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		<title><![CDATA[Lost the plot - P-Q-R]]></title>
		<link>https://www.losttheplot.de/</link>
		<description><![CDATA[Lost the plot - https://www.losttheplot.de]]></description>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 18:47:45 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Ruby Kawamura]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2615</link>
			<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 16:03:39 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=553">Ruby Kawamura</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2615</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Ruby Kawamura</div>
<div class="p3"> takes her ass to Margaritaville<br />
</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">as an empath my heart really aches when you guys are losers.</div>
    </div>
    <img src="https://i.imgur.com/Hf1wVhi.png"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>LEX</div>
      <div>Alter // 37 Jahre</div>
      <div>
        Job // Musikerin</div>
      <div>
        Pizza // Tonno</div>
      <div>
        Ava // Naomi Watanabe</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://i.imgur.com/QPh6koC.gif"><br />
      </div>
Manchmal denkst du ja, das Leben wäre einfacher, wenn du dich nur in <i>Sad Beige</i> hüllen würdest, aber wo kämen wir denn da hin? Nee, deine leuchtende Kleidung gestaltest du selbst, und ohne deine Sammlung von Perücken würdest du genauso eingehen wie Moira Rose von Schitt’s Creek (deine Go To Serie, wenn’s dir mies geht). Irgendwie hast du alles schon durch was Eltern glücklich(er) macht: Semigute Ehe (mit folgender Scheidungsparty inkl. Stripper und zu viel Sekt) und relativ erfolgreiches Musikstudium mit Anstellung als fünfte Geige im Orchester XY. Wird Zeit, dass du in deine <i>Fuck This Shit</i> Era eintrittst: Also bist du Bassistin in einer aufstrebenden Band, private Musiklehrerin und Mitbewohnerin (d)einer Omi, mit der du dich durch sämtliche True Crime Netflix-Serien guckst, und der du sonst im Haushalt hilfst. Angeblich ist das Leben für Frauen ja mit 35 vorbei, aber du findest auch nur, dass der Sex in den letzten drei Jahren besser geworden ist. Das hilft dann auch über die Arschloch-Sprüche hinweg, Thema Rassismus und Fettphobia, aber dafür kennst du jetzt paar Typen mit ordentlichen Oberarmmuskeln, die für dich in den Krieg ziehen würden. Alles richtig gemacht. </div>
<br />
    <div class="p8">Should I tear them asunder?</div>
<br />
Kein IT-Girl, sondern 'ne Wench könnte man sagen, denn in Birmingham bist du als Tochter einer Japanerin und eines Taiwanesen aufgewachsen. Dein Vater hat immer wahnsinnig viel gearbeitet und hat sich in der Sache Erziehung immer etwas zurückgehalten, wobei du seine schweigende Blicke manchmal schlimmer fandest als die Sprüche deiner Mutter. Den Dialekt hast du nur teilweise drauf gekriegt, weil deine Mum das schon zu verhindern wusste, hier wie die Asis um die Ecke zu klingen (andererseits war das sowas wie Geheimsprache mit deinen Freundinnen). Deine Mum hat dir Disziplin eingetrichtert und sich immerhin persönlich nach dem Schulunterricht und dem privaten Geigenunterricht noch bis zu drei Stunden neben dich gestellt, um mit dir Violine zu üben. Richtiger Bonding-Moment, könnte man behaupten, wenn's nicht so anstrengend gewesen wäre. Schade, dass die muskalische Disziplin nicht auch auf deinen Körper übergesprungen ist, denn seit du dich erinnern kannst, bist du fett gewesen, dabei hat deine Mum auch deine Essensaufnahme reguliert (was dich nicht davon abgehalten hat, in den Mittagspausen noch mehr in dich reinzustopfen, weil du irgendwie immer Hunger hattest). Weird, dann mal Fotos von dir als Grundschulkind zu sehen, und festzustellen, dass du zwar nicht mager, aber halt normalgewichtig für ein Kind gewesen bist. Wo kommt's her, der Gedanke? <br />
<br />
Liegt bestimmt nicht daran, dass dir deine Mum noch heute sagt, dass du dir ruhig ein bisschen mehr Mühe geben könntest, dir Pakete schickt mit sogenannten 'Heilmitteln', oder Links zu Dokus über "Frauen, die es geschafft haben". Selbst für ne ordentliche Essstörung zu schwach, hast du früher ab und zu gedacht, und ignoriest dabei, dass du dir hart abtrainiert hast, nicht nach jedem Telefonat mit deiner Mum in einen Binge-Eating Rausch zu verfallen (manchmal hast du einen Rückfall). Für absolut jede Person (nicht) überraschend, dass du dich so selten bei deinen Eltern meldest, dabei vermisst du die schon ab und an, und hast die echt lieb. Sie meinen's ja nur gut, und haben einfach einen gewissen Anspruch. <br />
<br />
Auch wenn die meisten Bereiche deines Selbstbewusstseins mangelhaft waren, so hat sie dir wenigstens das Vertrauen in deine musikalischen Fähigkeiten eingetrichert, und weil dir Violine irgendwann nicht mehr gereicht hat, und du auch ein bisschen cool sein wolltest, hast du zur Entspannung mit dem Bassspielen angefangen. Bei dem ganzen extra Unterricht und unter den Argusaugen deiner Mum hast du eh die erste Druckbetankung, die ersten Pillen und die ersten Boyfriends deiner Freundinnen verpasst, aber du warst auch so fies schüchtern (und verklemmt) und hast dich selten wohlgefühlt in deiner Haut, wenn du mal rausgekommen bist. Weil du dich nicht in hauchdünne Plastikkleider zwängen konntest (oder wolltest), hattest du immer das Gefühl, besonders klug, besonders witzig, und besonders interessant sein zu müssen, um von deinem Doppelkinn und allem darunter ablenken zu müssen - und leider warst du das (noch) nicht. <br />
<br />
Kurzer Nervenzusammenbruch. <br />
<br />
Das kommt erst später; nämlich als du den Alkohol für dich entdeckst. Was ist das für ein Wundermittel, das deine Schüchternheit wie wegbläst? Alkohol verdankst du viel, und du stellst fest, dass es den meisten anderen Leuten genauso geht. Es müssen noch ein paar Jahre und Typen vergehen, ehe du Sex ohne Pegel haben kannst, und noch ein paar mehr, ohne dabei innerlich zu sterben. Überhaupt, bei allem, wo du dich verletzlich machen musst und man dich <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">richtig</span> sehen könnte, hast du ein bisschen Kotze im Mund vor Stress. Als du einen Platz am <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Trinity College of Music</span> für dein Violinenspiel erhälst, nachdem du vor deinem Vorspielen erstmal das Essen der letzten drei Tage ausgekotzt hast, denkst du, dass du in London zum ersten Mal richtig durchatmen kannst. Selbst deine Mum ist stolz. Leider fallen dir auch die Haare aus vor Stress, und kein Wunder, dass alle klassischen Musiker*innen so verhärmt und unglücklich aussehen: Neben der Musik haben die ja echt nichts im Leben. <br />
<br />
Dass du da mit deiner lauten Lache und deinem Körpergewicht aneckst, überrascht dich dann doch, auch wenn's das nicht sollte. Wir sind hier schließlich nicht in der Oper! Natürlich versuchst du es mit dreißigtausend Diäten, nur um danach doch immer dicker zu werden, mit den geheimen Tricks deiner Mutter und mit schwarzer Kleidung, weil die ja angeblich streckt und schlank macht, aber die Geige sieht in deinen Händen halt anders aus als bei der kindlich-zarten Chinesin da vorne. Du übst wie besessen, aber ein Dozent sagt dir auch genauso freundlich mal ins Gesicht, dass du in der Klassik nur was erreichen kannst, wenn du zwanzig Kilo weniger wiegst, weil was macht das für einen Eindruck? Wärst du mal besser in den Gesang abgebogen. <br />
<br />
Kurzer Nervenzusammenbruch. <br />
<br />
Danach hast du deinen ersten Boyfriend und Schmetterlinge im Bauch - heute sagst du scherzhaft, dass man dir in diesem Zustand die Entscheidungsfähigkeit hätte absprechen müssen. Benjamin spielt ebenfalls Violine (später eine Stradivari, auf die du nicht nur heimlich neidisch bist, und wenn sie Teil des Scheidungsprozesses gewesen wäre und keine Leihgabe, hättest du Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um sie ihm abzuluchsen), erlaubt keine Götter neben ihm, und sieht auch noch gut aus. Seine Aufmerksamkeit gibt dir genauso viel wie seine Begabung: Als würde dich das selbst schöner und besser machen, und dir endlich eine Existenzberechtigung geben. Alle reißen sich um ihn: Du <i>hast</i> ihn. Dass er manchmal ausflippt: Okay. Er ist halt ein sensibler Künstler. Dass er dich ständig kleinmacht und kritisiert: Er will dich nur größer machen als du jetzt bist (aber nicht zu groß). <br />
<br />
Eure Hochzeit ist ungelogen der schönste Tag in deinem Leben: Niemals wirst du davor und danach von so viel Liebe umgeben sein wie an diesem Tag - denkst du zumindest jahrelang, und beziehst das gar nicht mal nur auf Benjamin und deine glücklichen Eltern, sondern vor allem auf deine Freundinnen, die mit dir feiern. <br />
<br />
Manchmal erkennst du dich selbst nicht mehr. <br />
<br />
Als Benjamin das erste Mal ein Messer zückt, dich damit in eurer Küche bedroht und dir dann mit der Hand an den Hals geht, ziehst du zu deinem besten Freund Joon nach Manchester, und reichst nicht die Scheidung ein, weil es dir in dem Moment wie der bessere Plan vorkommt, erst einmal zu verschwinden. Den Job im Orchester hast du vorher gekündigt, so eine Flucht geht nicht von jetzt auf gleich und muss gut geplant sein. Du hast keine Lust mehr auf London, behauptest du, aber eigentlich fühlst du dich da nicht mehr sicher, und denkst dir: Naja, in den Zug steigen wird er nicht. Der sensible Künstler ist busy. <br />
<br />
Kurzer Nervenzusammenbruch. <br />
<br />
Manchester. Die beste Idee deines Lebens. Du fühlst dich instant wohl hier an diesem Ort, lebst kurz mit Joon zusammen, und suchst dir dann was eigenes. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">No Hard Feelings</span>, weil du bei Elsa landest. Als Privatlehrerin für Violine und Bass, kommst du zumindest so gut über die Runden, dass du am Ende des Monats noch genug Geld übrig hast, um das für Perücken und Lippenstift wieder rauszuballern, und schwarze Klamotten willst du nie wieder tragen. <br />
<br />
Weil du in dem Jugendclub in Oldham ab und zu Unterricht gibst (und für den Unterhaltungswert deinen Brummi-Slang aus der Mottenkiste holst), lernst du da auch Zahi kennen, der ebenfalls ein verkappter Musiker ist und dich kurzerhand für seine Band von der Straße wegklaut. Klar, um Bassist*innen reißen sich alle, und du lernst auch noch was Neues (sich nicht von den Homos in den Wahnsinn treiben zu lassen, beispielsweise) und übst ein bisschen deine Singstimme. Für dich ist es mehr Hobby als Überleben wie bei Zahi und Morts, aber du hast den Spaß deines Lebens, im Probenraum, zuhause bei Elsa und ab und an bei Tinder. <br />
<br />
    <div class="p8">Should I steal their thunder?</div>
<br />
<img src="https://i.imgur.com/sRSFNm3.jpeg" width="200px" height="200px" align="right" vspace="10" hspace="20"> <div class="praegnant">Elsa Nicholson » 74 Jahre alt » Rentnerin [Miriam Margolyes]</div>
<br />
Eigentlich kennt ihr euch erst seit sechs Jahren, aber es kommt euch beiden (im besten Sinne) vor wie ne Ewigkeit. So richtig Wahlfamilie, ne? Hat die dich einfach angerufen, und wollte mit Ende 60 nochmal ein Instrument lernen – findest du ja eh gut sowas. Und als du dann relativ verzweifelt nach einer Wohnung gesucht hast, hat sie dir angeboten, dass du bei ihr einziehen kannst. Elsa ist eine alte, jüdische Lesbe, die alles schon erlebt hat, und organisiert euer beider Leben wie die Chefsekretärin, die sie früher gewesen ist. Eure gemeinsame Liebe für ‚cozy‘ Krimis (<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Barnaby, Broadchurch, Luther, Happy Valley, Poirots, sämtliche Sherlock Holmes Adaptionen, George Gently, Endeavour, Death in Paradise, Lewis, Inspector Morse</span>) und True Crime Serien auf Netflix, lässt euch glauben, dass ihr ausgezeichnete Privatermittlerinnen wäret, und es liegt nicht nur an dem tausendundelften Rewatch, dass ihr die Mörder*innen bereits in der ersten Viertelstunde kennt. Neben dem imaginären Leben als Privatermittlerinnen, seht ihr euch eigentlich auch als die nächsten Viviane Westwoods, schließlich macht ihr in Teamarbeit die Mode, die du so auf der Bühne (und daneben) trägst. Gemeinsame Hobbies schweißen zusammen, und mittlerweile kannst du dir das Leben ohne deine Omi auch gar nicht mehr vorstellen. Dass die Gute manchmal ein bisschen tatterig ist, ignorierst du deswegen gekonnt. Sie würde dich auch ausschimpfen, solltest du das jemals erwähnen. <br />
<br />
    <div class="p8">Bringing the colour of love back into the day</div>
<br />
sensibel » laut » clever » strukturiert » humorvoll » anspruchsvoll » neugierig » aufgeschlossen » begeisterungsfähig » dünnhäutig » energiegeladen » fleißig » diszipliniert » kratzbürstig » eifersüchtig <br />
<br />
    <div class="p8">I would do that for you</div>
<br />
Wusstest du schon, dass Ruby » keinen Führerschein hat, und jetzt denkt, es wäre eh zu spät dafür » nachts im Bett fast immer kalte Füße hat, und deswegen ohne ihre Wärmflasche nicht leben kann » sonst aber wenig friert - Yay, Körperfett » sich nie für kreativ genug hält, eigene Songtexte zu schreiben » findet, dass das gemeinsame Nehmen von MDMA auch ein Therapieersatz sein kann » aber auch noch nie in Therapie war, also <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">who knows</span> » mit Minderwertigkeitskomplexen struggelt, aber <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">psst</span>, sie arbeitet dran » relativ regelmäßig meditiert » trotz regelmäßigem Zyklus und entsprechender App jedes Mal für drei Sekunden denkt, sie stirbt, wenn ihre Tage anfangen » in der klassischen Musik wahrscheinlich viel mehr hätte erreichen können, wenn es ihr wichtig gewesen wäre, und na-ja, sie nicht ein Arschloch geheiratet hätte » um sich selbst zu schützen, keine Social Media Kommentare liest » Fernsehschauen ohne Snacks sinnlos findet » eigentlich sehr viel Scham empfindet, die sie aktiv runterschlucken muss » manchmal noch den Gedanken hat, die interessanteste Frau im Raum sein zu müssen, damit man 'über den Rest' hinwegsieht » vielleicht auch deswegen ganz gerne auf der Bühne steht » da aber vor allem Spaß hat und abschalten kann » zwei Wölfe in ihrer Brust hat: sich in Schale schmeißen und random Dates zu haben (für's Selbstwertgefühl) & in Pyjama auf der Couch chillen und nee, echt keinen Bock grad » ist bisexuell, aber hat mit Frauen nur geknutscht, weil die sie zu sehr einschüchtern » denkt ab und zu nachts schweißgebadet daran, dass sie noch verheiratet ist, aber kriegt es auch nicht hin, sich drum zu kümmern<br />
  </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Ruby Kawamura</div>
<div class="p3"> takes her ass to Margaritaville<br />
</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">as an empath my heart really aches when you guys are losers.</div>
    </div>
    <img src="https://i.imgur.com/Hf1wVhi.png"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>LEX</div>
      <div>Alter // 37 Jahre</div>
      <div>
        Job // Musikerin</div>
      <div>
        Pizza // Tonno</div>
      <div>
        Ava // Naomi Watanabe</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://i.imgur.com/QPh6koC.gif"><br />
      </div>
Manchmal denkst du ja, das Leben wäre einfacher, wenn du dich nur in <i>Sad Beige</i> hüllen würdest, aber wo kämen wir denn da hin? Nee, deine leuchtende Kleidung gestaltest du selbst, und ohne deine Sammlung von Perücken würdest du genauso eingehen wie Moira Rose von Schitt’s Creek (deine Go To Serie, wenn’s dir mies geht). Irgendwie hast du alles schon durch was Eltern glücklich(er) macht: Semigute Ehe (mit folgender Scheidungsparty inkl. Stripper und zu viel Sekt) und relativ erfolgreiches Musikstudium mit Anstellung als fünfte Geige im Orchester XY. Wird Zeit, dass du in deine <i>Fuck This Shit</i> Era eintrittst: Also bist du Bassistin in einer aufstrebenden Band, private Musiklehrerin und Mitbewohnerin (d)einer Omi, mit der du dich durch sämtliche True Crime Netflix-Serien guckst, und der du sonst im Haushalt hilfst. Angeblich ist das Leben für Frauen ja mit 35 vorbei, aber du findest auch nur, dass der Sex in den letzten drei Jahren besser geworden ist. Das hilft dann auch über die Arschloch-Sprüche hinweg, Thema Rassismus und Fettphobia, aber dafür kennst du jetzt paar Typen mit ordentlichen Oberarmmuskeln, die für dich in den Krieg ziehen würden. Alles richtig gemacht. </div>
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    <div class="p8">Should I tear them asunder?</div>
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Kein IT-Girl, sondern 'ne Wench könnte man sagen, denn in Birmingham bist du als Tochter einer Japanerin und eines Taiwanesen aufgewachsen. Dein Vater hat immer wahnsinnig viel gearbeitet und hat sich in der Sache Erziehung immer etwas zurückgehalten, wobei du seine schweigende Blicke manchmal schlimmer fandest als die Sprüche deiner Mutter. Den Dialekt hast du nur teilweise drauf gekriegt, weil deine Mum das schon zu verhindern wusste, hier wie die Asis um die Ecke zu klingen (andererseits war das sowas wie Geheimsprache mit deinen Freundinnen). Deine Mum hat dir Disziplin eingetrichtert und sich immerhin persönlich nach dem Schulunterricht und dem privaten Geigenunterricht noch bis zu drei Stunden neben dich gestellt, um mit dir Violine zu üben. Richtiger Bonding-Moment, könnte man behaupten, wenn's nicht so anstrengend gewesen wäre. Schade, dass die muskalische Disziplin nicht auch auf deinen Körper übergesprungen ist, denn seit du dich erinnern kannst, bist du fett gewesen, dabei hat deine Mum auch deine Essensaufnahme reguliert (was dich nicht davon abgehalten hat, in den Mittagspausen noch mehr in dich reinzustopfen, weil du irgendwie immer Hunger hattest). Weird, dann mal Fotos von dir als Grundschulkind zu sehen, und festzustellen, dass du zwar nicht mager, aber halt normalgewichtig für ein Kind gewesen bist. Wo kommt's her, der Gedanke? <br />
<br />
Liegt bestimmt nicht daran, dass dir deine Mum noch heute sagt, dass du dir ruhig ein bisschen mehr Mühe geben könntest, dir Pakete schickt mit sogenannten 'Heilmitteln', oder Links zu Dokus über "Frauen, die es geschafft haben". Selbst für ne ordentliche Essstörung zu schwach, hast du früher ab und zu gedacht, und ignoriest dabei, dass du dir hart abtrainiert hast, nicht nach jedem Telefonat mit deiner Mum in einen Binge-Eating Rausch zu verfallen (manchmal hast du einen Rückfall). Für absolut jede Person (nicht) überraschend, dass du dich so selten bei deinen Eltern meldest, dabei vermisst du die schon ab und an, und hast die echt lieb. Sie meinen's ja nur gut, und haben einfach einen gewissen Anspruch. <br />
<br />
Auch wenn die meisten Bereiche deines Selbstbewusstseins mangelhaft waren, so hat sie dir wenigstens das Vertrauen in deine musikalischen Fähigkeiten eingetrichert, und weil dir Violine irgendwann nicht mehr gereicht hat, und du auch ein bisschen cool sein wolltest, hast du zur Entspannung mit dem Bassspielen angefangen. Bei dem ganzen extra Unterricht und unter den Argusaugen deiner Mum hast du eh die erste Druckbetankung, die ersten Pillen und die ersten Boyfriends deiner Freundinnen verpasst, aber du warst auch so fies schüchtern (und verklemmt) und hast dich selten wohlgefühlt in deiner Haut, wenn du mal rausgekommen bist. Weil du dich nicht in hauchdünne Plastikkleider zwängen konntest (oder wolltest), hattest du immer das Gefühl, besonders klug, besonders witzig, und besonders interessant sein zu müssen, um von deinem Doppelkinn und allem darunter ablenken zu müssen - und leider warst du das (noch) nicht. <br />
<br />
Kurzer Nervenzusammenbruch. <br />
<br />
Das kommt erst später; nämlich als du den Alkohol für dich entdeckst. Was ist das für ein Wundermittel, das deine Schüchternheit wie wegbläst? Alkohol verdankst du viel, und du stellst fest, dass es den meisten anderen Leuten genauso geht. Es müssen noch ein paar Jahre und Typen vergehen, ehe du Sex ohne Pegel haben kannst, und noch ein paar mehr, ohne dabei innerlich zu sterben. Überhaupt, bei allem, wo du dich verletzlich machen musst und man dich <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">richtig</span> sehen könnte, hast du ein bisschen Kotze im Mund vor Stress. Als du einen Platz am <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Trinity College of Music</span> für dein Violinenspiel erhälst, nachdem du vor deinem Vorspielen erstmal das Essen der letzten drei Tage ausgekotzt hast, denkst du, dass du in London zum ersten Mal richtig durchatmen kannst. Selbst deine Mum ist stolz. Leider fallen dir auch die Haare aus vor Stress, und kein Wunder, dass alle klassischen Musiker*innen so verhärmt und unglücklich aussehen: Neben der Musik haben die ja echt nichts im Leben. <br />
<br />
Dass du da mit deiner lauten Lache und deinem Körpergewicht aneckst, überrascht dich dann doch, auch wenn's das nicht sollte. Wir sind hier schließlich nicht in der Oper! Natürlich versuchst du es mit dreißigtausend Diäten, nur um danach doch immer dicker zu werden, mit den geheimen Tricks deiner Mutter und mit schwarzer Kleidung, weil die ja angeblich streckt und schlank macht, aber die Geige sieht in deinen Händen halt anders aus als bei der kindlich-zarten Chinesin da vorne. Du übst wie besessen, aber ein Dozent sagt dir auch genauso freundlich mal ins Gesicht, dass du in der Klassik nur was erreichen kannst, wenn du zwanzig Kilo weniger wiegst, weil was macht das für einen Eindruck? Wärst du mal besser in den Gesang abgebogen. <br />
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Kurzer Nervenzusammenbruch. <br />
<br />
Danach hast du deinen ersten Boyfriend und Schmetterlinge im Bauch - heute sagst du scherzhaft, dass man dir in diesem Zustand die Entscheidungsfähigkeit hätte absprechen müssen. Benjamin spielt ebenfalls Violine (später eine Stradivari, auf die du nicht nur heimlich neidisch bist, und wenn sie Teil des Scheidungsprozesses gewesen wäre und keine Leihgabe, hättest du Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um sie ihm abzuluchsen), erlaubt keine Götter neben ihm, und sieht auch noch gut aus. Seine Aufmerksamkeit gibt dir genauso viel wie seine Begabung: Als würde dich das selbst schöner und besser machen, und dir endlich eine Existenzberechtigung geben. Alle reißen sich um ihn: Du <i>hast</i> ihn. Dass er manchmal ausflippt: Okay. Er ist halt ein sensibler Künstler. Dass er dich ständig kleinmacht und kritisiert: Er will dich nur größer machen als du jetzt bist (aber nicht zu groß). <br />
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Eure Hochzeit ist ungelogen der schönste Tag in deinem Leben: Niemals wirst du davor und danach von so viel Liebe umgeben sein wie an diesem Tag - denkst du zumindest jahrelang, und beziehst das gar nicht mal nur auf Benjamin und deine glücklichen Eltern, sondern vor allem auf deine Freundinnen, die mit dir feiern. <br />
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Manchmal erkennst du dich selbst nicht mehr. <br />
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Als Benjamin das erste Mal ein Messer zückt, dich damit in eurer Küche bedroht und dir dann mit der Hand an den Hals geht, ziehst du zu deinem besten Freund Joon nach Manchester, und reichst nicht die Scheidung ein, weil es dir in dem Moment wie der bessere Plan vorkommt, erst einmal zu verschwinden. Den Job im Orchester hast du vorher gekündigt, so eine Flucht geht nicht von jetzt auf gleich und muss gut geplant sein. Du hast keine Lust mehr auf London, behauptest du, aber eigentlich fühlst du dich da nicht mehr sicher, und denkst dir: Naja, in den Zug steigen wird er nicht. Der sensible Künstler ist busy. <br />
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Kurzer Nervenzusammenbruch. <br />
<br />
Manchester. Die beste Idee deines Lebens. Du fühlst dich instant wohl hier an diesem Ort, lebst kurz mit Joon zusammen, und suchst dir dann was eigenes. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">No Hard Feelings</span>, weil du bei Elsa landest. Als Privatlehrerin für Violine und Bass, kommst du zumindest so gut über die Runden, dass du am Ende des Monats noch genug Geld übrig hast, um das für Perücken und Lippenstift wieder rauszuballern, und schwarze Klamotten willst du nie wieder tragen. <br />
<br />
Weil du in dem Jugendclub in Oldham ab und zu Unterricht gibst (und für den Unterhaltungswert deinen Brummi-Slang aus der Mottenkiste holst), lernst du da auch Zahi kennen, der ebenfalls ein verkappter Musiker ist und dich kurzerhand für seine Band von der Straße wegklaut. Klar, um Bassist*innen reißen sich alle, und du lernst auch noch was Neues (sich nicht von den Homos in den Wahnsinn treiben zu lassen, beispielsweise) und übst ein bisschen deine Singstimme. Für dich ist es mehr Hobby als Überleben wie bei Zahi und Morts, aber du hast den Spaß deines Lebens, im Probenraum, zuhause bei Elsa und ab und an bei Tinder. <br />
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    <div class="p8">Should I steal their thunder?</div>
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<img src="https://i.imgur.com/sRSFNm3.jpeg" width="200px" height="200px" align="right" vspace="10" hspace="20"> <div class="praegnant">Elsa Nicholson » 74 Jahre alt » Rentnerin [Miriam Margolyes]</div>
<br />
Eigentlich kennt ihr euch erst seit sechs Jahren, aber es kommt euch beiden (im besten Sinne) vor wie ne Ewigkeit. So richtig Wahlfamilie, ne? Hat die dich einfach angerufen, und wollte mit Ende 60 nochmal ein Instrument lernen – findest du ja eh gut sowas. Und als du dann relativ verzweifelt nach einer Wohnung gesucht hast, hat sie dir angeboten, dass du bei ihr einziehen kannst. Elsa ist eine alte, jüdische Lesbe, die alles schon erlebt hat, und organisiert euer beider Leben wie die Chefsekretärin, die sie früher gewesen ist. Eure gemeinsame Liebe für ‚cozy‘ Krimis (<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Barnaby, Broadchurch, Luther, Happy Valley, Poirots, sämtliche Sherlock Holmes Adaptionen, George Gently, Endeavour, Death in Paradise, Lewis, Inspector Morse</span>) und True Crime Serien auf Netflix, lässt euch glauben, dass ihr ausgezeichnete Privatermittlerinnen wäret, und es liegt nicht nur an dem tausendundelften Rewatch, dass ihr die Mörder*innen bereits in der ersten Viertelstunde kennt. Neben dem imaginären Leben als Privatermittlerinnen, seht ihr euch eigentlich auch als die nächsten Viviane Westwoods, schließlich macht ihr in Teamarbeit die Mode, die du so auf der Bühne (und daneben) trägst. Gemeinsame Hobbies schweißen zusammen, und mittlerweile kannst du dir das Leben ohne deine Omi auch gar nicht mehr vorstellen. Dass die Gute manchmal ein bisschen tatterig ist, ignorierst du deswegen gekonnt. Sie würde dich auch ausschimpfen, solltest du das jemals erwähnen. <br />
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    <div class="p8">Bringing the colour of love back into the day</div>
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sensibel » laut » clever » strukturiert » humorvoll » anspruchsvoll » neugierig » aufgeschlossen » begeisterungsfähig » dünnhäutig » energiegeladen » fleißig » diszipliniert » kratzbürstig » eifersüchtig <br />
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    <div class="p8">I would do that for you</div>
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Wusstest du schon, dass Ruby » keinen Führerschein hat, und jetzt denkt, es wäre eh zu spät dafür » nachts im Bett fast immer kalte Füße hat, und deswegen ohne ihre Wärmflasche nicht leben kann » sonst aber wenig friert - Yay, Körperfett » sich nie für kreativ genug hält, eigene Songtexte zu schreiben » findet, dass das gemeinsame Nehmen von MDMA auch ein Therapieersatz sein kann » aber auch noch nie in Therapie war, also <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">who knows</span> » mit Minderwertigkeitskomplexen struggelt, aber <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">psst</span>, sie arbeitet dran » relativ regelmäßig meditiert » trotz regelmäßigem Zyklus und entsprechender App jedes Mal für drei Sekunden denkt, sie stirbt, wenn ihre Tage anfangen » in der klassischen Musik wahrscheinlich viel mehr hätte erreichen können, wenn es ihr wichtig gewesen wäre, und na-ja, sie nicht ein Arschloch geheiratet hätte » um sich selbst zu schützen, keine Social Media Kommentare liest » Fernsehschauen ohne Snacks sinnlos findet » eigentlich sehr viel Scham empfindet, die sie aktiv runterschlucken muss » manchmal noch den Gedanken hat, die interessanteste Frau im Raum sein zu müssen, damit man 'über den Rest' hinwegsieht » vielleicht auch deswegen ganz gerne auf der Bühne steht » da aber vor allem Spaß hat und abschalten kann » zwei Wölfe in ihrer Brust hat: sich in Schale schmeißen und random Dates zu haben (für's Selbstwertgefühl) & in Pyjama auf der Couch chillen und nee, echt keinen Bock grad » ist bisexuell, aber hat mit Frauen nur geknutscht, weil die sie zu sehr einschüchtern » denkt ab und zu nachts schweißgebadet daran, dass sie noch verheiratet ist, aber kriegt es auch nicht hin, sich drum zu kümmern<br />
  </div>
</div>]]></content:encoded>
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		<item>
			<title><![CDATA[Ronan Lynch]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2570</link>
			<pubDate>Sun, 29 Jun 2025 14:47:54 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=544">Ronan Lynch</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2570</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki"><div class="p2">Ronan Lynch</div><div class="p3">
And God created man in his own image, in the image of God created he him;<br> male and female created he them.</div><div class="ph1"><div class="ph2"><div class="p9">„</div><div class="p10" style="text-transform: none; width: 65%;">are you praying again? how raw are you knees? how often will you repent?</div></div><div style="display: flex; justify-content: space-between; width: 100%;"><img src="https://i.ibb.co/r2txjwrb/tumblr-6a32d19f9e25dd666d128c03e160ef1c-a4f5763b-400.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/gZnBL7nr/ezgif-35afaa04185592.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/3yf5h36W/tumblr-fcc7d162bbb924dc2d3a591845866c9a-3bbdf4c3-400.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"></div></div>
<div class="p4"><table><tr><td class="p6">
<div class="feldu" style="width: 150px; margin-left: 5px;">Lee</div>
<div class="feldb2"><span class="bvpr">Alter // </span>32 Jahre</div><div class="feldb2" ><span class="bvpr">Job // </span>röm.-kath. Priester</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Pizza // </span>Caprese</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Ava // </span>Jonathan Bailey</div>
</td>
<td><div class="p7"><div class="p5-2"><img src="https://i.ibb.co/KpC21MsZ/ezgif-3cf80343b1b034.gif" style="margin: 10px; height: 50px; width: 70px; object-fit: cover"></div> <i>Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name</i> - ja, nur ist der Leib Christi nicht der einzige Körper, dem Ronan huldigt. Dass sich die verbotene Romanze mit einem Mann für einen Priester nicht schickt, muss an der Stelle nicht erwähnt werden, das weiß wohl niemand besser als er selbst, aber die Welt wäre ein anderer Ort, würde sich Sünde nicht so verdammt gut anfühlen. Dass da diese tiefe Kluft in Ronan steckt, bleibt allerdings zwischen ihm und Christus, zu wichtig ist das Bild, das andere von ihm haben und zu groß die Konsequenzen, die ihm drohen. Ob diese schlimmer sein können als das Versprechen der Verdammnis, das er jeden Tag aus der Bibel liest, sei mal so dahingestellt. Denn <i>schwupps</i> schaltet sich dieser eigentlich so vernünftige Kopf manchmal einfach aus und offenbart, dass mehr in ihm steckt als der empathische und menschenfreundliche Priester, als den man ihn eben kennt. Existieren ist eine Gratwanderung, nur würde Ronan es bevorzugen, nicht ständig zwischen Leben und Hölle zu schwingen  – bitte danke.</div> </td>
</tr></table>
<div class="p8">Leviticus 20:13</div>
<div class="lee-facts">
	<div class="lee-facts-title">Wusstest du, dass Ronan:</div>
	<ul>
		<li>» ...zwar weiß, dass es nicht seine Aufgabe ist, während der Beichte zu urteilen, aber bei manchen Bekenntnissen nur übel wird?</li>
    <li>» ...gerne spazieren geht, um den Kopf freizubekommen?</li>
    <li>» ...eine Faszination für Vögel hat und es ihm immer in den Fingern juckt, ein Foto zu schießen, wenn er einen sieht?</li>
    <li>» ...überraschend gut darin ist, lokale Flora und Fauna zu benennen und wahrzunehmen, wie sie sich über das Jahr verändern?</li>
    <li>» ...trotz jedem geistlichen Hoffnungsgedanken damit zu kämpfen hat, wie Menschen mit der Umwelt umgehen?</li>
    <li>» ...eine Schwäche für schöne Postkarten hat?</li>
    <li>» ...exzessiv Notizbücher füllt; mit alltäglichen Begegnungen, Gedanken, Sorgen, Ideen für Predigten?</li>
    <li>» ...gerne per <i>brain dump writing</i> alles aus sich heraus schreibt und sich danach hin und wieder vor sich selbst ekelt?</li>
    <li>» ...aus seinen fertigen Notizbüchern eine ganze Bibliothek eröffnen könnte?</li>
    <li>» ...diese nicht ganz vollständig wäre, weil er gerne mal ein paar Seiten zerknüllt oder verbrennt, wenn  Verzweiflung, Wut, Lust überhand nehmen?</li>
    <li>» ...manchmal so doll den Weihrauch räuchert, bis sein Kopf benommen ist, weil er sich in diesem Moment der Reinheit am nächsten fühlt?</li>
    <li>» ...gerne der coole Jugendpriester wäre, aber dafür zu schlecht beim Basketball ist (sagen alle Jungs :( )?</li>
    <li>» ...gerne gut Essen geht?</li>
    <li>» ...sehr wichtig ist, die wenige Zeit, die er neben seinen Verpflichtungen im Alltag hat, nicht zu vergeuden und er schnell aufgebracht ist, wenn er das Gefühl hat, sie wird verschwendet?</li>
    <li>» ...brillant daran gearbeitet hat, sich die Ausgeglichenheit, die er ausstrahlen will, auch selbst vorzuspielen; sich nicht so brillant fühlt, wenn er sich dann doch damit konfrontieren muss, dass das eine Scharade ist?</li>
    <li>» ...ziemlich gut darin ist, Reden zu schwingen?</li>
    <li>» ...schon immer ein kleiner Selbstdarsteller gewesen ist?</li>
	<li>» ...verbietet sich selbst Gedanken an ein Leben abseits des Priestertums, weil das nicht das ist, wozu er berufen wurde?</li>
	<li>» ...Jugend-/Kinderarbeit in der Kirche sehr gerne mag, weil es dort mehr Vertrauen und Ehrlichkeit gibt und er jungen Menschen gerne Orientierung auf den Weg gibt?</li>
	<li>» ...manchmal angeekelt davon ist, wie ihr Leute behandeln als hätte er die Weisheit mit Löffeln gefressen, obwohl auch er ein sündiges Leben führt, das gläubige Kirchengänger nicht sehen wollen und von dem er ja auch eigentlich gar nicht will, dass sie es sehen?</li>
	<li>» ...hin und wieder mit homosexuellen Männern in diesem Beichtstuhl sitzt, die von der gleichen Diskrepanz berichten, die Ronan in sich spürt; und nie fühlt er sich dreckiger und tiefer als dann; und nie hat er das Gefühl näger zu sein an der Verzweiflung auf der anderen Seite; und nie findet er treffendere und konsequentere Worte; und nie hält er sich an das, was er predigt?</li>
	<li>» ...manchmal die Zeit vermisst, in der er als Student noch mehr Zeit für Literatur und Kunst und Museen und Kultur hatte?</li>
	<li>» ...es richtig hassen würde, in einer Religion zu stecken, in der Alkohol verboten wäre? <span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">(ein Hoch auf Wein)</span></li>
	<li>» ...sich regelmäßig für Hilfsangebote für Bedürftige einsetzt, weil ihm das Gesetz der bedingungslosen Nächstenliebe am höchsten ist? </li>
	</ul>
	</div>
	<div class="p8">Ephesians 6:12</div>
<br />
	<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify"># akribisch # altmodisch # ambivalent # angespannt # aufmerksam # aufopferungsvoll # besitzergreifend # charismatisch # destruktiv # eloquent # empathisch # gottesfürchtig # grenzüberschreitend # idealistisch # interessiert # menschenfreundlich # manipulativ # nachdenklich # obsessiv # ordnungsliebend # pflichtbewusst # redselig # reizbar # reserviert # sentimental # tatkräftig # unbefriedigt # verkopft # versöhnlich # werteorientiert # wissbegierig # zerrissen</div>
<br />
	<i>Dein Wecker klingelt jeden Tag um Punkt 6:30 Uhr, noch vor dem Frühstück liest du in der heiligen Schrift und betest, manchmal alleine, manchmal mit anderen, jedes Mal endest du mit der Laudes. Anschließendes Frühstück, um 8:50 Uhr bist du spätestens in der Kirche, Arbeitsbeginn, Verwaltung, Telefonate, Vorbereitungen, Pfarrsitzung. 11 Uhr, Beichte, etwas weniger als eine Stunde. 12:30 Uhr Messe, im Anschluss Mittagessen. Danach pastorale Verpflichtungen, Seelsorgebesuche, Sterbesakrament, Katechesetreffen. Ab 17 Uhr gemeinsame Liturgie mit Mitarbeitenden, 18 Uhr Vesper-Gebet, danach Vorbereitungen für die Predigten der nächsten Tage, 19 Uhr gemeinsames Abendessen, dann geistliche Lektüre, meistens wieder Zuhause. Freie Zeit. Zuletzt Komplet-Gebet, 22 Uhr Nachtruhe.</i> <br>Deine Routine ist dir so heilig wie ihr Inhalt, denn sie gibt dir halt. Fast schon verbissen hältst du an ihr fest, weil du damit so tun kannst als würde dein Leben nicht unter ihnen zerbröckeln. Du magst dich nie darauf vorbereiten können, was im Alltag auf dich wartet, doch ist es die Struktur die bleibt und die dir selbst an deinen freien Tagen im Nacken steckt, wenn du kaum ausschlafen kannst und zur vollen Stunde das Gefühl hast, etwas zu vergessen.<br><br>Ruhig warst du schon immer, mehr ein Beobachter. Das ist dir auch wichtig, schließlich möchtest du jemand sein, in dessen Ausstrahlung man sich geborgen fühlen kann und der erkennt, was nicht ausgesprochen wird. Nicht still, nicht schüchtern, jemand der interessiert ist, aufmerksam, nachdenkt über seine Worte. Wie viel Zeit hast du in deinem Leben schon damit verbracht, der Person hinterherzueifern, die du sein willst anstatt der, die du bist? Und schließt sich das eigentlich aus? Gedanken, die dich dann treffen, wenn es dir besonders dreckig gibt, denn davor hat dich auch nicht das Priestertum bewahrt. Zu Verstimmungen hast du schon früher geneigt, auch wenn du sie heutzutage mehr im Griff hast, <i>praise be</i>. Nur hauen sie dafür auch härter rein. Manchmal fragst du dich in diesen Momenten, ob du es nicht dein ganzes Leben perfektioniert hast, anderen etwas vorzuspielen, was du nicht bist und flehst Gott an, durch dich zu wirken und zu nehmen, was dich innerlich zerreißt. Dramatisch, denkst du dir dann, wenn du dich wieder gerafft hast und erfolgreich ausblendest, dass da mehr in dir schlummert als der charismatische, offene Pfarrer, der du ja durchaus auch bist.<br>Du hast diese Wut an dir, die viele Männer in sich tragen. Gibst zwar eigentlich hingebungsvoll mehr als du hast und zeigst dich dann plötzlich doch egoistisch und raffgierig, wenn es darum geht, die Sünden des Fleisches zu bedienen. <i>Die Sünde bringt den Sünder hervor</i>, verklärst du dir, obwohl du es dir damit wirklich einfach machst, dich aus der Verantwortung zu ziehen, wenn du deine grässlichen Eigenschaften einfach dem Feind in die Schuhe schiebst. Oder eben dem, der diese Versuchung, die Teil deines Alltags ist, ankurbelt. Du bist von deiner Moral gesteuert, aber dass die schnell in händeringendes Dogma umschwingen kann erkennst du nicht an. Manipulativ kannst du sein, oh und wie, auch wenn du es abstreitest.<br>Vielleicht auch, weil du so vehement abstreitest, dass du beides sein kannst. Höflich und egoistisch, hilfsbereit und besitzergreifend, pflichtbewusst und grenzüberschreitend. Vielleicht auch, weil du weißt, dass du es nicht sein <i>darfst</i>. Und so schiebst du lieber weg, mimst erfolgreich diese übersteigerte Wahrheit deiner selbst und leidest und lässt leiden, wenn sie unter dem Druck, den du dir und die Kirche und die Gläubigen und Theo und dein Gott dir auferlegen. Frisst diese Unzufriedenheit, dieses Unerfülltsein, in dich hinein, bis du nicht mehr anders kannst, als nach ihr zu schnappen wie ein gierige Hungernder, nur um dann vor der Tabernakel in die Knie zu gehen und um Vergebung zu flehen, obwohl du weißt, dass du wieder und wieder und wieder und wieder sündigen wirst. Denn du weißt, was du tust, weißt um die Konsequenzen und die Strafe; weißt, was das für dich und dein ewiges Leben bedeutet. Doch obwohl du sonst so moralisch und gottesfürchtig handelst, ist jede Sünde schlussendlich nur ein Versuch, Leere zu füllen.<br> Und vielleicht ist diese Routine, diese Struktur, dieser Alltagstrott, an den du dich klammerst genau das, was dich jedes Mal zu Fall bringt.<br />
<br />
	<div class="p8">Romans 6:23</div>
<br />
<div class="s-wr">
	<div class="s-l"></div>
	<div class="s-b">Kindheit <ti>09.11.1985 - 1990</ti></div>
	<div class="s-tb">Heute würdest du sagen, dass die Umstände deines Aufwachsens nicht ideal gewesen waren. Anders als deine älteren (Halb-)Brüder wurdest du nicht in der <i>Heimat</i> geboren, sondern nanntest Manchester dein Zuhause, was man dir im direkten Vergleich wohl sicher auch anhört. Damals wusstest du noch nichts anzufangen mit den Saufeskapaden deines Vaters oder der Rauheit deiner randalierenden Brüder, in die du auch nie ganz gewachsen bist. Kirche war dir immer wichtig. Nichts fandest du eindrucksvoller als die hohen Wände und den Weihrauch, diese Präsenz im Raum als wäre dort etwas Gegenwärtiges, Größeres, das dich ansah. Und es war auch der Gedanke von Vergebung, obwohl Schuld auch nicht der einzige Grund war, weshalb du immer wieder zum Priester gelaufen bist. Andere Kinder ließen sich dauernd zum Arzt fahren, dich erfüllte es gleichermaßen von deinen Sünden zu erzählen, jemanden zum Reden zu haben und dich gleichzeitig besonders groß zu fühlen mit deiner selbstreflektierten Art, als würdest du dich selbst mit heiligem Wasser abwaschen. Wie reif du für dein Alter bist, hast du oft gehört und danach hast du dich verzehrt. Du musstest dich immer von Gleichaltrigen abheben, jemand sein, mit dem Erwachsene eben reden wollten. Das war dein größter Stolz und deine verletzlichste Stelle, wenn dir deine dumme Jugend dann doch vor Augen geführt wurde. Vielleicht lags auch daran, dass du dich Zuhause nie so ganz gesehen gefühlt hast. Deine Geschwister haben die Aufmerksamkeit jedenfalls effektiver eingeheimst und mit dem einen (Halb!)Bruder hast du dich eh nur gezofft, weil der dich nicht leiden konnte. Du ihn ja auch nicht.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Schulzeit <ti> 1990 - 2003</ti></div>
	<div class="s-tb">Dass du <i>noch so ein Lynch</i> warst, hörtest du in den ersten Wochen des Schuljahrs öfter, der Ruf eilte dir voraus, nur erfüllt hast du ihn zum Dank der Lehrer eben nicht. Aber auch du hattest deine Eigenarten und warst nicht immer so leicht, lag ja in der Familie, wusste da jeder. Nur geprügelt hast du dich eben nicht so erfolgreich, probiert hast du es aber doch, kanntest du ja von Zuhause, dass man sich so bewies. Durchsetzen konntest du dich aber nie so richtig, das hat dich immer beschäftigt. Also fingst du kleiner Selbstdarsteller an, dir einfach andere Realitäten auszudenken und sie in die Welt zu posaunen, als wären sie echt. Gelogen hast du irgendwann über alles, damit man dir gebannt zuhört, einmal bist du eine ganze Woche mit Verband um den Arm in die Schule gegangen, nachdem ein Klassenkamerad nach einem gebrochenen Arm deine ganze Aufmerksamkeit eingeheimst hat.<br>Vielleicht war das dein Weg, das Narrativ zu bestimmen, der Beliebteste warst du schließlich auch nicht. Gehänselt hat man dich zuerst wegen deiner Brille, die du dann natürlich weniger getragen hast, aber irgendwie hat man dann eben was anderes gefunden für den ruhigen Typen aus der vorletzten Reihe, dem man das Streber-Dasein damit einfach unterstellt hat. Das hat dich geprägt, auch wenn du's abstreiten würdest, immerhin trägst du heute meistens Kontaktlinsen und kommst nicht damit klar, wenn du das Gefühl hast, jemand hebt sich gerade über dich. Denn die Wut, die trägst du eben doch in dir, auch wenn du gerne anderes behauptest. Wenn du heute zurückblickst, dann ist dein ganzes Leben eigentlich nur eine Reihe an Behauptungen.<br><br>Irgendwann entferntest du dich mehr von der Kirche. Klar, gläubig warst du, Katholik hast du dich natürlich genannt, aber das alles hörte auf so wichtig für dich zu sein, dafür war zu viel anderes in deinem jugendlichen Kopf. Und dann hatte ein Freund von dir Krebs. Willam, der zwei Plätze weiter weg von dir im Englischunterricht saß und ungefähr so viel Ahnung von Kommasetzung hatte, wie dein großer HALBBruder, aber dafür ein größeres Herz. Hast du die letzten Jahre keinen Sinn darin gesehen, deine Zeit ins Gebet zu investieren, holtest du all das plötzlich nach. Und dann starb er und du warst so wütend, dass du diesen Gott verfluchtest, der ihn hätte retten sollen wie in all den guten Geschichten, die du aus der Jungschar kennst. Und doch war es ausgerechnet diese Zeit, die dich wieder näher zum Glauben bringen sollte; in der du mit Pastoren diskutiertest, die heilige Schrift hinterfragtest und einfach nur wissen wolltest <i>warum</i>, weil du dich nicht mit leeren Phrasen a lá <i>'die Wege des Herrn sind unergründlich'</i> abgeben willst. Du beschäftigst dich mit ihr wie sonst nicht, wenn auch unter Tränen und geballten Fäusten, und findest Trost in Worten, gegen die du dich doch eigentlich so vehement gewehrt hast. Es hat dich zu einem besseren Menschen gemacht, weißt du. Dankbar warst du dafür, auch weil dir nicht entging, dass dein Blick immer wieder zum falschen Geschlecht driftete. Mit dem Priester sprichst du über das, was in dir vorgeht, mehr als mit dem Rest deiner Familie, weil du dich weniger verurteilt fühlst (oder zumindest weniger Angst davor hast, verurteilt zu werden) und weil er dir das gibt, was dir keiner geben kann: Absolution.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Studium, Unsicherheiten, Ehrenamt <ti>2005-2009</ti></div>
	<div class="s-tb">Und dann hattest du plötzlich einen Schulabschluss und wusstest nicht wohin. Fast wärst du auf Mission gegangen, hättest in irgendeinem Dorf in Afrika Brunnen gegraben und dich für deine Großzügigkeit preisen lassen, doch holte dich der Bammel doch ein. Stattdessen hieß es dann <i>studieren gehen</i>. Das hatte in deiner Familie noch niemand gepackt. Klar gab's da auch den einen oder anderen Kommentar darüber, dass du nur nicht arbeiten wolltest - und naja, so abwegig war das halt auch nicht, du wusstest ja nicht mal, was du machen wolltest, also wurdens am Ende <i>Economics</i> und <i>Philosophy</i> weil man sich mit letzterem nicht das Leben finanzieren konnte und mit ersterem eben schon. Komisch hast du dich gefühlt, umgeben von Kommilitonen, die Zuhause am Essenstisch über Weltpolitik und Literatur philosophierten, das kanntest du nicht. Und obwohl du schon lange nicht mehr so ein pathologischer Lügner bist, wie als kleiner Junge, kannst du nicht anders als wieder in dieses <i>Behaupten</i> zu rutschen, weil dir das Bild, das andere von dir haben, einfach zu wichtig ist. Das Studium hasst du übrigens, weil du weißt, dass du mit diesem Wirtschaftsgetute nie etwas sinnvollen anstellen wirst.<br>Nebenbei bleibst du in der Kirche aktiv, deiner Quelle an Trost und Zuversicht, die dich bei Verstand hält bei der betäubenden Furcht und Verletzbarkeit, die dein Herz in dieser wahnsinnigen Lebensrealität im Griff hält. Messdiener bist du in der Campuskirche und wo dich das Studium nicht erfüllt, tut es wenigstens die ehrenamtliche Arbeit, zu der du dich dank deines Glaubens berufen fühlst. Unzufrieden bleibst du aber und in deiner Unzufriedenheit wirst du zynisch. Du kannst dich selbst kaum leiden, dich aber auch nicht losmachen von den Ketten, die du dir irgendwie auch selbst umlegst. <br />
	</div>
  <div class="s-b">Katholisches Seminar <ti>2009-2015</ti></div>
	<div class="s-tb">Aber apropos <i>'dank deines Glaubens berufen'</i>, dass du einen guten Priester abgeben würdest, hat man dir schon mal gesteckt, als du noch in der Schule warst. Und plötzlich fühlst du es doch, diesen Ruf, den du vorher abgestritten hättest. Klar, die Kirche war in den Jahren dieses zehrenden Studiums auch die Zuflucht, die du gebraucht hattest und, wie es schon im Wort steckt, ist es vor allem die Flucht, die du suchst. Weg von diesem trägen Leben, dieser Hilflosigkeit in der Welt, diesem Gefühl so unglaublich klein zu sein, diesen unreinen Gedanken, die dich immer wieder plagen und die du nicht loswirst, egal wie oft du vor der Tabernakel in die Knie gehst.<br>Also brichst du dein Studium ab, ziehst das erste Mal raus aus der Stadt ins St. Mary College in Oscott und bist plötzlich umgeben von Männern, die denken wie du, glauben wie du, sich dem gleichen Geiste verpflichtet haben wie du. Einfach ist es nicht, schließlich bekommst du unter ihnen nicht minder das Gefühl, ein schlechterer Christ zu sein, doch mit der Zeit wächst du daran. Und du lernst auch, ausgeglichener zu sein, mehr im Reinen mit dir selbst.<br><br>Oder fällt es dir in diesem geschützten Anwesen nur leichter, so zu tun? Wegen eines pastoralen Praktikums, bist du eine Weile in Bristol und durch die göttliche Prüfung, die dir dort gestellt wird, fällst du haushoch. <b><i>Theodore Jagan</i></b> heißt die Sünde, von der du dich nicht lösen kannst, auch nicht als deine Zeit in Bristol endet und ihr die zweistündige Zugfahrt überbrücken müsst, um euch zu sehen. Dass Gott für dich an erster Stelle steht, ist außer Frage und doch, wenn du im Bett neben ihm liegst, dann weißt du, dass Theo das ist, was dem Göttlichen auf Erden am nächsten kommt.<br>Und du hasst ihn dafür. Weil er sich zwischen dich und deine Berufung stellt und sich nicht einmal dafür schämt, das zu zerstören, was du dir aufgebaut hast. Nicht nur einmal laufen Tränen über dein Gesicht, wenn du auf der hölzernen Kniebank zusammensackst und spürst, wie die Flammen der Hölle nach dir greifen.<br>Und irgendwann kommt der Punkt, an dem sich diese geballte Verzweiflung und Wut und Liebe und Hass und all das, was du nicht fühlen willst, darfst, sollst entlädt und du Vergeltung übst für das, was er dir angetan hat, aber du dir eben auch selbst. Nach der Extase brennt sich die Sünde in deinen Verstand, wie es sonst nichts tut und doch kann dich nichts von dieser Versuchung reißen, die dich übermannt, wenn ihr beieinander seid.<br>Aber da ist das Kind ohnehin schon in den Brunnen gefallen, oder? Du redest dir ein, dass es temporär wäre, diese Verbindung, die ihr teilt. Dass du ordiniert wirst und zurück in deine Diözese nach Manchester gehst, erzählst du ihm knapp eine Woche, bevor du Umzugskartons in den Wagen trägst und du weißt, dass es richtig so ist. Denn bist du erstmal ordiniert, geweiht von deinem Herrn, dann wird Er dir die Kraft geben, all das hinter dir zu lassen, was dich jetzt noch plagt.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Priesthood <ti>2015-</ti></div>
	<div class="s-tb">Oder auch nicht. Du hattest dir vom Priestertum erhofft, dass es dich reinwäscht, heilig spricht, wie eine Taufe. Doch wie bei einer Taufe ist nichts passiert, was nicht im Kopf hätte passieren müssen. Immer wieder gibt es Phasen in denen du dich loslöst, aber warum du dir immer noch vorheuchelst, dass dieses Mal das letzte sein würdest, weißt du auch nicht. Ihr könnt nicht ohne einander, miteinander aber auch nicht; verliebt mindestens genauso sehr in dieses Spiel von heiß und kalt wie ineinander. Du hasst diese Sommersprossen und dieses freche Lächeln und dich selbst und liebst ihn wie ein Ketzer seinen verbotenen Gott, wie der Teufel das Licht und wie ein Engel den Fall und du willst ihn verschlingen, willst dass er dich liebt, willst Gedichte von ihm schreiben und sie zerstören und ihn zerstören und dass er am Morgen neben dir liegt und ihn würgen und über seine nackte Haut streichen und schreien. Nur für einen kurzen Augenblick lieben, obwohl du es nicht Liebe nennen würdest, die euch schon so lange begleitet.<br><br>Und dann stehst du in der Messe, zelebrierst die Eucharistie und verdrängst dieses Doppelleben, das du dir völlig versehentlich aufgebaut hast. Wenn du eine Wahl treffen würdest, dann wäre es die Kirche, der du dich verpflichtest. Aber solange du nicht dazu gezwungen wirst, änderst du nichts, nicht nachhaltig. Dafür macht ihr das schon viel zu lange.<br />
	</div></div> </div> </div>
<br />
<style>.lee-facts { padding: 10px; } .lee-facts-title { font-family: 'Montserrat', sans-serif; text-transform: uppercase; text-align: left; font-weight: bold; letter-spacing: 2px; margin-bottom: -10px; } .lee-facts ul { list-style-type: none; margin-left: -30px; } .lee-facts ul li { padding: 2px 0; }</style><br />
<style>.s-b {position:absolute} .s-wr {margin:auto}.s-b {background-color: #2a698b }.s-tb, .l-b{position:relative}.s-tb{text-align: justify}.s-b dt{font-weight:600}.s-wr{width:100%;border-left: solid 8px #2a698b}.s-b{max-width:440px;z-index: 2; padding:5px 10px 5px 15px;font-size:13px;font-family: 'Montserrat', sans-serif;;color:#fff;text-transform:uppercase;letter-spacing:0.5px}.s-b ti{font-size:10px}.s-tb{padding: 37px 15px 10px 10px;}</style>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki"><div class="p2">Ronan Lynch</div><div class="p3">
And God created man in his own image, in the image of God created he him;<br> male and female created he them.</div><div class="ph1"><div class="ph2"><div class="p9">„</div><div class="p10" style="text-transform: none; width: 65%;">are you praying again? how raw are you knees? how often will you repent?</div></div><div style="display: flex; justify-content: space-between; width: 100%;"><img src="https://i.ibb.co/r2txjwrb/tumblr-6a32d19f9e25dd666d128c03e160ef1c-a4f5763b-400.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/gZnBL7nr/ezgif-35afaa04185592.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"><img src="https://i.ibb.co/3yf5h36W/tumblr-fcc7d162bbb924dc2d3a591845866c9a-3bbdf4c3-400.gif" style="width: 165px; height: 210px; object-fit: cover;"></div></div>
<div class="p4"><table><tr><td class="p6">
<div class="feldu" style="width: 150px; margin-left: 5px;">Lee</div>
<div class="feldb2"><span class="bvpr">Alter // </span>32 Jahre</div><div class="feldb2" ><span class="bvpr">Job // </span>röm.-kath. Priester</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Pizza // </span>Caprese</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Ava // </span>Jonathan Bailey</div>
</td>
<td><div class="p7"><div class="p5-2"><img src="https://i.ibb.co/KpC21MsZ/ezgif-3cf80343b1b034.gif" style="margin: 10px; height: 50px; width: 70px; object-fit: cover"></div> <i>Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name</i> - ja, nur ist der Leib Christi nicht der einzige Körper, dem Ronan huldigt. Dass sich die verbotene Romanze mit einem Mann für einen Priester nicht schickt, muss an der Stelle nicht erwähnt werden, das weiß wohl niemand besser als er selbst, aber die Welt wäre ein anderer Ort, würde sich Sünde nicht so verdammt gut anfühlen. Dass da diese tiefe Kluft in Ronan steckt, bleibt allerdings zwischen ihm und Christus, zu wichtig ist das Bild, das andere von ihm haben und zu groß die Konsequenzen, die ihm drohen. Ob diese schlimmer sein können als das Versprechen der Verdammnis, das er jeden Tag aus der Bibel liest, sei mal so dahingestellt. Denn <i>schwupps</i> schaltet sich dieser eigentlich so vernünftige Kopf manchmal einfach aus und offenbart, dass mehr in ihm steckt als der empathische und menschenfreundliche Priester, als den man ihn eben kennt. Existieren ist eine Gratwanderung, nur würde Ronan es bevorzugen, nicht ständig zwischen Leben und Hölle zu schwingen  – bitte danke.</div> </td>
</tr></table>
<div class="p8">Leviticus 20:13</div>
<div class="lee-facts">
	<div class="lee-facts-title">Wusstest du, dass Ronan:</div>
	<ul>
		<li>» ...zwar weiß, dass es nicht seine Aufgabe ist, während der Beichte zu urteilen, aber bei manchen Bekenntnissen nur übel wird?</li>
    <li>» ...gerne spazieren geht, um den Kopf freizubekommen?</li>
    <li>» ...eine Faszination für Vögel hat und es ihm immer in den Fingern juckt, ein Foto zu schießen, wenn er einen sieht?</li>
    <li>» ...überraschend gut darin ist, lokale Flora und Fauna zu benennen und wahrzunehmen, wie sie sich über das Jahr verändern?</li>
    <li>» ...trotz jedem geistlichen Hoffnungsgedanken damit zu kämpfen hat, wie Menschen mit der Umwelt umgehen?</li>
    <li>» ...eine Schwäche für schöne Postkarten hat?</li>
    <li>» ...exzessiv Notizbücher füllt; mit alltäglichen Begegnungen, Gedanken, Sorgen, Ideen für Predigten?</li>
    <li>» ...gerne per <i>brain dump writing</i> alles aus sich heraus schreibt und sich danach hin und wieder vor sich selbst ekelt?</li>
    <li>» ...aus seinen fertigen Notizbüchern eine ganze Bibliothek eröffnen könnte?</li>
    <li>» ...diese nicht ganz vollständig wäre, weil er gerne mal ein paar Seiten zerknüllt oder verbrennt, wenn  Verzweiflung, Wut, Lust überhand nehmen?</li>
    <li>» ...manchmal so doll den Weihrauch räuchert, bis sein Kopf benommen ist, weil er sich in diesem Moment der Reinheit am nächsten fühlt?</li>
    <li>» ...gerne der coole Jugendpriester wäre, aber dafür zu schlecht beim Basketball ist (sagen alle Jungs :( )?</li>
    <li>» ...gerne gut Essen geht?</li>
    <li>» ...sehr wichtig ist, die wenige Zeit, die er neben seinen Verpflichtungen im Alltag hat, nicht zu vergeuden und er schnell aufgebracht ist, wenn er das Gefühl hat, sie wird verschwendet?</li>
    <li>» ...brillant daran gearbeitet hat, sich die Ausgeglichenheit, die er ausstrahlen will, auch selbst vorzuspielen; sich nicht so brillant fühlt, wenn er sich dann doch damit konfrontieren muss, dass das eine Scharade ist?</li>
    <li>» ...ziemlich gut darin ist, Reden zu schwingen?</li>
    <li>» ...schon immer ein kleiner Selbstdarsteller gewesen ist?</li>
	<li>» ...verbietet sich selbst Gedanken an ein Leben abseits des Priestertums, weil das nicht das ist, wozu er berufen wurde?</li>
	<li>» ...Jugend-/Kinderarbeit in der Kirche sehr gerne mag, weil es dort mehr Vertrauen und Ehrlichkeit gibt und er jungen Menschen gerne Orientierung auf den Weg gibt?</li>
	<li>» ...manchmal angeekelt davon ist, wie ihr Leute behandeln als hätte er die Weisheit mit Löffeln gefressen, obwohl auch er ein sündiges Leben führt, das gläubige Kirchengänger nicht sehen wollen und von dem er ja auch eigentlich gar nicht will, dass sie es sehen?</li>
	<li>» ...hin und wieder mit homosexuellen Männern in diesem Beichtstuhl sitzt, die von der gleichen Diskrepanz berichten, die Ronan in sich spürt; und nie fühlt er sich dreckiger und tiefer als dann; und nie hat er das Gefühl näger zu sein an der Verzweiflung auf der anderen Seite; und nie findet er treffendere und konsequentere Worte; und nie hält er sich an das, was er predigt?</li>
	<li>» ...manchmal die Zeit vermisst, in der er als Student noch mehr Zeit für Literatur und Kunst und Museen und Kultur hatte?</li>
	<li>» ...es richtig hassen würde, in einer Religion zu stecken, in der Alkohol verboten wäre? <span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">(ein Hoch auf Wein)</span></li>
	<li>» ...sich regelmäßig für Hilfsangebote für Bedürftige einsetzt, weil ihm das Gesetz der bedingungslosen Nächstenliebe am höchsten ist? </li>
	</ul>
	</div>
	<div class="p8">Ephesians 6:12</div>
<br />
	<div style="width: 80%; margin:auto; text-align: justify"># akribisch # altmodisch # ambivalent # angespannt # aufmerksam # aufopferungsvoll # besitzergreifend # charismatisch # destruktiv # eloquent # empathisch # gottesfürchtig # grenzüberschreitend # idealistisch # interessiert # menschenfreundlich # manipulativ # nachdenklich # obsessiv # ordnungsliebend # pflichtbewusst # redselig # reizbar # reserviert # sentimental # tatkräftig # unbefriedigt # verkopft # versöhnlich # werteorientiert # wissbegierig # zerrissen</div>
<br />
	<i>Dein Wecker klingelt jeden Tag um Punkt 6:30 Uhr, noch vor dem Frühstück liest du in der heiligen Schrift und betest, manchmal alleine, manchmal mit anderen, jedes Mal endest du mit der Laudes. Anschließendes Frühstück, um 8:50 Uhr bist du spätestens in der Kirche, Arbeitsbeginn, Verwaltung, Telefonate, Vorbereitungen, Pfarrsitzung. 11 Uhr, Beichte, etwas weniger als eine Stunde. 12:30 Uhr Messe, im Anschluss Mittagessen. Danach pastorale Verpflichtungen, Seelsorgebesuche, Sterbesakrament, Katechesetreffen. Ab 17 Uhr gemeinsame Liturgie mit Mitarbeitenden, 18 Uhr Vesper-Gebet, danach Vorbereitungen für die Predigten der nächsten Tage, 19 Uhr gemeinsames Abendessen, dann geistliche Lektüre, meistens wieder Zuhause. Freie Zeit. Zuletzt Komplet-Gebet, 22 Uhr Nachtruhe.</i> <br>Deine Routine ist dir so heilig wie ihr Inhalt, denn sie gibt dir halt. Fast schon verbissen hältst du an ihr fest, weil du damit so tun kannst als würde dein Leben nicht unter ihnen zerbröckeln. Du magst dich nie darauf vorbereiten können, was im Alltag auf dich wartet, doch ist es die Struktur die bleibt und die dir selbst an deinen freien Tagen im Nacken steckt, wenn du kaum ausschlafen kannst und zur vollen Stunde das Gefühl hast, etwas zu vergessen.<br><br>Ruhig warst du schon immer, mehr ein Beobachter. Das ist dir auch wichtig, schließlich möchtest du jemand sein, in dessen Ausstrahlung man sich geborgen fühlen kann und der erkennt, was nicht ausgesprochen wird. Nicht still, nicht schüchtern, jemand der interessiert ist, aufmerksam, nachdenkt über seine Worte. Wie viel Zeit hast du in deinem Leben schon damit verbracht, der Person hinterherzueifern, die du sein willst anstatt der, die du bist? Und schließt sich das eigentlich aus? Gedanken, die dich dann treffen, wenn es dir besonders dreckig gibt, denn davor hat dich auch nicht das Priestertum bewahrt. Zu Verstimmungen hast du schon früher geneigt, auch wenn du sie heutzutage mehr im Griff hast, <i>praise be</i>. Nur hauen sie dafür auch härter rein. Manchmal fragst du dich in diesen Momenten, ob du es nicht dein ganzes Leben perfektioniert hast, anderen etwas vorzuspielen, was du nicht bist und flehst Gott an, durch dich zu wirken und zu nehmen, was dich innerlich zerreißt. Dramatisch, denkst du dir dann, wenn du dich wieder gerafft hast und erfolgreich ausblendest, dass da mehr in dir schlummert als der charismatische, offene Pfarrer, der du ja durchaus auch bist.<br>Du hast diese Wut an dir, die viele Männer in sich tragen. Gibst zwar eigentlich hingebungsvoll mehr als du hast und zeigst dich dann plötzlich doch egoistisch und raffgierig, wenn es darum geht, die Sünden des Fleisches zu bedienen. <i>Die Sünde bringt den Sünder hervor</i>, verklärst du dir, obwohl du es dir damit wirklich einfach machst, dich aus der Verantwortung zu ziehen, wenn du deine grässlichen Eigenschaften einfach dem Feind in die Schuhe schiebst. Oder eben dem, der diese Versuchung, die Teil deines Alltags ist, ankurbelt. Du bist von deiner Moral gesteuert, aber dass die schnell in händeringendes Dogma umschwingen kann erkennst du nicht an. Manipulativ kannst du sein, oh und wie, auch wenn du es abstreitest.<br>Vielleicht auch, weil du so vehement abstreitest, dass du beides sein kannst. Höflich und egoistisch, hilfsbereit und besitzergreifend, pflichtbewusst und grenzüberschreitend. Vielleicht auch, weil du weißt, dass du es nicht sein <i>darfst</i>. Und so schiebst du lieber weg, mimst erfolgreich diese übersteigerte Wahrheit deiner selbst und leidest und lässt leiden, wenn sie unter dem Druck, den du dir und die Kirche und die Gläubigen und Theo und dein Gott dir auferlegen. Frisst diese Unzufriedenheit, dieses Unerfülltsein, in dich hinein, bis du nicht mehr anders kannst, als nach ihr zu schnappen wie ein gierige Hungernder, nur um dann vor der Tabernakel in die Knie zu gehen und um Vergebung zu flehen, obwohl du weißt, dass du wieder und wieder und wieder und wieder sündigen wirst. Denn du weißt, was du tust, weißt um die Konsequenzen und die Strafe; weißt, was das für dich und dein ewiges Leben bedeutet. Doch obwohl du sonst so moralisch und gottesfürchtig handelst, ist jede Sünde schlussendlich nur ein Versuch, Leere zu füllen.<br> Und vielleicht ist diese Routine, diese Struktur, dieser Alltagstrott, an den du dich klammerst genau das, was dich jedes Mal zu Fall bringt.<br />
<br />
	<div class="p8">Romans 6:23</div>
<br />
<div class="s-wr">
	<div class="s-l"></div>
	<div class="s-b">Kindheit <ti>09.11.1985 - 1990</ti></div>
	<div class="s-tb">Heute würdest du sagen, dass die Umstände deines Aufwachsens nicht ideal gewesen waren. Anders als deine älteren (Halb-)Brüder wurdest du nicht in der <i>Heimat</i> geboren, sondern nanntest Manchester dein Zuhause, was man dir im direkten Vergleich wohl sicher auch anhört. Damals wusstest du noch nichts anzufangen mit den Saufeskapaden deines Vaters oder der Rauheit deiner randalierenden Brüder, in die du auch nie ganz gewachsen bist. Kirche war dir immer wichtig. Nichts fandest du eindrucksvoller als die hohen Wände und den Weihrauch, diese Präsenz im Raum als wäre dort etwas Gegenwärtiges, Größeres, das dich ansah. Und es war auch der Gedanke von Vergebung, obwohl Schuld auch nicht der einzige Grund war, weshalb du immer wieder zum Priester gelaufen bist. Andere Kinder ließen sich dauernd zum Arzt fahren, dich erfüllte es gleichermaßen von deinen Sünden zu erzählen, jemanden zum Reden zu haben und dich gleichzeitig besonders groß zu fühlen mit deiner selbstreflektierten Art, als würdest du dich selbst mit heiligem Wasser abwaschen. Wie reif du für dein Alter bist, hast du oft gehört und danach hast du dich verzehrt. Du musstest dich immer von Gleichaltrigen abheben, jemand sein, mit dem Erwachsene eben reden wollten. Das war dein größter Stolz und deine verletzlichste Stelle, wenn dir deine dumme Jugend dann doch vor Augen geführt wurde. Vielleicht lags auch daran, dass du dich Zuhause nie so ganz gesehen gefühlt hast. Deine Geschwister haben die Aufmerksamkeit jedenfalls effektiver eingeheimst und mit dem einen (Halb!)Bruder hast du dich eh nur gezofft, weil der dich nicht leiden konnte. Du ihn ja auch nicht.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Schulzeit <ti> 1990 - 2003</ti></div>
	<div class="s-tb">Dass du <i>noch so ein Lynch</i> warst, hörtest du in den ersten Wochen des Schuljahrs öfter, der Ruf eilte dir voraus, nur erfüllt hast du ihn zum Dank der Lehrer eben nicht. Aber auch du hattest deine Eigenarten und warst nicht immer so leicht, lag ja in der Familie, wusste da jeder. Nur geprügelt hast du dich eben nicht so erfolgreich, probiert hast du es aber doch, kanntest du ja von Zuhause, dass man sich so bewies. Durchsetzen konntest du dich aber nie so richtig, das hat dich immer beschäftigt. Also fingst du kleiner Selbstdarsteller an, dir einfach andere Realitäten auszudenken und sie in die Welt zu posaunen, als wären sie echt. Gelogen hast du irgendwann über alles, damit man dir gebannt zuhört, einmal bist du eine ganze Woche mit Verband um den Arm in die Schule gegangen, nachdem ein Klassenkamerad nach einem gebrochenen Arm deine ganze Aufmerksamkeit eingeheimst hat.<br>Vielleicht war das dein Weg, das Narrativ zu bestimmen, der Beliebteste warst du schließlich auch nicht. Gehänselt hat man dich zuerst wegen deiner Brille, die du dann natürlich weniger getragen hast, aber irgendwie hat man dann eben was anderes gefunden für den ruhigen Typen aus der vorletzten Reihe, dem man das Streber-Dasein damit einfach unterstellt hat. Das hat dich geprägt, auch wenn du's abstreiten würdest, immerhin trägst du heute meistens Kontaktlinsen und kommst nicht damit klar, wenn du das Gefühl hast, jemand hebt sich gerade über dich. Denn die Wut, die trägst du eben doch in dir, auch wenn du gerne anderes behauptest. Wenn du heute zurückblickst, dann ist dein ganzes Leben eigentlich nur eine Reihe an Behauptungen.<br><br>Irgendwann entferntest du dich mehr von der Kirche. Klar, gläubig warst du, Katholik hast du dich natürlich genannt, aber das alles hörte auf so wichtig für dich zu sein, dafür war zu viel anderes in deinem jugendlichen Kopf. Und dann hatte ein Freund von dir Krebs. Willam, der zwei Plätze weiter weg von dir im Englischunterricht saß und ungefähr so viel Ahnung von Kommasetzung hatte, wie dein großer HALBBruder, aber dafür ein größeres Herz. Hast du die letzten Jahre keinen Sinn darin gesehen, deine Zeit ins Gebet zu investieren, holtest du all das plötzlich nach. Und dann starb er und du warst so wütend, dass du diesen Gott verfluchtest, der ihn hätte retten sollen wie in all den guten Geschichten, die du aus der Jungschar kennst. Und doch war es ausgerechnet diese Zeit, die dich wieder näher zum Glauben bringen sollte; in der du mit Pastoren diskutiertest, die heilige Schrift hinterfragtest und einfach nur wissen wolltest <i>warum</i>, weil du dich nicht mit leeren Phrasen a lá <i>'die Wege des Herrn sind unergründlich'</i> abgeben willst. Du beschäftigst dich mit ihr wie sonst nicht, wenn auch unter Tränen und geballten Fäusten, und findest Trost in Worten, gegen die du dich doch eigentlich so vehement gewehrt hast. Es hat dich zu einem besseren Menschen gemacht, weißt du. Dankbar warst du dafür, auch weil dir nicht entging, dass dein Blick immer wieder zum falschen Geschlecht driftete. Mit dem Priester sprichst du über das, was in dir vorgeht, mehr als mit dem Rest deiner Familie, weil du dich weniger verurteilt fühlst (oder zumindest weniger Angst davor hast, verurteilt zu werden) und weil er dir das gibt, was dir keiner geben kann: Absolution.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Studium, Unsicherheiten, Ehrenamt <ti>2005-2009</ti></div>
	<div class="s-tb">Und dann hattest du plötzlich einen Schulabschluss und wusstest nicht wohin. Fast wärst du auf Mission gegangen, hättest in irgendeinem Dorf in Afrika Brunnen gegraben und dich für deine Großzügigkeit preisen lassen, doch holte dich der Bammel doch ein. Stattdessen hieß es dann <i>studieren gehen</i>. Das hatte in deiner Familie noch niemand gepackt. Klar gab's da auch den einen oder anderen Kommentar darüber, dass du nur nicht arbeiten wolltest - und naja, so abwegig war das halt auch nicht, du wusstest ja nicht mal, was du machen wolltest, also wurdens am Ende <i>Economics</i> und <i>Philosophy</i> weil man sich mit letzterem nicht das Leben finanzieren konnte und mit ersterem eben schon. Komisch hast du dich gefühlt, umgeben von Kommilitonen, die Zuhause am Essenstisch über Weltpolitik und Literatur philosophierten, das kanntest du nicht. Und obwohl du schon lange nicht mehr so ein pathologischer Lügner bist, wie als kleiner Junge, kannst du nicht anders als wieder in dieses <i>Behaupten</i> zu rutschen, weil dir das Bild, das andere von dir haben, einfach zu wichtig ist. Das Studium hasst du übrigens, weil du weißt, dass du mit diesem Wirtschaftsgetute nie etwas sinnvollen anstellen wirst.<br>Nebenbei bleibst du in der Kirche aktiv, deiner Quelle an Trost und Zuversicht, die dich bei Verstand hält bei der betäubenden Furcht und Verletzbarkeit, die dein Herz in dieser wahnsinnigen Lebensrealität im Griff hält. Messdiener bist du in der Campuskirche und wo dich das Studium nicht erfüllt, tut es wenigstens die ehrenamtliche Arbeit, zu der du dich dank deines Glaubens berufen fühlst. Unzufrieden bleibst du aber und in deiner Unzufriedenheit wirst du zynisch. Du kannst dich selbst kaum leiden, dich aber auch nicht losmachen von den Ketten, die du dir irgendwie auch selbst umlegst. <br />
	</div>
  <div class="s-b">Katholisches Seminar <ti>2009-2015</ti></div>
	<div class="s-tb">Aber apropos <i>'dank deines Glaubens berufen'</i>, dass du einen guten Priester abgeben würdest, hat man dir schon mal gesteckt, als du noch in der Schule warst. Und plötzlich fühlst du es doch, diesen Ruf, den du vorher abgestritten hättest. Klar, die Kirche war in den Jahren dieses zehrenden Studiums auch die Zuflucht, die du gebraucht hattest und, wie es schon im Wort steckt, ist es vor allem die Flucht, die du suchst. Weg von diesem trägen Leben, dieser Hilflosigkeit in der Welt, diesem Gefühl so unglaublich klein zu sein, diesen unreinen Gedanken, die dich immer wieder plagen und die du nicht loswirst, egal wie oft du vor der Tabernakel in die Knie gehst.<br>Also brichst du dein Studium ab, ziehst das erste Mal raus aus der Stadt ins St. Mary College in Oscott und bist plötzlich umgeben von Männern, die denken wie du, glauben wie du, sich dem gleichen Geiste verpflichtet haben wie du. Einfach ist es nicht, schließlich bekommst du unter ihnen nicht minder das Gefühl, ein schlechterer Christ zu sein, doch mit der Zeit wächst du daran. Und du lernst auch, ausgeglichener zu sein, mehr im Reinen mit dir selbst.<br><br>Oder fällt es dir in diesem geschützten Anwesen nur leichter, so zu tun? Wegen eines pastoralen Praktikums, bist du eine Weile in Bristol und durch die göttliche Prüfung, die dir dort gestellt wird, fällst du haushoch. <b><i>Theodore Jagan</i></b> heißt die Sünde, von der du dich nicht lösen kannst, auch nicht als deine Zeit in Bristol endet und ihr die zweistündige Zugfahrt überbrücken müsst, um euch zu sehen. Dass Gott für dich an erster Stelle steht, ist außer Frage und doch, wenn du im Bett neben ihm liegst, dann weißt du, dass Theo das ist, was dem Göttlichen auf Erden am nächsten kommt.<br>Und du hasst ihn dafür. Weil er sich zwischen dich und deine Berufung stellt und sich nicht einmal dafür schämt, das zu zerstören, was du dir aufgebaut hast. Nicht nur einmal laufen Tränen über dein Gesicht, wenn du auf der hölzernen Kniebank zusammensackst und spürst, wie die Flammen der Hölle nach dir greifen.<br>Und irgendwann kommt der Punkt, an dem sich diese geballte Verzweiflung und Wut und Liebe und Hass und all das, was du nicht fühlen willst, darfst, sollst entlädt und du Vergeltung übst für das, was er dir angetan hat, aber du dir eben auch selbst. Nach der Extase brennt sich die Sünde in deinen Verstand, wie es sonst nichts tut und doch kann dich nichts von dieser Versuchung reißen, die dich übermannt, wenn ihr beieinander seid.<br>Aber da ist das Kind ohnehin schon in den Brunnen gefallen, oder? Du redest dir ein, dass es temporär wäre, diese Verbindung, die ihr teilt. Dass du ordiniert wirst und zurück in deine Diözese nach Manchester gehst, erzählst du ihm knapp eine Woche, bevor du Umzugskartons in den Wagen trägst und du weißt, dass es richtig so ist. Denn bist du erstmal ordiniert, geweiht von deinem Herrn, dann wird Er dir die Kraft geben, all das hinter dir zu lassen, was dich jetzt noch plagt.<br />
	</div>
	<div class="s-b">Priesthood <ti>2015-</ti></div>
	<div class="s-tb">Oder auch nicht. Du hattest dir vom Priestertum erhofft, dass es dich reinwäscht, heilig spricht, wie eine Taufe. Doch wie bei einer Taufe ist nichts passiert, was nicht im Kopf hätte passieren müssen. Immer wieder gibt es Phasen in denen du dich loslöst, aber warum du dir immer noch vorheuchelst, dass dieses Mal das letzte sein würdest, weißt du auch nicht. Ihr könnt nicht ohne einander, miteinander aber auch nicht; verliebt mindestens genauso sehr in dieses Spiel von heiß und kalt wie ineinander. Du hasst diese Sommersprossen und dieses freche Lächeln und dich selbst und liebst ihn wie ein Ketzer seinen verbotenen Gott, wie der Teufel das Licht und wie ein Engel den Fall und du willst ihn verschlingen, willst dass er dich liebt, willst Gedichte von ihm schreiben und sie zerstören und ihn zerstören und dass er am Morgen neben dir liegt und ihn würgen und über seine nackte Haut streichen und schreien. Nur für einen kurzen Augenblick lieben, obwohl du es nicht Liebe nennen würdest, die euch schon so lange begleitet.<br><br>Und dann stehst du in der Messe, zelebrierst die Eucharistie und verdrängst dieses Doppelleben, das du dir völlig versehentlich aufgebaut hast. Wenn du eine Wahl treffen würdest, dann wäre es die Kirche, der du dich verpflichtest. Aber solange du nicht dazu gezwungen wirst, änderst du nichts, nicht nachhaltig. Dafür macht ihr das schon viel zu lange.<br />
	</div></div> </div> </div>
<br />
<style>.lee-facts { padding: 10px; } .lee-facts-title { font-family: 'Montserrat', sans-serif; text-transform: uppercase; text-align: left; font-weight: bold; letter-spacing: 2px; margin-bottom: -10px; } .lee-facts ul { list-style-type: none; margin-left: -30px; } .lee-facts ul li { padding: 2px 0; }</style><br />
<style>.s-b {position:absolute} .s-wr {margin:auto}.s-b {background-color: #2a698b }.s-tb, .l-b{position:relative}.s-tb{text-align: justify}.s-b dt{font-weight:600}.s-wr{width:100%;border-left: solid 8px #2a698b}.s-b{max-width:440px;z-index: 2; padding:5px 10px 5px 15px;font-size:13px;font-family: 'Montserrat', sans-serif;;color:#fff;text-transform:uppercase;letter-spacing:0.5px}.s-b ti{font-size:10px}.s-tb{padding: 37px 15px 10px 10px;}</style>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Rohan Pandey]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2188</link>
			<pubDate>Sun, 13 Mar 2022 19:03:21 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=464">Rohan Pandey</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=2188</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki"><div class="p2">Rohan Pandey</div><div class="p3">Rainbow noir</div><div class="ph1"><div class="ph2"><div class="p9">„</div><div class="p10">People see me and perceive me in the worst light</div></div><img src="https://i.ibb.co/GT6Qmth/rohan-header3.png" alt="rohan-header3" border="0"></a></div>
<div class="p4">
<table><tr><td class="p6">
<div class="feldu" style="width: 150px; margin-left: 5px;" >Maira</div>
<div class="feldb2"><span class="bvpr">Alter // </span>35 Jahre</div><div class="feldb2" ><span class="bvpr">Job // </span>Interner Ermittler</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Pizza // </span>Napoli</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Ava // </span>Rahul Kohli</div>
</td>
<td><div class="p7"><div class="p5-2"><img src="https://i.ibb.co/Wtv0nG6/Rohangif2.gif" alt="Rohangif2" border="0"></a></div> So richtig irgendwo reingepasst hast du eigentlich noch nie. Weder in deine Familie, noch in der Schule und jetzt bei deiner Arbeit erst recht nicht. Aber als schwuler Sohn indischer Einwanderer ist das auch nicht so einfach, trotzdem hattest du immer das starke Gefühl, dass es nicht an dir liegt, sondern an den anderen. Vielleicht fiel es dir deshalb so leicht, in die innere Abteilung der Polizei zu wechseln, als sich dir die Gelegenheit dazu bot. Auch wenn dich das noch mehr zu einem Außenseiter gemacht hat, als du es ohnehin schon warst und deine Kollegen dich das auch jeden Tag spüren lassen. Aber das ist dir egal, zumindest redest du dir das ein. Viel wichtiger ist, dass du so die Chance hast, die Strukturen bei der Polizei verändern zu können. Dafür nimmst du dann auch in Kauf, dass du, bevor du mit dem Auto losfährst, sicherheitshalber noch einmal die Radmuttern kontrollierst und nachts eben doch nicht so leicht einschläfst, wie du es gern hättest. Wenigstens lenkt dich dein großer Freundes- und Bekanntenkreis immer mal wieder von dem ganzen Mist bei der Arbeit ab und hier kannst du auch deine warme und lockere Seite zeigen. </div> </td>
</tr></table>
<div class="p8">Find it hard to read me</div>
<br />
„Scheiß Paki“, „Nestbeschmutzer“, „Kollegenschwein“, „arrogantes Arschloch“ bei diesen Beleidigungen zuckt Rohan schon lange nicht mehr zusammen, zu oft hat er sie schon gehört, als dass sie noch eine Reaktion in ihm auslösen würden. Außerdem ist er fest davon überzeugt, dass er das schon aushalten kann. Besser, es trifft ihn als jemand anderen, der es vielleicht nicht so gut wegsteckt. Das war schon früher so, wenn er mit seiner kleinen Schwester unterwegs war. Dabei ist er eigentlich viel zu mitfühlend und gar nicht so kalt, wie er sich manchmal gibt. Gerade wenn es um andere geht, wird ihm immer wieder bewusst, wie zerstörerisch diese Beleidigungen sein können. <br />
<br />
Seinen Glauben, dass die meisten Menschen gute Absichten haben und ihm im Notfall helfen werden, hat er aber schon lange verloren. Am Ende des Tages steht er im schlimmsten Fall doch alleine da, zumindest ist Rohan davon fest überzeugt. Seitdem er mit fünfzehn Jahren zu dieser Erkenntnis gekommen ist, ist er nicht mehr der brave, angepasste indische Junge, zu dem seine Eltern ihn erziehen wollten. Denn brav sein und Angepasstheit machen einen nur zu einem leichteren Opfer, verschaffen einem aber keinen Respekt und Gleichberechtigung. Diese Überzeugung hat Rohan seither verinnerlicht, genauso wie die Wut über eine Gesellschaft und ein System, das nur so vor Vorurteilen und Ungerechtigkeiten strotzt. In seinem Beruf leitet er diese Emotionen in konstruktive Bahnen und hält sich auch penibel an sämtliche Vorschriften, um sich und seine Ermittlungen nicht angreifbar zu machen. Trotzdem reichen ihm die Konsequenzen und verhängten Strafen oft nicht. Den Frust darüber nimmt er von der Arbeit mit nach Hause. Generell fällt es ihm schwer, nach der Arbeit abzuschalten, dafür geht es ihm eben doch zu nahe, auch wenn er das nie zugeben würde. <br />
<br />
Dabei lebt Rohan nicht nur für die Arbeit, auch privat engagiert er sich für die Rechte von Minderheiten und hat einen großen Freundes- oder zumindest Bekanntenkreis, denn oft fehlt ihm die Zeit, die Kontakte und Freundschaften so zu pflegen, wie er es gerne tun würde. Im Grunde ist er aber eigentlich ein loyaler Freund, auch wenn er manchmal dazu neigt, zu schnell ein Urteil über jemanden zu fällen, der seine Überzeugungen nicht teilt. Denn seine Überzeugungen sind Rohan extrem wichtig, die verteidigt er bis aufs Blut. Überhaupt schreckt er vor keinem Konflikt oder einer Konfrontation zurück, allerdings werden die nur verbal ausgetragen, gewalttätig wird er nicht.<br />
<br />
<div class="p8">Being Human in public</div>
Kurz blinkte eine Nachricht auf Rohans Handy auf. „Kommst du am Sonntag zum Essen?“ Seine Mutter wer sonst, stellte er mit einem müden Lächeln fest. Er wusste schon jetzt, welche Frage sie wieder stellen würde. Ob er nicht doch endlich heiraten wollte? Es gäbe da ein ganz reizendes Mädchen… Irgendwie hatte sie immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass er eines Tages der perfekte Sohn werden könnte, den sie sich immer gewünscht hatte. Aber wann war er schon der perfekte Sohn gewesen? Vielleicht am Anfang, bei seiner Geburt, als seine Eltern noch das Potenzial in ihm gesehen hatten all ihre Wünsche zu erfüllen. Der nächste Schritt in ihrem bis dahin fast bilderbuchhaft verlaufenem Leben. Genauso wie es das Horoskop zu ihrer Eheschließung vorhergesagt hatte. Damals waren Sie das perfekte Paar gewesen: Sein Vater der Arzt, der nach seinem Medizinstudium in Neu Delhi eine Stelle in Großbritannien gefunden hatte und seine Mutter, die Tochter aus gutem Hause, die ihm ein paar Jahre später dorthin gefolgt war. <br />
Auch für Rohan waren seine Eltern perfekt gewesen und wenn er als Kind eines wollte, dann ihre Erwartungen erfüllen. Am Anfang war das noch einfach, aber spätestens als er in die Schule gekommen war, hatten die Probleme angefangen. Nicht dass er ein schlechter Schüler gewesen wäre, aber gut sein reichte seinen Eltern nicht. Neunzig Punkte im Test, warum waren es keine hundert? Vor allem sein Vater Varun, der es selbst durch das harte Auswahlverfahren auf die Uni zum Medizinstudium geschafft hatte, war da sehr streng. Solange Rohan nicht Klassenbester war, lernte er einfach nicht genug. Aber selbst wenn Rohan es versuchte, schaffte er es nicht perfekt zu sein, irgendein dummer Fehler passierte ihm immer oder er kam trotz allem nicht auf die richtige Lösung. Irgendwann wurde es einfach nur noch frustrierend, die Stunden am Schreibtisch, die Enttäuschung und der Druck der Eltern. Er sehnte sich nach Unbeschwertheit und Anerkennung, die er nur fand, wenn er mit seiner kleinen Schwester spielte. Neha war drei Jahre jünger als er und Rohan hatte sie direkt in sein Herz geschlossen, als er sie das erste Mal im Krankenhaus gesehen hatte. Später hatte er dann beschlossen, dass er, wenn er sonst schon für nichts taugte, immerhin der beste große Bruder werden würde, den ein kleines Mädchen je gehabt hatte. Darum war er auch nur ganz selten genervt, wenn sie etwas von seinem Spielzeug kaputtmachte. <br />
<br />
Wenn es sonst noch etwas neben dem Spielen mit seiner Schwester gab, das einfach und unkompliziert in Rohans Kindheit war und das er über alles liebte, dann waren es die Schulpausen. Da interessierte es niemanden, wie seine Schulnoten waren, ob er anders aussah oder nach Curry roch. Alles, was er hier können musste, war, begeistert hinter einem Ball herlaufen und halbwegs gut schießen und das konnte er. Das reichte völlig, um von den anderen Jungs akzeptiert zu werden. Sehnsüchtig schaute er darum auch manchmal der Schulmannschaft bei ihrem Nachmittagstraining zu, während er schon wieder nach Hause musste, im schlimmsten Fall sogar, um seinen Eltern zu beichten, dass es doch nur eine, zwei in der Mathearbeit geworden war. Irgendwann musste sogar sein Vater gemerkt haben, dass er sich für Fußball interessierte, denn er stellte Rohan in Aussicht eventuell Mitglied der Schulmannschaft werden zu dürfen, wenn er es schaffte seinen Notenschnitt zu verbessern. Natürlich klappte es nicht, aber nachdem Rohan seinen Vater lange genug bekniet hatte, willigte der doch irgendwann ein. Warum wusste Rohan selbst nicht so genau, denn sein Vater gab für gewöhnlich nie nach. Aber es war ihm im Grunde auch egal, denn tatsächlich schaffte er es nach dem Auswahlverfahren in die Mannschaft. <br />
<br />
Für Rohan war das wirklich ein Glücksfall, denn hier fand er nicht nur den dringend benötigten Ausgleich zum Schul- und Lernalltag, sondern schloss auch neue Freundschaften. Ironischerweise entpuppte sich die Fußballmannschaft aber auch als das, was seine Eltern einen schlechten Einfluss genannt hätten. In der Umkleide nach einem Spiel fiel Rohan zum ersten Mal auf, dass er Jungen auch auf andere Weise interessant fand als bisher. Zuerst konnte er das gar nicht einordnen, da Sex und Sexualität ein Tabuthema in seiner Familie waren, über das seine Eltern einfach nicht mit ihnen sprachen. Und in den Filmen, die sie zusammen sahen kam es auch nicht vor, da waren die Männer zwar eng befreundet, aber kamen am Ende immer mit einer Frau zusammen. Und dass er irgendwann auch eine Frau heiraten würde, schien für Rohan damals noch ein unumstößliches Gesetz zu sein. Erst im Sexualkundeunterricht der Schule begriff er langsam was mit ihm los war. Auch wenn er das nicht wollte, weil ihm sofort klar war, dass er seine Eltern so nur noch ein weiteres Mal enttäuschen würde. Und auch sonst war sein Umfeld und Freundeskreis nicht so, dass er das Gefühl hatte, sich dort je outen zu können. Und so schob er die Tatsache, dass er schwul war, erst einmal zur Seite und versuchte sie zu ignorieren. Vielleicht würde das auch alles von alleine weggehen? <br />
<br />
Es spielte sowieso erst einmal keine große Rolle, schließlich hätten sich seine Eltern auch darüber aufgeregt, wenn er ein Mädchen gedatet hätte und bei seinen Freunden konnte er es darauf schieben, dass seine Eltern in dieser Hinsicht sehr streng waren. Wobei ihn das später nicht von anderen Sachen abhielt. Denn mit fünfzehn verabschiedete er sich zunehmend von dem Gedanken, den Vorstellungen seiner Eltern entsprechen zu müssen. Vielleicht war es zum Teil auch die normale Pubertät, der Wunsch, sich auszuprobieren, der ihn dazu brachte, sich abends mit seinen Freunden aus dem Fußballverein hinter der Schulturnhalle zu treffen und heimlich zu rauchen und zu trinken. Aber was ihn vermutlich wirklich dazu brachte, war ein ganz anderer Vorfall. Eines Abends war Rohan mit seiner Schwester auf dem Heimweg, als ein betrunkener Mann ihr anzügliche Kommentare hinterherrief. Beide reagierten so, wie es ihnen von ihren Eltern beigebracht worden war, schnell weiter gehen und die Kommentare ignorieren. Nur nicht noch mehr auffallen und die Person weiter provozieren. Aber der Mann ließ nicht locker, stattdessen folgte er ihnen und dass sie ihn nicht beachteten, schien ihn nur noch weiter zu provozieren. So rief er ihnen nun hinterher ‚Dass er sich mit so einer kleinen Paki Hure eh nicht abgeben würde‘ und weitere rassistische Beleidigungen folgten. Als er Rohan und seiner Schwester dann auch noch eine leere Flasche hinterherwarf, reichte es Rohan und er konnte den Mann einfach nicht länger ignorieren. Wütend drehte er sich um und schrie dem Betrunkenen nun entgegen, dass er seine verdammte Fresse halten sollte, während er ein paar Schritte auf ihn zu ging. Ohne wirklich zu wissen, was er als Nächstes tun sollte, falls der andere nicht klein beigab. Ihn schubsen, ihn schlagen … Zum Glück war der Betrunkene aber wohl selbst so perplex über diese Reaktion, mit der er ganz offensichtlich nicht gerechnet hatte, dass er tatsächlich von ihnen abließ und sich zurückzog. <br />
Für Rohan war das tatsächlich ein Aha-Erlebnis in der Hinsicht, dass sein Vater nicht immer recht hatte. Dass es durchaus Sinn machte, sich zu wehren und nicht ständig anzupassen. Daher kam wohl auch sein Wunsch, Polizist zu werden, auch wenn das ein weiterer Konfliktpunkt mit seinen Eltern wurde. Abgesehen davon, dass sie eigentlich wollten, dass er Arzt oder Ingenieur wurde, hätten sie sich vermutlich auch noch mit einem Abschluss in Jura, Wirtschaft oder Informatik zufriedengegeben. Aber Polizist? Rohans Eltern hätten sich mit einem Problem nie an die Polizei gewandt, nicht nur in Manchester, sondern auch in Indien. Da löste man jedes Problem lieber selbst und ging nicht zur Polizei, weil man ihr nicht vertraute. Darum verstanden sie auch nicht, warum ihr Sohn sich ausgerechnet für diesen Beruf interessierte, anstatt etwas Angeseheneres mit besserer Bezahlung zu wählen. Da musste man sich dann später auch nicht bestechen lassen. Aber Rohan war taub für die Argumente seiner Eltern. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, Polizist zu werden, weil er der Meinung war, dass etwas am System geändert werden musste und er das konnte. <br />
<br />
Zu dieser Zeit machte Rohan auch seine ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Mann. James. Auch wenn sie beide keine Freunde waren, sondern Partner in ihrem A-Level Biologie Projekt. James war eher ungesellig, Death-Metal Fan, aber innerlich genauso wütend wie Rohan und daran interessiert, sexuell zu experimentieren. Sie trafen sich regelmäßig für ihr Biologie Projekt ( das perfekte Alibi) und führten nebenbei noch ein paar andere biologische Experimente durch. Ein Outing vor seinen Eltern wäre für Rohan zu diesem Zeitpunkt aber nie infrage gekommen. Im Grunde wusste er zwar damals schon, dass sich nicht zu outen keine Lösung war, aber er wartete trotzdem, bis er seine Ausbildung als Polizist abgeschlossen hatte und nicht mehr wirtschaftlich von ihnen abhängig war. Da er nicht wusste, wie dieses Gespräch ausgehen würde. Fest stand für ihn nur, dass er sein Leben nicht damit verbringen wollte, vorzutäuschen jemand anderes zu sein, als er war. Es war schon anstrengend genug gewesen, in letzten Jahren dieses straighte Scheinleben vor seinen Eltern zu führen, und er wollte sie einfach nicht mehr anlügen müssen. Die Reaktion seiner Eltern war dann trotzdem leider nicht sonderlich positiv. Rohans Mutter machte sich Sorgen, dass niemand mehr bereit sein würde, seine Schwester zu heiraten, wenn die Leute wüssten, dass er schwul ist. Und sein Vater warf ihm an den Kopf ‚Dass er nicht zu ihm kommen und sagen sollte, dass er schwul sei, als hätte er damit etwas Tolles erreicht. Sondern sich besser schämen und es verheimlichen sollte.‘ Daraufhin hatte Rohan ihm an den Kopf geworfen, dass er sich nie dafür schämen würde. Und wenn sie beide die Tatsache, dass er schwul war nicht akzeptieren konnten, würden sie sich halt nicht mehr sehen. Danach hatte er einfach die Wohnung verlassen und sich nicht mehr bei seinen Eltern gemeldet. Nach einigen Wochen hatte seine Mutter ihn dann irgendwann angerufen, ihn gefragt wie es ihm ginge. Lang war das Telefonat nicht gegangen, da seine Mutter sich nicht entschuldigt hatte und auch nicht gewillt war darüber zu sprechen. Aber sie rief immer wieder an, dann nach einiger Zeit auch sein Vater. Scheinbar war das die Art seiner Eltern mit der Situation umzugehen und Rohan akzeptierte es schließlich. Obwohl er schon immer von seinen Freunden erzählte, einen hatten seine Eltern sogar kennengelernt. Oliver, der ironischerweise Medizinstudent war und den sein Vater vermutlich deshalb sogar mochte. <br />
<br />
Die Beziehung ging aber in die Brüche, nachdem Rohan zur internen Ermittlung gewechselt hatte. Im Grunde sein Traumjob bei der Polizei. Denn nun konnte er tatsächlich aktiv etwas gegen die Korruption, Polizeigewalt und den Mantel des Schweigens, der gerne über solche Vergehen gedeckt wurde, tun. Etwas, das ihn schon lange gestört und manchmal echt an seinem Job hatte verzweifeln lassen. (Vielleicht hatte sein Vater damals bei seiner Berufswahl doch gar nicht so unrecht gehabt. Aber das würde Rohan natürlich nie zu geben.) Allerdings hatte er auch ein bisschen unterschätzt wie viel Hass man als offen schwul lebender interner Ermittler auf sich ziehen konnte. Und die Drohbriefe, die aufgeschlitzten Autoreifen und der nächtliche Telefonterror, war nichts mit dem Oliver sich auf Dauer Abfinden konnte. Verständlicherweise. Denn auch Rohan wollte nicht, dass sein Partner langfristig unter seiner beruflichen Entscheidung mitleiden musste und so trennten sich beide einvernehmlich. Seitdem ist Rohan noch mehr darauf bedacht sein Privatleben zu schützen und würde aus diesem Grund im Moment auch mit niemandem mehr zusammen ziehen wollen. <br />
<br />
<div class="p8">Searching for meaning with my burnt eyes</div>
# spricht neben Englisch auch Hindi # raucht viel zu viel # hat zwei Tattoos # weil er nachts oft keine Ruhe findet, greift er immer mal wieder zu Schlaftabletten # liebt alles, was Koffein enthält von Chai bis Kaffee # wurde als Hindu erzogen, ist aber nicht mehr wirklich religiös # hasst Bollywood Filme offiziell, kennt aber überraschend viele # am liebsten isst er Pani Puri, Lammcurry und Kentucky fried Chicken # Rindfleisch würde er aber nie anrühren # ist neben Fußball auch begeisterter Cricket Fan # Vikram Chandras „Sacred Games“ und Hanya Yanagiharas „Ein bisschen Leben“ sind seine Lieblingsromane # sonntags kommen er und seine Schwester meist nicht um das verpflichtende Mittagessen bei ihren Eltern herum # hat die meisten Sommerferien bei seiner Familie in Indien verbracht # hat die eiserne Regel Alkohol nie allein, sondern nur in Gesellschaft zu trinken # kann ziemlich gut kochen # abends nach der Arbeit fehlt ihm aber meistens die Motivation dazu # hört gerne 90er Hip Hop und RnB # es gibt da aber auch noch eine Playlist mit Bollywoodsongs # da kommt dann die Nostalgie an seine Kindheit und Jugend durch # <br />
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</div></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki"><div class="p2">Rohan Pandey</div><div class="p3">Rainbow noir</div><div class="ph1"><div class="ph2"><div class="p9">„</div><div class="p10">People see me and perceive me in the worst light</div></div><img src="https://i.ibb.co/GT6Qmth/rohan-header3.png" alt="rohan-header3" border="0"></a></div>
<div class="p4">
<table><tr><td class="p6">
<div class="feldu" style="width: 150px; margin-left: 5px;" >Maira</div>
<div class="feldb2"><span class="bvpr">Alter // </span>35 Jahre</div><div class="feldb2" ><span class="bvpr">Job // </span>Interner Ermittler</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Pizza // </span>Napoli</div><div class="feldb2"><span class="bvpr">Ava // </span>Rahul Kohli</div>
</td>
<td><div class="p7"><div class="p5-2"><img src="https://i.ibb.co/Wtv0nG6/Rohangif2.gif" alt="Rohangif2" border="0"></a></div> So richtig irgendwo reingepasst hast du eigentlich noch nie. Weder in deine Familie, noch in der Schule und jetzt bei deiner Arbeit erst recht nicht. Aber als schwuler Sohn indischer Einwanderer ist das auch nicht so einfach, trotzdem hattest du immer das starke Gefühl, dass es nicht an dir liegt, sondern an den anderen. Vielleicht fiel es dir deshalb so leicht, in die innere Abteilung der Polizei zu wechseln, als sich dir die Gelegenheit dazu bot. Auch wenn dich das noch mehr zu einem Außenseiter gemacht hat, als du es ohnehin schon warst und deine Kollegen dich das auch jeden Tag spüren lassen. Aber das ist dir egal, zumindest redest du dir das ein. Viel wichtiger ist, dass du so die Chance hast, die Strukturen bei der Polizei verändern zu können. Dafür nimmst du dann auch in Kauf, dass du, bevor du mit dem Auto losfährst, sicherheitshalber noch einmal die Radmuttern kontrollierst und nachts eben doch nicht so leicht einschläfst, wie du es gern hättest. Wenigstens lenkt dich dein großer Freundes- und Bekanntenkreis immer mal wieder von dem ganzen Mist bei der Arbeit ab und hier kannst du auch deine warme und lockere Seite zeigen. </div> </td>
</tr></table>
<div class="p8">Find it hard to read me</div>
<br />
„Scheiß Paki“, „Nestbeschmutzer“, „Kollegenschwein“, „arrogantes Arschloch“ bei diesen Beleidigungen zuckt Rohan schon lange nicht mehr zusammen, zu oft hat er sie schon gehört, als dass sie noch eine Reaktion in ihm auslösen würden. Außerdem ist er fest davon überzeugt, dass er das schon aushalten kann. Besser, es trifft ihn als jemand anderen, der es vielleicht nicht so gut wegsteckt. Das war schon früher so, wenn er mit seiner kleinen Schwester unterwegs war. Dabei ist er eigentlich viel zu mitfühlend und gar nicht so kalt, wie er sich manchmal gibt. Gerade wenn es um andere geht, wird ihm immer wieder bewusst, wie zerstörerisch diese Beleidigungen sein können. <br />
<br />
Seinen Glauben, dass die meisten Menschen gute Absichten haben und ihm im Notfall helfen werden, hat er aber schon lange verloren. Am Ende des Tages steht er im schlimmsten Fall doch alleine da, zumindest ist Rohan davon fest überzeugt. Seitdem er mit fünfzehn Jahren zu dieser Erkenntnis gekommen ist, ist er nicht mehr der brave, angepasste indische Junge, zu dem seine Eltern ihn erziehen wollten. Denn brav sein und Angepasstheit machen einen nur zu einem leichteren Opfer, verschaffen einem aber keinen Respekt und Gleichberechtigung. Diese Überzeugung hat Rohan seither verinnerlicht, genauso wie die Wut über eine Gesellschaft und ein System, das nur so vor Vorurteilen und Ungerechtigkeiten strotzt. In seinem Beruf leitet er diese Emotionen in konstruktive Bahnen und hält sich auch penibel an sämtliche Vorschriften, um sich und seine Ermittlungen nicht angreifbar zu machen. Trotzdem reichen ihm die Konsequenzen und verhängten Strafen oft nicht. Den Frust darüber nimmt er von der Arbeit mit nach Hause. Generell fällt es ihm schwer, nach der Arbeit abzuschalten, dafür geht es ihm eben doch zu nahe, auch wenn er das nie zugeben würde. <br />
<br />
Dabei lebt Rohan nicht nur für die Arbeit, auch privat engagiert er sich für die Rechte von Minderheiten und hat einen großen Freundes- oder zumindest Bekanntenkreis, denn oft fehlt ihm die Zeit, die Kontakte und Freundschaften so zu pflegen, wie er es gerne tun würde. Im Grunde ist er aber eigentlich ein loyaler Freund, auch wenn er manchmal dazu neigt, zu schnell ein Urteil über jemanden zu fällen, der seine Überzeugungen nicht teilt. Denn seine Überzeugungen sind Rohan extrem wichtig, die verteidigt er bis aufs Blut. Überhaupt schreckt er vor keinem Konflikt oder einer Konfrontation zurück, allerdings werden die nur verbal ausgetragen, gewalttätig wird er nicht.<br />
<br />
<div class="p8">Being Human in public</div>
Kurz blinkte eine Nachricht auf Rohans Handy auf. „Kommst du am Sonntag zum Essen?“ Seine Mutter wer sonst, stellte er mit einem müden Lächeln fest. Er wusste schon jetzt, welche Frage sie wieder stellen würde. Ob er nicht doch endlich heiraten wollte? Es gäbe da ein ganz reizendes Mädchen… Irgendwie hatte sie immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass er eines Tages der perfekte Sohn werden könnte, den sie sich immer gewünscht hatte. Aber wann war er schon der perfekte Sohn gewesen? Vielleicht am Anfang, bei seiner Geburt, als seine Eltern noch das Potenzial in ihm gesehen hatten all ihre Wünsche zu erfüllen. Der nächste Schritt in ihrem bis dahin fast bilderbuchhaft verlaufenem Leben. Genauso wie es das Horoskop zu ihrer Eheschließung vorhergesagt hatte. Damals waren Sie das perfekte Paar gewesen: Sein Vater der Arzt, der nach seinem Medizinstudium in Neu Delhi eine Stelle in Großbritannien gefunden hatte und seine Mutter, die Tochter aus gutem Hause, die ihm ein paar Jahre später dorthin gefolgt war. <br />
Auch für Rohan waren seine Eltern perfekt gewesen und wenn er als Kind eines wollte, dann ihre Erwartungen erfüllen. Am Anfang war das noch einfach, aber spätestens als er in die Schule gekommen war, hatten die Probleme angefangen. Nicht dass er ein schlechter Schüler gewesen wäre, aber gut sein reichte seinen Eltern nicht. Neunzig Punkte im Test, warum waren es keine hundert? Vor allem sein Vater Varun, der es selbst durch das harte Auswahlverfahren auf die Uni zum Medizinstudium geschafft hatte, war da sehr streng. Solange Rohan nicht Klassenbester war, lernte er einfach nicht genug. Aber selbst wenn Rohan es versuchte, schaffte er es nicht perfekt zu sein, irgendein dummer Fehler passierte ihm immer oder er kam trotz allem nicht auf die richtige Lösung. Irgendwann wurde es einfach nur noch frustrierend, die Stunden am Schreibtisch, die Enttäuschung und der Druck der Eltern. Er sehnte sich nach Unbeschwertheit und Anerkennung, die er nur fand, wenn er mit seiner kleinen Schwester spielte. Neha war drei Jahre jünger als er und Rohan hatte sie direkt in sein Herz geschlossen, als er sie das erste Mal im Krankenhaus gesehen hatte. Später hatte er dann beschlossen, dass er, wenn er sonst schon für nichts taugte, immerhin der beste große Bruder werden würde, den ein kleines Mädchen je gehabt hatte. Darum war er auch nur ganz selten genervt, wenn sie etwas von seinem Spielzeug kaputtmachte. <br />
<br />
Wenn es sonst noch etwas neben dem Spielen mit seiner Schwester gab, das einfach und unkompliziert in Rohans Kindheit war und das er über alles liebte, dann waren es die Schulpausen. Da interessierte es niemanden, wie seine Schulnoten waren, ob er anders aussah oder nach Curry roch. Alles, was er hier können musste, war, begeistert hinter einem Ball herlaufen und halbwegs gut schießen und das konnte er. Das reichte völlig, um von den anderen Jungs akzeptiert zu werden. Sehnsüchtig schaute er darum auch manchmal der Schulmannschaft bei ihrem Nachmittagstraining zu, während er schon wieder nach Hause musste, im schlimmsten Fall sogar, um seinen Eltern zu beichten, dass es doch nur eine, zwei in der Mathearbeit geworden war. Irgendwann musste sogar sein Vater gemerkt haben, dass er sich für Fußball interessierte, denn er stellte Rohan in Aussicht eventuell Mitglied der Schulmannschaft werden zu dürfen, wenn er es schaffte seinen Notenschnitt zu verbessern. Natürlich klappte es nicht, aber nachdem Rohan seinen Vater lange genug bekniet hatte, willigte der doch irgendwann ein. Warum wusste Rohan selbst nicht so genau, denn sein Vater gab für gewöhnlich nie nach. Aber es war ihm im Grunde auch egal, denn tatsächlich schaffte er es nach dem Auswahlverfahren in die Mannschaft. <br />
<br />
Für Rohan war das wirklich ein Glücksfall, denn hier fand er nicht nur den dringend benötigten Ausgleich zum Schul- und Lernalltag, sondern schloss auch neue Freundschaften. Ironischerweise entpuppte sich die Fußballmannschaft aber auch als das, was seine Eltern einen schlechten Einfluss genannt hätten. In der Umkleide nach einem Spiel fiel Rohan zum ersten Mal auf, dass er Jungen auch auf andere Weise interessant fand als bisher. Zuerst konnte er das gar nicht einordnen, da Sex und Sexualität ein Tabuthema in seiner Familie waren, über das seine Eltern einfach nicht mit ihnen sprachen. Und in den Filmen, die sie zusammen sahen kam es auch nicht vor, da waren die Männer zwar eng befreundet, aber kamen am Ende immer mit einer Frau zusammen. Und dass er irgendwann auch eine Frau heiraten würde, schien für Rohan damals noch ein unumstößliches Gesetz zu sein. Erst im Sexualkundeunterricht der Schule begriff er langsam was mit ihm los war. Auch wenn er das nicht wollte, weil ihm sofort klar war, dass er seine Eltern so nur noch ein weiteres Mal enttäuschen würde. Und auch sonst war sein Umfeld und Freundeskreis nicht so, dass er das Gefühl hatte, sich dort je outen zu können. Und so schob er die Tatsache, dass er schwul war, erst einmal zur Seite und versuchte sie zu ignorieren. Vielleicht würde das auch alles von alleine weggehen? <br />
<br />
Es spielte sowieso erst einmal keine große Rolle, schließlich hätten sich seine Eltern auch darüber aufgeregt, wenn er ein Mädchen gedatet hätte und bei seinen Freunden konnte er es darauf schieben, dass seine Eltern in dieser Hinsicht sehr streng waren. Wobei ihn das später nicht von anderen Sachen abhielt. Denn mit fünfzehn verabschiedete er sich zunehmend von dem Gedanken, den Vorstellungen seiner Eltern entsprechen zu müssen. Vielleicht war es zum Teil auch die normale Pubertät, der Wunsch, sich auszuprobieren, der ihn dazu brachte, sich abends mit seinen Freunden aus dem Fußballverein hinter der Schulturnhalle zu treffen und heimlich zu rauchen und zu trinken. Aber was ihn vermutlich wirklich dazu brachte, war ein ganz anderer Vorfall. Eines Abends war Rohan mit seiner Schwester auf dem Heimweg, als ein betrunkener Mann ihr anzügliche Kommentare hinterherrief. Beide reagierten so, wie es ihnen von ihren Eltern beigebracht worden war, schnell weiter gehen und die Kommentare ignorieren. Nur nicht noch mehr auffallen und die Person weiter provozieren. Aber der Mann ließ nicht locker, stattdessen folgte er ihnen und dass sie ihn nicht beachteten, schien ihn nur noch weiter zu provozieren. So rief er ihnen nun hinterher ‚Dass er sich mit so einer kleinen Paki Hure eh nicht abgeben würde‘ und weitere rassistische Beleidigungen folgten. Als er Rohan und seiner Schwester dann auch noch eine leere Flasche hinterherwarf, reichte es Rohan und er konnte den Mann einfach nicht länger ignorieren. Wütend drehte er sich um und schrie dem Betrunkenen nun entgegen, dass er seine verdammte Fresse halten sollte, während er ein paar Schritte auf ihn zu ging. Ohne wirklich zu wissen, was er als Nächstes tun sollte, falls der andere nicht klein beigab. Ihn schubsen, ihn schlagen … Zum Glück war der Betrunkene aber wohl selbst so perplex über diese Reaktion, mit der er ganz offensichtlich nicht gerechnet hatte, dass er tatsächlich von ihnen abließ und sich zurückzog. <br />
Für Rohan war das tatsächlich ein Aha-Erlebnis in der Hinsicht, dass sein Vater nicht immer recht hatte. Dass es durchaus Sinn machte, sich zu wehren und nicht ständig anzupassen. Daher kam wohl auch sein Wunsch, Polizist zu werden, auch wenn das ein weiterer Konfliktpunkt mit seinen Eltern wurde. Abgesehen davon, dass sie eigentlich wollten, dass er Arzt oder Ingenieur wurde, hätten sie sich vermutlich auch noch mit einem Abschluss in Jura, Wirtschaft oder Informatik zufriedengegeben. Aber Polizist? Rohans Eltern hätten sich mit einem Problem nie an die Polizei gewandt, nicht nur in Manchester, sondern auch in Indien. Da löste man jedes Problem lieber selbst und ging nicht zur Polizei, weil man ihr nicht vertraute. Darum verstanden sie auch nicht, warum ihr Sohn sich ausgerechnet für diesen Beruf interessierte, anstatt etwas Angeseheneres mit besserer Bezahlung zu wählen. Da musste man sich dann später auch nicht bestechen lassen. Aber Rohan war taub für die Argumente seiner Eltern. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, Polizist zu werden, weil er der Meinung war, dass etwas am System geändert werden musste und er das konnte. <br />
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Zu dieser Zeit machte Rohan auch seine ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Mann. James. Auch wenn sie beide keine Freunde waren, sondern Partner in ihrem A-Level Biologie Projekt. James war eher ungesellig, Death-Metal Fan, aber innerlich genauso wütend wie Rohan und daran interessiert, sexuell zu experimentieren. Sie trafen sich regelmäßig für ihr Biologie Projekt ( das perfekte Alibi) und führten nebenbei noch ein paar andere biologische Experimente durch. Ein Outing vor seinen Eltern wäre für Rohan zu diesem Zeitpunkt aber nie infrage gekommen. Im Grunde wusste er zwar damals schon, dass sich nicht zu outen keine Lösung war, aber er wartete trotzdem, bis er seine Ausbildung als Polizist abgeschlossen hatte und nicht mehr wirtschaftlich von ihnen abhängig war. Da er nicht wusste, wie dieses Gespräch ausgehen würde. Fest stand für ihn nur, dass er sein Leben nicht damit verbringen wollte, vorzutäuschen jemand anderes zu sein, als er war. Es war schon anstrengend genug gewesen, in letzten Jahren dieses straighte Scheinleben vor seinen Eltern zu führen, und er wollte sie einfach nicht mehr anlügen müssen. Die Reaktion seiner Eltern war dann trotzdem leider nicht sonderlich positiv. Rohans Mutter machte sich Sorgen, dass niemand mehr bereit sein würde, seine Schwester zu heiraten, wenn die Leute wüssten, dass er schwul ist. Und sein Vater warf ihm an den Kopf ‚Dass er nicht zu ihm kommen und sagen sollte, dass er schwul sei, als hätte er damit etwas Tolles erreicht. Sondern sich besser schämen und es verheimlichen sollte.‘ Daraufhin hatte Rohan ihm an den Kopf geworfen, dass er sich nie dafür schämen würde. Und wenn sie beide die Tatsache, dass er schwul war nicht akzeptieren konnten, würden sie sich halt nicht mehr sehen. Danach hatte er einfach die Wohnung verlassen und sich nicht mehr bei seinen Eltern gemeldet. Nach einigen Wochen hatte seine Mutter ihn dann irgendwann angerufen, ihn gefragt wie es ihm ginge. Lang war das Telefonat nicht gegangen, da seine Mutter sich nicht entschuldigt hatte und auch nicht gewillt war darüber zu sprechen. Aber sie rief immer wieder an, dann nach einiger Zeit auch sein Vater. Scheinbar war das die Art seiner Eltern mit der Situation umzugehen und Rohan akzeptierte es schließlich. Obwohl er schon immer von seinen Freunden erzählte, einen hatten seine Eltern sogar kennengelernt. Oliver, der ironischerweise Medizinstudent war und den sein Vater vermutlich deshalb sogar mochte. <br />
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Die Beziehung ging aber in die Brüche, nachdem Rohan zur internen Ermittlung gewechselt hatte. Im Grunde sein Traumjob bei der Polizei. Denn nun konnte er tatsächlich aktiv etwas gegen die Korruption, Polizeigewalt und den Mantel des Schweigens, der gerne über solche Vergehen gedeckt wurde, tun. Etwas, das ihn schon lange gestört und manchmal echt an seinem Job hatte verzweifeln lassen. (Vielleicht hatte sein Vater damals bei seiner Berufswahl doch gar nicht so unrecht gehabt. Aber das würde Rohan natürlich nie zu geben.) Allerdings hatte er auch ein bisschen unterschätzt wie viel Hass man als offen schwul lebender interner Ermittler auf sich ziehen konnte. Und die Drohbriefe, die aufgeschlitzten Autoreifen und der nächtliche Telefonterror, war nichts mit dem Oliver sich auf Dauer Abfinden konnte. Verständlicherweise. Denn auch Rohan wollte nicht, dass sein Partner langfristig unter seiner beruflichen Entscheidung mitleiden musste und so trennten sich beide einvernehmlich. Seitdem ist Rohan noch mehr darauf bedacht sein Privatleben zu schützen und würde aus diesem Grund im Moment auch mit niemandem mehr zusammen ziehen wollen. <br />
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<div class="p8">Searching for meaning with my burnt eyes</div>
# spricht neben Englisch auch Hindi # raucht viel zu viel # hat zwei Tattoos # weil er nachts oft keine Ruhe findet, greift er immer mal wieder zu Schlaftabletten # liebt alles, was Koffein enthält von Chai bis Kaffee # wurde als Hindu erzogen, ist aber nicht mehr wirklich religiös # hasst Bollywood Filme offiziell, kennt aber überraschend viele # am liebsten isst er Pani Puri, Lammcurry und Kentucky fried Chicken # Rindfleisch würde er aber nie anrühren # ist neben Fußball auch begeisterter Cricket Fan # Vikram Chandras „Sacred Games“ und Hanya Yanagiharas „Ein bisschen Leben“ sind seine Lieblingsromane # sonntags kommen er und seine Schwester meist nicht um das verpflichtende Mittagessen bei ihren Eltern herum # hat die meisten Sommerferien bei seiner Familie in Indien verbracht # hat die eiserne Regel Alkohol nie allein, sondern nur in Gesellschaft zu trinken # kann ziemlich gut kochen # abends nach der Arbeit fehlt ihm aber meistens die Motivation dazu # hört gerne 90er Hip Hop und RnB # es gibt da aber auch noch eine Playlist mit Bollywoodsongs # da kommt dann die Nostalgie an seine Kindheit und Jugend durch # <br />
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</div></div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Padraig Lynch]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=398</link>
			<pubDate>Thu, 22 Dec 2016 00:38:50 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=110">Padraig Lynch</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=398</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Padraig Lynch</div>
  <div class="p3">unbe-fucking-lievable</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> I’m the dashboard hula girl of nodding self-deception</div>
    </div>
    <img src=https://i.imgur.com/3GJ081l.jpeg><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Username</div>
      <div>Alter // 38 Jahre</div>
      <div>
        Job // Pubbesitzer</div>
      <div>
        Pizza // Hawaii</div>
      <div>
        Ava // Tom Hardy</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src=https://imgur.com/ulWFURa.gif><br />
      </div>
      Dieser Mix aus Akzenten mit 50% irischem Anteil könnte ja seine Herkunft verraten, wenn's bei dem Genuschel nicht schon schwierig genug wäre, überhaupt einen zusammenhängenden Satz zu erraten. Weil ihm die jahrhundertelange Unterdrückung der Iren auch als ganz eigener Weltschmerz in der Seele sitzt, findet er den Spitznamen „Paddy“ ja gar nicht so geil. Fuck it, nach der vierten Pint ist er eh Freund mit allen. Außer mit den Leuten, die sich ans Bein gepisst fühlen, wenn er ihnen den Billigwein im 0,56-Liter-Glas serviert. In den 38 Jahren hat er für noch niemanden 'ne Extrawurst gemacht. Denkste. So als Mann ohne Prinzipien kann man sich ja Ausnahmen erlauben und seit er den Köter hat, ist er sowieso weich geworden, sagen manche? Die jagt er dann zu gerne mit Mistgabeln und Fackeln aus dem Dorf, äh Pub. Seine fucking Insel, seine verschissenen Regeln.<br />
    </div>
    <div class="p8">OVER THE HILL IN THE BIG GREEN COUNTRY</div>
      <strong>Mutter</strong><br />
      <blockquote><b>Ella Lynch</b>, Hausfrau, 56 Jahre # Pat hilft ja schon ziemlich lange beim Brot verdienen und Wänste erziehen und ist überhaupt ein ganz unabhängiger Typ. Er schätzt das aber, dass sie sich liebevoll um ihre Kinder kümmert und am liebsten wohl noch eine ganze Fußballmannschaft zur Welt bringen würde, wenn sie nicht langsam zu alt dafür wäre. Hat stattdessen selbst die Kinder von den Seitensprüngen ihres Mannes in die Familie aufgenommen (es ist <i>einmal</i> vorgekommen, übertreib nicht).</blockquote>
      <strong>Vater</strong><br />
      <blockquote><b>Eddie Lynch</b>, <i>in between jobs</i>, 60 Jahre # Der hat vor 33 Jahren die Familie nach England gekarrt, um da einen Job und Reichtum zu finden. Ist irgendwie nur bis zum Pub an der Ecke gekommen. Wettschulden, wechselnde Jobs im Wochentakt und "Freunde", die ihren Frauen den Mund verbieten, wenn die Männer reden: ein ganz normaler Typ in Salford also. Vielleicht hilft’s, dass der sich nen Scheiß interessiert dafür, was Zuhause abgeht und generell selten auftaucht.</blockquote>
      <strong>Bruder</strong><br />
      <blockquote><b>Joshua Lynch</b>, Aushilfe im Hounds Pits, 38 Jahre # Irgendwann plötzlich aufgetaucht und seitdem bisschen wie Pats Zwillingsbruder. Hätte man ja nen Groll hegen können gegen das Kuckuckskind, das genauso gut die Familie hätte zerstören können. Aber da kommt Pat echt nach seiner Mum, wenn’s um das Ausbügeln der Verfehlungen seines Vaters ging – und Hauptsache, den Kindern geht’s gut.</blockquote>
      <strong>Bruder</strong><br />
      <blockquote><b>Ronan Lynch</b>, Priester, 32 Jahre # Könnte man denken, dass nach zwei so spitzen Typen das genetische Material langsam aufgebraucht is, aber im Gegenteil: Mit Ronan gibt’s dann wenigstens den einen Bruder, aus dem richtig was geworden ist. In der katholischen Familie ging’s nur noch besser, wenn der irgendwann zum Papst gewählt wird. Pat gibt sich Mühe mit dem, wirklich, taucht ab und zu in dessen Gottesdienst auf, um danach wenigstens übers Wetter zu reden – bei nem Abstand von wahrscheinlich 40 IQ Punkten auch nicht das sicherste Thema.</blockquote>
      <strong>Schwestern</strong><br />
      <blockquote><b>Sinead und Siobhan Lynch</b>, Schülerinnen, 15 Jahre # Hach, seine beiden Prinzessinnen. Auf die geht er ja echt ab und ist immer bestens über alles informiert. Wenn die mal einen Typen anschleppen, wird der erst mal von Pat in die Mangel genommen – in der Regel dann aber doch genehmigt, weil diese „Beziehungen“ höchsten drei Wochen halten und nicht übers Küssen hinausgehen. Erzählen die zumindest. Die Mädels wissen, wie sie ihn um den Finger wickeln können.</blockquote>
    <div class="p8">EVERYBODY SEEMS TO WONDER WHAT IT'S LIKE DOWN HERE</div>
<blockquote>loyal # versoffen # unempfindlich # ungehobelt # simpel # stur # genügsam # abergläubisch # pragmatisch # unreflektiert # inkonsequent # ehrlich # unbeholfen # mitfühlend # handyman # Gewohnheitstier</blockquote>
<blockquote><b>PAT</b> hatte noch nie was mit Drogen am Hut # hat 'ne Staffordshire Hündin namens Potato, die ihm viel zu verschmust ist # hat mal 'ne Shotgun license beantragt # konnte aber nicht überzeugend versichern "keine Gefahr für den öffentlichen Frieden" darzustellen # ist handwerklich begabt # hat sich über die Jahre ganz gut mit Narben eingedeckt # und Tattoos # kann dafür aber zu jedem eine eigene Geschichte erzählen # geht vorsichtshalber zur Beichte # glaubt aber <s>nicht</s> nur gelegentlich an Gott, wenn man ihn fragt # ist für seine Gäste Seelsorger und Lebensberater # fährt aller 5 Jahre zum Clantreffen nach Irland # nimmt sich selbst nicht so ernst # lebt nach dieser „wie du mir, so ich dir“-Moral # versteht moderne Popmusik nicht # ist ein ganz schlechter Schauspieler # findet, dass er ohne Bart aussieht wie 14 # hat eine Jukebox, auf der genau drei Lieder noch funktionieren (Heroes, One of These Nights, 500 Miles) # singt die alle auswendig mit # hat nach dem 5. Whiskey voll viel Ahnung von Politik.</blockquote>
    <div class="p8">WE'RE ON THE ROAD TO NEVER</div>
1978 # <i>16 and pregnant</i>, Glückwunsch. Naja, wer noch vier weitere Kinder haben will, muss halt früh anfangen. So eine Fußballmannschaft macht sich nicht von selbst und Eddie schwört ja auch, jeden Sonntag für einen Festbraten zu sorgen ab jetzt sofort.  </br> </br>1984 # Dass das eine scheiß Lüge war, hätten sich auch alle denken können, aber dass Eddie nach seiner Entlassung und dem fantastischen Plan (das nächste große Versprechen), in England Job und ein generell besseres Leben zu finden (was auch immer <i>besser</i> heißen sollte, Pat liebte seine Heimat echt dolle), ein uneheliches Kind mit in den Umzugswagen setzt, als würd das nicht weiter auffallen—andere Familien wären daran kaputtgegangen. Vielleicht hat’s wirklich geholfen, dass Ella grad wieder hochschwanger und hormonell nicht zurechnungsfähig ist (ihre Schwestern fragen sie, ob sie eigentlich keinen Respekt vor sich selbst hat, dass sie bei diesem Typen bleibt, aber sie sagt papperlapapp (bzw. das irische Pendant, was mehr nach Beleidigung klingt) und das Kind muss ja irgendwohin). Pat hat mit einem Schlag gleich zwei neue Brüder und findet’s eigentlich tiptop: mit dem einen kann man sich richtig gut schubsen und an dem anderen lernt er schnell Windelnwechseln, während ihre Mutter Mittagessen kocht. </br></br>1989 # So golden ist das hier alles doch nicht. Dad bringt nur noch unregelmäßig Geld nach Hause. Pat übernimmt dessen Rolle echt gut. Die Kids in der Schule erzählen in den Pausen Lügen, dass Eddie sich den ganzen Tag in Pubs rumtreiben würde statt auf Arbeit. Das lassen die schnell wieder, als sie merken, dass auch ein 11-Jähriger die Hand schon zur Faust ballen kann, die dann zielsicher Nasenbluten verursacht.<br />
    <div class="p8">For a minute, just a minute, we made it feel like home</div>
1994 # Mit 16 hört ja zum Glück die Schulpflicht auf, dafür hat Pat jetzt auch gar keine Zeit mehr, der will nämlich arbeiten gehen. Ausgerechnet Eddie vermittelt ihm den Job im Pub bei einem alten Freund. Als Pat ihn fragt, ob der den so gut kennt, weil er bei dem mehr Zeit als bei seiner Familie verbringt, wird er sauer und haut dem Jungen eine runter. Danach gehen sie sich wohl wissend aus dem Weg, glückliche Familie können die nicht mehr spielen und Ella bewahrt sicherheitshalber auch Stillschweigen zu der Geschichte. Ihr zuliebe reißt Padraig sich zusammen. </br></br>1996 # Pat hat seine eigenen vier Wände! Aber halt auch wirklich nur vier. Die Bude ist zwei Straßen weiter vom Haus seiner Eltern aber das war dringend nötig. Den betrunkenen Eddie hat er nicht mehr ertragen, bleibt aber immer in Reichweite für den Notfall. Apropos: Im Sommer bleibt ihm dann fast das Herz stehen, als er die Bombe hört und in Zeiten vor flächendeckend verfügbarer Mobilfunkkommunikation bestimmt zwei Stunden braucht, um die komplette Familie zu erreichen. Das macht ihn so stinkwütend, weil er findet, dass man es als Ire schon schwer genug hat hier bei den Protestanten. Ein paar Wochen später gibt's gefühlt die Entschädigung, weil ihm ganz beiläufig eines Tages die verdammte Liebe seines LEBENS in den Pub stolpert. Vera, V, Babe – Alter, sowas hat er ja noch nicht erlebt. Ist jetzt nicht seine erste Freundin aber die erste, bei der er sagt: „Die würd' ich heiraten.“ Witzbold. Macht er auch. Drei Wochen später.  </br></br>2001 # Ach komm, das hat doch keiner geglaubt, dass das hält. Neh, der Traum war schneller aus, als Pat „Scheidung“ im Wörterbuch hätte nachschlagen können, also genau 7 Monate später. Er trägt's mit Fassung, die war eh zu viel für ihn, nur Mom ist enttäuscht, weil sie doch so gerne Enkel hätte. Pat kann ihr kaum Hoffnung machen, weil danach erst mal keine Frauen mehr kommen, die er guten Gewissens mit nach Hause bringen könnte. Dann nenn's halt ausgleichende Gerechtigkeit, dass sie vier Jahre später endlich eine lang ersehnte Tochter zur Welt bringt. Zwei sogar. Zwillinge. Pat hilft immer noch der Familienkasse aus. Und als schon keiner mehr dran geglaubt hatte, passiert sowas wie das Weihnachtswunder und Eddie steht gekämmt und mit gebügeltem Hemd vor der Tür und sagt "Ich hab den Job." Sind's die Mädchen? Pat glaubt ja auch vom ersten Moment an, dass die ganz besonders sind und aus jedem Menschen, der die mal kurz halten kann, einen besser machen. <br />
    <div class="p8">And we like criminals when criminals are treatin' us kind</div>
2006 # Weil Carl, der Besitzer des "Hound Pits", das Zeitliche segnet, sieht sich Pat auf einmal in der Rolle des Pubbesitzers. Hat der alte Mann ihm nie erzählt, dass er ihn beerben soll und im ersten Moment ist er schockiert. Dabei ändert sich nicht viel, außer dass die Jukebox noch zwei Songs mehr verliert und sich auf eine solide Auswahl von drei Liedern einpendelt.. Mit den Frauen klappt's nur so mittel, weil die zwar total auf die Geschichte mit dem Freibier stehen, dann aber doch ein bisschen angeekelt sind, wenn sie in der winzigen Wohnung hinter dem Pub auf einer Matratze auf dem Fußboden wieder aufwachen. Wenigstens ist Ella stolz, weil sie glaubt, dass aus dem Jungen noch was wird, immerhin ist er jetzt Chef! Allerdings nur sein eigener, den Laden schmeißt er schön alleine, Hilfe braucht der ganz bestimmt nicht! </br> </br>2010 # Die sogenannten <i>Developer</i> hören erst auf ihn zu nerven, nachdem er sich die Staffordshire Hündin zulegt. Dabei taugt die als Wachhund genau Null, die hätte man angeblich auch erziehen müssen, weil die das nicht automatisch kann? Ach, egal, wenigstens hört Potato auf die Gäste (haha, verstehste? Kartoffel! Wegen Irland und so.. <i>sigh</i> war nicht seine Idee). Jedenfalls haben die Typen ihm mehrfach viel Geld angeboten, um den Pub zu verkaufen, weil das Land hier teuer geworden war und bla. Pat aber immer so: "Was soll ich mit dem Geld, mir geht's doch gut hier und was meint ihr überhaupt mit 'Nochmal ganz was Neues anfangen'?" Zu spät checkt er, dass er mit der Kohle wenigstens einem hätte helfen können, weil Josh erst im Krankenhaus und dann im Gefängnis landet. Bisschen rätselhaft ist das Pat, der war doch immer ein lieber Kerl. Als er dann um die Ecke mitbekommt, dass Eddie da irgendwie involviert gewesen sein muss, platzt ihm irgendeine Ader (zum Glück nur sinnbildlich, ansonsten würd die bei seinem Alkoholkonsum ewig nicht fertig werden mit Bluten). Frostige Stimmung beim nächsten Familienessen als Pat ihn drauf anspricht und fragt, ob er Josh schon im Knast besuchen war. Das wird nicht wieder gut mit denen. Er versucht seiner Mum ein Ultimatum zu stellen, von wegen Weihnachten entweder mit Pat oder mit Vater – aber die winkt ab. Scheiße, und weil die alle so inkonsequente Würmer sind, sitzen die dann doch jedes Mal alle zusammen (minus Josh) mit ‘ner Stimmung wie in Belfast ’98. <br />
<div class="p8"> I'm practically a doormat, I'm so diplomatic now</div>
2016 # Thema verlorene Brüder: Immerhin zieht Ronan zurück in die Stadt. Öfter sehen tun sie sich deswegen auch nicht, aber Pats guter Vorsatz steht. Er hat ihm auch nichts Neues zu erzählen, es ist schon seit Jahren alles beim Alten: Wenn man das Hound Pits betritt, fühlt sich das ein bisschen nach Zeitreise an. Zurück in die 90er, bevor in der Straße Coffeeshops und Bioläden eröffnet haben. Die meisten seiner Gäste finden das sympathisch und gemütlich. Manche stolpern auch rückwärts wieder raus. Schlimm findet er nur die mit den Mützen und Brillen, die so ganz ironisch an einem seiner Tische sitzen und so tun, als wäre das jetzt ein soziales Experiment für sie. Wenn dann noch einer sein hässliches Macbook auspackt, hetzt er Potato auf den. Die bellt zwar nur und macht dann nichts, weil die gar nicht weiß, was "gemein und böse" heißt (und das in dieser Welt) aber meistens reicht's, um die Leute raus auf die Straße zu treiben. Dann grinst Pat zufrieden und gibt 'ne Runde Bier aus. Ganz humorlos ist er ja nicht.<br />
  </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Padraig Lynch</div>
  <div class="p3">unbe-fucking-lievable</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10"> I’m the dashboard hula girl of nodding self-deception</div>
    </div>
    <img src=https://i.imgur.com/3GJ081l.jpeg><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Username</div>
      <div>Alter // 38 Jahre</div>
      <div>
        Job // Pubbesitzer</div>
      <div>
        Pizza // Hawaii</div>
      <div>
        Ava // Tom Hardy</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src=https://imgur.com/ulWFURa.gif><br />
      </div>
      Dieser Mix aus Akzenten mit 50% irischem Anteil könnte ja seine Herkunft verraten, wenn's bei dem Genuschel nicht schon schwierig genug wäre, überhaupt einen zusammenhängenden Satz zu erraten. Weil ihm die jahrhundertelange Unterdrückung der Iren auch als ganz eigener Weltschmerz in der Seele sitzt, findet er den Spitznamen „Paddy“ ja gar nicht so geil. Fuck it, nach der vierten Pint ist er eh Freund mit allen. Außer mit den Leuten, die sich ans Bein gepisst fühlen, wenn er ihnen den Billigwein im 0,56-Liter-Glas serviert. In den 38 Jahren hat er für noch niemanden 'ne Extrawurst gemacht. Denkste. So als Mann ohne Prinzipien kann man sich ja Ausnahmen erlauben und seit er den Köter hat, ist er sowieso weich geworden, sagen manche? Die jagt er dann zu gerne mit Mistgabeln und Fackeln aus dem Dorf, äh Pub. Seine fucking Insel, seine verschissenen Regeln.<br />
    </div>
    <div class="p8">OVER THE HILL IN THE BIG GREEN COUNTRY</div>
      <strong>Mutter</strong><br />
      <blockquote><b>Ella Lynch</b>, Hausfrau, 56 Jahre # Pat hilft ja schon ziemlich lange beim Brot verdienen und Wänste erziehen und ist überhaupt ein ganz unabhängiger Typ. Er schätzt das aber, dass sie sich liebevoll um ihre Kinder kümmert und am liebsten wohl noch eine ganze Fußballmannschaft zur Welt bringen würde, wenn sie nicht langsam zu alt dafür wäre. Hat stattdessen selbst die Kinder von den Seitensprüngen ihres Mannes in die Familie aufgenommen (es ist <i>einmal</i> vorgekommen, übertreib nicht).</blockquote>
      <strong>Vater</strong><br />
      <blockquote><b>Eddie Lynch</b>, <i>in between jobs</i>, 60 Jahre # Der hat vor 33 Jahren die Familie nach England gekarrt, um da einen Job und Reichtum zu finden. Ist irgendwie nur bis zum Pub an der Ecke gekommen. Wettschulden, wechselnde Jobs im Wochentakt und "Freunde", die ihren Frauen den Mund verbieten, wenn die Männer reden: ein ganz normaler Typ in Salford also. Vielleicht hilft’s, dass der sich nen Scheiß interessiert dafür, was Zuhause abgeht und generell selten auftaucht.</blockquote>
      <strong>Bruder</strong><br />
      <blockquote><b>Joshua Lynch</b>, Aushilfe im Hounds Pits, 38 Jahre # Irgendwann plötzlich aufgetaucht und seitdem bisschen wie Pats Zwillingsbruder. Hätte man ja nen Groll hegen können gegen das Kuckuckskind, das genauso gut die Familie hätte zerstören können. Aber da kommt Pat echt nach seiner Mum, wenn’s um das Ausbügeln der Verfehlungen seines Vaters ging – und Hauptsache, den Kindern geht’s gut.</blockquote>
      <strong>Bruder</strong><br />
      <blockquote><b>Ronan Lynch</b>, Priester, 32 Jahre # Könnte man denken, dass nach zwei so spitzen Typen das genetische Material langsam aufgebraucht is, aber im Gegenteil: Mit Ronan gibt’s dann wenigstens den einen Bruder, aus dem richtig was geworden ist. In der katholischen Familie ging’s nur noch besser, wenn der irgendwann zum Papst gewählt wird. Pat gibt sich Mühe mit dem, wirklich, taucht ab und zu in dessen Gottesdienst auf, um danach wenigstens übers Wetter zu reden – bei nem Abstand von wahrscheinlich 40 IQ Punkten auch nicht das sicherste Thema.</blockquote>
      <strong>Schwestern</strong><br />
      <blockquote><b>Sinead und Siobhan Lynch</b>, Schülerinnen, 15 Jahre # Hach, seine beiden Prinzessinnen. Auf die geht er ja echt ab und ist immer bestens über alles informiert. Wenn die mal einen Typen anschleppen, wird der erst mal von Pat in die Mangel genommen – in der Regel dann aber doch genehmigt, weil diese „Beziehungen“ höchsten drei Wochen halten und nicht übers Küssen hinausgehen. Erzählen die zumindest. Die Mädels wissen, wie sie ihn um den Finger wickeln können.</blockquote>
    <div class="p8">EVERYBODY SEEMS TO WONDER WHAT IT'S LIKE DOWN HERE</div>
<blockquote>loyal # versoffen # unempfindlich # ungehobelt # simpel # stur # genügsam # abergläubisch # pragmatisch # unreflektiert # inkonsequent # ehrlich # unbeholfen # mitfühlend # handyman # Gewohnheitstier</blockquote>
<blockquote><b>PAT</b> hatte noch nie was mit Drogen am Hut # hat 'ne Staffordshire Hündin namens Potato, die ihm viel zu verschmust ist # hat mal 'ne Shotgun license beantragt # konnte aber nicht überzeugend versichern "keine Gefahr für den öffentlichen Frieden" darzustellen # ist handwerklich begabt # hat sich über die Jahre ganz gut mit Narben eingedeckt # und Tattoos # kann dafür aber zu jedem eine eigene Geschichte erzählen # geht vorsichtshalber zur Beichte # glaubt aber <s>nicht</s> nur gelegentlich an Gott, wenn man ihn fragt # ist für seine Gäste Seelsorger und Lebensberater # fährt aller 5 Jahre zum Clantreffen nach Irland # nimmt sich selbst nicht so ernst # lebt nach dieser „wie du mir, so ich dir“-Moral # versteht moderne Popmusik nicht # ist ein ganz schlechter Schauspieler # findet, dass er ohne Bart aussieht wie 14 # hat eine Jukebox, auf der genau drei Lieder noch funktionieren (Heroes, One of These Nights, 500 Miles) # singt die alle auswendig mit # hat nach dem 5. Whiskey voll viel Ahnung von Politik.</blockquote>
    <div class="p8">WE'RE ON THE ROAD TO NEVER</div>
1978 # <i>16 and pregnant</i>, Glückwunsch. Naja, wer noch vier weitere Kinder haben will, muss halt früh anfangen. So eine Fußballmannschaft macht sich nicht von selbst und Eddie schwört ja auch, jeden Sonntag für einen Festbraten zu sorgen ab jetzt sofort.  </br> </br>1984 # Dass das eine scheiß Lüge war, hätten sich auch alle denken können, aber dass Eddie nach seiner Entlassung und dem fantastischen Plan (das nächste große Versprechen), in England Job und ein generell besseres Leben zu finden (was auch immer <i>besser</i> heißen sollte, Pat liebte seine Heimat echt dolle), ein uneheliches Kind mit in den Umzugswagen setzt, als würd das nicht weiter auffallen—andere Familien wären daran kaputtgegangen. Vielleicht hat’s wirklich geholfen, dass Ella grad wieder hochschwanger und hormonell nicht zurechnungsfähig ist (ihre Schwestern fragen sie, ob sie eigentlich keinen Respekt vor sich selbst hat, dass sie bei diesem Typen bleibt, aber sie sagt papperlapapp (bzw. das irische Pendant, was mehr nach Beleidigung klingt) und das Kind muss ja irgendwohin). Pat hat mit einem Schlag gleich zwei neue Brüder und findet’s eigentlich tiptop: mit dem einen kann man sich richtig gut schubsen und an dem anderen lernt er schnell Windelnwechseln, während ihre Mutter Mittagessen kocht. </br></br>1989 # So golden ist das hier alles doch nicht. Dad bringt nur noch unregelmäßig Geld nach Hause. Pat übernimmt dessen Rolle echt gut. Die Kids in der Schule erzählen in den Pausen Lügen, dass Eddie sich den ganzen Tag in Pubs rumtreiben würde statt auf Arbeit. Das lassen die schnell wieder, als sie merken, dass auch ein 11-Jähriger die Hand schon zur Faust ballen kann, die dann zielsicher Nasenbluten verursacht.<br />
    <div class="p8">For a minute, just a minute, we made it feel like home</div>
1994 # Mit 16 hört ja zum Glück die Schulpflicht auf, dafür hat Pat jetzt auch gar keine Zeit mehr, der will nämlich arbeiten gehen. Ausgerechnet Eddie vermittelt ihm den Job im Pub bei einem alten Freund. Als Pat ihn fragt, ob der den so gut kennt, weil er bei dem mehr Zeit als bei seiner Familie verbringt, wird er sauer und haut dem Jungen eine runter. Danach gehen sie sich wohl wissend aus dem Weg, glückliche Familie können die nicht mehr spielen und Ella bewahrt sicherheitshalber auch Stillschweigen zu der Geschichte. Ihr zuliebe reißt Padraig sich zusammen. </br></br>1996 # Pat hat seine eigenen vier Wände! Aber halt auch wirklich nur vier. Die Bude ist zwei Straßen weiter vom Haus seiner Eltern aber das war dringend nötig. Den betrunkenen Eddie hat er nicht mehr ertragen, bleibt aber immer in Reichweite für den Notfall. Apropos: Im Sommer bleibt ihm dann fast das Herz stehen, als er die Bombe hört und in Zeiten vor flächendeckend verfügbarer Mobilfunkkommunikation bestimmt zwei Stunden braucht, um die komplette Familie zu erreichen. Das macht ihn so stinkwütend, weil er findet, dass man es als Ire schon schwer genug hat hier bei den Protestanten. Ein paar Wochen später gibt's gefühlt die Entschädigung, weil ihm ganz beiläufig eines Tages die verdammte Liebe seines LEBENS in den Pub stolpert. Vera, V, Babe – Alter, sowas hat er ja noch nicht erlebt. Ist jetzt nicht seine erste Freundin aber die erste, bei der er sagt: „Die würd' ich heiraten.“ Witzbold. Macht er auch. Drei Wochen später.  </br></br>2001 # Ach komm, das hat doch keiner geglaubt, dass das hält. Neh, der Traum war schneller aus, als Pat „Scheidung“ im Wörterbuch hätte nachschlagen können, also genau 7 Monate später. Er trägt's mit Fassung, die war eh zu viel für ihn, nur Mom ist enttäuscht, weil sie doch so gerne Enkel hätte. Pat kann ihr kaum Hoffnung machen, weil danach erst mal keine Frauen mehr kommen, die er guten Gewissens mit nach Hause bringen könnte. Dann nenn's halt ausgleichende Gerechtigkeit, dass sie vier Jahre später endlich eine lang ersehnte Tochter zur Welt bringt. Zwei sogar. Zwillinge. Pat hilft immer noch der Familienkasse aus. Und als schon keiner mehr dran geglaubt hatte, passiert sowas wie das Weihnachtswunder und Eddie steht gekämmt und mit gebügeltem Hemd vor der Tür und sagt "Ich hab den Job." Sind's die Mädchen? Pat glaubt ja auch vom ersten Moment an, dass die ganz besonders sind und aus jedem Menschen, der die mal kurz halten kann, einen besser machen. <br />
    <div class="p8">And we like criminals when criminals are treatin' us kind</div>
2006 # Weil Carl, der Besitzer des "Hound Pits", das Zeitliche segnet, sieht sich Pat auf einmal in der Rolle des Pubbesitzers. Hat der alte Mann ihm nie erzählt, dass er ihn beerben soll und im ersten Moment ist er schockiert. Dabei ändert sich nicht viel, außer dass die Jukebox noch zwei Songs mehr verliert und sich auf eine solide Auswahl von drei Liedern einpendelt.. Mit den Frauen klappt's nur so mittel, weil die zwar total auf die Geschichte mit dem Freibier stehen, dann aber doch ein bisschen angeekelt sind, wenn sie in der winzigen Wohnung hinter dem Pub auf einer Matratze auf dem Fußboden wieder aufwachen. Wenigstens ist Ella stolz, weil sie glaubt, dass aus dem Jungen noch was wird, immerhin ist er jetzt Chef! Allerdings nur sein eigener, den Laden schmeißt er schön alleine, Hilfe braucht der ganz bestimmt nicht! </br> </br>2010 # Die sogenannten <i>Developer</i> hören erst auf ihn zu nerven, nachdem er sich die Staffordshire Hündin zulegt. Dabei taugt die als Wachhund genau Null, die hätte man angeblich auch erziehen müssen, weil die das nicht automatisch kann? Ach, egal, wenigstens hört Potato auf die Gäste (haha, verstehste? Kartoffel! Wegen Irland und so.. <i>sigh</i> war nicht seine Idee). Jedenfalls haben die Typen ihm mehrfach viel Geld angeboten, um den Pub zu verkaufen, weil das Land hier teuer geworden war und bla. Pat aber immer so: "Was soll ich mit dem Geld, mir geht's doch gut hier und was meint ihr überhaupt mit 'Nochmal ganz was Neues anfangen'?" Zu spät checkt er, dass er mit der Kohle wenigstens einem hätte helfen können, weil Josh erst im Krankenhaus und dann im Gefängnis landet. Bisschen rätselhaft ist das Pat, der war doch immer ein lieber Kerl. Als er dann um die Ecke mitbekommt, dass Eddie da irgendwie involviert gewesen sein muss, platzt ihm irgendeine Ader (zum Glück nur sinnbildlich, ansonsten würd die bei seinem Alkoholkonsum ewig nicht fertig werden mit Bluten). Frostige Stimmung beim nächsten Familienessen als Pat ihn drauf anspricht und fragt, ob er Josh schon im Knast besuchen war. Das wird nicht wieder gut mit denen. Er versucht seiner Mum ein Ultimatum zu stellen, von wegen Weihnachten entweder mit Pat oder mit Vater – aber die winkt ab. Scheiße, und weil die alle so inkonsequente Würmer sind, sitzen die dann doch jedes Mal alle zusammen (minus Josh) mit ‘ner Stimmung wie in Belfast ’98. <br />
<div class="p8"> I'm practically a doormat, I'm so diplomatic now</div>
2016 # Thema verlorene Brüder: Immerhin zieht Ronan zurück in die Stadt. Öfter sehen tun sie sich deswegen auch nicht, aber Pats guter Vorsatz steht. Er hat ihm auch nichts Neues zu erzählen, es ist schon seit Jahren alles beim Alten: Wenn man das Hound Pits betritt, fühlt sich das ein bisschen nach Zeitreise an. Zurück in die 90er, bevor in der Straße Coffeeshops und Bioläden eröffnet haben. Die meisten seiner Gäste finden das sympathisch und gemütlich. Manche stolpern auch rückwärts wieder raus. Schlimm findet er nur die mit den Mützen und Brillen, die so ganz ironisch an einem seiner Tische sitzen und so tun, als wäre das jetzt ein soziales Experiment für sie. Wenn dann noch einer sein hässliches Macbook auspackt, hetzt er Potato auf den. Die bellt zwar nur und macht dann nichts, weil die gar nicht weiß, was "gemein und böse" heißt (und das in dieser Welt) aber meistens reicht's, um die Leute raus auf die Straße zu treiben. Dann grinst Pat zufrieden und gibt 'ne Runde Bier aus. Ganz humorlos ist er ja nicht.<br />
  </div>
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Riley Sullivan]]></title>
			<link>https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=251</link>
			<pubDate>Mon, 31 Oct 2016 12:49:56 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.losttheplot.de/member.php?action=profile&uid=76">Riley Sullivan</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.losttheplot.de/showthread.php?tid=251</guid>
			<description><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Riley Sullivan</div>
  <div class="p3">Beschwerden an meinen Assistenten</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">Ich bin in meinem Wochenendhäuschen in der Fickt-Euch-Allee</div>
    </div>
    <img src="https://i.imgur.com/MPGbPd3.png"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lex</div>
      <div>Alter // 36 Jahre</div>
      <div>
        Job // Autor</div>
      <div>
        Pizza // Thunfisch mit Kapern</div>
      <div>
        Ava // Tom Meighan</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://image.ibb.co/kZtAdy/riley.gif"><br />
      </div>
      Hast du eigentlich den Arsch offen? Verdienst hier einen arschvoll Kohle mit dem Schreiben von Groschenromane und bist noch dicker im Geschäft, seit deine Kriminalromane regelmäßig wochenlang auf den Bestsellerlisten dieser Welt stehen. Dein bisheriges Leben: Koks und Nutten! Und nun hockst du in einem Einfamilienhaus mit Garten im hässlichen Manchester. Dabei bist du den starken Belfaster Dialekt nie losgeworden und träumst immer noch von der Heimat, die du als Kind verlassen musstest. Wie sich das gehört, säufst du entsprechend am Wochenende, wenn deine Tochter bei ihrer Mutter ist. Unter der Woche reißt du dich zusammen, weil du dich um dein kleines Mädchen kümmerst. Und Respekt! Das tust du überraschend gut. Ja, wer hätte gedacht, dass der kleine streitsüchtige, selbstironische Wichser mal ein richtig guter Vater werden würde? Du wahrscheinlich am allerwenigsten. Es läuft so verschissen gut in deinem Leben, dass du nur drauf wartest, wie alles wieder den Bach runtergeht.<br />
    </div>
    <div class="p8"> don’t flatter yourself. <br />
You were never even a player</div>
<br />
    Der Name Riley Sullivan sagt nicht jedem was. Natürlich nicht. Und die Meisten geben wahrscheinlich auch nicht zu, dass sie mindestens einen Roman von ihm gelesen haben, denn er schreibt Liebesromane. Erotische Liebesromane. Ganz klassisch: Vampirerotik, Highlandromane, Nackenbeißer eben. Wo auch immer diese zweifelhafte Begabung herkommt; Riley schreibt sie wie am Fließband, eins nach dem anderen. Und verdient damit einen „arschvoll Geld“, um es mit seinen Worten zu sagen. Riley Sullivans Name steht nicht für hochtrabende, aber dafür für sehr unterhaltende Literatur. Und Frauen mittleren Alters – seiner eigenen klischeehaften Einschätzung nach frustrierte Hausfrauen – lecken sich schier die Finger nach seinen neuen Romanen. Beim Namen Greyson Caulfield klingelt es dann doch in deutlich mehr Ohren. Es handelt sich hierbei um ein Pseudonym Rileys, welches er seit ein paar Jahren benutzt. Bestsellerlisten, ausverkaufte Lesungen, Greyson Caulfield steht für spannende, literarisch anspruchsvolle Kriminalliteratur. Warum Riley nicht seinen eigenen Namen für diese Art der Literatur verwendet hat, ist kein großes Rätsel – er hat eben zuerst erotische Liebesromane geschrieben. Eigentlich träumt er immer davon, irgendwann wieder zurück nach Belfast zu gehen, aber das ist wohl tatsächlich nur ein Traum. Für seine Tochter ist er nach Manchester gezogen, wo er auch seine Teenagerzeit überlebt hat. Das ist noch schlimmer als London, denn in London ist wenigstens was los. Andererseits hat er hier ein Häuschen mit Garten. Er. Ein Häuschen. Mit Garten. Gott, es ist so spießig, dass es schmerzt. Die Kleine ist aber glücklich. Und die Familie auch direkt um die Ecke.<br />
<br />
    <div class="p8"> people often ask me: riley, i don’t like you.</div>
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Tochter</span> » Adele Rawes (13 Monate)<br />
<br />
» Das Wort, das ihm durch den Kopf ging, als er zum ersten Mal von der möglichen Existenz eines Kindes hörte, welches zwar noch nicht geboren, aber doch eindeutig von ihm abstammen würde, war schlicht und ergreifend: „Gottverdammte miese Scheiße!” Die Verantwortung, obwohl er bereit war, sie zu übernehmen, sorgte für schlaflose Nächte und dezente Panikattacken. Er würde auch niemals behaupten, dass die Zeit mit seiner Tochter leicht gewesen ist. Eigentlich liegt ihm das ja gar nicht; Rücksichtnahme. Und doch. Mittlerweile denkt er nur noch „Gottverdammte miese Scheiße!“ wenn sie ihren Saft über seine sauteure Couch geschüttet hat. Adele. Das schönste Mädchen auf Erden. Sein Sonnenschein. Der wichtigste, im Notfall auch der einzige Mensch, der zählt. Es ist fast peinlich, wie sehr Riley die Kleine vergöttert. Klar, manchmal hat er auch keinen Bock. Wenn er wieder nicht gepennt hat, wenn ihr Quäken seine katerinduzierte Midlife Crises stört, wenn er sich mal wieder mit fremden Eltern anlegen muss, weil sie einem anderen Kind die Schüppe über den Schädel gezogen hat. Dann würde er am liebsten wegrennen. Macht er aber natürlich nicht. Weil Adele das verdammt Beste ist, was er jemals zustande bekommen hat. <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Vater</span> » Darragh Sullivan (71) » pensionierter Professor der Mathematik<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Mutter</span> » Niamh Adele Sullivan (68) » pensionierte Lehrerin für Englisch & Religion<br />
<br />
» Natürlich sind sie keine Bilderbuchfamilie, auch wenn man das ab und zu glauben mag. Es gab so einige Krisen in der Ehe von Darragh und Niamh – mal mehr (der Name der Sekretärin damals ist bis heute verboten! Sekretärin? Noch klischeebehafteter ging es aber nicht, Darragh?), mal weniger (Zweitausend im Kasino verzockt, ehrlich jetzt, Niamh?). Doch auch nach nunmehr vierzig Jahren Ehe kann man das Paar als gefestigt sehen. Man kennt sich, jeden Tick, jeden Spleen, jede Marotte, und man ist verbunden durch Liebe und Alltag. Darragh gehört eher zu der schweigsamen Sorte Mensch und das letzte Mal, als sich Riley beinahe mit ihm überworfen hatte (auch das geschah in regelmäßigen Abständen) war Adeles Geburt und sein Verweigern einer standesgemäßen Hochzeit mit deren Mutter. Der Kerl ist eben doch sehr viel spießiger, als man das so von einem Mathematiker erwarten würde. Verdammte Iren! Niamh hingegen ist nicht ganz so traditionsbewusst und eigentlich relativ entspannt. Zu beiden Elternteilen hat der Schriftsteller eine gute Beziehung, auch wenn mehr als vierundzwanzig Stunden unter demnselben Dach zu schnellen und heftigen Streitfällen führen können, bei denen mindestens einmal das Wort Enterbung fällt.<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Brüder</span> » Eoin (38) & Finn Sullivan (33) » Polizist & Barkeeper<br />
<br />
» Brüder. Ein Haufen Bastarde. Eoin und Finn sind wohl die einzigen Männer in seinem Leben, die ihn zwar verprügelt haben, denen er dies aber auch verziehen hat. Vor allem mit Eoin kommt es häufig zu Reibereien, aber nach Jahren des gemeinsamen Lebens ist das kaum der Rede wert. Das innigste Verhältnis hat Riley zu seinem jüngeren Bruder Finn, den er auch am Häufigsten sieht. Offenbar bekommt er es nicht hin, auch außerhalb seiner Familie sowas wie beste Freunde zu haben. Im Gegensatz zu Finn, dem man es mit seiner aufbrausenden Art auch eher weniger zutrauen würde, hat der ruhige Eoin bereits Familie; er ist seit mehreren Jahren verheiratet mit Karen (30), die ihm zwei Kinder geschenkt hat: Susie (6) und Ted (3).<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Schwestern</span> » Ava Sullivan (37), Rosie McCloud (30) & Freya Gravett (28) » Professorin für Kunst des 20. Jahrhunderts, Hausfrau & Psychologin<br />
<br />
» Zumindest die beiden Letzteren haben ihren Weg im Leben gefunden, sind zufrieden mit sich und der Welt und ruhen eigentlich sehr in sich selbst, was es Riley sehr angenehm macht mit ihnen umzugehen. Wenn sie nur nicht so unfassbar langweilig wären! Sowohl Rosie, als auch Freya befinden sich in liebevollen Beziehungen – ebenso mit Langweilern, was dann natürlich wieder passt. Rosie hat drei Kinder; Daniel (9), Clara (8) und Jess (4); Freya ist kinderlos, aber beim Nesthäkchen macht das nichts. Bei Ava hingegen, seiner Ava, die Lieblingsschwester, ist so gar nichts dröge, auch wenn man das von einer Professorin erwarten könnte. Avas Leben ist ein Auf und Ab, die falschen Männer, die falschen Tattoos in zu vielen betrunkenen Nächten. Mit Ava kann man so unfassbar viel Scheiße erleben, dass Manchester auf einmal nicht mehr so schlimm ist. Er liebt sie alle drei, seine furchtbaren Schwestern, aber Ava ein bisschen sehr viel mehr. <br />
<br />
u.v.m.<br />
<br />
Die Sullivans sind eine sehr große Familie, und das beschränkt sich nicht nur auf diesen Zweig, sondern kann man generell auf die ganze Familie übertragen, sodass Riley noch eine Vielzahl an Onkel, Tanten, Nichten und Neffen hat, die hier aufzuzählen mühselig wäre. Die meisten Verwandten leben immer noch in Irland und werden entsprechend nur wenige Male im Jahr gesehen.<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">wichtigste Bezugsperson</span> » Harriot Rawes (34) » Literaturagentin<br />
<br />
» Sie können nicht mit, sie können nicht ohne einander. Harriot ist wohl DIE Frau in Rileys Leben, ohne das er sich erinnern kann, sie dazu eingeladen zu haben. Er liebt sie – und sie liebt ihn, was niemand so ganz nachvollziehen kann. Immerhin ist er doch der Grund, warum ihre Ehe vor gar nicht langer Zeit in die Brüche gegangen ist. Oder der Auslöser all ihrer kleinen und großen Schreiattacken und mittelschwerer Nervenzusammenbrüche. Er ist außerdem dafür verantwortlich, dass Harriot darüber nachdenkt, ihm endgültig den Garaus zu machen, denn er treibt sie in den Wahnsinn. Jeden Tag. Sie hasst ihn, weil er alles so schwer macht, weil er sich nicht am Riemen reißt, weil er immer Scherben hinterlässt, die sie dann aufkehren und wieder zusammensetzen muss. Harriot hat viel geschafft: Seine Karriere zu fördern und dafür zu sorgen, dass er bei jedem Blick auf sein Konto in glückselige Tränen ausbrechen will. Sie hat Adele auf die Welt gebracht, was sie trotz der vermurksten Ehe nicht bereut. Sie sorgt dafür, dass Riley nicht von einem wütenden Mob am nächsten Baum aufgeknüpft wird. Sie rettet seinen Arsch. Jeden. Tag. Auch wenn’s nicht danach aussieht: Er weiß das echt zu schätzen.<br />
<br />
    <div class="p8"> me, introducing myself: it is i, your local asshole</div>
<br />
» ehrlich » unsensibel » clever » derb » konsequent » interessiert » geistreich » uneinsichtig » aufmerksam » gehässig » arrogant » großzügig » streitsüchtig » unberechenbar » gesellig » abgebrüht » belesen » herrisch » phantasievoll » ordentlich » selbstironisch » spendabel<br />
<br />
    <div class="p8">Mach Urlaub in den Misanthropen</div>
<br />
Wenn man eins von sechs Kindern ist – und dann noch nicht einmal der Erstgeborene – freuen sich die Eltern über ein erneutes Wunschkind, aber niemand bricht mehr in Jubelgeschrei aus. Von den Fotos ganz abgesehen, die schon bei dem zweiten Kind deutlich weniger werden. Zumindest war das bei Rileys Geburt so. Natürlich haben sich die Sullivans gefreut. Sie freuten sich über jedes Kind, das ihnen geschenkt wurde, aber es schmiss niemand mehr eine Party. Das führte sicherlich zu etwaigen Komplexen, zumindest behauptet man das ab und an. Wenn Riley sich an seine Kindheit erinnern will, kramt er in Fotoalben oder riecht an Rosen. Es waren Rosen, die eigentlich seine ganze Kindheit begleiteten. Rosen, die über die Fassade des Hauses kletterten, in dem er aufgewachsen war. Seltsam, wie sich Erinnerungen verschieben können. Rosen waren die einzigen schönen Dinge, die es damals in Belfast gab. Es war Krieg. Was mit Steinen begonnen hatte, ging mit Autobomben und Schüssen und Toten weiter. Straßensperrungen, Streiks, gewalttätige Proteste gegen Soldaten und Polizisten und Andersgläubige. Und selbst Kinder begreifen schnell, dass etwas ganz und gar nicht stimmt, wenn manche Menschen mit Polizeischutz zur Schule gebracht wurden. Wenn man immer und immer wieder um sein Leben fürchten musste, weil Molotovcocktails in Fenster, Gesichter, gegen Helme geworfen wurden. Man hatte Angst. Die eigene Heimat war nicht mehr sicher. Wenn man Riley fragt, dann spricht er nur von dem Rosenbusch, in den er gefallen ist, als er versucht hat, sich aus dem Haus zu stehlen. Und an die folgende Tracht Prügel, die er niemals vergessen wird. Er möchte nicht über die Toten nachdenken, die allgegenwärtig waren. Daran, dass manche Kinder einfach nicht mehr in die Schule kamen, weil sie Pech hatten. So viele Menschen, die Pech hatten. Und trotzdem sehnt sich Riley nach diesem verdammten Belfast zurück. Aber vielleicht geht die Sehnsucht ja tiefer. <br />
<br />
Kurz vor Rileys elftem Geburtstag zog die Familie Sullivan nach Manchester. Darragh Sullivan hatte eine auf drei Jahre befristete Lehrstelle an der Universität angeboten bekommen: Eine Chance, die er natürlich nicht ablehnen konnte und wollte. Die Zustände waren in Belfast nicht mehr haltbar. Die Familie bezog eines dieser typischen Vorstadthäuser und Riley brauchte deutlich zu lange, um sich in die neuen Lebensumstände einfinden zu können. Während sich seine Geschwister sich eher wegducken konnten, bekam Riley mehr und mehr Schwierigkeiten. Es war nicht wirklich hilfreich, den Leuten vor den Kopf zu stoßen, sich gleich mit den größten Kerlen der Schule anzulegen und auch sonst nicht die Schnauze halten zu können. Dazu kam sein Belfaster Dialekt, der so stark war, dass man ihn kaum verstand, und sein fast zwanghafter Heimatstolz, der nie auf Gegenliebe stieß. Riley verbrachte die restliche Zeit seines Schullebens damit, verprügelt und gedemütigt zu werden, wobei er, trotz der zahlreichen Ratschläge seiner Geschwister mit diesem Quatsch aufzuhören, keinerlei Anpassungsfähigkeit entwickelte. Lichtblick seines Lebens in der Schule waren seine Geschwister und ein Mädchen namens Alice. Dunkelhaarig und sommersprossig, mit großen blauen Augen, die locker über ihr eigentliches, sehr viel garstigeres Wesen hinwegtäuschen konnten, und etwas fülliger, gehörte Alice eindeutig nicht zu den beliebtesten Mädchen der Schule. Sie war intelligent, aber eine Maus, vorlaut und gleichzeitig schüchtern, arrogant und dennoch von Selbstzweifeln zerfressen. Riley fand sie großartig. Sie sprach viel und schnell und machte Gedankensprünge, die nicht immer nachvollziehbar waren, und irgendwie freundeten sie sich an. Seltsamerweise hatte er nicht viel an ihr auszusetzen, weswegen sie auch nicht ganz so oft beleidigt war. Die erste Liebe könnte man glatt sagen, wenn man in diesen Kategorien dachte. Und weil Alice Geschichten und vor allem Gedichte verfasste (Teenageremokram, würde er heute sagen) versuchte er sie ebenfalls mit seinem Schreiben zu beeindrucken: Es misslang. Sie wurden dennoch ein Paar, falls man die etwas seltsame Beziehung der Beiden so nennen konnte. Und kurz vor dem Schulabschluss schrieb er ihr einen ganzen Roman, die erste „historische“ Liebesschmonzette seines Lebens. Für Klausuren lernen war auch völlig übertrieben. Interessanterweise waren die Sexszenen sehr detailliert, obwohl Riley selbst noch nie eine nackte Frau berührt oder generelle Ahnung davon gehabt hätte. Alice dankte es ihm, in dem sie die ganze Nacht das Schriftstück durchlas, seine Schreibkünste grob beleidigte, ihm sagte, dass so etwas Dummes noch nie jemand für sie getan hätte, und mit ihm schlief. Abgesehen davon, dass er sich den ersten Sex irgendwie magischer, grandioser vorgestellt hatte, war Riley damit ganz zufrieden. <br />
<br />
Nach seinem Schulabschluss fiel Riley in ein Loch. Er wusste nichts mit seinem Leben anzufangen, er hatte das Schreiben für sich entdeckt, wollte aber auch reisen und fand die Vorstellung, zu arbeiten oder zu studieren eher abschreckend. Seine Noten waren durchschnittlich bis schlecht. Er war nicht auf den Kopf gefallen, aber leider neigte er immer noch zu diesem asozialen Verhalten, das ihm viele Türen vor der Nase zustieß. Eigentlich hatte er absolut keinen Plan. Riley zog schließlich einfach bei Alice ein, weil er Abstand zu seiner unmöglichen Familie brauchte. Die erste eigene Wohnung, klein, siffig, erbärmlich, aber in London! Umso überraschter war er, als ein Verlag ihm einen pervers geringen Scheck schickte und um ein Gespräch bat. Anscheinend hatte Alice aus purer Gehässigkeit seinen damaligen Text eingereicht. Die nächsten Jahre jobbte er als Kellner, Taxifahrer und Portier, während er weiter schrieb und sich mit Alice zerstritt, aus der gemeinsamen Wohnung auszog, sich in einem Anfall von sehr heftigem Liebeskummer daran machte, ein Mädchen namens Alicia zu ermorden. Natürlich nur auf dem Papier. Obwohl er es eigentlich nicht vorgehabt hatte, schickte Riley das Manuskript an einen Freund, den er auf einer der unzähligen Partys kennengelernt hatte und dieser leitete den Text weiter an einen etwas namhafteren Verlag. Der Kriminalroman, dem noch weitere zwei mit demselben Protagonisten namens Oscar Lewis folgen sollten, und der unter einem Pseudonym erschien, wurde über Nacht ein überraschender Bestseller. Und Riley lernte Harriot Rawes kennen, eine Wahnsinnsfrau, die er vom Fleck weg als seine Agentin engagierte. Oder die ihn sich unter den Nagel krallte, so genau weiß das heute niemand mehr. Das Erste, was sie in die Wege leitete, war ein Verlagswechsel, den er bis heute nicht bereute. <br />
<br />
Der zweite Kriminalroman, den Riley ein Jahr später nachlegte, machte aus dem Siebenundzwanzigjährigen eine weltweite Sensation. Vom Feuilleton in den Himmel gelobt, beschloss der junge Mann kurzerhand sich nur noch auf seine schriftstellerische Karriere zu konzentrieren und dem Kellnern auf Nimmerwiedersehen zu sagen. Geld war erst einmal da und auch wenn er sich zu Beginn langgehegte Kindheitswünsche erfüllte, ging er in späteren Jahren relativ sparsam damit um. Er schrieb weiter, recherchierte, besuchte Partys und wurde von Harriot genötigt, Lesungen abzuhalten, Signierstunden über sich ergehen zu lassen, und Interviews zu geben, was sie aber recht bald als einen Fehler ansah und dies wieder einzuschränken versuchte.. Wie oft stand sie fast weinend im Hintergrund, wie oft hatte sie ihm gesagt, er solle sich am Riemen reißen, wie oft hätte sie ihn am liebsten erwürgt? Und Riley? Riley grinste, nannte sie Mavourneen, erklärte ihr, dass ihr Verlobter ein Idiot war und liebte sie jeden Tag ein bisschen mehr. Und auch wenn er einmal kurz mit dem Gedanken gespielt hatte, sich wirklich in sie zu verlieben, kam das doch nicht in Frage. Das Leben lief in geordneten Bahnen, Harriot heiratete den Idioten tatsächlich und auch der letzte Titel aus der Oscar Lewis Reihe wurde ein voller Erfolg. Man munkelte sogar schon von Verfilmungen des ersten Bandes „Wälder“. <br />
<br />
Bis zu dieser feuchtfröhlichen Fete anlässlich des Erfolges seines vierten Romans - der vielgepriesene Anfang einer neuen Ermittlerserie - hätte Riley nicht gedacht, dass sich sein Leben in nächster Zeit signifikant ändern würde. Er liebte es. Das alles. Es war, als wäre er ein Rockstar, nur ohne Musik und diese anstrengende Aufmerksamkeit. Er konnte das machen, was er wollte, bekam sogar noch Geld dafür. Großartig! Wie immer, wenn etwas in seinem Leben schieflief, war Alkohol im Spiel gewesen. Am nächsten Nachmittag kroch der Ire mit einem Schädel, der ihm explodieren wollte, Richtung Kloschüssel, über die er sich für die nächsten Stunden zu hängen gedachte. Harriot, nackt, neben ihm, in seinem Bett, stöhnte nur gequält und drehte sich um. So kam es, dass sie das erste und das letzte Mal das Bett miteinander geteilt hatten – soweit sie sich erinnern konnten, war es betrunkener, also mieser Sex gewesen, aber wie gesagt, die Erinnerung, das war eine heikle Angelegenheit. Und Harriot, die die Pille abgesetzt hatte, weil sie von ihrem zeugungsunfähigen Göttergatten ein Kind kriegen wollte, hatte von diesem Moment an „Einen Braten in der Röhre“, wie Riley es charmant nannte, allerdings: Eindeutig vom falschen Mann. Und Riley, der eigentlich nur „Scheiße, Scheiße, Scheiße“ denken konnte, war nicht bereit zu lügen. Natürlich nicht. Es war sein Kind und er wollte dieses Kind, wenn Harriot sich dazu entschloss es auszutragen. Was er am Wenigsten wollte, nich einmal Wochenend-Papa spielen zu können und das Kleine bei einem Vollidioten aufwachsen zu sehen, der wahrscheinlich noch glaubte, dass es sein Eigenes war. Es war allerdings nicht pure Bösartigkeit oder Egoismus, was Riley dazu veranlasste, dem Ehemann zu erklären, von wem Harriot schwanger war – mit einer weiteren gebrochenen Nase als Folge. Es war einfach sein pathologischer Unwillen, zu lügen. Die Ehe zerbrach. Und Harriot wollte ihn nicht mehr sehen oder sprechen, woraufhin Riley ernsthaft eine Scheißangst bekam.<br />
<br />
Er bettelte, flehte darum, mit ihr sprechen zu können. Soff, um die Trennung zu ertragen und verabscheute sich für dieses Gefühl, es endgültig verkackt zu haben. Funkenstille. Neun Monate lang. Sie verzieh ihm. Am Telefon, nachts um drei, als die Wehen begonnen hatten einzusetzen, und die Hysterie diese ansonsten doch eindeutig toughe Frau ergriff. Gefühlte tausend Stunden später hielt Riley das kleine Bündel Tochter in den Händen, bewunderte die winzigen Hände und Füße und fand Adele vom ersten Moment an so verdammt perfekt, dass es ihm beinahe wehtat. Harriot ging ein halbes Jahr in Mutterschutz und zog kurzerhand bei Riley ein. Sie wurden kein Paar, waren einfach nur gemeinsam Eltern und beschlossen schließlich, dass es dem Schriftsteller zuzutrauen war, sich ganztags um Adele zu kümmern. Am Wochenende nahm Harriot Adele zu sich. Eine außergewöhnliche Art des Aufwachsens, unter der niemand litt, sah man einmal von dem dummen Sprüchen ab, die sie sich von Freunden und Bekannten anhören musste. Mittlerweile sind Sullivan und Rawes ein wunderbar eingespieltes Team und Riley fühlt sich auch nicht immer komplett überfordert. Man wächst eben mit seinen Aufgaben.<br />
  </div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="p1 stecki">
  <div class="p2">Riley Sullivan</div>
  <div class="p3">Beschwerden an meinen Assistenten</div>
  <div class="ph1">
    <div class="ph2">
      <div class="p9">„</div>
      <div class="p10">Ich bin in meinem Wochenendhäuschen in der Fickt-Euch-Allee</div>
    </div>
    <img src="https://i.imgur.com/MPGbPd3.png"><br />
  </div>
  <div class="p4">
    <div class="lfacts">
      <div>Lex</div>
      <div>Alter // 36 Jahre</div>
      <div>
        Job // Autor</div>
      <div>
        Pizza // Thunfisch mit Kapern</div>
      <div>
        Ava // Tom Meighan</div>
    </div>
    <div class="p7">
      <div class="p5-2">
        <img src="https://image.ibb.co/kZtAdy/riley.gif"><br />
      </div>
      Hast du eigentlich den Arsch offen? Verdienst hier einen arschvoll Kohle mit dem Schreiben von Groschenromane und bist noch dicker im Geschäft, seit deine Kriminalromane regelmäßig wochenlang auf den Bestsellerlisten dieser Welt stehen. Dein bisheriges Leben: Koks und Nutten! Und nun hockst du in einem Einfamilienhaus mit Garten im hässlichen Manchester. Dabei bist du den starken Belfaster Dialekt nie losgeworden und träumst immer noch von der Heimat, die du als Kind verlassen musstest. Wie sich das gehört, säufst du entsprechend am Wochenende, wenn deine Tochter bei ihrer Mutter ist. Unter der Woche reißt du dich zusammen, weil du dich um dein kleines Mädchen kümmerst. Und Respekt! Das tust du überraschend gut. Ja, wer hätte gedacht, dass der kleine streitsüchtige, selbstironische Wichser mal ein richtig guter Vater werden würde? Du wahrscheinlich am allerwenigsten. Es läuft so verschissen gut in deinem Leben, dass du nur drauf wartest, wie alles wieder den Bach runtergeht.<br />
    </div>
    <div class="p8"> don’t flatter yourself. <br />
You were never even a player</div>
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    Der Name Riley Sullivan sagt nicht jedem was. Natürlich nicht. Und die Meisten geben wahrscheinlich auch nicht zu, dass sie mindestens einen Roman von ihm gelesen haben, denn er schreibt Liebesromane. Erotische Liebesromane. Ganz klassisch: Vampirerotik, Highlandromane, Nackenbeißer eben. Wo auch immer diese zweifelhafte Begabung herkommt; Riley schreibt sie wie am Fließband, eins nach dem anderen. Und verdient damit einen „arschvoll Geld“, um es mit seinen Worten zu sagen. Riley Sullivans Name steht nicht für hochtrabende, aber dafür für sehr unterhaltende Literatur. Und Frauen mittleren Alters – seiner eigenen klischeehaften Einschätzung nach frustrierte Hausfrauen – lecken sich schier die Finger nach seinen neuen Romanen. Beim Namen Greyson Caulfield klingelt es dann doch in deutlich mehr Ohren. Es handelt sich hierbei um ein Pseudonym Rileys, welches er seit ein paar Jahren benutzt. Bestsellerlisten, ausverkaufte Lesungen, Greyson Caulfield steht für spannende, literarisch anspruchsvolle Kriminalliteratur. Warum Riley nicht seinen eigenen Namen für diese Art der Literatur verwendet hat, ist kein großes Rätsel – er hat eben zuerst erotische Liebesromane geschrieben. Eigentlich träumt er immer davon, irgendwann wieder zurück nach Belfast zu gehen, aber das ist wohl tatsächlich nur ein Traum. Für seine Tochter ist er nach Manchester gezogen, wo er auch seine Teenagerzeit überlebt hat. Das ist noch schlimmer als London, denn in London ist wenigstens was los. Andererseits hat er hier ein Häuschen mit Garten. Er. Ein Häuschen. Mit Garten. Gott, es ist so spießig, dass es schmerzt. Die Kleine ist aber glücklich. Und die Familie auch direkt um die Ecke.<br />
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    <div class="p8"> people often ask me: riley, i don’t like you.</div>
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<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Tochter</span> » Adele Rawes (13 Monate)<br />
<br />
» Das Wort, das ihm durch den Kopf ging, als er zum ersten Mal von der möglichen Existenz eines Kindes hörte, welches zwar noch nicht geboren, aber doch eindeutig von ihm abstammen würde, war schlicht und ergreifend: „Gottverdammte miese Scheiße!” Die Verantwortung, obwohl er bereit war, sie zu übernehmen, sorgte für schlaflose Nächte und dezente Panikattacken. Er würde auch niemals behaupten, dass die Zeit mit seiner Tochter leicht gewesen ist. Eigentlich liegt ihm das ja gar nicht; Rücksichtnahme. Und doch. Mittlerweile denkt er nur noch „Gottverdammte miese Scheiße!“ wenn sie ihren Saft über seine sauteure Couch geschüttet hat. Adele. Das schönste Mädchen auf Erden. Sein Sonnenschein. Der wichtigste, im Notfall auch der einzige Mensch, der zählt. Es ist fast peinlich, wie sehr Riley die Kleine vergöttert. Klar, manchmal hat er auch keinen Bock. Wenn er wieder nicht gepennt hat, wenn ihr Quäken seine katerinduzierte Midlife Crises stört, wenn er sich mal wieder mit fremden Eltern anlegen muss, weil sie einem anderen Kind die Schüppe über den Schädel gezogen hat. Dann würde er am liebsten wegrennen. Macht er aber natürlich nicht. Weil Adele das verdammt Beste ist, was er jemals zustande bekommen hat. <br />
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<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Vater</span> » Darragh Sullivan (71) » pensionierter Professor der Mathematik<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Mutter</span> » Niamh Adele Sullivan (68) » pensionierte Lehrerin für Englisch & Religion<br />
<br />
» Natürlich sind sie keine Bilderbuchfamilie, auch wenn man das ab und zu glauben mag. Es gab so einige Krisen in der Ehe von Darragh und Niamh – mal mehr (der Name der Sekretärin damals ist bis heute verboten! Sekretärin? Noch klischeebehafteter ging es aber nicht, Darragh?), mal weniger (Zweitausend im Kasino verzockt, ehrlich jetzt, Niamh?). Doch auch nach nunmehr vierzig Jahren Ehe kann man das Paar als gefestigt sehen. Man kennt sich, jeden Tick, jeden Spleen, jede Marotte, und man ist verbunden durch Liebe und Alltag. Darragh gehört eher zu der schweigsamen Sorte Mensch und das letzte Mal, als sich Riley beinahe mit ihm überworfen hatte (auch das geschah in regelmäßigen Abständen) war Adeles Geburt und sein Verweigern einer standesgemäßen Hochzeit mit deren Mutter. Der Kerl ist eben doch sehr viel spießiger, als man das so von einem Mathematiker erwarten würde. Verdammte Iren! Niamh hingegen ist nicht ganz so traditionsbewusst und eigentlich relativ entspannt. Zu beiden Elternteilen hat der Schriftsteller eine gute Beziehung, auch wenn mehr als vierundzwanzig Stunden unter demnselben Dach zu schnellen und heftigen Streitfällen führen können, bei denen mindestens einmal das Wort Enterbung fällt.<br />
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<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Brüder</span> » Eoin (38) & Finn Sullivan (33) » Polizist & Barkeeper<br />
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» Brüder. Ein Haufen Bastarde. Eoin und Finn sind wohl die einzigen Männer in seinem Leben, die ihn zwar verprügelt haben, denen er dies aber auch verziehen hat. Vor allem mit Eoin kommt es häufig zu Reibereien, aber nach Jahren des gemeinsamen Lebens ist das kaum der Rede wert. Das innigste Verhältnis hat Riley zu seinem jüngeren Bruder Finn, den er auch am Häufigsten sieht. Offenbar bekommt er es nicht hin, auch außerhalb seiner Familie sowas wie beste Freunde zu haben. Im Gegensatz zu Finn, dem man es mit seiner aufbrausenden Art auch eher weniger zutrauen würde, hat der ruhige Eoin bereits Familie; er ist seit mehreren Jahren verheiratet mit Karen (30), die ihm zwei Kinder geschenkt hat: Susie (6) und Ted (3).<br />
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<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Schwestern</span> » Ava Sullivan (37), Rosie McCloud (30) & Freya Gravett (28) » Professorin für Kunst des 20. Jahrhunderts, Hausfrau & Psychologin<br />
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» Zumindest die beiden Letzteren haben ihren Weg im Leben gefunden, sind zufrieden mit sich und der Welt und ruhen eigentlich sehr in sich selbst, was es Riley sehr angenehm macht mit ihnen umzugehen. Wenn sie nur nicht so unfassbar langweilig wären! Sowohl Rosie, als auch Freya befinden sich in liebevollen Beziehungen – ebenso mit Langweilern, was dann natürlich wieder passt. Rosie hat drei Kinder; Daniel (9), Clara (8) und Jess (4); Freya ist kinderlos, aber beim Nesthäkchen macht das nichts. Bei Ava hingegen, seiner Ava, die Lieblingsschwester, ist so gar nichts dröge, auch wenn man das von einer Professorin erwarten könnte. Avas Leben ist ein Auf und Ab, die falschen Männer, die falschen Tattoos in zu vielen betrunkenen Nächten. Mit Ava kann man so unfassbar viel Scheiße erleben, dass Manchester auf einmal nicht mehr so schlimm ist. Er liebt sie alle drei, seine furchtbaren Schwestern, aber Ava ein bisschen sehr viel mehr. <br />
<br />
u.v.m.<br />
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Die Sullivans sind eine sehr große Familie, und das beschränkt sich nicht nur auf diesen Zweig, sondern kann man generell auf die ganze Familie übertragen, sodass Riley noch eine Vielzahl an Onkel, Tanten, Nichten und Neffen hat, die hier aufzuzählen mühselig wäre. Die meisten Verwandten leben immer noch in Irland und werden entsprechend nur wenige Male im Jahr gesehen.<br />
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<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">wichtigste Bezugsperson</span> » Harriot Rawes (34) » Literaturagentin<br />
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» Sie können nicht mit, sie können nicht ohne einander. Harriot ist wohl DIE Frau in Rileys Leben, ohne das er sich erinnern kann, sie dazu eingeladen zu haben. Er liebt sie – und sie liebt ihn, was niemand so ganz nachvollziehen kann. Immerhin ist er doch der Grund, warum ihre Ehe vor gar nicht langer Zeit in die Brüche gegangen ist. Oder der Auslöser all ihrer kleinen und großen Schreiattacken und mittelschwerer Nervenzusammenbrüche. Er ist außerdem dafür verantwortlich, dass Harriot darüber nachdenkt, ihm endgültig den Garaus zu machen, denn er treibt sie in den Wahnsinn. Jeden Tag. Sie hasst ihn, weil er alles so schwer macht, weil er sich nicht am Riemen reißt, weil er immer Scherben hinterlässt, die sie dann aufkehren und wieder zusammensetzen muss. Harriot hat viel geschafft: Seine Karriere zu fördern und dafür zu sorgen, dass er bei jedem Blick auf sein Konto in glückselige Tränen ausbrechen will. Sie hat Adele auf die Welt gebracht, was sie trotz der vermurksten Ehe nicht bereut. Sie sorgt dafür, dass Riley nicht von einem wütenden Mob am nächsten Baum aufgeknüpft wird. Sie rettet seinen Arsch. Jeden. Tag. Auch wenn’s nicht danach aussieht: Er weiß das echt zu schätzen.<br />
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    <div class="p8"> me, introducing myself: it is i, your local asshole</div>
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» ehrlich » unsensibel » clever » derb » konsequent » interessiert » geistreich » uneinsichtig » aufmerksam » gehässig » arrogant » großzügig » streitsüchtig » unberechenbar » gesellig » abgebrüht » belesen » herrisch » phantasievoll » ordentlich » selbstironisch » spendabel<br />
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    <div class="p8">Mach Urlaub in den Misanthropen</div>
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Wenn man eins von sechs Kindern ist – und dann noch nicht einmal der Erstgeborene – freuen sich die Eltern über ein erneutes Wunschkind, aber niemand bricht mehr in Jubelgeschrei aus. Von den Fotos ganz abgesehen, die schon bei dem zweiten Kind deutlich weniger werden. Zumindest war das bei Rileys Geburt so. Natürlich haben sich die Sullivans gefreut. Sie freuten sich über jedes Kind, das ihnen geschenkt wurde, aber es schmiss niemand mehr eine Party. Das führte sicherlich zu etwaigen Komplexen, zumindest behauptet man das ab und an. Wenn Riley sich an seine Kindheit erinnern will, kramt er in Fotoalben oder riecht an Rosen. Es waren Rosen, die eigentlich seine ganze Kindheit begleiteten. Rosen, die über die Fassade des Hauses kletterten, in dem er aufgewachsen war. Seltsam, wie sich Erinnerungen verschieben können. Rosen waren die einzigen schönen Dinge, die es damals in Belfast gab. Es war Krieg. Was mit Steinen begonnen hatte, ging mit Autobomben und Schüssen und Toten weiter. Straßensperrungen, Streiks, gewalttätige Proteste gegen Soldaten und Polizisten und Andersgläubige. Und selbst Kinder begreifen schnell, dass etwas ganz und gar nicht stimmt, wenn manche Menschen mit Polizeischutz zur Schule gebracht wurden. Wenn man immer und immer wieder um sein Leben fürchten musste, weil Molotovcocktails in Fenster, Gesichter, gegen Helme geworfen wurden. Man hatte Angst. Die eigene Heimat war nicht mehr sicher. Wenn man Riley fragt, dann spricht er nur von dem Rosenbusch, in den er gefallen ist, als er versucht hat, sich aus dem Haus zu stehlen. Und an die folgende Tracht Prügel, die er niemals vergessen wird. Er möchte nicht über die Toten nachdenken, die allgegenwärtig waren. Daran, dass manche Kinder einfach nicht mehr in die Schule kamen, weil sie Pech hatten. So viele Menschen, die Pech hatten. Und trotzdem sehnt sich Riley nach diesem verdammten Belfast zurück. Aber vielleicht geht die Sehnsucht ja tiefer. <br />
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Kurz vor Rileys elftem Geburtstag zog die Familie Sullivan nach Manchester. Darragh Sullivan hatte eine auf drei Jahre befristete Lehrstelle an der Universität angeboten bekommen: Eine Chance, die er natürlich nicht ablehnen konnte und wollte. Die Zustände waren in Belfast nicht mehr haltbar. Die Familie bezog eines dieser typischen Vorstadthäuser und Riley brauchte deutlich zu lange, um sich in die neuen Lebensumstände einfinden zu können. Während sich seine Geschwister sich eher wegducken konnten, bekam Riley mehr und mehr Schwierigkeiten. Es war nicht wirklich hilfreich, den Leuten vor den Kopf zu stoßen, sich gleich mit den größten Kerlen der Schule anzulegen und auch sonst nicht die Schnauze halten zu können. Dazu kam sein Belfaster Dialekt, der so stark war, dass man ihn kaum verstand, und sein fast zwanghafter Heimatstolz, der nie auf Gegenliebe stieß. Riley verbrachte die restliche Zeit seines Schullebens damit, verprügelt und gedemütigt zu werden, wobei er, trotz der zahlreichen Ratschläge seiner Geschwister mit diesem Quatsch aufzuhören, keinerlei Anpassungsfähigkeit entwickelte. Lichtblick seines Lebens in der Schule waren seine Geschwister und ein Mädchen namens Alice. Dunkelhaarig und sommersprossig, mit großen blauen Augen, die locker über ihr eigentliches, sehr viel garstigeres Wesen hinwegtäuschen konnten, und etwas fülliger, gehörte Alice eindeutig nicht zu den beliebtesten Mädchen der Schule. Sie war intelligent, aber eine Maus, vorlaut und gleichzeitig schüchtern, arrogant und dennoch von Selbstzweifeln zerfressen. Riley fand sie großartig. Sie sprach viel und schnell und machte Gedankensprünge, die nicht immer nachvollziehbar waren, und irgendwie freundeten sie sich an. Seltsamerweise hatte er nicht viel an ihr auszusetzen, weswegen sie auch nicht ganz so oft beleidigt war. Die erste Liebe könnte man glatt sagen, wenn man in diesen Kategorien dachte. Und weil Alice Geschichten und vor allem Gedichte verfasste (Teenageremokram, würde er heute sagen) versuchte er sie ebenfalls mit seinem Schreiben zu beeindrucken: Es misslang. Sie wurden dennoch ein Paar, falls man die etwas seltsame Beziehung der Beiden so nennen konnte. Und kurz vor dem Schulabschluss schrieb er ihr einen ganzen Roman, die erste „historische“ Liebesschmonzette seines Lebens. Für Klausuren lernen war auch völlig übertrieben. Interessanterweise waren die Sexszenen sehr detailliert, obwohl Riley selbst noch nie eine nackte Frau berührt oder generelle Ahnung davon gehabt hätte. Alice dankte es ihm, in dem sie die ganze Nacht das Schriftstück durchlas, seine Schreibkünste grob beleidigte, ihm sagte, dass so etwas Dummes noch nie jemand für sie getan hätte, und mit ihm schlief. Abgesehen davon, dass er sich den ersten Sex irgendwie magischer, grandioser vorgestellt hatte, war Riley damit ganz zufrieden. <br />
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Nach seinem Schulabschluss fiel Riley in ein Loch. Er wusste nichts mit seinem Leben anzufangen, er hatte das Schreiben für sich entdeckt, wollte aber auch reisen und fand die Vorstellung, zu arbeiten oder zu studieren eher abschreckend. Seine Noten waren durchschnittlich bis schlecht. Er war nicht auf den Kopf gefallen, aber leider neigte er immer noch zu diesem asozialen Verhalten, das ihm viele Türen vor der Nase zustieß. Eigentlich hatte er absolut keinen Plan. Riley zog schließlich einfach bei Alice ein, weil er Abstand zu seiner unmöglichen Familie brauchte. Die erste eigene Wohnung, klein, siffig, erbärmlich, aber in London! Umso überraschter war er, als ein Verlag ihm einen pervers geringen Scheck schickte und um ein Gespräch bat. Anscheinend hatte Alice aus purer Gehässigkeit seinen damaligen Text eingereicht. Die nächsten Jahre jobbte er als Kellner, Taxifahrer und Portier, während er weiter schrieb und sich mit Alice zerstritt, aus der gemeinsamen Wohnung auszog, sich in einem Anfall von sehr heftigem Liebeskummer daran machte, ein Mädchen namens Alicia zu ermorden. Natürlich nur auf dem Papier. Obwohl er es eigentlich nicht vorgehabt hatte, schickte Riley das Manuskript an einen Freund, den er auf einer der unzähligen Partys kennengelernt hatte und dieser leitete den Text weiter an einen etwas namhafteren Verlag. Der Kriminalroman, dem noch weitere zwei mit demselben Protagonisten namens Oscar Lewis folgen sollten, und der unter einem Pseudonym erschien, wurde über Nacht ein überraschender Bestseller. Und Riley lernte Harriot Rawes kennen, eine Wahnsinnsfrau, die er vom Fleck weg als seine Agentin engagierte. Oder die ihn sich unter den Nagel krallte, so genau weiß das heute niemand mehr. Das Erste, was sie in die Wege leitete, war ein Verlagswechsel, den er bis heute nicht bereute. <br />
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Der zweite Kriminalroman, den Riley ein Jahr später nachlegte, machte aus dem Siebenundzwanzigjährigen eine weltweite Sensation. Vom Feuilleton in den Himmel gelobt, beschloss der junge Mann kurzerhand sich nur noch auf seine schriftstellerische Karriere zu konzentrieren und dem Kellnern auf Nimmerwiedersehen zu sagen. Geld war erst einmal da und auch wenn er sich zu Beginn langgehegte Kindheitswünsche erfüllte, ging er in späteren Jahren relativ sparsam damit um. Er schrieb weiter, recherchierte, besuchte Partys und wurde von Harriot genötigt, Lesungen abzuhalten, Signierstunden über sich ergehen zu lassen, und Interviews zu geben, was sie aber recht bald als einen Fehler ansah und dies wieder einzuschränken versuchte.. Wie oft stand sie fast weinend im Hintergrund, wie oft hatte sie ihm gesagt, er solle sich am Riemen reißen, wie oft hätte sie ihn am liebsten erwürgt? Und Riley? Riley grinste, nannte sie Mavourneen, erklärte ihr, dass ihr Verlobter ein Idiot war und liebte sie jeden Tag ein bisschen mehr. Und auch wenn er einmal kurz mit dem Gedanken gespielt hatte, sich wirklich in sie zu verlieben, kam das doch nicht in Frage. Das Leben lief in geordneten Bahnen, Harriot heiratete den Idioten tatsächlich und auch der letzte Titel aus der Oscar Lewis Reihe wurde ein voller Erfolg. Man munkelte sogar schon von Verfilmungen des ersten Bandes „Wälder“. <br />
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Bis zu dieser feuchtfröhlichen Fete anlässlich des Erfolges seines vierten Romans - der vielgepriesene Anfang einer neuen Ermittlerserie - hätte Riley nicht gedacht, dass sich sein Leben in nächster Zeit signifikant ändern würde. Er liebte es. Das alles. Es war, als wäre er ein Rockstar, nur ohne Musik und diese anstrengende Aufmerksamkeit. Er konnte das machen, was er wollte, bekam sogar noch Geld dafür. Großartig! Wie immer, wenn etwas in seinem Leben schieflief, war Alkohol im Spiel gewesen. Am nächsten Nachmittag kroch der Ire mit einem Schädel, der ihm explodieren wollte, Richtung Kloschüssel, über die er sich für die nächsten Stunden zu hängen gedachte. Harriot, nackt, neben ihm, in seinem Bett, stöhnte nur gequält und drehte sich um. So kam es, dass sie das erste und das letzte Mal das Bett miteinander geteilt hatten – soweit sie sich erinnern konnten, war es betrunkener, also mieser Sex gewesen, aber wie gesagt, die Erinnerung, das war eine heikle Angelegenheit. Und Harriot, die die Pille abgesetzt hatte, weil sie von ihrem zeugungsunfähigen Göttergatten ein Kind kriegen wollte, hatte von diesem Moment an „Einen Braten in der Röhre“, wie Riley es charmant nannte, allerdings: Eindeutig vom falschen Mann. Und Riley, der eigentlich nur „Scheiße, Scheiße, Scheiße“ denken konnte, war nicht bereit zu lügen. Natürlich nicht. Es war sein Kind und er wollte dieses Kind, wenn Harriot sich dazu entschloss es auszutragen. Was er am Wenigsten wollte, nich einmal Wochenend-Papa spielen zu können und das Kleine bei einem Vollidioten aufwachsen zu sehen, der wahrscheinlich noch glaubte, dass es sein Eigenes war. Es war allerdings nicht pure Bösartigkeit oder Egoismus, was Riley dazu veranlasste, dem Ehemann zu erklären, von wem Harriot schwanger war – mit einer weiteren gebrochenen Nase als Folge. Es war einfach sein pathologischer Unwillen, zu lügen. Die Ehe zerbrach. Und Harriot wollte ihn nicht mehr sehen oder sprechen, woraufhin Riley ernsthaft eine Scheißangst bekam.<br />
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Er bettelte, flehte darum, mit ihr sprechen zu können. Soff, um die Trennung zu ertragen und verabscheute sich für dieses Gefühl, es endgültig verkackt zu haben. Funkenstille. Neun Monate lang. Sie verzieh ihm. Am Telefon, nachts um drei, als die Wehen begonnen hatten einzusetzen, und die Hysterie diese ansonsten doch eindeutig toughe Frau ergriff. Gefühlte tausend Stunden später hielt Riley das kleine Bündel Tochter in den Händen, bewunderte die winzigen Hände und Füße und fand Adele vom ersten Moment an so verdammt perfekt, dass es ihm beinahe wehtat. Harriot ging ein halbes Jahr in Mutterschutz und zog kurzerhand bei Riley ein. Sie wurden kein Paar, waren einfach nur gemeinsam Eltern und beschlossen schließlich, dass es dem Schriftsteller zuzutrauen war, sich ganztags um Adele zu kümmern. Am Wochenende nahm Harriot Adele zu sich. Eine außergewöhnliche Art des Aufwachsens, unter der niemand litt, sah man einmal von dem dummen Sprüchen ab, die sie sich von Freunden und Bekannten anhören musste. Mittlerweile sind Sullivan und Rawes ein wunderbar eingespieltes Team und Riley fühlt sich auch nicht immer komplett überfordert. Man wächst eben mit seinen Aufgaben.<br />
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