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		<title><![CDATA[Lost the plot - Oh, I'm so jumpy, my nerves are shot!]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 17:58:52 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Falling to the pit of the bottomless]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2663</link>
			<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 23:43:28 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=561">Jesús Bernstein</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2663</guid>
			<description><![CDATA[<b>"Okay, chill."</b> Jesús drückte seine Hand bestimmt gegen die Brust seines Freundes und stoppte damit dessen leidenschaftlichen Monolog über Kriminalität und Schuldgefühle. Drei Pints und der Dude sprach plötzlich schneller als ein Gabber-Hacker auf Pep. <b>"Du kannst mir nicht erzählen, dass es <i>nichts</i> Illegales gibt, was du tun würdest"</b>, wenn die Sicherheit bestände, dass er unentdeckt davonkommen würde. Ein Thema, über das die beiden Männer nun schon seit fünfzehn Minuten diskutierten und dabei anscheinend in zwei völlig unterschiedliche Richtungen drifteten. Amir war der Meinung, dass Moral ihn davon abhalten würde gegen das Gesetz zu verstoßen, während Jesús das gesamte große System infrage stellte. Wo fing Kriminalität überhaupt an? Und gab es nicht genügend Handlungen, die ungerechtfertigt kriminalisiert wurden? Vielleicht hatten sie schon einen Pint zu viel getrunken für dieses Gespräch, oder noch längst nicht genug, aber auf dieser Drei-Pint-Basis, auf der sie gerade schwebten, drehten sie sich in einem unangenehmen Kreis, der kein Ende finden wollte. <br />
Doch wie durch einen Geistesblitz kam Jesús eine Lösung in den Sinn: Kurzerhand drehte er sich zur Seite, schlug seine Hand auf die Schulter eines ihm nahe stehenden Mannes und brüllte ihm <b>"Ey, mate"</b> über die dröhnende Pub-Lautstärke hinweg entgegen. Seine Finger pressten sich durch den Stoff der Kleidung in seine Muskeln hinein und zogen ihn etwas näher, in die Mitte dieses Gespräches. <b>"Kurze Frage, wir diskutieren hier gerade: Wenn jemand etwas Illegales tun könnte und sicher wäre, dass er niemals erwischt wird – wäre es moralisch falsch das zu tun? Oder nicht?"</b> Sowohl Amirs als auch Jesús’ Augen flackerten hoffnungsvoll, während sie dem Fremden ins Gesicht starrten und danach lechzten, dass er ihre jeweilige Position in dieser Diskussion unterstützte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>"Okay, chill."</b> Jesús drückte seine Hand bestimmt gegen die Brust seines Freundes und stoppte damit dessen leidenschaftlichen Monolog über Kriminalität und Schuldgefühle. Drei Pints und der Dude sprach plötzlich schneller als ein Gabber-Hacker auf Pep. <b>"Du kannst mir nicht erzählen, dass es <i>nichts</i> Illegales gibt, was du tun würdest"</b>, wenn die Sicherheit bestände, dass er unentdeckt davonkommen würde. Ein Thema, über das die beiden Männer nun schon seit fünfzehn Minuten diskutierten und dabei anscheinend in zwei völlig unterschiedliche Richtungen drifteten. Amir war der Meinung, dass Moral ihn davon abhalten würde gegen das Gesetz zu verstoßen, während Jesús das gesamte große System infrage stellte. Wo fing Kriminalität überhaupt an? Und gab es nicht genügend Handlungen, die ungerechtfertigt kriminalisiert wurden? Vielleicht hatten sie schon einen Pint zu viel getrunken für dieses Gespräch, oder noch längst nicht genug, aber auf dieser Drei-Pint-Basis, auf der sie gerade schwebten, drehten sie sich in einem unangenehmen Kreis, der kein Ende finden wollte. <br />
Doch wie durch einen Geistesblitz kam Jesús eine Lösung in den Sinn: Kurzerhand drehte er sich zur Seite, schlug seine Hand auf die Schulter eines ihm nahe stehenden Mannes und brüllte ihm <b>"Ey, mate"</b> über die dröhnende Pub-Lautstärke hinweg entgegen. Seine Finger pressten sich durch den Stoff der Kleidung in seine Muskeln hinein und zogen ihn etwas näher, in die Mitte dieses Gespräches. <b>"Kurze Frage, wir diskutieren hier gerade: Wenn jemand etwas Illegales tun könnte und sicher wäre, dass er niemals erwischt wird – wäre es moralisch falsch das zu tun? Oder nicht?"</b> Sowohl Amirs als auch Jesús’ Augen flackerten hoffnungsvoll, während sie dem Fremden ins Gesicht starrten und danach lechzten, dass er ihre jeweilige Position in dieser Diskussion unterstützte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Did you hear the one about the day the moon fell to earth?]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2639</link>
			<pubDate>Sun, 18 Jan 2026 17:46:50 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=260">Andrew Marsh</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2639</guid>
			<description><![CDATA[Erpressung, nannte man das in Fachkreisen. Hatte Andrew seinem Kollegen, Dean, auch versucht klarzumachen, dass er wenig davon hielt, aus niederen Motiven zu einer Verabredung gezwungen zu werden, auf die vermutlich nur eine von vier Personen Lust hatte. Dass Dean ihm dafür den Fall mit den Waffenschmugglern abgeben würde, ja okay, das war eine Motivation (und ein verdächtig hoher Einsatz, wie verzweifelt musste der sein?). Vielleicht hatte ihn letztendlich das Mitgefühl für seinen Kollegen erweicht bzw. der Umstand, dass es ihm nahezu unangenehm war, wie der kurz vor Selbstaufgabe stand für ein lächerliches Date. Offiziell waren sie alle zu alt dafür, fand Andrew, aber seine Meinung wollte der in dem Fall wirklich nicht hören.<br />
<br />
Also warf er sich in seinen dunkelblauen Brioni-Anzug, überlegte eine halbe Stunde, ob Krawatte oder nicht – und entschied sich dann dagegen, weil er nicht <i>ins</i> Theater ging, sondern sich nur mit Theaterleuten traf. Zwei Schauspielerinnen, die er noch nicht kannte, dabei war er regelmäßig Gast in den Theatern in Manchester und London. Was er sich von diesem Abend erwartete (außer das Strafverfahren, das ihm dadurch in den Schoß fiel), fragte er sich, während er sich die farblich passende Jaeger LeCoultre anlegte (er war wirklich niemand, der tiefstapelte, und nachdem er seine Schulden vom Studium abbezahlt hatte, investierte er eben gerne in schöne Dinge). Bestenfalls eine anregende Unterhaltung und vor allem ein Date für seine Statistik, damit sich die Kollegen wieder ein paar Wochen zufrieden gaben mit seiner Behauptung, er hätte dafür so wenig Zeit mit der vielen Arbeit. <br />
<br />
Alle waren pünktlich, vielen Dank, und Andrew wurde erst final klar, wie unangenehm und dämlich er das alles fand, als er auf seinen Kollegen traf, der ein geschmackloses Kurzarmhemd trug unter dem Sakko, das ihm nicht gut an den Schultern saß. <b>“Ich hätt dir auch einen ordentlichen Anzug leihen können“</b>, sagte er ihm netterweise, auch wenn’s dafür jetzt knapp zu spät war -- <i>“Was, warum?!“</i><br />
Er atmete durch und würde auf jeden Fall einen Aperitif vorschlagen, um hier in irgendeine Art von Stimmung zu kommen. Immerhin schien seine Datepartnerin für den Abend ein ähnliches Gefühl zu haben und nicht tausend Prozent freiwillig hier zu sein, so schien es ihm zumindest bei ihrem Blickkontakt während der höflichen Begrüßung. Toll sah sie aus (alle beide) und schade, dass es Andrew nicht mehr interessierte, aber auf Ästhetik legte er ja doch Wert. <b>“Ich kann den Negroni Bianco empfehlen“</b>, ließ er sie wissen als man ihnen die Menükarten brachte, die er aber erst mal links liegen ließ. Stattdessen lächelte er seine Gegenüber an und nahm sich gar nicht erst vor, hier einen Hehl um irgendwas zu machen. <b>“Und, was hat man dir versprochen, damit du dich mit uns an diesen Tisch setzt?“</b> Lieb. Aber Schauspielerin hin oder her musste sie Andrew gar nicht vormachen, als hätte sie sich nicht schönere Pläne für den Abend vorstellen können, als hier die Anstandsbegleitung zu spielen. Vielleicht konnten sie sich darüber wenigstens verbünden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Erpressung, nannte man das in Fachkreisen. Hatte Andrew seinem Kollegen, Dean, auch versucht klarzumachen, dass er wenig davon hielt, aus niederen Motiven zu einer Verabredung gezwungen zu werden, auf die vermutlich nur eine von vier Personen Lust hatte. Dass Dean ihm dafür den Fall mit den Waffenschmugglern abgeben würde, ja okay, das war eine Motivation (und ein verdächtig hoher Einsatz, wie verzweifelt musste der sein?). Vielleicht hatte ihn letztendlich das Mitgefühl für seinen Kollegen erweicht bzw. der Umstand, dass es ihm nahezu unangenehm war, wie der kurz vor Selbstaufgabe stand für ein lächerliches Date. Offiziell waren sie alle zu alt dafür, fand Andrew, aber seine Meinung wollte der in dem Fall wirklich nicht hören.<br />
<br />
Also warf er sich in seinen dunkelblauen Brioni-Anzug, überlegte eine halbe Stunde, ob Krawatte oder nicht – und entschied sich dann dagegen, weil er nicht <i>ins</i> Theater ging, sondern sich nur mit Theaterleuten traf. Zwei Schauspielerinnen, die er noch nicht kannte, dabei war er regelmäßig Gast in den Theatern in Manchester und London. Was er sich von diesem Abend erwartete (außer das Strafverfahren, das ihm dadurch in den Schoß fiel), fragte er sich, während er sich die farblich passende Jaeger LeCoultre anlegte (er war wirklich niemand, der tiefstapelte, und nachdem er seine Schulden vom Studium abbezahlt hatte, investierte er eben gerne in schöne Dinge). Bestenfalls eine anregende Unterhaltung und vor allem ein Date für seine Statistik, damit sich die Kollegen wieder ein paar Wochen zufrieden gaben mit seiner Behauptung, er hätte dafür so wenig Zeit mit der vielen Arbeit. <br />
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Alle waren pünktlich, vielen Dank, und Andrew wurde erst final klar, wie unangenehm und dämlich er das alles fand, als er auf seinen Kollegen traf, der ein geschmackloses Kurzarmhemd trug unter dem Sakko, das ihm nicht gut an den Schultern saß. <b>“Ich hätt dir auch einen ordentlichen Anzug leihen können“</b>, sagte er ihm netterweise, auch wenn’s dafür jetzt knapp zu spät war -- <i>“Was, warum?!“</i><br />
Er atmete durch und würde auf jeden Fall einen Aperitif vorschlagen, um hier in irgendeine Art von Stimmung zu kommen. Immerhin schien seine Datepartnerin für den Abend ein ähnliches Gefühl zu haben und nicht tausend Prozent freiwillig hier zu sein, so schien es ihm zumindest bei ihrem Blickkontakt während der höflichen Begrüßung. Toll sah sie aus (alle beide) und schade, dass es Andrew nicht mehr interessierte, aber auf Ästhetik legte er ja doch Wert. <b>“Ich kann den Negroni Bianco empfehlen“</b>, ließ er sie wissen als man ihnen die Menükarten brachte, die er aber erst mal links liegen ließ. Stattdessen lächelte er seine Gegenüber an und nahm sich gar nicht erst vor, hier einen Hehl um irgendwas zu machen. <b>“Und, was hat man dir versprochen, damit du dich mit uns an diesen Tisch setzt?“</b> Lieb. Aber Schauspielerin hin oder her musste sie Andrew gar nicht vormachen, als hätte sie sich nicht schönere Pläne für den Abend vorstellen können, als hier die Anstandsbegleitung zu spielen. Vielleicht konnten sie sich darüber wenigstens verbünden.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[why pray for someone's downfall, when you can be directly involved]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2636</link>
			<pubDate>Thu, 15 Jan 2026 19:10:21 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=541">Sookie Moon</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2636</guid>
			<description><![CDATA[Sookie hätte immer von sich behauptet, eine gute Nase zu haben. War nur eben eine ganz andere Frage, was mit erschnüffelten Informationen angestellt würde, denn da begannen erst die Probleme, oh bei Gott begannen sie da. Auch eine gute Eigenschaft, redete sie sich schön, weil sie schließlich auch niemanden vorverurteilen wollte (naja), aber Kehrseite: Jetzt hatte sie den Salat. So einen aus dem Tesco Express Kühlregal, bei dem man durchs Plastik nicht ganz erspähen konnte, ob die Flecken am Salat so mussten und sich beim Zählen der farblosen und ungewürzten Hähnchenwürfel fragte, obs sich lohnte, die Bauchschmerzgefahr für den -20%-Sticker-Rabatt in Kauf zu nehmen. Aber Männer waren kein Pick-and-Choose Cesar Salad, bei dem sie im Zweifelsfall die vertrocknete Mozzarella aussortieren konnte; die bekam man im Gesamtpaket (irks). Manchmal gehörten da eben noch andere hinzu: Freund:innen, Boy Mums, Side Chicks. Dinge, vor denen kein Hinge-Profil der Welt warnte, höchstens ein flaues Bauchgefühl und eine aufploppende Nachricht, wenn man seitlich aufs Handy lugte und sich fragte <i>Moooooment</i>. Auf das erste folgten dann noch viele andere: <i>Moooooment</i>, wer ist das? <i>Moooooment</i>, reagiere ich über? <i>Moooooment</i>, bin ich gerade jealous girlfriend™? <i>Moooooment</i>, bin <i><u>ich</u></i> eine side chick???<br />
Ja, Fragen über Fragen, aber Sookie sahs auch nicht ein, Isaac jetzt zur Rede zu stellen. <i>"Hey Schatz, was gibts zum Abendessen achso und was ich noch fragen wollte, wer zur Hölle ist Irene???"</i> Das war blöd. Klare Kommunikation war wichtig, dies das, schon klar, aber nicht bei sowas. Das gehörte sich reingefressen (Freundinnen ausgeklammert, versteht sich) für den Fall der Fälle, dass sie gerade massivst auf der falschen Fährte war. Ne, ne, mein Lieber, dann lieber aussitzen und mit zusammengekniffenen Augen jegliche Social Media Plattform durchforsten um herauszufinden <i>wer zur Hölle</i> Irene ist. Instagram, Facebook, LinkedIn, Twitter, <u>nicht</u> wurde ausgespart.<br />
<br />
Brauchte auch nur ein paar Tage, da hatte sie mit einer Freundin am Telefon, ca. acht Bechern Kaffee, dreieinhalb Joints, zweimal Take-Out-Sushi, siebenmal auf dem Rücken gegen die Decke starren, einmal Laptopabsturz wegen fehlendem Akku, dreimal vor Frustration heulen und neunmal mit zusammengekniffenen Augen ihren frech ahnungslosen Freund anstarren und sich fragen, was der vor ihr verbarg, bis sie endlich eine <i>Irene</i> gefunden hatte, die sich mit dem schwammigen Foto abgleichen ließ, das sie von der Pop-Up-Nachricht auf Isaacs Handy gemacht hatte. Jackpot, HAH. Privatermittlerin hätte sie werden müssen, ihr Talent wurde VERSCHENKT. <br />
Na dann, Irene, erzähl mir was über dich. Sookie scrollte durch den Feed und fands selbst beschissen, wie garstig ihre Gedanken wurden, obwohl ihr diese bildschöne Frau nichts getan hatte (von dem sie wusste, zumindest). Außer so schön zu sein?? Hnnnggg, konnte die Fremde aus dem Pop-Up nicht wenigstens potthässlich sein, würds das besser machen? Würd sie sich dann gerade besser fühlen, ganz ehrlich? Sookie stöhnte laut und ließ sich wieder ins Bett fallen. Schön wollte sie Isaac nicht vorverurteilen, aber bei einer anderen Frau gings plötzlich tipptopp einfach – liebte sie. LIEBTE SIE.<br />
<br />
Egal, jetzt nicht frustriert aufgeben, so kurz vor der Erleuchtung. Sookie tippte genau dreiunddreißig Nachrichten und löschte sie alle. Da hatte man schon einen Master in Playwriting und bekam trotzdem keinen vernünftigen Satz zusammen, ach wie schön, dass man seine Zeit und sein Geld gut investierte. Ach egal, einfach raus damit, es gab wortwörtlich keinen Weg, hier würdevoll rauszukommen (außer wenn sie recht hatte, aber das konnte doch kaum das Outcome sein, das sie sich erhoffte). <br />
<br />
<div class="ysig-texting">
<div class="ysig-speech-bubble">Hey, wir kennen uns nicht, aber ich glaube, du kennst meinen Freund Isaac? Ich will keine eifersüchtige Nuss sein, aber hab seit einer Weile ein schlechtes Bauchgefühl und dich auf seinem Handy gesehen.</div>
<div class="ysig-speech-bubble">Wenn ich es total überinterpretiere, dann lach bitte einfach mir mir drüber</div>
</div>
<br />
Wenn sie jetzt mit <i>"Ich bin seine Cousine"</i> oder ähnlichem antwortete, dann reichte der Joint in Sookies Hand auch nicht mehr. Dann musste sie fettere Geschütze auffahren.<br />
<style class="text/css">@import url('https://fonts.googleapis.com/css2?family=Poppins:wght@300&family=Staatliches&display=swap'); #ysig-wrapper { width: 355px; margin: auto; position: relative; color: #000; } .ysig-text { width: 350px; margin-top: 2px; position: relative; z-index: 2; font-size: 30px; font-family: 'Staatliches', cursive; text-align: left; line-height: 35px; } .ysig-subtitle { margin-top: -3px; font-size: 12px; font-family: 'Poppins', sans-serif; font-weight: 300; } .ysig-subtitle span { padding: 1px 6px; background-color: #a01a1a; font-size: 12px; color: #fff; } .ysig-anarchy { width: 80px; height: 80px; position: absolute; z-index: 1; bottom: -4px; right: 5px; background-image: url("https://i.ibb.co/VjC6Bg9/Nice-Png-anarchy-a-png-4002166.png"); background-size: cover; } .ysig-texting { margin: 0 auto; width: 420px; display: flex; flex-direction: column;} .ysig-speech-bubble, .ysig-speech-bubble-2 { position: relative; max-width: 260px; background: #a9eaa0; padding: 11px; margin: 5px 0; border-radius: 10px; font-family: Arial; font-size: 13px; line-height: normal; text-align: left; color: #000; } .ysig-speech-bubble { align-self: flex-end; } .ysig-speech-bubble-2 { background-color: #97d3f7; align-self: flex-start; } .ysig-speech-bubble:after { content: ''; position: absolute; right: 0; bottom: 8px; width: 0; height: 0; border: 10px solid transparent; border-left-color: #a9eaa0; border-right: 0; border-top: 0; margin-top: -10px; margin-right: -8px; } .ysig-speech-bubble-2:after { content: ''; position: absolute; left: 0; bottom: 8px; width: 0; height: 0; border: 10px solid transparent; border-right-color: #97d3f7; border-left: 0; border-top: 0; margin-top: -10px; margin-left: -8px; }</style>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Sookie hätte immer von sich behauptet, eine gute Nase zu haben. War nur eben eine ganz andere Frage, was mit erschnüffelten Informationen angestellt würde, denn da begannen erst die Probleme, oh bei Gott begannen sie da. Auch eine gute Eigenschaft, redete sie sich schön, weil sie schließlich auch niemanden vorverurteilen wollte (naja), aber Kehrseite: Jetzt hatte sie den Salat. So einen aus dem Tesco Express Kühlregal, bei dem man durchs Plastik nicht ganz erspähen konnte, ob die Flecken am Salat so mussten und sich beim Zählen der farblosen und ungewürzten Hähnchenwürfel fragte, obs sich lohnte, die Bauchschmerzgefahr für den -20%-Sticker-Rabatt in Kauf zu nehmen. Aber Männer waren kein Pick-and-Choose Cesar Salad, bei dem sie im Zweifelsfall die vertrocknete Mozzarella aussortieren konnte; die bekam man im Gesamtpaket (irks). Manchmal gehörten da eben noch andere hinzu: Freund:innen, Boy Mums, Side Chicks. Dinge, vor denen kein Hinge-Profil der Welt warnte, höchstens ein flaues Bauchgefühl und eine aufploppende Nachricht, wenn man seitlich aufs Handy lugte und sich fragte <i>Moooooment</i>. Auf das erste folgten dann noch viele andere: <i>Moooooment</i>, wer ist das? <i>Moooooment</i>, reagiere ich über? <i>Moooooment</i>, bin ich gerade jealous girlfriend™? <i>Moooooment</i>, bin <i><u>ich</u></i> eine side chick???<br />
Ja, Fragen über Fragen, aber Sookie sahs auch nicht ein, Isaac jetzt zur Rede zu stellen. <i>"Hey Schatz, was gibts zum Abendessen achso und was ich noch fragen wollte, wer zur Hölle ist Irene???"</i> Das war blöd. Klare Kommunikation war wichtig, dies das, schon klar, aber nicht bei sowas. Das gehörte sich reingefressen (Freundinnen ausgeklammert, versteht sich) für den Fall der Fälle, dass sie gerade massivst auf der falschen Fährte war. Ne, ne, mein Lieber, dann lieber aussitzen und mit zusammengekniffenen Augen jegliche Social Media Plattform durchforsten um herauszufinden <i>wer zur Hölle</i> Irene ist. Instagram, Facebook, LinkedIn, Twitter, <u>nicht</u> wurde ausgespart.<br />
<br />
Brauchte auch nur ein paar Tage, da hatte sie mit einer Freundin am Telefon, ca. acht Bechern Kaffee, dreieinhalb Joints, zweimal Take-Out-Sushi, siebenmal auf dem Rücken gegen die Decke starren, einmal Laptopabsturz wegen fehlendem Akku, dreimal vor Frustration heulen und neunmal mit zusammengekniffenen Augen ihren frech ahnungslosen Freund anstarren und sich fragen, was der vor ihr verbarg, bis sie endlich eine <i>Irene</i> gefunden hatte, die sich mit dem schwammigen Foto abgleichen ließ, das sie von der Pop-Up-Nachricht auf Isaacs Handy gemacht hatte. Jackpot, HAH. Privatermittlerin hätte sie werden müssen, ihr Talent wurde VERSCHENKT. <br />
Na dann, Irene, erzähl mir was über dich. Sookie scrollte durch den Feed und fands selbst beschissen, wie garstig ihre Gedanken wurden, obwohl ihr diese bildschöne Frau nichts getan hatte (von dem sie wusste, zumindest). Außer so schön zu sein?? Hnnnggg, konnte die Fremde aus dem Pop-Up nicht wenigstens potthässlich sein, würds das besser machen? Würd sie sich dann gerade besser fühlen, ganz ehrlich? Sookie stöhnte laut und ließ sich wieder ins Bett fallen. Schön wollte sie Isaac nicht vorverurteilen, aber bei einer anderen Frau gings plötzlich tipptopp einfach – liebte sie. LIEBTE SIE.<br />
<br />
Egal, jetzt nicht frustriert aufgeben, so kurz vor der Erleuchtung. Sookie tippte genau dreiunddreißig Nachrichten und löschte sie alle. Da hatte man schon einen Master in Playwriting und bekam trotzdem keinen vernünftigen Satz zusammen, ach wie schön, dass man seine Zeit und sein Geld gut investierte. Ach egal, einfach raus damit, es gab wortwörtlich keinen Weg, hier würdevoll rauszukommen (außer wenn sie recht hatte, aber das konnte doch kaum das Outcome sein, das sie sich erhoffte). <br />
<br />
<div class="ysig-texting">
<div class="ysig-speech-bubble">Hey, wir kennen uns nicht, aber ich glaube, du kennst meinen Freund Isaac? Ich will keine eifersüchtige Nuss sein, aber hab seit einer Weile ein schlechtes Bauchgefühl und dich auf seinem Handy gesehen.</div>
<div class="ysig-speech-bubble">Wenn ich es total überinterpretiere, dann lach bitte einfach mir mir drüber</div>
</div>
<br />
Wenn sie jetzt mit <i>"Ich bin seine Cousine"</i> oder ähnlichem antwortete, dann reichte der Joint in Sookies Hand auch nicht mehr. Dann musste sie fettere Geschütze auffahren.<br />
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		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Und es is nix so wichtig, wie ′s dein Hirn dir manchmal sagt]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2620</link>
			<pubDate>Tue, 16 Dec 2025 22:12:17 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=516">Joon-Ho Moon</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2620</guid>
			<description><![CDATA[Trotz des Nieselregens und des (wenig überraschenden) zu späten Schichtendes war er fünf Minuten vor verabredeter Zeit an Nandas Haustür angekommen und schob sein Fahrrad in den Hausflur, um es da am Treppengeländer abzuschließen. Den Helm ließ er am Lenker hängen und versuchte sich so gut es ging die Haare zu richten, die nach dem Tag auch nur noch ihr eigenes Ding machten. Abendessen hatte er unterwegs noch organisiert und einen Plastikbeutel voll mit reichlich Reis und Bulgogi und allem Drumunddran vom koreanischen Restaurant seines Vertrauens mitgebracht. Sich direkt Zuhause zu treffen zum Essen (usw. !) hatte sich als sinnvoll (bzw. effizient) erwiesen, auch wenn Joon mal kämpfen musste, nicht einfach auf dem Sofa einzuschlafen (und mindestens einmal schon verloren hatte). Sich heute bei ihr zu treffen, fand er auch ne kluge Entscheidung angesichts des Gesprächs, das er plante zu führen und auf dem Weg die Treppe nach oben zu ihrer Wohnung nochmal in seinem Kopf probte. <br />
Dumm eigentlich, dass er sich so stresste deswegen - es war ja kein Breakup, wenn man nicht zusammen war, aber er mochte sie echt richtig dolle gerne, und in einem anderen Leben hätte er sich krass in sie verliebt. Vielleicht sollte er dem Ganzen auch noch bisschen Zeit geben – aber wenn sie sich maximal alle zwei Wochen sahen.. Mit Rohan war Joon deswegen einfach ziemlich schnell zusammengezogen, aber das—nein. Kein guter Vorschlag. <br />
<br />
Er fuhr sich mit der freien Hand übers Gesicht und seufzte gegen seinen Stress, ehe er klingelte und hinter der Tür schon Musik und Nandas Schritte hörte. Na wenigstens konnte Joon sich drauf verlassen, sich von ihrer guten Laune ab Sekunde 1 anstecken zu lassen (mal sehen, wie lange). <b>“Heyy“</b>, sagte er mit einem Grinsen, ehe er in die Wohnung gelassen wurde und sie mit einem Kuss auf die Wange und einer Berührung an der Seite begrüßte. <b>“Ich habe sehr viel Essen mitgebracht als Entschädigung für die Uhrzeit“</b>, kündigte er an und hob die Tüte mit der Verpflegung hoch, weil halb 10, <i>naja</i>, er wurd halt alt okay. Morgen wechselte seine Schicht wieder auf spät und eigentlich sollt er echt versuchen, heut so lang wie möglich wach zu bleiben, weswegen Datenight wie ne Spitzenidee geklungen hatte, aber—achhhhh. Vielleicht stellte er sich mal einfach nicht so an?! Wie wär’s denn mal damit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Trotz des Nieselregens und des (wenig überraschenden) zu späten Schichtendes war er fünf Minuten vor verabredeter Zeit an Nandas Haustür angekommen und schob sein Fahrrad in den Hausflur, um es da am Treppengeländer abzuschließen. Den Helm ließ er am Lenker hängen und versuchte sich so gut es ging die Haare zu richten, die nach dem Tag auch nur noch ihr eigenes Ding machten. Abendessen hatte er unterwegs noch organisiert und einen Plastikbeutel voll mit reichlich Reis und Bulgogi und allem Drumunddran vom koreanischen Restaurant seines Vertrauens mitgebracht. Sich direkt Zuhause zu treffen zum Essen (usw. !) hatte sich als sinnvoll (bzw. effizient) erwiesen, auch wenn Joon mal kämpfen musste, nicht einfach auf dem Sofa einzuschlafen (und mindestens einmal schon verloren hatte). Sich heute bei ihr zu treffen, fand er auch ne kluge Entscheidung angesichts des Gesprächs, das er plante zu führen und auf dem Weg die Treppe nach oben zu ihrer Wohnung nochmal in seinem Kopf probte. <br />
Dumm eigentlich, dass er sich so stresste deswegen - es war ja kein Breakup, wenn man nicht zusammen war, aber er mochte sie echt richtig dolle gerne, und in einem anderen Leben hätte er sich krass in sie verliebt. Vielleicht sollte er dem Ganzen auch noch bisschen Zeit geben – aber wenn sie sich maximal alle zwei Wochen sahen.. Mit Rohan war Joon deswegen einfach ziemlich schnell zusammengezogen, aber das—nein. Kein guter Vorschlag. <br />
<br />
Er fuhr sich mit der freien Hand übers Gesicht und seufzte gegen seinen Stress, ehe er klingelte und hinter der Tür schon Musik und Nandas Schritte hörte. Na wenigstens konnte Joon sich drauf verlassen, sich von ihrer guten Laune ab Sekunde 1 anstecken zu lassen (mal sehen, wie lange). <b>“Heyy“</b>, sagte er mit einem Grinsen, ehe er in die Wohnung gelassen wurde und sie mit einem Kuss auf die Wange und einer Berührung an der Seite begrüßte. <b>“Ich habe sehr viel Essen mitgebracht als Entschädigung für die Uhrzeit“</b>, kündigte er an und hob die Tüte mit der Verpflegung hoch, weil halb 10, <i>naja</i>, er wurd halt alt okay. Morgen wechselte seine Schicht wieder auf spät und eigentlich sollt er echt versuchen, heut so lang wie möglich wach zu bleiben, weswegen Datenight wie ne Spitzenidee geklungen hatte, aber—achhhhh. Vielleicht stellte er sich mal einfach nicht so an?! Wie wär’s denn mal damit.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The sound that will keep you possessed]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2614</link>
			<pubDate>Sun, 30 Nov 2025 13:53:25 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=545">Josphat Kamau</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2614</guid>
			<description><![CDATA[<b>"Siehst du da irgendwo Schimmel, Elsa?"</b>, brummte Jos mit unhöflich-vollgestopftem Mund in das Handy, das er sich gegen sein Ohr drückte. In der anderen Hand lief Fleisch-Fett und geschmolzener Käse aus einem angebissenen Burger in seine Handfläche, verteilte sich dort mit übrig gebliebenem Schmutz aus vorherigen Zaun-Reparatur-Arbeiten zu einer ungesunden Masse, die er jedoch unbekümmert mit der Zunge ableckte. <b>"Kein Schimmel?"</b> Ein weiterer Bissen, so himmlisch gut, dass er die Augen zum Himmel verdrehte und stumm hoffte, dass niemand ihm unterstellte wegen des Telefonats die Augen zu rollen. <b>"Aber das Wasser läuft nicht ab und es riecht modrig?"</b> Jos nickte jemandem zu, der vorbei ging, hob aus Ermangelung an freien Händen einen Ellenbogen in Richtung einer anderen Person. In Oldham kannte er mindestens jeden Zweiten mit Namen, oftmals auch die dazugehörige Adresse, den Beziehungsstatus und die Anzahl der Kinder. <b>"Gib mir 30 Minuten, ja? Ich komme vorbei."</b> Die Rentnerin am anderen Ende der Leitung schmiss den Hörer auf die Gabel, während er mit fettigem Daumen fünf Mal auf den Bildschirm seines Smartphones pressen musste, um das Gespräch zu beenden. Erst noch den Burger aufessen, den Van holen, einen Pömpel rein schmeißen und dann konnte Jos sich endlich um den verstopften Abfluss seiner Nachbarin (im entferntesten Sinne) kümmern.<br />
<br />
Weil Pünktlichkeit nicht gerade zu Big Poppas Stärken zählte und er auf seinem Weg noch mit zwei weiteren Bekannten einen Plausch halten musste, kam er nicht nach 30 Minuten, sondern erst nach 60 Minuten bei Elsa an. In einer Hand ein Werkzeugkoffer, in der anderen ein Pömpel und eine Rohrreinigungsspirale, ausgerüstet für (fast) alles, was ein verstopfter Küchen-Spülbecken-Abfluss benötigen könnte. Jos hatte in seinem Leben schon, grob schätzt, 478 Rohre gerettet, er würde auch im Krieg gegen dieses Rohr siegen. Vorbei an alten Essensresten, dabei eine Predigt haltend, dass Lebensmittel nicht in die Spüle sondern in den Bioabfall gehörten. Oder war Elsa auch eine Frau wie die <i>crazy plant lady</i> Catherine, aus deren Abfluss er ein halbes Blumenbeet gefischt hatte? Kleine gedeihende Schattengewächse, die als Stecklinge einfach hinunter gespült worden waren und sich im Siphon festgesetzt hatten. Wenigstens hatte Jos noch nie eine tote, verwesende Ratte aus einem Abfluss gezogen – es gab also noch Luft nach oben. <br />
Nachdem er die Klingel an Elsas Tür mit dem Ellenbogen betätigt hatte, sah er kurze Zeit später der sympathischen (und <del>individualistischen</del> durchgedrehten) Rentnerin in die Augen. <b>"Was hast du den Abfluss runter gespült, eh?"</b> Mit der Kraft eines Hufe-scharrenden Pferdes stieß er auf der Fußmatte möglichen Schmutz von den Schuhen, bevor er eintrat, durch einen kleinen Flur in die Küche lief und dort mit dem Blick Elsas Mitbewohnerin streifte. <b>"Was geht, Ruby?"</b>, sprach er ihr lässig nickend zu.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>"Siehst du da irgendwo Schimmel, Elsa?"</b>, brummte Jos mit unhöflich-vollgestopftem Mund in das Handy, das er sich gegen sein Ohr drückte. In der anderen Hand lief Fleisch-Fett und geschmolzener Käse aus einem angebissenen Burger in seine Handfläche, verteilte sich dort mit übrig gebliebenem Schmutz aus vorherigen Zaun-Reparatur-Arbeiten zu einer ungesunden Masse, die er jedoch unbekümmert mit der Zunge ableckte. <b>"Kein Schimmel?"</b> Ein weiterer Bissen, so himmlisch gut, dass er die Augen zum Himmel verdrehte und stumm hoffte, dass niemand ihm unterstellte wegen des Telefonats die Augen zu rollen. <b>"Aber das Wasser läuft nicht ab und es riecht modrig?"</b> Jos nickte jemandem zu, der vorbei ging, hob aus Ermangelung an freien Händen einen Ellenbogen in Richtung einer anderen Person. In Oldham kannte er mindestens jeden Zweiten mit Namen, oftmals auch die dazugehörige Adresse, den Beziehungsstatus und die Anzahl der Kinder. <b>"Gib mir 30 Minuten, ja? Ich komme vorbei."</b> Die Rentnerin am anderen Ende der Leitung schmiss den Hörer auf die Gabel, während er mit fettigem Daumen fünf Mal auf den Bildschirm seines Smartphones pressen musste, um das Gespräch zu beenden. Erst noch den Burger aufessen, den Van holen, einen Pömpel rein schmeißen und dann konnte Jos sich endlich um den verstopften Abfluss seiner Nachbarin (im entferntesten Sinne) kümmern.<br />
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Weil Pünktlichkeit nicht gerade zu Big Poppas Stärken zählte und er auf seinem Weg noch mit zwei weiteren Bekannten einen Plausch halten musste, kam er nicht nach 30 Minuten, sondern erst nach 60 Minuten bei Elsa an. In einer Hand ein Werkzeugkoffer, in der anderen ein Pömpel und eine Rohrreinigungsspirale, ausgerüstet für (fast) alles, was ein verstopfter Küchen-Spülbecken-Abfluss benötigen könnte. Jos hatte in seinem Leben schon, grob schätzt, 478 Rohre gerettet, er würde auch im Krieg gegen dieses Rohr siegen. Vorbei an alten Essensresten, dabei eine Predigt haltend, dass Lebensmittel nicht in die Spüle sondern in den Bioabfall gehörten. Oder war Elsa auch eine Frau wie die <i>crazy plant lady</i> Catherine, aus deren Abfluss er ein halbes Blumenbeet gefischt hatte? Kleine gedeihende Schattengewächse, die als Stecklinge einfach hinunter gespült worden waren und sich im Siphon festgesetzt hatten. Wenigstens hatte Jos noch nie eine tote, verwesende Ratte aus einem Abfluss gezogen – es gab also noch Luft nach oben. <br />
Nachdem er die Klingel an Elsas Tür mit dem Ellenbogen betätigt hatte, sah er kurze Zeit später der sympathischen (und <del>individualistischen</del> durchgedrehten) Rentnerin in die Augen. <b>"Was hast du den Abfluss runter gespült, eh?"</b> Mit der Kraft eines Hufe-scharrenden Pferdes stieß er auf der Fußmatte möglichen Schmutz von den Schuhen, bevor er eintrat, durch einen kleinen Flur in die Küche lief und dort mit dem Blick Elsas Mitbewohnerin streifte. <b>"Was geht, Ruby?"</b>, sprach er ihr lässig nickend zu.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I'm practically a doormat, I'm so diplomatic now]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2608</link>
			<pubDate>Mon, 03 Nov 2025 19:04:55 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=549">Darius Sarr</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2608</guid>
			<description><![CDATA[Einfach totstellen, wenn es klingelte, hatte er auch schon seit zwanzig Jahren nicht mehr gemacht (Lüge 1), aber er hatte heute wirklich keine Zeit für gar nichts mehr (Lüge 2). Vor allem aber keine Lust, nachdem Darius den ganzen Vormittag mit seiner Agentin in der Galerie im Northern rumgehangen hatte, um die Hängung der Bilder zu diskutieren und die dämlichen Beschreibungszettel nicht zu finden. Vielleicht hatte es gar nicht daran gelegen, dass sie die verlegt hatte, sondern daran, dass Darius die noch nicht geschrieben hatte. Viel-leicht. Kümmerte er sich später drum. <br />
Genauso um die vier Nachrichten von Erika, die mit zunehmender Dringlichkeit wissen wollte, ob er morgen Charlie nehmen konnte, weil sie irgendwas mit Arbeit hatte (er hatte die Nachricht nicht zu ende gelesen), aber er brauchte doch auch irgendwann seine Ruhe, hatte der Arzt ihm erst gestern wieder gesagt. Auch, dass er sich glücklich schätzen konnte und in <i>seinem Alter</i> die Heilung echt gut verlief, er aber auf jeden Fall drauf achten sollte noch paar Wochen, nicht zu schwer zu heben (ein Kleinkind schwer war schon wieder genehmigt). Zumal seit Charlie laufen konnte (zwei Wochen jetzt oder so?!) hatte sich ihr Bewegungsradius gleichermaßen in eine Todeszone verwandelt, da musste man immer zwei Meter vorausplanen, sonst <i>“rannte“</i> die irgendwo gegen oder fiel die nächste Treppe runter. An Sitzen war da ja gar nicht mehr zu denken. <br />
<br />
Beim zweieinhalbten Klingeln legte er mit einem genervten Stöhnen doch das Macbook zur Seite, das er auf dem Sofa liegend auf seinem Bauch balanciert hatte, um—nicht zu arbeiten, sondern durch Twitter zu scrollen. Darius war fest davon überzeugt, dass Erika ihm vor der Tür erscheinen würde und ihn zur Rede stellen mit in die Seite gestemmten Händen, als er resigniert dahin schlurfte. Stattdessen sah er auf in das Gesicht von Morts und runzelte die Stirn (obwohl’s ihn ehrlich gesagt extrem erleichterte, weil was konnte der schon Schlimmes wollen von ihm?!). <b>“Jo?“</b>, sagte er irritiert und hielt sich an der Tür fest, statt ihn direkt reinzulassen. <b>“Was gibt’s? Warum rufst du nicht an?“</b>, statt hier nach Oldham rauszujuckeln. Dabei vergaß er, dass sein Handy seit zwei Stunden ausgeschaltet war (deswegen Twitter am Macbook).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Einfach totstellen, wenn es klingelte, hatte er auch schon seit zwanzig Jahren nicht mehr gemacht (Lüge 1), aber er hatte heute wirklich keine Zeit für gar nichts mehr (Lüge 2). Vor allem aber keine Lust, nachdem Darius den ganzen Vormittag mit seiner Agentin in der Galerie im Northern rumgehangen hatte, um die Hängung der Bilder zu diskutieren und die dämlichen Beschreibungszettel nicht zu finden. Vielleicht hatte es gar nicht daran gelegen, dass sie die verlegt hatte, sondern daran, dass Darius die noch nicht geschrieben hatte. Viel-leicht. Kümmerte er sich später drum. <br />
Genauso um die vier Nachrichten von Erika, die mit zunehmender Dringlichkeit wissen wollte, ob er morgen Charlie nehmen konnte, weil sie irgendwas mit Arbeit hatte (er hatte die Nachricht nicht zu ende gelesen), aber er brauchte doch auch irgendwann seine Ruhe, hatte der Arzt ihm erst gestern wieder gesagt. Auch, dass er sich glücklich schätzen konnte und in <i>seinem Alter</i> die Heilung echt gut verlief, er aber auf jeden Fall drauf achten sollte noch paar Wochen, nicht zu schwer zu heben (ein Kleinkind schwer war schon wieder genehmigt). Zumal seit Charlie laufen konnte (zwei Wochen jetzt oder so?!) hatte sich ihr Bewegungsradius gleichermaßen in eine Todeszone verwandelt, da musste man immer zwei Meter vorausplanen, sonst <i>“rannte“</i> die irgendwo gegen oder fiel die nächste Treppe runter. An Sitzen war da ja gar nicht mehr zu denken. <br />
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Beim zweieinhalbten Klingeln legte er mit einem genervten Stöhnen doch das Macbook zur Seite, das er auf dem Sofa liegend auf seinem Bauch balanciert hatte, um—nicht zu arbeiten, sondern durch Twitter zu scrollen. Darius war fest davon überzeugt, dass Erika ihm vor der Tür erscheinen würde und ihn zur Rede stellen mit in die Seite gestemmten Händen, als er resigniert dahin schlurfte. Stattdessen sah er auf in das Gesicht von Morts und runzelte die Stirn (obwohl’s ihn ehrlich gesagt extrem erleichterte, weil was konnte der schon Schlimmes wollen von ihm?!). <b>“Jo?“</b>, sagte er irritiert und hielt sich an der Tür fest, statt ihn direkt reinzulassen. <b>“Was gibt’s? Warum rufst du nicht an?“</b>, statt hier nach Oldham rauszujuckeln. Dabei vergaß er, dass sein Handy seit zwei Stunden ausgeschaltet war (deswegen Twitter am Macbook).]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[But there's only Paracetamol and peanuts, that's not enough to feed us]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2594</link>
			<pubDate>Wed, 08 Oct 2025 23:33:52 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=549">Darius Sarr</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2594</guid>
			<description><![CDATA[So ein Clusterfuck von Tag schon wieder und jetzt stand er hier seit sieben Minuten vor dem Regal mit Dosenbohnen und weigerte sich, das schwarze Loch auf Augenhöhe anzuerkennen, in dem die ausgewiesenen Käferbohnen verschwunden waren. Das Klingeln in seinem Ohr wurd auch langsam nervig, aber mit den Kopfhörern drauf konnte er sich noch einreden, dass das Teil von dem Acid Arab Song war, hier dieses Instrument, wie hieß das noch, er kam nicht drauf, warum?! <br />
Klar, hätte Darius in den türkischen Supermarkt gehen können, aber er hatte keinen Bock, zehn Minuten mit dem Chef zu reden, nachdem ihm seine Mutter jetzt zwei Stunden lang das Ohr abgekaut hatte. Warum er da ohne Charlie aufgetaucht war, naja weil Gründe, seit wann reichte es eigentlich nicht mehr, wenn ihr geliebter und lang verschollener Sohn sie besuchte?! Bloß, weil er irgendwie die Wochentage verwechselt hatte und sich deswegen(?) mit Erika hatte streiten müssen, die den Tag mit ihrer Tochter schon anders verplant hatte und ihm dann <i>wenigstens</i> den Einkauf auferlegt hatte, als wäre er sonst zu nichts zu gebrauchen. Goddamn, <i>Woman!</i>, aber mit ihm konnte man’s ja machen.<br />
<br />
Er griff zum dritten Mal nach der Dose Weiße Bohnen, um sie in der Hand zu drehen und wieder ins Regal zu stellen, als wär er in so nem Error 404 gefangen. Da tippte es ihn von der Seite gegen den Ellenbogen und in Zeitlupe drehte Darius den Kopf, um das auffordernde Lächeln einer 164-Jährigen zu sehen, einen Kopf unter seiner Augenhöhe und dem leeren Bohnenregal. Sie sagte was und er hörte nichts und dachte kurz, na toll, das war’s jetzt. Dann setzte er die Kopfhörer ab, ahja. Mechanisch reichte er ihr eine Dose Tomaten und lächelte genauso mechanisch, als sie ihn auch dazu aufforderte. Völlig furchtlos, die Frau, Respekt dafür, aber solche kannte er ja nur. <br />
Und dann explodierte irgendwo was – bzw. roch er zuerst so ne scharfe Alkoholnote, die ihn an Mahmoud erinnerte, der immer versteckt einen Flachmann mitgehabt hatte, aber’s war nur ein Besoffener, der mit seinem Einkaufswagen in das nächste Regal gerauscht war. <b>“Chill“</b>, sagte er zu sich selbst, griff jetzt irgendeine scheiß Dose und steckte sie in die Jackentasche, weil Körbe hatte es ja auch keine gegeben. Aber für Chillen war’s zu spät, weil auf einmal hatte der Laden hier tausend Grad, das konnte doch nicht angehen, spontaner Klimaanlagendefekt, oder Mehlexplosion, er bekam hier richtig schwitzige Hände, aber klar, die Jacke war auch zu warm, in Manchester war’s halt immer schweinekalt—bisschen schwindelig wurd ihm auch vor Schreck (also unterzuckert konnte er echt nicht sein nach dem Elternbesuch). <br />
Hui. Wie Achterbahn, nur scheiße. Weil Darius wirklich gar keine Lust hatte, hier spontan nen Abgang zu machen, und der explodierte Einkaufswagen nebendran nur so lange ablenken konnte, stellte er sich vors Kühlregal und guckte da mal interessiert rein bei offener Tür. Die Kälte half, dass er jetzt den Schweiß auf seiner Stirn spürte und sich dachte, hm Butter, toll, diesen Jogurt wollte er schon immer mal haben, was ein Glück, guck mal die glücklichen Kühe auf der Verpackung. Kack. Er ging in die Hocke und tat beschäftigt mit seinen Schnürsenkeln, aber das Rauschen in seinem Schädel wurde nicht besser. Wenn er sich hier geschickt drapierte und den Kopf bisschen duckte, konnte man ihn nicht direkt sehen da vom nächsten Gang, dann konnte er immer noch so tun, als müsst er nur mal eben ähm Pause machen von dem anstrengenden Einkauf und sich mit dem Rücken an die Kühltür setzen, damit er ähm Erika schreiben konnte, was hier mit den Bohnen—jaja super Plan, ganz normal, das konnte niemand komisch finden!!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[So ein Clusterfuck von Tag schon wieder und jetzt stand er hier seit sieben Minuten vor dem Regal mit Dosenbohnen und weigerte sich, das schwarze Loch auf Augenhöhe anzuerkennen, in dem die ausgewiesenen Käferbohnen verschwunden waren. Das Klingeln in seinem Ohr wurd auch langsam nervig, aber mit den Kopfhörern drauf konnte er sich noch einreden, dass das Teil von dem Acid Arab Song war, hier dieses Instrument, wie hieß das noch, er kam nicht drauf, warum?! <br />
Klar, hätte Darius in den türkischen Supermarkt gehen können, aber er hatte keinen Bock, zehn Minuten mit dem Chef zu reden, nachdem ihm seine Mutter jetzt zwei Stunden lang das Ohr abgekaut hatte. Warum er da ohne Charlie aufgetaucht war, naja weil Gründe, seit wann reichte es eigentlich nicht mehr, wenn ihr geliebter und lang verschollener Sohn sie besuchte?! Bloß, weil er irgendwie die Wochentage verwechselt hatte und sich deswegen(?) mit Erika hatte streiten müssen, die den Tag mit ihrer Tochter schon anders verplant hatte und ihm dann <i>wenigstens</i> den Einkauf auferlegt hatte, als wäre er sonst zu nichts zu gebrauchen. Goddamn, <i>Woman!</i>, aber mit ihm konnte man’s ja machen.<br />
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Er griff zum dritten Mal nach der Dose Weiße Bohnen, um sie in der Hand zu drehen und wieder ins Regal zu stellen, als wär er in so nem Error 404 gefangen. Da tippte es ihn von der Seite gegen den Ellenbogen und in Zeitlupe drehte Darius den Kopf, um das auffordernde Lächeln einer 164-Jährigen zu sehen, einen Kopf unter seiner Augenhöhe und dem leeren Bohnenregal. Sie sagte was und er hörte nichts und dachte kurz, na toll, das war’s jetzt. Dann setzte er die Kopfhörer ab, ahja. Mechanisch reichte er ihr eine Dose Tomaten und lächelte genauso mechanisch, als sie ihn auch dazu aufforderte. Völlig furchtlos, die Frau, Respekt dafür, aber solche kannte er ja nur. <br />
Und dann explodierte irgendwo was – bzw. roch er zuerst so ne scharfe Alkoholnote, die ihn an Mahmoud erinnerte, der immer versteckt einen Flachmann mitgehabt hatte, aber’s war nur ein Besoffener, der mit seinem Einkaufswagen in das nächste Regal gerauscht war. <b>“Chill“</b>, sagte er zu sich selbst, griff jetzt irgendeine scheiß Dose und steckte sie in die Jackentasche, weil Körbe hatte es ja auch keine gegeben. Aber für Chillen war’s zu spät, weil auf einmal hatte der Laden hier tausend Grad, das konnte doch nicht angehen, spontaner Klimaanlagendefekt, oder Mehlexplosion, er bekam hier richtig schwitzige Hände, aber klar, die Jacke war auch zu warm, in Manchester war’s halt immer schweinekalt—bisschen schwindelig wurd ihm auch vor Schreck (also unterzuckert konnte er echt nicht sein nach dem Elternbesuch). <br />
Hui. Wie Achterbahn, nur scheiße. Weil Darius wirklich gar keine Lust hatte, hier spontan nen Abgang zu machen, und der explodierte Einkaufswagen nebendran nur so lange ablenken konnte, stellte er sich vors Kühlregal und guckte da mal interessiert rein bei offener Tür. Die Kälte half, dass er jetzt den Schweiß auf seiner Stirn spürte und sich dachte, hm Butter, toll, diesen Jogurt wollte er schon immer mal haben, was ein Glück, guck mal die glücklichen Kühe auf der Verpackung. Kack. Er ging in die Hocke und tat beschäftigt mit seinen Schnürsenkeln, aber das Rauschen in seinem Schädel wurde nicht besser. Wenn er sich hier geschickt drapierte und den Kopf bisschen duckte, konnte man ihn nicht direkt sehen da vom nächsten Gang, dann konnte er immer noch so tun, als müsst er nur mal eben ähm Pause machen von dem anstrengenden Einkauf und sich mit dem Rücken an die Kühltür setzen, damit er ähm Erika schreiben konnte, was hier mit den Bohnen—jaja super Plan, ganz normal, das konnte niemand komisch finden!!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I rode a gift horse into town]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2591</link>
			<pubDate>Sun, 05 Oct 2025 20:11:36 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=549">Darius Sarr</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2591</guid>
			<description><![CDATA[Jetzt hatte er schon das zweite Glas Sekt leer und dachte es würd helfen, in dem Trubel den Überblick zu behalten. Aber wenn man nichts mehr gewöhnt war, weil sich die löchrige Leber erst mal hatte erholen müssen, dann schwirrte einem einfach nur ein bisschen der Kopf. Die Geräusche überlagerten sich für seinen Geschmack etwas zu viel, um noch vernünftige Gespräche führen zu können. Dabei hatte die Vernissage hier gut angefangen: zwei Bilder schon verkauft, seine Agentin hatte ihm auch noch drei Interessenten vorgestellt und Darius verkniff sich die Nachfrage, warum man das ausgerechnet im Wohnzimmer aufhängen wollte. Gab genug Leute, die sich so Fotos von Elend ins Arbeitszimmer stellten, um sich dann bei Dinnergästen beim Digestif zu profilieren mit Vorträgen über globale Krisen. Ganz toll. Wurd er auch zunehmend müde von, wenn Leute ihm erzählten, sie waren ja auch mal drei Wochen in Nigeria und was sie da alles gesehen haben, ja crazy, kann er sich nicht vorstellen. <br />
<br />
Scheise, echt, fiel bestimmt fast gar nicht auf, wenn er zunehmend ins Leere starrte mit so nem eingefrorenen Gesicht, alles normal. <i>“Sag mal ist das dein Kind?“</i>, fragte eine Stimme von der Seite und er wollte reflexartig sagen, neh is ja Quatsch, während er sich ins Gesicht fasste, um dann im nächsten Moment nach besagtem Kind zu gucken und—achja stimmt. Charlie konnte gefühlt seit vorgestern laufen und seine Frau—Ex hatte sie mitgebracht, weil sie wollte halt selbst Bilder gucken und hatte und keinen Babysitter gefunden. Trotzdem auch für ihn überraschend, dass Erika nicht in Sichtweite war, aber ihre Tochter war echt auch zugewandt und unkompliziert, da ließ man sich verleiten. „Komm gleich wieder“, versprach er, gab sein Glas irgendwem und joggte durch den dezent beleuchteten Raum seinem Kind hinterher. <br />
<br />
Fand er ja gut, <i>sein Kind</i> - also dessen Existenz und das zu sagen, und auch wenn die jetzt schon anderthalb Jahre auf der Welt war, hatte er sich noch nicht komplett dran gewöhnt (vielleicht waren’s aber auch die Hormone, die ihn echt happy machten). Deswegen stresste es ihn umso mehr, dass die Tür offen war und Charlie Richtung Straße wackelte, wer ließ denn ein Kind so weit laufen (er) und warum hatte es noch niemand zu Boden getackelt?! Aber ehe Darius zum Hechtsprung ansetzen musste, tauchte da eine große Gestalt vor der Tür auf und versperrte den Fluchtweg – Enoch. Der hob seine Tochter hoch, die auch wirklich mit jedem mitgehen würde, befürchtete er – aber die kannten sich tatsächlich auch ganz gut. „Dich schickt der—irgendwer“, begrüßte er ihn mit einer vagen Handbewegung, weil’s der Himmel sicher nicht war. <br />
„Halt mal kurz“, bot er an, das Kind noch paar Minuten rumzutragen, weil er sich sonst grad nicht in der Lage sah, seiner Aufsichtspflicht nachzukommen – außerdem konnte er dann kurz rauchen gehen (ja, sollte man nicht machen vor dem Kind, aber die war so klein, ganz ehrlich, die steckte eh schon alles in den Mund, auch ohne dass er’s vormachte).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Jetzt hatte er schon das zweite Glas Sekt leer und dachte es würd helfen, in dem Trubel den Überblick zu behalten. Aber wenn man nichts mehr gewöhnt war, weil sich die löchrige Leber erst mal hatte erholen müssen, dann schwirrte einem einfach nur ein bisschen der Kopf. Die Geräusche überlagerten sich für seinen Geschmack etwas zu viel, um noch vernünftige Gespräche führen zu können. Dabei hatte die Vernissage hier gut angefangen: zwei Bilder schon verkauft, seine Agentin hatte ihm auch noch drei Interessenten vorgestellt und Darius verkniff sich die Nachfrage, warum man das ausgerechnet im Wohnzimmer aufhängen wollte. Gab genug Leute, die sich so Fotos von Elend ins Arbeitszimmer stellten, um sich dann bei Dinnergästen beim Digestif zu profilieren mit Vorträgen über globale Krisen. Ganz toll. Wurd er auch zunehmend müde von, wenn Leute ihm erzählten, sie waren ja auch mal drei Wochen in Nigeria und was sie da alles gesehen haben, ja crazy, kann er sich nicht vorstellen. <br />
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Scheise, echt, fiel bestimmt fast gar nicht auf, wenn er zunehmend ins Leere starrte mit so nem eingefrorenen Gesicht, alles normal. <i>“Sag mal ist das dein Kind?“</i>, fragte eine Stimme von der Seite und er wollte reflexartig sagen, neh is ja Quatsch, während er sich ins Gesicht fasste, um dann im nächsten Moment nach besagtem Kind zu gucken und—achja stimmt. Charlie konnte gefühlt seit vorgestern laufen und seine Frau—Ex hatte sie mitgebracht, weil sie wollte halt selbst Bilder gucken und hatte und keinen Babysitter gefunden. Trotzdem auch für ihn überraschend, dass Erika nicht in Sichtweite war, aber ihre Tochter war echt auch zugewandt und unkompliziert, da ließ man sich verleiten. „Komm gleich wieder“, versprach er, gab sein Glas irgendwem und joggte durch den dezent beleuchteten Raum seinem Kind hinterher. <br />
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Fand er ja gut, <i>sein Kind</i> - also dessen Existenz und das zu sagen, und auch wenn die jetzt schon anderthalb Jahre auf der Welt war, hatte er sich noch nicht komplett dran gewöhnt (vielleicht waren’s aber auch die Hormone, die ihn echt happy machten). Deswegen stresste es ihn umso mehr, dass die Tür offen war und Charlie Richtung Straße wackelte, wer ließ denn ein Kind so weit laufen (er) und warum hatte es noch niemand zu Boden getackelt?! Aber ehe Darius zum Hechtsprung ansetzen musste, tauchte da eine große Gestalt vor der Tür auf und versperrte den Fluchtweg – Enoch. Der hob seine Tochter hoch, die auch wirklich mit jedem mitgehen würde, befürchtete er – aber die kannten sich tatsächlich auch ganz gut. „Dich schickt der—irgendwer“, begrüßte er ihn mit einer vagen Handbewegung, weil’s der Himmel sicher nicht war. <br />
„Halt mal kurz“, bot er an, das Kind noch paar Minuten rumzutragen, weil er sich sonst grad nicht in der Lage sah, seiner Aufsichtspflicht nachzukommen – außerdem konnte er dann kurz rauchen gehen (ja, sollte man nicht machen vor dem Kind, aber die war so klein, ganz ehrlich, die steckte eh schon alles in den Mund, auch ohne dass er’s vormachte).]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[She doesn't have to marry a poet. She can always read a book]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2577</link>
			<pubDate>Sat, 12 Jul 2025 22:34:50 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=528">Eshaal Anwar</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2577</guid>
			<description><![CDATA[Wo ihre Eltern nach all den Jahren noch potenzielle Ehemänner für sie auftrieben, ohne sie direkt aus Pakistan einfliegen zu lassen, konnte sich Eshaal beim besten Willen nicht erklären. Das hier war also Bashir. Und den biografischen Daten nach überraschender Weise ebenfalls aus South London. 25 Jahre alt und Beauftragter für Risikomanagement. Was auch immer das sein sollte. Vermutlich war die Jobbezeichnung genauso irreführend wie sein Vorname. Bashir, der Überbringer guter Nachrichten. Natürlich hatte ihre Mutter darin ein gutes Omen gesehen, aber für Eshaal sah der eher nach ‚Bad News‘ aus. Wie er da als einziger im Raum komplett schwarz gekleidet zwischen seinen Eltern auf dem Sofa saß, hatte er die Ausstrahlung von nem schwarzen Loch, dass das ganze Licht des Universums in sich aufsog und vielleicht musste sie ihn deswegen so unverwandt anschauen. <br />
<br />
Sicher hielt er sie deswegen längst für irre, aber das war ihr egal. Sie brauchte hier nicht die devote kleine Muslima spielen, mit keusch gesenktem Blick, auch wenn ihre Mutter sich das sicher wünschte. Entweder er kam damit klar oder sie würde ihn auf diesem Wege noch leichter loswerden als all die anderen potenziellen Ehemänner, die schon vor ihm auf diesem Platz gesessen hatten. (Übrigens eine beeindruckende Parade an ullu ka patha) Und in ein paar Jahren würde es eh vorbei sein, weil sie zu alt war. Auch wenn sie genau darüber gerade nicht nachdenken wollte. Denn sofort hatte sie wieder dieses Engegefühl in der Brust, weil sich egal was sie tat, alles so ausweglos anfühlte. Heiraten, nicht heiraten. Ein Ehemann, ihre Eltern. Alles nur andere Gefängnisse, aus denen sie keinen Ausweg fand, da die Welt nicht auf pakistanische Frauen ohne Berufsausbildung aus South London wartete. <br />
<br />
Auf einmal fühlte sich jede Sekunde, die Eshaal hier weiter auf dem Sofa zwischen ihren Eltern saß, unerträglich an, so als könnte sie sprichwörtlich dabei zu sehen, wie ihr das Leben durch die Finger rann. ‚Nur weg‘, war ihr einziger Gedanke. Aber ihre Mutter hatte offenbar eine Art siebten Sinn und noch bevor Eshaal aufstehen konnte, legte sie ihrer Tochter eine Hand auf den Oberschenkel und drückte sie sanft nach unten zurück aufs Sofa. Und damit war der Impuls zu fliehen vorbei. Auch wenn Eshaal die Hand unwirsch zur Seite schob und ihrer Mutter einen vorwurfsvollen Blick zu warf. Schließlich war sie erwachsen und ließ sich nicht wie ein kleines Kind behandeln. Aber daraus machte sich ihre Mutter gerade herzlich wenig. Na ja, einen kleinen Schreck hatte sie ihr wohl doch eingejagt, denn als nächstes schlug sie vor, dass jetzt vielleicht ein ganz guter Moment dafür sei, Bashir und Eshaal allein miteinander reden zu lassen, damit sie sich besser kennenlernen konnten. Denn schließlich sollten sie ja heiraten …<br />
<br />
Also stand Eshaal wortlos auf und ging voran Richtung Küche. Vermutlich hätte sie Bashir den Vortritt lassen müssen, aber der kannte sich hier halt auch null aus und stolperte womöglich noch ins Schlafzimmer ihrer Eltern. Und so wie es aussah, folgte er ihr auch problemlos. Waren ja auch nur wenige Meter, bis sie die Küchentür hinter ihnen schließen konnte. Einen Moment blieb sie danach noch unschlüssig neben Bashir stehen, weil sie selbst nicht so genau wusste, wie es jetzt weiter gehen sollte. Dabei hatte sie das hier wirklich oft genug gemacht. Aber trotzdem war der erste Augenblick allein mit einem völlig Fremden, der immerhin der potenzielle Ehemann sein sollte, immer etwas seltsam. Natürlich hätte sie jetzt einfach mit Small Talk anfangen können, Hobbies, Vorstellungen wie der Ehepartner sein sollte, Kinderwunsch, was man halt eben beim ersten Treffen so casual abklärte, wenn man sich direkt im Anschluss daran eventuell verloben wollte. Aber sie hatte das Gefühl, dass es besser wäre, den großen fetten Elefanten anzusprechen, der vorhin schon die ganze Zeit zusammen mit ihnen im Wohnzimmer gewesen war. Die Frage, warum er überhaupt hier war. Niemand wollte seinen Sohn mit einer älteren Frau verheiraten, vor allem nicht, wenn deren Familie so arm war wie ihre und es noch nicht einmal eine Mitgift zu holen gab. „Okay, was stimmt nicht mit dir?“, fragte sie darum nun ziemlich direkt und unvermittelt. Nachdem sie ihn lange genug schweigend angeschaut hatte. „Deine Eltern preisen dich an, als versuchten sie zu alte Laddus auf dem Markt verkaufen. Dabei bist du erst fünfundzwanzig.“ Damit war dann wohl auch die Aussage ihrer Mutter widerlegt, dass sie höflich und wohlerzogen war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Wo ihre Eltern nach all den Jahren noch potenzielle Ehemänner für sie auftrieben, ohne sie direkt aus Pakistan einfliegen zu lassen, konnte sich Eshaal beim besten Willen nicht erklären. Das hier war also Bashir. Und den biografischen Daten nach überraschender Weise ebenfalls aus South London. 25 Jahre alt und Beauftragter für Risikomanagement. Was auch immer das sein sollte. Vermutlich war die Jobbezeichnung genauso irreführend wie sein Vorname. Bashir, der Überbringer guter Nachrichten. Natürlich hatte ihre Mutter darin ein gutes Omen gesehen, aber für Eshaal sah der eher nach ‚Bad News‘ aus. Wie er da als einziger im Raum komplett schwarz gekleidet zwischen seinen Eltern auf dem Sofa saß, hatte er die Ausstrahlung von nem schwarzen Loch, dass das ganze Licht des Universums in sich aufsog und vielleicht musste sie ihn deswegen so unverwandt anschauen. <br />
<br />
Sicher hielt er sie deswegen längst für irre, aber das war ihr egal. Sie brauchte hier nicht die devote kleine Muslima spielen, mit keusch gesenktem Blick, auch wenn ihre Mutter sich das sicher wünschte. Entweder er kam damit klar oder sie würde ihn auf diesem Wege noch leichter loswerden als all die anderen potenziellen Ehemänner, die schon vor ihm auf diesem Platz gesessen hatten. (Übrigens eine beeindruckende Parade an ullu ka patha) Und in ein paar Jahren würde es eh vorbei sein, weil sie zu alt war. Auch wenn sie genau darüber gerade nicht nachdenken wollte. Denn sofort hatte sie wieder dieses Engegefühl in der Brust, weil sich egal was sie tat, alles so ausweglos anfühlte. Heiraten, nicht heiraten. Ein Ehemann, ihre Eltern. Alles nur andere Gefängnisse, aus denen sie keinen Ausweg fand, da die Welt nicht auf pakistanische Frauen ohne Berufsausbildung aus South London wartete. <br />
<br />
Auf einmal fühlte sich jede Sekunde, die Eshaal hier weiter auf dem Sofa zwischen ihren Eltern saß, unerträglich an, so als könnte sie sprichwörtlich dabei zu sehen, wie ihr das Leben durch die Finger rann. ‚Nur weg‘, war ihr einziger Gedanke. Aber ihre Mutter hatte offenbar eine Art siebten Sinn und noch bevor Eshaal aufstehen konnte, legte sie ihrer Tochter eine Hand auf den Oberschenkel und drückte sie sanft nach unten zurück aufs Sofa. Und damit war der Impuls zu fliehen vorbei. Auch wenn Eshaal die Hand unwirsch zur Seite schob und ihrer Mutter einen vorwurfsvollen Blick zu warf. Schließlich war sie erwachsen und ließ sich nicht wie ein kleines Kind behandeln. Aber daraus machte sich ihre Mutter gerade herzlich wenig. Na ja, einen kleinen Schreck hatte sie ihr wohl doch eingejagt, denn als nächstes schlug sie vor, dass jetzt vielleicht ein ganz guter Moment dafür sei, Bashir und Eshaal allein miteinander reden zu lassen, damit sie sich besser kennenlernen konnten. Denn schließlich sollten sie ja heiraten …<br />
<br />
Also stand Eshaal wortlos auf und ging voran Richtung Küche. Vermutlich hätte sie Bashir den Vortritt lassen müssen, aber der kannte sich hier halt auch null aus und stolperte womöglich noch ins Schlafzimmer ihrer Eltern. Und so wie es aussah, folgte er ihr auch problemlos. Waren ja auch nur wenige Meter, bis sie die Küchentür hinter ihnen schließen konnte. Einen Moment blieb sie danach noch unschlüssig neben Bashir stehen, weil sie selbst nicht so genau wusste, wie es jetzt weiter gehen sollte. Dabei hatte sie das hier wirklich oft genug gemacht. Aber trotzdem war der erste Augenblick allein mit einem völlig Fremden, der immerhin der potenzielle Ehemann sein sollte, immer etwas seltsam. Natürlich hätte sie jetzt einfach mit Small Talk anfangen können, Hobbies, Vorstellungen wie der Ehepartner sein sollte, Kinderwunsch, was man halt eben beim ersten Treffen so casual abklärte, wenn man sich direkt im Anschluss daran eventuell verloben wollte. Aber sie hatte das Gefühl, dass es besser wäre, den großen fetten Elefanten anzusprechen, der vorhin schon die ganze Zeit zusammen mit ihnen im Wohnzimmer gewesen war. Die Frage, warum er überhaupt hier war. Niemand wollte seinen Sohn mit einer älteren Frau verheiraten, vor allem nicht, wenn deren Familie so arm war wie ihre und es noch nicht einmal eine Mitgift zu holen gab. „Okay, was stimmt nicht mit dir?“, fragte sie darum nun ziemlich direkt und unvermittelt. Nachdem sie ihn lange genug schweigend angeschaut hatte. „Deine Eltern preisen dich an, als versuchten sie zu alte Laddus auf dem Markt verkaufen. Dabei bist du erst fünfundzwanzig.“ Damit war dann wohl auch die Aussage ihrer Mutter widerlegt, dass sie höflich und wohlerzogen war.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Ich bin der schönste Mann in der Nervenheilanstalt]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2566</link>
			<pubDate>Wed, 11 Jun 2025 19:51:34 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=543">Adem Selimaj</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2566</guid>
			<description><![CDATA[Es gab wenige Dinge, die Church mehr vermisste als die guten alten Kippenautomaten, die er in seiner Kindheit mit den Jungs immer aufgebrochen hatte. Oder in Brand gesetzt, das war auch 'n paar mal passiert, gute Zeiten. Die hatte auch nie jemand abgebaut oder ersetzt, deswegen lernte man irgendwas, sowas in der eigenen Hood zu lassen und stattdessen die Nachbarn in Royton oder Chadderton abzufucken. <br />
Aber weil England keinen Spaß verstand, gabs sowas jetzt seit ein paar Jahren nicht mehr. Wie so Relikte der Vergangenheit sah man sie trotzdem manchmal rumstehen und sehnte sich danach, nicht mehr immer zum Späti anner Ecke stapfen zu müssen. Klar, Adem war nicht mehr drauf angewiesen, dass niemand 'nen Ausweis sehen wollte und leisten konnte er's sich auch, aber trotzdem würd' er jeden Tag lieber auf 'n paar Tasten rumdrücken anstatt vor der Alterssicherung bei der Kasse zu betteln, wie 'n Hurensohn. Naja, entweder er schickte 'nen Beschwerdebrief an den Premier, oder er hörte auf zu jammern.<br />
<br />
Schlange überwunden, die Mitarbeiterin mit dem verwaschenen blauen Sidecut nach'm richtigen Tabak angebettelt wie 'n Hund, sich dabei 'nen Snickers gezeckt, weil mans irgendwie im Blut hatte, und damit kehrte auch wieder Frieden in Form einer entzündeten Kippe ein. <br />
Church schlenderte die Straße hinab und erhaschte hin und wieder den Blick irgendeines Passanten, aber verharrte da nie länger, bis seine Aufmerksamkeit dann doch plötzlich zurückgelenkt wurde. Warte, die Fresse kannte er doch. <b>"EY!"</b>, rief er laut, in einer Mischung aus erfreuter Fassungslosigkeit und scherzhafter Kampfansage, bevor er den Typen auch schon in den Schwitzkasten nahm, für so <i>old times sake</i>. <b>"Wo kommst'n du her?!"</b>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Es gab wenige Dinge, die Church mehr vermisste als die guten alten Kippenautomaten, die er in seiner Kindheit mit den Jungs immer aufgebrochen hatte. Oder in Brand gesetzt, das war auch 'n paar mal passiert, gute Zeiten. Die hatte auch nie jemand abgebaut oder ersetzt, deswegen lernte man irgendwas, sowas in der eigenen Hood zu lassen und stattdessen die Nachbarn in Royton oder Chadderton abzufucken. <br />
Aber weil England keinen Spaß verstand, gabs sowas jetzt seit ein paar Jahren nicht mehr. Wie so Relikte der Vergangenheit sah man sie trotzdem manchmal rumstehen und sehnte sich danach, nicht mehr immer zum Späti anner Ecke stapfen zu müssen. Klar, Adem war nicht mehr drauf angewiesen, dass niemand 'nen Ausweis sehen wollte und leisten konnte er's sich auch, aber trotzdem würd' er jeden Tag lieber auf 'n paar Tasten rumdrücken anstatt vor der Alterssicherung bei der Kasse zu betteln, wie 'n Hurensohn. Naja, entweder er schickte 'nen Beschwerdebrief an den Premier, oder er hörte auf zu jammern.<br />
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Schlange überwunden, die Mitarbeiterin mit dem verwaschenen blauen Sidecut nach'm richtigen Tabak angebettelt wie 'n Hund, sich dabei 'nen Snickers gezeckt, weil mans irgendwie im Blut hatte, und damit kehrte auch wieder Frieden in Form einer entzündeten Kippe ein. <br />
Church schlenderte die Straße hinab und erhaschte hin und wieder den Blick irgendeines Passanten, aber verharrte da nie länger, bis seine Aufmerksamkeit dann doch plötzlich zurückgelenkt wurde. Warte, die Fresse kannte er doch. <b>"EY!"</b>, rief er laut, in einer Mischung aus erfreuter Fassungslosigkeit und scherzhafter Kampfansage, bevor er den Typen auch schon in den Schwitzkasten nahm, für so <i>old times sake</i>. <b>"Wo kommst'n du her?!"</b>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[What a weekend, huh?! Zahi, it's wednesday.]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2530</link>
			<pubDate>Tue, 11 Feb 2025 21:59:33 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=463">Zahi Bowles</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2530</guid>
			<description><![CDATA[Sollte mal jemand sagen, dass nach der langen Pause wieder richtig Silvester feiern gehen nicht die beste Idee des Jahres (welches??) gewesen war. Zumindest hatte Zahi die beste Nacht seit drei Jahren mindestens, und da ließ er sich nichts sagen, von wegen das wär’s nicht wert gewesen. In weiser Voraussicht hatte er sich im Laufe des Abends von einem Kreis zum nächsten bewegt (neh, hatte sich eher organisch so ergeben, man durfte da keinen Vorsatz erwarten), und konnte dann nur unbekümmert lachen über die oopsy-daisy Verwechslung des alkoholfreien Biers mit dem richtigen. Na machte doch nichts, den einen Abend. Gönnte er sich mal, komm, es war ein beschissen hartes Jahr gewesen und die Leute feierten ihn ein bisschen zu sehr dafür, dass sie ihn <i>wieder hatten</i>. Fuck. Platzen hätt er können während der 24 Stunden Hochgefühl, weil der versprenkelte Rest dann irgendwie bei ihm gelandet war, da hatten sie kein Stress wegen Ruhestörung. Geschenkt, dass jemand nicht mehr’s Klo richtig traf beim Kotzen, konnte passieren. Was auch immer, Details interessierten echt niemanden mehr. <br />
<br />
Am nächsten Tag kotzte er eh daneben, weil er sich ein bisschen wie gestorben, durchgekaut, viergeteilt und verkehrtrum wieder zusammengebaut fühlte – das Übliche also, kannte er von früher. Trotzdem summte da noch so ein Hochgefühl unter seiner Haut und er hatte von der Nacht ‘nen Haufen Weed, quasi als Entschädigung für die halbe Zerstörung seiner Bude, <i>bless</i>. Nach dem zweiten Joint ging’s auch wieder und Zahi dachte, na egal jetzt, irgendwie musste er überleben, dann gönnte er sich halt dieses Wochenende noch und dann war wieder gut. Gab ja eh sonst keine Anlässe erst mal, keine Sorge. Auf so ‘nen Kater konnte er in Zukunft getrost verzichten haha, auch wenn die Nacht davor—vielleicht ging das ja doch ab und zu, weißte, ging doch die Welt nicht unter. Außerdem kriegte er’s doch hin, redete sich Zahi auch wie so’n Mantra selbst ein, während er bisschen durch die Wohnung putzte (und nicht weit kam), und wie gut er denken konnte mit dem Gras, das hatte er ehrlicherweise massiv vermisst, und jetzt schon Abschiedsschmerz. <br />
<br />
Aber bis Sonntag war ja noch, dachte er, und kaufte sich was zu Essen draußen, dem Dönerverkäufer seines Vertrauens ein frohes Neues wünschend, und vorne an der Haltestelle noch bisschen Reserve besorgen. Wie so ein erwachsener Mensch, der für sich sorgen konnte, und gut drauf war – ihm brannten aber auch echt noch Reste in den Synapsen und Zahi war gewillt, sich das noch die anderthalb Tage aufrechtzuerhalten, eh’s wieder bergab ging mit ihm. Eigentlich hatte er paar Leute anrufen wollen, aber er fand sein scheiß Handy nicht und wahrscheinlich hingen die eh noch durch, hah, nichts gewöhnt (sagte er). Boah okay, ihm ging’s auch zwischendurch noch durch den Magen, aber halb so wild. Stattdessen setzte er seine Energie produktiv um, hier die Gitarre hatte er im Dezember echt vernachlässigt, irgendwie gar kein Bock gehabt, und grad fühlte er sich, als könnte er ein halbes Album schreiben (falls jemand fragte). <i>Delusional</i>, WER?? No way, Zahi hatte einen Plan, <i>bruv</i>, alles im Griff, sonst hätte er sich schon längst bei irgendwem gemeldet, klar.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Sollte mal jemand sagen, dass nach der langen Pause wieder richtig Silvester feiern gehen nicht die beste Idee des Jahres (welches??) gewesen war. Zumindest hatte Zahi die beste Nacht seit drei Jahren mindestens, und da ließ er sich nichts sagen, von wegen das wär’s nicht wert gewesen. In weiser Voraussicht hatte er sich im Laufe des Abends von einem Kreis zum nächsten bewegt (neh, hatte sich eher organisch so ergeben, man durfte da keinen Vorsatz erwarten), und konnte dann nur unbekümmert lachen über die oopsy-daisy Verwechslung des alkoholfreien Biers mit dem richtigen. Na machte doch nichts, den einen Abend. Gönnte er sich mal, komm, es war ein beschissen hartes Jahr gewesen und die Leute feierten ihn ein bisschen zu sehr dafür, dass sie ihn <i>wieder hatten</i>. Fuck. Platzen hätt er können während der 24 Stunden Hochgefühl, weil der versprenkelte Rest dann irgendwie bei ihm gelandet war, da hatten sie kein Stress wegen Ruhestörung. Geschenkt, dass jemand nicht mehr’s Klo richtig traf beim Kotzen, konnte passieren. Was auch immer, Details interessierten echt niemanden mehr. <br />
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Am nächsten Tag kotzte er eh daneben, weil er sich ein bisschen wie gestorben, durchgekaut, viergeteilt und verkehrtrum wieder zusammengebaut fühlte – das Übliche also, kannte er von früher. Trotzdem summte da noch so ein Hochgefühl unter seiner Haut und er hatte von der Nacht ‘nen Haufen Weed, quasi als Entschädigung für die halbe Zerstörung seiner Bude, <i>bless</i>. Nach dem zweiten Joint ging’s auch wieder und Zahi dachte, na egal jetzt, irgendwie musste er überleben, dann gönnte er sich halt dieses Wochenende noch und dann war wieder gut. Gab ja eh sonst keine Anlässe erst mal, keine Sorge. Auf so ‘nen Kater konnte er in Zukunft getrost verzichten haha, auch wenn die Nacht davor—vielleicht ging das ja doch ab und zu, weißte, ging doch die Welt nicht unter. Außerdem kriegte er’s doch hin, redete sich Zahi auch wie so’n Mantra selbst ein, während er bisschen durch die Wohnung putzte (und nicht weit kam), und wie gut er denken konnte mit dem Gras, das hatte er ehrlicherweise massiv vermisst, und jetzt schon Abschiedsschmerz. <br />
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Aber bis Sonntag war ja noch, dachte er, und kaufte sich was zu Essen draußen, dem Dönerverkäufer seines Vertrauens ein frohes Neues wünschend, und vorne an der Haltestelle noch bisschen Reserve besorgen. Wie so ein erwachsener Mensch, der für sich sorgen konnte, und gut drauf war – ihm brannten aber auch echt noch Reste in den Synapsen und Zahi war gewillt, sich das noch die anderthalb Tage aufrechtzuerhalten, eh’s wieder bergab ging mit ihm. Eigentlich hatte er paar Leute anrufen wollen, aber er fand sein scheiß Handy nicht und wahrscheinlich hingen die eh noch durch, hah, nichts gewöhnt (sagte er). Boah okay, ihm ging’s auch zwischendurch noch durch den Magen, aber halb so wild. Stattdessen setzte er seine Energie produktiv um, hier die Gitarre hatte er im Dezember echt vernachlässigt, irgendwie gar kein Bock gehabt, und grad fühlte er sich, als könnte er ein halbes Album schreiben (falls jemand fragte). <i>Delusional</i>, WER?? No way, Zahi hatte einen Plan, <i>bruv</i>, alles im Griff, sonst hätte er sich schon längst bei irgendwem gemeldet, klar.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Shoot another shot, try to stop the feeling]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2494</link>
			<pubDate>Sun, 15 Sep 2024 15:44:54 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=464">Rohan Pandey</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2494</guid>
			<description><![CDATA[Rohan schlug den Kragen seines Mantels hoch. Fucking Januar, dachte er, als er die Tür des wenig benutzen Hintereingangs des Polizeireviers mit Schwung hinter sich zu fallen ließ. Der grieselige Schneeregen war wirklich das Tüpfelchen auf dem i seines bisherigen Tages. Entnervt zog er die Schachtel Zigaretten aus seiner Manteltasche, öffnete sie und stopfte sich eine davon zwischen die Lippen und natürlich blies der Wind sein Feuerzeug direkt beim ersten Versuch, sie anzuzünden aus. Kurz musste er den Impuls unterdrücken, es einfach auf den Boden zu pfeffern, fluchte stattdessen aber nur stumm in sich hinein und zog sich etwas weiter nach hinten unter das Vordach über dem Treppenabsatz zurück. Die richtige Entscheidung. Der Nikotinkick des ersten Zugs entspannte ihn etwas, während er sich an die Wand seitlich vom Eingang lehnte. Genauso wie es vorhin geholfen hatte, sich bei seinem Arbeitskollegen auszukotzen. Trotzdem bekam er nicht aus dem Kopf, dass das Verfahren gegen die beiden Polizeibeamten in seinem letzten Fall eingestellt worden war, da es eine „Aussage-gegen-Aussage“-Konstellation war und es keinen ersichtlichen Grund gab, weshalb der Aussage des Opfers mehr Glauben geschenkt werden könne, als den beiden Polizeibeamten. Wenn er allein schon über diese Formulierung nachdachte. Dabei hatten die beiden Kollegen im Detail durchaus widersprüchliche Aussagen gemacht … Ach Fuck, er kannte die Gründe und die Philosophie hinter dieser Entscheidung nur zur gut. <br />
<br />
Frustriert trat er seine Zigarette auf dem Boden aus, nur um sich direkt danach eine weitere anzuzünden. Hielt aber kurz inne, als Ennis auf einmal durch die Tür trat. Und sein Herz plötzlich nicht mehr nur vor Wut schneller zu schlagen schien. Seit ihrer zufälligen Begegnung in einem Klub vor über einer Woche hatte Rohan gehofft, Ennis auf der Arbeit über den Weg zu laufen. Auch wenn die Chance dafür nicht sonderlich groß war (schließlich arbeiteten sie in unterschiedlichen Abteilungen) hatte er je mehr Zeit verstrichen war, angefangen sich Sorgen um Ennis zu machen. Umso erleichterter war er jetzt, dass es Ennis halbwegs gut zu gehen schien. Auch wenn Rohan sich fragte, ob er gerade in der richtigen Stimmung war, um über das zu reden, was an diesem Abend passiert war. „Brauchst du auch eine kurze Auszeit?“, fragte er bemüht neutral und zwang sich zu einem Lächeln, während er Ennis die geöffnete Schachtel Zigaretten entgegenhielt. Falls der auch eine rauchen wollte…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Rohan schlug den Kragen seines Mantels hoch. Fucking Januar, dachte er, als er die Tür des wenig benutzen Hintereingangs des Polizeireviers mit Schwung hinter sich zu fallen ließ. Der grieselige Schneeregen war wirklich das Tüpfelchen auf dem i seines bisherigen Tages. Entnervt zog er die Schachtel Zigaretten aus seiner Manteltasche, öffnete sie und stopfte sich eine davon zwischen die Lippen und natürlich blies der Wind sein Feuerzeug direkt beim ersten Versuch, sie anzuzünden aus. Kurz musste er den Impuls unterdrücken, es einfach auf den Boden zu pfeffern, fluchte stattdessen aber nur stumm in sich hinein und zog sich etwas weiter nach hinten unter das Vordach über dem Treppenabsatz zurück. Die richtige Entscheidung. Der Nikotinkick des ersten Zugs entspannte ihn etwas, während er sich an die Wand seitlich vom Eingang lehnte. Genauso wie es vorhin geholfen hatte, sich bei seinem Arbeitskollegen auszukotzen. Trotzdem bekam er nicht aus dem Kopf, dass das Verfahren gegen die beiden Polizeibeamten in seinem letzten Fall eingestellt worden war, da es eine „Aussage-gegen-Aussage“-Konstellation war und es keinen ersichtlichen Grund gab, weshalb der Aussage des Opfers mehr Glauben geschenkt werden könne, als den beiden Polizeibeamten. Wenn er allein schon über diese Formulierung nachdachte. Dabei hatten die beiden Kollegen im Detail durchaus widersprüchliche Aussagen gemacht … Ach Fuck, er kannte die Gründe und die Philosophie hinter dieser Entscheidung nur zur gut. <br />
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Frustriert trat er seine Zigarette auf dem Boden aus, nur um sich direkt danach eine weitere anzuzünden. Hielt aber kurz inne, als Ennis auf einmal durch die Tür trat. Und sein Herz plötzlich nicht mehr nur vor Wut schneller zu schlagen schien. Seit ihrer zufälligen Begegnung in einem Klub vor über einer Woche hatte Rohan gehofft, Ennis auf der Arbeit über den Weg zu laufen. Auch wenn die Chance dafür nicht sonderlich groß war (schließlich arbeiteten sie in unterschiedlichen Abteilungen) hatte er je mehr Zeit verstrichen war, angefangen sich Sorgen um Ennis zu machen. Umso erleichterter war er jetzt, dass es Ennis halbwegs gut zu gehen schien. Auch wenn Rohan sich fragte, ob er gerade in der richtigen Stimmung war, um über das zu reden, was an diesem Abend passiert war. „Brauchst du auch eine kurze Auszeit?“, fragte er bemüht neutral und zwang sich zu einem Lächeln, während er Ennis die geöffnete Schachtel Zigaretten entgegenhielt. Falls der auch eine rauchen wollte…]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I'm bulletproof, nothing to lose]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2419</link>
			<pubDate>Sat, 06 Apr 2024 22:10:00 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=516">Joon-Ho Moon</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2419</guid>
			<description><![CDATA[Was war er froh, dass er heute nicht die Nacht fahren musste, sondern unpünktlich halb 8 dem Feierabend entgegenrollte (mit nur einer halben Stunde Verspätung, hey). Wenn St. Patrick’s Day auf einen Freitag fiel, brauchte man kein Hellseher sein, um zu ahnen, was einen erwartete. Die Exil-Iren (oder sich irisch Fühlenden) hatten selbst tagsüber schon fleißig angefangen, aber sie waren ohne vollgekotzten RTW davongekommen, was wollte man mehr. Jetzt standen sie eben seit zwanzig Minuten in der Warteschlange, um ihren letzten Patienten mit der rausgesprungenen Kniescheibe in der Notaufnahme abzugeben, und nachdem Joon sich versichert hatte, dass es dem Okay ging (der war auf Lachgas und hatte aktuell echt keine Sorgen), setzte er sich wieder zu seiner Kollegin nach vorne. „Ich brauch wirklich dringend was zu essen, sonst leg ich mich daneben“, sagte er und deutete nach hinten durch das kleine Fenster auf ihren Patienten. Es war ja offiziell nicht gern gesehen, im Wagen zu essen, aber wie zur Hölle sollten sie den Dienst sonst überleben, wenn sie in 12 Stunden keine Zeit für eine ordentliche Pause gehabt hatten?! Allerdings wurde sein Vorhaben jäh nach hinten verschoben, als im Radio ein Song anlief, Joon grinste und lauter drehte, weil er ziemlich textsicher mitsingen musste. Seine Kollegin lachte und leierte ihr Fenster runter, damit sie spätestens zum Refrain mit mindestens einem anderen Team, das neben ihnen wartete, gemeinsam <i>‘You shot me down, but I won’t fall, I am titaaaaniiiiiiuuuuum‘</i> einstimmen konnten, als würden sie hier gleich in eine Musicalfolge in ihrem Leben starten. Erst beim zweiten Refrain fiel ihm auf, dass hier an der Ecke nicht nur Kolleg*innen und überarbeitetes Krankenhauspersonal lungerten, sondern da drüben neben dem Eingang ein Mann, der ihm seltsam bekannt vorkam.<br />
<br />
„Ahhh shit, warte mal“, sagte er zu niemandem bestimmten und drehte das Radio wieder leiser. Hä, was war das denn für ein komischer Zufall, und vielleicht irrte er sich auch nach dem langen Arbeitstag. Joon stieg aus dem RTW, steckte nochmal kurz den Kopf bei seinem Patienten rein, „nicht weglaufen!“ (der kicherte zu doll und war wirklich fern von Gut und Böse, eventuell sollte der’s mal langsam angehen mit dem <i>gas and air</i> oder eben endlich mal einem Arzt vorgestellt werden), ehe er sich mit den Händen in den Hosentaschen auf diesen Mann zubewegte. Der ein paar Zentimeter größer war als er und in echt noch besser aussah als auf den Bildern, uff. „Hi---Rohan?“, wollte er ganz sichergehen und kam jetzt in das Dilemma, sich zu überlegen, wie er ihn begrüßen sollte, als er vor ihm stand: Hand geben, umarmen, Hände in den Hosentaschen lassen – „Joon“, stellte er sich offiziell vor und entschied sich dann doch dafür, ihm die Hand hinzuhalten und verhalten zu grinsen. „Ich dachte, du hättest gar keine Zeit – und jetzt holst du mich zum Feierabend ab?“ Spaaaß, aber war schon weird (oder schicksalhaft, würde ein abergläubiger Mensch behaupten, zu denen Joon, naja, manchmal ein bisschen gehörte, wollen wir mal niemandem was vorlügen), dass sie sich ausgerechnet hier trafen, oder??]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Was war er froh, dass er heute nicht die Nacht fahren musste, sondern unpünktlich halb 8 dem Feierabend entgegenrollte (mit nur einer halben Stunde Verspätung, hey). Wenn St. Patrick’s Day auf einen Freitag fiel, brauchte man kein Hellseher sein, um zu ahnen, was einen erwartete. Die Exil-Iren (oder sich irisch Fühlenden) hatten selbst tagsüber schon fleißig angefangen, aber sie waren ohne vollgekotzten RTW davongekommen, was wollte man mehr. Jetzt standen sie eben seit zwanzig Minuten in der Warteschlange, um ihren letzten Patienten mit der rausgesprungenen Kniescheibe in der Notaufnahme abzugeben, und nachdem Joon sich versichert hatte, dass es dem Okay ging (der war auf Lachgas und hatte aktuell echt keine Sorgen), setzte er sich wieder zu seiner Kollegin nach vorne. „Ich brauch wirklich dringend was zu essen, sonst leg ich mich daneben“, sagte er und deutete nach hinten durch das kleine Fenster auf ihren Patienten. Es war ja offiziell nicht gern gesehen, im Wagen zu essen, aber wie zur Hölle sollten sie den Dienst sonst überleben, wenn sie in 12 Stunden keine Zeit für eine ordentliche Pause gehabt hatten?! Allerdings wurde sein Vorhaben jäh nach hinten verschoben, als im Radio ein Song anlief, Joon grinste und lauter drehte, weil er ziemlich textsicher mitsingen musste. Seine Kollegin lachte und leierte ihr Fenster runter, damit sie spätestens zum Refrain mit mindestens einem anderen Team, das neben ihnen wartete, gemeinsam <i>‘You shot me down, but I won’t fall, I am titaaaaniiiiiiuuuuum‘</i> einstimmen konnten, als würden sie hier gleich in eine Musicalfolge in ihrem Leben starten. Erst beim zweiten Refrain fiel ihm auf, dass hier an der Ecke nicht nur Kolleg*innen und überarbeitetes Krankenhauspersonal lungerten, sondern da drüben neben dem Eingang ein Mann, der ihm seltsam bekannt vorkam.<br />
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„Ahhh shit, warte mal“, sagte er zu niemandem bestimmten und drehte das Radio wieder leiser. Hä, was war das denn für ein komischer Zufall, und vielleicht irrte er sich auch nach dem langen Arbeitstag. Joon stieg aus dem RTW, steckte nochmal kurz den Kopf bei seinem Patienten rein, „nicht weglaufen!“ (der kicherte zu doll und war wirklich fern von Gut und Böse, eventuell sollte der’s mal langsam angehen mit dem <i>gas and air</i> oder eben endlich mal einem Arzt vorgestellt werden), ehe er sich mit den Händen in den Hosentaschen auf diesen Mann zubewegte. Der ein paar Zentimeter größer war als er und in echt noch besser aussah als auf den Bildern, uff. „Hi---Rohan?“, wollte er ganz sichergehen und kam jetzt in das Dilemma, sich zu überlegen, wie er ihn begrüßen sollte, als er vor ihm stand: Hand geben, umarmen, Hände in den Hosentaschen lassen – „Joon“, stellte er sich offiziell vor und entschied sich dann doch dafür, ihm die Hand hinzuhalten und verhalten zu grinsen. „Ich dachte, du hättest gar keine Zeit – und jetzt holst du mich zum Feierabend ab?“ Spaaaß, aber war schon weird (oder schicksalhaft, würde ein abergläubiger Mensch behaupten, zu denen Joon, naja, manchmal ein bisschen gehörte, wollen wir mal niemandem was vorlügen), dass sie sich ausgerechnet hier trafen, oder??]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[a big part of who I am is who I'm not]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2394</link>
			<pubDate>Sat, 09 Mar 2024 16:54:58 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=260">Andrew Marsh</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2394</guid>
			<description><![CDATA[Er fand, dass Enoch solche Events ruhig mal in den Sommer legen könnte, aber irgendwie hatte der so ein Ding mit Filmpremieren in den grauen Monaten. Vielleicht, weil es von denen mehr Auswahl gab, oder weil sie atmosphärisch eher zu seinen Filmen passten – die mittelmäßig ernstgemeinte Beschwerde von Andrew durfte er sich trotzdem jedes Mal anhören. Natürlich folgte er trotzdem jeder Einladung, weil was konnte es Schöneres geben, als in dieser Parallelwelt, wo ihn keiner kannte, einen Abend in bester Gesellschaft zu verbringen – und nicht über seine Arbeit sprechen zu müssen (was er natürlich trotzdem gerne tat, sobald jemand fragte). Wobei, ein paar von Enochs Kolleg*innen und Freund*innen kannte er inzwischen schon, nachdem er sich die letzten Jahre in dessen Kreisen ganz gut eingelebt hatte und ein gern gesehener Gast war, konnte er so bescheiden von sich selbst behaupten. <br />
<br />
Nach der Filmvorführung im Odeon hatte die Produktion diese sehr schicke Bar gebucht mit Blick über die Stadt (nicht ganz der Sky Garden, aber dafür musste Enoch doch noch den Sprung zu den großen Produktionsfirmen schaffen, vielleicht mit dem nächsten Film und noch ein paar Auszeichnungen mehr). Andrew hatte sich ausführlich mit der Hauptdarstellerin unterhalten, nachdem er Enoch gratuliert hatte, der dann aber nachvollziehbarerweise beschäftigt war mit ca. 250 anderen Gratulierenden. Als er das hübsch angerichtete Buffet mit den diversen Attraktionen im Bereich Fingerfood passierte, erinnerte er sich dran, dass er wirklich noch nicht genug gegessen hatte, um die Mengen an Champagner zu überleben. Außerdem wollte Andrew gerne nüchtern genug bleiben, um sich mit dem jungen Regieassistenten von vorhin noch etwas auszutauschen, zumal er für heute Nacht natürlich ein eigenes Hotelzimmer gebucht hatte und nicht daran dachte, bei Enoch unterzukommen. Leider hatte er sich den Namen vorhin nicht sagen lassen und musste vielleicht doch nochmal mit dem Kameramann sprechen – vorausgesetzt er hatte Lust auf dessen insinuierend wissenden Blick. <br />
<br />
Bevor er aber nach dem Ausschau halten konnte, entdeckte er ein anderes bekanntes Gesicht, dass er hier überhaupt nicht erwartet hatte. Angestoßen von der Leichtigkeit des Champagners und seiner Neugierde trat er auf den schönen Mann zu, der im Anzug wenig überraschend ausgesprochen gut aussah. „Pandey“, grüßte er ihn und hielt ihm die Hand entgegen, „ich hoffe du bist privat hier – oder hast du dein Aufgabenfeld erweitert?“ Er schmunzelte und hätte ja nichts dagegen, ein bisschen Gossip abzugreifen von Privatermittler Rohan Pandey, es war schließlich nie zu spät für einen Karrierewechsel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Er fand, dass Enoch solche Events ruhig mal in den Sommer legen könnte, aber irgendwie hatte der so ein Ding mit Filmpremieren in den grauen Monaten. Vielleicht, weil es von denen mehr Auswahl gab, oder weil sie atmosphärisch eher zu seinen Filmen passten – die mittelmäßig ernstgemeinte Beschwerde von Andrew durfte er sich trotzdem jedes Mal anhören. Natürlich folgte er trotzdem jeder Einladung, weil was konnte es Schöneres geben, als in dieser Parallelwelt, wo ihn keiner kannte, einen Abend in bester Gesellschaft zu verbringen – und nicht über seine Arbeit sprechen zu müssen (was er natürlich trotzdem gerne tat, sobald jemand fragte). Wobei, ein paar von Enochs Kolleg*innen und Freund*innen kannte er inzwischen schon, nachdem er sich die letzten Jahre in dessen Kreisen ganz gut eingelebt hatte und ein gern gesehener Gast war, konnte er so bescheiden von sich selbst behaupten. <br />
<br />
Nach der Filmvorführung im Odeon hatte die Produktion diese sehr schicke Bar gebucht mit Blick über die Stadt (nicht ganz der Sky Garden, aber dafür musste Enoch doch noch den Sprung zu den großen Produktionsfirmen schaffen, vielleicht mit dem nächsten Film und noch ein paar Auszeichnungen mehr). Andrew hatte sich ausführlich mit der Hauptdarstellerin unterhalten, nachdem er Enoch gratuliert hatte, der dann aber nachvollziehbarerweise beschäftigt war mit ca. 250 anderen Gratulierenden. Als er das hübsch angerichtete Buffet mit den diversen Attraktionen im Bereich Fingerfood passierte, erinnerte er sich dran, dass er wirklich noch nicht genug gegessen hatte, um die Mengen an Champagner zu überleben. Außerdem wollte Andrew gerne nüchtern genug bleiben, um sich mit dem jungen Regieassistenten von vorhin noch etwas auszutauschen, zumal er für heute Nacht natürlich ein eigenes Hotelzimmer gebucht hatte und nicht daran dachte, bei Enoch unterzukommen. Leider hatte er sich den Namen vorhin nicht sagen lassen und musste vielleicht doch nochmal mit dem Kameramann sprechen – vorausgesetzt er hatte Lust auf dessen insinuierend wissenden Blick. <br />
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Bevor er aber nach dem Ausschau halten konnte, entdeckte er ein anderes bekanntes Gesicht, dass er hier überhaupt nicht erwartet hatte. Angestoßen von der Leichtigkeit des Champagners und seiner Neugierde trat er auf den schönen Mann zu, der im Anzug wenig überraschend ausgesprochen gut aussah. „Pandey“, grüßte er ihn und hielt ihm die Hand entgegen, „ich hoffe du bist privat hier – oder hast du dein Aufgabenfeld erweitert?“ Er schmunzelte und hätte ja nichts dagegen, ein bisschen Gossip abzugreifen von Privatermittler Rohan Pandey, es war schließlich nie zu spät für einen Karrierewechsel.]]></content:encoded>
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