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		<title><![CDATA[Lost the plot - Oh, I'm so jumpy, my nerves are shot!]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2026 05:20:24 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[It's better to burn out than to fade away]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2700</link>
			<pubDate>Sat, 08 Aug 2026 13:43:24 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=474">Theodore Jagan</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2700</guid>
			<description><![CDATA[Es hatte schon einen Grund, wieso Theo mit Ronan erst nach seinem Auftritt etwas essen gehen wollt - vorher würde er vor lauter Aufregung keinen Bissen herunterwürgen können. Er war nervös, wie vor jedem Stück, in dem er mitspielte - so lange, bis er auf der Bühne stand und die erste Bewegung tat, den ersten Satz sagte, sich in der Rolle auflöste, bis er sich abklopfen musste, um wieder er selbst zu werden (etwas, das er noch nicht ganz gelernt hatte, sodass immer etwas hängen blieb in ihm). Er hatte morgens eine Kleinigkeit gegessen, damit er nicht plötzlich umfallen würde, und kaute jetzt ausführlich Kaugummi (der Trick jeder Person mit Essstörung), um die Anspannung in seinem Kiefer los zu werden. Hinter den Kulissen war es chaotisch, alle waren mindestens genauso aufgeregt wie er, und weil so wenig Platz war hier, stolperten sie sich gegenseitig über die Füße. Es war kein richtiges Theater, stattdessen befand sich die Bühne im zweiten Stock eines Pubs, auf der am Wochenende Live Musik spielte - aber sie durften es drei Tage die Woche für ihr Stück benutzen, zumindest drei Wochen lang, was für die zusammengewürfelte Truppe von fünf Personen definitiv ausreichte. <br />
<br />
Theo warf einen Blick auf sein Handy, und erwartete, dass Ronan pünktlich draußen stehen würde, weil er einfach der Typ dafür war. Schnell lief er die Treppe hinunter, hätte ja gerne noch ein bisschen Bubbly im Glas gehabt, aber vielleicht besser nicht auf leeren Magen, der unruhig flatterte. Ihm war ein wenig schwindelig, als er aus dem Pub trat, und tatsächlich Ronan erblickte. Sein Gesicht hellte sich auf, die dunklen Augen strahlten. "<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Da bist du ja!</span>", sagte er und freute sich sichtlich, als er Ronan in eine (platonische) Umarmung zog und ihn eine Sekunde länger festhielt, "<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">schön, dass du es geschafft hast.</span>" Er fuhr sich mit der Hand durch die kurzen Haare, und ja, okay, Ronan sah genauso schön aus, wie Theo es in Erinnerung hatte. Priesteranwärter, was für eine Verschwendung. Er hätte ihn so gerne angefasst, mit den Fingern über die hohen Wangenknochen gestrichen, aber stattdessen klopfte er ihm kurz und sehr heterosexuell männlich auf die Schulter (ganz ohne ging doch auch nicht).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Es hatte schon einen Grund, wieso Theo mit Ronan erst nach seinem Auftritt etwas essen gehen wollt - vorher würde er vor lauter Aufregung keinen Bissen herunterwürgen können. Er war nervös, wie vor jedem Stück, in dem er mitspielte - so lange, bis er auf der Bühne stand und die erste Bewegung tat, den ersten Satz sagte, sich in der Rolle auflöste, bis er sich abklopfen musste, um wieder er selbst zu werden (etwas, das er noch nicht ganz gelernt hatte, sodass immer etwas hängen blieb in ihm). Er hatte morgens eine Kleinigkeit gegessen, damit er nicht plötzlich umfallen würde, und kaute jetzt ausführlich Kaugummi (der Trick jeder Person mit Essstörung), um die Anspannung in seinem Kiefer los zu werden. Hinter den Kulissen war es chaotisch, alle waren mindestens genauso aufgeregt wie er, und weil so wenig Platz war hier, stolperten sie sich gegenseitig über die Füße. Es war kein richtiges Theater, stattdessen befand sich die Bühne im zweiten Stock eines Pubs, auf der am Wochenende Live Musik spielte - aber sie durften es drei Tage die Woche für ihr Stück benutzen, zumindest drei Wochen lang, was für die zusammengewürfelte Truppe von fünf Personen definitiv ausreichte. <br />
<br />
Theo warf einen Blick auf sein Handy, und erwartete, dass Ronan pünktlich draußen stehen würde, weil er einfach der Typ dafür war. Schnell lief er die Treppe hinunter, hätte ja gerne noch ein bisschen Bubbly im Glas gehabt, aber vielleicht besser nicht auf leeren Magen, der unruhig flatterte. Ihm war ein wenig schwindelig, als er aus dem Pub trat, und tatsächlich Ronan erblickte. Sein Gesicht hellte sich auf, die dunklen Augen strahlten. "<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Da bist du ja!</span>", sagte er und freute sich sichtlich, als er Ronan in eine (platonische) Umarmung zog und ihn eine Sekunde länger festhielt, "<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">schön, dass du es geschafft hast.</span>" Er fuhr sich mit der Hand durch die kurzen Haare, und ja, okay, Ronan sah genauso schön aus, wie Theo es in Erinnerung hatte. Priesteranwärter, was für eine Verschwendung. Er hätte ihn so gerne angefasst, mit den Fingern über die hohen Wangenknochen gestrichen, aber stattdessen klopfte er ihm kurz und sehr heterosexuell männlich auf die Schulter (ganz ohne ging doch auch nicht).]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[thirty pairs of underwear]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2692</link>
			<pubDate>Sat, 18 Jul 2026 20:44:38 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=559">Charlotte Bernstein</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2692</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Lotta hatte ein Ding fürs Kofferpacken. Sie packte nach Outfit, hängte sie sich erst alle an eine Kleiderstange und ordnete sie dann wirklich logisch und platzsparend in ihrem Koffer an. Und zwischen jedem Outfithalt packte sie noch einmal ein Höschen mehr in ihren Koffer – weil schadete ja nicht. 10 Tage Mexiko plus die zwei Tage Hin-Rückflug – 30 Paar Unterhosen. Ihr Koffer war bestimmt überpackt mit Outfits und den 5 verschiedenen Arten von Badehosen – je nachdem fühlte sie sich nämlich nicht nach dem einen, aber nach dem anderen. Ihre Geheimwaffe hatte sie drin. <br />
 Die brachte ihr noch nichts auf dem viel zu langen Flug Richtung Mexico. Sie verschlief den grössten Teil vom zweiten 11-stündigen Flug. Die Beine angezogen hatte sie sich an Jesús gekuschelt und die gefühlten 5 Stunden Herr der Ringe verschlafen, die auf dem kleinen Bildschirm vor ihr liefen. Für einen Moment hatte sie nach dem Flug Angst, dass ihr Koffer verloren gegangen war, aber er war angekommen – also geriet sie nicht in eine Slip-Armut. Und während sie auf den Koffer wartete, stellten sich immer mehr Feriengefühle ein. Jesús und sie waren übers Händchenhalten hinaus – naja eigentlich schon seit ihrem ersten Aufeinandertreffen, als sie angetrunken in diesem kleinen geheimen Raum übereinander hergefallen waren. Für sie hatte es beinahe sofort geklickt. Er war ein Mann und musste auf streunender Kater machen. Obwohl – er mochte sie. Er wollte sie besser kennenlernen, austesten. Aber das alles fühlte sich auch immer noch an, als würde er sich ein Sicherheitsnetz bereithalten, falls er sich doch noch anders entschied. <br />
Nur, hier in Mexico gab es kein Sicherheitsnetz mehr.<br />
Sie hatten ein Traumzimmer, wunderschöne Pools, weisse Sandstrände und ein Nachtleben, das sie unsicher zu machen hatten. Es war romantisch – es war wenn sie jetzt nicht hier mit ihrer Kollegin war sozusagen DER Pärchenurlaub. <br />
Also: Sie waren irgendwie ein Pärchen oder? Sie spürte seine Finger in ihrer Hand, als sie an der Rezeption standen und Charlotte mit einem Grinsen kurz überwältigt von der ganzen Einrichtung war. <b> «Wow! Oder?»</b>, sie sah ihn mit grossen Augen an, steckte sich die Karten für die Hotelzimmertür ein. Und er hatte Campen gehen wollen. <br />
<br />
Sie liess Jesús die Tür hinter ihnen schliessen und atmete erst einmal durch, bevor sie sich auch nur aufs Bett fallen liess, weil eine Tagesdecke darauf lag. Sie strampelte sich die Turnschuhe von den Füssen und schielte in seine Richtung. <b> «Hast du den Pool gesehen?»</b>, dahin wollte sie nachher. Also eigentlich in einer knappen halben Stunde, wenn sie sich in ihren Bikini geworfen hatte. Sie stand wieder auf, drehte eine Tour im Zimmer, begutachtete das Bad, die abschliessbare Toilette und trat schliesslich auf den Balkon. Poolsicht – ein bisschen Meer. Sie drehte sich zu ihm, die Finger rücklings am Geländer den Blick auf ihn gerichtet. <b> «Ich hoffe du hast deinen Bikini nicht zu unterst im Koffer»</b>, sie sah ihn abwartend an. <b> «Wir sind nämlich nur so weit geflogen, damit ich dich in Badehosen sehen kann»</b>, und er sich vielleicht beflügelt von anderen Pärchen am Sandstrand einfallen liess, wie er ihr sagte, dass er mit ihr Zukunft sah. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Lotta hatte ein Ding fürs Kofferpacken. Sie packte nach Outfit, hängte sie sich erst alle an eine Kleiderstange und ordnete sie dann wirklich logisch und platzsparend in ihrem Koffer an. Und zwischen jedem Outfithalt packte sie noch einmal ein Höschen mehr in ihren Koffer – weil schadete ja nicht. 10 Tage Mexiko plus die zwei Tage Hin-Rückflug – 30 Paar Unterhosen. Ihr Koffer war bestimmt überpackt mit Outfits und den 5 verschiedenen Arten von Badehosen – je nachdem fühlte sie sich nämlich nicht nach dem einen, aber nach dem anderen. Ihre Geheimwaffe hatte sie drin. <br />
 Die brachte ihr noch nichts auf dem viel zu langen Flug Richtung Mexico. Sie verschlief den grössten Teil vom zweiten 11-stündigen Flug. Die Beine angezogen hatte sie sich an Jesús gekuschelt und die gefühlten 5 Stunden Herr der Ringe verschlafen, die auf dem kleinen Bildschirm vor ihr liefen. Für einen Moment hatte sie nach dem Flug Angst, dass ihr Koffer verloren gegangen war, aber er war angekommen – also geriet sie nicht in eine Slip-Armut. Und während sie auf den Koffer wartete, stellten sich immer mehr Feriengefühle ein. Jesús und sie waren übers Händchenhalten hinaus – naja eigentlich schon seit ihrem ersten Aufeinandertreffen, als sie angetrunken in diesem kleinen geheimen Raum übereinander hergefallen waren. Für sie hatte es beinahe sofort geklickt. Er war ein Mann und musste auf streunender Kater machen. Obwohl – er mochte sie. Er wollte sie besser kennenlernen, austesten. Aber das alles fühlte sich auch immer noch an, als würde er sich ein Sicherheitsnetz bereithalten, falls er sich doch noch anders entschied. <br />
Nur, hier in Mexico gab es kein Sicherheitsnetz mehr.<br />
Sie hatten ein Traumzimmer, wunderschöne Pools, weisse Sandstrände und ein Nachtleben, das sie unsicher zu machen hatten. Es war romantisch – es war wenn sie jetzt nicht hier mit ihrer Kollegin war sozusagen DER Pärchenurlaub. <br />
Also: Sie waren irgendwie ein Pärchen oder? Sie spürte seine Finger in ihrer Hand, als sie an der Rezeption standen und Charlotte mit einem Grinsen kurz überwältigt von der ganzen Einrichtung war. <b> «Wow! Oder?»</b>, sie sah ihn mit grossen Augen an, steckte sich die Karten für die Hotelzimmertür ein. Und er hatte Campen gehen wollen. <br />
<br />
Sie liess Jesús die Tür hinter ihnen schliessen und atmete erst einmal durch, bevor sie sich auch nur aufs Bett fallen liess, weil eine Tagesdecke darauf lag. Sie strampelte sich die Turnschuhe von den Füssen und schielte in seine Richtung. <b> «Hast du den Pool gesehen?»</b>, dahin wollte sie nachher. Also eigentlich in einer knappen halben Stunde, wenn sie sich in ihren Bikini geworfen hatte. Sie stand wieder auf, drehte eine Tour im Zimmer, begutachtete das Bad, die abschliessbare Toilette und trat schliesslich auf den Balkon. Poolsicht – ein bisschen Meer. Sie drehte sich zu ihm, die Finger rücklings am Geländer den Blick auf ihn gerichtet. <b> «Ich hoffe du hast deinen Bikini nicht zu unterst im Koffer»</b>, sie sah ihn abwartend an. <b> «Wir sind nämlich nur so weit geflogen, damit ich dich in Badehosen sehen kann»</b>, und er sich vielleicht beflügelt von anderen Pärchen am Sandstrand einfallen liess, wie er ihr sagte, dass er mit ihr Zukunft sah. <br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[if life fucks you hard, just moan]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2683</link>
			<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 22:53:51 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=569">Murphy Bronson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2683</guid>
			<description><![CDATA[In Murphys Vorstellung war nichts romantischer, als mit dem Zug durch Europa zu fahren. Ihm war komplett egal gewesen, dass er für ein Ticket von Neapel nach Manchester das Vierfache an Zeit verschwendete (im Vergleich zum Flugticket), und auch den horrenden Preis bezahlte er, nun, da er es sich erst einmal in den Kopf gesetzt hatte, mit einem grenzdebilen Lächeln auf den Lippen, von dem er sich selbst einredete, dass er jedweden Schmerz kaschierte. Hätte ihm jemand sein Ticket geklaut, wäre er aufgeschmissen gewesen. Aber niemand klaute sein Ticket, alles lief nach Plan, und um sein dennoch schlechtes Gewissen ob der Geldverschwendung zu beschwichtigen, verschenkte er sein letztes Kleingeld an jemanden, der verzweifelt Geld für ein Ticket nach Rom sammelte. Danach fühlte er sich etwas besser, dabei war er genau genommen nur ärmer geworden.<br />
<br />
Das wahre Ausmaß seiner Überschätzung dieses <i>romantischen Trips</i> realisierte Murphy erst, nachdem er bereits sieben Stunden unterwegs gewesen war. Von Neapel nach Milan und von Milan nach Lugano waren noch Strecken, in denen er sich mit einem mitgebrachten Ausmalbuch, Musik und schließlich mit intensiven Gesprächen mit den Leuten in seinem Vierersitz beschäftigen konnte (er setzte sich grundsätzlich <i>immer</i> in einen Vierer, das führte zu so wundervollen Begegnungen!), aber ab Lugano hatte er Mühe, sich beim Umsteigen nicht zu verzetteln. Beinahe bekam er in Arth den Anschlusszug nach Olten nicht, weil er nur vier Minuten Umstiegszeit gehabt hätte. Und kurz vor Olten, wo ihm nur fünf Minuten blieben, um den Zug nach Basel zu bekommen, blieb der Zug auf der Strecke liegen. Er ließ sich davon nicht unnötig stressen, natürlich nicht; aber es war bereits nach einundzwanzig Uhr abends und wenn er den Zug nicht bekäme, würde er wohl oder übel erst einmal in Olten stranden. Er wusste nicht einmal, wo Olten genau war. Aber weil er ein Glückskind war, wartete der Anschlusszug tatsächlich noch auf sie, sodass er es bis nach Basel schaffte und von Basel über Nacht bis nach Köln. Aber die Gespräche wurden dürftiger, der Zug irgendwann leerer aber nicht gerade bequemlicher. Tagsüber war es im Zug zu warm gewesen, in der Nacht begann er zu frieren. Als er seine Schuhe auszog, weil seine Füße schmerzten, wurde er von der Schaffnerin zurechtgewiesen, er sei hier nicht zu Hause. Murphy konnte Köln nicht ausstehen, musste dort aber anderthalb Stunden im frühen Berufsverkehr totschlagen. Mittlerweile fühlte er sich etwas unwohl und seinen Klamotten; er hatte noch ein ganzes Stück Fahrt vor sich.<br />
Brüssel. London. Endlich saß er im letzten Zug. An der Fahrt war tatsächlich nur wenig Romantisches zu finden gewesen, auch wenn er mit mehreren Leuten fleißig Mail-Adressen ausgetauscht hatte und somit wenigstens ein paar Freundschaften dazugewonnen hatte, wenn man es denn so nennen konnte.<br />
<br />
Als er in London den Zug nach Manchester Piccadilly bestieg, war er einfach nur noch dankbar, dass es bald vorbei wäre. Lange Strecken, die er während seiner Odyssee für sich allein gewesen war, hatte er darüber nachgedacht, was er Yas und Syd sagen würde, sobald er sie wiedersah. Jetzt bekam er Muffensausen und schaltete sein Handy ein, um in der Familiengruppe zu betteln, dass ihn doch jemand abholte. Eigentlich hatte er vorgehabt, direkt zu Yasemin zu gehen, verschwitzt, dreckig, geplagt von Schuldgefühlen -- sie hätte die Nase gerümpft aber ihn schlussendlich in die Arme geschlossen und ihm sofort verziehen, weil er eine derart <i>lange, umständliche Fahrt</i> auf sich genommen hatte. Ihretwegen! Nur, um sie wiederzusehen! Aber hier im letzten Zug, zwei Stunden vor Ankunft in Manchester, dämmerte ihm langsam aber sicher, dass sie keineswegs begeistert sein würde. Also entschied er sich dafür, erst einmal zur Familie zu fahren. Nach Oldham. In die vertraute Heimat. Als sein Onkel zusagte, ihn abzuholen, war er so erleichtert, dass er frohen Mutes den Gedanken an Yasemin und Sydney weit von sich schieben konnte.<br />
<br />
Die Erleichterung kratzte ihn für einen Moment sogar so auf, dass er halbwegs munter mit seinem geschulterten Seesack auf den Bahnsteig hopste und sich durch die Menge bewegte, auf der Suche nach Hamzas vertrautem Schopf. Und sobald er diesen erblickte, kletterte sogar ein Lächeln auf seine Lippen -- klar, es war klapprig, aber ein Lächeln war ein Lächeln, egal wie erschöpft man war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[In Murphys Vorstellung war nichts romantischer, als mit dem Zug durch Europa zu fahren. Ihm war komplett egal gewesen, dass er für ein Ticket von Neapel nach Manchester das Vierfache an Zeit verschwendete (im Vergleich zum Flugticket), und auch den horrenden Preis bezahlte er, nun, da er es sich erst einmal in den Kopf gesetzt hatte, mit einem grenzdebilen Lächeln auf den Lippen, von dem er sich selbst einredete, dass er jedweden Schmerz kaschierte. Hätte ihm jemand sein Ticket geklaut, wäre er aufgeschmissen gewesen. Aber niemand klaute sein Ticket, alles lief nach Plan, und um sein dennoch schlechtes Gewissen ob der Geldverschwendung zu beschwichtigen, verschenkte er sein letztes Kleingeld an jemanden, der verzweifelt Geld für ein Ticket nach Rom sammelte. Danach fühlte er sich etwas besser, dabei war er genau genommen nur ärmer geworden.<br />
<br />
Das wahre Ausmaß seiner Überschätzung dieses <i>romantischen Trips</i> realisierte Murphy erst, nachdem er bereits sieben Stunden unterwegs gewesen war. Von Neapel nach Milan und von Milan nach Lugano waren noch Strecken, in denen er sich mit einem mitgebrachten Ausmalbuch, Musik und schließlich mit intensiven Gesprächen mit den Leuten in seinem Vierersitz beschäftigen konnte (er setzte sich grundsätzlich <i>immer</i> in einen Vierer, das führte zu so wundervollen Begegnungen!), aber ab Lugano hatte er Mühe, sich beim Umsteigen nicht zu verzetteln. Beinahe bekam er in Arth den Anschlusszug nach Olten nicht, weil er nur vier Minuten Umstiegszeit gehabt hätte. Und kurz vor Olten, wo ihm nur fünf Minuten blieben, um den Zug nach Basel zu bekommen, blieb der Zug auf der Strecke liegen. Er ließ sich davon nicht unnötig stressen, natürlich nicht; aber es war bereits nach einundzwanzig Uhr abends und wenn er den Zug nicht bekäme, würde er wohl oder übel erst einmal in Olten stranden. Er wusste nicht einmal, wo Olten genau war. Aber weil er ein Glückskind war, wartete der Anschlusszug tatsächlich noch auf sie, sodass er es bis nach Basel schaffte und von Basel über Nacht bis nach Köln. Aber die Gespräche wurden dürftiger, der Zug irgendwann leerer aber nicht gerade bequemlicher. Tagsüber war es im Zug zu warm gewesen, in der Nacht begann er zu frieren. Als er seine Schuhe auszog, weil seine Füße schmerzten, wurde er von der Schaffnerin zurechtgewiesen, er sei hier nicht zu Hause. Murphy konnte Köln nicht ausstehen, musste dort aber anderthalb Stunden im frühen Berufsverkehr totschlagen. Mittlerweile fühlte er sich etwas unwohl und seinen Klamotten; er hatte noch ein ganzes Stück Fahrt vor sich.<br />
Brüssel. London. Endlich saß er im letzten Zug. An der Fahrt war tatsächlich nur wenig Romantisches zu finden gewesen, auch wenn er mit mehreren Leuten fleißig Mail-Adressen ausgetauscht hatte und somit wenigstens ein paar Freundschaften dazugewonnen hatte, wenn man es denn so nennen konnte.<br />
<br />
Als er in London den Zug nach Manchester Piccadilly bestieg, war er einfach nur noch dankbar, dass es bald vorbei wäre. Lange Strecken, die er während seiner Odyssee für sich allein gewesen war, hatte er darüber nachgedacht, was er Yas und Syd sagen würde, sobald er sie wiedersah. Jetzt bekam er Muffensausen und schaltete sein Handy ein, um in der Familiengruppe zu betteln, dass ihn doch jemand abholte. Eigentlich hatte er vorgehabt, direkt zu Yasemin zu gehen, verschwitzt, dreckig, geplagt von Schuldgefühlen -- sie hätte die Nase gerümpft aber ihn schlussendlich in die Arme geschlossen und ihm sofort verziehen, weil er eine derart <i>lange, umständliche Fahrt</i> auf sich genommen hatte. Ihretwegen! Nur, um sie wiederzusehen! Aber hier im letzten Zug, zwei Stunden vor Ankunft in Manchester, dämmerte ihm langsam aber sicher, dass sie keineswegs begeistert sein würde. Also entschied er sich dafür, erst einmal zur Familie zu fahren. Nach Oldham. In die vertraute Heimat. Als sein Onkel zusagte, ihn abzuholen, war er so erleichtert, dass er frohen Mutes den Gedanken an Yasemin und Sydney weit von sich schieben konnte.<br />
<br />
Die Erleichterung kratzte ihn für einen Moment sogar so auf, dass er halbwegs munter mit seinem geschulterten Seesack auf den Bahnsteig hopste und sich durch die Menge bewegte, auf der Suche nach Hamzas vertrautem Schopf. Und sobald er diesen erblickte, kletterte sogar ein Lächeln auf seine Lippen -- klar, es war klapprig, aber ein Lächeln war ein Lächeln, egal wie erschöpft man war.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[like a stray dog]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2682</link>
			<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 17:16:53 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=570">Sydney Stewart</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2682</guid>
			<description><![CDATA[Vier Uhr morgens war eine grauenhafte Zeit, um sich durch die Straßen von Manchester zu bewegen. Alles, was einem um Vier Uhr morgens dort draußen begegnete, konnte nichts Gutes verheißen, denn es war zu spät, um noch die ausgelassene Stimmung einer heiteren Nacht in sich zu tragen, und viel zu früh, um eine Art der Romantik in sich zu tragen, wie sie manche wohl im Angesicht des Morgengrauens zu finden glaubten. <br />
<i>Fünf Uhr</i> - das war eine Zeit für Leute, die sich aus unironischer Überzeugung das 'Sonnenaufgänge beobachten' als Hobby in die Tinder Bio schrieben und glaubten, sie hätten ihr Leben im Griff, weil sie sich selbst aus unerklärlichen Gründen - ganz bestimmt keiner vorzeitig einsetzenden Midlife-Crisis - seit jeher damit quälten, zu dieser gottlosen Zeit bereits auf den Beinen zu sein, vielleicht ja um vor einem elendig langen Tag im Büro noch ein paar Kilometer an Schritten zu sammeln oder eine Runde mit dem Rennrad zu drehen (spätestens an der Stelle konnte man die Midlife-Crisis Vorwürfe aber wirklich nicht mehr von sich weisen). Ab sechs begann die Stadt aufzuwachen, Leben kehrte wieder in ihr ein, so wie es sich um zwei oder, wenn es doch etwas zu sehr ausgeufert war, spätestens um drei zur Ruhe gebettet hatte. <br />
<br />
Aber vier Uhr; um <i>vier Uhr</i> gab es nichts Gutes mehr, das passieren konnte. Um vier Uhr verloren die Leute den Verstand. Um vier Uhr ging alles den Bach herunter, also sollte Sydney sich doch eigentlich glücklich schätzen, dass ihm diese Uhrzeit heute eigentlich erspart blieb, weil seine Schicht zumindest auf dem Papier bereits um drei ihr Ende gefunden hatte. In der <i>Theorie</i> hätte er pünktlich um drei die grüne Uniform ablegen und diese Nacht für sich für beendet erklären können, ohne sich auch nur eine Minute länger als nötig über sie Gedanken machen zu müssen. In der Realität war es bereits nach vier, als ihr Wagen es zurück in die Zentrale schaffte, um ihre Schicht für beendet zu erklären und die vergangenen zwei Stunden dorthin zu verschließen, wo sie hoffentlich nie wieder darüber nachdenken, geschweige denn reden mussten. <br />
<br />
Seine Uniform landete in einer Tüte für die Reinigung, wobei Sydney einen Moment lang abwägte, ob es nicht sinnvoller wäre, sie in die nächste Tonne zu stopfen und sich einfach eine neue zu besorgen. Er wusch sich dreimal die Haare, seifte sich bestimmt ganze fünfmal den Körper ein. Als er aus der Dusche trat, fühlte er sich trotzdem noch räudig. Obwohl seine Kleidung die vergangenen zehn Stunden in einem Spind eingesperrt verbracht hatte, kam es ihm so vor, als würde auch sie nach allerlei Körperflüssigkeiten riechen, aber letztlich blieb ihm nichts anderes übrig, als sie sich überzuziehen und sich nebenbei selbst dafür zu verfluchen, am vergangenen Nachmittag ausgerechnet mit dem <i>Fahrrad</i> zur Arbeit gekommen zu sein. <br />
<br />
Zu sich selbst nachhause wären es nur knapp zehn Minuten mehr gewesen, aber ihm fehlte die Geduld und die Kraft und so war es bereits nach halb fünf, als er den Schlüssel aus seiner Hose fischte und leise im Schloss herumdrehte. Seine Tasche landete noch im Flur auf dem Boden, die Schuhe wurden abgestreift und wild verstreut. Er knipste in der Küche das Licht an, fischte sich blind irgendeine Dose aus der Tür, die er ganz bestimmt nicht eingekauft hatte, was ihm vielleicht aufgefallen wäre, wenn er dabei nicht aus Gewohnheit das Handy aus seiner Hosentasche gezogen hätte, um Instagram zu öffnen und sich dort durch die <i>Stories</i> Funktion zu wischen. <br />
Was er sah waren Ausschnitte von Geburtstagsfeiern, Memes, eine Verlobung, Clubvideos, bei denen man durch das gnadenlos übersteuernde Mikrofon doch nichts von der Musik hören konnte - allesamt Beweise dafür, wie toll dieser Freitagabend doch gewesen war. Nicht ein einziger, der sich plötzlich von fremden Körperflüssigkeiten übersät sah ... <i>Wobei</i> -- doch, da. Auf das Video eines ehemaligen Klassenkameraden, der sich auf irgendeinem Feld (<b>"Wo zur Hölle sind die?"</b>) die Seele aus dem Leib kotzte, reagierte Sydney mit einem lachenden Emoji.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Vier Uhr morgens war eine grauenhafte Zeit, um sich durch die Straßen von Manchester zu bewegen. Alles, was einem um Vier Uhr morgens dort draußen begegnete, konnte nichts Gutes verheißen, denn es war zu spät, um noch die ausgelassene Stimmung einer heiteren Nacht in sich zu tragen, und viel zu früh, um eine Art der Romantik in sich zu tragen, wie sie manche wohl im Angesicht des Morgengrauens zu finden glaubten. <br />
<i>Fünf Uhr</i> - das war eine Zeit für Leute, die sich aus unironischer Überzeugung das 'Sonnenaufgänge beobachten' als Hobby in die Tinder Bio schrieben und glaubten, sie hätten ihr Leben im Griff, weil sie sich selbst aus unerklärlichen Gründen - ganz bestimmt keiner vorzeitig einsetzenden Midlife-Crisis - seit jeher damit quälten, zu dieser gottlosen Zeit bereits auf den Beinen zu sein, vielleicht ja um vor einem elendig langen Tag im Büro noch ein paar Kilometer an Schritten zu sammeln oder eine Runde mit dem Rennrad zu drehen (spätestens an der Stelle konnte man die Midlife-Crisis Vorwürfe aber wirklich nicht mehr von sich weisen). Ab sechs begann die Stadt aufzuwachen, Leben kehrte wieder in ihr ein, so wie es sich um zwei oder, wenn es doch etwas zu sehr ausgeufert war, spätestens um drei zur Ruhe gebettet hatte. <br />
<br />
Aber vier Uhr; um <i>vier Uhr</i> gab es nichts Gutes mehr, das passieren konnte. Um vier Uhr verloren die Leute den Verstand. Um vier Uhr ging alles den Bach herunter, also sollte Sydney sich doch eigentlich glücklich schätzen, dass ihm diese Uhrzeit heute eigentlich erspart blieb, weil seine Schicht zumindest auf dem Papier bereits um drei ihr Ende gefunden hatte. In der <i>Theorie</i> hätte er pünktlich um drei die grüne Uniform ablegen und diese Nacht für sich für beendet erklären können, ohne sich auch nur eine Minute länger als nötig über sie Gedanken machen zu müssen. In der Realität war es bereits nach vier, als ihr Wagen es zurück in die Zentrale schaffte, um ihre Schicht für beendet zu erklären und die vergangenen zwei Stunden dorthin zu verschließen, wo sie hoffentlich nie wieder darüber nachdenken, geschweige denn reden mussten. <br />
<br />
Seine Uniform landete in einer Tüte für die Reinigung, wobei Sydney einen Moment lang abwägte, ob es nicht sinnvoller wäre, sie in die nächste Tonne zu stopfen und sich einfach eine neue zu besorgen. Er wusch sich dreimal die Haare, seifte sich bestimmt ganze fünfmal den Körper ein. Als er aus der Dusche trat, fühlte er sich trotzdem noch räudig. Obwohl seine Kleidung die vergangenen zehn Stunden in einem Spind eingesperrt verbracht hatte, kam es ihm so vor, als würde auch sie nach allerlei Körperflüssigkeiten riechen, aber letztlich blieb ihm nichts anderes übrig, als sie sich überzuziehen und sich nebenbei selbst dafür zu verfluchen, am vergangenen Nachmittag ausgerechnet mit dem <i>Fahrrad</i> zur Arbeit gekommen zu sein. <br />
<br />
Zu sich selbst nachhause wären es nur knapp zehn Minuten mehr gewesen, aber ihm fehlte die Geduld und die Kraft und so war es bereits nach halb fünf, als er den Schlüssel aus seiner Hose fischte und leise im Schloss herumdrehte. Seine Tasche landete noch im Flur auf dem Boden, die Schuhe wurden abgestreift und wild verstreut. Er knipste in der Küche das Licht an, fischte sich blind irgendeine Dose aus der Tür, die er ganz bestimmt nicht eingekauft hatte, was ihm vielleicht aufgefallen wäre, wenn er dabei nicht aus Gewohnheit das Handy aus seiner Hosentasche gezogen hätte, um Instagram zu öffnen und sich dort durch die <i>Stories</i> Funktion zu wischen. <br />
Was er sah waren Ausschnitte von Geburtstagsfeiern, Memes, eine Verlobung, Clubvideos, bei denen man durch das gnadenlos übersteuernde Mikrofon doch nichts von der Musik hören konnte - allesamt Beweise dafür, wie toll dieser Freitagabend doch gewesen war. Nicht ein einziger, der sich plötzlich von fremden Körperflüssigkeiten übersät sah ... <i>Wobei</i> -- doch, da. Auf das Video eines ehemaligen Klassenkameraden, der sich auf irgendeinem Feld (<b>"Wo zur Hölle sind die?"</b>) die Seele aus dem Leib kotzte, reagierte Sydney mit einem lachenden Emoji.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[From the space where we learned to be brave]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2669</link>
			<pubDate>Fri, 15 May 2026 12:47:41 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=260">Andrew Marsh</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2669</guid>
			<description><![CDATA[Neues Jahr, neues—Glück?! – als würde Andrew sich auf sowas verlassen. Die zwei Wochen im Büro und der übliche Neujahrsstress reichten vollkommen aus, um ihn wieder in den Alltag zu integrieren und den Erholungseffekt vom Urlaub in Italien aufzubrauchen. Die leichte Bräune von den paar mehr Sonnenstunden hatte sich auch wieder in winterliche Blässe aufgelöst, allerdings sah er deutlich gesünder aus als noch im Dezember (was angesichts der Umstände nicht verwunderlich war). Bei seinen Kolleg*innen hatte sich auch allmählich die Gewissheit eingestellt, dass bei Andrew alles wieder normal war, und er dem vermeintlichen Burnout nochmal von der Schippe gesprungen war (Wetten waren ausgehandelt worden, keine Frage). <br />
<br />
Auch Andrew glaubte sich langsam, dass bei ihm alles wieder normal war, der kleine Therapieurlaub mit Enoch war wirklich heilsam gewesen. Er hatte sich vom gemeinsamen Lunch mit den Kollegen entschuldigt und stattdessen mit Tama auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen verabredet, den er um die Ecke frisch gekauft hatte. So viel Zeit hatte er eh nicht, deswegen mussten sie sich bei ihm im Büro treffen – er kam Tama ja wirklich immer gerne besuchen auf Arbeit, aber er erinnerte sich, wie falsch sich vor einem halben Jahr ca. der Champagner und Kuchen in dessen Räumlichkeiten angefühlt hatte, wo auch außerhalb der Leichenhalle immer so ein spezieller Geruch in den Wänden steckte. Vielleicht hatte er auch noch anderthalb andere Gründe, warum er ihn heute nicht in einem öffentlichen Café treffen wollte. <br />
<br />
Wusste er gar nicht, warum er ungewohnt nervös war, während er die vier Stück Kuchen anrichtete (bzw. die Porzellanplatte auf den runden Besprechungstisch stellte, die ihm seine Assistentin vorbereitet hatte) und Kaffee und Milch bereitstellte. Er hatte sich schließlich lang genug Gedanken darüber gemacht und ca. seine gesamte Freizeit der letzten Woche investiert, um dieses Gespräch mit jeder Konsequenz durchzudenken. Andrew war auf jeden Ausgang emotional vorbereitet, kein Problem. Es konnte eh nichts passieren, redete er sich ein, es ging ja um exakt gar nichts (er wollte ihm wirklich nicht direkt einen Antrag machen, versprochen!). <br />
In erster Linie freute er sich einfach sehr, Tama nach der langen Pause wiederzusehen und entsprechend leuchtete sein Gesicht kurz auf, als es an der Tür klopfte und der Gerichtsmediziner dahinter auftauchte. „Tama, schön dich zu sehen“, glaubte man ihm sofort, als er ihn zur Begrüßung kurz umarmte und die Tür hinter ihm schloss. „Wie geht’s dir? Entschuldige bitte, dass ich dich mit einer halben Stunde Kaffeepause abspeise, nachdem wir uns so lange nicht gesehen haben“, nahm er das direkt vorweg, als wär das jetzt die neuste Entwicklung auf der Welt, dass Andrew einen vollen Kalender hatte (Tama in der Regel ja auch).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Neues Jahr, neues—Glück?! – als würde Andrew sich auf sowas verlassen. Die zwei Wochen im Büro und der übliche Neujahrsstress reichten vollkommen aus, um ihn wieder in den Alltag zu integrieren und den Erholungseffekt vom Urlaub in Italien aufzubrauchen. Die leichte Bräune von den paar mehr Sonnenstunden hatte sich auch wieder in winterliche Blässe aufgelöst, allerdings sah er deutlich gesünder aus als noch im Dezember (was angesichts der Umstände nicht verwunderlich war). Bei seinen Kolleg*innen hatte sich auch allmählich die Gewissheit eingestellt, dass bei Andrew alles wieder normal war, und er dem vermeintlichen Burnout nochmal von der Schippe gesprungen war (Wetten waren ausgehandelt worden, keine Frage). <br />
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Auch Andrew glaubte sich langsam, dass bei ihm alles wieder normal war, der kleine Therapieurlaub mit Enoch war wirklich heilsam gewesen. Er hatte sich vom gemeinsamen Lunch mit den Kollegen entschuldigt und stattdessen mit Tama auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen verabredet, den er um die Ecke frisch gekauft hatte. So viel Zeit hatte er eh nicht, deswegen mussten sie sich bei ihm im Büro treffen – er kam Tama ja wirklich immer gerne besuchen auf Arbeit, aber er erinnerte sich, wie falsch sich vor einem halben Jahr ca. der Champagner und Kuchen in dessen Räumlichkeiten angefühlt hatte, wo auch außerhalb der Leichenhalle immer so ein spezieller Geruch in den Wänden steckte. Vielleicht hatte er auch noch anderthalb andere Gründe, warum er ihn heute nicht in einem öffentlichen Café treffen wollte. <br />
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Wusste er gar nicht, warum er ungewohnt nervös war, während er die vier Stück Kuchen anrichtete (bzw. die Porzellanplatte auf den runden Besprechungstisch stellte, die ihm seine Assistentin vorbereitet hatte) und Kaffee und Milch bereitstellte. Er hatte sich schließlich lang genug Gedanken darüber gemacht und ca. seine gesamte Freizeit der letzten Woche investiert, um dieses Gespräch mit jeder Konsequenz durchzudenken. Andrew war auf jeden Ausgang emotional vorbereitet, kein Problem. Es konnte eh nichts passieren, redete er sich ein, es ging ja um exakt gar nichts (er wollte ihm wirklich nicht direkt einen Antrag machen, versprochen!). <br />
In erster Linie freute er sich einfach sehr, Tama nach der langen Pause wiederzusehen und entsprechend leuchtete sein Gesicht kurz auf, als es an der Tür klopfte und der Gerichtsmediziner dahinter auftauchte. „Tama, schön dich zu sehen“, glaubte man ihm sofort, als er ihn zur Begrüßung kurz umarmte und die Tür hinter ihm schloss. „Wie geht’s dir? Entschuldige bitte, dass ich dich mit einer halben Stunde Kaffeepause abspeise, nachdem wir uns so lange nicht gesehen haben“, nahm er das direkt vorweg, als wär das jetzt die neuste Entwicklung auf der Welt, dass Andrew einen vollen Kalender hatte (Tama in der Regel ja auch).]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[It′s getting hard to be someone, but it all works out]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2668</link>
			<pubDate>Sat, 02 May 2026 20:24:01 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=103">Ennis Lloyd</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2668</guid>
			<description><![CDATA[Er konnte jederzeit wieder gehen, sagte Ennis sich jeden Morgen, wenn er die Augen öffnete. Niemand würde ihn festhalten, niemand würde die Tür hinter ihm abschließen – es gab maximal ein eindringliches Gespräch, mehr nicht. Ennis war freiwillig an diesem deprimierenden Ort, und der einzige Grund, wieso er nicht wieder nach Hause ging, war der Umstand, dass er die Kraft nicht hatte, in seine schweigende Wohnung zurückzukehren, und der Einsamkeit zu begegnen. Dass er Hilfe brauchte, war ihm bewusst. Der Gedanke mit der Knarre war nur vorübergehend gewesen, aber als er dann seine Türklinken zum ersten Mal mit neuem Interesse angesehen hatte, war ihm bewusst gewesen, dass es so nicht mehr weitergehen konnte, und direkt in die Klinik gefahren. Jetzt nahm er Citalopram, hatte jeden Tag Therapie und beobachtete die anderen Patienten und fragte sich zwischendurch, ob es ihm wirklich so schlecht ging. Ob es das wert gewesen war, sich krankschreiben zu müssen. <br />
<br />
Nachts lag er wach und hatte Panik, dass er nie wieder als Bulle würde arbeiten können – und ob er das überhaupt sollte, aber er konnte doch sonst nichts. Er schlief mehr, vor lauter Erschöpfung, und weil er hier nichts anderes tun konnte. Er mochte die Leute hier, und hoffte, dass er danach nie wieder mit ihnen zu tun haben würde. Sein Sportpensum war weggebrochen, und das Medikament machte ihn fett, hatte er das Gefühl, aber eigentlich konnte das gar nicht sein, weil er erst eine Woche hier war. Er wollte heim. Was war heim? Die Pflegerin Sophie klopfte an den Türrahmen – sie sah mindestens genauso krank aus wie er, dachte er erneut, dabei lächelte sie schöner. Er hatte Besuch; ob er rauskommen wollte. Immerhin, da tauchte beinahe Neugierde durch das Grau seiner Emotionen, aber letztlich war es ihm egal – er ging trotzdem gucken. Und hätte sich beinahe wieder versteckt, auf dem Klo oder so, als er Rohan Pandey im Eingangsbereich vorfand. „<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Woher weißt du, dass ich hier bin?</span>“, fragte er tonlos, und erinnerte sich gar nicht, dass er ihm selbst geschrieben hatte, bevor er sich eingeliefert hatte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Er konnte jederzeit wieder gehen, sagte Ennis sich jeden Morgen, wenn er die Augen öffnete. Niemand würde ihn festhalten, niemand würde die Tür hinter ihm abschließen – es gab maximal ein eindringliches Gespräch, mehr nicht. Ennis war freiwillig an diesem deprimierenden Ort, und der einzige Grund, wieso er nicht wieder nach Hause ging, war der Umstand, dass er die Kraft nicht hatte, in seine schweigende Wohnung zurückzukehren, und der Einsamkeit zu begegnen. Dass er Hilfe brauchte, war ihm bewusst. Der Gedanke mit der Knarre war nur vorübergehend gewesen, aber als er dann seine Türklinken zum ersten Mal mit neuem Interesse angesehen hatte, war ihm bewusst gewesen, dass es so nicht mehr weitergehen konnte, und direkt in die Klinik gefahren. Jetzt nahm er Citalopram, hatte jeden Tag Therapie und beobachtete die anderen Patienten und fragte sich zwischendurch, ob es ihm wirklich so schlecht ging. Ob es das wert gewesen war, sich krankschreiben zu müssen. <br />
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Nachts lag er wach und hatte Panik, dass er nie wieder als Bulle würde arbeiten können – und ob er das überhaupt sollte, aber er konnte doch sonst nichts. Er schlief mehr, vor lauter Erschöpfung, und weil er hier nichts anderes tun konnte. Er mochte die Leute hier, und hoffte, dass er danach nie wieder mit ihnen zu tun haben würde. Sein Sportpensum war weggebrochen, und das Medikament machte ihn fett, hatte er das Gefühl, aber eigentlich konnte das gar nicht sein, weil er erst eine Woche hier war. Er wollte heim. Was war heim? Die Pflegerin Sophie klopfte an den Türrahmen – sie sah mindestens genauso krank aus wie er, dachte er erneut, dabei lächelte sie schöner. Er hatte Besuch; ob er rauskommen wollte. Immerhin, da tauchte beinahe Neugierde durch das Grau seiner Emotionen, aber letztlich war es ihm egal – er ging trotzdem gucken. Und hätte sich beinahe wieder versteckt, auf dem Klo oder so, als er Rohan Pandey im Eingangsbereich vorfand. „<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Woher weißt du, dass ich hier bin?</span>“, fragte er tonlos, und erinnerte sich gar nicht, dass er ihm selbst geschrieben hatte, bevor er sich eingeliefert hatte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Did you hear the one about the day the moon fell to earth?]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2639</link>
			<pubDate>Sun, 18 Jan 2026 17:46:50 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=260">Andrew Marsh</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2639</guid>
			<description><![CDATA[Erpressung, nannte man das in Fachkreisen. Hatte Andrew seinem Kollegen, Dean, auch versucht klarzumachen, dass er wenig davon hielt, aus niederen Motiven zu einer Verabredung gezwungen zu werden, auf die vermutlich nur eine von vier Personen Lust hatte. Dass Dean ihm dafür den Fall mit den Waffenschmugglern abgeben würde, ja okay, das war eine Motivation (und ein verdächtig hoher Einsatz, wie verzweifelt musste der sein?). Vielleicht hatte ihn letztendlich das Mitgefühl für seinen Kollegen erweicht bzw. der Umstand, dass es ihm nahezu unangenehm war, wie der kurz vor Selbstaufgabe stand für ein lächerliches Date. Offiziell waren sie alle zu alt dafür, fand Andrew, aber seine Meinung wollte der in dem Fall wirklich nicht hören.<br />
<br />
Also warf er sich in seinen dunkelblauen Brioni-Anzug, überlegte eine halbe Stunde, ob Krawatte oder nicht – und entschied sich dann dagegen, weil er nicht <i>ins</i> Theater ging, sondern sich nur mit Theaterleuten traf. Zwei Schauspielerinnen, die er noch nicht kannte, dabei war er regelmäßig Gast in den Theatern in Manchester und London. Was er sich von diesem Abend erwartete (außer das Strafverfahren, das ihm dadurch in den Schoß fiel), fragte er sich, während er sich die farblich passende Jaeger LeCoultre anlegte (er war wirklich niemand, der tiefstapelte, und nachdem er seine Schulden vom Studium abbezahlt hatte, investierte er eben gerne in schöne Dinge). Bestenfalls eine anregende Unterhaltung und vor allem ein Date für seine Statistik, damit sich die Kollegen wieder ein paar Wochen zufrieden gaben mit seiner Behauptung, er hätte dafür so wenig Zeit mit der vielen Arbeit. <br />
<br />
Alle waren pünktlich, vielen Dank, und Andrew wurde erst final klar, wie unangenehm und dämlich er das alles fand, als er auf seinen Kollegen traf, der ein geschmackloses Kurzarmhemd trug unter dem Sakko, das ihm nicht gut an den Schultern saß. <b>“Ich hätt dir auch einen ordentlichen Anzug leihen können“</b>, sagte er ihm netterweise, auch wenn’s dafür jetzt knapp zu spät war -- <i>“Was, warum?!“</i><br />
Er atmete durch und würde auf jeden Fall einen Aperitif vorschlagen, um hier in irgendeine Art von Stimmung zu kommen. Immerhin schien seine Datepartnerin für den Abend ein ähnliches Gefühl zu haben und nicht tausend Prozent freiwillig hier zu sein, so schien es ihm zumindest bei ihrem Blickkontakt während der höflichen Begrüßung. Toll sah sie aus (alle beide) und schade, dass es Andrew nicht mehr interessierte, aber auf Ästhetik legte er ja doch Wert. <b>“Ich kann den Negroni Bianco empfehlen“</b>, ließ er sie wissen als man ihnen die Menükarten brachte, die er aber erst mal links liegen ließ. Stattdessen lächelte er seine Gegenüber an und nahm sich gar nicht erst vor, hier einen Hehl um irgendwas zu machen. <b>“Und, was hat man dir versprochen, damit du dich mit uns an diesen Tisch setzt?“</b> Lieb. Aber Schauspielerin hin oder her musste sie Andrew gar nicht vormachen, als hätte sie sich nicht schönere Pläne für den Abend vorstellen können, als hier die Anstandsbegleitung zu spielen. Vielleicht konnten sie sich darüber wenigstens verbünden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Erpressung, nannte man das in Fachkreisen. Hatte Andrew seinem Kollegen, Dean, auch versucht klarzumachen, dass er wenig davon hielt, aus niederen Motiven zu einer Verabredung gezwungen zu werden, auf die vermutlich nur eine von vier Personen Lust hatte. Dass Dean ihm dafür den Fall mit den Waffenschmugglern abgeben würde, ja okay, das war eine Motivation (und ein verdächtig hoher Einsatz, wie verzweifelt musste der sein?). Vielleicht hatte ihn letztendlich das Mitgefühl für seinen Kollegen erweicht bzw. der Umstand, dass es ihm nahezu unangenehm war, wie der kurz vor Selbstaufgabe stand für ein lächerliches Date. Offiziell waren sie alle zu alt dafür, fand Andrew, aber seine Meinung wollte der in dem Fall wirklich nicht hören.<br />
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Also warf er sich in seinen dunkelblauen Brioni-Anzug, überlegte eine halbe Stunde, ob Krawatte oder nicht – und entschied sich dann dagegen, weil er nicht <i>ins</i> Theater ging, sondern sich nur mit Theaterleuten traf. Zwei Schauspielerinnen, die er noch nicht kannte, dabei war er regelmäßig Gast in den Theatern in Manchester und London. Was er sich von diesem Abend erwartete (außer das Strafverfahren, das ihm dadurch in den Schoß fiel), fragte er sich, während er sich die farblich passende Jaeger LeCoultre anlegte (er war wirklich niemand, der tiefstapelte, und nachdem er seine Schulden vom Studium abbezahlt hatte, investierte er eben gerne in schöne Dinge). Bestenfalls eine anregende Unterhaltung und vor allem ein Date für seine Statistik, damit sich die Kollegen wieder ein paar Wochen zufrieden gaben mit seiner Behauptung, er hätte dafür so wenig Zeit mit der vielen Arbeit. <br />
<br />
Alle waren pünktlich, vielen Dank, und Andrew wurde erst final klar, wie unangenehm und dämlich er das alles fand, als er auf seinen Kollegen traf, der ein geschmackloses Kurzarmhemd trug unter dem Sakko, das ihm nicht gut an den Schultern saß. <b>“Ich hätt dir auch einen ordentlichen Anzug leihen können“</b>, sagte er ihm netterweise, auch wenn’s dafür jetzt knapp zu spät war -- <i>“Was, warum?!“</i><br />
Er atmete durch und würde auf jeden Fall einen Aperitif vorschlagen, um hier in irgendeine Art von Stimmung zu kommen. Immerhin schien seine Datepartnerin für den Abend ein ähnliches Gefühl zu haben und nicht tausend Prozent freiwillig hier zu sein, so schien es ihm zumindest bei ihrem Blickkontakt während der höflichen Begrüßung. Toll sah sie aus (alle beide) und schade, dass es Andrew nicht mehr interessierte, aber auf Ästhetik legte er ja doch Wert. <b>“Ich kann den Negroni Bianco empfehlen“</b>, ließ er sie wissen als man ihnen die Menükarten brachte, die er aber erst mal links liegen ließ. Stattdessen lächelte er seine Gegenüber an und nahm sich gar nicht erst vor, hier einen Hehl um irgendwas zu machen. <b>“Und, was hat man dir versprochen, damit du dich mit uns an diesen Tisch setzt?“</b> Lieb. Aber Schauspielerin hin oder her musste sie Andrew gar nicht vormachen, als hätte sie sich nicht schönere Pläne für den Abend vorstellen können, als hier die Anstandsbegleitung zu spielen. Vielleicht konnten sie sich darüber wenigstens verbünden.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[why pray for someone's downfall, when you can be directly involved]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2636</link>
			<pubDate>Thu, 15 Jan 2026 19:10:21 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=541">Sookie Moon</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2636</guid>
			<description><![CDATA[Sookie hätte immer von sich behauptet, eine gute Nase zu haben. War nur eben eine ganz andere Frage, was mit erschnüffelten Informationen angestellt würde, denn da begannen erst die Probleme, oh bei Gott begannen sie da. Auch eine gute Eigenschaft, redete sie sich schön, weil sie schließlich auch niemanden vorverurteilen wollte (naja), aber Kehrseite: Jetzt hatte sie den Salat. So einen aus dem Tesco Express Kühlregal, bei dem man durchs Plastik nicht ganz erspähen konnte, ob die Flecken am Salat so mussten und sich beim Zählen der farblosen und ungewürzten Hähnchenwürfel fragte, obs sich lohnte, die Bauchschmerzgefahr für den -20%-Sticker-Rabatt in Kauf zu nehmen. Aber Männer waren kein Pick-and-Choose Cesar Salad, bei dem sie im Zweifelsfall die vertrocknete Mozzarella aussortieren konnte; die bekam man im Gesamtpaket (irks). Manchmal gehörten da eben noch andere hinzu: Freund:innen, Boy Mums, Side Chicks. Dinge, vor denen kein Hinge-Profil der Welt warnte, höchstens ein flaues Bauchgefühl und eine aufploppende Nachricht, wenn man seitlich aufs Handy lugte und sich fragte <i>Moooooment</i>. Auf das erste folgten dann noch viele andere: <i>Moooooment</i>, wer ist das? <i>Moooooment</i>, reagiere ich über? <i>Moooooment</i>, bin ich gerade jealous girlfriend™? <i>Moooooment</i>, bin <i><u>ich</u></i> eine side chick???<br />
Ja, Fragen über Fragen, aber Sookie sahs auch nicht ein, Isaac jetzt zur Rede zu stellen. <i>"Hey Schatz, was gibts zum Abendessen achso und was ich noch fragen wollte, wer zur Hölle ist Irene???"</i> Das war blöd. Klare Kommunikation war wichtig, dies das, schon klar, aber nicht bei sowas. Das gehörte sich reingefressen (Freundinnen ausgeklammert, versteht sich) für den Fall der Fälle, dass sie gerade massivst auf der falschen Fährte war. Ne, ne, mein Lieber, dann lieber aussitzen und mit zusammengekniffenen Augen jegliche Social Media Plattform durchforsten um herauszufinden <i>wer zur Hölle</i> Irene ist. Instagram, Facebook, LinkedIn, Twitter, <u>nicht</u> wurde ausgespart.<br />
<br />
Brauchte auch nur ein paar Tage, da hatte sie mit einer Freundin am Telefon, ca. acht Bechern Kaffee, dreieinhalb Joints, zweimal Take-Out-Sushi, siebenmal auf dem Rücken gegen die Decke starren, einmal Laptopabsturz wegen fehlendem Akku, dreimal vor Frustration heulen und neunmal mit zusammengekniffenen Augen ihren frech ahnungslosen Freund anstarren und sich fragen, was der vor ihr verbarg, bis sie endlich eine <i>Irene</i> gefunden hatte, die sich mit dem schwammigen Foto abgleichen ließ, das sie von der Pop-Up-Nachricht auf Isaacs Handy gemacht hatte. Jackpot, HAH. Privatermittlerin hätte sie werden müssen, ihr Talent wurde VERSCHENKT. <br />
Na dann, Irene, erzähl mir was über dich. Sookie scrollte durch den Feed und fands selbst beschissen, wie garstig ihre Gedanken wurden, obwohl ihr diese bildschöne Frau nichts getan hatte (von dem sie wusste, zumindest). Außer so schön zu sein?? Hnnnggg, konnte die Fremde aus dem Pop-Up nicht wenigstens potthässlich sein, würds das besser machen? Würd sie sich dann gerade besser fühlen, ganz ehrlich? Sookie stöhnte laut und ließ sich wieder ins Bett fallen. Schön wollte sie Isaac nicht vorverurteilen, aber bei einer anderen Frau gings plötzlich tipptopp einfach – liebte sie. LIEBTE SIE.<br />
<br />
Egal, jetzt nicht frustriert aufgeben, so kurz vor der Erleuchtung. Sookie tippte genau dreiunddreißig Nachrichten und löschte sie alle. Da hatte man schon einen Master in Playwriting und bekam trotzdem keinen vernünftigen Satz zusammen, ach wie schön, dass man seine Zeit und sein Geld gut investierte. Ach egal, einfach raus damit, es gab wortwörtlich keinen Weg, hier würdevoll rauszukommen (außer wenn sie recht hatte, aber das konnte doch kaum das Outcome sein, das sie sich erhoffte). <br />
<br />
<div class="ysig-texting">
<div class="ysig-speech-bubble">Hey, wir kennen uns nicht, aber ich glaube, du kennst meinen Freund Isaac? Ich will keine eifersüchtige Nuss sein, aber hab seit einer Weile ein schlechtes Bauchgefühl und dich auf seinem Handy gesehen.</div>
<div class="ysig-speech-bubble">Wenn ich es total überinterpretiere, dann lach bitte einfach mir mir drüber</div>
</div>
<br />
Wenn sie jetzt mit <i>"Ich bin seine Cousine"</i> oder ähnlichem antwortete, dann reichte der Joint in Sookies Hand auch nicht mehr. Dann musste sie fettere Geschütze auffahren.<br />
<style class="text/css">@import url('https://fonts.googleapis.com/css2?family=Poppins:wght@300&family=Staatliches&display=swap'); #ysig-wrapper { width: 355px; margin: auto; position: relative; color: #000; } .ysig-text { width: 350px; margin-top: 2px; position: relative; z-index: 2; font-size: 30px; font-family: 'Staatliches', cursive; text-align: left; line-height: 35px; } .ysig-subtitle { margin-top: -3px; font-size: 12px; font-family: 'Poppins', sans-serif; font-weight: 300; } .ysig-subtitle span { padding: 1px 6px; background-color: #a01a1a; font-size: 12px; color: #fff; } .ysig-anarchy { width: 80px; height: 80px; position: absolute; z-index: 1; bottom: -4px; right: 5px; background-image: url("https://i.ibb.co/VjC6Bg9/Nice-Png-anarchy-a-png-4002166.png"); background-size: cover; } .ysig-texting { margin: 0 auto; width: 420px; display: flex; flex-direction: column;} .ysig-speech-bubble, .ysig-speech-bubble-2 { position: relative; max-width: 260px; background: #a9eaa0; padding: 11px; margin: 5px 0; border-radius: 10px; font-family: Arial; font-size: 13px; line-height: normal; text-align: left; color: #000; } .ysig-speech-bubble { align-self: flex-end; } .ysig-speech-bubble-2 { background-color: #97d3f7; align-self: flex-start; } .ysig-speech-bubble:after { content: ''; position: absolute; right: 0; bottom: 8px; width: 0; height: 0; border: 10px solid transparent; border-left-color: #a9eaa0; border-right: 0; border-top: 0; margin-top: -10px; margin-right: -8px; } .ysig-speech-bubble-2:after { content: ''; position: absolute; left: 0; bottom: 8px; width: 0; height: 0; border: 10px solid transparent; border-right-color: #97d3f7; border-left: 0; border-top: 0; margin-top: -10px; margin-left: -8px; }</style>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Sookie hätte immer von sich behauptet, eine gute Nase zu haben. War nur eben eine ganz andere Frage, was mit erschnüffelten Informationen angestellt würde, denn da begannen erst die Probleme, oh bei Gott begannen sie da. Auch eine gute Eigenschaft, redete sie sich schön, weil sie schließlich auch niemanden vorverurteilen wollte (naja), aber Kehrseite: Jetzt hatte sie den Salat. So einen aus dem Tesco Express Kühlregal, bei dem man durchs Plastik nicht ganz erspähen konnte, ob die Flecken am Salat so mussten und sich beim Zählen der farblosen und ungewürzten Hähnchenwürfel fragte, obs sich lohnte, die Bauchschmerzgefahr für den -20%-Sticker-Rabatt in Kauf zu nehmen. Aber Männer waren kein Pick-and-Choose Cesar Salad, bei dem sie im Zweifelsfall die vertrocknete Mozzarella aussortieren konnte; die bekam man im Gesamtpaket (irks). Manchmal gehörten da eben noch andere hinzu: Freund:innen, Boy Mums, Side Chicks. Dinge, vor denen kein Hinge-Profil der Welt warnte, höchstens ein flaues Bauchgefühl und eine aufploppende Nachricht, wenn man seitlich aufs Handy lugte und sich fragte <i>Moooooment</i>. Auf das erste folgten dann noch viele andere: <i>Moooooment</i>, wer ist das? <i>Moooooment</i>, reagiere ich über? <i>Moooooment</i>, bin ich gerade jealous girlfriend™? <i>Moooooment</i>, bin <i><u>ich</u></i> eine side chick???<br />
Ja, Fragen über Fragen, aber Sookie sahs auch nicht ein, Isaac jetzt zur Rede zu stellen. <i>"Hey Schatz, was gibts zum Abendessen achso und was ich noch fragen wollte, wer zur Hölle ist Irene???"</i> Das war blöd. Klare Kommunikation war wichtig, dies das, schon klar, aber nicht bei sowas. Das gehörte sich reingefressen (Freundinnen ausgeklammert, versteht sich) für den Fall der Fälle, dass sie gerade massivst auf der falschen Fährte war. Ne, ne, mein Lieber, dann lieber aussitzen und mit zusammengekniffenen Augen jegliche Social Media Plattform durchforsten um herauszufinden <i>wer zur Hölle</i> Irene ist. Instagram, Facebook, LinkedIn, Twitter, <u>nicht</u> wurde ausgespart.<br />
<br />
Brauchte auch nur ein paar Tage, da hatte sie mit einer Freundin am Telefon, ca. acht Bechern Kaffee, dreieinhalb Joints, zweimal Take-Out-Sushi, siebenmal auf dem Rücken gegen die Decke starren, einmal Laptopabsturz wegen fehlendem Akku, dreimal vor Frustration heulen und neunmal mit zusammengekniffenen Augen ihren frech ahnungslosen Freund anstarren und sich fragen, was der vor ihr verbarg, bis sie endlich eine <i>Irene</i> gefunden hatte, die sich mit dem schwammigen Foto abgleichen ließ, das sie von der Pop-Up-Nachricht auf Isaacs Handy gemacht hatte. Jackpot, HAH. Privatermittlerin hätte sie werden müssen, ihr Talent wurde VERSCHENKT. <br />
Na dann, Irene, erzähl mir was über dich. Sookie scrollte durch den Feed und fands selbst beschissen, wie garstig ihre Gedanken wurden, obwohl ihr diese bildschöne Frau nichts getan hatte (von dem sie wusste, zumindest). Außer so schön zu sein?? Hnnnggg, konnte die Fremde aus dem Pop-Up nicht wenigstens potthässlich sein, würds das besser machen? Würd sie sich dann gerade besser fühlen, ganz ehrlich? Sookie stöhnte laut und ließ sich wieder ins Bett fallen. Schön wollte sie Isaac nicht vorverurteilen, aber bei einer anderen Frau gings plötzlich tipptopp einfach – liebte sie. LIEBTE SIE.<br />
<br />
Egal, jetzt nicht frustriert aufgeben, so kurz vor der Erleuchtung. Sookie tippte genau dreiunddreißig Nachrichten und löschte sie alle. Da hatte man schon einen Master in Playwriting und bekam trotzdem keinen vernünftigen Satz zusammen, ach wie schön, dass man seine Zeit und sein Geld gut investierte. Ach egal, einfach raus damit, es gab wortwörtlich keinen Weg, hier würdevoll rauszukommen (außer wenn sie recht hatte, aber das konnte doch kaum das Outcome sein, das sie sich erhoffte). <br />
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<div class="ysig-texting">
<div class="ysig-speech-bubble">Hey, wir kennen uns nicht, aber ich glaube, du kennst meinen Freund Isaac? Ich will keine eifersüchtige Nuss sein, aber hab seit einer Weile ein schlechtes Bauchgefühl und dich auf seinem Handy gesehen.</div>
<div class="ysig-speech-bubble">Wenn ich es total überinterpretiere, dann lach bitte einfach mir mir drüber</div>
</div>
<br />
Wenn sie jetzt mit <i>"Ich bin seine Cousine"</i> oder ähnlichem antwortete, dann reichte der Joint in Sookies Hand auch nicht mehr. Dann musste sie fettere Geschütze auffahren.<br />
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		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Und es is nix so wichtig, wie ′s dein Hirn dir manchmal sagt]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2620</link>
			<pubDate>Tue, 16 Dec 2025 22:12:17 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=516">Joon-Ho Moon</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[Trotz des Nieselregens und des (wenig überraschenden) zu späten Schichtendes war er fünf Minuten vor verabredeter Zeit an Nandas Haustür angekommen und schob sein Fahrrad in den Hausflur, um es da am Treppengeländer abzuschließen. Den Helm ließ er am Lenker hängen und versuchte sich so gut es ging die Haare zu richten, die nach dem Tag auch nur noch ihr eigenes Ding machten. Abendessen hatte er unterwegs noch organisiert und einen Plastikbeutel voll mit reichlich Reis und Bulgogi und allem Drumunddran vom koreanischen Restaurant seines Vertrauens mitgebracht. Sich direkt Zuhause zu treffen zum Essen (usw. !) hatte sich als sinnvoll (bzw. effizient) erwiesen, auch wenn Joon mal kämpfen musste, nicht einfach auf dem Sofa einzuschlafen (und mindestens einmal schon verloren hatte). Sich heute bei ihr zu treffen, fand er auch ne kluge Entscheidung angesichts des Gesprächs, das er plante zu führen und auf dem Weg die Treppe nach oben zu ihrer Wohnung nochmal in seinem Kopf probte. <br />
Dumm eigentlich, dass er sich so stresste deswegen - es war ja kein Breakup, wenn man nicht zusammen war, aber er mochte sie echt richtig dolle gerne, und in einem anderen Leben hätte er sich krass in sie verliebt. Vielleicht sollte er dem Ganzen auch noch bisschen Zeit geben – aber wenn sie sich maximal alle zwei Wochen sahen.. Mit Rohan war Joon deswegen einfach ziemlich schnell zusammengezogen, aber das—nein. Kein guter Vorschlag. <br />
<br />
Er fuhr sich mit der freien Hand übers Gesicht und seufzte gegen seinen Stress, ehe er klingelte und hinter der Tür schon Musik und Nandas Schritte hörte. Na wenigstens konnte Joon sich drauf verlassen, sich von ihrer guten Laune ab Sekunde 1 anstecken zu lassen (mal sehen, wie lange). <b>“Heyy“</b>, sagte er mit einem Grinsen, ehe er in die Wohnung gelassen wurde und sie mit einem Kuss auf die Wange und einer Berührung an der Seite begrüßte. <b>“Ich habe sehr viel Essen mitgebracht als Entschädigung für die Uhrzeit“</b>, kündigte er an und hob die Tüte mit der Verpflegung hoch, weil halb 10, <i>naja</i>, er wurd halt alt okay. Morgen wechselte seine Schicht wieder auf spät und eigentlich sollt er echt versuchen, heut so lang wie möglich wach zu bleiben, weswegen Datenight wie ne Spitzenidee geklungen hatte, aber—achhhhh. Vielleicht stellte er sich mal einfach nicht so an?! Wie wär’s denn mal damit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Trotz des Nieselregens und des (wenig überraschenden) zu späten Schichtendes war er fünf Minuten vor verabredeter Zeit an Nandas Haustür angekommen und schob sein Fahrrad in den Hausflur, um es da am Treppengeländer abzuschließen. Den Helm ließ er am Lenker hängen und versuchte sich so gut es ging die Haare zu richten, die nach dem Tag auch nur noch ihr eigenes Ding machten. Abendessen hatte er unterwegs noch organisiert und einen Plastikbeutel voll mit reichlich Reis und Bulgogi und allem Drumunddran vom koreanischen Restaurant seines Vertrauens mitgebracht. Sich direkt Zuhause zu treffen zum Essen (usw. !) hatte sich als sinnvoll (bzw. effizient) erwiesen, auch wenn Joon mal kämpfen musste, nicht einfach auf dem Sofa einzuschlafen (und mindestens einmal schon verloren hatte). Sich heute bei ihr zu treffen, fand er auch ne kluge Entscheidung angesichts des Gesprächs, das er plante zu führen und auf dem Weg die Treppe nach oben zu ihrer Wohnung nochmal in seinem Kopf probte. <br />
Dumm eigentlich, dass er sich so stresste deswegen - es war ja kein Breakup, wenn man nicht zusammen war, aber er mochte sie echt richtig dolle gerne, und in einem anderen Leben hätte er sich krass in sie verliebt. Vielleicht sollte er dem Ganzen auch noch bisschen Zeit geben – aber wenn sie sich maximal alle zwei Wochen sahen.. Mit Rohan war Joon deswegen einfach ziemlich schnell zusammengezogen, aber das—nein. Kein guter Vorschlag. <br />
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Er fuhr sich mit der freien Hand übers Gesicht und seufzte gegen seinen Stress, ehe er klingelte und hinter der Tür schon Musik und Nandas Schritte hörte. Na wenigstens konnte Joon sich drauf verlassen, sich von ihrer guten Laune ab Sekunde 1 anstecken zu lassen (mal sehen, wie lange). <b>“Heyy“</b>, sagte er mit einem Grinsen, ehe er in die Wohnung gelassen wurde und sie mit einem Kuss auf die Wange und einer Berührung an der Seite begrüßte. <b>“Ich habe sehr viel Essen mitgebracht als Entschädigung für die Uhrzeit“</b>, kündigte er an und hob die Tüte mit der Verpflegung hoch, weil halb 10, <i>naja</i>, er wurd halt alt okay. Morgen wechselte seine Schicht wieder auf spät und eigentlich sollt er echt versuchen, heut so lang wie möglich wach zu bleiben, weswegen Datenight wie ne Spitzenidee geklungen hatte, aber—achhhhh. Vielleicht stellte er sich mal einfach nicht so an?! Wie wär’s denn mal damit.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The sound that will keep you possessed]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2614</link>
			<pubDate>Sun, 30 Nov 2025 13:53:25 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=545">Josphat Kamau</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2614</guid>
			<description><![CDATA[<b>"Siehst du da irgendwo Schimmel, Elsa?"</b>, brummte Jos mit unhöflich-vollgestopftem Mund in das Handy, das er sich gegen sein Ohr drückte. In der anderen Hand lief Fleisch-Fett und geschmolzener Käse aus einem angebissenen Burger in seine Handfläche, verteilte sich dort mit übrig gebliebenem Schmutz aus vorherigen Zaun-Reparatur-Arbeiten zu einer ungesunden Masse, die er jedoch unbekümmert mit der Zunge ableckte. <b>"Kein Schimmel?"</b> Ein weiterer Bissen, so himmlisch gut, dass er die Augen zum Himmel verdrehte und stumm hoffte, dass niemand ihm unterstellte wegen des Telefonats die Augen zu rollen. <b>"Aber das Wasser läuft nicht ab und es riecht modrig?"</b> Jos nickte jemandem zu, der vorbei ging, hob aus Ermangelung an freien Händen einen Ellenbogen in Richtung einer anderen Person. In Oldham kannte er mindestens jeden Zweiten mit Namen, oftmals auch die dazugehörige Adresse, den Beziehungsstatus und die Anzahl der Kinder. <b>"Gib mir 30 Minuten, ja? Ich komme vorbei."</b> Die Rentnerin am anderen Ende der Leitung schmiss den Hörer auf die Gabel, während er mit fettigem Daumen fünf Mal auf den Bildschirm seines Smartphones pressen musste, um das Gespräch zu beenden. Erst noch den Burger aufessen, den Van holen, einen Pömpel rein schmeißen und dann konnte Jos sich endlich um den verstopften Abfluss seiner Nachbarin (im entferntesten Sinne) kümmern.<br />
<br />
Weil Pünktlichkeit nicht gerade zu Big Poppas Stärken zählte und er auf seinem Weg noch mit zwei weiteren Bekannten einen Plausch halten musste, kam er nicht nach 30 Minuten, sondern erst nach 60 Minuten bei Elsa an. In einer Hand ein Werkzeugkoffer, in der anderen ein Pömpel und eine Rohrreinigungsspirale, ausgerüstet für (fast) alles, was ein verstopfter Küchen-Spülbecken-Abfluss benötigen könnte. Jos hatte in seinem Leben schon, grob schätzt, 478 Rohre gerettet, er würde auch im Krieg gegen dieses Rohr siegen. Vorbei an alten Essensresten, dabei eine Predigt haltend, dass Lebensmittel nicht in die Spüle sondern in den Bioabfall gehörten. Oder war Elsa auch eine Frau wie die <i>crazy plant lady</i> Catherine, aus deren Abfluss er ein halbes Blumenbeet gefischt hatte? Kleine gedeihende Schattengewächse, die als Stecklinge einfach hinunter gespült worden waren und sich im Siphon festgesetzt hatten. Wenigstens hatte Jos noch nie eine tote, verwesende Ratte aus einem Abfluss gezogen – es gab also noch Luft nach oben. <br />
Nachdem er die Klingel an Elsas Tür mit dem Ellenbogen betätigt hatte, sah er kurze Zeit später der sympathischen (und <del>individualistischen</del> durchgedrehten) Rentnerin in die Augen. <b>"Was hast du den Abfluss runter gespült, eh?"</b> Mit der Kraft eines Hufe-scharrenden Pferdes stieß er auf der Fußmatte möglichen Schmutz von den Schuhen, bevor er eintrat, durch einen kleinen Flur in die Küche lief und dort mit dem Blick Elsas Mitbewohnerin streifte. <b>"Was geht, Ruby?"</b>, sprach er ihr lässig nickend zu.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>"Siehst du da irgendwo Schimmel, Elsa?"</b>, brummte Jos mit unhöflich-vollgestopftem Mund in das Handy, das er sich gegen sein Ohr drückte. In der anderen Hand lief Fleisch-Fett und geschmolzener Käse aus einem angebissenen Burger in seine Handfläche, verteilte sich dort mit übrig gebliebenem Schmutz aus vorherigen Zaun-Reparatur-Arbeiten zu einer ungesunden Masse, die er jedoch unbekümmert mit der Zunge ableckte. <b>"Kein Schimmel?"</b> Ein weiterer Bissen, so himmlisch gut, dass er die Augen zum Himmel verdrehte und stumm hoffte, dass niemand ihm unterstellte wegen des Telefonats die Augen zu rollen. <b>"Aber das Wasser läuft nicht ab und es riecht modrig?"</b> Jos nickte jemandem zu, der vorbei ging, hob aus Ermangelung an freien Händen einen Ellenbogen in Richtung einer anderen Person. In Oldham kannte er mindestens jeden Zweiten mit Namen, oftmals auch die dazugehörige Adresse, den Beziehungsstatus und die Anzahl der Kinder. <b>"Gib mir 30 Minuten, ja? Ich komme vorbei."</b> Die Rentnerin am anderen Ende der Leitung schmiss den Hörer auf die Gabel, während er mit fettigem Daumen fünf Mal auf den Bildschirm seines Smartphones pressen musste, um das Gespräch zu beenden. Erst noch den Burger aufessen, den Van holen, einen Pömpel rein schmeißen und dann konnte Jos sich endlich um den verstopften Abfluss seiner Nachbarin (im entferntesten Sinne) kümmern.<br />
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Weil Pünktlichkeit nicht gerade zu Big Poppas Stärken zählte und er auf seinem Weg noch mit zwei weiteren Bekannten einen Plausch halten musste, kam er nicht nach 30 Minuten, sondern erst nach 60 Minuten bei Elsa an. In einer Hand ein Werkzeugkoffer, in der anderen ein Pömpel und eine Rohrreinigungsspirale, ausgerüstet für (fast) alles, was ein verstopfter Küchen-Spülbecken-Abfluss benötigen könnte. Jos hatte in seinem Leben schon, grob schätzt, 478 Rohre gerettet, er würde auch im Krieg gegen dieses Rohr siegen. Vorbei an alten Essensresten, dabei eine Predigt haltend, dass Lebensmittel nicht in die Spüle sondern in den Bioabfall gehörten. Oder war Elsa auch eine Frau wie die <i>crazy plant lady</i> Catherine, aus deren Abfluss er ein halbes Blumenbeet gefischt hatte? Kleine gedeihende Schattengewächse, die als Stecklinge einfach hinunter gespült worden waren und sich im Siphon festgesetzt hatten. Wenigstens hatte Jos noch nie eine tote, verwesende Ratte aus einem Abfluss gezogen – es gab also noch Luft nach oben. <br />
Nachdem er die Klingel an Elsas Tür mit dem Ellenbogen betätigt hatte, sah er kurze Zeit später der sympathischen (und <del>individualistischen</del> durchgedrehten) Rentnerin in die Augen. <b>"Was hast du den Abfluss runter gespült, eh?"</b> Mit der Kraft eines Hufe-scharrenden Pferdes stieß er auf der Fußmatte möglichen Schmutz von den Schuhen, bevor er eintrat, durch einen kleinen Flur in die Küche lief und dort mit dem Blick Elsas Mitbewohnerin streifte. <b>"Was geht, Ruby?"</b>, sprach er ihr lässig nickend zu.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I'm practically a doormat, I'm so diplomatic now]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2608</link>
			<pubDate>Mon, 03 Nov 2025 19:04:55 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=549">Darius Sarr</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2608</guid>
			<description><![CDATA[Einfach totstellen, wenn es klingelte, hatte er auch schon seit zwanzig Jahren nicht mehr gemacht (Lüge 1), aber er hatte heute wirklich keine Zeit für gar nichts mehr (Lüge 2). Vor allem aber keine Lust, nachdem Darius den ganzen Vormittag mit seiner Agentin in der Galerie im Northern rumgehangen hatte, um die Hängung der Bilder zu diskutieren und die dämlichen Beschreibungszettel nicht zu finden. Vielleicht hatte es gar nicht daran gelegen, dass sie die verlegt hatte, sondern daran, dass Darius die noch nicht geschrieben hatte. Viel-leicht. Kümmerte er sich später drum. <br />
Genauso um die vier Nachrichten von Erika, die mit zunehmender Dringlichkeit wissen wollte, ob er morgen Charlie nehmen konnte, weil sie irgendwas mit Arbeit hatte (er hatte die Nachricht nicht zu ende gelesen), aber er brauchte doch auch irgendwann seine Ruhe, hatte der Arzt ihm erst gestern wieder gesagt. Auch, dass er sich glücklich schätzen konnte und in <i>seinem Alter</i> die Heilung echt gut verlief, er aber auf jeden Fall drauf achten sollte noch paar Wochen, nicht zu schwer zu heben (ein Kleinkind schwer war schon wieder genehmigt). Zumal seit Charlie laufen konnte (zwei Wochen jetzt oder so?!) hatte sich ihr Bewegungsradius gleichermaßen in eine Todeszone verwandelt, da musste man immer zwei Meter vorausplanen, sonst <i>“rannte“</i> die irgendwo gegen oder fiel die nächste Treppe runter. An Sitzen war da ja gar nicht mehr zu denken. <br />
<br />
Beim zweieinhalbten Klingeln legte er mit einem genervten Stöhnen doch das Macbook zur Seite, das er auf dem Sofa liegend auf seinem Bauch balanciert hatte, um—nicht zu arbeiten, sondern durch Twitter zu scrollen. Darius war fest davon überzeugt, dass Erika ihm vor der Tür erscheinen würde und ihn zur Rede stellen mit in die Seite gestemmten Händen, als er resigniert dahin schlurfte. Stattdessen sah er auf in das Gesicht von Morts und runzelte die Stirn (obwohl’s ihn ehrlich gesagt extrem erleichterte, weil was konnte der schon Schlimmes wollen von ihm?!). <b>“Jo?“</b>, sagte er irritiert und hielt sich an der Tür fest, statt ihn direkt reinzulassen. <b>“Was gibt’s? Warum rufst du nicht an?“</b>, statt hier nach Oldham rauszujuckeln. Dabei vergaß er, dass sein Handy seit zwei Stunden ausgeschaltet war (deswegen Twitter am Macbook).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Einfach totstellen, wenn es klingelte, hatte er auch schon seit zwanzig Jahren nicht mehr gemacht (Lüge 1), aber er hatte heute wirklich keine Zeit für gar nichts mehr (Lüge 2). Vor allem aber keine Lust, nachdem Darius den ganzen Vormittag mit seiner Agentin in der Galerie im Northern rumgehangen hatte, um die Hängung der Bilder zu diskutieren und die dämlichen Beschreibungszettel nicht zu finden. Vielleicht hatte es gar nicht daran gelegen, dass sie die verlegt hatte, sondern daran, dass Darius die noch nicht geschrieben hatte. Viel-leicht. Kümmerte er sich später drum. <br />
Genauso um die vier Nachrichten von Erika, die mit zunehmender Dringlichkeit wissen wollte, ob er morgen Charlie nehmen konnte, weil sie irgendwas mit Arbeit hatte (er hatte die Nachricht nicht zu ende gelesen), aber er brauchte doch auch irgendwann seine Ruhe, hatte der Arzt ihm erst gestern wieder gesagt. Auch, dass er sich glücklich schätzen konnte und in <i>seinem Alter</i> die Heilung echt gut verlief, er aber auf jeden Fall drauf achten sollte noch paar Wochen, nicht zu schwer zu heben (ein Kleinkind schwer war schon wieder genehmigt). Zumal seit Charlie laufen konnte (zwei Wochen jetzt oder so?!) hatte sich ihr Bewegungsradius gleichermaßen in eine Todeszone verwandelt, da musste man immer zwei Meter vorausplanen, sonst <i>“rannte“</i> die irgendwo gegen oder fiel die nächste Treppe runter. An Sitzen war da ja gar nicht mehr zu denken. <br />
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Beim zweieinhalbten Klingeln legte er mit einem genervten Stöhnen doch das Macbook zur Seite, das er auf dem Sofa liegend auf seinem Bauch balanciert hatte, um—nicht zu arbeiten, sondern durch Twitter zu scrollen. Darius war fest davon überzeugt, dass Erika ihm vor der Tür erscheinen würde und ihn zur Rede stellen mit in die Seite gestemmten Händen, als er resigniert dahin schlurfte. Stattdessen sah er auf in das Gesicht von Morts und runzelte die Stirn (obwohl’s ihn ehrlich gesagt extrem erleichterte, weil was konnte der schon Schlimmes wollen von ihm?!). <b>“Jo?“</b>, sagte er irritiert und hielt sich an der Tür fest, statt ihn direkt reinzulassen. <b>“Was gibt’s? Warum rufst du nicht an?“</b>, statt hier nach Oldham rauszujuckeln. Dabei vergaß er, dass sein Handy seit zwei Stunden ausgeschaltet war (deswegen Twitter am Macbook).]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I rode a gift horse into town]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2591</link>
			<pubDate>Sun, 05 Oct 2025 20:11:36 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=549">Darius Sarr</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2591</guid>
			<description><![CDATA[Jetzt hatte er schon das zweite Glas Sekt leer und dachte es würd helfen, in dem Trubel den Überblick zu behalten. Aber wenn man nichts mehr gewöhnt war, weil sich die löchrige Leber erst mal hatte erholen müssen, dann schwirrte einem einfach nur ein bisschen der Kopf. Die Geräusche überlagerten sich für seinen Geschmack etwas zu viel, um noch vernünftige Gespräche führen zu können. Dabei hatte die Vernissage hier gut angefangen: zwei Bilder schon verkauft, seine Agentin hatte ihm auch noch drei Interessenten vorgestellt und Darius verkniff sich die Nachfrage, warum man das ausgerechnet im Wohnzimmer aufhängen wollte. Gab genug Leute, die sich so Fotos von Elend ins Arbeitszimmer stellten, um sich dann bei Dinnergästen beim Digestif zu profilieren mit Vorträgen über globale Krisen. Ganz toll. Wurd er auch zunehmend müde von, wenn Leute ihm erzählten, sie waren ja auch mal drei Wochen in Nigeria und was sie da alles gesehen haben, ja crazy, kann er sich nicht vorstellen. <br />
<br />
Scheise, echt, fiel bestimmt fast gar nicht auf, wenn er zunehmend ins Leere starrte mit so nem eingefrorenen Gesicht, alles normal. <i>“Sag mal ist das dein Kind?“</i>, fragte eine Stimme von der Seite und er wollte reflexartig sagen, neh is ja Quatsch, während er sich ins Gesicht fasste, um dann im nächsten Moment nach besagtem Kind zu gucken und—achja stimmt. Charlie konnte gefühlt seit vorgestern laufen und seine Frau—Ex hatte sie mitgebracht, weil sie wollte halt selbst Bilder gucken und hatte und keinen Babysitter gefunden. Trotzdem auch für ihn überraschend, dass Erika nicht in Sichtweite war, aber ihre Tochter war echt auch zugewandt und unkompliziert, da ließ man sich verleiten. „Komm gleich wieder“, versprach er, gab sein Glas irgendwem und joggte durch den dezent beleuchteten Raum seinem Kind hinterher. <br />
<br />
Fand er ja gut, <i>sein Kind</i> - also dessen Existenz und das zu sagen, und auch wenn die jetzt schon anderthalb Jahre auf der Welt war, hatte er sich noch nicht komplett dran gewöhnt (vielleicht waren’s aber auch die Hormone, die ihn echt happy machten). Deswegen stresste es ihn umso mehr, dass die Tür offen war und Charlie Richtung Straße wackelte, wer ließ denn ein Kind so weit laufen (er) und warum hatte es noch niemand zu Boden getackelt?! Aber ehe Darius zum Hechtsprung ansetzen musste, tauchte da eine große Gestalt vor der Tür auf und versperrte den Fluchtweg – Enoch. Der hob seine Tochter hoch, die auch wirklich mit jedem mitgehen würde, befürchtete er – aber die kannten sich tatsächlich auch ganz gut. „Dich schickt der—irgendwer“, begrüßte er ihn mit einer vagen Handbewegung, weil’s der Himmel sicher nicht war. <br />
„Halt mal kurz“, bot er an, das Kind noch paar Minuten rumzutragen, weil er sich sonst grad nicht in der Lage sah, seiner Aufsichtspflicht nachzukommen – außerdem konnte er dann kurz rauchen gehen (ja, sollte man nicht machen vor dem Kind, aber die war so klein, ganz ehrlich, die steckte eh schon alles in den Mund, auch ohne dass er’s vormachte).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Jetzt hatte er schon das zweite Glas Sekt leer und dachte es würd helfen, in dem Trubel den Überblick zu behalten. Aber wenn man nichts mehr gewöhnt war, weil sich die löchrige Leber erst mal hatte erholen müssen, dann schwirrte einem einfach nur ein bisschen der Kopf. Die Geräusche überlagerten sich für seinen Geschmack etwas zu viel, um noch vernünftige Gespräche führen zu können. Dabei hatte die Vernissage hier gut angefangen: zwei Bilder schon verkauft, seine Agentin hatte ihm auch noch drei Interessenten vorgestellt und Darius verkniff sich die Nachfrage, warum man das ausgerechnet im Wohnzimmer aufhängen wollte. Gab genug Leute, die sich so Fotos von Elend ins Arbeitszimmer stellten, um sich dann bei Dinnergästen beim Digestif zu profilieren mit Vorträgen über globale Krisen. Ganz toll. Wurd er auch zunehmend müde von, wenn Leute ihm erzählten, sie waren ja auch mal drei Wochen in Nigeria und was sie da alles gesehen haben, ja crazy, kann er sich nicht vorstellen. <br />
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Scheise, echt, fiel bestimmt fast gar nicht auf, wenn er zunehmend ins Leere starrte mit so nem eingefrorenen Gesicht, alles normal. <i>“Sag mal ist das dein Kind?“</i>, fragte eine Stimme von der Seite und er wollte reflexartig sagen, neh is ja Quatsch, während er sich ins Gesicht fasste, um dann im nächsten Moment nach besagtem Kind zu gucken und—achja stimmt. Charlie konnte gefühlt seit vorgestern laufen und seine Frau—Ex hatte sie mitgebracht, weil sie wollte halt selbst Bilder gucken und hatte und keinen Babysitter gefunden. Trotzdem auch für ihn überraschend, dass Erika nicht in Sichtweite war, aber ihre Tochter war echt auch zugewandt und unkompliziert, da ließ man sich verleiten. „Komm gleich wieder“, versprach er, gab sein Glas irgendwem und joggte durch den dezent beleuchteten Raum seinem Kind hinterher. <br />
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Fand er ja gut, <i>sein Kind</i> - also dessen Existenz und das zu sagen, und auch wenn die jetzt schon anderthalb Jahre auf der Welt war, hatte er sich noch nicht komplett dran gewöhnt (vielleicht waren’s aber auch die Hormone, die ihn echt happy machten). Deswegen stresste es ihn umso mehr, dass die Tür offen war und Charlie Richtung Straße wackelte, wer ließ denn ein Kind so weit laufen (er) und warum hatte es noch niemand zu Boden getackelt?! Aber ehe Darius zum Hechtsprung ansetzen musste, tauchte da eine große Gestalt vor der Tür auf und versperrte den Fluchtweg – Enoch. Der hob seine Tochter hoch, die auch wirklich mit jedem mitgehen würde, befürchtete er – aber die kannten sich tatsächlich auch ganz gut. „Dich schickt der—irgendwer“, begrüßte er ihn mit einer vagen Handbewegung, weil’s der Himmel sicher nicht war. <br />
„Halt mal kurz“, bot er an, das Kind noch paar Minuten rumzutragen, weil er sich sonst grad nicht in der Lage sah, seiner Aufsichtspflicht nachzukommen – außerdem konnte er dann kurz rauchen gehen (ja, sollte man nicht machen vor dem Kind, aber die war so klein, ganz ehrlich, die steckte eh schon alles in den Mund, auch ohne dass er’s vormachte).]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[She doesn't have to marry a poet. She can always read a book]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2577</link>
			<pubDate>Sat, 12 Jul 2025 22:34:50 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=528">Eshaal Anwar</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2577</guid>
			<description><![CDATA[Wo ihre Eltern nach all den Jahren noch potenzielle Ehemänner für sie auftrieben, ohne sie direkt aus Pakistan einfliegen zu lassen, konnte sich Eshaal beim besten Willen nicht erklären. Das hier war also Bashir. Und den biografischen Daten nach überraschender Weise ebenfalls aus South London. 25 Jahre alt und Beauftragter für Risikomanagement. Was auch immer das sein sollte. Vermutlich war die Jobbezeichnung genauso irreführend wie sein Vorname. Bashir, der Überbringer guter Nachrichten. Natürlich hatte ihre Mutter darin ein gutes Omen gesehen, aber für Eshaal sah der eher nach ‚Bad News‘ aus. Wie er da als einziger im Raum komplett schwarz gekleidet zwischen seinen Eltern auf dem Sofa saß, hatte er die Ausstrahlung von nem schwarzen Loch, dass das ganze Licht des Universums in sich aufsog und vielleicht musste sie ihn deswegen so unverwandt anschauen. <br />
<br />
Sicher hielt er sie deswegen längst für irre, aber das war ihr egal. Sie brauchte hier nicht die devote kleine Muslima spielen, mit keusch gesenktem Blick, auch wenn ihre Mutter sich das sicher wünschte. Entweder er kam damit klar oder sie würde ihn auf diesem Wege noch leichter loswerden als all die anderen potenziellen Ehemänner, die schon vor ihm auf diesem Platz gesessen hatten. (Übrigens eine beeindruckende Parade an ullu ka patha) Und in ein paar Jahren würde es eh vorbei sein, weil sie zu alt war. Auch wenn sie genau darüber gerade nicht nachdenken wollte. Denn sofort hatte sie wieder dieses Engegefühl in der Brust, weil sich egal was sie tat, alles so ausweglos anfühlte. Heiraten, nicht heiraten. Ein Ehemann, ihre Eltern. Alles nur andere Gefängnisse, aus denen sie keinen Ausweg fand, da die Welt nicht auf pakistanische Frauen ohne Berufsausbildung aus South London wartete. <br />
<br />
Auf einmal fühlte sich jede Sekunde, die Eshaal hier weiter auf dem Sofa zwischen ihren Eltern saß, unerträglich an, so als könnte sie sprichwörtlich dabei zu sehen, wie ihr das Leben durch die Finger rann. ‚Nur weg‘, war ihr einziger Gedanke. Aber ihre Mutter hatte offenbar eine Art siebten Sinn und noch bevor Eshaal aufstehen konnte, legte sie ihrer Tochter eine Hand auf den Oberschenkel und drückte sie sanft nach unten zurück aufs Sofa. Und damit war der Impuls zu fliehen vorbei. Auch wenn Eshaal die Hand unwirsch zur Seite schob und ihrer Mutter einen vorwurfsvollen Blick zu warf. Schließlich war sie erwachsen und ließ sich nicht wie ein kleines Kind behandeln. Aber daraus machte sich ihre Mutter gerade herzlich wenig. Na ja, einen kleinen Schreck hatte sie ihr wohl doch eingejagt, denn als nächstes schlug sie vor, dass jetzt vielleicht ein ganz guter Moment dafür sei, Bashir und Eshaal allein miteinander reden zu lassen, damit sie sich besser kennenlernen konnten. Denn schließlich sollten sie ja heiraten …<br />
<br />
Also stand Eshaal wortlos auf und ging voran Richtung Küche. Vermutlich hätte sie Bashir den Vortritt lassen müssen, aber der kannte sich hier halt auch null aus und stolperte womöglich noch ins Schlafzimmer ihrer Eltern. Und so wie es aussah, folgte er ihr auch problemlos. Waren ja auch nur wenige Meter, bis sie die Küchentür hinter ihnen schließen konnte. Einen Moment blieb sie danach noch unschlüssig neben Bashir stehen, weil sie selbst nicht so genau wusste, wie es jetzt weiter gehen sollte. Dabei hatte sie das hier wirklich oft genug gemacht. Aber trotzdem war der erste Augenblick allein mit einem völlig Fremden, der immerhin der potenzielle Ehemann sein sollte, immer etwas seltsam. Natürlich hätte sie jetzt einfach mit Small Talk anfangen können, Hobbies, Vorstellungen wie der Ehepartner sein sollte, Kinderwunsch, was man halt eben beim ersten Treffen so casual abklärte, wenn man sich direkt im Anschluss daran eventuell verloben wollte. Aber sie hatte das Gefühl, dass es besser wäre, den großen fetten Elefanten anzusprechen, der vorhin schon die ganze Zeit zusammen mit ihnen im Wohnzimmer gewesen war. Die Frage, warum er überhaupt hier war. Niemand wollte seinen Sohn mit einer älteren Frau verheiraten, vor allem nicht, wenn deren Familie so arm war wie ihre und es noch nicht einmal eine Mitgift zu holen gab. „Okay, was stimmt nicht mit dir?“, fragte sie darum nun ziemlich direkt und unvermittelt. Nachdem sie ihn lange genug schweigend angeschaut hatte. „Deine Eltern preisen dich an, als versuchten sie zu alte Laddus auf dem Markt verkaufen. Dabei bist du erst fünfundzwanzig.“ Damit war dann wohl auch die Aussage ihrer Mutter widerlegt, dass sie höflich und wohlerzogen war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Wo ihre Eltern nach all den Jahren noch potenzielle Ehemänner für sie auftrieben, ohne sie direkt aus Pakistan einfliegen zu lassen, konnte sich Eshaal beim besten Willen nicht erklären. Das hier war also Bashir. Und den biografischen Daten nach überraschender Weise ebenfalls aus South London. 25 Jahre alt und Beauftragter für Risikomanagement. Was auch immer das sein sollte. Vermutlich war die Jobbezeichnung genauso irreführend wie sein Vorname. Bashir, der Überbringer guter Nachrichten. Natürlich hatte ihre Mutter darin ein gutes Omen gesehen, aber für Eshaal sah der eher nach ‚Bad News‘ aus. Wie er da als einziger im Raum komplett schwarz gekleidet zwischen seinen Eltern auf dem Sofa saß, hatte er die Ausstrahlung von nem schwarzen Loch, dass das ganze Licht des Universums in sich aufsog und vielleicht musste sie ihn deswegen so unverwandt anschauen. <br />
<br />
Sicher hielt er sie deswegen längst für irre, aber das war ihr egal. Sie brauchte hier nicht die devote kleine Muslima spielen, mit keusch gesenktem Blick, auch wenn ihre Mutter sich das sicher wünschte. Entweder er kam damit klar oder sie würde ihn auf diesem Wege noch leichter loswerden als all die anderen potenziellen Ehemänner, die schon vor ihm auf diesem Platz gesessen hatten. (Übrigens eine beeindruckende Parade an ullu ka patha) Und in ein paar Jahren würde es eh vorbei sein, weil sie zu alt war. Auch wenn sie genau darüber gerade nicht nachdenken wollte. Denn sofort hatte sie wieder dieses Engegefühl in der Brust, weil sich egal was sie tat, alles so ausweglos anfühlte. Heiraten, nicht heiraten. Ein Ehemann, ihre Eltern. Alles nur andere Gefängnisse, aus denen sie keinen Ausweg fand, da die Welt nicht auf pakistanische Frauen ohne Berufsausbildung aus South London wartete. <br />
<br />
Auf einmal fühlte sich jede Sekunde, die Eshaal hier weiter auf dem Sofa zwischen ihren Eltern saß, unerträglich an, so als könnte sie sprichwörtlich dabei zu sehen, wie ihr das Leben durch die Finger rann. ‚Nur weg‘, war ihr einziger Gedanke. Aber ihre Mutter hatte offenbar eine Art siebten Sinn und noch bevor Eshaal aufstehen konnte, legte sie ihrer Tochter eine Hand auf den Oberschenkel und drückte sie sanft nach unten zurück aufs Sofa. Und damit war der Impuls zu fliehen vorbei. Auch wenn Eshaal die Hand unwirsch zur Seite schob und ihrer Mutter einen vorwurfsvollen Blick zu warf. Schließlich war sie erwachsen und ließ sich nicht wie ein kleines Kind behandeln. Aber daraus machte sich ihre Mutter gerade herzlich wenig. Na ja, einen kleinen Schreck hatte sie ihr wohl doch eingejagt, denn als nächstes schlug sie vor, dass jetzt vielleicht ein ganz guter Moment dafür sei, Bashir und Eshaal allein miteinander reden zu lassen, damit sie sich besser kennenlernen konnten. Denn schließlich sollten sie ja heiraten …<br />
<br />
Also stand Eshaal wortlos auf und ging voran Richtung Küche. Vermutlich hätte sie Bashir den Vortritt lassen müssen, aber der kannte sich hier halt auch null aus und stolperte womöglich noch ins Schlafzimmer ihrer Eltern. Und so wie es aussah, folgte er ihr auch problemlos. Waren ja auch nur wenige Meter, bis sie die Küchentür hinter ihnen schließen konnte. Einen Moment blieb sie danach noch unschlüssig neben Bashir stehen, weil sie selbst nicht so genau wusste, wie es jetzt weiter gehen sollte. Dabei hatte sie das hier wirklich oft genug gemacht. Aber trotzdem war der erste Augenblick allein mit einem völlig Fremden, der immerhin der potenzielle Ehemann sein sollte, immer etwas seltsam. Natürlich hätte sie jetzt einfach mit Small Talk anfangen können, Hobbies, Vorstellungen wie der Ehepartner sein sollte, Kinderwunsch, was man halt eben beim ersten Treffen so casual abklärte, wenn man sich direkt im Anschluss daran eventuell verloben wollte. Aber sie hatte das Gefühl, dass es besser wäre, den großen fetten Elefanten anzusprechen, der vorhin schon die ganze Zeit zusammen mit ihnen im Wohnzimmer gewesen war. Die Frage, warum er überhaupt hier war. Niemand wollte seinen Sohn mit einer älteren Frau verheiraten, vor allem nicht, wenn deren Familie so arm war wie ihre und es noch nicht einmal eine Mitgift zu holen gab. „Okay, was stimmt nicht mit dir?“, fragte sie darum nun ziemlich direkt und unvermittelt. Nachdem sie ihn lange genug schweigend angeschaut hatte. „Deine Eltern preisen dich an, als versuchten sie zu alte Laddus auf dem Markt verkaufen. Dabei bist du erst fünfundzwanzig.“ Damit war dann wohl auch die Aussage ihrer Mutter widerlegt, dass sie höflich und wohlerzogen war.]]></content:encoded>
		</item>
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			<title><![CDATA[What a weekend, huh?! Zahi, it's wednesday.]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2530</link>
			<pubDate>Tue, 11 Feb 2025 21:59:33 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=463">Zahi Bowles</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[Sollte mal jemand sagen, dass nach der langen Pause wieder richtig Silvester feiern gehen nicht die beste Idee des Jahres (welches??) gewesen war. Zumindest hatte Zahi die beste Nacht seit drei Jahren mindestens, und da ließ er sich nichts sagen, von wegen das wär’s nicht wert gewesen. In weiser Voraussicht hatte er sich im Laufe des Abends von einem Kreis zum nächsten bewegt (neh, hatte sich eher organisch so ergeben, man durfte da keinen Vorsatz erwarten), und konnte dann nur unbekümmert lachen über die oopsy-daisy Verwechslung des alkoholfreien Biers mit dem richtigen. Na machte doch nichts, den einen Abend. Gönnte er sich mal, komm, es war ein beschissen hartes Jahr gewesen und die Leute feierten ihn ein bisschen zu sehr dafür, dass sie ihn <i>wieder hatten</i>. Fuck. Platzen hätt er können während der 24 Stunden Hochgefühl, weil der versprenkelte Rest dann irgendwie bei ihm gelandet war, da hatten sie kein Stress wegen Ruhestörung. Geschenkt, dass jemand nicht mehr’s Klo richtig traf beim Kotzen, konnte passieren. Was auch immer, Details interessierten echt niemanden mehr. <br />
<br />
Am nächsten Tag kotzte er eh daneben, weil er sich ein bisschen wie gestorben, durchgekaut, viergeteilt und verkehrtrum wieder zusammengebaut fühlte – das Übliche also, kannte er von früher. Trotzdem summte da noch so ein Hochgefühl unter seiner Haut und er hatte von der Nacht ‘nen Haufen Weed, quasi als Entschädigung für die halbe Zerstörung seiner Bude, <i>bless</i>. Nach dem zweiten Joint ging’s auch wieder und Zahi dachte, na egal jetzt, irgendwie musste er überleben, dann gönnte er sich halt dieses Wochenende noch und dann war wieder gut. Gab ja eh sonst keine Anlässe erst mal, keine Sorge. Auf so ‘nen Kater konnte er in Zukunft getrost verzichten haha, auch wenn die Nacht davor—vielleicht ging das ja doch ab und zu, weißte, ging doch die Welt nicht unter. Außerdem kriegte er’s doch hin, redete sich Zahi auch wie so’n Mantra selbst ein, während er bisschen durch die Wohnung putzte (und nicht weit kam), und wie gut er denken konnte mit dem Gras, das hatte er ehrlicherweise massiv vermisst, und jetzt schon Abschiedsschmerz. <br />
<br />
Aber bis Sonntag war ja noch, dachte er, und kaufte sich was zu Essen draußen, dem Dönerverkäufer seines Vertrauens ein frohes Neues wünschend, und vorne an der Haltestelle noch bisschen Reserve besorgen. Wie so ein erwachsener Mensch, der für sich sorgen konnte, und gut drauf war – ihm brannten aber auch echt noch Reste in den Synapsen und Zahi war gewillt, sich das noch die anderthalb Tage aufrechtzuerhalten, eh’s wieder bergab ging mit ihm. Eigentlich hatte er paar Leute anrufen wollen, aber er fand sein scheiß Handy nicht und wahrscheinlich hingen die eh noch durch, hah, nichts gewöhnt (sagte er). Boah okay, ihm ging’s auch zwischendurch noch durch den Magen, aber halb so wild. Stattdessen setzte er seine Energie produktiv um, hier die Gitarre hatte er im Dezember echt vernachlässigt, irgendwie gar kein Bock gehabt, und grad fühlte er sich, als könnte er ein halbes Album schreiben (falls jemand fragte). <i>Delusional</i>, WER?? No way, Zahi hatte einen Plan, <i>bruv</i>, alles im Griff, sonst hätte er sich schon längst bei irgendwem gemeldet, klar.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Sollte mal jemand sagen, dass nach der langen Pause wieder richtig Silvester feiern gehen nicht die beste Idee des Jahres (welches??) gewesen war. Zumindest hatte Zahi die beste Nacht seit drei Jahren mindestens, und da ließ er sich nichts sagen, von wegen das wär’s nicht wert gewesen. In weiser Voraussicht hatte er sich im Laufe des Abends von einem Kreis zum nächsten bewegt (neh, hatte sich eher organisch so ergeben, man durfte da keinen Vorsatz erwarten), und konnte dann nur unbekümmert lachen über die oopsy-daisy Verwechslung des alkoholfreien Biers mit dem richtigen. Na machte doch nichts, den einen Abend. Gönnte er sich mal, komm, es war ein beschissen hartes Jahr gewesen und die Leute feierten ihn ein bisschen zu sehr dafür, dass sie ihn <i>wieder hatten</i>. Fuck. Platzen hätt er können während der 24 Stunden Hochgefühl, weil der versprenkelte Rest dann irgendwie bei ihm gelandet war, da hatten sie kein Stress wegen Ruhestörung. Geschenkt, dass jemand nicht mehr’s Klo richtig traf beim Kotzen, konnte passieren. Was auch immer, Details interessierten echt niemanden mehr. <br />
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Am nächsten Tag kotzte er eh daneben, weil er sich ein bisschen wie gestorben, durchgekaut, viergeteilt und verkehrtrum wieder zusammengebaut fühlte – das Übliche also, kannte er von früher. Trotzdem summte da noch so ein Hochgefühl unter seiner Haut und er hatte von der Nacht ‘nen Haufen Weed, quasi als Entschädigung für die halbe Zerstörung seiner Bude, <i>bless</i>. Nach dem zweiten Joint ging’s auch wieder und Zahi dachte, na egal jetzt, irgendwie musste er überleben, dann gönnte er sich halt dieses Wochenende noch und dann war wieder gut. Gab ja eh sonst keine Anlässe erst mal, keine Sorge. Auf so ‘nen Kater konnte er in Zukunft getrost verzichten haha, auch wenn die Nacht davor—vielleicht ging das ja doch ab und zu, weißte, ging doch die Welt nicht unter. Außerdem kriegte er’s doch hin, redete sich Zahi auch wie so’n Mantra selbst ein, während er bisschen durch die Wohnung putzte (und nicht weit kam), und wie gut er denken konnte mit dem Gras, das hatte er ehrlicherweise massiv vermisst, und jetzt schon Abschiedsschmerz. <br />
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Aber bis Sonntag war ja noch, dachte er, und kaufte sich was zu Essen draußen, dem Dönerverkäufer seines Vertrauens ein frohes Neues wünschend, und vorne an der Haltestelle noch bisschen Reserve besorgen. Wie so ein erwachsener Mensch, der für sich sorgen konnte, und gut drauf war – ihm brannten aber auch echt noch Reste in den Synapsen und Zahi war gewillt, sich das noch die anderthalb Tage aufrechtzuerhalten, eh’s wieder bergab ging mit ihm. Eigentlich hatte er paar Leute anrufen wollen, aber er fand sein scheiß Handy nicht und wahrscheinlich hingen die eh noch durch, hah, nichts gewöhnt (sagte er). Boah okay, ihm ging’s auch zwischendurch noch durch den Magen, aber halb so wild. Stattdessen setzte er seine Energie produktiv um, hier die Gitarre hatte er im Dezember echt vernachlässigt, irgendwie gar kein Bock gehabt, und grad fühlte er sich, als könnte er ein halbes Album schreiben (falls jemand fragte). <i>Delusional</i>, WER?? No way, Zahi hatte einen Plan, <i>bruv</i>, alles im Griff, sonst hätte er sich schon längst bei irgendwem gemeldet, klar.]]></content:encoded>
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			<title><![CDATA[Shoot another shot, try to stop the feeling]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2494</link>
			<pubDate>Sun, 15 Sep 2024 15:44:54 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=464">Rohan Pandey</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[Rohan schlug den Kragen seines Mantels hoch. Fucking Januar, dachte er, als er die Tür des wenig benutzen Hintereingangs des Polizeireviers mit Schwung hinter sich zu fallen ließ. Der grieselige Schneeregen war wirklich das Tüpfelchen auf dem i seines bisherigen Tages. Entnervt zog er die Schachtel Zigaretten aus seiner Manteltasche, öffnete sie und stopfte sich eine davon zwischen die Lippen und natürlich blies der Wind sein Feuerzeug direkt beim ersten Versuch, sie anzuzünden aus. Kurz musste er den Impuls unterdrücken, es einfach auf den Boden zu pfeffern, fluchte stattdessen aber nur stumm in sich hinein und zog sich etwas weiter nach hinten unter das Vordach über dem Treppenabsatz zurück. Die richtige Entscheidung. Der Nikotinkick des ersten Zugs entspannte ihn etwas, während er sich an die Wand seitlich vom Eingang lehnte. Genauso wie es vorhin geholfen hatte, sich bei seinem Arbeitskollegen auszukotzen. Trotzdem bekam er nicht aus dem Kopf, dass das Verfahren gegen die beiden Polizeibeamten in seinem letzten Fall eingestellt worden war, da es eine „Aussage-gegen-Aussage“-Konstellation war und es keinen ersichtlichen Grund gab, weshalb der Aussage des Opfers mehr Glauben geschenkt werden könne, als den beiden Polizeibeamten. Wenn er allein schon über diese Formulierung nachdachte. Dabei hatten die beiden Kollegen im Detail durchaus widersprüchliche Aussagen gemacht … Ach Fuck, er kannte die Gründe und die Philosophie hinter dieser Entscheidung nur zur gut. <br />
<br />
Frustriert trat er seine Zigarette auf dem Boden aus, nur um sich direkt danach eine weitere anzuzünden. Hielt aber kurz inne, als Ennis auf einmal durch die Tür trat. Und sein Herz plötzlich nicht mehr nur vor Wut schneller zu schlagen schien. Seit ihrer zufälligen Begegnung in einem Klub vor über einer Woche hatte Rohan gehofft, Ennis auf der Arbeit über den Weg zu laufen. Auch wenn die Chance dafür nicht sonderlich groß war (schließlich arbeiteten sie in unterschiedlichen Abteilungen) hatte er je mehr Zeit verstrichen war, angefangen sich Sorgen um Ennis zu machen. Umso erleichterter war er jetzt, dass es Ennis halbwegs gut zu gehen schien. Auch wenn Rohan sich fragte, ob er gerade in der richtigen Stimmung war, um über das zu reden, was an diesem Abend passiert war. „Brauchst du auch eine kurze Auszeit?“, fragte er bemüht neutral und zwang sich zu einem Lächeln, während er Ennis die geöffnete Schachtel Zigaretten entgegenhielt. Falls der auch eine rauchen wollte…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Rohan schlug den Kragen seines Mantels hoch. Fucking Januar, dachte er, als er die Tür des wenig benutzen Hintereingangs des Polizeireviers mit Schwung hinter sich zu fallen ließ. Der grieselige Schneeregen war wirklich das Tüpfelchen auf dem i seines bisherigen Tages. Entnervt zog er die Schachtel Zigaretten aus seiner Manteltasche, öffnete sie und stopfte sich eine davon zwischen die Lippen und natürlich blies der Wind sein Feuerzeug direkt beim ersten Versuch, sie anzuzünden aus. Kurz musste er den Impuls unterdrücken, es einfach auf den Boden zu pfeffern, fluchte stattdessen aber nur stumm in sich hinein und zog sich etwas weiter nach hinten unter das Vordach über dem Treppenabsatz zurück. Die richtige Entscheidung. Der Nikotinkick des ersten Zugs entspannte ihn etwas, während er sich an die Wand seitlich vom Eingang lehnte. Genauso wie es vorhin geholfen hatte, sich bei seinem Arbeitskollegen auszukotzen. Trotzdem bekam er nicht aus dem Kopf, dass das Verfahren gegen die beiden Polizeibeamten in seinem letzten Fall eingestellt worden war, da es eine „Aussage-gegen-Aussage“-Konstellation war und es keinen ersichtlichen Grund gab, weshalb der Aussage des Opfers mehr Glauben geschenkt werden könne, als den beiden Polizeibeamten. Wenn er allein schon über diese Formulierung nachdachte. Dabei hatten die beiden Kollegen im Detail durchaus widersprüchliche Aussagen gemacht … Ach Fuck, er kannte die Gründe und die Philosophie hinter dieser Entscheidung nur zur gut. <br />
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Frustriert trat er seine Zigarette auf dem Boden aus, nur um sich direkt danach eine weitere anzuzünden. Hielt aber kurz inne, als Ennis auf einmal durch die Tür trat. Und sein Herz plötzlich nicht mehr nur vor Wut schneller zu schlagen schien. Seit ihrer zufälligen Begegnung in einem Klub vor über einer Woche hatte Rohan gehofft, Ennis auf der Arbeit über den Weg zu laufen. Auch wenn die Chance dafür nicht sonderlich groß war (schließlich arbeiteten sie in unterschiedlichen Abteilungen) hatte er je mehr Zeit verstrichen war, angefangen sich Sorgen um Ennis zu machen. Umso erleichterter war er jetzt, dass es Ennis halbwegs gut zu gehen schien. Auch wenn Rohan sich fragte, ob er gerade in der richtigen Stimmung war, um über das zu reden, was an diesem Abend passiert war. „Brauchst du auch eine kurze Auszeit?“, fragte er bemüht neutral und zwang sich zu einem Lächeln, während er Ennis die geöffnete Schachtel Zigaretten entgegenhielt. Falls der auch eine rauchen wollte…]]></content:encoded>
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