]]></content:encoded>
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		<item>
			<title><![CDATA[hocus pocus - i cannot focus]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2635</link>
			<pubDate>Sun, 11 Jan 2026 16:02:19 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=559">Charlotte Bernstein</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2635</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Charlotte hasste Orangen schälen. Wenn man es mit den Fingern tat, dann klebte danach die ganze weisse klebrige Haut unter den Fingernägeln und man kriegte die Frucht doch nicht befreit davon. Wenn man das Messer nahm, schnitt man die Hälfte des essbaren Teils weg und war danach frustriert darüber. Ausserdem: Foodwaste. Das war hier ein richtiges Wort geworden seit Jesús hier lebte und sie Premium-Einblick in seine Sparsamkeit bekam. Sie liebte das an ihm – irgendwie war das sogar manchmal sowas wie ein kleiner turn-on, wenn er die Marken ihrer Grossmutter in der Hand hielt und sich überlegte wo sie einkaufen gingen. Sie packte die Orangenschnitze auf einen Teller, lehnte sich auf dem Stuhl zurück und tat was jede schwangere Frau mindestens einmal in ihrer Schwangerschaft machte. Sie balancierte den Teller auf ihrem Bauch aus – oder versuchte es zumindest. Denn als es klingelte, musste sie aufstehen. Das hiess aber nicht, dass sie den Teller Orangen zurückliess – nein. Das war in dieser craving-Phase nicht mehr möglich. Sie ass noch unterwegs zur Wohnungstür Schnitze davon – sozusagen als Reiseproviant. <b> «Hamza»</b>, sie lächelte breit, während sie einen Arm öffnete und ihn soweit das ging an sich drückte. <b> «Orange?»</b>, sie hielt ihm den Reiseproviant hin, bevor sie ihn reinliess – draussen nieselte es, es war grau und Hamzas Jacke war feucht davon. <b> «Okay, ich hab’ alles bereit. Die Werkzeugkiste und eine Schale für die Schrauben und die Anleitung. Aber ich glaube sie ist auf Französisch. Du kannst Französisch oder? Anisa kann’s»</b> l’amour, die Sprache der Liebe. Apropo. Charlotte war seit einigen Wochen – naja Monaten -schon etwas obsessive damit, dass Anisa und Hamza auch noch schwanger wurden. Die Vorstellung davon, dass ihre Kinder dann beste Freunde wurden berauschten ihre Hormone manchmal bis zu ein paar Tränen. <b> «Ich habe Bagel gemacht»</b>, weil Hamza dafür sterben würde. Und neben den noch warmen Bagel hatte sie Stäbchen gelegt – weil sie witzig war. <b> «Wie geht es Mic?»</b>, Wackylickle lag auf der Couch und beäugte Hamza, als wäre er ein Eindringling, sie hatte die Coolness von Hamzas Katze nicht. <br />
Charlotte durfte nicht mehr schwer tragen, Geschirrspüler einräumen ging auch nicht wirklich – zumindest nicht wenn sie nicht dauernd Squats machte. Und ehrlich, wer wollte bei jedem Suppenteller einmal noch eine booty-Übung machen? <b> «Ich glaube hätte Jesús mich heute mit einem Hammer rumlaufen sehen, dann wäre er Zuhause geblieben»</b>, es war kein Geheimnis, dass Lotta schlecht mit Werkzeugen war und Kalk als Endlösung für rinnende Wasserhähne sah. Aber vielleicht hatte sie in dieser Schwangerschaft Handwerker-Superkräfte bekommen – in ihrem Bauch wuchs vielleicht ein kleiner Handwerker heran, der mit einem Mini-Akkuschrauber zur Welt kam. Vielleicht konnte sie heute den Akkuschrauber-Schreckmoment an Hamza ausprobieren – wenn sie sich daran erinnerte, wie Jesús reagiert hatte, erschien immer ein seliges Grinsen auf ihren Lippen. So, wie jetzt. <b> «Möchtest du was zu deine<u>n</u> Bagel»</b> (Mehrzahl), bevor sie sich mit der Wickelkommode beschäftigten, konnten sie auch noch was anderes machen. Bagel. Orangen und fragwürdige Kombinationen von diesen Dingen mit anderen aus dem Kühlschrank. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Charlotte hasste Orangen schälen. Wenn man es mit den Fingern tat, dann klebte danach die ganze weisse klebrige Haut unter den Fingernägeln und man kriegte die Frucht doch nicht befreit davon. Wenn man das Messer nahm, schnitt man die Hälfte des essbaren Teils weg und war danach frustriert darüber. Ausserdem: Foodwaste. Das war hier ein richtiges Wort geworden seit Jesús hier lebte und sie Premium-Einblick in seine Sparsamkeit bekam. Sie liebte das an ihm – irgendwie war das sogar manchmal sowas wie ein kleiner turn-on, wenn er die Marken ihrer Grossmutter in der Hand hielt und sich überlegte wo sie einkaufen gingen. Sie packte die Orangenschnitze auf einen Teller, lehnte sich auf dem Stuhl zurück und tat was jede schwangere Frau mindestens einmal in ihrer Schwangerschaft machte. Sie balancierte den Teller auf ihrem Bauch aus – oder versuchte es zumindest. Denn als es klingelte, musste sie aufstehen. Das hiess aber nicht, dass sie den Teller Orangen zurückliess – nein. Das war in dieser craving-Phase nicht mehr möglich. Sie ass noch unterwegs zur Wohnungstür Schnitze davon – sozusagen als Reiseproviant. <b> «Hamza»</b>, sie lächelte breit, während sie einen Arm öffnete und ihn soweit das ging an sich drückte. <b> «Orange?»</b>, sie hielt ihm den Reiseproviant hin, bevor sie ihn reinliess – draussen nieselte es, es war grau und Hamzas Jacke war feucht davon. <b> «Okay, ich hab’ alles bereit. Die Werkzeugkiste und eine Schale für die Schrauben und die Anleitung. Aber ich glaube sie ist auf Französisch. Du kannst Französisch oder? Anisa kann’s»</b> l’amour, die Sprache der Liebe. Apropo. Charlotte war seit einigen Wochen – naja Monaten -schon etwas obsessive damit, dass Anisa und Hamza auch noch schwanger wurden. Die Vorstellung davon, dass ihre Kinder dann beste Freunde wurden berauschten ihre Hormone manchmal bis zu ein paar Tränen. <b> «Ich habe Bagel gemacht»</b>, weil Hamza dafür sterben würde. Und neben den noch warmen Bagel hatte sie Stäbchen gelegt – weil sie witzig war. <b> «Wie geht es Mic?»</b>, Wackylickle lag auf der Couch und beäugte Hamza, als wäre er ein Eindringling, sie hatte die Coolness von Hamzas Katze nicht. <br />
Charlotte durfte nicht mehr schwer tragen, Geschirrspüler einräumen ging auch nicht wirklich – zumindest nicht wenn sie nicht dauernd Squats machte. Und ehrlich, wer wollte bei jedem Suppenteller einmal noch eine booty-Übung machen? <b> «Ich glaube hätte Jesús mich heute mit einem Hammer rumlaufen sehen, dann wäre er Zuhause geblieben»</b>, es war kein Geheimnis, dass Lotta schlecht mit Werkzeugen war und Kalk als Endlösung für rinnende Wasserhähne sah. Aber vielleicht hatte sie in dieser Schwangerschaft Handwerker-Superkräfte bekommen – in ihrem Bauch wuchs vielleicht ein kleiner Handwerker heran, der mit einem Mini-Akkuschrauber zur Welt kam. Vielleicht konnte sie heute den Akkuschrauber-Schreckmoment an Hamza ausprobieren – wenn sie sich daran erinnerte, wie Jesús reagiert hatte, erschien immer ein seliges Grinsen auf ihren Lippen. So, wie jetzt. <b> «Möchtest du was zu deine<u>n</u> Bagel»</b> (Mehrzahl), bevor sie sich mit der Wickelkommode beschäftigten, konnten sie auch noch was anderes machen. Bagel. Orangen und fragwürdige Kombinationen von diesen Dingen mit anderen aus dem Kühlschrank. <br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[call me and I will come and fix you, get your feet on the ground]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2610</link>
			<pubDate>Wed, 19 Nov 2025 13:10:28 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=201">Enoch Levi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2610</guid>
			<description><![CDATA[Zuhause kraulte er erst einmal den Kater ausführlich zwischen den Ohren, noch in der Diele im Mantel auf dem Boden sitzend. Das laute Schnurren half; wie der sein kleines Gesicht gegen Enochs Brust drückte, auch. Einen erschreckenden Moment hatte er nicht das Gefühl wieder vom Parkett hochzukommen, aber er schaffte es doch. Die Übelkeit war ein wenig besser geworden durch die Bewegung und die frische Luft: Enoch fühlte sich nicht mehr wie vollkommen überfahren. Er hatte sich ein Camembert-Sandwich auf dem Weg mitgebracht, aber das ignorierte er erst einmal und trat sofort in die Dusche. Über den Streit mit Jay wollte er nicht nachdenken. Über Jay generell nicht, wie der sich jetzt erst Drogen besorgte, und dann ins Norm gehen <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">musste</span> (er konnte es nicht lassen), und es half, dass sein Hirn für diese ersten zwanzig Minuten zuhause einfach auf Durchzug geschaltet war. Enoch dachte gar nichts, als er da unter dem viel zu heißen Wasser stand, um sich danach mit zu langsamen Bewegungen abzutrocknen und einzucremen. <br />
<br />
Weil ihm Musik jetzt in den Ohren schmerzte, er aber unbedingt mehr Geräusche als das glückliche Schmatzen seines Katers und das langsame Sieden des Wassers im Wasserkocher hören musste, schaltete er seine Musikanlage ein: Er stand in einem Wald, neben einem Bach, mit dem morgendlichen Gezwitscher der Vögel, und Enoch konnte das feuchte Moos unter seinen Füßen riechen. Da stand er also, ein paar Minuten, mitten in seinem Wohnzimmer mit geschlossenen Augen, ehe er schließlich sein Handy aus der Jackentasche zog, und die Tür zu seinem Balkon öffnete. Er wählte Andrews Nummer, und wartete zu lange auf dessen Stimme. Sie hatten sich gestritten bei ihrem letzten Gespräch, und keiner hatte sich bis jetzt entschuldigt. Natürlich wusste Enoch noch, um was es ging, und dass er derjenige gewesen wäre, der ohnehin auf Andrew zugegangen wäre (zurecht, würde dieser diskutieren), aber jetzt, hier, waren die Gründe nur noch verschwommen. „<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ich brauche deine Hilfe</span>“, sagte Enoch ohne weitere Begrüßung, weil er die vergessen hatte, „<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">hast du bitte gerade Zeit?</span>“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Zuhause kraulte er erst einmal den Kater ausführlich zwischen den Ohren, noch in der Diele im Mantel auf dem Boden sitzend. Das laute Schnurren half; wie der sein kleines Gesicht gegen Enochs Brust drückte, auch. Einen erschreckenden Moment hatte er nicht das Gefühl wieder vom Parkett hochzukommen, aber er schaffte es doch. Die Übelkeit war ein wenig besser geworden durch die Bewegung und die frische Luft: Enoch fühlte sich nicht mehr wie vollkommen überfahren. Er hatte sich ein Camembert-Sandwich auf dem Weg mitgebracht, aber das ignorierte er erst einmal und trat sofort in die Dusche. Über den Streit mit Jay wollte er nicht nachdenken. Über Jay generell nicht, wie der sich jetzt erst Drogen besorgte, und dann ins Norm gehen <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">musste</span> (er konnte es nicht lassen), und es half, dass sein Hirn für diese ersten zwanzig Minuten zuhause einfach auf Durchzug geschaltet war. Enoch dachte gar nichts, als er da unter dem viel zu heißen Wasser stand, um sich danach mit zu langsamen Bewegungen abzutrocknen und einzucremen. <br />
<br />
Weil ihm Musik jetzt in den Ohren schmerzte, er aber unbedingt mehr Geräusche als das glückliche Schmatzen seines Katers und das langsame Sieden des Wassers im Wasserkocher hören musste, schaltete er seine Musikanlage ein: Er stand in einem Wald, neben einem Bach, mit dem morgendlichen Gezwitscher der Vögel, und Enoch konnte das feuchte Moos unter seinen Füßen riechen. Da stand er also, ein paar Minuten, mitten in seinem Wohnzimmer mit geschlossenen Augen, ehe er schließlich sein Handy aus der Jackentasche zog, und die Tür zu seinem Balkon öffnete. Er wählte Andrews Nummer, und wartete zu lange auf dessen Stimme. Sie hatten sich gestritten bei ihrem letzten Gespräch, und keiner hatte sich bis jetzt entschuldigt. Natürlich wusste Enoch noch, um was es ging, und dass er derjenige gewesen wäre, der ohnehin auf Andrew zugegangen wäre (zurecht, würde dieser diskutieren), aber jetzt, hier, waren die Gründe nur noch verschwommen. „<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ich brauche deine Hilfe</span>“, sagte Enoch ohne weitere Begrüßung, weil er die vergessen hatte, „<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">hast du bitte gerade Zeit?</span>“]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[tastes so bitter, feels so sweet]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2607</link>
			<pubDate>Sun, 02 Nov 2025 19:02:14 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=544">Ronan Lynch</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2607</guid>
			<description><![CDATA[Und dann war der Sommer vorbei. Schon seit ein paar Wochen eigentlich, nur hatte es in den letzten Monaten kaum Zeit gegeben, in der Ronan in Enochs Wohnung darüber sinnieren konnte. Kaum Zeit, um Schritt für Schritt zu beobachten, wie sich ein Raum mit den Jahreszeiten veränderte, wenn das Licht anders fiel, die Luft schwerer wurde, die Farbe aus den Tagen rinnte. Man verpasste diesen perfiden schleichenden Prozess, der einen davon überzeugen konnte, alles sei von selbst zur Normalität geworden. Und als wäre es nicht nur der Raum, fühlte sich auch Ronan für einen Moment wieder ganz schwer und konnte es nicht einmal auf die Jahreszeit schieben. Er musste damit aufhören, wusste er auch und seufzte dennoch einmal dramatisch tief, weil er nicht anders konnte. <br />
Denn der Sommer war vorbei, aber die Farbe war nicht aus seinem Alltag gewichen. Dafür sorgte Theo schon, wegen dem er jetzt überhaupt wieder seufzte, weil – ach, was brachte es ihm jetzt, wieder darüber zu grübeln und sich doch nur weiter zu verrennen. Guck mal einer an, Ronan hatte doch nur darüber nachdenken wollen, wie er für die nächsten Monate auf die Insekten verzichten musste, die er mit Enoch bei einer Tasse Kaffee gerne auf dessen Balkon beobachteten, und stattdessen war er bei der Kakerlake gelandet, die kein Winter loswerden konnte. Ronan blinzelte einige Male und schaute beschämt zu Boden, als müsste er sich für einen Gedankengang entschuldigen, den niemand gehört hatte. So dachte er nicht wirklich, natürlich nicht, schob er genervt von sich selbst hinterher, als müsste er sich nicht nur entschuldigen, sondern gleich rechtfertigen. Ronan ließ die Schultern kreisen, einmal, zweimal, als könnte er sich die Reue aus den Gelenken schütteln, und fragte sich flüchtig, was Theo wohl gerade machte. Ob er ihm schreiben sollte? Er sollte ihm schreiben. Als wäre das eine Wiedergutmachung oder vielleicht brauchte er es auch nur als Selbstbeweis und vielleicht sollte er auch einfach durchatmen und ihn aus seinen Gedanken verbannen, in die er gerade auch überhaupt nicht gehörte und genießen, was tatsächlich vor ihm lag.<br />
Er schrieb ihm nicht. Dachte noch mindestens weitere zehn Minuten darüber nach und ließ die Gedanken trotzdem nur weiter kreisen. <b>"Ich freue mich, dich wiederzusehen."</b> Er lachte leise. <b>"Dass wir es dieses Jahr noch schaffen."</b> Mal ganz von Enochs Dreharbeiten der letzten Monate abgesehen, Ronan hatte schon vorher wenig Zeit gehabt, jetzt nur umso mehr. Seine freien Tage galten Theo, die Abende, morgens, wenn er durch die bekannten Straßen scheute, um frühzeitig zurück in der Kirche zu sein und es als morgendlichen Spaziergang verkaufte. Dazwischen kaum Zeit für sich, noch weniger, um sie aktiv mit anderen Leuten zu verbringen, die sich nicht gerade in seinen Arbeitsalltag fügten. Es war nicht ideal, merkte er immer wieder. Aber einen anderen Weg sah er auch nicht. <span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">Außer es mal wieder sein zu lassen, mit Theo, aber da sah er sich gerade ebenfalls wenig.</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Und dann war der Sommer vorbei. Schon seit ein paar Wochen eigentlich, nur hatte es in den letzten Monaten kaum Zeit gegeben, in der Ronan in Enochs Wohnung darüber sinnieren konnte. Kaum Zeit, um Schritt für Schritt zu beobachten, wie sich ein Raum mit den Jahreszeiten veränderte, wenn das Licht anders fiel, die Luft schwerer wurde, die Farbe aus den Tagen rinnte. Man verpasste diesen perfiden schleichenden Prozess, der einen davon überzeugen konnte, alles sei von selbst zur Normalität geworden. Und als wäre es nicht nur der Raum, fühlte sich auch Ronan für einen Moment wieder ganz schwer und konnte es nicht einmal auf die Jahreszeit schieben. Er musste damit aufhören, wusste er auch und seufzte dennoch einmal dramatisch tief, weil er nicht anders konnte. <br />
Denn der Sommer war vorbei, aber die Farbe war nicht aus seinem Alltag gewichen. Dafür sorgte Theo schon, wegen dem er jetzt überhaupt wieder seufzte, weil – ach, was brachte es ihm jetzt, wieder darüber zu grübeln und sich doch nur weiter zu verrennen. Guck mal einer an, Ronan hatte doch nur darüber nachdenken wollen, wie er für die nächsten Monate auf die Insekten verzichten musste, die er mit Enoch bei einer Tasse Kaffee gerne auf dessen Balkon beobachteten, und stattdessen war er bei der Kakerlake gelandet, die kein Winter loswerden konnte. Ronan blinzelte einige Male und schaute beschämt zu Boden, als müsste er sich für einen Gedankengang entschuldigen, den niemand gehört hatte. So dachte er nicht wirklich, natürlich nicht, schob er genervt von sich selbst hinterher, als müsste er sich nicht nur entschuldigen, sondern gleich rechtfertigen. Ronan ließ die Schultern kreisen, einmal, zweimal, als könnte er sich die Reue aus den Gelenken schütteln, und fragte sich flüchtig, was Theo wohl gerade machte. Ob er ihm schreiben sollte? Er sollte ihm schreiben. Als wäre das eine Wiedergutmachung oder vielleicht brauchte er es auch nur als Selbstbeweis und vielleicht sollte er auch einfach durchatmen und ihn aus seinen Gedanken verbannen, in die er gerade auch überhaupt nicht gehörte und genießen, was tatsächlich vor ihm lag.<br />
Er schrieb ihm nicht. Dachte noch mindestens weitere zehn Minuten darüber nach und ließ die Gedanken trotzdem nur weiter kreisen. <b>"Ich freue mich, dich wiederzusehen."</b> Er lachte leise. <b>"Dass wir es dieses Jahr noch schaffen."</b> Mal ganz von Enochs Dreharbeiten der letzten Monate abgesehen, Ronan hatte schon vorher wenig Zeit gehabt, jetzt nur umso mehr. Seine freien Tage galten Theo, die Abende, morgens, wenn er durch die bekannten Straßen scheute, um frühzeitig zurück in der Kirche zu sein und es als morgendlichen Spaziergang verkaufte. Dazwischen kaum Zeit für sich, noch weniger, um sie aktiv mit anderen Leuten zu verbringen, die sich nicht gerade in seinen Arbeitsalltag fügten. Es war nicht ideal, merkte er immer wieder. Aber einen anderen Weg sah er auch nicht. <span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">Außer es mal wieder sein zu lassen, mit Theo, aber da sah er sich gerade ebenfalls wenig.</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Dancing on the backs of the bruised]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2604</link>
			<pubDate>Wed, 22 Oct 2025 14:33:09 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=552">Mortimer Haycock</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<b>"Come on, come on, come ooooon!"</b> Mit Schweißperlen auf der Stirn und vor Anspannung heraustretenden Adern an den Schläfen, starrte Morts auf seinen Flachbildfernseher. In der Hand der Controller seiner PS4, auf dem er mit angespannten Muskeln in doubletime Geschwindigkeit immer wieder herum drückte. Wirkte als ging es hier um Leben und Tod, war auch irgendwie so, aber halt nur virtuell, in der Welt eines seiner – von besorgten Eltern gerne als das bezeichneten – <i>Ballerspiele</i>. Keine Ahnung, was ein Charakteranalytiker daraus ziehen würde, aber Morts gehörte zu den Dudes, die halt am Besten runterkamen, wenn sie ein paar gesichtslose Gegner mit nem ganzen Magazin durchlöchern konnten. Und <i>abschalten</i>, das musste er gerade. Nach einer mehrwöchigen Tour durch jede große bis mittelgroße Stadt in ganz Großbritannien, brauchte er ein paar Tage, um wieder in der Realität anzukommen. Dazu gehörte, wie immer, eine kulinarische Reise durch alles, was <i>Just Eats</i> zu bieten hatte, und das intensive Inhalieren von drei bis neun Joints am Tag. Etwas Abstinenz von Bier war auch Teil des After-Tour-Blues, aber diese Phase war schon wieder überstanden: Neben Morts stand bereits die zweite Flasche des heutigen Tages. Er hatte kein Problem (also, wirklich nicht), aber der <i>downfall</i>, wenn plötzlich Lichter, Applaus, Euphorie, Adrenalin und Dopamin ausblieben, musste aufgefangen werden. Einer der Rezipienten dieser Frustration hatte gerade undefinierbare Gehirnmasse in einem besonders schönen Muster verteilt (im Videospiel, klar).<br />
<br />
Richtig <i>locked in</I> in seinem Game, bekam Morts zwar mit, dass jemand die Tür öffnete, aber brauchte noch ne Weile, bis er der Person Beachtung schenkte. Konnte eh nur Zahi sein, sonst hatte niemand einen Schlüssel zu seiner Wohnung (abgesehen von einer Ex-Freundin, die vielleicht noch einen Racheplan schmiedete und irgendwann mitten in der Nacht mit einem Messer neben seinem Bett stand, keine Ahnung). <b>"Was geht, Hoe?"</b> Er sah nicht vom Bildschirm weg, hämmerte weiterhin auf dem Controller rum. <b>"Hast mich vermisst?"</b> Nach der Tour hatten sie alle Abstand voneinander gebraucht, aber diesen schien Zahi nun für beendet zu erklären.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>"Come on, come on, come ooooon!"</b> Mit Schweißperlen auf der Stirn und vor Anspannung heraustretenden Adern an den Schläfen, starrte Morts auf seinen Flachbildfernseher. In der Hand der Controller seiner PS4, auf dem er mit angespannten Muskeln in doubletime Geschwindigkeit immer wieder herum drückte. Wirkte als ging es hier um Leben und Tod, war auch irgendwie so, aber halt nur virtuell, in der Welt eines seiner – von besorgten Eltern gerne als das bezeichneten – <i>Ballerspiele</i>. Keine Ahnung, was ein Charakteranalytiker daraus ziehen würde, aber Morts gehörte zu den Dudes, die halt am Besten runterkamen, wenn sie ein paar gesichtslose Gegner mit nem ganzen Magazin durchlöchern konnten. Und <i>abschalten</i>, das musste er gerade. Nach einer mehrwöchigen Tour durch jede große bis mittelgroße Stadt in ganz Großbritannien, brauchte er ein paar Tage, um wieder in der Realität anzukommen. Dazu gehörte, wie immer, eine kulinarische Reise durch alles, was <i>Just Eats</i> zu bieten hatte, und das intensive Inhalieren von drei bis neun Joints am Tag. Etwas Abstinenz von Bier war auch Teil des After-Tour-Blues, aber diese Phase war schon wieder überstanden: Neben Morts stand bereits die zweite Flasche des heutigen Tages. Er hatte kein Problem (also, wirklich nicht), aber der <i>downfall</i>, wenn plötzlich Lichter, Applaus, Euphorie, Adrenalin und Dopamin ausblieben, musste aufgefangen werden. Einer der Rezipienten dieser Frustration hatte gerade undefinierbare Gehirnmasse in einem besonders schönen Muster verteilt (im Videospiel, klar).<br />
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Richtig <i>locked in</I> in seinem Game, bekam Morts zwar mit, dass jemand die Tür öffnete, aber brauchte noch ne Weile, bis er der Person Beachtung schenkte. Konnte eh nur Zahi sein, sonst hatte niemand einen Schlüssel zu seiner Wohnung (abgesehen von einer Ex-Freundin, die vielleicht noch einen Racheplan schmiedete und irgendwann mitten in der Nacht mit einem Messer neben seinem Bett stand, keine Ahnung). <b>"Was geht, Hoe?"</b> Er sah nicht vom Bildschirm weg, hämmerte weiterhin auf dem Controller rum. <b>"Hast mich vermisst?"</b> Nach der Tour hatten sie alle Abstand voneinander gebraucht, aber diesen schien Zahi nun für beendet zu erklären.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[If I had a theme song it would probably be incoherent screaming]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2590</link>
			<pubDate>Thu, 02 Oct 2025 23:00:59 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=548">Stefania Stewart</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2590</guid>
			<description><![CDATA[Irgendwie hatte Steve ja einfach Pech. Schon immer gehabt, keine Ahnung, wie das möglich war und es hatte einige Momente in ihrem Leben gewesen, da hätte sie fast der Glauben an irgendeine supernatürliche Macht gekriegt, weil <i>das kann doch jetzt nicht sein</i>. So oder so ähnlich hallte es auch jetzt in ihrem Kopf, als sie zum siebten Mal in bestimmt 2,35 Sekunden auf den gleichen Knopf der Waschmaschine drückte und sich nichts tat außer dieses ominöse Geblinke, das nur Unheil versprechen konnte. <i>"Das ist nicht dein ernst"</i>, blieb die Beschwerde in ihrem Kopf, weil Steve schon genug Probleme jonglierte und <i>'spricht mit störrischen Haushaltsgeräten'</i> nicht auch noch auf die Liste setzen musste. Hörten eh nicht zu und fühlen taten sie zwar auch nicht, das hielt sie allerdings wiederum nicht davon ab, einmal mit der flachen Hand auf die Decke der Waschmaschine zu hauen und diese danach vehement zu schütteln, weil das mehr weh tat als es sollte. Wenn die davon nicht zum Laufen kam, dann hatte sie wenigstens kurz ein Ventil für den Frust gefunden, der sich jetzt schon wieder gefährlich staute. Aber nö – die wollte immer noch nicht, Steve fühlte sich kein Stück entlasteter und für einen Moment starrte sie in das einzelne Wackelauge, das Rory irgendwann mal auf das Gerät geklebt hatte. <i>"Brauchst du gar nicht so gucken"</i>, ging's weiter mit der telepathischen Kommunikation und am liebsten hätte sie nochmal gegengetreten, aber ne, passte schon. War voll okay jetzt. Gar kein Problem, ne, sie hatte keinen Wäscheberg, den sie die letzten Tage schon vernachlässigt hatte. Steve fuhr sich durchs Gesicht und drückte für einen Moment gegen ihre geschlossenen Augen, während sie überlegte, was jetzt. Sie hatte dafür jetzt keine Zeit, sie wollte nur schnell die Wäsche reinwerfen und dann los. Wo war ihr scheiß Handy…<br />
<br />
Steve scrollte kurz durch die Kontakte und legte ihr Handy auf die Maschine, während sie beim Durchklingeln schon dabei war, die Trommel wieder auszuräumen. <b>"Hey, du, sag mal, kann ich bei dir waschen?"</b> Sie stand wieder auf, als alles im Korb war, sah aufs Display und – oh shit. Akku fast leer. <b>"Scheibenkl– warte kurz, ich find mein Ladekabel nicht."</b> Musste hier irgendwo stecken, ach komm, was denn noch jetzt??! <b>"Wenn ich gleich weg bin, dann–"</b>, <i>weißt du bescheid</i>, hätte Steve weitergemacht, doch zu spät, Bildschirm schwarz, großartig. <b>"Ernsthaft?!"</b>, brach sie dann doch ihr Versprechen und starrte auf das Display, als müsste sich das jetzt sofort rechtfertigen. Sie brauchte nen Drink, nen Kopfschuss, das BLÖDE LADEKABEL. Wo war dieses verdammte… Hätte sie mal aufgeräumt gestern oder vorgestern oder vorvorgester– ach da. Gefunden. Da zwischen zwei Kissen auf dem Sofa, wo es wirklich überhaupt nicht hingehörte. Und dann hieß es gekrümmt über der Küchenzeile warten und warten und sich in Geduld üben und sich fragen ob man nicht doch die Sylvia Plath machen sollte (ach warte, Öfen liefen gar nicht mehr mit Gas, blöd). <b>"Sorry, Akku leer"</b>, hörte man Steve ein paar Minuten später genervt durch die Lautsprecher. Sie war jetzt schon bereit fürs Bett, ey.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Irgendwie hatte Steve ja einfach Pech. Schon immer gehabt, keine Ahnung, wie das möglich war und es hatte einige Momente in ihrem Leben gewesen, da hätte sie fast der Glauben an irgendeine supernatürliche Macht gekriegt, weil <i>das kann doch jetzt nicht sein</i>. So oder so ähnlich hallte es auch jetzt in ihrem Kopf, als sie zum siebten Mal in bestimmt 2,35 Sekunden auf den gleichen Knopf der Waschmaschine drückte und sich nichts tat außer dieses ominöse Geblinke, das nur Unheil versprechen konnte. <i>"Das ist nicht dein ernst"</i>, blieb die Beschwerde in ihrem Kopf, weil Steve schon genug Probleme jonglierte und <i>'spricht mit störrischen Haushaltsgeräten'</i> nicht auch noch auf die Liste setzen musste. Hörten eh nicht zu und fühlen taten sie zwar auch nicht, das hielt sie allerdings wiederum nicht davon ab, einmal mit der flachen Hand auf die Decke der Waschmaschine zu hauen und diese danach vehement zu schütteln, weil das mehr weh tat als es sollte. Wenn die davon nicht zum Laufen kam, dann hatte sie wenigstens kurz ein Ventil für den Frust gefunden, der sich jetzt schon wieder gefährlich staute. Aber nö – die wollte immer noch nicht, Steve fühlte sich kein Stück entlasteter und für einen Moment starrte sie in das einzelne Wackelauge, das Rory irgendwann mal auf das Gerät geklebt hatte. <i>"Brauchst du gar nicht so gucken"</i>, ging's weiter mit der telepathischen Kommunikation und am liebsten hätte sie nochmal gegengetreten, aber ne, passte schon. War voll okay jetzt. Gar kein Problem, ne, sie hatte keinen Wäscheberg, den sie die letzten Tage schon vernachlässigt hatte. Steve fuhr sich durchs Gesicht und drückte für einen Moment gegen ihre geschlossenen Augen, während sie überlegte, was jetzt. Sie hatte dafür jetzt keine Zeit, sie wollte nur schnell die Wäsche reinwerfen und dann los. Wo war ihr scheiß Handy…<br />
<br />
Steve scrollte kurz durch die Kontakte und legte ihr Handy auf die Maschine, während sie beim Durchklingeln schon dabei war, die Trommel wieder auszuräumen. <b>"Hey, du, sag mal, kann ich bei dir waschen?"</b> Sie stand wieder auf, als alles im Korb war, sah aufs Display und – oh shit. Akku fast leer. <b>"Scheibenkl– warte kurz, ich find mein Ladekabel nicht."</b> Musste hier irgendwo stecken, ach komm, was denn noch jetzt??! <b>"Wenn ich gleich weg bin, dann–"</b>, <i>weißt du bescheid</i>, hätte Steve weitergemacht, doch zu spät, Bildschirm schwarz, großartig. <b>"Ernsthaft?!"</b>, brach sie dann doch ihr Versprechen und starrte auf das Display, als müsste sich das jetzt sofort rechtfertigen. Sie brauchte nen Drink, nen Kopfschuss, das BLÖDE LADEKABEL. Wo war dieses verdammte… Hätte sie mal aufgeräumt gestern oder vorgestern oder vorvorgester– ach da. Gefunden. Da zwischen zwei Kissen auf dem Sofa, wo es wirklich überhaupt nicht hingehörte. Und dann hieß es gekrümmt über der Küchenzeile warten und warten und sich in Geduld üben und sich fragen ob man nicht doch die Sylvia Plath machen sollte (ach warte, Öfen liefen gar nicht mehr mit Gas, blöd). <b>"Sorry, Akku leer"</b>, hörte man Steve ein paar Minuten später genervt durch die Lautsprecher. Sie war jetzt schon bereit fürs Bett, ey.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Something drove me to her glistering core]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2585</link>
			<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 00:38:52 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=545">Josphat Kamau</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2585</guid>
			<description><![CDATA[Sonntags hatte Jos sich eine eigene kleine Tradition erschaffen: Anstatt – wie viele mittelständige Briten – in einem Pub zum <i>Sunday Roast</i> aufzukreuzen, tauchte er umangekündigt bei Freunden oder Nachbarn auf und lud sich selber dort zum Essen ein. Erstens stärkte das sein Community-Gefühl, zweitens bekam er dadurch wenigstens an einem Tag in der Woche etwas Gutes in den Magen, das nicht nur aus Konservierungsstoffen und Fett bestand (naja, meistens), und drittens war sonntags sowieso Leerlauf. Jos hatte an diesem letzten vermeintlich heiligen Tag der Woche immer einige anstrengende Arbeits-Schichten hinter sich und konnte deshalb ein paar fröhliche Stunden im Kreise geschätzter Menschen gut gebrauchen.<br />
<br />
An diesem Sonntag zog es ihn unerwartet raus aus Oldham, dorthin, wo Jos nur kopfschüttelnd durch die Straßen fahren und immer wieder leise Flüche über Gentrifizierung in seinen gestutzten Bart nuscheln konnte. Vorbei an gut gefüllten Imbissen, die überteuerte Poke Bowls oder vietnamesische Phở anboten, im Augenwinkel immer ein paar verkaterte Hipster oder achtsame Yogis. Der ein oder andere fluffige, kleine Hund ließ Jos schnaubend auflachen, nur um kurz darauf laut zu fluchen, weil ein Öko-Dude auf einem Fahrrad ihn ausbremste. In seiner Brust schwoll verdammt viel Frustration über die Entwicklung der Gesellschaft und dieses einstige Arbeiter-Viertel, in dem die Mieten mittlerweile so hoch gestiegen waren, dass Zuziehende in der Regel weiß waren und sich irgendwo auf einer akademischen Laufbahn befanden. Fuck man, vielleicht wurde er auch einfach alt. Regten alte Leute sich nicht ständig über alles auf?<br />
<br />
Einige Minuten später hatte Jos seinen Van in einer Nebenstraße geparkt und stieg die Treppen zur Wohnung von Baz und Eshaal hoch, seinen für heute auserkorenen Gastgebern. Er fand es besonders charmant seine Besuche im Vorfeld nicht anzukündigen, sondern Menschen <i>on the spot</i> mit seiner (hungrigen) Anwesenheit zu überwältigen. So wie man’s früher halt gemacht hatte, vor Social Media und Handys. <br />
Auf dem Gesicht des großen, einschüchternden Mannes prangte deshalb ein sympathisches Lächeln, als vor ihm die Tür geöffnet wurde und Eshaal im Eingang erschien. Vielleicht lächelte Jos sogar noch ein bisschen breiter als üblich, sie zog das irgendwie aus ihm heraus. <b>"Ich hoffe ihr habt was Essbares im Haus"</b>, forderte er ein, die Arme leicht geöffnet und seine weißen Zähne weiterhin entblößt. <b>"Hi Darling, schön dich zu sehen. Ist Baz auch da? Ich dachte ich komm mal rum und check ab, ob ihr schon unter die Hipster gegangen seid."</b> Weil Jos nur in den seltensten Fällen eine Abweisung in Kauf nahm, schob er sich wie selbstverständlich in die Wohnung hinein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Sonntags hatte Jos sich eine eigene kleine Tradition erschaffen: Anstatt – wie viele mittelständige Briten – in einem Pub zum <i>Sunday Roast</i> aufzukreuzen, tauchte er umangekündigt bei Freunden oder Nachbarn auf und lud sich selber dort zum Essen ein. Erstens stärkte das sein Community-Gefühl, zweitens bekam er dadurch wenigstens an einem Tag in der Woche etwas Gutes in den Magen, das nicht nur aus Konservierungsstoffen und Fett bestand (naja, meistens), und drittens war sonntags sowieso Leerlauf. Jos hatte an diesem letzten vermeintlich heiligen Tag der Woche immer einige anstrengende Arbeits-Schichten hinter sich und konnte deshalb ein paar fröhliche Stunden im Kreise geschätzter Menschen gut gebrauchen.<br />
<br />
An diesem Sonntag zog es ihn unerwartet raus aus Oldham, dorthin, wo Jos nur kopfschüttelnd durch die Straßen fahren und immer wieder leise Flüche über Gentrifizierung in seinen gestutzten Bart nuscheln konnte. Vorbei an gut gefüllten Imbissen, die überteuerte Poke Bowls oder vietnamesische Phở anboten, im Augenwinkel immer ein paar verkaterte Hipster oder achtsame Yogis. Der ein oder andere fluffige, kleine Hund ließ Jos schnaubend auflachen, nur um kurz darauf laut zu fluchen, weil ein Öko-Dude auf einem Fahrrad ihn ausbremste. In seiner Brust schwoll verdammt viel Frustration über die Entwicklung der Gesellschaft und dieses einstige Arbeiter-Viertel, in dem die Mieten mittlerweile so hoch gestiegen waren, dass Zuziehende in der Regel weiß waren und sich irgendwo auf einer akademischen Laufbahn befanden. Fuck man, vielleicht wurde er auch einfach alt. Regten alte Leute sich nicht ständig über alles auf?<br />
<br />
Einige Minuten später hatte Jos seinen Van in einer Nebenstraße geparkt und stieg die Treppen zur Wohnung von Baz und Eshaal hoch, seinen für heute auserkorenen Gastgebern. Er fand es besonders charmant seine Besuche im Vorfeld nicht anzukündigen, sondern Menschen <i>on the spot</i> mit seiner (hungrigen) Anwesenheit zu überwältigen. So wie man’s früher halt gemacht hatte, vor Social Media und Handys. <br />
Auf dem Gesicht des großen, einschüchternden Mannes prangte deshalb ein sympathisches Lächeln, als vor ihm die Tür geöffnet wurde und Eshaal im Eingang erschien. Vielleicht lächelte Jos sogar noch ein bisschen breiter als üblich, sie zog das irgendwie aus ihm heraus. <b>"Ich hoffe ihr habt was Essbares im Haus"</b>, forderte er ein, die Arme leicht geöffnet und seine weißen Zähne weiterhin entblößt. <b>"Hi Darling, schön dich zu sehen. Ist Baz auch da? Ich dachte ich komm mal rum und check ab, ob ihr schon unter die Hipster gegangen seid."</b> Weil Jos nur in den seltensten Fällen eine Abweisung in Kauf nahm, schob er sich wie selbstverständlich in die Wohnung hinein.]]></content:encoded>
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